#offline

Insgeheim bin ich froh darüber dass ich das Internet nicht mehr finde, zumindest komm ich so mal vor die Türe. Ich rufe ihn trotzdem an und frag ihn ob er es mit in den Urlaub genommen hat.
„Ganz toll, kein Netz, keinen Penis, kein Bier mehr. So behandelt man keine Frau du unsensibler Mistkerl.“
Lege auf, ignoriere seine darauffolgenden Anrufe. Wenn ich ihm das durchgehen lasse, glaubt er es sei normal mich hier ohne die essentiellen Dinge zurück zu lassen. Ich klau sein ganzes Klopapier, stopf meine Tasche voll damit, will zurück in meine Wohnung. Soll er mal selbst spüren wie das ist wenn einem was fehlt.
Vorsichtshalber versteck ich auch sämtliche Küchenrollen und Taschentücher. Der wird sich freuen wenn er Sonntagnacht nach Hause kommt und mit runtergelassener Hose nach seinem Klopapier sucht.
Auge um Auge.
Siegessicher suche ich das Weite, scheitere aber an der verschlossenen Tür. WO ist denn der Schlüssel hin? Vor lauter Klopapier finde ich nichts in der Tasche. Der muss doch irgendwo sein?
Suche wie verrückt, doch weder im Kühlschrank noch in der Waschmaschine werde ich fündig. Verfluche Gott und die Welt außerdem geht mir das ständige Klingeln auf den Geist. Wo zum Teufel schalt ich bei dem Gerät den Klingelton aus?
Mein Blutdruck fühlt sich zu hoch an, ich muss Dampf ablassen ansonsten werd ich hier zum Nazi.
Ich schreie die Katze an, entschuldige mich drei Sekunden später wieder bei ihr. Wieder dieses nervige Klingeln, jetzt reicht’s.
„Bist du bescheuert? Hör endlich auf ständig anzurufen und schick einfach ne WhatsApp“, kreische ich ihn an.
„Ohne Internet wirst die kaum kriegen Babe“, sein entspannter Tonfall ärgert mich noch mehr als die Tatsache hier fest zu sitzen.
Er sagt ich soll mich beruhigen, Offline ist der neue Luxus.
„Bist du auf Drogen? Und wo zum Teufel ist mein Schlüssel?“
„Ach ja den hab ich eingesteckt. Sorry Schätzchen.“
Ich sage er soll sofort umdrehen und zurückkommen.
„Ich bin schon in Bologna.“
Und ich am Arsch der Welt, dreh um!
„Ich schick dir ein Taxi, wir sehen uns morgen.“
Klettere durch das Schlafzimmerfenster nach draußen, und lasse mich nach Hause kutschieren. Dort angekommen versuche ich über den Balkon in meine Wohnung einzubrechen, verliere das Gleichgewicht als ich über das Geländer hechten will, knalle mit dem Kopf voraus auf den Fließen Boden. Was für n Scheiß Tag, ich schwöre das zahl ich dem Mistkerl irgendwann heim. Robbe unter der geöffneten Jalousie nach drinnen, zum Glück reicht der schmale Spalt um mich durch zu quetschen. Berufseinbrecher müssen sicher ebenso auf ihr Gewicht achten wie die Hungerhaken bei GNTM. Ob die auch Bulimie kriegen?
Wieso steht das Taxi immer noch vor dem Haus? Filmt mich der Kerl etwa?
Freue mich zuhause zu sein, fahr den Rechner hoch und schalt die Stereoanlage ein. Doch weder das eine noch das andere Gerät tut was es soll. Überlege woran es liegen könnte, hol mir ein Bier aus der Küche. Wieso ist denn die Blörre so warm?
Verdammt! Die Stromrechnung! Die haben mich wirklich abgedreht?!
Knalle das Heineken gegen die Wand, es regnet grüne Glassplitter. So eine verfluchte Scheiße, was mach ich denn jetzt bloß? Und wo kommen die Cops vor meiner Türe plötzlich her?
„Öffnen sie die Türe, wir können Sie hören!“
Was wollen die denn hier? Die offene Stromrechnung eintreiben?
„Worum geht´s denn? Es passt mir grade nicht.“, versuche ich sie abzuwimmeln.
„Wir haben einen Anruf erhalten, dass jemand hier eingebrochen ist. Öffnen sie die Tür“
Scheiß verfickter Taxifahrer, das warst sicher du.
„Ich kann ihnen nicht öffnen, könnten sie bitte über den Balkon kommen?“
Über sein Funkgerät fordert der jüngere der Beiden Verstärkung an, während ich mich frage ob offline eigentlich immer so viel los ist.

