#15

#15
Fünfzehn Menschenleben hat der Drogenkrieg in diesem Jahr bereits gefordert – in einem der schönsten und reichsten Länder der Welt. Ein neuer Highscore in der Geschichte Kärntens, nichts womit man sich rühmen kann. Fassungslosigkeit und gegenseitige Schuldzuweisungen bringen keins der Opfer wieder zurück. Genauso wenig wie der Ruf nach härteren Strafen und eine Aufstockung der Exekutive, wenn zeitgleich die Drogenberatungsstellen aus allen Nähten platzen oder eine Fortführung von Therapieeinrichtungen aus finanziellen oder parteipolitischen Gründen scheitert.
Ebenso subintelligent erscheint mir die Forderung Cannabis zu kriminalisieren, wer immer noch daran glaubt, man könne durch Verbote etwas bewirken, dem sei die Alkoholprohbition der USA in den 30er Jahren ins Gedächtnis gerufen – nie zuvor wurde so hemmungslos gesoffen wie in der Zeit des Verbotes.
Vor allem auch, weil der Stoff so hart wie möglich sein musste, um ihn unauffällig zu schmuggeln. Schließlich braucht eine Kiste Bier viel mehr Platz als eine Flasche Hochprozentiges. Je illegaler die Substanz, desto konzentrierter der Wirkstoffgehalt um sie lukrativ und effektiv von A nach B zu schaffen. Je härter das Material desto höher das Abhängigkeitspotential.
Damals wie heute.
Wie die Geschichte damals ausging, dürfte hinreichend bekannt sein – die Prohibition scheiterte kläglich. Viele der einstigen Befürworter mussten sich geschlagen geben und gelangten zu der Einsicht, dass Illegalität kein Garant für die Beseitigung eines Problems ist – allenfalls zu dessen Verlagerung in einen rechtsfreien Raum ist.
Allerdings wussten die Amerikaner nicht, wohin mit all den Beamten, die bis zur neuerlichen Legalisierung nur für die Überwachung des Verbotes zuständig waren. Dank eines gewissen Harry Anslinger´s , der zu der Zeit die Leitung des Federal Bureau of Narcotics überhatte, schuf man sich mit dessen Hilfe rasch ein neues Feindbild – und somit eine Aufgabe für die überflüssig gewordenen Alkohol-Jäger – der „War on drugs“ war geboren. Anslinger begann nun Öffentlichkeitskampagnen gegen die von ihm abgelehnten Drogen zu führen. Er argumentierte hier jedoch nicht nur mit gesundheitlichen Aspekten, sondern band auch Vorurteile ein. So wurde Schwarzen, Mexikanern und andere Minderheiten, denen der Großteil des Konsums zugeschrieben wurde, unterstellt im Rausch weiße Frauen zu vergewaltigen.
Anslinger schaffte es tatsächlich einen bis heute andauernden Drogenkrieg anzuzetteln, der sich nicht nur auf die Staaten beschränkte. Als sich Mexiko weigerte, Cannabis zu kriminalisieren, drohten die Staaten damit, keine Medikamente mehr ins Land liefern zu lassen Wie so vieler anderer Schwachsinn schwappte die Welle auch nach Europa über – wenn auch nicht Widerstandslos..
Durch Harry Anslingers Beorderung in die UN-Drogenkommission 1947 wurde das weltweite Verbot des Cannabisanbaus forciert, welches schließlich in Form des Einheitsabkommens über die Betäubungsmittel 1961 festgeschrieben wurde. Dieser völkerrechtliche Vertrag ist weiterhin gültig und verbietet diverse Drogen. 1970 zog sich Anslinger aus der Öffentlichkeit zurück.

Dreißig Jahre später. Irgendwo in Kärnten.
Sie steht mit beiden Beinen fest im Leben, eigentlich mag sie es nicht in solchen Kreisen zu verkehren, aber die einzige Möglichkeit um an Gras zu kommen, ist diese desolate Wohnung mit dem zwielichtigen Gestalten, von denen sie keinen alleine in der Nacht begegnen möchte. Aber noch weniger will sie sich das Kiffen verbieten lassen, es ist das einzige was ihr gegen die Hyperaktivität hilft.
Heute habe er leider nichts mehr zu rauchen, aber es gäbe da noch was anderes um sie zu entspannen. Und tatsächlich – sie ist plötzlich gechilled.
Genauso wie der suchtkranke Dealer, der das zeitliche noch vor ihr segnen soll. Weil er es nicht mehr aushält, die Stigmatisierung, die ständige Geldbeschaffung, all der krank machende Dreck im Gift, das permanente Katz und Maus Spiel mit der Polizei, all die Vorwürfe an allem selbst Schuld zu sein, die soziale Ausgrenzung. Er träumt von der Schweiz, da würden sie den Menschen helfen. Dort bekäme er seine Medizin, er müsste nicht mehr dealen und hätte keine Angst mehr vor Streckmitteln. Einem Suchtkranken Menschen mit der kontrollierten Abgabe der Droge zu helfen, müsste so selbverständlich sein, wie einem Diabetiker Insulin zu spritzen.
Unterm Strich ist der eine nicht schwächer als der andere.
Auch wenn die Überlebensrate eines Junkies hinterher hinkt.
An einem verregneten Herbstmorgen träumt er ein letztes Mal von einem normalen Leben bei den Eidgenossen, bevor er auf die Brüstung des Balkons klettert und die Augen schließt.
#Nr.16

