#tatütata

Schleiche mich ins Wohnzimmer zurück, Verstecke alle illegalen Substanzen als ich das immer lauter werdende Tatütata höre. Die kommen, sie kommen um dich zu holen, sie werden dich nicht finden niemand wird dich finden du bist bei mir. Gottseidank ist der Ohrwurm lauter als die Sirenen. Erst als der Polizeiwagen mit quietschenden Reifen um die Kurve schießt, hält Falco die Luft an.
Dafür schreit die dicktittige Polizistin umso lauter als sie aus dem Wagen stürmt, sie will das ich raus komme. Zum Glück sind alle Nachbarn zuhause, weil ja Samstag ist. Gebannt starren gefühlte hundert Augen auf das Schauspiel im Erdgeschoss. Die Stimme im Kopf singt Waschmaschinen leben länger mit Calgon, die alte Dame am Nebenbalkon schreit in ihr Telefon: „Ja, die mit den ganzen Katzen… ich hab dir ja gesagt die ist nicht normal.“ Tattütatta. Miss Polizei hechtet über die Brüstung zu mir.
Wieso ich die Türe nicht geöffnet hätte, das ist Behinderung einer Amtshandlung werde ich von der Exekutivbeamtin belehrt. Ob sie deswegen ihre Hand immer an der Dienstwaffe hält?
Ich sage weil mein Schlüssel in Bologna ist, der nächste Uniformierte klettert über den Balkon und fordert mich auf mich auszuweisen. Dazu bräuchte ich bitte meine Tasche, zeig mit dem Finger zur Couch die in einigen Metern Entfernung steht.
Nein, ich solle bitte stehen bleiben, der barsche Ton passt so gar nicht zu ihren weichen Gesichtskonturen. Vorsichtig öffnet sie den Reißverschluss der roten Tasche, vermutlich erwartet sie darin eine Bombe, oder zumindest eine Knarre.
Mit dem Toilettenpapier scheint sie überfordert, ihr fragender Blick ist dämlicher als der ihres zweiten Kollegen, der sich mühsam über die Brüstung stemmt und uns Gesellschaft leistet.
„Wieso haben sie eine Tasche voller Klopapier?“, will er von der immer noch wie versteinert dastehenden Polizistin wissen.
Das ist alles was die Verdächtige bei sich trägt, erklärt sie.
„Sie kommen mit uns mit damit wir Ihre Identität überprüfen können“, fordert mich der Bulle auf.
„Wieso fragen sie nicht einen der Nachbarn?“, entgegne ich.
Die alte Schachtel nebenan sagt sie wisse nicht wer ich bin, hätte mich noch nie hier gesehen und verschwindet zurück nach drinnen.
„Die ist doch bescheuert, ich wohne hier! Wieso sollt ich hier einbrechen? Es gibt weder Strom, noch Internet und außerdem muss ich mir Klopapier klauen weil ich pleite bin.“
„Sie geben also zu gestohlen zu haben?“, bohrt die Polizistin nach.
Lieber Gott bitte mach dass sie nicht noch die Cobra anruft.
„Bitte kommen sie mit uns mit.“
Bitte erschießt mich doch einfach.

