#weg

Mittlerweile bahnen sich erste Sonnenstrahlen durch die Fenster, leuchten solange auf meine Augenlider bis ich aus dem Halbschlaf hochschrecke und bemerke, dass wir uns bereits im Landeanflug befinden. Der Airbus zieht eine Schleife über das Hochhausmeer unter uns, Wahnsinn wie groß und hässlich die Stadt von hier oben aussieht.
Am Rande der riesigen Gebäudeansammlung schießen wir über die Favelas die wie ein Zaun zwischen der Stadt und den grünbewachsenen Hügeln wuchern. Nicht weit davon entfernt die Landebahn und das riesige Areal des Flughafens.
Ich frage eine der Stewardessen mit welchem Taxiunternehmen man am besten in die Innenstadt fährt, was der Spaß in etwa kostet. Sie empfiehlt mir Uber, da wäre sogar ein eigener Stand vor dem Terminal; alle anderen wären überteuert – außer Taxi 99, allerdings würden die wenigsten dort Englisch sprechen.
Erschlagen von der stickigen und feuchten Luft schiebe ich mich durch den Flughafen, die Passkontrolle und Gepäckabholung ziehen sich endlos in die Länge. Kein Wunder bei den Massen an Menschen die allesamt dasselbe Ziel im Visier haben – nichts wie raus hier.
Ich wechsle zweihundert Euro, mach mich auf die Suche nach dem Uber Stand, breche nach fünf Minuten ausgepowert und durchgeschwitzt ab.
Die Dame hinter dem Plexiglas fragt wohin ich will, ich schiebe ihr einen Zettel mit der Adresse durch den Münzschacht.
„168 Real, but if you try he will make it for 150“, sprachs und zeigte mit dem Finger auf den Wagen hinter mir.
Wir fahren vorbei am Ghetto, mit jedem Kilometer scheinen die Bauten neben uns höher zu werden, die Menschen die vor ihnen im Dreck liegen werden weniger, je näher wir uns der Innenstadt nähern. Dafür vermehren sich die Betonburgen die Balkone MIT Geländern und verspiegelte Fassaden haben.
Ich bin erstaunt wie grün das alles von hier unten aus wirkt, nirgendwo ein unbepflanzter Fleck zwischen den Bauten. Fast so als würden Palmen den Asphalt zähmen. Auch wenn sie es nicht schaffen einem die Angst vor dieser Metropole zu nehmen; einer in der alle durchschnittlich alle 30min ein Mensch getötet wird. Gott sei Dank bringt mich der niedliche Kerl hinterm Steuer weg von meinen gedanklichen Mordstatistiken, direkt ins Hotel. Für 180 Real. Unverhandelbar weil Schnucki nix versteht.
Dafür entschädigt das Radisson blu Sao Paulo für die Strapazen – der herzliche Empfang an der Rezeption ist an Empathie und Authenzität nicht zu toppen – man fühlt sich willkommen. Early Check In, Welcome Caipirniha und dann endlich im Zimmer ankommen, auf dem Balkon stehend für einen Moment innehalten um den Beat unter mir einzusaugen, die Kulisse wirken zu lassen.

Noch zwanzig Stunden bis er hier ist…..

Selbstverschuldetes Verderben oder verzweifelte Suche nach Vollkommenheit?

Die meisten Theorien besagen, dass der Ursprung der Sucht in der frühen Kindheit zu finden sei. Vernachlässigung, Gewalt oder fehlende Geborgenheit als Ursache von Abhängigkeit?

Oder ist es ein Mangel an Disziplin und Willensstärke, der dieses verlogene und nichtsnutzige Pack ins selbstverschuldete Verderben treibt? Keine Krankheit, sondern Charakterschwäche?

Seid ihr wirklich so blind?

Unzählige Male habe ich mich gefragt, ob Sucht vererbt wird; so wie Krebs oder Krampfadern. Gibt es völlig suchtfreie Menschen? Hat nicht jeder ein Steckenpferd?

Eine Obsession, die uns antreibt, fesselt und im schlimmsten Fall nie wieder loslässt. Haben wir nicht alle unsere eigene Art zu sterben? Oder ist es der abgefuckte Junkie, der da aus mir spricht?