Hashtag die Faschingsprinzessinnen

Direkt neben uns tanzt Miss Mietzekatze, als ob es um Leben und Tod gehen würde, die Kleine scheint drauf wie Hupe zu sein. Gegen sie wirke selbst ich wie ein Schulmädchen auf Bachblüten.
Ihre riesengroßen Augen wandern unruhig umher, ob sie wohl ein Katzenklo sucht?
„Ey du Muschi, zur Drogenberatung geht´s hier lang!“, Gerfried verschreckt das Raubtier mit seinem Geschrei beinahe zu Tode. Von der Paranoia überwältigt ergreift das Fellknäuel die Flucht.
Ich sage Gerfried bitte hör auf damit. Wer bitteschön will schon mit einer eins fünfundachtzig großen Banane über seine offensichtlichen Suchtprobleme sprechen:
Gerfried meint, vielleicht eine vegane Mutzi?
Ich sage, geh doch selbst zum Psychiater du durchgeknalltes Früchtchen. Verständnisvoll nickt mir eine Nonne zu, ehe sie versucht so unauffällig wie möglich hinter einen Barhocker zu reihern. Den, auf dem ich gerade sitze.
Lautlos geht irgendwie anders. Sie grölt wie ein Hooligan bei Stadionverbot, als sich ihr Mageninhalt unweit meiner Stiefel evakuiert.
„Blöde Fotze, ich rufe das Veterinäramt an, wenn du weiterhin auf unschuldige Waschbären kotzt! Das ist blasphemische Tierquälerei, du Gotteshure!“, kreische ich sie an. Ein zufällig vorbeirauschendes Schneewittchen schnauzt mich an, ich solle gefälligst meine dämliche Fresse halten, ansonsten werde sie mich windelweich prügeln.
Ich sage, Gerfried wir gehen, bevor sie ihre Zwerge ausm Arsch zieht.
Mit einem lauten Knall geht Frau Misses Klosterschwester zu Boden, mitten rein in ihr Erbrochenes. Wenn das der liebe Gott sehen würde…
Halleluja und fick dich Schneewittchen.
Ab morgen ist Ramadan, schrei ich die Banane an. Gerfried nimmt mich an der Hand und zieht mich aus dem Lokal hinaus.
„So Kleines, jetzt zeig ich dir den Weg zur Drogenberatung…“

Lei lei, ihr Narren – und willkommen in VILLACH!

Human Resource

Sie geht mir nicht aus dem Kopf, erinnere mich an all die getexteten Um-Denk-Anstöße, unvergessliche Erinnerungen und die Leere, die sie hinterlassen hat.

Unsterbliche Seelenverwandtschaft, haben wir geglaubt. Freundschaft ist für immer, haben wir gedacht. Ohne Kompromisse, haben wir uns eingeredet.

Und plötzlich war sie weg. Vorhersehbarer Rückzug, verlorener Kampf gegen einen allmächtig erscheinenden Gegner…. Sämtliche Kraftreserven verbraucht – Sucht wiegt schwerer als Verbundenheit.

Hoffend, dass sie niemals begreift, durch welche Hölle manch Suchender wandelt. Auch wenn ich sie dafür hasse  genauso zu denken wie der Rest dieser scheißverkackten Arschgeigen. Sucht ist selbstverschuldet? FICKT EUCH!

Bleibt in eurer Scheinwelt, fingerzeigend auf die willensschwachen Junkies, die es nicht anders verdient haben.

 

In der Zwischenzeit fliegen wir – höher, schneller und weiter als es Baumgartner jemals wird – egal ob er Matheschitz den Schwanz lutscht, oder nicht. Limit Stratosphäre? Ihr seid doch alle Muschis.

Schub. Schub. Schub….

Weiter hinauf. Weit über das große Ganze hinaus geschossen, explodieren vor Glück ehe sich prasselnde Einzelteile zur Sternschnuppe formatieren.  Rasanter als Licht schnalzen wir zurück in Richtung Abgrund – verglühen oder aufprallen?

Schlafhungriger als jemals zuvor, er schiebt meine Schenkel auseinander bevor sein Körper auf meinem landet.  Immer und immer wieder versenkt er sich in mir, bin zu erschöpft um um Gnade zu betteln. Es brennt wie verrückt, wund- und hirngefickt gebe ich mich ihm hin.

Wieso tu ich mir das an?

Ach ja, weil es mich scharf macht.

Ambitionierter als ein Newcomer beim Pornocasting rammt er sein Ding in mich, vögelt als ob es das letzte Mal wäre.

„Du Fickstück bist doch für nichts anderes zu gebrauchen – deine Fotze gehört mir“, flüstert er mir ins Ohr. Sekundenbruchteile später trifft mich die Ohrfeige. Mein Schreien erstickt unter der flachen Hand, die er mir auf den Mund drückt.

„Genug Luft, du Miststück!“

Zapple unter ihm, der Sauerstoffmangel lähmt mich zunehmend. Sterbende Seele in einem erregten Körper.

Wer hat hier wen gebrochen?

 

 

 

 

 

 

 

Willkommen in meiner Welt, Arschloch.

