#comeback

Die sengende Hitze der Stadt gleicht der eines Backofens. Obwohl die Sonne bereits seit Stunden untergegangen ist, zeigt der Thermometer am Handydisplay 38 Grad Celsius.
#bigcitylife #ersatzreligionklimawandel
Benommen schlendere ich die Ahornalle hinauf, fühle mich besoffen – ganz ohne Alkohol und Co.
Hitze macht geil hat mal einer im Radio gesungen. Der hatte bestimmt Recht, wieso sonst sollte ich mich wie eine rollige Katze fühlen, die es nur mit Müh und Not schafft, sich nicht auf den Asphalt zu werfen um dort ihre paarungswilligkeit zu demonstrieren?
ICH BEHERRSCHE MICH: DIE DISTANZ ZWISCHEN MEINEN TRÄUMEN UND DER REALITÄT NENNT SICH DISZIPLIN
Summt mein Gewissen in Dauerschleife.
Meine Träume?
Gangbangende Black Boys am See.
Die Realität?
Schwarzhaarige Gammel Touristen aus Ostdeutschland ohne erkennbare Genitalien unter der Low-Budget Badehose.
Ob sich die Piefke in afroamerikanische Vorzeigefickmaschinen verwandeln, wenn ich meine Disziplin-Skills auf Maximum schraube?
Hamm.
Aber diszipliniert in was?
Geld ausgeben?
Bier saufen?
Rumhuren?
Gehirnzellen massakrieren?
Online shoppen
Online Pornos gucken?
Offline ins Radar fahren?

Gottverfickte Facebook Lebensweisheiten die sind genauso VWG wie die eben eingezogene neue Nachbarin-
Von Weitem Gut – Aus der Nähe betrachtet Scheiße.
Olga hat den Arsch einer J Lo in unfett – ich wette sie könnte damit Kokosnüsse knacken…
Endlos lange Beine unter dem perfekt geformten Arsch – hätte ich einen Penis würde ich sie auf der Stelle bespringen.
Hormonbedingt unterlasse ich den Versuch sie zu vergewaltigen, zweifle ohnehin an der Authenzität eines sexuellen Attentats ohne einen Pimmel zu besitzen. Und noch während ich überlege was ich jetzt wohl mit ihr anstelle, dreht sich der Prachthintern um 180 Grad.
Leider spielt ihre Front nicht mal annähernd in derselben Liga wie ihr Popo – hinten hui, vorne pfui.
Ich beschließe die Wohnung zu kündigen, wer will schon so hässliche Nachbarn haben?
Nein Danke, da kann ich genauso gut nach Dschihad ziehen.
Da ich aber weder an Suizid noch an unansehnlichen Menschen interessiert bin, flüchte ich nach draußen. Frischluft als Gehirndoping?!
Doch noch bevor der Sauerstoff meine Synapsen befeuert, tut es der Anblick eines Unbekannten mitten auf der Bushaltestelle. Lässig lehnt der schwarze Kerl an der Liftfasssäule, fixiert mich mit seinem Blick.
Für den Bruchteil einer Sekunde setzt mein Herzschlag aus.
So unauffällig wie möglich japse ich nach Luft, der Bus fährt ein. Hektisches Gewusel, die Haltestelle leert sich. Ohrenbetäubende Stille – bin ich die Einzige die nicht eingestiegen ist?
Laut piepsend schließt der Autobus seine Türen, blinkt nach rechts ehe er sich langsam aber sicher in den stockenden Verkehr der Rushhour einfädelt.
Wo ist seine Silhouette hin verschwunden?
Keine Spur von ihm..
Enttäuscht sinkt mein Kinn zur Brust, längst schon ist der überfüllte Bus aus meinem Blickfeld entflohen. Laufe die Straße entlang, der Strand hinter- die Stadt vor mit.
Keine zehn Schritte entfernt raschelt etwas im Gebüsch.
Vielleicht eine Ratte?
Vielleicht ein Sexualstraftäter?
Mach dich nicht lächerlich – die sind doch nur auf junge Frauen aus…

