#homeoffice

Wie oft müssen Top – Dj´s wie Mister Kalkbrenner eigentlich auf Reha zum Detox machen? Fahren die in die Klapsmühle zum Entgiften wie ein 0/8/15 Otto-Normalverbraucher nach Caorle an den Strand? Fragen über Fragen, wo ist eigentlich mein Entgiftungstee hin verschwunden? Ach ja, in der Minibar – hab ihn schließlich mit Wodka veredelt. Brennesselblätter, Mariendistel, Curcuma, grüner Tee und Birkenblätter gemischt mit kalorienarmen Hochprozentigen aus Russland – Detox-Jagatee-Deluxe – der Speedball für Ökofreaks, garantiert zuckerfrei! Ich klopfe mir selbst auf die Schulter, könnte vor Begeisterung über meinen Einfallsreichtum onanieren, wenn da nicht der ganze Papierkram wäre. Porno oder blaue Briefe? Blau oder digital? Ich will beides!
Erstmal Facebook checken, nervt mich aber nach drei Sekunden so sehr dass ich erst wieder auf Youporn lande. Doch beim Anblick kopulierender Asiatinnen fällt mir plötzlich ein, dass man vom Wichsen Knochenmarks-Schwund bekommt.
Klicke den Fickfilm weg, checke meinen Mailaccount.
Irgendein Bumsverlag empfiehlt mir ein Buch zum Thema Onlinepornosucht. Verfluchte Hurensöhne, was ist mit der Drecks-Datenschutz-Verordnung? Dürft ihr überhaupt von meiner digitalen Masturbationsaffinität wissen? Schlimmer als die Stasi diese Kreaturen! Die nennen das Marketing, ich nenne das Spionage. Was kommt denn als Nächstes? Eine Werbemail der Betty-Ford-Klinik? Ich bin so wütend, dass ich mir bei Zalando fünf Paar Schuhe bestelle, ehe ich mich beruhigt habe. Gestärkt durch die Vorfreude auf die neuen Fick-mich-Stiefel fühl ich mich in der Lage den analogen Kram zu erledigen, reiße den Umschlag der neben dem Rechner liegt auf.
Zu meiner Freude ist es diesmal gar kein Strafmandat, sondern die Gasrechnung. Entweder bezahl ich sie bis vorvorgestern, oder sie stellen mir das Gas ab. Was für ne eindrucksvolle Drohung – draußen hat´s über zwanzig Grad, blauer Himmel, Sonnenschein – und in der Nacht bin ich eh nie zuhause. Fick dich doch Scheiß Kelag. Zur Not heiz ich halt elektrisch – die Stromrechnung kommt ohnehin erst in zwei Wochen, genauso wie die Rechnung für meine neuen Schuhe.
Außerdem glaube ich nicht, dass sie mir auch noch den Strom abstellen – WLAN und Elektrizität sind schließlich Menschenrechte, das steht sicher in der Genfer Konvention. Außerdem hab ich eine Rechtsschutzversicherung, wenn die mir den Saft abdrehen, verklag ich sie.
Leider bremst der zweite Brief meine Konfrontationslaune – meine Rechtsschutzversicherung sagt dass ich seit zwei Monaten nicht mehr eingezahlt habe. Keine Kohle – Kein Recht. Ich schwöre sobald ich wieder flüssig bin, verklag ich die auch. Arschficker Versicherungswichser.
Wieso ist „Wichser“ ein Schimpfwort? Ist doch ne schöne Tätigkeit?
Ich klicke auf Pornhub. Nein, nur noch ein Kuvert dann gibt´s Fickfilme. Reiß dich zusammen.
Klappe den Laptop zu, checke den letzten Brief. Gelange zu der Erkenntnis dass Onanieren mich glücklicher gemacht hätte als der einhundertachzig Flocken teure Strafzettel, den ich wütend auf den Schreibtisch knalle. Wegen elf Stundenkilometern zu schnell so viel wie für zwei Gramm Kokain ausgeben? In was für ner kranken Welt leben wir? Sind die Tipsen aufm Amt angesoffen gewesen als sie den Wisch verfasst haben? So nicht! Nicht mit mir!Bei Uneinbringlichkeit drei Tage Ersatzfreiheitsstrafe. Sollen mich die Kasperln doch einsperren – weil Häfen ist ohne Nebenkosten, mit viel Zeit für Autoerotik.