#homeoffice

Wie oft müssen Top – Dj´s wie Mister Kalkbrenner eigentlich auf Reha zum Detox machen? Fahren die in die Klapsmühle zum Entgiften wie ein 0/8/15 Otto-Normalverbraucher nach Caorle an den Strand? Fragen über Fragen, wo ist eigentlich mein Entgiftungstee hin verschwunden? Ach ja, in der Minibar – hab ihn schließlich mit Wodka veredelt. Brennesselblätter, Mariendistel, Curcuma, grüner Tee und Birkenblätter gemischt mit kalorienarmen Hochprozentigen aus Russland – Detox-Jagatee-Deluxe – der Speedball für Ökofreaks, garantiert zuckerfrei! Ich klopfe mir selbst auf die Schulter, könnte vor Begeisterung über meinen Einfallsreichtum onanieren, wenn da nicht der ganze Papierkram wäre. Porno oder blaue Briefe? Blau oder digital? Ich will beides!
Erstmal Facebook checken, nervt mich aber nach drei Sekunden so sehr dass ich erst wieder auf Youporn lande. Doch beim Anblick kopulierender Asiatinnen fällt mir plötzlich ein, dass man vom Wichsen Knochenmarks-Schwund bekommt.
Klicke den Fickfilm weg, checke meinen Mailaccount.
Irgendein Bumsverlag empfiehlt mir ein Buch zum Thema Onlinepornosucht. Verfluchte Hurensöhne, was ist mit der Drecks-Datenschutz-Verordnung? Dürft ihr überhaupt von meiner digitalen Masturbationsaffinität wissen? Schlimmer als die Stasi diese Kreaturen! Die nennen das Marketing, ich nenne das Spionage. Was kommt denn als Nächstes? Eine Werbemail der Betty-Ford-Klinik? Ich bin so wütend, dass ich mir bei Zalando fünf Paar Schuhe bestelle, ehe ich mich beruhigt habe. Gestärkt durch die Vorfreude auf die neuen Fick-mich-Stiefel fühl ich mich in der Lage den analogen Kram zu erledigen, reiße den Umschlag der neben dem Rechner liegt auf.
Zu meiner Freude ist es diesmal gar kein Strafmandat, sondern die Gasrechnung. Entweder bezahl ich sie bis vorvorgestern, oder sie stellen mir das Gas ab. Was für ne eindrucksvolle Drohung – draußen hat´s über zwanzig Grad, blauer Himmel, Sonnenschein – und in der Nacht bin ich eh nie zuhause. Fick dich doch Scheiß Kelag. Zur Not heiz ich halt elektrisch – die Stromrechnung kommt ohnehin erst in zwei Wochen, genauso wie die Rechnung für meine neuen Schuhe.
Außerdem glaube ich nicht, dass sie mir auch noch den Strom abstellen – WLAN und Elektrizität sind schließlich Menschenrechte, das steht sicher in der Genfer Konvention. Außerdem hab ich eine Rechtsschutzversicherung, wenn die mir den Saft abdrehen, verklag ich sie.
Leider bremst der zweite Brief meine Konfrontationslaune – meine Rechtsschutzversicherung sagt dass ich seit zwei Monaten nicht mehr eingezahlt habe. Keine Kohle – Kein Recht. Ich schwöre sobald ich wieder flüssig bin, verklag ich die auch. Arschficker Versicherungswichser.
Wieso ist „Wichser“ ein Schimpfwort? Ist doch ne schöne Tätigkeit?
Ich klicke auf Pornhub. Nein, nur noch ein Kuvert dann gibt´s Fickfilme. Reiß dich zusammen.
Klappe den Laptop zu, checke den letzten Brief. Gelange zu der Erkenntnis dass Onanieren mich glücklicher gemacht hätte als der einhundertachzig Flocken teure Strafzettel, den ich wütend auf den Schreibtisch knalle. Wegen elf Stundenkilometern zu schnell so viel wie für zwei Gramm Kokain ausgeben? In was für ner kranken Welt leben wir? Sind die Tipsen aufm Amt angesoffen gewesen als sie den Wisch verfasst haben? So nicht! Nicht mit mir!Bei Uneinbringlichkeit drei Tage Ersatzfreiheitsstrafe. Sollen mich die Kasperln doch einsperren – weil Häfen ist ohne Nebenkosten, mit viel Zeit für Autoerotik.