#angekommen

Geschafft von all den Eindrücken, der hohen Luftfeuchtigkeit und der elendslangen Anreise lasse ich mich aufs Bett fallen. Erstmal durchatmen, ankommen, Handy und Wlan checken.
Versehentlich das Datenroaming einschalten; drei Sekunden später warnt mein Netzbetreiber ich hätte bereits sechzig Euro verballert, deswegen sperren sie mein mobiles Internet. Stolzer Stundenlohn, denke ich mir. Gerade als ich mich darüber aufrege blinkt der Display erneut.
Nachricht von Rico, mein Herz tanzt.
„Ich hoffe du hattest einen guten Flug? Meine Gedanken sind bei dir, der Rest auf dem Weg dorthin. Freu mich auf dich.“
Schneller als ich tippen kann, übermannt mich der Schlaf. Trotz des Lärms der durch die offene Balkontüre schallt falle ich sekundenschnell ins Traumland, schaffe es nicht mal meine Sneakers auszuziehen.
Desorientiert und unterzuckert schrecke ich plötzlich hoch, der Wecker auf dem Nachtisch zeigt 21 Uhr, es regnet in Strömen und mein Magen knurrt. Da es erstens dunkel und zweitens nass draußen ist, bestelle ich mir was ins Zimmer, fahr den Rechner hoch und such auf YouTube Reportagen über die Stadt da unten.
Wozu schließlich rausgehen wenn’s livestream gibt.
Ich wollte doch Rico antworten, schießt es mir zeitgleich mit dem Sandwich in den Kopf. Als hätte er mich denken gehört, summt es unter der Decke.
„Bist du mir mit einem Brasilianer durchgebrannt oder schon am Karneval feiern?“
Grinsend tippe ich zurück, im Hintergrund flackern Aufnahmen von Erschossenen in den Elendsvierteln. Ob die hier so Fasching machen?
„Hi Rico. Weder noch – außer schlafen und essen hab ich noch nichts erlebt. Wird Zeit dass du mir deine Stadt zeigst “
Wieder Gelblinge, summsummsumm, Akku alle. Ich krame in meiner Handtasche nach dem Ladegerät, finde stattdessen einen halbabgebrannten Joint den ich anscheinend hier eingeschleppt habe. Klatsche mir an die Stirn, welcher Idiot trägt schon Eulen nach Athen?
„Sorry, mein Akku war alle. Hab den Stecker in allen Taschen gesucht, dabei war er die ganze Zeit über in meiner Jacke.“
Während die Reporterin auf dem Bildschirm über Mord und Totschlag berichtet, prasselt der Regen gegen die Scheiben, der Verkehr brummt konstant durch die Nacht.
„Direkt vor dem Hotel ist eine vierspurige Straße, vom Balkon aus siehst du sie. An der Kreuzung steht ein Pub, da läufst du links. Immer weiter geradeaus bis du an einem riesigen Einkaufstempel ankommst. Der, an dessen Eingang bewaffnete Männer stehen. Setz dich in eins der Cafe´s und schalt dein WLAN ein.“
Spinnt der?
„Jetzt?“
Erstens unbewaffnet, zweitens Frau, drittens Regen, viertens Dunkelheit und fünftens nur 7% Akku. Da kann er mich doch gleich in die Hölle schicken.
„Nein du Verrückte. Jetzt sollst du schlafen. Morgen früh um zehn geht’s los, kannst dir bis dahin den Weg von oben ansehen?“
Google maps für digital-Minderbemittelte.
„Alles was du willst Romeo.“
Wohliger Schauer der über meine Haut driftet, mich mit kribbelnder Vorfreude zurück in die Nacht katapultiert – schlaf Kindchen, schlaf.

