#Sommer

Sommer liegt in der Luft, die Atmosphäre in diesen Tagen kribbelt vor Aufregung. So viele glitzernde Augen sieht man nicht mal beim Sommerschlussverkauf im Einkaufszentrum.
Abgesehen vom Alkoholverkauf lässt die Vorfreude auf das kollektive Dauerbesäufniss auch die Temperatur in den schmalen Gassen der Innenstadt ansteigen. Kirchtag ist! Villach säuft. Italien eskaliert. Und ich versuche die Contenance in Person zu verkörpern- ich bestelle tatsächlich Wasser. Nein, ich will mich nicht waschen sondern das Zeug trinken.
Meine Gang fragt ob ich sehr krank bin. Ich sage nein. Der Besoffene Sack am Nebentisch fragt, ob ich schwanger bin. Ich sage nein, nur fett.
Mama schenkt mir Wein ein, bemerkt beiläufig dass auch Schwangere hin und wieder ein Glas heben dürfen, schließlich hätte sie das auch getan als sie zu mir trächtig war. Kralle mir die Flasche Welschriesling aus dem Kühler, setzte sie an um sie aus zu trinken.
„Ja Mama, hast Recht. Immerhin ist ja aus mir was geworden. Kannst ruhig mal meinen AMS Berater fragen.“
Gekonnt ignoriert sie meinen Provokationsversuch, dreht sich auf die andere Seite um eine Diskussion zum Thema Dammschnitt und Wehen Einleitung mit dem unbekannten drei-Prommiler anzufangen.
Trotzig schütte ich das Wasser in den Blumentopf vor uns, ehe ich ihn unbemerkt in die Handtasche meiner Mutter stopfe. Schließlich lasse ich mich nicht ignorieren. Als der Kellner vorbeikommt, flüstere ich ihn ins Ohr: „Hören Sie mal, die alte Frau neben mir klaut eure Tischdeko.“
Vermutlich ist er der deutschen Muttersprache nicht mächtig, denn anstatt die Polizei zu rufen zuckt er mit den Schultern: „Meine Kollege kommen gleich. Ich nichts zuständig für scheiße Buschkawettel. Ich nur Klo kassieren, da keine Blumen nur Papier auffüllen.“
Olga fragt wieso ich mit dem Scheißhauschef anbandle, ich könnt mindestens einen von den Türstehern abkriegen. Meine bedauernswert immer noch unverhaftete Mutter bemerkt die untergejubelte Beute erst im nächsten Bierzelt. Ihrem resigniertem Kopfschütteln folgt ein: „Das Kind war immer schon schwierig.“
Vermutlich weil sie in der Schwangerschaft gesoffen hat. Irgendwer muss doch Schuld an meinen offensichtlichen Defiziten tragen.
Olga will wissen ob wir die Blumen nicht rauchen können. Mama sagt, Olga soll schlafen gehen so angesoffen wie sie ist. Olga sagt, ey ey Kapitansky, lässt sich unter den Tisch fallen um auf den versifften Pflastersteinen ein Nickerchen zu halten.
Höchstwahrscheinlich hat auch ihre Erzeugerin gesoffen, als Olga noch ein Embryo war.
Lachende Feierwütige zucken sofort ihr Handy um das Rauschgerät unter uns zu fotografieren. #Kirchtagsopfer.
Nach dem gefühlt dreitausendsten Schnappschuss schreckt Olga plötzlich auf, stoßt sich den Kopf an der Tischplatte, brüllt lei lei und fragt nach einem Krapfen. Tante Uschi zieht an ihrem Ohr, behersch dich bitte, Fasching war schon.
Rappeln uns auf, ziehen weiter. Flanieren raus aus dem Trubel, runter zur Drau. Vorbei an Horden wildpinkelnder Freizeitsäufer, fummelnder Volksschüler und tiefenentspannter Kiffer, während über uns die Post abgeht. Wärmen längst vergessene Saufgeschichten auf, als es aufeinmal hinter uns knallt.
Wie aus dem Nichts klatscht der Körper auf den Asphalt, aus der Nase und dem Mund des jungen Mannes läuft Blut, außer seinem röchelnden Atmen ist nichts zu hören. Ich rufe den Notarzt, während das Blitzlichtgewitter über unseren Köpfen einsetzt. Erstmal ein Foto für Facebook, social media für ganz asoziale. Ich zweifle an der Menschlichkeit der Gaffer, schicke ein stilles Stoßgebet nach oben: Herr lass es Empathie regnen.
Schöne neue Welt.
#Fuckdigitalism
#Fucksocialmedia

Schriftverkehr ohne Ingwer

Mister DJ schreibt, dass er mich ficken will. Mister VAWK schreibt, dass er mir gern ins Gesicht wichsen würde. Der abgefuckte Borderliner mit den riesigen Augen schreibt, dass er ein Bild meiner Brüste haben will. Der kleine Afghane schickt mir ein Wichs-Video. Natalia schreibt, sie weiß wer ich bin – der Vater ihres ungeborenen Balgs. Außerdem hat sie die Zeugung heimlich gefilmt, um mich damit zu erpressen.

