#weg

Mittlerweile bahnen sich erste Sonnenstrahlen durch die Fenster, leuchten solange auf meine Augenlider bis ich aus dem Halbschlaf hochschrecke und bemerke, dass wir uns bereits im Landeanflug befinden. Der Airbus zieht eine Schleife über das Hochhausmeer unter uns, Wahnsinn wie groß und hässlich die Stadt von hier oben aussieht.
Am Rande der riesigen Gebäudeansammlung schießen wir über die Favelas die wie ein Zaun zwischen der Stadt und den grünbewachsenen Hügeln wuchern. Nicht weit davon entfernt die Landebahn und das riesige Areal des Flughafens.
Ich frage eine der Stewardessen mit welchem Taxiunternehmen man am besten in die Innenstadt fährt, was der Spaß in etwa kostet. Sie empfiehlt mir Uber, da wäre sogar ein eigener Stand vor dem Terminal; alle anderen wären überteuert – außer Taxi 99, allerdings würden die wenigsten dort Englisch sprechen.
Erschlagen von der stickigen und feuchten Luft schiebe ich mich durch den Flughafen, die Passkontrolle und Gepäckabholung ziehen sich endlos in die Länge. Kein Wunder bei den Massen an Menschen die allesamt dasselbe Ziel im Visier haben – nichts wie raus hier.
Ich wechsle zweihundert Euro, mach mich auf die Suche nach dem Uber Stand, breche nach fünf Minuten ausgepowert und durchgeschwitzt ab.
Die Dame hinter dem Plexiglas fragt wohin ich will, ich schiebe ihr einen Zettel mit der Adresse durch den Münzschacht.
„168 Real, but if you try he will make it for 150“, sprachs und zeigte mit dem Finger auf den Wagen hinter mir.
Wir fahren vorbei am Ghetto, mit jedem Kilometer scheinen die Bauten neben uns höher zu werden, die Menschen die vor ihnen im Dreck liegen werden weniger, je näher wir uns der Innenstadt nähern. Dafür vermehren sich die Betonburgen die Balkone MIT Geländern und verspiegelte Fassaden haben.
Ich bin erstaunt wie grün das alles von hier unten aus wirkt, nirgendwo ein unbepflanzter Fleck zwischen den Bauten. Fast so als würden Palmen den Asphalt zähmen. Auch wenn sie es nicht schaffen einem die Angst vor dieser Metropole zu nehmen; einer in der alle durchschnittlich alle 30min ein Mensch getötet wird. Gott sei Dank bringt mich der niedliche Kerl hinterm Steuer weg von meinen gedanklichen Mordstatistiken, direkt ins Hotel. Für 180 Real. Unverhandelbar weil Schnucki nix versteht.
Dafür entschädigt das Radisson blu Sao Paulo für die Strapazen – der herzliche Empfang an der Rezeption ist an Empathie und Authenzität nicht zu toppen – man fühlt sich willkommen. Early Check In, Welcome Caipirniha und dann endlich im Zimmer ankommen, auf dem Balkon stehend für einen Moment innehalten um den Beat unter mir einzusaugen, die Kulisse wirken zu lassen.

Noch zwanzig Stunden bis er hier ist…..

Schaumfest in Kopenhagen

Ich schleppe meinen Körper vor die Bettenburg, wenn auch unter größtem Widerwillen. Welcher Beckenrandschwimmer hat den Flug um sieben Uhr morgens gebucht?
Ach ja, das war wohl ich. Memo an mich selbst: nie wieder nach zwei Uhr morgens Urlaub buchen. Memo Nummer zwei an mich selbst: nie wieder nach zwei Promille Blutalkohol Urlaub buchen.
Kaum hat der Rezeptions-Heini das Taxi Richtung Flugzeug gebucht, beschleicht mich das ungute Gefühl, etwas vergessen zu haben. Fokussiere mich aufs Wesentliche; nein, die Drogen hab ich eingesteckt, warum sonst sollte meine Handtasche so stinken?
Bargeld kann ich keins vergessen haben, hatte nie welches um Sack.
Ignoriere das widerliche Gefühl bis wir den Flughafen erreicht haben. Ach ja, jetzt weiß ich was mir fehlt: mein Reisepass.
Meine aufkommende Panikattacke lässt sich trotz Schengen Abkommen und online check in nicht in den Griff bekommen, ich zittere wie ein Parkinson Patient auf Alkoholentzug als wir die SIcherheitskontrolle passieren.
Sie winken mich durch, vermutlich aus Mitleid. So geruchsblind kann man doch nicht sein, halleluja und danke dir lieber Gott im Himmel. Fische meinen Koffer vom Förderband, wiege mich in Sicherheit obwohl das Teil riecht, als ob es die letzten zwei Jahrzehnte als Deko in einem Coffeshop gestanden hätte.
Eine der Uniformierten kommt in unsere Richtung, Nando soll bitte da drüben warten und seinen Koffer öffnen, sagt der bullig aussehende Kerl mit Glatze. Ob er sich bitte ausweisen kann, will der Pitbull namens Securityhawara von Nando wissen.
„Ja natürlich, ich hab schließlich einen Pass!“
Ich frage mich, ob Nando immer schon so ein Streber war, insgeheim muss ich mir das Lächeln verkneifen, als sie sein Gepäck auf Sprengstoff durchchecken. Ihr Deppen habt den Falschen auf die falsche Substanz überprüft. Na dann wollen wir mal Parfüm kaufen.
Nando sagt nein, Leibesvisitation gab’s dann eh keine, die haben sich nur so angestellt, weil er eine Dose Schaumfestiger im Handgepäck vergessen hat. Und ein Parfum. Weißt ja eh, alles was über hundert Milliliter ist, stempelt dich zum Dschihadisten ab.
„Schaumfestiger und Parfum klingt nach Schwul, nicht nach heiligem Krieg“, unauffällig lasse ich die Bemerkung fallen.
Nando sagt ich soll die Klappe halten.
Ich sage er soll Bier kaufen.
Nando sagt es ist sechs Uhr morgens.
Ich sage er soll Bier kaufen.
Nando sagt er braucht Schaumfestiger.
Ich sage er soll Bier mitbringen
Nando sagt ich wäre irre
Ich sage danke