Zerstückelte Erinnerungsfetzen drängen aus der Versenkung nach oben und innerhalb eines einzigen Herzschlages ist alles anders.

Es ist endgültig vorbei, letzte Funken falscher Hoffnung und kranker Sentimentalität wie weggeblasen; verglüht ohne dabei auf die Knie zu sinken. Ziellose Besessenheit steuert geradezu in die nächste Vollkatastrophe.

Warum bin ich heute nochmal aufgestanden?

Ach ja. Weil ich dachte, der Typ mit dem Sushi und dem Six Pack würd endlich Frühstück bringen. Von wegen. Die Rundfunkgebühr wollt der Spast; aber das ist ein anderes Kapitel.

Der Schlafentzug zeigt erste Spuren, alles auf slowmo. Nachlegen ist umsonst, sämtliche Körpersysteme kurz vorm Abstürzen. Siebzig Stunden wach und ohne feste Nahrung. Da hilft auch Boliviens Exportschlager Nummer eins nichts mehr. Irgendwann ist einfach zu viel des Guten.

Recht herzlichen Dank liebe Obsession.

Geprügelt, gedemütigt und verzweifelt aus dem Ring gestiegen; niemals gekrochen. Ziellos von einer in die nächste Misere getorkelt.

Unzählige Male die Selbstachtung verloren-kein einziges Mal den Stolz.

Mit gehobenem Kopf scheint der Fall ästhetischer, bisschen Contenance und so´n Scheiß. Immer tanzend. Mit Sonnenbrille.

Und noch während man sich den Aufprall als allerletzte Instanz des eigenen Selbstzerstörungswahns vorstellt, kündigt sich unerwartet Hilfe bei dem Vorhaben an.

Sein Gesicht ist eingefallen, die Konturen der Wangenknochen deutlich auszumachen. Mittlerweile hat sich die noble Blässe in fahles Grau gewandelt, die Stirn voller entzündet aussehender Punkte, tiefe schwarze Ränder unter weit aufgerissenen Augen.

Er wollte immer sein wie Onkel Charlie, geworden ist er das uneheliche, in einer Bahnhofstoilette gezeugte Balg, von Jessy Pinkman und Christiane F.

Ihr Kinder vom Bahnhof Zoo.

Aus jeder seiner Poren dringt das Gift nach außen; vor nicht allzu langer Zeit war ich süchtiger nach seinem Geruch, als nach dem Inhalt seiner Taschen.

Da ist kein Glanz mehr in seinem Blick, sämtliche Erinnerungen getötet.

Will mich erinnern.

Schaff es nicht.

Rastloser Geist randaliert im erschöpften Körper, wirre Gedankengänge, leergekokste Müdigkeit eines  kaputten Wahnsinnigen am Rande der Existenzberechtigung.

Willkommen in meiner Welt, Arschloch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hashtags sind die besseren Rauten

Jeder einzelne der Wartenden ist ein scheiß Junkie. Man sieht es nicht an den Klamotten; aber an ihren Augen. Das ganze Gehabe dieser Typen verrät sie. Ich kann nicht sagen was genau es ist; doch brauche ich nicht länger als einige Minuten um zu merken, wer zu der Fraktion der Süchtigen gehört, ohne mit ihm oder ihr gesprochen zu haben. Gott, wie ich diese Loser hasse.

Hashtag Scheißjunkie

Was zum Teufel tu ich hier eigentlich? Ich gehöre doch gar nicht hier her. Ich bin keine von denen. Junkies laufen keine Marathons. Punkt. Noch bevor das Gedankenkarusell Amok läuft, wird mein Name ausgerufen, zögernd suche ich mir den Weg in die Praxis. Der Raum ist so unglaublich eng, mir kommt es vor als würden die Wände immer näher kommen.

Hashtag Paranoia.

Kralle meine Fingernägel fest in die Oberschenkel, unfassbar dass kein Blut tropft. Die einzige Flüssigkeit die ununterbrochen läuft ist die zwischen den Beinen. Ein Königreich für einen Fick.

Hashtag Nymphoman.

„Wir haben uns das letzte Mal vor drei Monaten gesehen.“

Während seiner Feststellung schwankt der Blick vom Bildschirm des Rechners zu mir, fixiert mich für einen Moment, um sich kurz darauf wieder der virtuellen Welt zuzuwenden.

Hashtag Psychiater.

Hashtag busy.

Heftiges Türklopfen lässt mich zucken, eine rothaarige Sprechstundenhilfe kommt herein und bittet den Doc um eine Unterschrift wegen eines Rezeptes. Es geht wohl um den Methadon Nachschub für einen Patienten. Verfluchte Opiatabhängige. Die haben zumindest Substitutionstherapie. Pisser. Als wären die die einzigen die wüssten was craving bedeutet. Als Kokserin musst ohne Ersatz aufhören, gibt ja keinen. Würd ich aber auch nicht in Anspruch nehmen wenns so wäre. Wenn schon kämpfen, dann ohne Wenn und Aber; ich bin stark genug um den Mist auch ohne chemische Unterstützung auf die Reihe zu kriegen.

Kaum hat er die Unterschrift auf das Rezept gekritzelt, marschiert Frau Misses Ordinationsprinzessin wieder raus und lässt uns in der trauten Zweisamkeit zurück. Wir reden über Gott und die Welt, doch dieses Mal ist alles anders als beim letzen Mal; anstatt paranoider Verschwörungstheorien hinterfrage ich alles.

