Unpünktlich und inkontinent

Zum ersten Vorstellungsgespräch komme ich knapp drei Stunden zu spät, dafür sitzt mein Make up tadellos, meine Frisur ist Bombe und ich hab mir sogar meinen Anus bleachen lassen. Schließlich will ich einen perfekten Eindruck liefern.
Als ich um 23 Uhr vor verschlossenen Türen stehe, gebe ich mich dennoch nicht geschlagen – erst läute ich Sturm, rufe dreißig Mal die Nummer an, die am Bewerbungsformular steht und schieße mit Steinen an das einzige beleuchtete Fenster des riesigen Hauses.
Gerade als ich wieder gehen will, öffnet jemand die Türe und ich blicke in den Lauf einer Schrotflinte, versteinere augenblicklich.
„Wer sind sie und was in Gottes Namen tun sie hier?“, schreit mich der Bewaffnete an.
„D-d-d-a-s A-a-am—-s szs.-c—h….. „ stottere ich in Todesangst, pinkle mir aus Angst dabei ins Höschen. Sichtlich amüsiert senkt der alte Sack die Waffe, zieht mir den Bewerbungsbogen aus der zitternden Hand.
„Du kommst vom AMS? Sag mal kiffen die dort jetzt auch?“
Aus Angst erschossen zu werden beiß ich mir auf die Lippen.
„Du solltest doch um 17uhr kommen?“, schnauzt er mich an.
Wenn der wüsste wie lang es dauert sich den Hinterausgang zu stylen, würde er nicht so zickig sein.
„pünk—t—lll—ich—keitz iiii—sss-…“
Halt deine dämliche Schnauze, da wird man ja geisteskrank. Schreib mir eine WhatsApp, geht sicher schneller. Und hör auf in meinen Vorgarten zu pissen, dich sollte man in die Irrenanstalt sperren.
„Pünktlichkeit ist leider nicht meine Stärke“, tippe ich während er keift, schicke die Nachricht auf sein Telefon.
„Macht nichts du dumme Nuss. Dafür macht deine Inkontinenz alles wieder wett. Ich werd das genauso deinem Betreuer schreiben. Und jetzt hau ab, ehe ich dir noch eine Einstellungszusage mitgebe.“
Nichts wie weg hier…..