#stillalive

Seine Hand touchiert meinen Kehlkopf, mir stockt der Atem. Wie aus dem Nichts baut sich diese unsichtbar-unerklärbare Wand zwischen seiner und meiner nackten Existenz auf. Zitternd drücke ich ihn von mir weg, so vehement, als ob es ums reinrassige Überleben ginge.
Ich kann ihn nicht mehr ansehen, nicht mehr riechen – alles an diesem Mann ist mir so unglaublich fremd geworden. Sein Schweiß tropft mir ins Gesicht, ich kämpfe gegen den Würgereiz. Hab ich dich nicht mal geliebt?
„Tut das gut?“, fragt er, dickköpfig weiterfickend.
Ich frage, ob er mich ignoriert, oder verarscht.
Er versteht die Frage nicht.
Empathie Behinderung hoch Tausend.
Ich dachte ich könne mit Narzissmus umgehen.
Er legt die Finger um meinen Hals, belehrt mich eines Besseren.

#Melodie

Irgendwie schaut das Klavier aus, als ob es ein blindes Kind gebastelt hätte. Völlig asymmetrische Tasten, auch wenn ich keine Ahnung von Pianos hab bin ich mir doch sicher dass die nicht so aussehen als das Pappmodell auf dem Glastisch vor mir. Was wird denn das wenn´s fertig ist?
Links daneben packt sie einen Kugelschreiber, außerdem einen akkurat gestapelten Haufen kleiner bunter Post-it´s, bemerkt dass sie den Kaffee vergessen hat und stapft aus dem Büro. Ich versuche die klitzeleinen Wörter zu entziffern, die auf dem Dingsda stehen. Leider sind die genauso verhunzt wie das Teil selbst, außerdem interessiert mich der Scheißdreck eh nicht. Ich will Hilfe, keine behinderte Psycho-Bastelstunde.
„Milch und Zucker?“
Frau Misses Sozialarbeiterin säuselt besänftigend als sie die Tassen abstellt. Hat die meine Gedanken gelesen oder schau ich so angepisst aus dass man mit mir reden muss wie mit einer kranken Kuh?
Psychofuzzies.
„Schwarz, heiß und verlängert. So hab ich´s am Liebsten.“
Ich verbrenne mir den Mund,einzig ihr schrilles Lachen ist schlimmer als die verbrühte Zunge. Sie kriegt sich allmählich wieder ein, ich ärgere mich mich über meine Ungeduld als das Brennen wieder spürbar wird. Wieso tu ich mir immer weh? Verfluchte Gier. Scheiß Kaffee.Besser Eiscafé.
Was soll der Zirkus hier?
„Du siehst irritiert aus“, bemerkt Misses Oberpsychologisch, beugt sich nach vorne um das Krüppelinstrument in meine Richtung zu schieben.
„Langeweile“ steht auf der ersten Taste.
„Was tust du für gewöhnlich wenn dir langweilig ist?“
Sie kritzelt meine Antwort auf einen der Post it´s, pickt den rosa Zettel aufs Klavier.
„Wenn du wütend bist?“
Wieder dasselbe Spiel, die nächste Taste wird beklebt.
„Und was treibst du, wenn du dich freust?“
Dieselbe Antwort. Dasselbe Prozedere.
„Bei Erfolg?“
Check
„Und wenn du einsam bist?“
Check.
„Wenn du verliebt bist?“
Taste für Taste arbeiten wir uns durch, ich würd gern wissen was die für den Zirkus bezahlt bekommt? Und wofür die studiert hat. Um bunte Zettel auf weiße zu picken auf denen zwanzig Mal „ficken, saufen, feiern“ steht?
Zufrieden betrachtet sie ihr Werk, schiebt es wieder in die Mitte des Tisches und lässt den Kugelschreiber in ihrer Brusttasche verschwinden. Entweder hat sie Angst dass ich ihr damit ins Herz steche, oder sie will damit intelligenter wirken?
„Fällt dir was auf Maja?“, sie deutet auf den Tisch.
Jede meine Antworten wären ein Ton. Aber jede Antwort ist dieselbe. Das wird keine schöne Melodie, Maja – das ist eintönig.
Wieso? Ich hab doch drei Töne pro Taste – sie soll heut abend mit mir weggehen – ich beweise ihr das Gegenteil!
Sie verneint, wahrscheinlich muss sie zuhause weitere Pappinstrumenten und Metaphern basteln.
Wieso ist die nicht in Behandlung?
„Ich will eine Revanche“, vorsichtig ziehe ich das erste Post-ist ab, frage sie nach IHRER üblichen Reaktion aufs Langeweile. Mal sehen ob ihre Melodie besser klingt.
Nein, das ginge wirklich nicht. Schließlich sei ich ihre Klientin, nicht sie.
„Irgendwas in diesem Land läuft verdammt schief“, murmle ich vor mich hin, als ich ihr Büro verlasse.