Hashtag Nüchterninderdrogenberatung.

„Wir sollten über Medikation sprechen.“

Der Unterton in seiner Stimme klingt überzeugender als der eines Vorwerk-Staubsaugervertreters, für den Bruchteil einer Sekunde schenke ich ihm Glauben. Er labert mich beinahe zu Tode, was ich nicht alles an Tabletten brauchen würde, um zu funktionieren.Lithium, Antidepressiva, Antiepileptische Kacke. Klar, Ganz wichtig, das die Pharmaindustrie überlebt. Was zum Teufel mach ich eigentlich hier?

„Ich brauch keine Pillen, ich schaff das auch so.“

Wenn Blicke töten könnten, würde Herr Mister Freud längst bewegungsunfähig auf dem Fußboden liegen. Ich müsste stimmungsstabilisierendes Zeug schlucken, um meinen Dachschaden unter Kontrolle zu bekommen. So ein Mist, alles was ich brauche ist jeden Tag anständig gefickt zu werden.

„Ich will keine Psychopharmaka fressen. Gibt’s keine pflanzliche Alternative zu den Pharma-Bomben? Was ist mit Johanniskraut?“

Ungläubig schaut mich Mister Psychiater durch die trüben Lichter an.

Hashtag MisterFreud

„Das bekämpft nur ihre Depression, die Manie würde bleiben, sich womöglich sogar verstärken.“

Überlege kurz, komme zu dem Entschluss, keine Ahnung von seinen Bedenken zu haben: „Ja, aber die ist doch eh immer so lustig.“

Unsicher ob er einen Lachkrampf unterdrückt, oder mir auf die Brüste starrt, beobachte ich seine Mimik ganz genau und beschließe ihn beim nächsten Termin ein T-Shirt mit dem Aufdruck „overworked and underfucked“ zu schenken.

„Lustig schon, aber leider auch gefährlich. In einer manischen Phase neigen Patienten dazu unkontrolliert Geld auszugeben und wahllose sexuelle Begegnungen einzugehen.“

Hashtag bipolarkannganzlustigsein

Seine Miene wird augenblicklich so ernst, als ob er mir den nahenden Tod verkünden müsste; warum zum Teufel haben die alle einen Stock im Arsch?

„Ja, das meine ich ja mit lustig.“

Der Psychofuzzie beißt sich auf die Lippen, starrt mir wieder knapp zwanzig Zentimeter unter die Augen, und ich frage mich wer von uns beiden dringender Tabletten braucht.

„Sie können ruhig lachen, ich hab da kein Problem damit“, meine Aufforderung wirkt, denn plötzlich huscht ein Grinsen über sein Gesicht.

„Hören Sie, ich kann niemanden dazu zwingen, Medikamente einzunehmen. Das ist ganz alleine Ihre Entscheidung.“

Alles was ich von Zeit zu Zeit brauchen könnte wäre ein Anti-Aphrodisiakum, aber dazu reicht eigentlich auch Helene Fischer, also verkneif ich mir die Frage, stehe auf und verabschiede mich.

„Vielen Dank, aber ich glaub ich bleib so scheiße wie ich bin.“

Hashtag ohnenormal

Das Sein ist das Werden des Ganzen. Fotze.

Wenn der Tag gut ist, leb ich als ob es kein Morgen geben würde, ich schaffe es innerhalb kürzester Zeit mein Umfeld mit glänzender Laune anzustecken.

Die Sonne scheint mir aus dem Arsch und ich strahle als ob ich auf direktem Weg von Fukushima kommen würde.

Ich trinke ohne Maß und Ziel. Shot. Shot. Shot.

Ich schmeiß mit Geld um mich, als ob ich Bill Gates ‘Kreditkarte im Sack hätte.

Ich ficke, als ob es um Leben und Tod ginge.

Ich ziehe mir das für mich essentielle, weiße Pulver in den kaputten Kopf, als wäre ich die Geliebte von  Pablo Escobar.

Ich tanze als ob mich niemand dabei sehen würde.

Ich fahre Auto, als wäre ich eine unzerstörbare, weibliche Ausgabe von Sebastian Vettel, für die absolute Strafverfolgungsfreiheit gilt.

Der Endorphin Tsunami der durch mein Hirn rauscht macht mich unsterblich und  unbesiegbar. Da ist nichts das mich aufhalten könnte, alles ist packbar.

Grenzenlose Sehnsucht, unbändige Lebensfreude, pure  Abenteuerlust und die Sucht nach Liebe lassen mich fliegen. 

Unendlich hoch.

PANTHA REI. Alles fließt, und ich bin unkaputtbar.

Und dann gibt es Tage wie diesen..

Am liebsten würde ich nicht mal aus dem Bett aufstehen, weil es davor schon klar ist – es wird nicht mein Bester werden.

Als hätte sich sämtliches Elend dieser Welt in der Nacht über meinem Kopf gestaut um nur darauf zu warten, mich wie ein Vorschlaghammer zu erwischen und niederzustrecken.

Sowie ich die Augen öffne um aus dem Koma zu erwachen, trifft es mich eiskalt und lässt mich an der Sinnhaftigkeit überhaupt aufzustehen zweifeln.

