Sehnsucht

Meine Mundwinkel sind nicht die einzigen ramponierten Körperteile, als wir schließlich im Hotel ankommen zeigt der Taxameter dreiunddreißig Euro an.

Noch bevor Jan nach dem Portemonnaie greift, winkt Mister Rastafari tiefenentspannt ab:
„Lass stecken, geht aufs Haus.“

Na toll, dafür dass mir der Typ ins Gesicht gespritzt hat, gibt’s die Fahrt umsonst. Wieso bin ich nicht schon früher auf die Idee gekommen? Hätte mir eine schöne Stange Geld ersparen können, wobei ich mich beim Aussteigen noch frage, ob das rein rechtlich unter Prostitution fällt. Wenn ja, war ich eindeutig zu billig. Vielleicht sollte ich die Nummer mal mit einem Piloten abziehen, um so gratis in den Urlaub fliegen zu können?

Während ich meinen Business-Plan im Kopf weiterspinne, reist mich Jan aus meinem Tagtraum, er nimmt meine Hand und wir schlendern wie verliebte Teenager durch die Lobby.

„Du siehst hungrig aus Maja.“

Ich liebe es, wenn er sich so fürsorglich gibt.

„Bin ich auch.“

„Auf was hast denn Lust?“

Klingt nach einer Fangfrage, vielleicht sollte ich zur Abwechslung mal nachdenken bevor ich den Mund aufmache.

„Auf Hummer und Austern, und Tiere die aussterben.“

Laut lachend zieht er mich an sich, schnappt sich meinen Hintern und küsst mich. Bitte lieber Gott, mach dass er nie mehr damit aufhört.

„Ich denke wir rufen den Zimmerservice.“

Jan zieht mich hinter sich her, dirigiert mich wortlos in die Suite im höchsten Wolkenkratzer des Landes. Die Aussicht ist gewaltig, direkt unter mir erstreckt sich die Donauinsel und die Reichsbrücke, beeindruckt ziehe ich mir das Kleid über den Kopf, splitterfasernackt stehe ich vor ihm.

Energisch fasst er an die mittlerweile kerzengerade abstehenden Brustwarzen, Fingerspitzen die mich immer weiter in den Wahnsinn treiben.

Jan presst seinen Körper an meinen, gekonnt reibt er über den heißen Fleck zwischen meinen Beinen, wie ein Gepard der um die Antilope schleicht, kurz bevor er sie mit einem gezielten Biss in die Kehle erledigt.

Bestimmt umklammert er mit seinen Händen meine, hält mich fest, sein Mund kommt immer näher zu meinen Ohren und ich kann seinen Atem spüren. Diffuser Schwall aus warmer Luft kitzelt die Nervenenden, feucht und hart spielt die Zungenspitze, besessen tänzelt sie über mein Ohrläppchen, wie ein Jugendlicher auf Excstasy.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen zieht sich ein eiskalter Schauer über jeden einzelnen Quadratmillimeter meiner Haut, legt sich bestimmt über den Nacken, drückt unerwartet zu und hinterlässt nichts als einen Hauch von Sehnsucht im Unterbewusstsein.

Ich bin nicht mal einen Millimeter davon entfernt, den Verstand endgültig zu verlieren, meine Knie versagen ihren Dienst und ich sacke wie ein nasser Sack in seine Arme.Er fängt mich auf, hebt mich hoch, vorsichtig lässt er mich aufs Bett sinken, streichelt mir übers Gesicht, fixiert mich mit seinem Blick.

„Ruh dich mal aus, Kleines. Ich bin hier, falls du irgendwas brauchst.“

Kralle meine Finger in seinen Nacken, ziehe ihn noch ein Stückchen näher, will ihn nie mehr wieder loslassen. Inhaliere das Gefühl von wahrhaftiger Nähe, seinen Geruch, die Gewissheit am Ende der Suche angekommen zu sein.

„Aber ich will nicht einschlafen.“

Beherzt versuche ich Widerstand zu leisten, ich will keine einzige Sekunde verschwenden in der er bei mir ist.

„Maja, ich verspreche dir, dass ich da bin, sobald du die Augen wieder aufmachst.“

Jan kuschelt sich an mich, zieht mir die Decke über den nackten Körper, liebkost meinen Nacken und hält mich fest. Wie ein Schleier legt sich eiserne Müdigkeit über mich, trotzdem kribbelt es wie verrückt; nicht nur zwischen den Beinen, nein; ich glaub diesmal auch unter den Rippen.

Scheiße, ich bin verliebt.