#metoo

Flackernde Augen, die Buchstaben verschwimmen zunehmend, ausgebrannte Akkus zwingen mich zur Pause. Wie lang sitz ich eigentlich schon hier? Ich klappe den Rechner zu, blinzle durch die geöffneten Fenster raus in die analoge Welt, wundere mich darüber dass es langsam hell wird. Wo ist denn die Nacht geblieben?
Noch verwunderlicher als der viel zu rasche Sonnenaufgang ist mein pornoloser Browserverlauf und die Tatsache dass ein nackter Fickgott nebenan schläft und dabei immer noch seinen Pyjama trägt. Hab ich versehentlich geheiratet oder eine spontane Pimmelallergie bekommen? Hallo Libido, wo bist du denn?
Niemand antwortet mir, außer dem Schnarchen das durch die geöffnete Wohnzimmertüre dringt herrscht hier Totenstille.
Schütte den letzten Rest des braunen Pulvers auf „Die gute Küche“. Vor knapp zwei Jahrzehnten hat mich dieses Kochbuch durch die Lehrabschlussprüfung gebracht, heute missbrauche ich es als Unterlage für diverse psychotrope Substanzen. #metoo
Auf dem Einband des Covers ist ein Bild der beiden Autoren – Plachutta und Wagner. Beide absolut unfickbar. Ich befürchte meine nicht mehr existente Libido bei dem Anblick für immer zu verlieren. Bedecke Plachuttas Visage mit Heroin, Wagner verschwindet unter einem Häufchen Koks, ich suche verzweifelt nach Bier im Kühlschrank.
Außer Apfelmus und Weißwein ist das Ding leer – verfluchte Scheiße, was glaubt der Typ eigentlich? Das sein Ständer reicht um mich zufrieden zu stellen? Sogar in Traiskirchen ist mehr Klumpert im Eiskasten als hier. Wenn der kein Heineken hat, bastle ich mir halt einen Speedball – hab ich eh noch nie versucht.
Trotzig lass ich mich aufs Sofa fallen, vermische den braunen Haufen Pulver mit dem weißen, streiche mit der Rasierklinge eine dünne Linie des Cocktails an den Rand des Einbandes. Wo hab ich bloß den Strohhalm gelassen?

Ist koksen eigentlich vegan? Wieso bekommen so viele Durchfall von dem Zeug? Wegen dem Milchzucker, der zum Strecken verwendet wird? Ist man Laktoseintoleranz wenn man nach der ersten Line sofort kacken muss?
Wieso juckt es am ganzen Körper, wenn das andere Zeug in die Blutbahn gelangt? Warum macht das Zeug aus Nymphomaninnen frigide Frostbeulen? Seit wann ist Bier so ekelhaft und Pornos so uninteressant?
Du wolltest es doch wissen.
Richtig.
Strohhalm ins Gesicht. Ziehen.
Augen zu und…. Gott wie geil ist das denn?