Es ist so sicher wie das Amen im Gebet, dass mich dieses verfickte Gesetz von dem Typ namens Murphy den ganzen Tag in den Arsch vögeln wird. Ohne Vaseline, dafür mit Anlauf. 

Alles was schiefgehen kann, wird schiefgehen. Und wann? Im ungünstigsten Moment.

Das gottverdammte Sonnenlicht brennt in den Augen und ich bin unschlüssig ob der Tinnitus oder der latente Brechreiz an meinen ernsthaften Selbstmordgedanken Schuld ist.

Allerdings fühl ich mich viel zu müde und unmotiviert um mich umzubringen, denn dazu müsste ich erst mal aufstehen. 

Fick dich Welt. Decke übern Kopf ziehen und auf die Nacht warten. In der Dunkelheit ist alles einfacher;  stressfreier, ungehemmter,  ungenormter, belangloser.  Und vor allem – unnüchterner.

Gibt es was Schlimmeres als nicht betrunken zu sein? Furchtbarer Zustand. Die ganze Farce bei vollem Bewusstsein zu erleben, all das Theater dieser Systemerhalter.

Diese Arschlöcher, die von 8 bis 17 Uhr arbeiten, am Wochenende frei haben, im Sommer in den Urlaub nach Bibione oder Medulin fahren, Strache wählen, Familie haben, brav die Kreditraten fürs Eigenheim zurückzahlen, sind garantiert schon zuhause.

Sie sehen sich die Nachrichten kurz vorm Hauptabendprogramm an, ziehen sich Mikrowellenfraß rein, schimpfen über den Krieg in Syrien und die Inflation, trinken verdünnten Himbeersaft , führen flachen Smalltalk mit der zuhause wartenden Ehefrau und simulieren drei Minuten lang ernsthafte pädagogische Fähigkeiten zu besitzen um bei den Kindern nicht in Vergessenheit u geraten. Diese Kerle sitzen mit der Unterhose vorm Fernseher und sobald Frau und Kinder eingeschlafen sind, holen sie sich zur Feier des Tages einen runter,  versehentlich auf die Couch wichsend, einzig und allein weil sie sich keine Hure leisten können.

Völlig unaufgeregt und nicht der Rede wert. Bock darauf die eigene Frau zu ficken haben sie nicht mehr. Seit über zehn Jahren zusammen, einige tausend Mal den mickrigen Schwanz in sie gesteckt, bevor die Angetraute fett geworden ist und aufgehört hat, sich die Beine zu rasieren.

Sie hat es nicht mehr nötig gefunden, nachdem sie wusste, dass er sich von seiner Sekretärin regelmäßig die Latte lutschen lässt.

Seitdem lässt sie sich völlig gehen und überlegt sich wie sie ihn unauffällig umbringen könnte. Durch die jahrelang geschluckten Downer ist sie leicht paranoid geworden, deshalb traut sie sich nicht nach geeigneten Gift zu googeln um den verhassten Gatten ins Jenseits zu befördern ohne dabei des Mordes verdächtigt zu werden.

Hätte sie sein Einkommen nicht so nötig, weil sie sich an den Lebensstandard gewöhnt hat, den ein Gehalt in seiner Position bietet, wäre er schon längst tot.

Der einzige Grund, wieso er noch nicht in ein Flugzeug gestiegen und abgehauen ist, ist die Abfertigung seiner Firma. Er weiß, dass er noch drei Jahre bleiben muss, um den fetten Scheck zu kassieren. Dieser Gedanke hält ihn am Leben. Sobald er die Kohle hat, verschwindet er. Weit weg von der alten, dicken Frau die jede Nacht neben ihm liegt.

Weit weg von der völlig versnobten Brut, die er damals gezeugt hat.  So hatte er sich das alles nicht vorgestellt als er sich vor langer Zeit in diese Frau verliebt hat. Alles wollten sie besser machen als die Generation vor ihnen. Ewige Treue haben sie sich geschworen, als sie vor dem Traualtar standen, im Grunde selbst noch Kinder.

Im Rausch der grenzenlosen Naivität treibend, völlig unwissend wohin die gemeinsame Reise wohl gehen würde teilten sie die Überzeugung – bis das der Tod euch scheidet.
Und  etwas mehr als ein Jahrzehnt später ist die Todessehnsucht nur eine Nuance geringer als meine eigene im Moment…

Der Vibrationsalarm neben meinem rechten Ohr reißt mich unsanft aus dem Dämmerzustand. 

Ein kurzer Blick aufs Display, meine Intuition bestätigt sich. Murphys Gesetz. 

„Hey… Sorry, ich bin schon unterwegs“

Beim Klang meiner Stimme erschrecke ich selbst. Gott ich sollte wirklich mit dem Trinken aufhören.  Wenigstens für vierundzwanzig Stunden.

Die utopischen Gedanken beiseite schiebend, kämpfe ich mich in die Senkrechte. Scheiße, ich hab verschlafen.

Keine zwei Schritte später trete ich barfuß auf eine herumliegende Glühbirne, die Glassplitter bohren sich tief in die Ferse und lassen das Blut unkontrolliert auf den Boden spritzen.

„Fuck…….Warum… “ Wenige Millimeter trennen mich noch von einem Tobsuchtsanfall, ich boxe aus Zorn gegen die Tür, die daraufhin in tausende Scherben zerbricht und  mir eine tiefe Schnittwunde an sämtlichen rechten  Fingern hinterlässt.