Meer sehen

Kopf verklebt. Digitale Überdosis. Muss hier raus. Dringend. Festplatte formatieren. Maschine runterfahren. Lass uns bitte ans Meer fahren.
Weg mit dem Gift, schmeiß es einfach ins Klo. Oder doch nicht? Den letzten Rest kann ich ebensogut wegballern, oder?
Vielleicht ist das Meer dann noch schöner? Ob sich die beiden Tranquilizer in ihrer Wirkung verstärken?
Vorsichtig falte ich das kleine Briefchen mit dem braunen Pulver wieder zusammen.
Er verspätet sich, vielleicht sollte ich jetzt schon was nehmen? Nur eine ganz Kleine. Aber was, wenn er es bemerkt? Scheiß drauf, nur ein klein Wenig.
Ich verstecke meine Stecknadelkopf-Kleinen Pupillen hinter einer verspiegelten Sonnenbrille, als ich zu ihm in den Wagen steige. Küsse ihn flüchtig auf die Wange, konzentriere mich darauf den Juckreiz zu ignorieren. Seine Hand streichelt über meinen Oberschenkel, ich hab keine Lust auf Autofahrfummeln, stoße ihn weg. Kratze mich, sag er soll sich bitte auf den Verkehr konzentrieren. Er beschwert sich, dass wir keinen Verkehr hätten. Ich kratze meinen Knöchel blutig. Er sagt, waschen nicht kratzen.
„Das sind sicher die Filzläuse die du dir bei deiner Putzfrau geholt hast“, fauche ich zurück.
Er lacht nicht.
Hinter dem Parkplatz erreichen wir die Treppe, fünf Stufen höher stehen wir über der Brandung, rauschende Wassermassen an den Felsen unter uns. Er nimmt meine Hand, zieht mich Richtung Meer. Vorsichtig klettern wir nach unten bleiben auf einem der Steine sitzen. Wie hypnotisiert starren wir aufs Wasser, mit jeder einzelnen Welle die unter unseren Füßen aufs schwarze Gestein brescht wird’s ein bisschen ruhiger im Kopf. Solange bis ich mir die zweite Wade aufkratze und er mich mit traurigen Blick anstarrt. Ohne ein Wort zu sagen, steht er auf.
„Wo willst du hin?“
Erst als er zurück auf den Weg geklettert ist, dreht er sich nochmal zu mir um:
„Ich kann dich nicht vor dir selbst retten.“
Frag mich noch was er wohl damit meint, als er weggeht. Krame das übriggebliebene H raus, soll er sich doch verpissen dann muss ich wenigstens nicht mehr heimlich gifteln. Und ich Idiot dachte, man könne Meer sehen.

