Wir schaffen das!

Meine Mutter sagt, ich würde einen Mann brauchen.

Mein Psychiater sagt, ich würde Lithium und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer brauchen

Mein Bankberater sagt, dass er mich zum Teufel wünscht.

Das Arbeitsamt sagt, ich bräuchte einen Psychiater.

Ellena sagt, dass sie nichts mehr sagt.

Tatjana sagt, in Bratislava wären neue Titten unter fünftausend Euro zu haben

Mein Psychotherapeut ist eine geile Sau.

Der hochgewachsene Kerl von nebenan sagt, ich wäre eine Granate im Bett.

Mein Drogendealer sagt, sein neuer Porsche wäre nur geleast.

Mein Vater sagt, ich sollte mit dem Trinken aufhören.

Hansi Hölzel singt, ich bin so schön wie nie

Der Idiot  in den ich mich verliebt habe, liebt mich nicht

Mein Ego sagt, ist mir doch scheißegal

Ich sage, der Penis meines Friseurs ist vollkommene Perfektion

Meine Katze sagt, ich solle endlich ans Meer fahren

Der Bankomat sagt, Limit überschritten; Arrivederci, Auf Wiedersehen, Good Bye

Angela Merkel sagt, wir schaffen das

 

 

 

 

Tanz, Junkie, tanz…..

Immer spürbarer die Distanz, die sich zwischen uns aufbaut. Steigert sich unaufhörlich, da können auch diese halbherzigen Nachrichten nichts mehr ändern. Mein Herz schlägt nach wie vor Purzelbäume, sobald ich etwas von ihm höre. Was ist denn mit mir los? So führen sich sonst nur dreizehnjährige, feuchtgeträumte Justin Bieber Fans auf, verdammt noch mal.

Wieder und wieder kaue ich alle Argumente die gegen UNS sprechen durch. Wieviele tausend Mal, habe ich diesen müde machenden Monolog schon geführt?

Denke im Kreis, schneller und immer schneller. Vergesse beinahe, wie sehr er mir fehlt. Zweifle an meiner eigenen Sehnsucht. Vermisse ich ihn, oder das Gefühl, das er in mir ausgelöst hat?  Die Gewissheit, niemals neben ihn aufzuwachen vermischt sich mit unendlichem Verlangen, ihn zu spüren. Der Druck steigt.

Diesmal kippe ich nicht um; er ist an der Reihe.

Gespielt gleichgültig unterdrücke ich das Kribbeln zwischen Bauchnabel und der feuchten Stelle zehn Zentimeter darunter. Dieses Mal laufe ich ihn nicht hinterher; was glaubt er eigentlich wer ich bin. Selbstbewusstsein kann ich. Kostet einhundert Euro pro Gramm.

Ihr lebt in verschiedenen Welten.

Fick dich.

Du bist ein gottverdammter scheiß Junkie.

Ja und?

Scheiß Junkie.

 

Scheiß auf dich.

Er wird dich paar Mal ficken und dann wegwefen. Wie ein Stück Scheiße.

Ist mir egal. Halt die Fresse.

Du hast dein Todesurteil längst unterschrieben.

FICK DICH.

Tanz, Junkie, tanz.

Für die Dinge die wir lieben sind wir gemacht.

Und es strahlt so hell, wenn du lachst.

 

 

 

 

 

 

Wilkommen zurück

Laufe durch die Finsternis, kann seinen Atem im Nacken fühlen. Versuche schneller zu rennen, trete wie verrückt auf den Asphalt – vergeblich.  Nicht mehr lange, dann wird er mich schnappen und mit sich nach unten ziehen.

Panik kriecht in mir hoch, ich will schreien, doch bleibe stumm. Meine Stimme versagt genauso wie meine Beine, alles was ich noch spüre ist das Herzjagen und seinen eisernen Griff um meinen Hals.

Wortlos drückt er zu, ich schaffe es endlich die Augen zu öffnen und  erwache.

Es ist stockdunkel im Schlafzimmer, meine Hand sucht auf der anderen Seite nach einem Beschützer, bis mir wieder einfällt, alleine ins Bett gegangen zu sein. Ich taste nach dem Gummiband über dem Handgelenk und lasse es immer wieder gegen die Pulsadern schnalzen. Doch der dumpfe Schmerz schafft es nicht, die anrollende Angstattacke zu schmälern. Diesmal trifft sie mich mit voller Wucht, ich bekomme keine Luft mehr, kalter Schweiß läuft über die glühenden Schläfen, außerdem  explodiert mein Brustkorb beinahe.

Jemand ist in der Wohnung.

Das war nur ein Alptraum

Ganz sicher.

So ein Blödsinn.

Doch. Er ist ganz sicher noch hier.

Das macht deine Paranoia mit dir.

Mit zitternden Händen ertaste ich den Lichtschalter, atme auf als es hell wird und ich das Tränengas auf dem Nachtisch erkenne. Die Diskussion in meinem Kopf reißt nicht ab, ich muss nachsehen ob da wirklich niemand ist.

Drücke mein Ohr gegen die Türe, doch alles was ich hören kann, ist mein Herzschlag. Vorsichtshalber kralle ich mir auch noch den Rohrstock neben dem Bett, und suche die Wohnung nach meinem vermeintlichen Verfolger ab.

Hab dir ja gesagt, nur der Verfolgungswahn.

Halt die Schnauze.

Du drehst langsam durch.

Halt die Schnauze.

Die Katze sieht mich an, als würde sie sich von meinem inneren Monolog gestört fühlen.

Versichere mich, dass auch auf dem Balkon niemand ist, bevor ich mich aufs Sofa fallen lasse und ein zweites Mal vom Schlaf übermannt werde.

Als die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster dringen, liege ich längst wieder wach. Das Chaos im Kopf wird schlimmer, je länger ich an die Decke starre.

Wie es ihm wohl grade geht.

Vergiss ihn.

Aber ich liebe ihn.

Er benutzt dich.

Aber ich liebe ihn.

Glaubst wirklich, dass er auf dein Begräbnis geht, wenn dich wegen ihm ruinierst?

Aber ich liebe ihn.

Er ist gefährlicher als alles andere für dich.

Ich beschließe zum dreihundertfünfundzwanigtausensten Mal, ihn endgültig zu vergessen, binde mir ein zweites Gummiband ums Handgelenk,  packe meine Sachen und mache mich auf den Weg.