„Alter, wie behindert musst den sein?“ ich schreie den übrig gebliebenen Türrahmen an, als hätte er Schuld an dem Malheur.

Der Köter vom Nachbarn fängt wie besessen zu keifen an, als er mein  hysterisches Geschrei hört. Anscheinend fürchtet er sich.

Überall ist Blut. Wie kann man so blöd sein, und gegen eine Glastüre schlagen?

Das ganze Gehirn weggeballert..  Fuck. Ich muss mich fertig machen. Bin ohnehin schon eine Stunde zu spät. Gottseidank hab ich mich gestern  vom Chef knallen lassen. Sonst könnt ich wirklich mal Ärger bekommen.

Ich schnappe mir den Teddybären der auf dem Bett liegt und drücke ihn auf die klaffende Wunde. Mit der heilen Hand suche ich im Nachtisch nach etwas Motivation. Verflucht nochmal wo hab ich sie bloß hin gepackt?

Ich sollte wirklich mit dem Trinken aufhören.

Zwischen Pornos, Batterien, Bananen, Knoppers, alten Fotos, einem Vibrator  und unbezahlten Erlagscheinen krame ich verzweifelt nach dem einzigen Grund der gegen sofortigen Suizid spricht.

Wo zum Teufel hab ich das Koks hingesteckt?

Schon wieder alle?

Nein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es noch was hat. Ja. Ziemlich viel sogar. Langsam, aber sicher kehrt die Erinnerung an die vergangenen Stunden zurück.

Verdammte Scheiße. Wie eine Geisteskranke reiße ich die Lade aus dem Schrank und knall sie mitsamt des Inhalts gegen die Wand.

Mein Schlafzimmer hat sich binnen zwei Minuten zu einem Schlachtfeld verwandelt, zwischen Glasscherben und Chipskrümeln liegen leere Bierflaschen, Kleingeld, benutze Kondome, einige rote Pillen mit dem Mitsubishi Logo, angefressene Kekse und der eigenartig aussehende Brei  direkt neben der Türe dürfte wohl Katzenkotze sein.

Darüber verteilt ein ganz dezenter Hauch von Rot… Es sieht aus als hätte ein verwirrter Vampir während dem Frühstück einen epileptischen Anfall gehabt.

Wie Columbine kurz nach dem Amoklauf, überall ist Blut…

Aber wo zum Teufel hab ich das Koks hingesteckt?

Fotze.

Mit einer einzigen Handbewegung fahre ich über den vermüllten Schreibtisch, das ganze angesammelte Zeug fliegt durchs Zimmer.

Kacke.

Richtung Badezimmer wankend ziehe ich eine Blutspur durch den Vorraum. Hoffentlich ist noch niemand zuhause. Hab keine Lust mir von einem Kind Löcher in den Bauch fragen zu lassen.

Schaffs gerade noch rechtzeitig bis zum Waschbecken, als sich der restliche Mageninhalt lautstark von mir verabschiedet. Während ich mir die Seele aus dem Leib reihere, frage ich mich was das für eine Plastiktüte ist, auf der sich der letzte Rest von Heineken, Jägermeister und Wodka aus meinem tiefsten Inneren sammelt.

Alles dreht sich,  ich gehe wie ein nasser Sack zu Boden und bleib völlig nackt neben dem Klo liegen, unsicher ob ich gleich das zeitliche segne. Praktisch, dass ich ein Kissen in der Hand halte, zwar vollgeblutet aber immerhin.

Halte den Kopf fest, als ob es etwas gegen das Gefühl er würde jeden Moment explodieren, ausrichten könnte.

Fuck.

Ist das ein Herzinfarkt?

Ich beschließe dass es nur ein Kater der ganz bösen Sorte ist und versuche aufzustehen, als mir die Plastiktüte wieder einfällt.

Scheiße. Jetzt weiß ich auch wieder wo die Motivation geblieben ist. Die ist irgendwo in dem vollkgekotzten Teil knapp über mir.

Mobilisiere die allerletzten Reserven um an den wertvollen Inhalt der eingesauten Verpackung zu kommen. Als ich es unter einer dicken Schicht Erbrochenem weiß durchschimmern sehe, fühle ich wie sowas wie Hoffnung auftaucht.

Nix wie her damit.

„Scheiße… Ich hab zweitausend Stutz vollgereihert…“

Werfe den Beutel vor mich auf den Fußboden und gebe mein Bestes um nicht sofort wieder draufzukotzen. Gott wie tief bin ich eigentlich gesunken, und wie ekelhaft ist das?

Schmeiß den Dreck in die Dusche, richte mich mit der Geschwindigkeit einer hundertfünfzigjährigen Osteoporosekranken Alzheimerpatientin auf und drehe das Wasser auf.

Gefühlte drei Tage später schaff ich es endlich, das erstaunlicherweise trocken und sauber gebliebene Kokain auf die Waschmaschine zu leeren. Ich mach mir nicht mal der Mühe, eine Line zu ziehen..

Neben der Zahnpasta liegt ein Strohhalm, warum auch immer..