#untenohne

Nachdem ich seine Unterhosen die er bei mir liegen gelassen hat,im Netz an irgendwelche Perversen aus China verkauft habe, fühl ich mich besser. Soll er halt den ganzen Tag eierschaukelnd herumlaufen, wenn er glaubt mir nicht zu zu hören. Das lass ich mir sicher nicht gefallen. Was kann ich dafür, dass er ein Unterhosenproblem hat? Unsensibler Idiot.
Wenn er schon eine Staatsaffäre daraus macht, dann sorge ich dafür, dass es eine wird. Drama kann ich auch. Mit dem flüchtigen Hinweis dass ich seine depperten Popowärmer nach Asien vertschechert hab beende ich das Telefonat, ohne ihn ein einziges Mal zu Wort kommen zu lassen.
Rache kann so wunderbar befreiend sein, wenn auch moralisch nicht ganz okay – aber sein wir uns mal ehrlich – es ist wie mit Fremdficken oder Steuerhinterziehung – jeder schimpft darüber – aber jeder macht es.
So, jetzt ignoriere ich den Mistkerl erstmal, damit er weiß wie ernst mir das ist. Meine Probleme sind schließlich viel wichtiger, so ein Egoist aber auch. Ich überlege ob ich nicht Schluss machen sollte, tippe ich die Unhappy-End-Message ins Handy: „Das war’s du ichfixierter, egomanischer Unterhosennazi. Ich hab auch Gefühle du Arschloch. Ich will dich nie wieder sehen. Habe meinen Job gekündigt, die Wohnung auch und verschwinde ins Ausland. Nach CHINA!!!! Für immer. Du eiskalter Gefühlskrüppel. Fick dich.“
Damit er weiß, dass ich es Ernst meine schicke ich noch ein Foto der Chinesischen Mauer hinterher, und eins eines Werbeprospektes vom KIK – kauf 3 zahl 2 – Herrenslips für 5,99. Anschließend sperre ich ihn auf WhatsApp. Diesmal ist es mir ernst – zumindest das mit mit meinen Gefühlen und KIK.
„Aber er hat doch auch Gefühle? Vielleicht wird Penissen beim rumschaukeln schwindelig?“
Der Stimme im Kopf zufolge, wirken die Tabletten langsam. Ich entsperre ihn wieder und schreib Entschuldigung, das müssen die Nebenwirkungen vom den Pillen sein.
Er: Welche Tabletten hast du geschluckt?
Ich: „Vitamin B für die Nerven. Nachtkerzen öl wegen PMS. Magnesium gegen Wadenkrämpfe, Johanniskraut wegen der Herbstdepression, Schwarzkümmelöl wegen der Zecken, Birkenblättertee wegen dem Entgiften und zwei Valium. Sonst nichts! Ich versteh das nicht? Vielleicht ist das eine psychische Überreaktion?
Er: Du bist eine wandelnde Überreaktion mit einem Nahrungsergänzungsmittel Problem!
Ich :Und du hast schaukelnde Genitalien.
Er: Alles gute für deine Zukunft. Ich bring dir deinen Wohnungsschlüssel und deinen restlichen Kram Abend vorbei, das wars endgültig. Es ist aus zwischen uns.
Mir scheint, dass auch er unter PMS leidet. Der Arme braucht Hilfe. Ich löse fünf der Beruhigungspillen in Wodka auf, vorsichtshalber schütte ich auch noch flüssiges Viagra hinein – das kann bei den Downern mit Hochprozentigen sicher nicht schaden? Bisschen ein Ausgleich für den Fall dass es ihn umhaut, seinen kleinen Prinzen sicher nicht! Unterhaltungstechnische Planung ist das A und O um jemand ohne Zustimmung zu sedieren. Aber ich mach das nur zu seinem Besten. Als Zeichen meiner Kompetenz stopf ich noch Vitaminbrause in den Inkognito-Friedensangebotcocktail – wenn er das trinkt geht’s ihm sicher bald besser. Ich bin ja plötzlich auch wieder okay!

Soweit die Theorie.