#mindfuck

Angeblich werden alle Eichhörnchen diesen Winter abkratzen wenn wir ihnen keine Nüsse unterjubeln.
Angeblich schmeckt nichts besser als das Sperma eines Genies.
Angeblich fickt dumm gut.
Angeblich haben wir unsere Felder durch jahrzehntelange Monokultur ausgelaugt.
Angeblich brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel weil auf verbrauchter Erde kein vitaminhaltiges Glumpert gedeiht.
Angeblich haben wir deshalb einen kollektiven Selenmangel zu beklagen.
Angeblich brauchen wir das Spurenelement fürs Immunsystem.
Angeblich ist menschliches Ejakulat voll mit Selen
Angeblich interesiiert das kein Schwein
Angeblich ist Fluorid ein Nervengift
Angeblich wollen sie uns damit manipulieren
Angeblich sind die Wachstumshorme der Massentierhaltung Schuld an der immer früher einsetzenden Geschlechtsreife des Menschen.
Angeblich war 9/11 gar kein Terroranschlag
Angeblich war die Titanic nichts weiter als ein Versicherungsbetrug
Angeblich onanieren Elefanten mit dem Rüssel.
Angeblich hilft Ananassaft um besser zu schmecken.
Angeblich hat er mich wirklich geliebt.
Angeblich ist Narzissmus heilbar.
Angeblich helfen Schwammerl beim Alkoholabbau.
Angeblich war Hitlers Uroma Jüdin.
Angeblich hab ich alles unter Kontrolle.
Angeblich ist Ronaldo homosexuell.
Angeblich lebt Elvis.
Angeblich mach ich mir viel zu viele Gedanken.

#ffm

Überwältigt von der Entwicklung der Dinge lasse ich mich hinreissen, folge dem bleichgesichtigen Kerl auf die Toilette, dicht gefolgt von seiner Prinzessin. Keiner der Securitys nimmt von uns Notitz als wir zu dritt in eins der Damenwc´s verschwinden. Misses Dicktittig hat den Hosenstall des Kerls schneller offen als ich sie um einen Ausweiß bitten kann. Während sie ihn hartbläst versichere ich mich bei Doktor Google ob es legal sei, Minderjährigen beim Oralsex zuzusehen. Zu meiner Verblüffung hat der Kerl weiße Sackhaare – ich denke damit hat sich die Frage nach dem Alter erledigt.
Er streicht ihr eine Strähne aus dem Gesicht, sie lutscht als ob es um Leben und Tod ginge. Verliebt sieht er sie an, zieht seinen Hammer langsam zurück, um ihn kurz darauf wieder zwischen ihre Lippen zu pressen. Versehentlich landet ihr Kopf an der Klospülung, ich denke ui wie romantisch klingt fast wie am Meer.
Er sagt ich soll seine Eier lecken.
Ich sage ich bräuchte mehr als einen Quadratmeter für Gruppensex. Schließlich sei das keine Legebatterie. Er sagt, hä?
„Sei schön brav, dann kriegst hinterher auch einen Fruchtzwerg“, erwiedere ich als ich ihn am Krawattel packe und zu Boden drücke, während ich den Gürtel der Jeans öffne und mich auf den Rand der Keramikschüssel hocke.