#offline

Insgeheim bin ich froh darüber dass ich das Internet nicht mehr finde, zumindest komm ich so mal vor die Türe. Ich rufe ihn trotzdem an und frag ihn ob er es mit in den Urlaub genommen hat.
„Ganz toll, kein Netz, keinen Penis, kein Bier mehr. So behandelt man keine Frau du unsensibler Mistkerl.“
Lege auf, ignoriere seine darauffolgenden Anrufe. Wenn ich ihm das durchgehen lasse, glaubt er es sei normal mich hier ohne die essentiellen Dinge zurück zu lassen. Ich klau sein ganzes Klopapier, stopf meine Tasche voll damit, will zurück in meine Wohnung. Soll er mal selbst spüren wie das ist wenn einem was fehlt.
Vorsichtshalber versteck ich auch sämtliche Küchenrollen und Taschentücher. Der wird sich freuen wenn er Sonntagnacht nach Hause kommt und mit runtergelassener Hose nach seinem Klopapier sucht.
Auge um Auge.
Siegessicher suche ich das Weite, scheitere aber an der verschlossenen Tür. WO ist denn der Schlüssel hin? Vor lauter Klopapier finde ich nichts in der Tasche. Der muss doch irgendwo sein?
Suche wie verrückt, doch weder im Kühlschrank noch in der Waschmaschine werde ich fündig. Verfluche Gott und die Welt außerdem geht mir das ständige Klingeln auf den Geist. Wo zum Teufel schalt ich bei dem Gerät den Klingelton aus?
Mein Blutdruck fühlt sich zu hoch an, ich muss Dampf ablassen ansonsten werd ich hier zum Nazi.
Ich schreie die Katze an, entschuldige mich drei Sekunden später wieder bei ihr. Wieder dieses nervige Klingeln, jetzt reicht’s.
„Bist du bescheuert? Hör endlich auf ständig anzurufen und schick einfach ne WhatsApp“, kreische ich ihn an.
„Ohne Internet wirst die kaum kriegen Babe“, sein entspannter Tonfall ärgert mich noch mehr als die Tatsache hier fest zu sitzen.
Er sagt ich soll mich beruhigen, Offline ist der neue Luxus.
„Bist du auf Drogen? Und wo zum Teufel ist mein Schlüssel?“
„Ach ja den hab ich eingesteckt. Sorry Schätzchen.“
Ich sage er soll sofort umdrehen und zurückkommen.
„Ich bin schon in Bologna.“
Und ich am Arsch der Welt, dreh um!
„Ich schick dir ein Taxi, wir sehen uns morgen.“
Klettere durch das Schlafzimmerfenster nach draußen, und lasse mich nach Hause kutschieren. Dort angekommen versuche ich über den Balkon in meine Wohnung einzubrechen, verliere das Gleichgewicht als ich über das Geländer hechten will, knalle mit dem Kopf voraus auf den Fließen Boden. Was für n Scheiß Tag, ich schwöre das zahl ich dem Mistkerl irgendwann heim. Robbe unter der geöffneten Jalousie nach drinnen, zum Glück reicht der schmale Spalt um mich durch zu quetschen. Berufseinbrecher müssen sicher ebenso auf ihr Gewicht achten wie die Hungerhaken bei GNTM. Ob die auch Bulimie kriegen?
Wieso steht das Taxi immer noch vor dem Haus? Filmt mich der Kerl etwa?
Freue mich zuhause zu sein, fahr den Rechner hoch und schalt die Stereoanlage ein. Doch weder das eine noch das andere Gerät tut was es soll. Überlege woran es liegen könnte, hol mir ein Bier aus der Küche. Wieso ist denn die Blörre so warm?
Verdammt! Die Stromrechnung! Die haben mich wirklich abgedreht?!
Knalle das Heineken gegen die Wand, es regnet grüne Glassplitter. So eine verfluchte Scheiße, was mach ich denn jetzt bloß? Und wo kommen die Cops vor meiner Türe plötzlich her?
„Öffnen sie die Türe, wir können Sie hören!“
Was wollen die denn hier? Die offene Stromrechnung eintreiben?
„Worum geht´s denn? Es passt mir grade nicht.“, versuche ich sie abzuwimmeln.
„Wir haben einen Anruf erhalten, dass jemand hier eingebrochen ist. Öffnen sie die Tür“
Scheiß verfickter Taxifahrer, das warst sicher du.
„Ich kann ihnen nicht öffnen, könnten sie bitte über den Balkon kommen?“
Über sein Funkgerät fordert der jüngere der Beiden Verstärkung an, während ich mich frage ob offline eigentlich immer so viel los ist.