Gaddafis Schwester schreibt, sie würde finanzielle Hilfe brauchen um in Europa Fuß zu fassen. Monsieur Michel schreibt, dass sein Schwanz ganz hart ist. Der Womanizer fragt, ob ich wieder mal in der Stadt wäre. Die Stadt Lausanne schreibt irgendwas französisches, wahrscheinlich wollen die Geld von mir. Die Stadt Klagenfurt schreibt, dass sie Geld von mir will. Die GIS schreibt, dass sie Geld von mir will. Zalando schickt die dritte Mahnung, während ich den Exekutionsbescheid öffne. Das Gericht schreibt, dass mein Dienstgeber die offenen Strafzettel bezahlen wird. Mein Dienstgeber schreibt, dass ich gekündigt bin.

Mein Neffe schreibt, ich soll ja nicht ans Telefon gehen. Sein Bruder schreibt, er hätte letzte Nacht ins Aquarium gewichst. Anja postet Fischpenisse. Ich frage Nordsee oder Beate Ushe? Steffen schreibt, mit Ingwer schmecken die Dinger weltklasse.

Che schreibt, hasta la victoria siempre. Ich verstehe leider kein italienisch. Aber ich glaube Viktoria war eine Hure.

Elena schreibt, ob es mir gut geht. Ich schiebe mir ein Stück Ingwer in den Arsch um nicht wahnsinnig zu werden und schreibe tutto bene.

 

 

 

Air Condition für Fortgeschrittene

Viel zu schnell ist die laue Sommernacht vorbei, so wie immer wenn man sie mit dem richtigen Menschen verbringt. Spüre seine Arme um mich, wünschte jemand könnte die Zeit anhalten.

Bin spät dran, hektische Suche nach einem Slip verläuft im Sand, Zeit für´n  Frühstücksfick ist Wunschdenken. Ich  muss unbedingt zurück nach Hause, zehntausend unerledigte Dinge lassen mich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Stadt hetzen. Hoffe den Zug noch zu erwischen.

Seelenlose Betonbunker speichern die Hitze und schmeißen sie mit doppelter Intensität zurück, insgeheim bin ich dann doch froh, unter dem Fick-mich-Fummel nicht auch noch Unterwäsche tragen zu müssen.

Allerdings scheint auch der Board-Service Mensch meine zentrierte Air-Condition für ganz Arme zu bemerken, als ich für einen Moment einschlafe und mir das Kleid nach oben rutscht. Seiner Gesichtsentgleisung zufolge, hat er heute noch keine Muschi gesehen; abgesehen von meiner.  Beiße mir auf die Zunge, um nicht laut zu denken, grinse ihn stattdessen dreckig an.

Sein Teint wechselt von Wasserleiche auf Nothammer, gespielt-beschäftigt läuft er an mir vorbei.

Hab beinahe vergessen, wie lustig  Exibitionismus ist.

Schlafe mit einem Lächeln im Gesicht ein, immer wieder rauschen Bildfetzen  vergangener Nacht durch den Kopf. Träume von seinen Händen auf- und seinem Schwanz in mir. Masturbieren wäre schön.  Masturbieren lassen schöner.

Erwache, als der Zug bremst. Desorientiert und fickerig schau ich in tiefschwarze Augen, die mich von der gegenüberliegenden Seite des Abteils mustern.

Wo kommt denn das Schnucki auf einmal her?

Dich schickt der Himmel, Baby.

Sein oranges Shirt spannt an den richtigen Stellen, was man von seiner Jeans leider nicht behaupten kann. Die schulterlangen Haare schauen noch verstörter als meine eigenen aus. Als wäre das Chaos aus dem Gehirn ins Umland geflohen um dort eine Revolution anzuzetteln.

Schnucki sieht verlegen zur Seite, als er meine Blicke bemerkt.