Wo hör ich auf, wieweit beherrscht mich die Gier nach mehr? Ununterbrochene Jagd nach dem Tod auf Raten, oder harmlose Alltagsflucht? Mehrmalige Aufenthalte in diversen Psychiatrien sprechen gegen die zweite Variante. Harmlos geht ohne Irrenanstalt und Seroquel.

Sehnende Suche nach dem Ende?

Bin ich krank, oder einfach nur willensschwach?

Geschieht es mir Recht?

Gesellschaftliche Ausgrenzung als Preis meines Egotrips ?

Zu Krebs kann man schließlich nicht nein sagen, zu Koks schon.

Schwächlinge haben es verdient, alleine zu sterben. Hätten doch nur kämpfen müssen.

Resigniert und enttäuscht zieht es mir den Boden unter meinen Füßen weg

WO bist du jetzt?

Alles nur geklaut

Wenn du lachst

Strahlt Sonnenlicht in die Nacht

Für die Dinge die wir lieben

Sind wir gemacht

Erschöpfter Geist drückt mich zu Boden. Mobilisiere allerletzte Reserven, um den Schein der Unkaputtbarkeit zu wahren.

Lieber stehend sterben

Als kniend leben

Tanze auf Messers Schneide, jede Unbedachtheit könnte das Ende bedeuten. Himmelhoher Höhenflug ohne Happy End Garantie. Hollywood ist weit weg.

Und ich ringe zum Himmel

Dass die Stimmung hier um schwingt

Heb die Hände zu Gott

Oder wer immer hier rumhängt

Wie aus dem Nichts überwältigt von einem zündenden Funken Hoffnung

Aufstehen und weitermachen

Lass uns tanzen im Regen

Lass uns tanzen bei Nacht

Kannst du mir vergeben?

Für den Scheiß den ich mach

Fremdgesteuerte Sehnsucht degradiert mich zur gefühllosen Marionette der eigenen Obsession. Längst schon ist der Wille gebrochen.

Leere Worte

An einem toten Tag

Mein Hirn liegt im Nebel

Zuviel Koks

Zuwenig Schlaf

Zuviel von allem

Ein kleiner Tod

Ich hab mich abgeschossen

Ausgeknipst,

mich selbst überholt

Geduld!

In ein paar Tagen wird der Optimismus wiederkommen…Sobald das Gift den Körper verlassen hat, wird auch die Verzweiflung verschwinden…

Junger Tod

Schnelles Leben

Für den Thron in Stellung gehen

Die Welle sehen

Und die Welle nehmen

Ich geh meinen Weg bis ans Ende

Sehnsucht nach der Zukunft

Heimweh nach der Fremde

Fehlender Glaube an das Gute potenziert grenzenloses Selbstmitleid. Sämtliche Versuche mich darin zu suhlen scheitern – ich fühle nichts mehr. Betäubte Sinne als Schutzschirm.

So still

Obwohl ich dich mit jedem Tag vermiss

Und wo immer du auch gerade bist

Du zeigst mir

Dass Stille jetzt ein Freund geworden ist

Herzamputierte Gradwanderung  zwischen Genie und Wahnsinn. Alles besser als die Gewissheit, dich für immer verloren zu haben.

Waren wir auf der Flucht

Sollte es so sein

War es zu intensiv

Oder waren wir nicht soweit

War es die Erlösung

Der Weg ins Freie

Der Wink des Schicksals

Oder nur das Nicht-Verzeihen

Ich wünschte, ich könnte dich jetzt spüren. Sehnsucht schlägt Betäubung.

Wovon sollen wir träumen

So wie wir sind

Woran können wir glauben

Wo führt das hin?

Was kommt und bleibt

So wie wir sind

Seelenlos Suchende auf der Jagd nach dem fehlenden Teil?  Wo bist du?

