Blutsaugende Arschlöcher unterm Blutmond

Mein unermüdlicher Einsatz vor dem Bildschirm fordert seinen Tribut – mir flackern die Augen, mehr und mehr verzerrt sich der Blick. Ich tröste mich damit, dass die Nebenwirkungen der Realität wohl heftiger ausgefallen wären – lieber überanstrengte Sehorgane als Syphilis. Danke Youporn.
Versuche zu schlafen, doch statt Schafe zu zählen, sehe ich immer noch überall Genitalien. Ich beschließe nie wieder Onlinepornos zu schauen, es sei denn jemand begattet dabei ein Schaf.
Fest entschlossen verordne ich mir Solosex Entzug und starre eine Nacht später auf den roten Mond. Er erklärt mir warum er so rot ist. Ich frage, ob wir uns das Spektakel nicht im Livestream anschauen können. Weil hier draußen stinkst nach Natur, außerdem ist alles voller blutsaugender Arschlochinsekten.
„Keine Angst Babe. So vergiftet wie du bist, wird keiner der Viecher dein Blut wollen.“
Was glaubt der eigentlich von mir?
„Ach ja? Vielleicht gibt’s aber welche die nicht spaßbefreit sind und gerne mal einen draufmachen?“
Trotzig kann ich. Als ob ich ihm da letzte Wort überlassen würde.
„Du meinst Junkiegelsen?“
Meine Halsader schwillt schneller an, als sein Penis beim Anblick seiner Fußpflegerin. Der hat sie doch nicht alle.
„Ja, du Idiot. Vielleicht ist eine davon die Reinkarnation von Pablo Escobar?“
Breit grinsend kommt er zu mir, schiebt mir das Shirt hoch.
„Willst du jetzt wirklich über Karma reden Kleines?“
Unentschlossen ob ich wütender- oder scharf auf ihn bin, winde ich mich aus seinem Griff.
„Und übrigens: dein Hund stinkt.“
Schneller als ich mein Konto überziehen kann dreht er mir die Arme nach hinten, drückt mich auf den Holztisch um mir auch noch die Short nach unten zu ziehen.

Die Haarfarbe Pythagoras´

„Wo zum Teufel ist der Scheiß Schlüssel?“
Sie hätte genauso gut nach der Haarfarbe von Pythagoras fragen können. Wobei das eher so multiple Joyce gewesen wäre, die Frage nach dem Autoschlüssel ist dann doch bisschen verzwickter – quasi unlösbar.
Rennen zum Bahnhof um den einzigen Zug Richtung Süden zu erwischen… Steffi und ich warten am Bahnsteig, Charlie will Frühstück holen. Verfickter scheiß Zug kommt zu früh.
Fährt nur mit mir ab.
Ohne Gepäck. Ohne Geld. Ohne Französisch. Ohne Plan.
Erstmal im Klo einsperren. Internationaler Standard bei finanziellen Schwierigkeiten. Hilft auch in diesem Fall. Zumindest bis das Scheißteil in Lausanne ankommt.
Mutterseelenallein versuche ich den Weg zu der verfickten scheiß Messe zu finden, doch meine Französisch Kenntnisse erlauben es mir allenfalls Drogen zu kaufen. Und jemand um Oralverkehr zu beten. Im Augenblick scheint mir beides wenig zielführend, ich habe noch achteinhalb Minuten um pünktlich bei den Franzosen aufzutauchen.

Schriftverkehr ohne Ingwer

Mister DJ schreibt, dass er mich ficken will. Mister VAWK schreibt, dass er mir gern ins Gesicht wichsen würde. Der abgefuckte Borderliner mit den riesigen Augen schreibt, dass er ein Bild meiner Brüste haben will. Der kleine Afghane schickt mir ein Wichs-Video. Natalia schreibt, sie weiß wer ich bin – der Vater ihres ungeborenen Balgs. Außerdem hat sie die Zeugung heimlich gefilmt, um mich damit zu erpressen.

Gaddafis Schwester schreibt, sie würde finanzielle Hilfe brauchen um in Europa Fuß zu fassen. Monsieur Michel schreibt, dass sein Schwanz ganz hart ist. Der Womanizer fragt, ob ich wieder mal in der Stadt wäre. Die Stadt Lausanne schreibt irgendwas französisches, wahrscheinlich wollen die Geld von mir. Die Stadt Klagenfurt schreibt, dass sie Geld von mir will. Die GIS schreibt, dass sie Geld von mir will. Zalando schickt die dritte Mahnung, während ich den Exekutionsbescheid öffne. Das Gericht schreibt, dass mein Dienstgeber die offenen Strafzettel bezahlen wird. Mein Dienstgeber schreibt, dass ich gekündigt bin.

Mein Neffe schreibt, ich soll ja nicht ans Telefon gehen. Sein Bruder schreibt, er hätte letzte Nacht ins Aquarium gewichst. Anja postet Fischpenisse. Ich frage Nordsee oder Beate Ushe? Steffen schreibt, mit Ingwer schmecken die Dinger weltklasse.