Ich mag es, wenn sie so schüchtern sind. Das sind oft  die irrsten Freaks im Bett.

Gott sei Dank kühlt die Klimaanlage den Wagon auf knapp über dem Gefrierpunkt, ansonsten würd ich mein Gegenüber wohl auf der Stelle bespringen- Kopfkino in HD kickt mich noch einen Tick höher, als ich es ohnehin schon bin.

Wie sein Schwanz wohl aussieht? Wie er sich anfühlt, ob er hart fickt oder doch eher zärtlich?

Als hätte er meine Gedanken gehört, dreht er sich plötzlich in meine Richtung, starrt mir in die Augen,  legt mich mit Blicken flach. Und es sind nicht die von der zärtlichen Sorte. Ganz im Gegenteil.

Kann mal jemand die Klima einen Gang höher schalten?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Comeback des Womanizers

Jedes einzelne Abteil des Zuges ist bis zum Rande vollgestopft mit verschwitzten Reisenden, das Gepäck hinter mir herschleppend suche ich nach einem einzigen leeren Sitz; vergebens.

Mit einem kurzen Zischen öffnet sich die Tür zum Speisewagen, und doch fühle ich mich, als würde ich gegen eine Wand laufen. Kein Wunder das der Waggon der einzige ist, fast der leer ist, es hat bestimmt tausend Grad hier. Abgesehen von einem dunkelhäutigen Mann, einer älteren Frau mit Dackel und mir hält sich kein anderer Fahrgast da drinnen auf.

Eine ankommende Mitarbeiterin entschuldigt sich für die ausgefallene Klimaanlage, sie wirkt äußerst verzweifelt und mitleidserregend. Verständlich wenn man in einer Uniform durch die Sauna läuft und dabei verschwitzte Leute nach der Fahrkarte fragen muss. Eigentlich eh ein Scheiß Job.

Setze mich ans Fenster, reiße solange am Griff, bis sich die Selbstmordschutzvorrichtung löst und ich es öffnen kann. Der durchstreifende Windhauch und ein großer Schluck der eiskalten Cola lassen mich erleichtertet Seufzen.

Ich bin endlich unterwegs zu Jan, mit einer Woche Verspätung ist meine Lust auf ihn ungebrochen und steigt genauso wie die Temperatur mit jedem Kilometer, an dem ich näher zum vereinbarten Treffpunkt komme.
Tief in Gedanken versunken schaue ich aus dem Fenster als ich das Summen neben mir bemerke, ein kurzer Blick aufs Display bestätigt meine Vermutung: Nachricht von ihm.

„Ich will dass du dir das Vibro Ei in die Muschi schiebst. Jetzt sofort.“

Verstohlen suche ich in der Tasche nach dem kleinen, ferngesteuerten Vibrator und mache mich auf den Weg in die Toilette, als die nächste Nachricht von ihm kommt.

„Dort wo du jetzt bist, nicht aufs WC verschwinden.“

Eine Gänsehaut läuft mir über den Rücken, woher weiß Jan was ich vorhabe? Beobachtet er mich etwa? Oder hat er einfach geraten?

Nach kurzem Überlegen tippe ich auf die dritte Möglichkeit, verschwinde für einen Augenblick in dem abgefucktem Klo, steck mir das rosafarbene Ei tief in die bereits völlig durchnässte Spalte und nutze die Gelegenheit um mich frisch zu machen, es dauert nicht mehr lange bis ich in der Hauptstadt ankomme.

„Sehr geehrte Fahrgäste wir erreichen in wenigen Minuten Wien Hauptbahnhof“

Die Durchsage kommt genau richtig, ich packe mein restliches Zeug hektisch zusammen und mache mich bereit zum Aussteigen.

Der wuselnde Pulk am Bahnsteig macht es mir unmöglich den Traum meiner schlaflosen Nächte zu finden, wozu auch, der soll gefälligst mich suchen.

Kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, krallt sich eine Hand meinen Arsch. Erschreckt drehe ich mich um und tatsächlich: Jan.

Hypnotisiert von seiner Aura schlinge ich meine Arme um ihn, er packt mich am Hinterkopf, zieht mich an sich und ich verliere mich im darauffolgenden Kuss. Verliere mich ich Ihm. Verliere mich in seinem berauschenden Geruch.

Filmreifer hätte es auch Steven Spielberg nicht hinbekommen.

Als wir uns voneinander lösen, sind wir die Einzigen die zwischen den zwei wartenden Zügen stehen; unfähig einen Schritt zu tun, weil die verdammten Knie weich geworden sind.