Als ich mit dem getunten Versöhnungsschnaps vor seiner Türe stehe, wirkt er irgendwie nicht in Partystimmung. Vielleicht weil ich die Hälfte schon auf der Fahrt getrunken habe? Ist irgendwie unhöflich mit ner halb vollen auf Versöhnungssex vorbeizuschauen. Vielleicht liegts aber auch an der Uhrzeit. Ich glaube er trinkt für gewöhnlich nicht am Vormittag.
Was da in der Flasche ist, fährt er mich an.
Wodka, erklär ich. Der wäre schließlich kalorienarm.
Ob ich mir selbst Drogen in den Schnaps geschmissen habe, fragt er als er mir die Flasche aus der Hand reissst, und auf die nicht aufgelösten Pillenkrümel deutet und mich darauf aufmerkam macht das original Absolut nicht grün schimmert.
„Vielleicht ist er schlecht? Probier ihn du mal?“
Er schlingt seine Arme um meine Taille als ich das Gleichgewicht verliere und wie ein nasser Sack über die Treppe stolpere, hält mich im letzten Moment fest und zieht mcih an sich:
„Soso Schätzchen. Nach China? Mit drei Euro fünfzehn wird’s schwierig werden eine passende Verbindung zu finden? Und mit einer Überdosis sowieso.“ , höre ich ihn noch sagen
Verdammt er hat das Spiel durchschaut.

#harleydavidsonsucks

Wegen dem Harley-Treffen sind die Straßen voll mit bärtigen alten Männern auf Maschinen; Senioren in der Post-Midlifecrisis die so tun, als wären sie bei den Hells Angels im mittleren Management tätig. Nur um für einen Moment nicht an Zahnersatz, Pensionsanspruch, Enkelkinder und Wechselbeschwerden zu denken – nein, jetzt sind sie Outlaws. Mit Arthritis, aber immerhin auf ner Harley.
MisterParkplatz88 schlägt die Autobahnunterführung als Treffpunkt vor, ich sage nein- zu viel Verkehr. Er schreibt LOL. Ich schreibe scheiß verficktes Harley Fest.
Mister L schaut neugierig auf den Bildschirm.
„Bist du dir sicher?“ frage ich ihn
Er nickt mit leuchtenden Augen, antwortet zum zwölften Mal auf meine Frage, versichert mir es zu wollen. Nein, er wird uns danach nicht ermorden. Alles was er will ist dabei zusehen. Alles was ich will ist n Shot Wodka. Doch auch der fünfte hilft nicht gegen die immer intensiver werdende Nervosität als wir durch die Botanik fahren. Am Ende des unbefestigten Weges halten wir, er sagt ich soll mich ausziehen. Ich frage ob ich erst aussteigen soll, er zieht mich an den Ohren, zerrt mir das Top über den Kopf, flüstert mir ins Ohr:
„Wenn er kommt, will ich dass du ihn auf der Motorhaube vernascht, während ich zusehe.“
Ganz klar. Er wird zuschauen und uns anschließend überfahren. Vorsichtshalber lasse ich den Autoschlüssel in meiner Tasche verschwinden, Safety First. Mister Lover Lovers Finger krallen sich am Bund des Rocks fest, mit einem Ruck befreit er mich davon. Wie praktisch dass der Lichtkegel mitten im Dunkeln immer näher kommt, dann steh ich hier nicht umsonst nackt herum. Er klatscht auf meinen Hintern, wünscht mir viel Spaß und verschwindet im Auto, während der andere Wagen direkt neben uns zum Stehen kommt….