Das Glück ist ein Flittchen

Doch niemand küsst so gut

Ich weiß erst dann meinen Namen

Wenn du ihn rufst

Wie Schlafmohn

Verführerisch

Und so natürlich

Wie eine andere Dimension

Nicht greifbar

Doch ich spür dich

Ich bin süchtig nach dir

Ich bin dir hoffnungslos verfallen

Jesus ist tot

Es regiert Lady Guetta

Kauft Sprengstoff

Kauft Zünder

Macht die Welt ein Stückchen gesünder

Hört auf zu suchen

Werdet Finder

Bumst euer Weib

Und macht ein paar Kinder

Hier ist der Ort an dem es endet

Und wohl kaum jemand dagegen hält

Wo keiner rennt wenn im November saurer Regen fällt

Von uns träumt keiner mehr von Buis oder Kiffen am Abend

Wir tragen Spritzen in den Adern

Anstatt Kinder in den Armen

Mutter

Der Mann mit dem Koks ist da

Ja mein Junge das weiß ich ja

Ich hab kein Geld

Und du hast kein Geld

Wer hat den Mann mit dem Koks bestellt

Wir trinken auf Verlierer

lassen Pappbecher vergolden

feiern hart, fallen weich

auf die lila Wolken

I ‚ve learned to fly

But i ain’t got wings

Coming down

Is the hardest thing 

Du fehlst mir so schrecklich . ..

Bitte geh nicht.

Ignoriere das erste Klingeln des Weckers, ziehe seine Arme um eine Spur näher an meinen nackten Körper um sie festzuhalten. Sekunden später falle ich wieder in den Tiefschlaf.

Leider funktioniert die Taktik nur beim ersten Mal.

Beim zweiten Alarm löst er sich aus meiner Umklammerung und steht auf.

Ich hasse Wecker.

Wieso ist die Nacht schon wieder vorbei? Ich bin doch eben erst in Wien angekommen…

Noch wiegt die Müdigkeit mehr, als die Enttäuschung. Ich wünschte, er könnte bleiben.

Gespieltes Lächeln, als er mich zum Abschied küsst. Er soll nicht merken, dass ich mich Hals über Kopf in ihn verliebt habe. Bloß keine Emotionen zeigen, keinen Funken von Verwundbarkeit eingestehen. Reiß dich gefälligst zusammen.

Bitte geh nicht.

Drücke mein Gesicht ins Kissen, es riecht so gut. Nach ihm.  Er kommt noch mal zu mir, setzt sich aufs Bett und streichelt über meinen Kopf.

Bitte geh jetzt nicht weg.

„Es war schön mit dir.“

Schaffe es die Tränen solange zurück zu halten, bis er verschwindet und die Türe ins Schloss fällt.

 

 

 

 

Polytoxikomanie

Es kribbelt wie Millionen laufender Ameisen unter der Haut, Tims Augen werden schwarz. Seine Pupillen funkeln so groß wie der Vollmond über unsren Köpfen.

Ich muss an Schuhu denken. Dem Polarvogel würde es bei den Temperaturen sicher gefallen.

„Alles in Ordnung bei dir?“

Tim bemerkt den grübelnden Ausdruck in meinem Gesicht.

„Passt schon. Musste nur grade an eine Eule denken.“

Unter uns tausende Feiernde, die der Kälte trotzen und genauso vom unerwartet einsetzenden Bass überrascht werden wie wir hier oben.  Mit der Schlagkraft einer Abrissbirne beschleunigt der DJ den Beat, die Menge tobt im Stroboskopgewitter. Über uns die Sterne, darunter der Flow – Euphorie macht sich breit und wie zum Beweis tanzt Jan durch die offene Balkontüre zu uns nach draußen:

„Leute, ich liebe euch.“

Jetzt wo er´s sagt, spür ich´s auch plötzlich. Außerdem krampft mein Kiefer mit seinem um die Wette.

Ob sich Vögel  verlieben können?

Haben Eulen Kiefer?

Diese ganze Fragerei bringt mich aus dem Takt. Ich kann nicht tanzen und denken gleichzeitig. Für Multitasking ist es zu kalt. Und zu spät. Und zu dicht.

