Blutsaugende Arschlöcher unterm Blutmond

Mein unermüdlicher Einsatz vor dem Bildschirm fordert seinen Tribut – mir flackern die Augen, mehr und mehr verzerrt sich der Blick. Ich tröste mich damit, dass die Nebenwirkungen der Realität wohl heftiger ausgefallen wären – lieber überanstrengte Sehorgane als Syphilis. Danke Youporn.
Versuche zu schlafen, doch statt Schafe zu zählen, sehe ich immer noch überall Genitalien. Ich beschließe nie wieder Onlinepornos zu schauen, es sei denn jemand begattet dabei ein Schaf.
Fest entschlossen verordne ich mir Solosex Entzug und starre eine Nacht später auf den roten Mond. Er erklärt mir warum er so rot ist. Ich frage, ob wir uns das Spektakel nicht im Livestream anschauen können. Weil hier draußen stinkst nach Natur, außerdem ist alles voller blutsaugender Arschlochinsekten.
„Keine Angst Babe. So vergiftet wie du bist, wird keiner der Viecher dein Blut wollen.“
Was glaubt der eigentlich von mir?
„Ach ja? Vielleicht gibt’s aber welche die nicht spaßbefreit sind und gerne mal einen draufmachen?“
Trotzig kann ich. Als ob ich ihm da letzte Wort überlassen würde.
„Du meinst Junkiegelsen?“
Meine Halsader schwillt schneller an, als sein Penis beim Anblick seiner Fußpflegerin. Der hat sie doch nicht alle.
„Ja, du Idiot. Vielleicht ist eine davon die Reinkarnation von Pablo Escobar?“
Breit grinsend kommt er zu mir, schiebt mir das Shirt hoch.
„Willst du jetzt wirklich über Karma reden Kleines?“
Unentschlossen ob ich wütender- oder scharf auf ihn bin, winde ich mich aus seinem Griff.
„Und übrigens: dein Hund stinkt.“
Schneller als ich mein Konto überziehen kann dreht er mir die Arme nach hinten, drückt mich auf den Holztisch um mir auch noch die Short nach unten zu ziehen.

Masturbations Flüchtling vs. Borderliner

Erst als sämtliche Vorräte weggeballert- und alles an Bier weggesoffen ist, wandern wir Richtung Schlafzimmer. Betäubte Körper fallen ins Bett, lauter als der Ford Mustang meines Nachbarn dröhnt mir der Schädel. Heilige Scheiße, jetzt bin ich schon vorm Aufwachen verkatert.
Zumindest bin ich in der glücklichen Lage, nicht in zwei Stunden wieder aufzustehen – im Gegensatz zu ihm. So leise wie möglich schiebe ich meine Hand zwischen die Beine, zutiefst hoffend ein wenig Schlaf-gut-Masturbation hilft gegen die Nebenwirkungen der Multi Intoxikation vergangener Tage. Das tut sie tatsächlich, ganze zwei Minuten lang. Plötzlich schleudert er seine Decke auf den Boden, erschrecke so heftig, dass ich mir beim fluchtartigen Rausziehen aus der Huhu den Finger stauche.
Was zum Teufel ist denn jetzt los?
Hastig packt er seinen Kram zusammen, streift sich ein Shirt über den nackten Oberkörper: „Ich bin ohnehin nur Luft für dich, wieso spielst du heimlich an dir rum? Was glaubst du, wie ich mir da vorkomme? Ich verschwinde. Bin dir sowieso egal“ , schneller als Speedy Gonzales stürmt er aus der Wohnung.
Das ist neu für mich – noch nie zuvor ist ein Mann davongerannt, weil ich mir meinen Finger in die Muschi geschoben hab. Gott, hat der einen Knall. Dachte immer, niemand ist so beknackt wie ich.
Der Mann in den ich mich verschossen hab würde mir meine Hände aus dem Schoß ziehen, mich eine verfickte Schlampe nennen, mich auf den Rücken drehen, gnadenlos durchficken, seine Hand auf meinem Mund drücken um mir die Luft abzuschnüren.
Ich erkenne ihn nicht wieder, als er zickender als ein menstruierendes, unbefriedigtes Frauenrudel die Flucht ergreift. Unfassbar, was übermäßiger Substanzkonsum aus uns macht. Vom dominanten Mann zum von Selbstzweifel zerfressenden Jungen. Unbegreiflich wie weit Selbst- und Fremdeinschätzung voneinander entfernt liegen. Unpackbar mit welcher Geschwindigkeit der Traum meiner schlaflosen Nächte zu einer tickenden Zeitbombe mit Minderwertigkeitskomplex mutiert. Schalter umgelegt, danke du gottverdammtes Teufelszeug. Wurde Zeit, dass mir mal der Spiegel vorgehalten wird.
Geh doch.
Ich will mehr davon.