Masturbations Flüchtling vs. Borderliner

Erst als sämtliche Vorräte weggeballert- und alles an Bier weggesoffen ist, wandern wir Richtung Schlafzimmer. Betäubte Körper fallen ins Bett, lauter als der Ford Mustang meines Nachbarn dröhnt mir der Schädel. Heilige Scheiße, jetzt bin ich schon vorm Aufwachen verkatert.
Zumindest bin ich in der glücklichen Lage, nicht in zwei Stunden wieder aufzustehen – im Gegensatz zu ihm. So leise wie möglich schiebe ich meine Hand zwischen die Beine, zutiefst hoffend ein wenig Schlaf-gut-Masturbation hilft gegen die Nebenwirkungen der Multi Intoxikation vergangener Tage. Das tut sie tatsächlich, ganze zwei Minuten lang. Plötzlich schleudert er seine Decke auf den Boden, erschrecke so heftig, dass ich mir beim fluchtartigen Rausziehen aus der Huhu den Finger stauche.
Was zum Teufel ist denn jetzt los?
Hastig packt er seinen Kram zusammen, streift sich ein Shirt über den nackten Oberkörper: „Ich bin ohnehin nur Luft für dich, wieso spielst du heimlich an dir rum? Was glaubst du, wie ich mir da vorkomme? Ich verschwinde. Bin dir sowieso egal“ , schneller als Speedy Gonzales stürmt er aus der Wohnung.
Das ist neu für mich – noch nie zuvor ist ein Mann davongerannt, weil ich mir meinen Finger in die Muschi geschoben hab. Gott, hat der einen Knall. Dachte immer, niemand ist so beknackt wie ich.
Der Mann in den ich mich verschossen hab würde mir meine Hände aus dem Schoß ziehen, mich eine verfickte Schlampe nennen, mich auf den Rücken drehen, gnadenlos durchficken, seine Hand auf meinem Mund drücken um mir die Luft abzuschnüren.
Ich erkenne ihn nicht wieder, als er zickender als ein menstruierendes, unbefriedigtes Frauenrudel die Flucht ergreift. Unfassbar, was übermäßiger Substanzkonsum aus uns macht. Vom dominanten Mann zum von Selbstzweifel zerfressenden Jungen. Unbegreiflich wie weit Selbst- und Fremdeinschätzung voneinander entfernt liegen. Unpackbar mit welcher Geschwindigkeit der Traum meiner schlaflosen Nächte zu einer tickenden Zeitbombe mit Minderwertigkeitskomplex mutiert. Schalter umgelegt, danke du gottverdammtes Teufelszeug. Wurde Zeit, dass mir mal der Spiegel vorgehalten wird.
Geh doch.
Ich will mehr davon.

Über ungefickte Toyboys mit Migrationshintergrund – mach es zu deinem Projekt

Schlendere durch die schattige Gasse zurück zum Parkplatz, als ein alter Skoda hupend neben mir abbremst. Zucke vor Schreck zusammen wie ein Parkinsonpatient auf Amphetamin. Was ist denn das für ein Trottel? Doch noch bevor ich damit beginne, unschöne Worte in Richtung des Fahrers zu schleudern, versetzt mich sein Lächeln in atemloses Staunen.

Seine riesigen Augen, sind mindestens genauso schwarz, wie meine Seele. Ich frage mich, woher mir dieses bildhübsche Gesicht bekannt vorkommt, während er das Fenster öffnet:

„Hallo Maja, wie geht´s dir?“

Es irritiert mich kein bisschen, dass der Typ meinen Namen kennt; den kennen in dieser Stadt ohnehin viel zu viele zwielichtige Gestalten. Ich verkneife mir die Frage, ob er mir seinen Penis zeigen könnte, vielleicht wär’s einfacher für mich,  die Erinnerung aufzufrischen.

„Schlechten Menschen geht es immer gut. Und dir?“

„Alles bestens junge Frau. Wann gehst du endlich mal mit mir Kaffee trinken?“

Fangfrage? Leute die mir nahe stehen, hätten  höchstwahrscheinlich gleich nach einem Blowjob gefragt. Somit passt er nicht in die schon-mal-gefickt-Schublade. Auch wenn mir völlig schleierhaft ist, wieso.

„Morgen Nachmittag, hätte ich Zeit.“

Sein Grinsen wird noch breiter, Mister Sonnenschein strahlt wie ein Hutschpferd:

„Ich freu mich.“

Mein Porno-Kopfkino hätte einen Oskar verdient; schießt mich von null auf hundertachzig in zwei Sekunden; die Erregungskurve schnalzt schneller nach oben, als die einer läufigen Hündin. Der einzige Grund, warum ich nicht auf offener Straße zu masturbieren beginne, kommt in Form eines  Porsches um die Kurve geschossen. Mit quietschenden Reifen kommt der Flitzer knapp hinter Schnucki zum Stehen, ein wild gestikulierend und schimpfender alter Sack hinter dem Lenkrad wirkt sehr unentspannt. Ununterbrochen tippt er mit seinem Finger gegen die Stirn, sieht uns die ganze Zeit über wütend an.

„Babe, ich glaube der da hinten hat es eilig und ich muss auch los. Schreib dir später mal, deine Nummer hab ich ja.“

„Bis dann, du geiles Gerät“,  verabschiede mich ratlos winkend, dreh mich zur anderen Seite um dem Wichskopf im Boxster die Zunge und den Mittelfinger zu zeigen – so erledigen das Erwachsene. Immerhin scheint der gestresste Penner ganz plötzlich ganz verunsichert. Wer legt sich schon mit einer Irren an?

Tief in Gedanken versunken, spaziere ich die Allee bis zum Parkplatz hinunter. Ich komm einfach nicht drauf, wer er ist. Schätze sein Alter auf Anfang zwanzig; ein Toyboy wie ausm Bilderbuch. Nicht mein übliches Beuteschema – auch wenn der Welpengeruch noch an dem Hosenscheißer haftet.

Gehe meine U30 Bumskontakte im Kopf durch –  Schafe zählen für Nymphomaninnen. Müde und grübelnd erreiche ich meinen Wagen, schließe auf, als meine Handtasche zu vibrieren beginnt und mich sofort wieder ans Wichsen denken lässt – die Tücken der Konditionierung brennen die Umrisse eines Vibrators wie ein Standbild ins Gedächtnis, musikalisch untermalt vom Hornbach – Jingle:

Singing ey ja yippie yippie yeah. Mach es zu deinem Projekt.

Ein Königreich für eine Hand voll Psychopharmaka.

Und noch während ich mich nackt und verschwitzt unter dem rätselhaft – ausländisch aussehenden Kerl sehne, reißt mich das erneute Summen zurück ins hier und jetzt.

Wo ist denn mein Handy geblieben?

Hektisch suche ich in dem Wirrwarr meiner Handtasche nach dem Teil und tatsächlich – zwischen leeren Gin Tonic Dosen, zerknüllten Erlagscheinen und unzähligen Kondomen werde ich fündig -Whatsapp macht mich darauf aufmerksam, dass „Afghanistan“ acht neue Nachrichten gesendet hat.

Und plötzlich macht es klick.

Mister Afghanistan.  Wie konnte ich den bloß vergessen?