Über uns schießt ein rosa Lichtblitz in den schwarzen Himmel, knapp gefolgt von neongrünem Blinken das die rotierende Menschenmenge wie ein großes Ganzes erscheinen lässt. Hektisch drehe ich mich um die eigene Achse und laufe durch das Zimmer nach draußen. Ich muss da runter. Mittendrin statt nur dabei…

Schiebe mich durch den Einlass  nach vorne, das Wummern in der Magengegend wird umso heftiger, je näher ich den Boxen neben dem DJ Pult komme. Wie ein zusätzlicher Stromschlag der das Nervensystem auf Vollgas dreht, gepusht und losgelöst. Mit dem Hauch einer Ahnung, wie sich Vollkommenheit anfühlt.

Zack. Bumm. Tauch.

Filmriss.

Starke Arme, die sich unter meine hacken. Als würde mich jemand wegziehen. Wohin ist der Bass verschwunden? Blinzle verstohlen durch ein halb geöffnetes Augenlid in die Dunkelheit.

Bin ich etwa gestorben ?  

Kann nur verschwommene Silhouetten erkennen, es ist so gespenstisch ruhig um mich herum. Außer dem Wummern im Kopf und einem lauter werdendem Atemgeräusch knapp hinter mir scheint es still geworden zu sein.

WO bin ich hier?

Versuche mich aus dem klammernden Griff zu befreien, kapituliere aber, als meine Oberschenkel ihren Dienst versagen und das schwache Licht zum zweiten Mal ausgeht.

Ob Eulen Winterschlaf halten?

Wie schmeckt so ein Vogel?

Stehen Schuhus unter Naturschutz?

Ich glaube er schmeckt nach Strauß.

Wieso riecht es hier nach Marihuana?

Wessen Atem spüre ich im Nacken ? 

Panisch  reiße ich die Augen auf. Der Teddybär neben dem Kopfkissen ist mir völlig unbekannt. Vielleicht sieht er deswegen so apathisch in meine Richtung? Wer zum Teufel kifft hier? Hatte ich letzte Nacht Sex? Und wo bin ich eigentlich?

Und welcher Vollspast kauft sich Bettwäsche mit Hirschköpfen drauf?

Verstohlen werfe ich einen Blick unter die Decke, die höchstwahrscheinlich von Jägermeister gesponsert wurde –  und siehe da, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Ich bin tatsächlich noch angezogen. Inklusive Stiefel.

Die Frage nach dem Koitus wäre somit vom Tisch.

Noch ehe ich eine Antwort auf eine der anderen existentiellen Ungewissheiten finden kann, schreckt mich das dreckige Lachen hinter mir auf. Kreische wie ein kleines Mädchen und springe mit der Dynamik einer Heuschrecke auf Amphetamin aus der Pritsche hoch.

An deren Fußende sitzt unterdessen ein amüsiert aussehender Tim, der vor Lachen beinahe auf den Parkettboden kracht. Wäre mir nicht so schwindelig, würde ich ihn eine reinhauen. Doch noch bevor ich das Gleichgewicht wieder finde, gebe ich dem Zittern meiner Beine nach und lasse mich zurück aufs  Bett fallen.

„Bist du bescheuert?“

Tims Blick verfinstert sich:

„Zumindest weiß ich, wann genug ist, du Irre.“

Wovon redet der denn?

Irgendetwas summt. Außerdem glaube ich, dass mein Kopf explodiert. Ein schmaler Lichtstrahl fällt durch die Vorhänge auf das Fußende des Betts. Genau dorthin wo das nervige Geräusch herkommt.

Verdammt. Mein Telefon.

„Hör auf mich irre zu nennen. Du weißt, dass mir das nicht gerecht wird.“

Lachend öffnet er eine Cola und streckt sie in meine Richtung.

„Stimmt. Du bist geistesgestört hoch tausend. Dafür gibt’s noch gar kein Wort“

Die Kohlensäure brennt furchtbar im Hals, doch der Zuckergehalt der Limo holt mich für eine Weile wieder runter von meiner Welle. Und noch während ich mich frage, welcher Tag heute ist, summt es erneut. Ach ja, das Telefon!

Beim Checken der ungelesenen dreihundert Nachrichten stockt mir der Atem, als ich seine entdecke:

Er würde mich immer noch lieben. Und wollen sowieso.

Mein Herz tanzt.

Ob er auch manchmal an große, weiße Vögel denkt?

Ob der große, weiße Vogel manchmal auch an uns denkt, wenn er sich das Herz bricht?