#metoo

Flackernde Augen, die Buchstaben verschwimmen zunehmend, ausgebrannte Akkus zwingen mich zur Pause. Wie lang sitz ich eigentlich schon hier? Ich klappe den Rechner zu, blinzle durch die geöffneten Fenster raus in die analoge Welt, wundere mich darüber dass es langsam hell wird. Wo ist denn die Nacht geblieben?
Noch verwunderlicher als der viel zu rasche Sonnenaufgang ist mein pornoloser Browserverlauf und die Tatsache dass ein nackter Fickgott nebenan schläft und dabei immer noch seinen Pyjama trägt. Hab ich versehentlich geheiratet oder eine spontane Pimmelallergie bekommen? Hallo Libido, wo bist du denn?
Niemand antwortet mir, außer dem Schnarchen das durch die geöffnete Wohnzimmertüre dringt herrscht hier Totenstille.
Schütte den letzten Rest des braunen Pulvers auf „Die gute Küche“. Vor knapp zwei Jahrzehnten hat mich dieses Kochbuch durch die Lehrabschlussprüfung gebracht, heute missbrauche ich es als Unterlage für diverse psychotrope Substanzen. #metoo
Auf dem Einband des Covers ist ein Bild der beiden Autoren – Plachutta und Wagner. Beide absolut unfickbar. Ich befürchte meine nicht mehr existente Libido bei dem Anblick für immer zu verlieren. Bedecke Plachuttas Visage mit Heroin, Wagner verschwindet unter einem Häufchen Koks, ich suche verzweifelt nach Bier im Kühlschrank.
Außer Apfelmus und Weißwein ist das Ding leer – verfluchte Scheiße, was glaubt der Typ eigentlich? Das sein Ständer reicht um mich zufrieden zu stellen? Sogar in Traiskirchen ist mehr Klumpert im Eiskasten als hier. Wenn der kein Heineken hat, bastle ich mir halt einen Speedball – hab ich eh noch nie versucht.
Trotzig lass ich mich aufs Sofa fallen, vermische den braunen Haufen Pulver mit dem weißen, streiche mit der Rasierklinge eine dünne Linie des Cocktails an den Rand des Einbandes. Wo hab ich bloß den Strohhalm gelassen?

Ist koksen eigentlich vegan? Wieso bekommen so viele Durchfall von dem Zeug? Wegen dem Milchzucker, der zum Strecken verwendet wird? Ist man Laktoseintoleranz wenn man nach der ersten Line sofort kacken muss?
Wieso juckt es am ganzen Körper, wenn das andere Zeug in die Blutbahn gelangt? Warum macht das Zeug aus Nymphomaninnen frigide Frostbeulen? Seit wann ist Bier so ekelhaft und Pornos so uninteressant?
Du wolltest es doch wissen.
Richtig.
Strohhalm ins Gesicht. Ziehen.
Augen zu und…. Gott wie geil ist das denn?

Comptoir Suisse oder Hashtaglausanne

Durch einen mehr als kritischen Engpass meiner Finanzen, bin ich genötigt meine Zelte vorübergehend in der Schweiz aufzuschlagen.
Leider verstehe ich kein Wort von dem Arbeitsvertrag, den mir Miggi organisiert – abgesehen von meinem Namen und den des Betriebs. Aber no risk – no fun. Ich unterschreibe das Ding und hör mir Miggi´s Warnung noch an: „Der Alte ist ein Pünktlichkeitsfetischist! Pass auf, dass du nicht unpünktlich bist – das ist bei denen ein Kündigungsgrund.“
Verständnisvoll nickend bedanke ich mich bei ihm und mach mich auf den Weg zu dem restlichen Haufen österreichischer Wirtschaftsflüchtlinge. Steffi und Charly haben den Wagen schon vollgepackt und warten bereits auf mich.
„Wozu braucht ihr für zwei Wochen so viel Zeug?“, frage ich entgeistert, als ich den bis zum Anschlag befüllten Suzuki sehe.
„Frag am besten meine Frau“, erwidert Charly leicht angetrunken.
„Ja genau. Das meiste von dem Zeug ist wahrscheinlich dein Rauschgift, du Idiot“, faucht Steffi ihn an. Gott muss Liebe schön sein.
Ich schaffe es tatsächlich auch meinen Kram noch unterzubringen und dabei einen Sitzplatz frei zu halten. Wir beschließen den angebrochenen Abend am See ausklingen zu lassen, bevor es am nächsten Tag runter nach Lausanne gehen soll.
Alte Bekannte und solche die es noch werden sollten hocken rund ums Lagerfeuer, die Sonne geht gerade hinter dem Weinberg unter, zaubert den kleinen Ort in ein malerisches Licht. Es könnte so romantisch sein, wäre da nicht diese Möwe, die plötzlich herabstürzt und mir mein Pizzastück aus der Hand reißt.
„Polnischer Kackvogel, verrecken sollst du dran“, ich bin nicht ich, wenn ich hungrig bin. Unterzuckerte Contenance ist wie ein nationalsozialistisches Einhorn – undenkbar.
JE mehr ich mich aufrege, desto mehr amüsiert sich der Rest der Anwesenden. Charly wirft mir ein Bier zu, ich solle mich beruhigen er wüsste eine Alternative zur Pizza. Gefühlte drei Minuten später sitzen wir zu viert in einem Tretboot, das heftiger schaukelt als eine Wiege voller amphetamingetränkter Frettchen. Insgeheim bin ich froh, dass ich die Pizza nicht selbst gefressen habe – zumindest weiß ich jetzt was mir der Arschlochvogel über uns vor die Füße kotzt – es ist garantiert Bio – und Fairtrade sowieso…
Würde das MDMA nicht grade zu wirken beginnen, wäre ich sicher voll angefressen auf die Arschlöcher. Ich mein was denken sie sich eigentlich?
Das ich behindert bin?
<Ficker!
Nach dem Tretboot kam die Ernüchterung. Blackout. Außerdem der Zug,in dem ich sitze. Ich bin desorientierer als ein syrischer Flüchtling ohne google maps. Was zum Teufel tu ich hier eigentlich?