Nichts wie rein und ab geht’s.. Der beißende Geschmack der an Benzin erinnert brennt sich tief in den letzten Rest meines Gehirns. Schmeiß den Kopf in den Nacken, innerhalb von Sekunden werden die Augen völlig schwarz und der Beat des roten Muskels steigt weit über die 130 bpm, endlich fühl ich mich wie ein MENSCH…. Etwas überdreht, die Gedanken besessen von Sex; aber alles besser als der Zustand kurz vor der ersten Line.

Boah……

Einmal geht noch…. Whoop.. Whoop….

Unendliche Arroganz mischt sich mit unberechenbarer Aggressivität und macht mich zu einer tickenden Zeitbombe.

Das Bedürfnis mich auf der Stelle durchficken zu lassen ist genauso präsent wie die Lust große Mengen Alkohol zu trinken, einzig kontrolliert durch einen letzten Rest Arbeitsmoral.

Fünf Lines, einen Joint, zwei Bier und eine Stunde später steige ich ins Auto und mach mich endlich aufm Weg in die abgefuckte Bar in der ich seit kurzem arbeite.

Dürfte reichen um nix mehr an mich ranzulassen. Hoffentlich. Ich will nix mehr fühlen, will nicht mehr spüren was nicht zu leugnen ist. Eiskalter Engel. Fickt euch alle. Fotzen.

Oberflächliche Smalltalkkacke. Ohne Herz und Verstand.

Die Kneipe ist voller Menschen als ich endlich ankomme und die Türe aufmache.  Er Schwall an verbrauchter Luft, gemischt mit dem süßlichen Geruch von verbranntem Marihuana schlägt mir entgegen, der gerade erst verdrängte Drang mich nochmals zu übergeben ist plötzlich wieder präsent wie nie zuvor.

Ich husche an der ersten Bar vorbei, sehe ihn im Augenwinkel am DJ Pult; tanzend, trinkend und völlig gleichgültig mir gegenüber.

„Hoi Puppe! Bist fit?“

Meine Kollegin fällt mir um den Hals, küsst mich dreimal auf die Wange, ehe sie uns beiden Tequila einschenkt.

„Tanja, ich hab noch nicht mal gefrühstückt“

Mit großen Augen blicke ich sie an und hoffe auf Gnade. Falsch gedacht.  Schneller als ich „Vitamin C“ sagen kann, fliegt eine Orange an mir vorbei, landet neben dem immer noch unangetasteten mexikanischen Schnaps, keine drei Sekunden bevor der  Zimtstreuer  mit einem lauten Knall an der Kante der Theke zerspringt.

Alter. Wenn zerstörtes Glas wirklich Glück verspricht, muss ich ins Casino…

„Obst ist wichtig. Juhuuuu… Sauf!“

Tanjas Euphorie wirkt so ansteckend wie Herpes.

„Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken“  rufe ich zurück und kippe den Fusel runter.

Brennende Hitze breitet sich wie ein Lauffeuer in mir aus, besoffene Kerle applaudieren und klatschen als ich das leere Glas gekonnt durch die Bar werfe, laut knallend die Spüle erwische und eine Fontäne von versifften Abwaschwasser in die Luft steigt.

Eine Pirouette drehend fische ich ein Heineken aus der Kühlung,  stelle es vor mich, fasse mir an die Titten und frage mich welcher Idiot den Flaschenöffner versteckt hat.

An die zwanzig Kerle die an der Bar sitzen, fixieren mich mit ihren Blicken. Ich genieße die Aufmerksamkeit und stecke mir den Flaschenhals der Bierflasche in den Mund, beginne daran zu saugen als ob es die Latte von George Clooney wäre.

Porno pur, morgens halb zehn im Land von Raclette und Nidelkuchen. Ja, ich weiß dass es dreiundzwanzig Uhr ist, aber wen kümmert es?

Geprägt von über fünfzehn Mal dreihundertfünfundsechzig Tagen Gastronomie, kann mich sowas nicht mehr schockieren.

Gierig kippe ich das erste Bier des Tages in mich hinein und suche den Augenkontakt mit Tanja.

„Baby, ich bin gleich soweit“, zwinkere ich ihr zu, um so schnell wie möglich in den Keller zu verschwinden.

Sie grinst wie ein Waschbär auf LSD und kippt sich einen weiteren Tequila hinter die Binde. Einer der feiernden Typen schreit hinter die Theke:

„Hey! Da ist alles verdreckt und klebrig! Kann das mal wer saubermachen?“

Unbeeindruckt  fasst meine Kollegin in das bakterienverseuchte Waschbecken, fischt einen ebensolchen Lappen daraus und knallt ihn vor den keifenden Besoffenen.

„Was? Schmutzig? Dann putz doch!“

Das Geräusch, das der auf den Tresen klatschende Wettex verursacht, lässt mein Kopfkino in eine pervers anmutende Einbahnstraße einbiegen..

Die Erinnerung an den Unbekannten Jüngling der mir zwei Nächte zuvor seinen riesigen Prügel bis zum Anschlag in die vor lauter kolumbianischen Schnupfen taub gewordene Fotze gerammt hat, ist plötzlich so lebendig wie nie zuvor.

Dank Helene Fischer und  200 Dezibel kann es niemand tropfen hören… Oh Gott ich bin so fickerig.