„Schön dass du gekommen bist.“ Der Klang seiner Stimme lässt mich um mein Haar die Fassung verlieren; es könnte aber auch am laufenden Vibrator liegen, der nach wie vor in mir steckt.

Er nimmt meine Hände in seine und schaut in dem Moment aus, wie ein kleiner Junge, der sich zum ersten Mal verliebt hat; riesengroße Augen glänzen mir entgegen.

Während ich noch probiere mich dem perfekten Moment hinzugeben, laufen tausend Gedanken durch meinen Schädel.
Soll ich ihm sagen, dass ich jede Sekunde ohne ihn zu sein gehasst habe? Dass ich mich in ihn verknallt habe? Soll ich einfach so tun, als wäre er nichts anderes als ein netter Zeitvertreib? Soll ich mich einfach komplett unnahbar geben? Soll ich mich einfach betrinken?

„Ich muss aufs Klo.“

Danke liebes Gehirn. Genau nach der Ausrede hab ich gesucht, die lässt so viel Interpretationsspielraum. Souverän war gestern. Fotze.

Seine Gesichtszüge werden noch eine Nuance weicher, ein verschmitztes Lächeln huscht über seine Lippen.
„Na du kleines Luder, willst den Fipsi nicht etwa schon wieder rausmachen?“

Vorsichtig tastet sich seine Linke unter meinen Rock, ich bin so heiß auf ihn, dass ich mich am liebstem gleich hier auf der Stelle von ihm nehmen lassen möchte.

Mein Becken tanzt bereits in den bekannten Fickbewegungen gegen seins, seine Finger streicheln erst über meine Wirbelsäule, kratzen am Nacken ehe sie sich am Hinterkopf in meinen Haaren vergraben.

Als ob die Luft nicht schon heiß genug wäre, dreht sein Atem im Nacken noch mal den Thermostat nach oben, ich wäre dann soweit um wahnsinnig zu werden.

Verspielt tänzelt die Zungenspitze über die Konturen von meinem Ohr, ich weiß nicht ob die Innenseite meiner Oberschenkel schmilzt als seine Hand dort bemerke; unaufhaltsam nach oben wandernd.

„Maja, irgendwie bist ein bisschen durch den Wind, was?“

Geschickte Finger haben meinen Tanga längst auf die Seite geschoben. Zärtlich streichelt er mich, teilt die kleine Furche zwischen den Schamlippen und dringt in mich ein. Das vibrierende Plastikgerät und seine Finger sind einfach zu viel auf einmal.

Ich beiße mir auf die Lippen um nicht laut zu stöhnen als es mir kommt, zeitgleich fährt einer der Züge ab und ein Schaffner kommt in unsere Richtung. Perfektes Timing.

Jan zieht die Hand zurück, nimmt mein Gepäck und wir verlassen den Bahnhof, meine Beine sind wackelig und das Vibro Ei ist immer noch in mir.

Noch bevor wir in eins der Taxis einsteigen flüstert er mir zu:

„Du hast die Aufgabe im Zug nicht so erledigt wie ich dir sie aufgetragen habe. Dafür wirst du dem Taxifahrer den Schwanz lutschen.“

Mit offenem Mund starre ich ihn an und frage mich, ob ich eben richtig gehört habe.

„Mach den Mund zu, Maja. Den wirst du gleich weit genug aufmachen müssen.“

Aus dem schwarzen Mercedes vor uns, steigt ein ebenso dunkler Kerl aus, lächelt uns zu und verstaut meine Tasche im Kofferraum.

Frau Misses Unkaputtbar feiert hart

Eitelkeit ist die größere Hure als Stolz. Das Schlafzimmer rotiert noch schlimmer als vor zwei Stunden. Scheißdreck. Vielleicht sollte ich mir einfach eingestehen, dass ich keine 18 mehr bin. Die ganze Nacht durchfeiern ist nicht mehr. Zumindest nicht, ohne einen Regenerationstag einzuplanen.

Aber nein; Frau Misses Unkaputtbar weiß es wieder mal besser und gibt einen feuchten Dreck auf das was andere denken.

Das Resultat meiner Überheblichkeit äußert sich recht heftig, zwingt mich in die Knie, als ich den Versuch starte, wieder gesellschaftsfähig auszusehen. Kaum aus dem Bett raus, scheint das Oberstübchen Millimeter vor der Explosion zu stehen. Und ich dachte immer Migräne wäre ein Synonym für „kein Bock auf ficken“.

