#stillalive

Seine Hand touchiert meinen Kehlkopf, mir stockt der Atem. Wie aus dem Nichts baut sich diese unsichtbar-unerklärbare Wand zwischen seiner und meiner nackten Existenz auf. Zitternd drücke ich ihn von mir weg, so vehement, als ob es ums reinrassige Überleben ginge.
Ich kann ihn nicht mehr ansehen, nicht mehr riechen – alles an diesem Mann ist mir so unglaublich fremd geworden. Sein Schweiß tropft mir ins Gesicht, ich kämpfe gegen den Würgereiz. Hab ich dich nicht mal geliebt?
„Tut das gut?“, fragt er, dickköpfig weiterfickend.
Ich frage, ob er mich ignoriert, oder verarscht.
Er versteht die Frage nicht.
Empathie Behinderung hoch Tausend.
Ich dachte ich könne mit Narzissmus umgehen.
Er legt die Finger um meinen Hals, belehrt mich eines Besseren.

#lastchristmas

Seit ich weiß, wie schlimm es um sie steht hab ich keine Motivation mehr. Für nichts und niemanden. Gebe mein Bestes um sie aufzuheitern, letzten Endes ist alles nur Show. Krebs lässt sich nicht weg-entertainern. Nicht mal für eine beschissene Sekunde lang.
Auch wenn wir so tun, als ob….
Keine Angst, nächstes Jahr zu Weihnachten ist alles wieder gut. Wirst sehen, wir werden darüber lachen. Wir werden unseren Hang zum Drama aufs Korn nehmen, du wirst wieder gesund, versprochen…
Hängender Kopf, ebensolche Schultern…
Bitte gib nicht auf. Der scheiß-verfickte-Tumor ist nicht mal annähernd so stark wie du. Hör nicht auf an dich zu glauben!!!
Gespieltes Lächeln, Resignation in ihrer Reinsubstanz. Ihr Nicken nichts anderes als eine Geste des Aufgebens, keine Kraft mehr um stark zu sein.
And so this is Christmas…