Wieso krieg ich keinen Euro, bei jedem einzigen verdammten Mal nbei dem ich mir diese Frage stelle?

Wo ist Robert?

Er zickt herum, weil ich seit Tagen nicht nach Hause gekommen bin und gott-weiß-was mit gott-weiß-wem getrieben habe. Dieses Mal lässt er sich weder durch Wodka noch durch engagierten Oralverkehr aufheitern. Viel mehr fällt mir in dem Moment leider auch nicht ein. Außer, dass Angriff die beste Verteidigung ist:
„Du musst mit mir reden, sonst ist nämlich keiner da“, fauche ich in seine Richtung.
Seine linke Augenbraue zieht nach oben, er legt den hübschen Kopf schief und winkt mitten ins Leere Wohnzimmer: „Wieso? Kannst du sie nicht sehen? Hallo Robert!“
Vorsichtshalber checke ich erst meinen LSD-Vorrat, dann seine Körpertemperatur. Beides scheint im Lot zu sein, er verarscht mich also. Da ist gar kein Robert.
„Sehr witzig du Kasperl“, flüstere ich in sein Ohr, während ich es lang ziehe. Soll er ruhig wie ein asymmetrischer Osterhase ausschauen, wenn er glaubt lustig sein zu müssen. Das verkraftet mein Ego nicht.
Seine Hand krallt sich fest um meine Handgelenke, zieht sie nach unten, packt sie auf seinen Hintern. Küsst mich leidenschaftlicher als Romeo seine Julia. Kann mir die Frage wofür der jetzt war nicht verkneifen.
Statt dem insgeheim erhofften „weil ich dich liebe“ sagt er, dass ich einen Schuss hab.
Ich sage danke, das hat Mama auch immer behauptet.

Woohaaa!