#fickfähig

Leider gibt mir ihr Überraschungsangriff keine Zeit mehr um nach dem Schutzalter in Österreich zu googeln. Sie steckt mir ihre Zunge tief in den Mund, hoffentlich ist das nicht illegal. Bitte lieber Gott mach dass ich nicht wegen Kindesmissbrauchs in den Bau wandere.
Fasse an ihre Titten, drücke sie weg von mir.
„Hab ich was falsch gemacht?“, irritiert schmollt sie mir entgegen, der Toyboy an ihrer Seite weicht einen Schritt nach hinten.
„Nein, es ist nur…“,stammle ich verlegen. Sie küsst mich wieder, ich denke nein. Ihre Hände streicheln über meine Taille, ich denke nein. Mit festem Griff packt er mich am Hinterkopf, zieht mich weg von ihr, ich denke nein. Er saugt an meinem Ohrläppchen während ihre Hände unter mein Shirt wandern, ich denke nein. Sie presst ihren Körper an mich, er seine Errektion, ich denke nein. Ihre Brüste sind größer als ihr Kopf, ich denke vielleicht ist sie doch schon geschlechtsreif. Seine Latte so hart wie mein Leben, ich denke vielleicht ist er doch schon im fickfähigen Alter.
„Bist du schon feucht?“, säuselt sie mir ins Ohr.
„Bist du schon volljährig?“, entgegne ich, ehe er mich an der Hand packt und weg von der Bar zieht…

#Mantra

Immer noch betäubt erreiche ich als frisch gebackener Single Kärnten, fest entschlossen nicht in Selbstmitleid zu versacken. Trübsal ist schließlich nicht alles was man blasen kann.
Je mehr die Wirkung des Opiats nachlässt, desto mehr meldet sich meine Libido zurück. Zwischen Liebeskummer, Entzug und Bumsbedürfnis taumelnd, krame ich im Kleiderschrank nach was Passendem zum Weggehen, während ich mein Mantra verinnerliche: Nein zu Heroin. Nein zu Beziehungskisten. Ja zu belanglosem Sex mit Unbekannten. Im Namen des Vaters, des Sohnes, des heiligen Geistes. Amen.
Entscheide mich für die einzige Jean, bei der ich den Knopf noch zubekomme plus ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck: „Want to fuck my Boyfriend“, auch wenn mein Gemüt eher nach „Want to kill myself“ verlangt und ich außerdem ja gar keinen Boyfriend mehr habe. Aber man kann schließlich nicht alles im Leben haben.
Die Schlange vor dem Club ist kürzer als angenommen, für gewöhnlich geht hier samstags die Post ab. Monatsende sei immer ruhig, erklärt mir der Türsteher. Kurz vor Ersten ist das Leben am Schwersten, er drückt den Stempel auf meinen Handrücken und wünscht mir viel Spaß.
Eng umschlungen steht ein junges Pärchen zwischen mir und der Theke. Ich frag mich ob die beiden überhaupt schon Schamhaare haben, die sehen aus als wären sie direkt aus der Sandkiste in die Disko gekommen.
„In eurem Alter hab ich noch Kastanientiere gebastelt!“, schreie ich die Turteltauben an, drohe damit ihre Mütter anzurufen wenn sie nicht auf der Stelle aufhören mit dem Heavy-Petting an der Theke. Wie soll man denn da zu einem Bier kommen?
Genervt löst sich der Jüngling von seiner Gespielin, zeigt mir den Vogel. Vorsichtshalber mustert er mich dann doch, bemerkt die Aufschrift auf meinem Shirt. Grinst.
„Ach und wo ist dein Kerl?“, will er von mir wissen. Plötzlich dreht sich auch sein Blondchen in meine Richtung, starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an, fasst nach meiner Hand und zieht mich an sich….

