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Wie oft müssen Top – Dj´s wie Mister Kalkbrenner eigentlich auf Reha zum Detox machen? Fahren die in die Klapsmühle zum Entgiften wie ein 0/8/15 Otto-Normalverbraucher nach Caorle an den Strand? Fragen über Fragen, wo ist eigentlich mein Entgiftungstee hin verschwunden? Ach ja, in der Minibar – hab ihn schließlich mit Wodka veredelt. Brennesselblätter, Mariendistel, Curcuma, grüner Tee und Birkenblätter gemischt mit kalorienarmen Hochprozentigen aus Russland – Detox-Jagatee-Deluxe – der Speedball für Ökofreaks, garantiert zuckerfrei! Ich klopfe mir selbst auf die Schulter, könnte vor Begeisterung über meinen Einfallsreichtum onanieren, wenn da nicht der ganze Papierkram wäre. Porno oder blaue Briefe? Blau oder digital? Ich will beides!
Erstmal Facebook checken, nervt mich aber nach drei Sekunden so sehr dass ich erst wieder auf Youporn lande. Doch beim Anblick kopulierender Asiatinnen fällt mir plötzlich ein, dass man vom Wichsen Knochenmarks-Schwund bekommt.
Klicke den Fickfilm weg, checke meinen Mailaccount.
Irgendein Bumsverlag empfiehlt mir ein Buch zum Thema Onlinepornosucht. Verfluchte Hurensöhne, was ist mit der Drecks-Datenschutz-Verordnung? Dürft ihr überhaupt von meiner digitalen Masturbationsaffinität wissen? Schlimmer als die Stasi diese Kreaturen! Die nennen das Marketing, ich nenne das Spionage. Was kommt denn als Nächstes? Eine Werbemail der Betty-Ford-Klinik? Ich bin so wütend, dass ich mir bei Zalando fünf Paar Schuhe bestelle, ehe ich mich beruhigt habe. Gestärkt durch die Vorfreude auf die neuen Fick-mich-Stiefel fühl ich mich in der Lage den analogen Kram zu erledigen, reiße den Umschlag der neben dem Rechner liegt auf.
Zu meiner Freude ist es diesmal gar kein Strafmandat, sondern die Gasrechnung. Entweder bezahl ich sie bis vorvorgestern, oder sie stellen mir das Gas ab. Was für ne eindrucksvolle Drohung – draußen hat´s über zwanzig Grad, blauer Himmel, Sonnenschein – und in der Nacht bin ich eh nie zuhause. Fick dich doch Scheiß Kelag. Zur Not heiz ich halt elektrisch – die Stromrechnung kommt ohnehin erst in zwei Wochen, genauso wie die Rechnung für meine neuen Schuhe.
Außerdem glaube ich nicht, dass sie mir auch noch den Strom abstellen – WLAN und Elektrizität sind schließlich Menschenrechte, das steht sicher in der Genfer Konvention. Außerdem hab ich eine Rechtsschutzversicherung, wenn die mir den Saft abdrehen, verklag ich sie.
Leider bremst der zweite Brief meine Konfrontationslaune – meine Rechtsschutzversicherung sagt dass ich seit zwei Monaten nicht mehr eingezahlt habe. Keine Kohle – Kein Recht. Ich schwöre sobald ich wieder flüssig bin, verklag ich die auch. Arschficker Versicherungswichser.
Wieso ist „Wichser“ ein Schimpfwort? Ist doch ne schöne Tätigkeit?
Ich klicke auf Pornhub. Nein, nur noch ein Kuvert dann gibt´s Fickfilme. Reiß dich zusammen.
Klappe den Laptop zu, checke den letzten Brief. Gelange zu der Erkenntnis dass Onanieren mich glücklicher gemacht hätte als der einhundertachzig Flocken teure Strafzettel, den ich wütend auf den Schreibtisch knalle. Wegen elf Stundenkilometern zu schnell so viel wie für zwei Gramm Kokain ausgeben? In was für ner kranken Welt leben wir? Sind die Tipsen aufm Amt angesoffen gewesen als sie den Wisch verfasst haben? So nicht! Nicht mit mir!Bei Uneinbringlichkeit drei Tage Ersatzfreiheitsstrafe. Sollen mich die Kasperln doch einsperren – weil Häfen ist ohne Nebenkosten, mit viel Zeit für Autoerotik.