Geht das ohne Kiefer überhaupt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über leidenschaftliche Endgegner

Doch anstatt auch nur einen Funken an Normalität einzuschleusen, gerät es immer mehr außer Kontrolle. Und noch während man sich selbst davon überzeugt, es sei der Lauf der Dinge, kratzt ein Arschloch namens Gewissen an der bröckeligen Fassade.

Echt jetzt?

Willst die Stimme im Kopf ignorieren, doch aus dem anfänglichen Flüstern ist ein Schreien geworden;  zu schrill um auf Durchzug zu schalten.  Überlebensdrang versus Selbstzerstörung.

Echt jetzt?

Runterspielen ist mindestens so effektiv, wie der Versuch es mithilfe chemischer Unterstützung beiseite zu schieben. So sinnvoll wie ein Brunch Buffet auf der Afterhour. Zielführend geht anders, oder?

Leider ist auch die Gewissheit falsch zu liegen, vollkommen bedeutungslos. Viel zu überwältigend die Gier. Gib mir mehr davon. Ich kriege nie genug.

Alles unter Kontrolle? Oder nichts anderes als der Spielball einer tot geschwiegenen Abhängigkeit? Zu schwach um es dir einzugestehen?  Wo bist du jetzt?  Gänsehaut. Herzrasen. Das Verlangen nach mehr. Alles durchdringende Hitzewelle. Keine Bedenken oder Zweifel mehr.

Leidenschaftliche Hingabe an den Endgegner – wenn schon spielen, dann mit vollem Einsatz. Du kriegst mich ja doch nicht, wetten?

 

Hirnwichserei

Ich sehne mich süchtig nach Dir. Viel zu viel Zeit ist seit der Begegnung  bereits vergangen; keine einzige Sekunde in der ich mich nicht in Deine Arme wünsche. Sämtliche Versuche, dich aus meinem Kopf zu bekommen scheitern. Kläglich. Bedauernswert. Erbarmungswürdig. Entwürdigend. Zwecklos.

Könntest du nicht einfach J E T Z T vor meiner Türe stehen?

Gott, wie überwältigend die Erkenntnis, um meiner selbst willen gewollt zu werden.

Doch statt Deiner  Präsenz in der Wirklichkeit, bleibt nichts anderes als die idealisierte Illusion eines viel zu weit Entfernten. Nähe schafft Geborgenheit, aber erst die andauernde Sehnsucht nach einem distanzierten Gegenstück macht eben  jenes perfekt. So vollkommen, dass ihm niemand  jemals das Wasser reichen könnte.

Dem Trugschluss erliegend, ein einziger Mensch könnte alles wieder gut machen. Du könntest doch alles wieder gut machen? Bitte mach es wieder gut.

Weil DU unfehlbar bist – keine Nähe, keine Fehler. Weil DU mein Wunschbild, mein Beispiel für Perfektion in Männergestalt, meine unerreichbare Skizze einer einzig wahren, großen und völlig durchgeknallten Liebe bist. Wahrhaftig erstrebenswert.

Wie es sich wohl anfühlen würde, dich jetzt zu spüren…..

 

 

 

 

Rene‘

Wir schreiben. Wir ignorieren einander. Stacheln uns gegenseitig an, heizen ein, als ob es kein Morgen geben würde. Immer wieder wummert die Erinnerung an vergangene Tage und Gefühle wie ein Vorschlaghammer in den Kopf, macht die verdrängten Empfindungen wieder bewusst.

Seit knapp zwei Jahren ficke ich alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, immer mit der Hoffnung, ihn endlich gehen zu lassen. Vergessen können.  Ganz egal wie ich es auch anstelle – ich kann nicht aufhören an ihn zu denken.

Es ist nicht schlimm zu wissen, dass er jemand anders hat. Aber mir blutet das Herz, wenn ich spüre, dass er dabei unglücklich ist.

„Interessant ist immer das, was man nicht haben kann.“

Richtig. Nur, dass es nicht um Besitzanspruch geht. Alles was ich will, ist zu wissen, dass er ok ist.

Scheiß aufs Ego.

