#Männerflüchtling

Wütend schleudere ich seinen Schlüsselbund gegen die hölzerne Tür, verfehle sein Gesicht um haaresbreite.
„Bist du völlig durchgeknallt? Das war´s jetzt. Ich verschwinde.“, brüllt er mich an.
Er hebt das Wurfgeschoss vom Fußboden auf, wünscht mir ein schönes Leben ehe er sich umdreht und endlich abhaut. Wäre er noch eine einzige Sekunde länger geblieben, hätte ich ihn wohl erwürgt.
Erst als ich seinen Wagen wegfahren höre, entspann ich mich ein klein wenig. Lasse mich in die Badewanne fallen, versuche an was Schönes zu denken.
Schließe die Augen, das monotone Plätschern des einlaufenden Badewassers übertönt all die Gedanken in mir. Als die Wanne voll ist, frag ich mich, ob er jetzt wohl zurück zu ihr gefahren ist.
Ob sie von mir weiß?
Lasse meinen Kopf im Wasser versinken, als ob der Sauerstoffenzug was gegen meine Besessenheit ausrichten könnte. Ich kann nicht aufhören an ihn zu denken. Ich muss hier weg. Jetzt sofort.
Joel strahlt bis über beide Ohren, als er mich am Flughafen abholt. Viel zu lange sei es schon her, dass wir uns gesehen haben – wie es kommt, dass ich so kurzfristig in der Stadt sei. Ich antworte das sei arschlochbedingt, lächle gequält.
Keine Sorge, Mädchen. Berlin heilt arschlochbedingte Blessuren schneller als Psychopharmaka. Er klopft mir auf die Schulter.
„Wollen wa wetten, Klene?“

Über Orgasmuskatalisatoren

Er vögelt mich mit der Gewissenhaftigkeit eines deutschen Finanzbeamten, kurz bevor ich ohnmächtig werde klingelt sein Wecker zum dritten Mal. Gott sei Dank – ich dachte schon er tötet mich versehentlich. Nicht das ich was gegen einen Abgang beim Ficken hätte – aber bitte nicht wenn die Sonne scheint. Niemand sollte bei Badewetter krepieren. Man gießt schließlich seine Blumen auch nicht mit Champagner
Und niemand sollte angebumst liegen gelassen werden, schon gar nicht ich. Wäre ich nicht so unmotiviert, würde ich mir irgendeinen Dilettanten aus ‘m Netz zum Fertigmachen holen. Ich hab aber keinen Bock auf analoge Zwischenmenschlichkeit – wozu auch? Die Realität bietet nicht mal annähernd das, was ich an Perversionen suche. Ein Hoch auf die Digitalisierung.
Nach dem dreiundzwanzigsten asiatischen Lesbenporno verstauche ich mir das Handgelenk. Außerdem schaut der Hund aus, als ob er sich vor lauter passiv wichsen sein Hirn verstaucht hätte. Vielleicht sollte ich doch mal irgendetwas Produktives tun?
Wanke in die Küche und öffne den Geschirrspüler. Zum Ausräumen reicht der Motivationsschub leider nicht aus. Außerdem, wer sagt schon das Masturbieren unproduktiv ist.
Damit es nicht allzu eintönig wird, beschließe ich einen Orts- und Materialwechsel. Statt weiterhin im Schlafzimmer auf Handbetrieb zu schalten – parke ich meinen Luxuskörper im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Statt asiatischen Lesben kopulieren afroamerikanische Liliputaner auf dem Bildschirm. Die Batterien aus der Fernbedienung wechseln ihren Hauptwohnsitz Richtung Vibrator, schließlich will ich keine Sehnenscheidenentzündung riskieren.
So angenehm die maschinelle Onanie auch ist – leider fühlt sich der Hund von dem Ton der Wichsmaschine irritiert und sucht das Weite. Was sehr schade ist – ich find es scharf wenn er mir dabei zusieht. Voyeuristische Hunde sind Orgasmuskatalisatoren. Im Gegensatz zu Katzen, die fungieren eher als Spaßbremsen.
Was wohl Edith Klinger zu dem Thema gesagt hätte?
„Das arme Viecherl“, vermutlich.
Schneller als erwartet kommt der Traum meiner schlaflosen Nächte vom Arbeiten zurück, lässt sich wie ein nasser Sack aufs Sofa fallen. Ich könne mir ja gar nicht vorstellen wie anstrengend sein Tag gewesen sei. Brüskiert entgegne ich, ob er eigentlich eine Ahnung hätte, wie stressig dauerrubbeln sei. Verständnisvoll nickt der Hund in seine Richtung, während er mir den Bademantel aufreißt.