Prosit Neujahr

Ganz oben auf der Liste der Vorsätze fürs neue Jahr schreib ich „Kein Drama mehr“. Fest entschlossen, dass ich es dieses Mal auf die Reihe kriege und mich aus dieser unglücklich machenden Verbindung endgültig befreie.

Gleich darunter kritzle ich  „Maßvoller Umgang mit Alkohol & Co“, lache mich dabei kaputt und zweifle an der Sinnhaftigkeit solcher Selbstoptimierungs-Pläne. Vielleicht bleib ich einfach so scheiße, wie ich bin?

 

Erwache am nächsten Morgen nicht nur mit einem – sondern mit drei Katern, die in Form eines Dreiecks um mich herum liegen. Hashtag Pythagoras.

Die Anordnung der Tiere lässt einen Funken Optimismus aufkeimen – wäre mein Zustand kritisch, lägen die drei in einer Linie, parallel zu der Couch.

Wollte ich nicht zum Neujahrslauf?

Ja, genau. Um mit einem Haufen Spinner um die Wette zu rennen. Am 1.1.

Was haben die den für ein Leben?

Haben die gestern Abend vor dem Laptop onaniert, kaltes Wasser getrunken und sind danach ins Bett?

Spasten.

Gaddafi zeigt mir den Vogel. Als ob ich was dafür könnte.

Zerschneide die Todesanzeige meiner Großmutter, um mir daraus einen Filter für den Frühstücksjoint zu basteln. Die Frau hat drei Kinder großgezogen, ein Haus gebaut und mehr als einen Baum gepflanzt. Und alles was von ihr übrig bleibt, ist Filterpapier.

Hashtag Pietät-los.

Er fehlt mir.

Denke die ganze Zeit an ihn, wo er jetzt wohl gerade ist?

Ob er auch manchmal an mich denkt?

Er ruft tatsächlich an – mein Herz tanzt….

Erste Sonnenstrahlen fluten das Wohnzimmer, das Dreieck schnurrt, Oma filtert und Muammar onaniert vor dem Christbaum.

Ob „Wichser“ wohl eine anerkannte Berufsbezeichnung ist?

Ein Anruf beim Arbeitsmarktservice, bringt leider auch kein Licht ins Dunkel, da die Dame am anderen Ende der Leitung einfach auflegt. Als ob der abrupte Abbruch des Telefonats ihre Inkompetenz verschleiern könnte.

Gaddafi entsichert seine Knarre.

Aber er wollte doch aufhören damit. Keine AMS Betreuer mehr umbringen im neuen Jahr.

„Und du wolltest mit den Drogen aufhören!“

„Ja. Und Chlorophyll wollte dieses Jahr rot sein, du Idiot.“

Wutentbrannt stürzt er nach draußen, steigt in den Wagen und fährt davon. Hoffentlich auf Nimmerwiedersehen.

 

 

 

 

 

 

Türken am Pornotümpel

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Herrlich so ein Waldspaziergang, auf der Suche nach einem ruhigen Platz. Mit meinem kurzen Sommerkleid unter dem ich keine Unterwäsche trage, top gestylt und einem Reisekoffer in der Hand, ziehe ich die ungeteilte Aufmerksamkeit der anderen Frischluftfanatiker auf mich.

Nach etwa einem Kilometer Fußmarsch erreichen wir einen schönen Platz am Ufer des Speichersees, der hinter vorgehaltener Hand auch „Gang bang See“ genannt wird. Ich bin zum ersten Mal hier und checke die Umgebung äußerst konzentriert ab, doch so sehr ich mich auch anstrenge-ich sehe hier niemanden gangbangen.

„Hier wäre ein guter Platz um zu shooten“, Robert zeigt auf eine Stelle am Ufer, doch noch ehe wir dort angekommen sind, sehen wir dass wir auch dort nicht ungestört sind.

Er zündet sich eine Zigarette an, überlegt kurz und deutet auf die andere Seite vom Pornotümpel:

„Dort drüben bei den Türken könnten wir es auch noch versuchen.“

Mein Blick wandert hinüber, doch ich sehe dort nur Felsen, Bäume und zwei Menschen. Wow, denk ich mir, der hat gute Augen wenn er auf die Entfernung die Nationalität der Typen erkennt.

Fünf Minuten später führt der immer schmaler werdende Pfad auf einen Felsen , der Reisekoffer in der einen, die Tasche in der anderen Hand erkenne ich, dass ich für eine Klettertour wohl unpassend ausgestattet bin.

„Vorletzte Woche klettere ich halbnackt und betrunken über einen Steinbruch, und heute durchs Unterholz. Was zum Teufel stimmt denn nicht mit mir?“

Wir müssen beide lachen, als wir den Weg zurück nehmen.

„Bist wohl einfach gestört“, meint er staubtrocken als er zum zweiten Mal eine mögliche Location zum Fotografieren  ansteuert. Wir haben Pech, auch dort haben sich schon einige Wanderer breitgemacht.

„Also entweder drehen wir um, oder wir gehen weiter zu den Türken.“

Ich denke kurz über die zwei Optionen nach und blicke um mich.

„Sag mal wo sind denn hier Türken?“

Breit grinsend sieht er mich an.

„Bei den Birken, nicht Türken. Schau mal da drüben.“

Ein heftiger Lachkrampf zwingt mich in die Knie.

„Und ich hab mich schon gewundert wo du hier Ausländer siehst.“

Wir beschließen umzudrehen, haben endlich Glück, finden einen ruhigen Fleck und endlich kann ich meinen Koffer abstellen um die passenden Klamotten und Requisiten rauszuholen.

Schwarze Unterwäsche, halterlose Strümpfe, Halsband mit Leine, ein Sturmgewehr in die Hand und ab ins Wasser.

Die ersten Zaungäste lassen nicht lange auf sich warten, man sieht schließlich nicht alle Tage eine Frau in Dessous und Knarre im See herumstapfen. Unbeirrt machen wir weiter und nach einigen Minuten hat Robert die erste Szene fertig fotografiert.

Die schwarze Unterwäsche wird gegen ein weißes Kleid ausgetauscht, das Gewehr gegen einen Revolver und wieder heißt es, ab ins Wasser.

Diesmal aber nicht nur bis zu den Knien sondern ganz rein. Scheiße ist das kalt.

„Nicht genug dass ich mit einem Koffer durch den Wald laufe, jetzt geh ich auch noch mit einem weißen Kleid schwimmen. Ich bin schon gespannt was mein Psychiater dazu sagen wird.“

„Er wird sagen, dass du gestört bist.“

Ich glaube jetzt lacht auch der Mann der sich hinter dem Gebüsch versteckt hat.

Robert korrigiert die Lichteinstellungen seiner Kamera und dirigiert mich auf die richtige Stelle. Das eisige Wasser reicht bis zu meinen Hüften und durch den dünnen weißen Stoff zeichnen sich meine steinharten Nippel ab.

„Wolltest du nicht einen Kampfhund mitbringen?“

„Ja, ist sich aber leider nicht ausgegangen.“

„Schade. Hätt ja eine Katze mitnehmen können. Per Photoshop kannst ja dann einen Dobermann draus machen?“

Einige Aufnahmen später packen wir wieder zusammen und machen uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. Wir unterhalten uns übers nächste Shooting und besprechen einige Ideen.

Und ich weiß schon jetzt – es wird wieder richtig viel Spaß machen. So wie immer.