„Will dich spüren. Schmecken. In deinen Armen einschlafen, nur um zu wissen, dass du wirklich da bist.“

Niemals hab ich mich sosehr nach einen Menschen gesehnt, wie in diesen Tagen nach ihm. Seit Wochen schon ungefickt und trotzdem interessiert mich keiner der üblichen Bums-mich-anständig-durch- Spasten, alles was ich jemals wollte ist………….Er……

Gott und die Welt sagt mir, ich soll die Finger davon lassen; der Turbo unter meinen Rippen sagt was anderes… Sturheit? Engstirnigkeit? Aneckenwollen? Nostalgie? Sucht? Naivität?

Nichts als verzweifelte Versuche, das Unfassbare in die korrekte Schublade zu stecken, wie auch immer. Einen feuchten Scheiß drauf gebend was irgendjemand davon hält…  Ihr habt keine Ahnung wie ich fühle. Und  noch während in meinem Schädel Krieg tobt, summt das verfickte Ericcson wie ein eingekokster Epileptiker auf dem Glastisch herum.

Kurzer Blick aufs Display, bestätigt meine Vorahnung. Er hat geschrieben. Wir sehen uns heute. Zum ersten Mal seit drei Monaten.  Versuche die Vorfreude zu dämpfen, nur nicht durchdrehen… Sag der besten aller Vertrauten Bescheid, schmeiß mich in mein weißes „Fick-mich-Kleid“, das sie mir vor Wochen geschenkt hat und mach mich auf den Weg nach St. Eiermark.

Scheiße, bin ich aufgeregt.

Ob ich kurz anhalten und einen Ofen rauchen sollte?

Nein, ich will vollkommen bei Sinnen sein, keinen einzigen Nervenstrang betäubt, alles spüren. Unterwegs meldet sich auch der Mann mit dem Koks. Nein danke, ich will mich nicht schon wieder selbst sabotieren…. Keine Sehnsucht nach Placebos; alles was ich brauche kann man nicht kaufen..

Klopfe mir selbst auf die Schultern, ehe ich bemerke, dass ich angekommen bin; wie der erste Kick auf MDMA erwischt es mich, als ich seinen Wagen sehe. R. sieht genauso aus, wie ich ihn in Erinnerung habe; süß- und unendlich müde. Doch das sonstige Herzrasen ist einer tiefen Vertrautheit gewichen; unsicher wann ich mich zum letzten Mal jemand so nah gefühlt hab, als ich in seine Karre steige und mich neben ihm in den Sitz fallen lasse.

Und plötzlich fühlt es sich an, als wäre der ganze Scheiß nie passiert; neurotische Verliebtheit ist einem undefinierbarem Akzent der Ruhe erlegen.  Keine Ahnung, aber es ist richtig. Richtig gut.

Wir reden. Zum ersten Mal seit geraumer Zeit. Nicht nur über belanglosen Mist. Über Dinge, die bewegen. Steigen aus dem Auto, er nimmt mich an der Hand. Sauge den Augenblick ein, als wüsste ich ganz tief drinnen, dass es sich nie mehr so intensiv anfühlen würde.  Liegen nebeneinander in einer der Pritschen, bekomme nicht genug von seinem Geruch, verliere mich beinahe, ich kann nicht glauben, dass das wirklich passiert. Hätte ich einen Wunsch frei,  wäre es, ihn nie mehr loszulassen.

Streichle über seine Brust, tänzelnde Fingerspitzen ebnen sich den Weg, jagen die Innenseite seiner Oberschekel hinab, halten an den Knien inne, fegen wie ein Orkan zurück zwischen seine Beine, zeichnen die Konturen des hart gewordenen Körperteils nach, während er meine unverpackten Titten durch den Stoff hindurch inspiziert, gekonnt an den Nippeln zieht, loslässt um sie anschließend durchzukneten. Gott, er riecht so gut.

Kurz vorm verrückt werden stehend,  als hätte er Lunte gerochen, lässt er plötzlich von mir ab, steht auf und beginnt damit, sich auszuziehen. Challenge accepted – mit einer flüssigen Aufwärtsbewegung streife ich den Fickmichfetzten ab, stehe nur noch in Halterlosen vor ihm, rufe enthusiastisch „Erster!“,  bevor er mich umdreht und meinen Oberkörper aufs Bett drückt.