Falsch gedacht. Nur um ganz sicher zu gehen, fasse ich zwischen meine Beine… Keine Spur von keiner Lust. Ganz im Gegenteil.

Hatte ich nicht mal einen Kerl hier drinnen? Wohin ist der verschwunden?

Torkle Richtung Wohnzimmer, dort angekommen bestätigt sich mein Verdacht. In Embryonalstellung zusammengekauert kuschelt sich ein Nackter gegen eines der Raubtiere. Dessen Schnurren dürfte auch die Ursache meines Schwindels sein. Oder die Unmengen an Wodka Bull und Koks vergangene Nacht.

Schuld ist immer die Katze.

Gebannt beobachte ich die zwei Turteltauben, doch egal wie sehr ich mich auch anstrenge ich komme nicht drauf, wer der Unbekannte auf dem Sofa ist.
Vielleicht hilft ja ein Kaffee. Starte die Maschine und stell mich erstmal in die Dusche; kaltes Wasser soll ja Wunder wirken.

Kokain auch.

Schlüpf in den Bademantel, den Rest des weißen Pulvers auf die Waschmaschine schüttend, hektisch und gierig suche ich nach einem Strohhalm. Und siehe da -tatsächlich macht es den Anschein, alles wäre in bester Ordnung.

Und trotzdem: Irgendetwas ist anders.

Stetig schneller steigt der Takt des roten Muskels unter meiner Brust, neurotisch gegen die Rippen hämmernd zwingt er mich zu Boden. Blut tropft aus der Nase, scheiße ich glaub diesmal hab ich es wirklich übertrieben, bekomme keine Luft mehr, das wars dann wohl.

Verzweifelt versuche ich einen Punkt zu fixieren, mich von den Gedanken gleich zu krepieren zu verabschieden, doch es ist vergebens. Scheiße, ich kann jetzt nicht sterben, meine Wohnung sieht aus wie eine Müllhalde.
Außerdem bin ich heut Abend verabredet, ich muss ihn unbedingt wiedersehen.

Whoop. Whoop.

Stemme mich auf das Waschbecken, klatsche mir eiskaltes Wasser ins Gesicht und versuche an was Schönes zu denken. Tief einatmen, das wird schon wieder.

Ziehe mir eine herumliegende Short und ein Top drüber, sollte einfach mal an die frische Luft gehen um wieder klar zu kommen.

Kaum dort angekommen, beginnt der Kampf von vorn. Höllisch brennt die Sonne in meinen blutunterlaufenen Augen, stetig schneller werdender Herzschlag und das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen lassen mich in Panik ausbrechen. Kalter Schweiß läuft mir über die Schläfen und die ganze Welt beginnt sich wieder um mich zu drehen.

Zurück Richtung Eingang wankend höre ich das Klingeln, doch kann nicht mehr reagieren. Das Fahrrad erwischt mich frontal, ohne Möglichkeit ihm auszuweichen klatsche ich mit dem Hinterkopf auf den Asphalt.
Und plötzlich geht das Licht aus.

Über Stilettos, Syphilis und Schmetterlinge im Bauch

Als ich seine Mail im Posteingang entdecke, schlägt das Herz Purzelbäume, freue mich wie ein kleines Kind auf den Osterhasen.

Bin mit meiner besten Freundin in die Stadt gefahren um zu shoppen, beginne mitten auf dem Gehsteig  zu tanzen.

„Hast jetzt deine fünf Minuten? Oder nur  vergessen deine Tabletten zu nehmen?“

Drehe mich einmal im Kreis und strecke ihr die Zunge raus.

„Juhu… Er hat sich gemeldet.“

„Wer?“

„Na das Oberschnucki aus Klagenfurt. Weißt eh, der von letzter Woche.“

„Also bei deinem Männerverschleiß kann man schon mal den Überblick verlieren. Meinst den Womanizer?“

„Ja genau den.“

Wir spazieren eine belebte Straße entlang und bleiben vor dem Schaufenster eines italienischen Schuhladens stehen.