#Advent

Irgendjemand knipst die Lichterkette des Christbaums an – genauso wie die rot funkelnde Kugel über dem Eislaufplatz und dem Bling-Bling-Anzug der Kirche – die Stadt strahlt als wäre ein AKW in unmittelbarer Nähe explodiert. Ich explodiere als der Kerl hinterm Tresen sechs Euro für ne Tasse Glühwein verlangt. Da scheiß ich doch aufs Fest der Liebe. Und auf die pisswarme Container Plörre sowieso.
Wo bitteschön kommen wir denn da hin? Wo ist denn die Relation hin, wenn ich für zehn Tassen von dem Zeug ebenso gut ein Gramm Heroin krieg? Irgendwas läuft falsch in der Welt, ich sage er soll sich den Fusel doch in seinen Hintern schieben und zische wutentbrannt davon.
Ich höre den Punschverkäufer noch irgendetwas von „da sind drei Euro Pfand für die Tasse“ hinterherrufen, ignoriere ihn aber gekonnt.
Immer mehr Menschen tummeln sich rund um die kleinen Holzhütten, die außer überteuertem Alkoholika allerhand anderen Scheißdreck verkaufen. Angefangen von lächerlich aussehenden Bummelmützen, die höchstwahrscheinlich Made in Bangladesch sind über ungarischen Baumkuchen, Murmeltiersalbe, Filzpatscherl aus Polyester oder Räuchermischungen für den energetischen Hausputz – das who is who des Christkindglumperts gibt sich ein Stell dich ein.
Direkt neben dem Weihrauchstand verkauft einer Schnaps. Da fühl ich mich erstmal gut aufgehoben, zum Ersten rennen hier keine hyperaktiven Kleinkinder herum, zum Zweiten will der Typ hinterm Tresen keinen Einsatz für das Shotglas haben und es riecht erstaunlicherweise gar nicht nach Schnapsleichen sondern nach Kirchenorgel.
Ach ja der Räucherheini da drüben.
Nachdem ich mich von A wie Anika- bis E- wie Enzianshot durchgearbeitet habe fallen die ersten Schneeflocken vom Himmel, zeitgleich brummt aus den Boxen über mir „Last Christmas“ um mich schlagartig zu angenehmisieren und in eine debil-nostalgische-Weihnachtsneurotikerin zu verwandeln. Alles was ich noch will ist Weihrauch, Gold und Myhrre. …
„But the very next day you give it away….“
Und noch einen Enzian, bitte.
„I´ll give it to someone special..yeahhhhahhhhaaaa“
Immer dichter wird der Schneefall, genauso wie meine überaus reizende Wenigkeit – als ich schließlich bei Z wie Zirbe ankomme, macht sich ein dezenter Verlust der deutschen Muttersprache bemerkbar.
„Iwillsahln bittschön“, lalle ich über die Theke, an der ich mich mit beiden Händen abstütze um nicht umzufallen. Wie hübsch der Kellner doch plötzlich geworden ist, denk ich mir. Die rote Mütze steht ihm wirklich gut, sie harmoniert mit dem weißen Vollbart und dem dazu passenden Overall. Er erinnert mich an irgendjemand, wen ich bloß wüsste an wen.
„Ho ho ho, Fräulein. Na, bist du immer schön artig gewesen?“, will er von mir wissen. Mir dämmert es langsam, wer er ist. Mit Sicherheit nicht der mit den Spirituosen, der hatte doch gar keinen Vollbart. Naja, zumindest will der auch kein Geld von mir – ist eh praktisch, weil ich gar keins hab.
Ich frag den Weihnachtsmann ob er mir n Hunderter leihen kann, er fragt ob ich ihn einen blase. Das Kind auf seinem Schoß fragt blasen heißt, ihre Mama sage das oft zu Onkel Ferdinand.
Onkel Ferdinand reißt die Kleine aus Santa Claus Armen, stapft mit ihr davon.
Mir wird das alles zu verwirrend hier, nichts wie ab durch die Mitte. Erst als ich wieder an dem Räucherstand ankomme, beruhige ich mich ein wenig. Schließlich weiß ich dass es in der Nähe Hochprozentiges von A bis Z gibt.
Aber erstmal begutachte ich das Sortiment an getrockneten Pflanzen das vor mir liegt – fein säuberlich sortiert und in kleine Plastikbeutel abgepackt, fühl ich mich fast wie beim Dealer meines Vertrauens. Geschätzt hundert verschiedene Päckchen bietet der gesetzte alte Kerl zum Verkauf an.
„Kamma s rauchn a, Chef?“, will ich wissen?
Meine Alkoholfahne dürfte ausreichen um ihn innerhalb von Sekunden auf ein ähnliches Level zu befördern. Grinsend, mit schief gelegten Kopf und hochgezogener Augenbraue überzeugt er mich von der Sinnhaftigkeit des uralten Brauchs, seine Räume in Raunächten auszuräuchern um somit negative Energien zu vertreiben. Alles was man dazu bräuchte wäre etwas Kohle, Sand, Weihrauch und- je nachdem welchen Effekt man erzielen möchte- das passende Kraut.
Ich entscheide mich für ein Zeug namens „Iriswurzel“, deren Beschreibung verspricht, seelische Blockaden zu lösen und das andere Geschlecht magisch anzuziehen. Klingt wie Kokain, isses aber nicht.
„Kohle, Sand, Gefäß, Iriswurzel – das macht dann dreiundfünfzig Euro und zwanzig Cent, Fräulein.“
Ich frage ob ich auch mit Karte zahlen kann, er bejaht.
Leider akzeptiert er keine Billa-Karte als Bargeldersatz….

#champagner

Und während ich mich immer noch frage, was zum Teufel letzte Nacht eigentlich passiert ist, übernimmt ein weibliches Wesen namens Pamela den Alphatier-Posten unserer Opposition. Außerdem ziert sie die Titelseite sämtlicher Tageszeitungen, beim ersten Hinschauen denke ich mir Bowie ist zurück – Pam´s Ähnlichkeit mit Mister Space Oddity ist verblüffend. Als wäre sie die weibliche Reinkarnation meines Helden…
Turn and face the strange.
Mister L. fühlt sich vernachlässigt, ich würde viel zu wenig Zeit für ihn haben, das hätte alles keinen Sinn mehr. Er macht Schluss mit mir. Per Sms. Ich frag mich, ob die Rendi-Wagner ne Sau im Bett ist, leider weiß Google auch keine Antwort.
Dafür hat Hofer endlich wieder Champagner! Wenn das kein Grund zum Feiern ist!
Kaum hab ich die Kartons in den Kofferraum gepackt, ruft Olga an. Super Timing, denke ich. Nein, sie wolle keinen Schampus saufen, erklärt sie mir.
„Bist du krank?“, frag ich sie, als ich den leeren Einkaufswagen zurück schiebe.
„Ja, ich hab Krebs.“
Ihre tränenerstickte Stimme lässt mir das Blut in den Adern gefrieren, lähmt mich vom Kopf bis zu den Zehenspitzen hinab.
„Aber ich hab Champagner eingekauft. Soll ich denn jetzt etwa alleine trinken?“
Olga lacht.
Zitternd öffne ich die Autotür, lass mich auf den Sitz fallen, drücke meinen wummernden Schädel aufs Lenkrad….
Changes…

#Deadlinetarzan

Mia und Ron liegen seit Stunden im Schlafzimmer, er im Tiefschlaf, sie beim Schafe Zählen. Mit jedem seiner Schnarch Tiraden stirbt eins ihrer flauschigen Einschlafhilfen, sie hält seine Nase zu. Drückt ihr Kissen auf sein Gesicht. Nach Luft japsend wacht er endlich auf.