Schließe die Augen, fest zupackende Hände dirigieren meinen zuckenden Arsch nach hinten, und während ich mich noch wundere wie geil sich das anfühlt, rammt er mir den steinharten Schwanz hinein, ohne die Möglichkeit mich zu wehren lasse ich mich fallen. Verliere völlig die Kontrolle, alles was ich will ist mehr davon.

Immer lauter werdende Schreie, er krallt sich tief in meine Hüften, mit einem Ruck dreht er den winselnden Körper auf den Rücken, nicht ohne mir vorher kräftig auf den Arsch zu klatschen. Millimeter vor dem Höhepunkt herumschleichend, reißt er unerwartet sein Teil wieder aus mir raus.

Gierig, beinahe automatisiert drücke ich meinen Körper in seine Richtung, zärtlich packt er mich am Hinterkopf, steuert ihn eine Etage weiter nach unten, solange bis sich Schwanzspitze und Lippen berühren.

Ausgehungert wie eine Königscobra, die wochenlang nichts mehr zu fressen bekommen hat, schnappe ich vorsichtig nach dem Lieblings-Schwanz, ziehe mit der Zunge Kreise über die Spitze, um ihn schließlich bis zum Anschlag im Gesicht verschwinden zu lassen.

Langsam wandernde Hände, innehaltend, weiter suchend, findend, staunend, gleichzeitig mit seinen, die mich auf einmal an den Beinen erwischen. Vorsichtig und doch bestimmt drückt er sie nach hinten, solange, bis ich vollkommen frei und zugänglich vor ihm liege.

Sekunden später seine Zunge, die sich ihren Weg durch mein Allerheiligstes bahnt, Contenance war gestern. Geschickt provoziert er das mittlerweile hypersensible Präzisionsgerät an den Rand des Wahnsinns, zitternd und windend erreiche ich  zum ersten Mal den Höhepunkt.

Versuche mich loszulösen, dann wie Brandbeschleuniger, ein gehauchtes „Du sollst stillhalten“, kickt mich wie Lionel  Messi das runde Leder, eine Sphäre höher. Verliere noch mal die Kontrolle, bevor die erste Welle abebbt, explodiert mein unterhaltsamster Körperteil zum zweiten Mal  an diesem Abend.

Mit der Präzision einer Armbanduhr der Eidgenossen leckt er mich zum nächsten Gipfel, instinktgesteuert und tiefenentspannt sinke ich in seine Arme. Ich wusste gar nicht mehr wie vollkommen sich das anfühlt.

Als wäre mit einem Schlag alles anders; der Zustand den ich am Meisten fürchte, gleichzeitig das Intensivste, dass ich jemals gespürt habe… Nähe.

Es ist einfach perfekt. Wunderschön.

liebes.tagebuch.lieber.herr.psychiater.

Schau benommen auf den Bildschirm. Nicht etwa weil ich einen kreativen Schub erwarte, der durch mulitoxische Lebensführung  bedingt ist; nein, mein Psychiater hat mir dazu geraten.

Ich frag mich, ob der kifft. Oder säuft. Oder einfach nach dem Wichsen kaltes Wasser getrunken hat. Und eventuell danach auch noch mit dem Kopf irgendwo aufgeschlagen ist.

Was soll denn das für eine Hilfe sein?

Haben die früher nicht mal lustige Pillen verschrieben? Nix da, heut sollst Tagebuch schreiben.  Schau ma mal, ob das so knallt wie die Diazepam-gefärbte Alternative.

Wertes Tagebuch, Lieber Herr Doktor  Freud,

Vielen Dank für ihre Anteilnahme,

Wer zum Teufel hat das mit Ihren Haaren verbrochen Herr Doktor? Das Mistvieh sollte man wirklich einsperren. Wie fühlt sich eigentlich ihre Frau dabei, wenn sie Nacht für Nacht unter einem alten Mann mit asymmetrischem Pagenschnitt einschläft, und morgens darauf neben einem Hippie erwacht, der aussieht als hätte er ein explodiertes Vogelnest aufm Hirnkastel?