„Sag mal hast dich ein bisschen verknallt, oder wieso strahlst du so?“

„Ach was. Das ist nur rein körperlich.“

„Nein, ich kenne dich. Wenns dir nur um Sex gehen würde, hättest anders reagiert. Ganz ohne dabei zu tanzen. Jetzt zeig endlich was er geschrieben hat.“

Ich öffne die Mail ,Ellena schnappt sich das Telefon, und während wir den Laden betreten liest sie die Nachricht laut vor: „Ich bin froh, dich kennengelernt zu haben und habe seit unserem Treffen jeden Tag an dich gedacht. Das Date war wunderbar. Hast du am Samstag Zeit? Liebe Grüße.“

„Gehts noch eine Spur lauter? Ich glaube auf der anderen Straßenseite habens uns noch nicht gehört.“

Eine Verkäuferin kommt hinter der Kassa hervor  und fragt ob sie uns helfen kann.

„Nein danke. Uns ist nicht zu helfen.“

Verstört und ein wenig angepisst zieht sie wieder ab und belästigt eine andere Kundin mit ihrem Helfersyndrom. So wie die aussieht, braucht die allem Anschein nach eher Besuch von der Styling Polizei. Wie kann man sich nur so gehen lassen? Da braucht es die Weiber nicht wundern, wieso die Kerle alle fremdgehen.

Ellena hat sich einen weißen Stiletto gekrallt, um ihn zu begutachten.

„Wenn ich die anziehe, bin ich fast so groß wie du. Geiles Teil.“

Ein vor der Türe wartender schwarzer Riese, der mich an Usain Bolt erinnert, lässt mir den Atem stocken, und den Mund offen stehen.

„Geile Sau.“

„Wie bitte?“

Meine Freundin braucht nicht lange um zu begreifen, was der Auslöser für meinen  „komm und fick mich“-Blick ist.

„Maja, nein. Das ist ja schlimmer als mit meinen Kindern im Spielzeugladen.“

„Wieso? Sind da auch so viele schwarze Männer?“

„Nein, aber die wollen auch alles haben, was sie sehen.“

Noch bevor ich habe was ich sehe, steigt das heiße Gerät in ein Taxi und verschwindet aus meinem Blickfeld.

„Sag mal, können wir nicht einfach nach Afrika in den Urlaub fliegen?“

Die Stilettos wandern zurück ins Regal, und Ellena grinst mich an.

„Ja genau Frau Misses Pornoprinzessin. Und wenn nach drei Wochen dort unten, alle Schwänze die du hattest zusammenlegst, hast die Strecke von Kapstadt bis Klagenfurt .“

Ein älterer Herr der eben in das Geschäft gekommen ist, kriegt einen hochroten Kopf und hastet an uns vorbei.

Versteh nicht, wieso alle immer die Gesichtsfarbe wechseln, wenn man Gespräche über Genitalien führt. Was machen denn  die, wenn sie nachmittags RTL gucken? Ausschauen wie ein Signalkrebs?

„Also jetzt übertreibst aber schon ein bisschen. Sag mal willst die Schuhe jetzt kaufen oder hier einziehen? Ich bin durstig, lass uns was trinken gehen.“

Machen uns auf den Weg Richtung Innenstadt, unweit vom Rathaus ist ein kleiner Gastgarten. Ein schattiges Plätzchen suchend, lästern wir über vorbeilaufende Passanten, mustern den Arsch des Kellners, bevor wir zwei Aperol-Spritzer bei ihm bestellen.

„Also was machst jetzt mit deinem Schnucki?“

„Den hab ich schon längst zugesagt.“

Beim Gedanken an den kommenden Samstag, richten sich meine Nippel unter dem Shirt auf.

„Wann denn bitte?“

„Als du noch im Schuhkaufkoma warst.“

„Und was machst wegen deinem anderem Mister Schmetterlinge im Bauch?“

„Den bin ich lange genug hinterhergelaufen. Das Ding ist durch, bringt doch eh nichts außer Ärger.“

Nehme einen großen Schluck vom Drink, als könnte das gegen die aufkommende schlechte Laune helfen.

„Nein, das ist sicher noch nicht vorbei.“

Ich verschlucke mich beinahe an der Orangenscheibe, immer dieses verluchte Obst im Getränk, gemeingefährlich und hinterfotzig .

„Doch ist es. Ich kenn den doch im Grunde gar nicht.“

„Wann hast das letzte Mal an ihn gedacht?“

Scheiße, Fangfrage.

„Keine Ahnung.“

„Du lügst, und das weißt du auch.“

Vermutlich hat sie Recht und da ist noch etwas übrig. Doch alles woran ich im Moment denken will, ist Mister Womanizer.

„Können wir nicht über etwas Schöneres reden? Syphilis zum Beispiel?“

„Du bist so blöd, aber das ist gut so.“

Ja ich hab den Gartenzwerg neben mir auch verdammt gern.