#CFNM

Sie trägt ein schwarzes Korsett aus Leder, zusammengebundene Haare, auf ihrem Nacken strahlt mir ein blaues Auge mit Stecknadelpupille entgegen – was für ein abgefahrenes Tattoo. Sie bemerkt meine Blicke, als sie durch den Rückspiegel nach hinten sieht. Als ob ein kaum wahrnehmbarer Blitz durch sie fährt, um den Schalter umzulegen – ihre dreckigen Gedanken sind beinahe greifbar.
So wie Mr.L´s Erektion, die die aufgeladene Atmosphäre bemerkt hat und ihn zusehends am Lenken des antiquiert aussehenden Wagens hindert. Der riesige Lenkrad scheuert an der Beule seiner Hose, wieso haben diese Jugobenz eigentlich so fette Steuer? Wahrscheinlich weil sich nur ímpotent-kleinschwänzige Uropas mit tief hängenden Sack solche Kisten zulegen. Damit sie sich beim Kurverfahren gut festhalten können, um die Fliehkraft unter der Gürtellinie aus zu gleichen.
Mister L´ biegt auf den schmalen Schotterweg ein, einige hundert Meter hinter den Kastanienbäumen ragt ein rotes Backsteingebäude heraus, umgeben von unzähligen Feuerstellen, die mit dem Sternenhimmel um die Wette leuchten. Valentinas Hand wandert über seinen Schritt, sie streichelt über das halb geöffnete weiße Hemd, ehe sie ihre Finger zwischen seine geöffneten Lippen schiebt.
„Leck daran“, ihr waffenscheinpflichtiger Stimmklang treibt Mister Lover Lover die Schweißperlen auf die Stirn, als wir den gut belegten Parkplatz erreichen. Er braucht drei Versuche um rückwärts ein zu parken, kein Wunder bei der Latte kann der ja gar kein Blut mehr im Hirn haben.
Ich fühle eine gewisse Genugtuung in mir aufkeimen, als mir dämmert, dass er heute die Arschkarte gezogen hat und ich am Beobachtungsposten eingeteilt scheine. Er soll sich gefälligst zusammenreisen, ansonsten mache sie ihn mit ihrem Lieblingsinstrument vertraut. Ich glaube nicht, dass sie Klarinette spielt….
Sowohl die Security Typen vor dem Tor, als auch die etwas zu klein geratene Dicke mit dem low-buget-Haarschnitt im Hartz4-Empfänger Optik, winken uns durch. Ich verkneife mir die Frage, ob sie Stammgast oder Heimleiter in dem Schuppen ist. Am Ende des langgezogenen Gangs führt eine schmale Treppe in ein Kellergewölbe, ich kann ein Saxophon hören. An den Wänden hängen Plakate, auf einem davon wird die heutige Veranstaltung angekündigt – nehme ich mal an. Da ich weder weiß wo wir sind, noch was CFNM bedeutet und Valentina damit beschäftigt ist, Mister Lover Lover einen Gag-Ball anzulegen, bleibt es erstmal eine Vermutung.
„Sorge dafür, dass er sich auszieht, leg ihm das Halsband an und warte hier“ ,sie zieht den Riemen des Knebels fest, vergewissert sich, dass er auch hält bevor sie eilig davonstapft.
„Du hast gehört was sie gesagt hat, los mach dich nackig“ ,amüsiert über die neue Hackordnung kneife ich seine Brustwarzen. Sein Protest scheitert an dem schwarzen Gummidings in seinem Mund, klingt wie wirres Geblabbel eines Vollzeitalkoholikers mit dem Gesicht am Bordstein. Widerwillig blickend schält er sich aus seinen Klamotten, mit jeder seiner Bewegungen verspricht er mir Vergeltung.
„Schau doch nicht so rachsüchtig, dein Schwanz tut es ja auch nicht Schatz“ ,deute auf den Grund seiner verminderten Gehirndurchblutung, verschränke meine Arme vor der Brust , lehne mich gegen einen der grauen Spinde um das Gefühl der Überlegenheit auszukosten. Ob es wohl der richtige Zeitpunkt wäre, um ihn den Seitensprung zu beichten? Oder das wahre Ausmaß meines Heroinkonsums? Oder das ich immer wenn ich sauer auf ihn bin, mit seiner Zahnbürste die Toilette schrubbe, bevor ich sie wieder ins Badezimmer räume?
Valentina kommt mit einem Haufen Latexfummel, Highheels, einer Hundeleine und Armmanschetten aus schwarzem Leder zurück gestakst. Sie entschuldigt sich für die kurze Verzögerung und bittet mich die Sachen an zu probieren und eins davon an zu behalten, der Dresscode sei sehr streng.
Selbst meine Titten japsen unter dem glänzenden Material nach Luft, einzig mein Hintern kann sich über aircondition-optimierung freuen, er ist das einzige Körperteil das nicht in schwarzes Latex gepackt wird. Mister Lover Lover fallen fast die Augen aus dem Kopf, das Pochen in seinem Schwanz übertönt die Musik, als ich ihn die Leine anlege, seine Hände auf den Rücken fixiere und Valentina Richtung lauter werdendem Saxophon folge.
Und gerade als ich mich frage, wieso ich Latex-fick-mich-Klamotten trage und der Kerl an meiner Leine außer seiner Erektion nichts, kapiere ich was CFNM bedeutet…. Die letzten Meter des Gewölbes sind rechts und links mit knienden, nackten Kerlen gesäumt. Keiner wagt es den Blick zu heben, als wir an ihnen vorbeikommen und das Tor in eine andere Welt betreten.
„Clothed Female Naked Men“, knallt die Leuchtschrift über der Bühne, wie zum Beweis spielt der riesige Schönling im Adamskostüm auf seinem Instrument, während sich eine der unzähligen Damen vor der Tanzfläche das Kleid hochschiebt und ihren Tanzpartner zu Boden drückt. Sie dirigiert seinen Kopf in ihren Schoss – fasst einem vorbeihuschenden Nackten mit Tableau an den Hintern.
Valentina sagt, ich soll den Mund wieder zu machen.
Mister Lover Lover sagt Ghrrkkttddie.
Seine Erektion schreit yippyeiyeah.
Ich sage gar nichts mehr.