Und schlagartig springt der Funken wieder über – Zwei Fremde die zurück ins Zueinander torkeln, auch wenn sie so tun, als wüssten sie Bescheid. Hochmut der so tut, als ob er vor dem Fall käme. Wie schön, nichts mehr zu spüren.
Fehlende Angst, teuer erkaufte Scheinsicherheit zum Preis deiner Seele. Keine Furcht, keine Hoffnung… Kein Zweifeln, kein sehnen.
Und du dachtest echt, wir hätten gewonnen? Zuhause nervt alles nur noch. Die ewigen Streitereien, die im Grunde genommen lächerlich und bedeutungslos sind. Immer wiederkehrende Knackpunkte lassen sämtliche Lösungsansätze bereits im Kern ersticken. Statt blindem Vertrauen herrscht eisige Distanz.
Da wo früher mal Freundschaft war, ist heute nichts mehr; zerstört oder nur auf Eis gelegt? Wie auch immer – die einstige Verbindung scheint ausgelöscht.
Lieber Hass als gespielte Liebe?
Ist alles was wir fühlen eine Lüge?
Es wird Zeit zu gehen.
Entscheide mich für die Flucht nach vorne, übermächtiges Bedürfnis nach Abstand treibt mich immer weiter weg.
Und doch vermisse ich den Austausch mit meiner schonungslosesten Kritikerin, trotz all den Reibereien. Würde bloß Stolz weniger als Vernunft wiegen
Bedauernswerterweise schlägt Konditionierung Seelenverwandschaft – Sucht tötet Liebe.
Junkies als Inbegriff der Beziehungsunfähigkeit, geachtete Sündenböcke am Rande der Gesellschaft.
Zu mächtig die Gier nach dem Gift, zu gierig die Macht, die das Scheißzeug mittlerweile hat
Längst manipulierter Wille, kapituliert und gebrochen.Fest an die Illusion der Freiheit geklammert, vergifteter Geist belügt sich selbst.
Alle Anzeichen ins Lächerliche gezogen, suche ich ununterbrochen nach einem Ausweg, torkle dennoch besserungsresistent in die nächste Katastrophe. Bin ich wirklich so blind?
Suche mich süchtig, bin ständig auf der Jagd nach Lebendigkeit, balanciere auf einer schmalen Grenze.
Millimeter vom eigenem Untergang entfernt.
Er erwischt mich eiskalt, dieses Mal habe ich nicht mehr mit ihm gerechnet. Und doch.
Ich erwarte eigentlich einen Anruf vom Ticker, stattdessen habe ich plötzlich Mister Voll am Arsch am Apparat. Super.
„Ich habe Angst davor.“
Tim nimmt meine Hand, zieht mich hinter sich her. Am Ende des Hügels angekommen grinsen wir um die Wette.
„Boah ist das geil!“
Kichernd lassen wir uns ins Gras fallen, genießen die bombastische Aussicht. Nichts als Wald und See unter uns, während die Sonne langsam hinter dem Horizont untertaucht.
Er hatte Recht – perfekter kann der Zeitpunkt nicht sein. Optisch nicht.
„Tief einatmen, Rauch unten lassen und sofort wieder ziehen. Du wirst merken, wann genug ist.“ , zärtlich drückt er meine Hand, zieht sie wieder weg um Analia ein Feuerzeug abzuschnorren.
Getrocknete Liane, oder so. DMT, eh ganz unkompliziert – weil körpereigene Substanz – ich höre ihm schon lange nicht mehr zu… Fokus schwankt, Analia zündet die Lunte….
Ich denke mir, hahaha ihr Spasten, als ob ich vor so´n bisschen Biopsychedelika in die Knie gehen würde, Analia reicht mir das Ding…
Zwei tiefe Züge später betoniert mich die Erkenntnis, einen Fehler gemacht zu haben ins Bodenlose. Wie zum Teufel kann man bloss so deppert sein???
Er fickt mich härter als sonst, wahrscheinlich ist er immer noch sauer, weil ich den Geschirrspüler getötet habe. Oder weil ich seinen besten Freund gevögelt hab.
Was weiß ich. Muss ja auch nicht alles zer-denken. Außerdem hat meine Energetikerin gesagt, ich muss mich emotional abgrenzen. Ist ja schließlich nicht mein Kaffee wenn er Probleme mit Fremdficken oder Haushaltsgeräten hat. Mich fragt schließlich auch keine Sau, wie´s meiner Waschmaschine geht. Gleiches Recht für alle, oder?
Wie zum Geier soll man sich bei dem Wirbel im Hirn auf den koitalen Endspurt konzentrieren? Vollgas im Kopf geht nur bei Standgas in der Fuffie. Und umgekehrt.
Abgesehen davon stresst es mich die Tatsache, morgen früh aufzutreten um mein Buch zu promoten. Wie bitteschön soll ich mich um halb zehn Vormittags betrinken? Das ist doch asozial, auch wenn´s nur gegen das Lampenfieber ist. Ich bin schließlich nicht Bukowsky, denke auch nicht, dass mir irgendjemand einen Bierkühlschrank auf die Bühne stellen wird.
„Kannst du mir morgen nicht paar Kaffetassen voll Bier mitbringen?“ (Glaubst du, es fällt auf, wenn ich
Sichtlich irritiert zieht er seinen Schwanz aus mir, legt den Kopf schief und spritzt mir zwischen die Titten.