Mia: Schatz, du machst komische Geräusche

Ron: (schnaufend): Ich hab geträumt, dass ich ersticke.

Sie krabbelt aus dem Bett um das Fenster zu öffnen, ein wenig Sauerstoff
sollte den Mann beruhigen, denkt sie sich als sie sich wieder an ihn
kuschelt.

Mia: Ich kann nicht schlafen.

Ron: Was ist denn los Babe? Hattest du auch einen Alptraum?

Verständnisvoll schlingt er seine Arme um sie, zieht sie so nah wie
möglich an seinen nackten Körper.

Mia: Nein, aber ich hab so viele Dinge im Kopf, die mir keine Ruhe lassen.

Ron: Willst du darüber reden?

Mia: Scheiß auf Kommunikation, es lebe die Penetration!

Fünf Minuten später

Ron: (schnaufend) Boah was für ne Nacht! So was hab ich noch nie erlebt – du
geiles Luder machst mich vollkommen verrückt.

Mia: Warum hat Tarzan eigentlich keinen Vollbart? Ich meine der Kerl ist
ständig im Urwald und dennoch immer glattrasiert. Da stimmt doch
irgendwas nicht.

Ron: Echt jetzt? Es ist drei Uhr morgens, ich bin mitten im post-orgasmic-
chill-modus und du willst über Tarzan reden?

Mia: Wär dir der Kickl als Gesprächsthema lieber?

Ron: Dir sollte mal jemand den Mund stopfen

Mia: Schon wieder?

Ron: Durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Dschungel würden Haare im Gesicht
stören, deswegen wachsen den ganzen Urvölkern auch keine Bartstoppeln.

Mia: Aha.

Ron: Schlaf gut.

Mia: Und was ist mit Affen? Die haben doch überall Haare.

Ron: Schatz, bitte.

Mia: Glaubst du dass Tarzan nur mit Jane gevögelt hat? Vielleicht hat er bei
Chita geübt? Vielleicht ist das HI-Virus so auf den Menschen übertragen
worden? Vielleicht war auch Mogli nichts anderes als ein
Affenvernaschendes Mistviech?

Ron: Halt endlich die Klappe, oder…

Mia: Oder was?

Ron: Oder ich setz dich im Urwald aus.

Mia: Ich dich auch.

Ron: Schlaf gut.

Mia: Hast du einen Bolzenschneider zu Hause?

Entschlossen steht er auf, visiert die Kommode an, krallt sich die Rolle
Paketband aus der Schublade ehe er zurück zu der Irren in seinem Bett
kriecht…..