Comptoir Suisse oder Hashtaglausanne

Durch einen mehr als kritischen Engpass meiner Finanzen, bin ich genötigt meine Zelte vorübergehend in der Schweiz aufzuschlagen.
Leider verstehe ich kein Wort von dem Arbeitsvertrag, den mir Miggi organisiert – abgesehen von meinem Namen und den des Betriebs. Aber no risk – no fun. Ich unterschreibe das Ding und hör mir Miggi´s Warnung noch an: „Der Alte ist ein Pünktlichkeitsfetischist! Pass auf, dass du nicht unpünktlich bist – das ist bei denen ein Kündigungsgrund.“
Verständnisvoll nickend bedanke ich mich bei ihm und mach mich auf den Weg zu dem restlichen Haufen österreichischer Wirtschaftsflüchtlinge. Steffi und Charly haben den Wagen schon vollgepackt und warten bereits auf mich.
„Wozu braucht ihr für zwei Wochen so viel Zeug?“, frage ich entgeistert, als ich den bis zum Anschlag befüllten Suzuki sehe.
„Frag am besten meine Frau“, erwidert Charly leicht angetrunken.
„Ja genau. Das meiste von dem Zeug ist wahrscheinlich dein Rauschgift, du Idiot“, faucht Steffi ihn an. Gott muss Liebe schön sein.
Ich schaffe es tatsächlich auch meinen Kram noch unterzubringen und dabei einen Sitzplatz frei zu halten. Wir beschließen den angebrochenen Abend am See ausklingen zu lassen, bevor es am nächsten Tag runter nach Lausanne gehen soll.
Alte Bekannte und solche die es noch werden sollten hocken rund ums Lagerfeuer, die Sonne geht gerade hinter dem Weinberg unter, zaubert den kleinen Ort in ein malerisches Licht. Es könnte so romantisch sein, wäre da nicht diese Möwe, die plötzlich herabstürzt und mir mein Pizzastück aus der Hand reißt.
„Polnischer Kackvogel, verrecken sollst du dran“, ich bin nicht ich, wenn ich hungrig bin. Unterzuckerte Contenance ist wie ein nationalsozialistisches Einhorn – undenkbar.
JE mehr ich mich aufrege, desto mehr amüsiert sich der Rest der Anwesenden. Charly wirft mir ein Bier zu, ich solle mich beruhigen er wüsste eine Alternative zur Pizza. Gefühlte drei Minuten später sitzen wir zu viert in einem Tretboot, das heftiger schaukelt als eine Wiege voller amphetamingetränkter Frettchen. Insgeheim bin ich froh, dass ich die Pizza nicht selbst gefressen habe – zumindest weiß ich jetzt was mir der Arschlochvogel über uns vor die Füße kotzt – es ist garantiert Bio – und Fairtrade sowieso…
Würde das MDMA nicht grade zu wirken beginnen, wäre ich sicher voll angefressen auf die Arschlöcher. Ich mein was denken sie sich eigentlich?
Das ich behindert bin?
<Ficker!
Nach dem Tretboot kam die Ernüchterung. Blackout. Außerdem der Zug,in dem ich sitze. Ich bin desorientierer als ein syrischer Flüchtling ohne google maps. Was zum Teufel tu ich hier eigentlich?