#mentalepräsenz

Zurück zu dir.. Rase über die Südautobahn, mit jedem Kilometer den ich dir näher komme, steigt der Herzschlag ein bisschen mehr. Pro überwundenem Bundesland gefühlte dreitausend Schläge in der Minute.
Sehnsüchtig hechelnd nach deiner mentalen Präsenz – ich liebe dich, bin süchtig nach dir.
Sonne knallt. Erkenne deine Silhouette. Hechle dir nach. Du fühlst mich nicht.
Zehn Schritte hinter dir, du drehst dich kein einziges Mal um.
Zehn Minuten später rammst mir deinen Schwanz mitten ins Gesicht. Dekorierte Mundwinkel. Überall Sperma. Benutztes Stück Mensch zieht Leine, das soll Liebe sein? Frühlingsgefühle? Oder ein Vorgeschmack auf Guantanamo?
Devote Hingabe?
Selbstzerstörerische Verschwendung?
Perlen für die Säue?

Frohe Ostern nach Polen!

Sehnsüchtig erwarte ich das Ende des christlichen Ramadans´, neue Lage – vier Tage. Und die werden sich so ziehen, als würde man mitten in einer Wurzelbehandlung stecken.
Ab Samstag gibt´s dann endlich wieder Mundspülung mit Alkohol – es lebe die Auferstehung. Auch wenn ich noch nicht sicher bin, ob mir der Pfarrer den Korb mit „Listerin ultrawhite“ segnen wird. Vielleicht versteck ich es einfach unter der Osterpinze?
Ich ertrage das alkoholfreie Placebo vom Billigproduzenten keine weitere Woche mehr, ohne dabei nicht zum Nazi zu werden. Soll doch den Produzenten von dem Glumpert der Blitz beim Scheißen treffen – was denkt sich der Beckenrandschwimmer eigentlich dabei, so einen Mist zu fabrizieren? Weiß der wie anstrengend so ein Tag ohne morgendliches Menthol- Schnaps-mit-Fluorid-Gurgeln werden kann? Wie soll man denn da funktionieren?

Steffen schlägt mir Eigenurin als Alternative vor – schließlich hätte ich da sämtliche wasserlöslichen Toxine des Vorabends noch mal zur Verfügung. Drogen- und Alkoholrecycling für ganz Verzweifelte. Oder für Menschen aus Polen. Die saufen ein Glas Bier achtzehn Mal, bevor es endgültig in der Kanalisation landet. Sagt Steffen.
Aber gut. Er sagt auch, dass er nur deswegen fremdfickt, weil er am „Restless-Penis-Syndrom“ leidet, wegen seines Eisenmangels. Klar doch, Pole.
Ich ficke auch nur fremd, weil ich an ADHS leide. Alkohol-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. Und daran ist die Fastenzeit, bzw. das Mundwasser und letztendlich auch Jesus Schuld. Wäre der Depp nicht vierzig Tage in der Wüste gestrandet, müsste ich nicht solche Entbehrungen auf mich nehmen. Dann müsste ich nicht mit unbekannten Onlinefreaks unter einer Autobahnunterführung herummachen, kiloweise Ritalin in mich stopfen und Eigenurin trinken. Supergeil, lieber Jesus.
Von dir lass ich mich nicht mehr verarschen – auch wenn ich keine Matura hab.
Frohe Ostern, wünsch ich euch! Tut nichts, was ich tun werde 😉