Che schreibt, hasta la victoria siempre. Ich verstehe leider kein italienisch. Aber ich glaube Viktoria war eine Hure.

Elena schreibt, ob es mir gut geht. Ich schiebe mir ein Stück Ingwer in den Arsch um nicht wahnsinnig zu werden und schreibe tutto bene.

 

 

 

Über ungefickte Toyboys mit Migrationshintergrund – mach es zu deinem Projekt

Schlendere durch die schattige Gasse zurück zum Parkplatz, als ein alter Skoda hupend neben mir abbremst. Zucke vor Schreck zusammen wie ein Parkinsonpatient auf Amphetamin. Was ist denn das für ein Trottel? Doch noch bevor ich damit beginne, unschöne Worte in Richtung des Fahrers zu schleudern, versetzt mich sein Lächeln in atemloses Staunen.

Seine riesigen Augen, sind mindestens genauso schwarz, wie meine Seele. Ich frage mich, woher mir dieses bildhübsche Gesicht bekannt vorkommt, während er das Fenster öffnet:

„Hallo Maja, wie geht´s dir?“

Es irritiert mich kein bisschen, dass der Typ meinen Namen kennt; den kennen in dieser Stadt ohnehin viel zu viele zwielichtige Gestalten. Ich verkneife mir die Frage, ob er mir seinen Penis zeigen könnte, vielleicht wär’s einfacher für mich,  die Erinnerung aufzufrischen.

„Schlechten Menschen geht es immer gut. Und dir?“

„Alles bestens junge Frau. Wann gehst du endlich mal mit mir Kaffee trinken?“

Fangfrage? Leute die mir nahe stehen, hätten  höchstwahrscheinlich gleich nach einem Blowjob gefragt. Somit passt er nicht in die schon-mal-gefickt-Schublade. Auch wenn mir völlig schleierhaft ist, wieso.

„Morgen Nachmittag, hätte ich Zeit.“

Sein Grinsen wird noch breiter, Mister Sonnenschein strahlt wie ein Hutschpferd:

„Ich freu mich.“

Mein Porno-Kopfkino hätte einen Oskar verdient; schießt mich von null auf hundertachzig in zwei Sekunden; die Erregungskurve schnalzt schneller nach oben, als die einer läufigen Hündin. Der einzige Grund, warum ich nicht auf offener Straße zu masturbieren beginne, kommt in Form eines  Porsches um die Kurve geschossen. Mit quietschenden Reifen kommt der Flitzer knapp hinter Schnucki zum Stehen, ein wild gestikulierend und schimpfender alter Sack hinter dem Lenkrad wirkt sehr unentspannt. Ununterbrochen tippt er mit seinem Finger gegen die Stirn, sieht uns die ganze Zeit über wütend an.

„Babe, ich glaube der da hinten hat es eilig und ich muss auch los. Schreib dir später mal, deine Nummer hab ich ja.“

„Bis dann, du geiles Gerät“,  verabschiede mich ratlos winkend, dreh mich zur anderen Seite um dem Wichskopf im Boxster die Zunge und den Mittelfinger zu zeigen – so erledigen das Erwachsene. Immerhin scheint der gestresste Penner ganz plötzlich ganz verunsichert. Wer legt sich schon mit einer Irren an?

Tief in Gedanken versunken, spaziere ich die Allee bis zum Parkplatz hinunter. Ich komm einfach nicht drauf, wer er ist. Schätze sein Alter auf Anfang zwanzig; ein Toyboy wie ausm Bilderbuch. Nicht mein übliches Beuteschema – auch wenn der Welpengeruch noch an dem Hosenscheißer haftet.

Gehe meine U30 Bumskontakte im Kopf durch –  Schafe zählen für Nymphomaninnen. Müde und grübelnd erreiche ich meinen Wagen, schließe auf, als meine Handtasche zu vibrieren beginnt und mich sofort wieder ans Wichsen denken lässt – die Tücken der Konditionierung brennen die Umrisse eines Vibrators wie ein Standbild ins Gedächtnis, musikalisch untermalt vom Hornbach – Jingle:

Singing ey ja yippie yippie yeah. Mach es zu deinem Projekt.

Ein Königreich für eine Hand voll Psychopharmaka.

Und noch während ich mich nackt und verschwitzt unter dem rätselhaft – ausländisch aussehenden Kerl sehne, reißt mich das erneute Summen zurück ins hier und jetzt.

Wo ist denn mein Handy geblieben?

Hektisch suche ich in dem Wirrwarr meiner Handtasche nach dem Teil und tatsächlich – zwischen leeren Gin Tonic Dosen, zerknüllten Erlagscheinen und unzähligen Kondomen werde ich fündig -Whatsapp macht mich darauf aufmerksam, dass „Afghanistan“ acht neue Nachrichten gesendet hat.

Und plötzlich macht es klick.

Mister Afghanistan.  Wie konnte ich den bloß vergessen?