#Istanbulisiert

Schreib doch einfach fertig.
In einer Stunde wirst wohl endlich soweit sein, ich habe Hunger.
Außerdem müsste doch noch genug Zeit sein um mir die Nudel ab zu kauen, es ist Feiertag.
Klappe den Rechner zu, parke ihn entnervt am Rand des Sofas um mich voll und ganz auf seinen ungelutschten Penis zu konzentrieren. Wir wollen doch nicht, dass er sich vernachlässigt vorkommt. Schon gar nicht am Nationalfeiertag. Weil wir wissen was er tut, wenn er sich nicht angehimmelt fühlt – er schreibt mit der türkischen Drecksfotze namens Kathi. Je ambitionierter ich blase, desto mehr geistert das Weib durch meinen Kopf; vermutlich auch durch seinen.
Drücke das steinharte Ding in meinen Rachen, so tief bis mein Würgereflex guten Morgen sagt und mir Tränen in die Augen treibt. Ein kurzer Blick nach oben bestätigt meine Annahme – ich bin nicht die einzige mit emotional grenzwertigem Blick. Er japst um Luft, wischt sich mit dem Handrücken übers Gesicht, brabbelt unverständliche Wortfetzen vor sich hin.
Ich schlucke erst runter, bevor ich ihm sage, dass ich kein türkisch verstehe. Sein postkoitales Blablabla wird schlagartig wieder sehr verständlich, außerdem klingt es nicht gerade Oxytocin geschwängert – ich glaube viel mehr einen Anflug von Adrenalin herauszuhören:
„Hör endlich mit dem Scheiß auf, es ist nicht mehr lustig. Als ob du eine Heilige wärst!“
Ob ich noch Spermareste im Gesicht hab, versuche ich das Thema zu wechseln.
Wenn Blicke töten könnten, würde ich jetzt in Flammen aufgehen. War der eigentlich immer schon so spaßbefreit? Er hat doch eben ejakuliert? Vielleicht ist er unterzuckert? Oder unter-istanbulisiert? Ach, wer weiß das schon so genau.

Die ruhige Zeit
Ist lang vorüber
Und a die Psych
Host hinter dir
Von H und Koks
Ist wenig über
Sag ma wo
Krieg ich jetzt noch was her
Ruf glei die Feierwehr

Ich schmeiße alle Besserungsvorsätze über Board- und mich selbst über die Häuser. Soll er doch jemand anders anzicken, ich hab die Schnauze gestrichen voll von seinen Menstruationsbeschwerden. Zuhause angekommen reiße ich erstmal sämtliche Fenster auf – ein wenig Frischluft könnte bestimmt nicht schaden. Fünf Stunden später erwache ich vor Kälte zitternd auf der Couch, wieso ist denn das schon wieder dunkel da draußen?
Hauptsache ich bin gut durchgelüftet und reaktiviert. Selbstzerstörung ist schließlich ein anspruchsvolles Unterfangen, da sollte man ausgeruht sein um sich aufs Wesentliche konzentrieren zu können.
Hoch wie nie. Für einen Stoßseufzer lang, ehe es zurück nach unten geht. Tief unten.
Überlebensticket, wo bist du?

#Datenschutz

Kaum das ich das Ruder wieder rumgerissen habe, um mich aus dem gröbsten Schlamassel hinaus zu hieven bemerke ich eine immer energischere Unruhe in mir aufkeimen. Man müsste meinen, der Mensch wird ruhig wenn er wieder Strom, fließend Wasser, eine funktionierende Heizung und ein futzikleines Plus am Konto hat. Falsch geglaubt, mich nervt diese Idylle schon nach zwei Atemzügen wieder. Mir ist nicht nach Harmonie, erstens sitzen meine Haare nicht so wie sie sollen und zweitens riechen meine Schuhe nach Pisse und drittens regt mich der Kickl so auf, dass ich Angst habe mir etwas anzutun wenn ich meine Wut nicht loswerde.
Mein Kater läuft mit einem schwarzen Schal zwischen den Zähnen an mir vorbei, ich sage pfui gib das wieder her, oder willst den auch noch vollpissen? Da er ihn nicht allzu sehr angesabbert hat, wickle ich mein Gesicht damit ein, alles außer den Augen. Plötzlich steht Mister L. im Flur, starrt mich verdutzt an.
„Was zum Teufel treibst du da? Wieso trägst du ne Burka?“ ,lächelnd kommt er näher, legt seine Hände auf meine Hüften und sagt dass ich ihm gefehlt hätte.
„Weil ich gegen das Vermummungsverbot demonstrieren werde. Das lass ich mir aus Datenschutzgründen nicht mehr gefallen, die können mich alle mal!“, nuschle ich in den selbstgebastelten Vollschleier, der mir immer über die Augen rutscht. Seine Hände fassen unter mein Shirt, ich sag hör auf abzulenken. Das wäre ein wichtiges politisches Thema, dass uns schließlich alle was angeht. Wo wären wir schließlich heute, wenn Adolf statt nach Polen zu spazieren immer nur geschnackselt hätte? Ja, genau – am Rande der Bedeutungslosigkeit. Will aus seiner Umarmung fliehen, wieder verdeckt mir der Stoff die Sicht, damit mich das heimtückische Katzenvieh auch noch zum Stolpern bringt, indem es einfach vor meine Beine hüpft.
Statt Mister L´s Arm erwische ich den Kleiderständer um mich festzuhalten, knalle ich mitsamt der Garderobe vor seine Füße. Ich kann immer noch nichts sehen, als er mich hoch zieht und fest am Krawattel packt.
„Es ist an der Zeit was gegen deine Unruhe zu unternehmen, bevor du noch einen Krieg anzettelst“ ,meint er als er mich vor sich herschiebt, meine Arme auf den Rücken dreht, meine Hose nach unten zieht. Ich widerspreche kleinlaut, er blättert auch noch mein Oberteil über den vermummten Kopf, drückt meinen nackten Körper gegen die Glasfront vom Balkon und öffnet den Reissverschluss seiner Jeans.
„Keine Sorge wegen der Spanner. Die können dich aus datenschutzrechtlicher Verschleierung nicht erkennen“, flüstert er mir zu um sich endlich meiner Nervosität anzunehmen.
Halleluja.