#Exzentrischgestörte

Mein PMS läuft Amok, sein Dachschaden leider zur selben Zeit. Ich koche vor Wut, beende die Beziehung zum dritten Mal am heutigen Tag und ziehe bei ihm aus.
Genauer gesagt werde ich ausgezogen – leider nicht im angenehmeren Sinn. Ich gebe ihm den Haustürschlüssel wieder zurück, er drückt mir ein Plastiksackerl mit meinen Kram in die Hand – auch wenn sich die Dramatik der Geste nach der dreihundersten Trennung in den letzten zwei Wochen abgenützt hat.
Ich sage, bitte das kann’s ja wohl nicht schon wieder sein. Er sagt, doch. Bis auf den Bunsenbrenner ist alles da drin. Ui der Bunsenbrenner, denke ich. Wenn er den ins Spiel bringt, macht er Ernst. Dann dauert es mindestens 48 Stunden bis zum Versöhnungssex. 60 Stunden wenn die Zahnbürste auch dabei ist…..Und danach bin ich so wundgerubbelt, dass ich mir schwöre sein Ding mit Teflon beschichten zu lassen, nach einem Anti-Viagra zu suchen und lesbisch zu werden, ich wette die sind tendenziell seltener wund als reinrassig heterosexuelle Frauen. Muss ich mal googeln.
Gleich nachdem ich mit Drama fertig hab. Erstmal töte ich das fünfte Samsung in dem Jahr, indem ich es gegen die Wand schleudere. Doch das Scheißding lässt sich nicht abmurksen, kaum prallt es auf den Boden, beginnt das nerv tötende Klingeln. Leider ist der Display im Arsch, keinen blassen Schimmer wie ich das Scheißteil abstelle. Genervt reiße ich die Balkontür auf, schleudere das Ding haarscharf an einem unerwartet auftauchenden Radfahrer vorbei, mitten rein in Nachbars Hecke und lasse mich auf den Boden fallen. Hätt der Kerl aufm Rad nicht so vertieft auf sein Handy gestarrt, hätte er sich sicher erschreckt – Gott weiß wie schlimm das ausgehen kann. Zum Glück gibt´s WhatsApp, da ist man geschützt vor den Tücken der Realität – solang der WLAN Empfang passt.
Du kannst mich nicht abmontieren, nur weil ich ein schlechtes Vorbild und ein äußerst fragwürdiger Umgang sei. Nein, meint er. Ich sei nicht fragwürdig sondern gestört.
Ja, du Depp – weil ich kein Geld habe. Ansonsten wär ich Exzentrikerin, keine Durchgeknallte. Er soll sofort den Bunsenbrenner holen. Er sagt ich soll was Fickbares organisieren, es wäre langsam mal an der Zeit mich zurück auf den Boden der Realität zu holen.
Er glaubt zwei Penisse wären die Realität. Ich klopfe mir selbst auf die Schulter, während ich den Rechner hochfahre…

Über Gartenzwerge und sprechende Krawallraupen

Fest entschlossen, dass ich alles wieder auf die Reihe bekomme schnappe ich mir die Überweisung für die Psychiatrie, verabschiede mich vom Oberschnucki im weißen Kittel und mache mich auf den Heimweg.

Erstmal die Krawallraupen versorgen, das hat die höchste Priorität. Punkt zwei auf der Agenda ist das Schlachtfeld zuhause säubern.

Auf dem Weg nach dorthin ruft mich Manuel an, erkundigt sich ob alles wieder gut sei. Ich lüge ihn an und sage alles sei in bester Ordnung, keinen Ton von meinem Plan mit allem was zu dem gottverdammten Teufelszeug dazugehört endgültig zu brechen.

„Du hast mir eine Heidenangst eingejagt, du hast nicht mal mehr gewusst wer ich bin.“
Sein Tonfall ist überraschend ernst, ganz anders als zwei Tage zuvor. Frisch durchgefickt und voller Champagner ist eben entspannter.

„C’est la vie mein Lieber. Kennst mich eh. Immer bis zum geht nicht mehr und noch ein bisschen weiter.“
„Bitte, pass auf dich auf.“

„Mach ich Großer. Wir hören uns.“

Kaum angekommen überfällt mich die Putz Wut, suche die ganze Bude nach Drogen ab und werfe alles in den Müll. Drama hatte ich genug, weg mit allem, was mir nicht gut tut. Ab sofort will ich nur noch Menschen treffen die eine Bereicherung für mich sind.

So wie der liebste aller Gartenzwerge.

Ellenas Schmunzeln wirkt wahre Wunder, wir sitzen in einem Cafe am Stadtrand.

„Na, du Partytiger, wie war der Ausflug in die Klapsmühle?“

Mir bleibt vor Lachen fast das Vanillekipferl im Hals stecken.

„Die haben gesagt ich bin zu wenig Irre.“

„Die haben was?“

„Kann ich deinen Keks haben, Frau Misses Gluten wird uns alle umbringen?“

Gott, bin ich hungrig.

„Jetzt erzähl schon was los war.“

„Ich war bei einer Psychiaterin, die hat sich nett mit mir unterhalten und mich gefragt ob ich denn schon mal dort drinnen war. Ich so – ja vor einer halben Ewigkeit. Dann wollte sie wissen ob ich in der Zwischenzeit nie in einer Anstalt oder in Haft war. Als ich beide Fragen verneinte hat sie gesagt, dass dann ja eh alles gut sei und sie mir ein Antidepressivum verschreiben kann.“

Ellenas gebannter Blick spricht Bände.

„Das ist nicht dein Ernst?“

„Und ob. Ich dachte erst ich würde wenigstens ein Gratis Mittagessen abstauben.“

„Wie geil ist das denn bitte?“

„Also ich finde das nicht lustig. Nach drei Tagen verkatert sein, braucht man schließlich auch was zu essen. Frau Psycho- Doktor hätte das schon wissen müssen?“

Gierig starre ich auf das Sandwich, dass ein älterer Herr am Nebentisch serviert bekommt.

„Maja du hast so einen Knall.“

„Ich will noch ein Keks.“

Durch unser Lachen aufgeschreckt, starrt der Rentner plötzlich zurück, ich drehe meinen Kopf in die andere Richtung um nicht den Anschein zu erwecken, dass ich ihn anflirten würde. Im Augenwinkel sehe ich etwas Pelziges und zucke kurz zusammen.

„Was ist jetzt los? Kriegst den nächsten Anfall?“

„Boah, ich dachte hinter mir sitzt eine Katze, dabei war es der Dutt von der Tussi da drüben.“

Na bravo, jetzt hab ich auch noch Angst vor fremden Haaren, ob es dagegen was von Ratiopharm gibt?

„Vielleicht hättest das der Ärztin sagen sollen? Dann hättest sicher drei warme Mahlzeiten am Tag bekommen, für sehr lange Zeit sogar.“

„Verdammt, wieso bin ich nicht von selbst auf die Idee gekommen?“

„Fahr einfach noch mal rein und erzähl ihr, die Katze hat gesagt du musst das tun.“

Mittlerweile starren uns alle anderen Gäste an, bin mir nicht sicher ob es an unserem blendenden Aussehen oder der ausgelassenen Stimmung liegt.

Man wird sich wohl noch freuen dürfen, wenn man zu wenig durchgeknallt und am Leben ist.

„Super Idee Ellena. Sag mal wolltest du nicht um halb eins los?“

„Ach ja, verdammt. Ich hab keine Lust wieder nach Hause zu fahren.“

„Ruf deinen Mann an. Sag ihm die Katze hat gesagt dass du mit mir ans Meer fährst.“