Meer sehen

Kopf verklebt. Digitale Überdosis. Muss hier raus. Dringend. Festplatte formatieren. Maschine runterfahren. Lass uns bitte ans Meer fahren.
Weg mit dem Gift, schmeiß es einfach ins Klo. Oder doch nicht? Den letzten Rest kann ich ebensogut wegballern, oder?
Vielleicht ist das Meer dann noch schöner? Ob sich die beiden Tranquilizer in ihrer Wirkung verstärken?
Vorsichtig falte ich das kleine Briefchen mit dem braunen Pulver wieder zusammen.
Er verspätet sich, vielleicht sollte ich jetzt schon was nehmen? Nur eine ganz Kleine. Aber was, wenn er es bemerkt? Scheiß drauf, nur ein klein Wenig.
Ich verstecke meine Stecknadelkopf-Kleinen Pupillen hinter einer verspiegelten Sonnenbrille, als ich zu ihm in den Wagen steige. Küsse ihn flüchtig auf die Wange, konzentriere mich darauf den Juckreiz zu ignorieren. Seine Hand streichelt über meinen Oberschenkel, ich hab keine Lust auf Autofahrfummeln, stoße ihn weg. Kratze mich, sag er soll sich bitte auf den Verkehr konzentrieren. Er beschwert sich, dass wir keinen Verkehr hätten. Ich kratze meinen Knöchel blutig. Er sagt, waschen nicht kratzen.
„Das sind sicher die Filzläuse die du dir bei deiner Putzfrau geholt hast“, fauche ich zurück.
Er lacht nicht.
Hinter dem Parkplatz erreichen wir die Treppe, fünf Stufen höher stehen wir über der Brandung, rauschende Wassermassen an den Felsen unter uns. Er nimmt meine Hand, zieht mich Richtung Meer. Vorsichtig klettern wir nach unten bleiben auf einem der Steine sitzen. Wie hypnotisiert starren wir aufs Wasser, mit jeder einzelnen Welle die unter unseren Füßen aufs schwarze Gestein brescht wird’s ein bisschen ruhiger im Kopf. Solange bis ich mir die zweite Wade aufkratze und er mich mit traurigen Blick anstarrt. Ohne ein Wort zu sagen, steht er auf.
„Wo willst du hin?“
Erst als er zurück auf den Weg geklettert ist, dreht er sich nochmal zu mir um:
„Ich kann dich nicht vor dir selbst retten.“
Frag mich noch was er wohl damit meint, als er weggeht. Krame das übriggebliebene H raus, soll er sich doch verpissen dann muss ich wenigstens nicht mehr heimlich gifteln. Und ich Idiot dachte, man könne Meer sehen.

#Ruhe

„Welcher normale Mensch tut das?“
Ui, er klingt sauer. Ich sollte mich schnell ausziehen.
Gewöhnlich beruhigen sich Männer beim Anblick von Brüsten.
Weg mit dem Oberteil.
Mister L´s Kopf wird rot, es verschlägt ihn für einen Augenblick die Stimme, die kleine Ader über seiner Augenbraue scheint als stünde sie kurz vorm explodieren. Komisch. So hat er noch nie auf meine Titten reagiert. Ob ich mich ganz ausziehen sollte um ihn zu beruhigen?
Schlechte Idee – als ich den Knopf der Jean öffnen will beginnt die Brüllerei von vorne.
„Das ist alles was dir dazu einfällt? Weißt du eigentlich was du mir damit antust? Du hast versprochen es nicht mehr zu tun!“
Was zu tun? Mich auszuziehen?
Dann zieh ich halt ihn aus.
Er schreit mich immer noch an, als ich einen beherzten Schritt in seine Richtung mache, um den Bund seiner Hose zu erwischen. Erst als ich sie ihn bis zu den Knöcheln runter reisse, verstummt er. Ich stoß mir beim Aufstehen den Kopf an seinem Penis.
„Boah geil, heute keine Unterwäsche Baby?“
Plötzlich packt er mich an den Schultern, drückt mein Gesicht zurück auf Schanzhöhe.
„Halt endlich die Klappe, oder du landest wirklich in China“, kaum hat er mir den Mund gestopft, hält er selbst auch mal die Schnauze.
Endlich Ruhe.
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