Wieso krieg ich keinen Euro, bei jedem einzigen verdammten Mal nbei dem ich mir diese Frage stelle?

Wo ist Robert?

Er zickt herum, weil ich seit Tagen nicht nach Hause gekommen bin und gott-weiß-was mit gott-weiß-wem getrieben habe. Dieses Mal lässt er sich weder durch Wodka noch durch engagierten Oralverkehr aufheitern. Viel mehr fällt mir in dem Moment leider auch nicht ein. Außer, dass Angriff die beste Verteidigung ist:
„Du musst mit mir reden, sonst ist nämlich keiner da“, fauche ich in seine Richtung.
Seine linke Augenbraue zieht nach oben, er legt den hübschen Kopf schief und winkt mitten ins Leere Wohnzimmer: „Wieso? Kannst du sie nicht sehen? Hallo Robert!“
Vorsichtshalber checke ich erst meinen LSD-Vorrat, dann seine Körpertemperatur. Beides scheint im Lot zu sein, er verarscht mich also. Da ist gar kein Robert.
„Sehr witzig du Kasperl“, flüstere ich in sein Ohr, während ich es lang ziehe. Soll er ruhig wie ein asymmetrischer Osterhase ausschauen, wenn er glaubt lustig sein zu müssen. Das verkraftet mein Ego nicht.
Seine Hand krallt sich fest um meine Handgelenke, zieht sie nach unten, packt sie auf seinen Hintern. Küsst mich leidenschaftlicher als Romeo seine Julia. Kann mir die Frage wofür der jetzt war nicht verkneifen.
Statt dem insgeheim erhofften „weil ich dich liebe“ sagt er, dass ich einen Schuss hab.
Ich sage danke, das hat Mama auch immer behauptet.

Woohaaa!

