#dreieck

Schneller als ich mir einen Überblick über die unter uns liegende Stadt machen kann, reißt mir Rico das Shirt über den Kopf, schiebt den Jeansrock hinterher, drückt mich nackt und orientierungslos gegen die riesige Glasfront der Suite.
Im ersten Moment erschrecke ich, wie ein Blitz durchfährt mich die Kälte der Scheiben, meine Brustwarzen stellen sich augenblicklich auf. Fröstelndes Stöhnen, seine Hand packt mich am Schopf. Warmes Etwas drückt zwischen meine Beine, hektisches Gezerre, Reißverschluss, weg mit dem Stoff zwischen uns. Fühle seinen Atem im Nacken, verbeißt sich darin, leckt über die Rückseite meiner Ohren. Zerfließe wie Wachs unter seiner Flamme, mit geschlossenen Augen wandert meine Hand nach hinten. Will ihn spüren, ganz oder gar nicht.
Ob Mister L okay ist? Was er jetzt grade wohl treibt?
„Alles okay, Baby?“
Rico zieht mich weg vom Fenster, dreht meinen Blick in seinen hinein. Senke den Kopf um ihn nicht weiter ansehen zu müssen.
„Sag du es mir. Mister Verheiratet…“
Für einen Moment lang steht die Zeit still, wie eingefroren wirkt die Szene. Bis der Gedanke an L. mich wieder auftaut, Rico zieht sich an, packt seinen Kram zusammen. Wortlos verschwindet er durch die dunkelbraune Holztür nach draußen, Tränen laufen über mein Gesicht. Ich wünschte ER wäre jetzt hier bei mir… Ohne Sehnen keine Sucht, Ohne Hochempathie kein Narzissmus. Ohne Negativ-Fokus keine Entwicklung. Ohne Ehe keine Brecher. Ohne Arsch keine Löcher.

Willkommen im Urlaub.

Buenas Noche…….

Schaumfest in Kopenhagen

Ich schleppe meinen Körper vor die Bettenburg, wenn auch unter größtem Widerwillen. Welcher Beckenrandschwimmer hat den Flug um sieben Uhr morgens gebucht?
Ach ja, das war wohl ich. Memo an mich selbst: nie wieder nach zwei Uhr morgens Urlaub buchen. Memo Nummer zwei an mich selbst: nie wieder nach zwei Promille Blutalkohol Urlaub buchen.
Kaum hat der Rezeptions-Heini das Taxi Richtung Flugzeug gebucht, beschleicht mich das ungute Gefühl, etwas vergessen zu haben. Fokussiere mich aufs Wesentliche; nein, die Drogen hab ich eingesteckt, warum sonst sollte meine Handtasche so stinken?
Bargeld kann ich keins vergessen haben, hatte nie welches um Sack.
Ignoriere das widerliche Gefühl bis wir den Flughafen erreicht haben. Ach ja, jetzt weiß ich was mir fehlt: mein Reisepass.
Meine aufkommende Panikattacke lässt sich trotz Schengen Abkommen und online check in nicht in den Griff bekommen, ich zittere wie ein Parkinson Patient auf Alkoholentzug als wir die SIcherheitskontrolle passieren.
Sie winken mich durch, vermutlich aus Mitleid. So geruchsblind kann man doch nicht sein, halleluja und danke dir lieber Gott im Himmel. Fische meinen Koffer vom Förderband, wiege mich in Sicherheit obwohl das Teil riecht, als ob es die letzten zwei Jahrzehnte als Deko in einem Coffeshop gestanden hätte.
Eine der Uniformierten kommt in unsere Richtung, Nando soll bitte da drüben warten und seinen Koffer öffnen, sagt der bullig aussehende Kerl mit Glatze. Ob er sich bitte ausweisen kann, will der Pitbull namens Securityhawara von Nando wissen.
„Ja natürlich, ich hab schließlich einen Pass!“
Ich frage mich, ob Nando immer schon so ein Streber war, insgeheim muss ich mir das Lächeln verkneifen, als sie sein Gepäck auf Sprengstoff durchchecken. Ihr Deppen habt den Falschen auf die falsche Substanz überprüft. Na dann wollen wir mal Parfüm kaufen.
Nando sagt nein, Leibesvisitation gab’s dann eh keine, die haben sich nur so angestellt, weil er eine Dose Schaumfestiger im Handgepäck vergessen hat. Und ein Parfum. Weißt ja eh, alles was über hundert Milliliter ist, stempelt dich zum Dschihadisten ab.
„Schaumfestiger und Parfum klingt nach Schwul, nicht nach heiligem Krieg“, unauffällig lasse ich die Bemerkung fallen.
Nando sagt ich soll die Klappe halten.
Ich sage er soll Bier kaufen.
Nando sagt es ist sechs Uhr morgens.
Ich sage er soll Bier kaufen.
Nando sagt er braucht Schaumfestiger.
Ich sage er soll Bier mitbringen
Nando sagt ich wäre irre
Ich sage danke