Frau mit Bagger sucht Mann mit Schotter

Ein allerletztes Mal fliege ich über die Texte um ganz sicher zu gehen keine F – Wörter darin übersehen zu haben. Es gehört sich einfach nicht über Ficken und Fotzen zu reden, wenn die Eltern im Publikum sitzen. Da ziehe sogar ich eine klare Grenze, gewissenhaft entschärfe ich die kritischen Passagen während mich der Moderator ankündigt.
Ich atme noch einmal tief durch, schicke ein stilles Stoßgebet nach oben. Bitte lieber Gott mach, dass ich mich nicht vor Aufregung übergeben muss. Meine Gebete werden erhört – vorerst.
Als ich zu Lesen beginne kann ich spüren, wie die Farbe aus meinem Gesicht weicht. An die fünfzig Augenpaare kleben an meinen Lippen, lauschen den allmählich ruhiger werdenden Worten. Nach der dritten Zeile durchbricht schallendes Gelächter die Stille – Volltreffer, die verstehen meine Art von Humor. Entspannt schaukle ich die halbe Stunde, zum Ende rutscht mir sogar eins der bösen Wörter raus das ich versehentlich nicht weichgespült habe.
Meine Schwester zeigt mit den Daumen nach oben, ihr Blick sagt gut gemacht. Ich wechsle einige Wörter mit dem Moderator, beantworte Fragen meiner Literaturgroupies und signiere Bücher. Verwundert über das fortgeschrittene Alter der meisten meiner Leser, vielleicht bin ich zu pervers für Teenies? Oder zu langweilig, schließlich weiß jede Sau wie das mit Youporn funktioniert…
Sein Akzent macht mich fickerig, seine Augen sowieso. Ganz zu schweigen von den pechschwarzen Haarsträhnen, die er sich aus dem Gesicht streicht, als er mich um eine Widmung bittet.
„Für Carlos, bitte“, schüchtern reicht er mir das Buch. Unterschreibe mit „für das geilste Stück im Publikum“, vervollständige mit meiner Telefonnummer und gebe es ihm zurück. Muss unbedingt zu meinen Leuten zurück, ansonsten würde ich ihn an Ort und Stelle vernaschen.
Der harte Kern der Truppe folgt mir durch die Nacht, auch die dritte Sperrstunde kann uns nicht aufhalten. Wir ziehen immer weiter um mich zu feiern, torkelnd halten wir nach einer Spelunke Ausschau in der wir noch was zu Trinken bekommen. Steffen lallt was von an der Gabelung rechts halten, wir folgen dem angesoffenen Polen. Doch statt einer Bar, ist hinter der Ecke Baustelle.
„Willst du trinken oder was klauen du osteuropäischer Vollpfosten?“, Ellena faucht den Typ genervt an.
„Immer wenn du unteralkoholisiert bist, wirst du zur Diva. Entspann dich mal“, unbeeindruckt holt Steffen seinen Schwanz aus der Hose um einen der Hydranten anzupinkeln. Das anschließende Gekeife meiner unteralkoholisierten Freundin kann ich nicht mehr hören, ich bin damit beschäftigt, über die Absperrung der Baustelle zu klettern. Angesichts meiner Highheels und dem nuttigem Fummel, dessen Saum nicht länger als der blaue Faden meines Tampons reicht, erfordert das Unterfangen sämtliche Konzentration. Klopfe mir selbst auf die Schulter, als ich den Bagger erreicht hab und mich an ihm hochangle, bis ich auf dem schwarzen Ledersitz Platz nehme.
Ellena zeigt mir den Vogel, meine Mutter schüttelt resigniert den Kopf, bevor sie mich mit dem Handy fotografiert. Eines Tages werde sie das Bild meinen Kindern zeigen.
Ich frage den Polen, wie man so ein Gerät kurzschließt. Mama sagt, bitte komm vom Bagger runter. Du ruinierst dir doch die guten Schuhe, Kind.
Mein Handy klingelt. Es ist Carlos, er fragt ob ich für ihn Zeit hab.
Ich frage, ob er es schon mal in einem Bagger getrieben hat.
Steffen schreit, weg hier, Bullen im Anmarsch.
Versichere Carlos sofort zurück zu rufen, reihere auf die aufgerissenen Pflastersteine, als der Polizeiwagen neben meiner Mum zu stehen kommt.