Und schlagartig springt der Funken wieder über – Zwei Fremde die zurück ins Zueinander torkeln, auch wenn sie so tun, als wüssten sie Bescheid. Hochmut der so tut, als ob er vor dem Fall käme. Wie schön, nichts mehr zu spüren.
Fehlende Angst, teuer erkaufte Scheinsicherheit zum Preis deiner Seele. Keine Furcht, keine Hoffnung… Kein Zweifeln, kein sehnen.
Und du dachtest echt, wir hätten gewonnen? Zuhause nervt alles nur noch. Die ewigen Streitereien, die im Grunde genommen lächerlich und bedeutungslos sind. Immer wiederkehrende Knackpunkte lassen sämtliche Lösungsansätze bereits im Kern ersticken. Statt blindem Vertrauen herrscht eisige Distanz.
Da wo früher mal Freundschaft war, ist heute nichts mehr; zerstört oder nur auf Eis gelegt? Wie auch immer – die einstige Verbindung scheint ausgelöscht.
Lieber Hass als gespielte Liebe?
Ist alles was wir fühlen eine Lüge?
Es wird Zeit zu gehen.
Entscheide mich für die Flucht nach vorne, übermächtiges Bedürfnis nach Abstand treibt mich immer weiter weg.
Und doch vermisse ich den Austausch mit meiner schonungslosesten Kritikerin, trotz all den Reibereien. Würde bloß Stolz weniger als Vernunft wiegen
Bedauernswerterweise schlägt Konditionierung Seelenverwandschaft – Sucht tötet Liebe.
Junkies als Inbegriff der Beziehungsunfähigkeit, geachtete Sündenböcke am Rande der Gesellschaft.
Zu mächtig die Gier nach dem Gift, zu gierig die Macht, die das Scheißzeug mittlerweile hat
Längst manipulierter Wille, kapituliert und gebrochen.Fest an die Illusion der Freiheit geklammert, vergifteter Geist belügt sich selbst.
Alle Anzeichen ins Lächerliche gezogen, suche ich ununterbrochen nach einem Ausweg, torkle dennoch besserungsresistent in die nächste Katastrophe. Bin ich wirklich so blind?
Suche mich süchtig, bin ständig auf der Jagd nach Lebendigkeit, balanciere auf einer schmalen Grenze.
Millimeter vom eigenem Untergang entfernt.
Er erwischt mich eiskalt, dieses Mal habe ich nicht mehr mit ihm gerechnet. Und doch.
Ich erwarte eigentlich einen Anruf vom Ticker, stattdessen habe ich plötzlich Mister Voll am Arsch am Apparat. Super.
„Ich habe Angst davor.“
Tim nimmt meine Hand, zieht mich hinter sich her. Am Ende des Hügels angekommen grinsen wir um die Wette.
„Boah ist das geil!“
Kichernd lassen wir uns ins Gras fallen, genießen die bombastische Aussicht. Nichts als Wald und See unter uns, während die Sonne langsam hinter dem Horizont untertaucht.
Er hatte Recht – perfekter kann der Zeitpunkt nicht sein. Optisch nicht.
„Tief einatmen, Rauch unten lassen und sofort wieder ziehen. Du wirst merken, wann genug ist.“ , zärtlich drückt er meine Hand, zieht sie wieder weg um Analia ein Feuerzeug abzuschnorren.
Getrocknete Liane, oder so. DMT, eh ganz unkompliziert – weil körpereigene Substanz – ich höre ihm schon lange nicht mehr zu… Fokus schwankt, Analia zündet die Lunte….
Ich denke mir, hahaha ihr Spasten, als ob ich vor so´n bisschen Biopsychedelika in die Knie gehen würde, Analia reicht mir das Ding…
Zwei tiefe Züge später betoniert mich die Erkenntnis, einen Fehler gemacht zu haben ins Bodenlose. Wie zum Teufel kann man bloss so deppert sein???
Er fickt mich härter als sonst, wahrscheinlich ist er immer noch sauer, weil ich den Geschirrspüler getötet habe. Oder weil ich seinen besten Freund gevögelt hab.
Was weiß ich. Muss ja auch nicht alles zer-denken. Außerdem hat meine Energetikerin gesagt, ich muss mich emotional abgrenzen. Ist ja schließlich nicht mein Kaffee wenn er Probleme mit Fremdficken oder Haushaltsgeräten hat. Mich fragt schließlich auch keine Sau, wie´s meiner Waschmaschine geht. Gleiches Recht für alle, oder?
Wie zum Geier soll man sich bei dem Wirbel im Hirn auf den koitalen Endspurt konzentrieren? Vollgas im Kopf geht nur bei Standgas in der Fuffie. Und umgekehrt.
Abgesehen davon stresst es mich die Tatsache, morgen früh aufzutreten um mein Buch zu promoten. Wie bitteschön soll ich mich um halb zehn Vormittags betrinken? Das ist doch asozial, auch wenn´s nur gegen das Lampenfieber ist. Ich bin schließlich nicht Bukowsky, denke auch nicht, dass mir irgendjemand einen Bierkühlschrank auf die Bühne stellen wird.
„Kannst du mir morgen nicht paar Kaffetassen voll Bier mitbringen?“ (Glaubst du, es fällt auf, wenn ich
Sichtlich irritiert zieht er seinen Schwanz aus mir, legt den Kopf schief und spritzt mir zwischen die Titten.