#Melodie

Irgendwie schaut das Klavier aus, als ob es ein blindes Kind gebastelt hätte. Völlig asymmetrische Tasten, auch wenn ich keine Ahnung von Pianos hab bin ich mir doch sicher dass die nicht so aussehen als das Pappmodell auf dem Glastisch vor mir. Was wird denn das wenn´s fertig ist?
Links daneben packt sie einen Kugelschreiber, außerdem einen akkurat gestapelten Haufen kleiner bunter Post-it´s, bemerkt dass sie den Kaffee vergessen hat und stapft aus dem Büro. Ich versuche die klitzeleinen Wörter zu entziffern, die auf dem Dingsda stehen. Leider sind die genauso verhunzt wie das Teil selbst, außerdem interessiert mich der Scheißdreck eh nicht. Ich will Hilfe, keine behinderte Psycho-Bastelstunde.
„Milch und Zucker?“
Frau Misses Sozialarbeiterin säuselt besänftigend als sie die Tassen abstellt. Hat die meine Gedanken gelesen oder schau ich so angepisst aus dass man mit mir reden muss wie mit einer kranken Kuh?
Psychofuzzies.
„Schwarz, heiß und verlängert. So hab ich´s am Liebsten.“
Ich verbrenne mir den Mund,einzig ihr schrilles Lachen ist schlimmer als die verbrühte Zunge. Sie kriegt sich allmählich wieder ein, ich ärgere mich mich über meine Ungeduld als das Brennen wieder spürbar wird. Wieso tu ich mir immer weh? Verfluchte Gier. Scheiß Kaffee.Besser Eiscafé.
Was soll der Zirkus hier?
„Du siehst irritiert aus“, bemerkt Misses Oberpsychologisch, beugt sich nach vorne um das Krüppelinstrument in meine Richtung zu schieben.
„Langeweile“ steht auf der ersten Taste.
„Was tust du für gewöhnlich wenn dir langweilig ist?“
Sie kritzelt meine Antwort auf einen der Post it´s, pickt den rosa Zettel aufs Klavier.
„Wenn du wütend bist?“
Wieder dasselbe Spiel, die nächste Taste wird beklebt.
„Und was treibst du, wenn du dich freust?“
Dieselbe Antwort. Dasselbe Prozedere.
„Bei Erfolg?“
Check
„Und wenn du einsam bist?“
Check.
„Wenn du verliebt bist?“
Taste für Taste arbeiten wir uns durch, ich würd gern wissen was die für den Zirkus bezahlt bekommt? Und wofür die studiert hat. Um bunte Zettel auf weiße zu picken auf denen zwanzig Mal „ficken, saufen, feiern“ steht?
Zufrieden betrachtet sie ihr Werk, schiebt es wieder in die Mitte des Tisches und lässt den Kugelschreiber in ihrer Brusttasche verschwinden. Entweder hat sie Angst dass ich ihr damit ins Herz steche, oder sie will damit intelligenter wirken?
„Fällt dir was auf Maja?“, sie deutet auf den Tisch.
Jede meine Antworten wären ein Ton. Aber jede Antwort ist dieselbe. Das wird keine schöne Melodie, Maja – das ist eintönig.
Wieso? Ich hab doch drei Töne pro Taste – sie soll heut abend mit mir weggehen – ich beweise ihr das Gegenteil!
Sie verneint, wahrscheinlich muss sie zuhause weitere Pappinstrumenten und Metaphern basteln.
Wieso ist die nicht in Behandlung?
„Ich will eine Revanche“, vorsichtig ziehe ich das erste Post-ist ab, frage sie nach IHRER üblichen Reaktion aufs Langeweile. Mal sehen ob ihre Melodie besser klingt.
Nein, das ginge wirklich nicht. Schließlich sei ich ihre Klientin, nicht sie.
„Irgendwas in diesem Land läuft verdammt schief“, murmle ich vor mich hin, als ich ihr Büro verlasse.