#Billa

Ich hätte längst die Kontrolle verloren, außerdem würde ich ohnehin machen was ich will.
Schön! Du Depp! Du willst doch nur, dass ich tue was du willst! Kontrolle? Wozu???
Am Ende bereut niemand fehlende Tugenden! Leben heißt Kontrollverlust du Idiot, ich bin nicht auf der Welt um dir Rechenschaft schuldig zu sein. Ich will L E B E N ! Niemand lamentiert am Sterbebett über mangelnde Normen! Bereuen tut man nur was man nicht gewagt hat…
Den flüchtigen Fick am Bahnhofsklo, die Nase mit dem illegalen Pulver, die kleine Kellnerin mit den riesigen Titten, der Gang Bang in der Tiefgarage, das eigenartig aussehende Sushi ausm Supermarkt, der unbekannte Kerl neben dem Sushi, pures gegrilltes Gluten plus einem Hektoliter Bier zum Frühstück, die unnötige Schlägerei im Autobus, den geliehenen Wagen auf über zweihundert Sachen treten während die fünfte Dose Gin Tonic zerknüllt aus dem Fenster fliegt. Cést la vie.
„Du bist vollkommen durchgeknallt!“
So deppert ist er nur wenn er untervögelt ist, aber ich bin zu sauer um ihn zu stabilisieren.
„Fick dich doch du engstirniger Spießer! Lieber gestört als langweilig, such dir doch eine Billakassiererin.“
Der hat gesessen, die Ader an seiner Schläfe scheint kurz vorm explodieren. Memo an mich selbst – Billa scheint sein wunder Punkt und damit mein zukünftiges Ass im Ärmel zu sein.
Bitte lieber Gott mach dass er keine Wurstblattelverkäuferin bumst. Scheiß aufs Ass, da ist mir sogar die vom Bosporus lieber. Oder von mir aus die Hornhauthobelverkäuferin. Aber bitte nicht die Feinkostfuffie.
Er reißt seinen Schlüsselbund an sich, sucht konzentriert nach einem Gegenargument.
„Du kannst mir meinen Haustürschlüssel nicht zurückgeben, den hab ich schon. Falls du dich erinnerst, haben wir vorgestern zum letzten Mal Schluss gemacht.“
Siegessicher verschränke ich meine Arme vor dem Oberkörper, will den Moment des Triumphs für eine Sekunde auskosten.
„Ich such nicht nach deinem Haustürschlüssel, sondern nach dem für die Gummizelle in die ich dich einsperren werde.“
Hat er doch tatsächlich ein Quäntchen Schlagfertigkeit in seiner Hosentasche gefunden? Oder liegt´s an der Billatante?
Vorsichtshalber fasse ich in seinen Schritt; danke Herr im Himmel! Keine Erektion ist gleich keine Wurstblattlfiffie Fickgeschichte.
Sein Penis wirkt nicht weniger irritiert als er selbst, ich nutze die kurze Auszeit um zu flüchten und mich endlich der teuer erkauften Scheinharmonie hinzugeben. Ohne alles geht nur allein….

#Sandwich

Mit weit aufgerissenen Augen starrt die nette alte Dame in meine Richtung, ihr Bick scheint nach Hilfe zu schreien, noch bevor sie den Laut verbalisieren kann, steckt ein Plastikball zwischen ihren Lippen. Beim genauen Hinsehen, erkenne ich das Logo der AFD auf dem Knebel der winselnden Madame, deren Kurzhaarfrisur zur aktuellen Sturmwarnung passt. Wie zum Beweis, wuschelt der Kerl in rot nochmal durch ihre Federpracht, ehe er den Riemen über ihrem Hinterkopf so fest wie möglich zieht.
Er selbst steckt in einen knallroten Overall, seine Erscheinung strauchelt irgendwo zwischen Sheldon Cooper und Christian Kern, zum Glück sehe ich eh doppelt da muss ich mich wenigstens nicht entscheiden. Richtig schräg wird’s erst als Jair Bolosnaro mitten ins Geschehen platzt, den AFD Gag ball gegen eine Handgranate austauscht und höhnisch zu lachen beginnt, als er den Stift zieht.
So laut, dass ich schweißgebadet mitten in zerwühlten Laken aufschrecke, panikgebeutelt nach Luft japse und Gott anflehe nicht in Brasilien zu sein. Weder die Abwesenheit von Sambaklängen, noch die Tatsache immer noch kein spanisch zu sprechen, überzeugen mich von der Realität.
Vorsichtshalber rufe ich in Deutschland an. Frage nach, ob Angie gesprengt wurde. Aus DSGVO Gründen könne mir das niemand verraten, meint die Tussi am Ende der Leitung. Für was haben die dann ein Ordnungsamt? Verfluchte Hirnwichserei, danke fürs Gespräch und möge Sie der Blitz beim Scheißen treffen.
Ich atme zehnmal tief durch, bin dennoch so entspannt wie ein unkastriert- überzüchteter Rottweiler mit latent homosexuellen Tendenzen. Scheiß aufs Atmen, ich brauch was Stärkeres als Luft. Ob die DHL schon da war?
Zeitgleich mit dem halbsynthetisch-analgetischen Opioid, finde ich auch einen kleinen Schmierzettel in meinem Briefkasten.
„Leider warst du nicht zuhause. Melde dich. Liebe Grüße Benjamin.“ – auf dem einen Blatt Papier, inklusive einer Nummer die ich anrufen soll.
Das andere Stück ohne Wörter, dafür gekonnt gefaltet und mit braunem Pulver gefüllt. Seit wann liefert Benjamin Heroin zeitgleich mit Identitätsbekundungen auf zerrissenen Kassenzetteln? Wozu die Mühe? Wozu analog, wenn er doch mein Facebook, WhatsApp und Instagram kennt?
Ich beruhige mich erst, als die dritte Nase immer noch keinen Brechreiz auslöst – who the fuck ist Benjamin? Opiate sind so geil ohne Kotzen!
Mister L. ist nicht begeistert, als ich ihm von der analogen Nachricht erzähle, ganz im Gegenteil. Sein Gezicke nervt, ich lege auf bevor er sich beruhigt und einen triftigen Grund zum rumspinnen bemerkt. Doch noch ehe er mir Gelegenheit gibt, meinen Drogenkonsum abzustreiten, kann ich das Quietschen seiner Reifen hören, dicht gefolgt von einem dumpfen Knall vor dem Fenster.
Als ich nachsehe, was den Lärm verursacht hat, entdecke ich außer seinen knackigen Hintern, der soeben wieder in seiner Karre verschwindet, einen Beutel auf dem Fließen Boden. Der dürfte wohl Auslöser des Bumms gewesen sein, was zum Teufel ist das?
Als sein Auto in hörbarer Entfernung brummt, husche ich nach draußen um das Klatschdings zu inspizieren. Außen Müllsack, innen mein Kram – Unterhosen, Short, Tampons und ne Zahnbürste leuchten durch den durchsichtigen Plastikbeutel. Außen pfui, innen hui. Clever Mülltüte umhüllt Phillip Plein Shirt. Nobel geht die Welt zu Grunde.
Benjamin von vorn, Mr. L. von hinten.Sandwich hab ich mir irgendwie anders vorgestellt, ganz ohne Zettel und Dreckwäsche….

