Miau

Seit Tagen ist das Riesenvieh nicht mehr aufgetaucht, Mister Loverlover´s Kinder machen sich Sorgen wo es geblieben ist. Mister Loverlover versucht sie zu beruhigen, von wegen Frühling, Natur, Vollmond und Pollenflug. Da könne es schon mal passieren, dass so ein Raubtier nächtelang nicht mehr nach Hause kommt.
Ich frage ihn, ob das auch für mich gilt.
Er lacht nicht.
Ich sage, war nur Spaß.
Seine flache Hand klatscht auf meinen Hintern, tänzelnde Fingerspitzen bahnen sich ihren Weg über jeden einzelnen Wirbel immer weiter Richtung Nacken. Packen mich an meiner Achillesferse, wandern weiter bis zu den Schläfen, umkreisen den Punkt der alles andere ausschaltet. Schaltet mich aus. Zeitgleich mit dem Wlan. Ohne Internet kein Sex. Kinder ohne Wlan sind wie Weizen ohne Gluten.
Mit hundertachzig Sachen immer näher zum Strand, Georg sorgt sich um das Riesenvieh;
„Vielleicht hat sie der Fuchs geholt Papa?“
Vermutlich um sie zu vergewaltigen. Halte die Schnauze dreckiger Geist, denke ich.
„Nein Georg, keine Sorge. Deine Katze wird sicher wohlauf sein. Psychopaten geht’s meistens gut“, erkläre dem wandelndem Meter die Welt ohne sie zu verstehen. Klingt nach der gängigen Erziehungspraxis, auch jenseits von Harz4 bzw. bedarfsorientierter Mindestsicherung.
Wir schießen immer näher an die Küste, mit jedem Kilometer wird die Luft salziger, der Herzschlag intensiver, die Gewissheit der eigenen Endlichkeit unverfälschter – immer sehnender die Suche nach Vollkommenheit. Und die nach der Katze.

Misses Exfrau schwirrt derweil durchs Unterholz, würde sie nicht ständig „Miau“ schreien, wäre sie so unsichtbar wie ein Afroamerikaner in einem Kohlenbunker.

Einsames Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom………………… oder: Miss Verständnis auf der Suche nach Nähe

„Stinke nach Suff
Bin kaputt
Ist ‘n schönes Leben“

Kopf wummert, vermutlich ein Tumor. Hals fühlt sich geschwollen an, vermutlich vom Cola. Fotze ist wund, vermutlich wegen dem besoffenem Idiot, der ohne Gefühl, darauf rumgeritten ist. Augen sind ultralichtempfindlich, vermutlich wegen all den Drogen, die ich in mich reingestopft habe.

Herz ist völlig abgestumpft, vermutlich wegen all den Enttäuschungen, die ich zu ignorieren versuche. Nase rinnt ohne Ende, vermutlich der kolumbianische Diskoschnupfen, Narzismus fickt den Rest meines Hirns.
Brieftasche ist leer, vermutlich hatte ich jede Menge Spaß vergangene Nacht. Auto ist verschwunden, vermutlich irgendwo in der Stadt. Mein Bett wird verschwendet, vermutlich weil ich jede Nacht alleine darin schlafe. Selbstachtung ist futsch, schau so schnell kann’s gehen….

Panik wächst unaufhaltsam, eisenener GRIFF nimmt meine Kehle in Beschlag, drückt mir die Luft weg, nährt Todesangst, Sekunden bevor sie mir die Endlichkeit des eigenen Seins ins Bewusstsein ruft.

Ich bin so gottverdammt einsam….