#untenohne

Nachdem ich seine Unterhosen die er bei mir liegen gelassen hat,im Netz an irgendwelche Perversen aus China verkauft habe, fühl ich mich besser. Soll er halt den ganzen Tag eierschaukelnd herumlaufen, wenn er glaubt mir nicht zu zu hören. Das lass ich mir sicher nicht gefallen. Was kann ich dafür, dass er ein Unterhosenproblem hat? Unsensibler Idiot.
Wenn er schon eine Staatsaffäre daraus macht, dann sorge ich dafür, dass es eine wird. Drama kann ich auch. Mit dem flüchtigen Hinweis dass ich seine depperten Popowärmer nach Asien vertschechert hab beende ich das Telefonat, ohne ihn ein einziges Mal zu Wort kommen zu lassen.
Rache kann so wunderbar befreiend sein, wenn auch moralisch nicht ganz okay – aber sein wir uns mal ehrlich – es ist wie mit Fremdficken oder Steuerhinterziehung – jeder schimpft darüber – aber jeder macht es.
So, jetzt ignoriere ich den Mistkerl erstmal, damit er weiß wie ernst mir das ist. Meine Probleme sind schließlich viel wichtiger, so ein Egoist aber auch. Ich überlege ob ich nicht Schluss machen sollte, tippe ich die Unhappy-End-Message ins Handy: „Das war’s du ichfixierter, egomanischer Unterhosennazi. Ich hab auch Gefühle du Arschloch. Ich will dich nie wieder sehen. Habe meinen Job gekündigt, die Wohnung auch und verschwinde ins Ausland. Nach CHINA!!!! Für immer. Du eiskalter Gefühlskrüppel. Fick dich.“
Damit er weiß, dass ich es Ernst meine schicke ich noch ein Foto der Chinesischen Mauer hinterher, und eins eines Werbeprospektes vom KIK – kauf 3 zahl 2 – Herrenslips für 5,99. Anschließend sperre ich ihn auf WhatsApp. Diesmal ist es mir ernst – zumindest das mit mit meinen Gefühlen und KIK.
„Aber er hat doch auch Gefühle? Vielleicht wird Penissen beim rumschaukeln schwindelig?“
Der Stimme im Kopf zufolge, wirken die Tabletten langsam. Ich entsperre ihn wieder und schreib Entschuldigung, das müssen die Nebenwirkungen vom den Pillen sein.
Er: Welche Tabletten hast du geschluckt?
Ich: „Vitamin B für die Nerven. Nachtkerzen öl wegen PMS. Magnesium gegen Wadenkrämpfe, Johanniskraut wegen der Herbstdepression, Schwarzkümmelöl wegen der Zecken, Birkenblättertee wegen dem Entgiften und zwei Valium. Sonst nichts! Ich versteh das nicht? Vielleicht ist das eine psychische Überreaktion?
Er: Du bist eine wandelnde Überreaktion mit einem Nahrungsergänzungsmittel Problem!
Ich :Und du hast schaukelnde Genitalien.
Er: Alles gute für deine Zukunft. Ich bring dir deinen Wohnungsschlüssel und deinen restlichen Kram Abend vorbei, das wars endgültig. Es ist aus zwischen uns.
Mir scheint, dass auch er unter PMS leidet. Der Arme braucht Hilfe. Ich löse fünf der Beruhigungspillen in Wodka auf, vorsichtshalber schütte ich auch noch flüssiges Viagra hinein – das kann bei den Downern mit Hochprozentigen sicher nicht schaden? Bisschen ein Ausgleich für den Fall dass es ihn umhaut, seinen kleinen Prinzen sicher nicht! Unterhaltungstechnische Planung ist das A und O um jemand ohne Zustimmung zu sedieren. Aber ich mach das nur zu seinem Besten. Als Zeichen meiner Kompetenz stopf ich noch Vitaminbrause in den Inkognito-Friedensangebotcocktail – wenn er das trinkt geht’s ihm sicher bald besser. Ich bin ja plötzlich auch wieder okay!

Soweit die Theorie.

Als ich mit dem getunten Versöhnungsschnaps vor seiner Türe stehe, wirkt er irgendwie nicht in Partystimmung. Vielleicht weil ich die Hälfte schon auf der Fahrt getrunken habe? Ist irgendwie unhöflich mit ner halb vollen auf Versöhnungssex vorbeizuschauen. Vielleicht liegts aber auch an der Uhrzeit. Ich glaube er trinkt für gewöhnlich nicht am Vormittag.
Was da in der Flasche ist, fährt er mich an.
Wodka, erklär ich. Der wäre schließlich kalorienarm.
Ob ich mir selbst Drogen in den Schnaps geschmissen habe, fragt er als er mir die Flasche aus der Hand reissst, und auf die nicht aufgelösten Pillenkrümel deutet und mich darauf aufmerkam macht das original Absolut nicht grün schimmert.
„Vielleicht ist er schlecht? Probier ihn du mal?“
Er schlingt seine Arme um meine Taille als ich das Gleichgewicht verliere und wie ein nasser Sack über die Treppe stolpere, hält mich im letzten Moment fest und zieht mcih an sich:
„Soso Schätzchen. Nach China? Mit drei Euro fünfzehn wird’s schwierig werden eine passende Verbindung zu finden? Und mit einer Überdosis sowieso.“ , höre ich ihn noch sagen
Verdammt er hat das Spiel durchschaut.