#Istanbulisiert

Schreib doch einfach fertig.
In einer Stunde wirst wohl endlich soweit sein, ich habe Hunger.
Außerdem müsste doch noch genug Zeit sein um mir die Nudel ab zu kauen, es ist Feiertag.
Klappe den Rechner zu, parke ihn entnervt am Rand des Sofas um mich voll und ganz auf seinen ungelutschten Penis zu konzentrieren. Wir wollen doch nicht, dass er sich vernachlässigt vorkommt. Schon gar nicht am Nationalfeiertag. Weil wir wissen was er tut, wenn er sich nicht angehimmelt fühlt – er schreibt mit der türkischen Drecksfotze namens Kathi. Je ambitionierter ich blase, desto mehr geistert das Weib durch meinen Kopf; vermutlich auch durch seinen.
Drücke das steinharte Ding in meinen Rachen, so tief bis mein Würgereflex guten Morgen sagt und mir Tränen in die Augen treibt. Ein kurzer Blick nach oben bestätigt meine Annahme – ich bin nicht die einzige mit emotional grenzwertigem Blick. Er japst um Luft, wischt sich mit dem Handrücken übers Gesicht, brabbelt unverständliche Wortfetzen vor sich hin.
Ich schlucke erst runter, bevor ich ihm sage, dass ich kein türkisch verstehe. Sein postkoitales Blablabla wird schlagartig wieder sehr verständlich, außerdem klingt es nicht gerade Oxytocin geschwängert – ich glaube viel mehr einen Anflug von Adrenalin herauszuhören:
„Hör endlich mit dem Scheiß auf, es ist nicht mehr lustig. Als ob du eine Heilige wärst!“
Ob ich noch Spermareste im Gesicht hab, versuche ich das Thema zu wechseln.
Wenn Blicke töten könnten, würde ich jetzt in Flammen aufgehen. War der eigentlich immer schon so spaßbefreit? Er hat doch eben ejakuliert? Vielleicht ist er unterzuckert? Oder unter-istanbulisiert? Ach, wer weiß das schon so genau.

Die ruhige Zeit
Ist lang vorüber
Und a die Psych
Host hinter dir
Von H und Koks
Ist wenig über
Sag ma wo
Krieg ich jetzt noch was her
Ruf glei die Feierwehr

Ich schmeiße alle Besserungsvorsätze über Board- und mich selbst über die Häuser. Soll er doch jemand anders anzicken, ich hab die Schnauze gestrichen voll von seinen Menstruationsbeschwerden. Zuhause angekommen reiße ich erstmal sämtliche Fenster auf – ein wenig Frischluft könnte bestimmt nicht schaden. Fünf Stunden später erwache ich vor Kälte zitternd auf der Couch, wieso ist denn das schon wieder dunkel da draußen?
Hauptsache ich bin gut durchgelüftet und reaktiviert. Selbstzerstörung ist schließlich ein anspruchsvolles Unterfangen, da sollte man ausgeruht sein um sich aufs Wesentliche konzentrieren zu können.
Hoch wie nie. Für einen Stoßseufzer lang, ehe es zurück nach unten geht. Tief unten.
Überlebensticket, wo bist du?