Aber gut, sie haben Recht-Ihre Federpracht, geht mich eigentlich nix an und hat nichts mit mir zu tun, auch wenn ihre Gattin höchstwahrscheinlich durch die Hölle geht.

Ich will ja nicht ihr Nacht- sondern mein Tagesleben festhalten.

Also dann… Den ersten Schock (nachdem ich an ihren Anblick dachte) bekam ich dreißig hundertstel nachdem ich früh morgens die Augen aufgemacht habe.

Das ganze Bett mit roten Flecken übersäht, als hätten Satanisten in der Nacht ein Huhn geschlachtet. Direkt über meiner komatös träumenden Wenigkeit. So sehr ich mich auch anstrenge, ich entdecke auf den ersten Blick mal nix, dass wie ein toter Vogel aussieht, den man den Kopf abgebissen hat. Welcher scheiß verfickte Idiot hat mein Bett vollgeblutet?

Richte mich mit der Dynamik einer querschnittsgelähmten Gehirntoten auf,  um die Lage zu sondieren, und den Bluter zu erwischen.

Jippieeyyeah, der Kreislauf ist mitten im Reinkarnationsvorgang, strauchelt, steckt fest und noch ehe ich „verdammte Kacke woher kommst du denn?“ denken kann, tanzt der Magen Cha cha cha und ich kotze auf den Flokati.

Schön, dass ich nicht die Katze erwischt habe. Immer positiv denken. Laut „Miau“ schreien und das Viech auslachen, weil es  sich erschreckt. Mich kurz überlegen fühlen. Solange, bis ich sie dabei beobachte wie sich selbst lecken. Gott, wieviel Probleme weniger hätten wir, wenn die menschliche Rasse mit dem  Selben Potenzial gesegnet wäre???

Gibt’s dazu Versuche, wissenschaftliche Untersuchungen?

Sollte jemand dazu noch Probanden suchen –  ich stelle mich sofort in den Dienst der Wissenschaft!

Nachdem mein innerer Monolog zu dem Thema weitgehendst verstummt war, bemerkte ich wie sich langsam aber sicher der Wunsch nach körperlicher Vereinigung aufbaute. Kurz: ich war geil. Masturbieren war allerdings keine Option, da ich mich immer noch im selben Raum befand, wie mein Haustier. Und mich dabei von einem Artfremden Wesen beobachten zu lassen, überschreitet auch in meiner Welt die Grenze zur Perversion.

Jetzt habens aber zu schlucken, Herr Psychiater, was?

Wie heißt das denn, wenn man sich dabei von einem Vierbeiner zusehen lässt? Zoophile Masturbation?

Wie auch immer. Ich habe dann eh nicht gewichst, sondern mich gefragt woher jetzt die Sauerei in meinem Bett kommt. Die Frage hab ich mir bis dato immer in einen ganz anderen Kontext gestellt, zumeist hab ich mich gefragt, woher das Schwein in meinem Bett stamme.

Wobei die Antwort auf die zweite Frage immer ich war.

Lege meinen Kopf tiefer um unter das Bett zu sehen, doch auch dort finde ich nichts, dass blutet. Keine Tiere, keine Kerle, keine Außerirdischen. Keine Kirschen. Keine Ob’s.

„Wollt ihr mich verarschen, oder was zur Hölle ist hier los?“

Kurz brüllen, Druck  abbauen,  Kater läuft um sein Leben, ich fühl mich klasse.

Pieep….Pieeeeep….Pieeeeeeeeeeeeeeeeppppppppppppppp…

Ruckartig erinnere ich mich an den Grund, weshalb ich den Wecker gestellt habe, kämpfe mich tapfer in die Senkrechte, stoße mit dem Ellenbogen an einer leeren Flasche, die laut scheppernd der Gravitation nachgibt und eine neue Farbnuance auf dem Bodenfell hinterlässt.

Fuck. Die roten Flecken. Merlot du beknackte   Dreckshure.

Zwei leere Gläser auf der Kommode, setzten die Erinnerung in Gange. Ach ja, jetzt wird mir auch wieder klar, wieso mein tiefstes Innerstes wie Feuer brennt…  Mister Mombasa war auf Kurzurlaub in mir….