Ich kann an nichts anderes als einen steinharten Schwanz in mir denken…  Scheinbar strahle ich das auch aus.. Die Blicke der sturzbesoffen und anscheinend auch vollgekoksten, ständig rotzenden Druffies, die mich immer noch mustern, lassen keinen Zweifel an den äußerst unchristlichen Absichten, die dahinter stecken.

„Fickt euch ihr Spastis“ denkend verpiss ich mich in die Küche. Schmeiß mein ganzes Zeug in die Ecke, atme tief durch und schleiche die völlig versiffte Treppe hinunter in den Keller.

Die Decke da unten  ist nicht höher als einen Meter sechzig, ich gehe ständig gebückt um mir zu dem drogeninduziertem Dachschaden nicht noch eine zusätzliche Gehirnerschütterung zu holen. Einen letzten Rest an Verstand werde ich brauchen um den Weg zurück nachhause zu finden. Irgendwie. Irgendwann.

Bestimmt und äußerst fokussiert bahne ich mir den Weg durch unzählige Getränkeflaschen, Bierfässer, vollgestopften Müllsäcken, Bergen von Altpapier und zerlegten Kartons des unterirdischen und komplett  vermüllten Alkohollagers.

Die Holzregale sind voller Gläser und tonnenweiße Papier, über dem gesamten Zügs zieht sich ein dezenter weißer Staubfilm. Selbst durch dreiundzwanzig Promille beeinträchtigt, frag ich mich, was hier abgeht. Meine Fingerspitze wandert wie ferngesteuert über eins der herumliegenden Teller direkt auf die gierig zuckende Zunge die sich sofort taub anfühlt.

Alter, wo bin ich hier gelandet?

Die rauschgeilen Kollegen machen sich noch nicht mal mehr die Mühe um es zu vertuschen.  ALTER. Fotze.

Ich will gerade abhauen als mein paranoid umherschweifender Blick an einer gelben Karte direkt vor meiner Nase hängen bleibt. Dejans vor? Zu vertraut scheint mir das Plastikteil. Woher?

Hab die Kundenkarte eines sehr bekannten österreichischen Textilladens noch nicht mal in der Hand, als mich die Erinnerung an die vergangene Nacht wie ein Blitzlichtgewitter niederstreckt.

Unter dem fett aufgedruckten „Betten und Vorhänge Reiter“ prangt mein Name, inklusive Adresse. Ach du Scheiße, ich glaub ich bin in der ganzen verfickt und verkoksten Hütte die Schlimmste. Der Verdacht erhärtet sich, als ich mir die Kundenkarte genauer ansehe.

Denn darunter kommen zwei prall gefüllte Tütchen zum Vorschein, bis zum Bersten mit klitzekleinen, schimmerten Kristallen vollgestopft. Es ist nicht mal nötig, den Geschmack der Edelsteine zu testen; ich weiß ganz genau was da drinnen steckt…

„Majaaaaaaaaaa………!!!!!!!!!!!! Bier ist leeerrrrr….Bittteee umsteckennnnn!“

„Schrei mich nicht so an… Ich bin sensibel“ brülle ich bestens gelaunt  zurück. Wusste ich doch, dass ich meine Motivation im Keller finden würde. Da ist sie am liebsten…

Klemm das leere Fass zwischen die Beine und dreh den Verschluss runter, der sofort laut zu zischen beginnt. Den Gedanken dass hier was schief läuft schieb ich beiseite und knall das Teil hektisch auf ein neues Fass. ZZZZZZZZZzssssssssssccccccccccccchhhhhhhhhhhh..

Ehe ich zum tausendsten Mal am heutigen Tag „Scheiße“ rufen kann, explodiert die Öffnung, eine zischende Bierfontäne wichst mich von oben bis unten voll.

Alles Fotzen.

Trete gegen den Müllsack der vor dem Schnapsregal liegt, zünde mir einen Joint an und ziehe mir noch mal was von dem weißen Turbo Zügs rein.

„Maja, geht’s dir gut?“

Als ich die Stimme von ihm höre, lieg ich längst auf dem eiskalten Fußboden, aus meiner Nase tropft Blut und ich hechle um Luft wie ein rennender Husky im süditalienischem Hochsommer.

„Mir geht’s blendend!“

Der Euphorische Ton meiner Stimme passt nicht wirklich zum besorgten Gesichtsausruck von meinem Chef der neben mir kniet und mich hochzuziehen versucht.

„Scheiße wieviel hast du dir denn reingeknallt? Du siehst furchtbar aus.“

Ich lehne mich an die Wand und putze mir mit einem herumliegenden  T-Shirt die Nase, während mir Mike eine Flasche mit Wasser aus dem Kühlschrank holt.

„Danke. Welche Frau hört das nicht gerne?“

Er setzt sich neben mich auf den Bode, öffnet das Wasser und drückt es mir in die Hand.

„Bist bescheuert? Ich schmeiß doch mein Leben nicht weg!“

Als ich aufstehe um mir ein Heineken zu holen, fällt mir auf dass meine Strümpfe komplett zerrissen und meine schwarzen Lederstiefel  mit Konfetti übersäht sind, vermutlich sehen so Menschen nach einer Kneipenschlägerei aus.

„Du bist wirklich völlig durchgeknallt“ er lacht laut auf als ich die Flasche mit einem Feuerzeug aufmache und mich wieder neben ihm setze.

„Ich würd eher verhaltenskreativ dazu sagen. Cheers.“