Über spanische Waschbärenphobie in blau

Meine Mutter behält tatsächlich Recht – ich ruiniere mir die Schuhe, als ich aus dem Bagger springe. Die Frage, wovor ich eigentlich davonlaufen will, stelle ich mir selbst um eine Millisekunde zu spät- mein Absatz bricht beim Aufprall. Was ich hier tue, will der Uniformierte wissen, der sich das Spektakel direkt neben meiner Mutter stehend ansieht. Resigniert antwortet sie mit „Das Kind war immer schon schwierig.“ Der Bulle nickt verständnisvoll.
Davonlaufen brauch ich jetzt auch nicht mehr. Nicht das die noch auf mich schießen.
Steffen und Ellena stehen engumschlungen hinter dem Polizeiwagen, ich glaube die beißen sich gegenseitig ins Gesicht. Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Mama drückt ihre Fingerspitzen auf die Schläfen, mit geschlossenen Augen schüttelt sie ununterbrochen mit dem Kopf.
Ich ziehe mir beide Schuhe aus, wünsche allen eine angenehme Nachtruhe und mache einen Abgang.
Weshalb sollten die mich auch verhaften? Was kann ich barfuß mit vier Komma fünf Promille noch anstellen?
Carlos wartet schon auf mich, als ich endlich um die Ecke geschlendert komme. Vorsichtig küsst er mich, er schmeckt fantastisch, auch wenn der blaue Waschbär neben uns meine Hingabe zügelt.
Fasse dem Spanier mit einer Hand zwischen die Beine, die andere zeigt dem Waschbären den Stinkefinger, er zeigt seinen zurück. Carlos will wissen, mit wem ich da spreche.
Erwidere schnippisch: „Mit meinem unsichtbaren blauen Freund. Er lässt fragen, ob du ihn in den Arsch ficken könntest“, drei Sekunden später ist Spanien auf Nimmerwiedersehen verschwunden, an dessen Stelle kugelt ein blaues Fellknäuel hysterisch lachend über den Asphalt, zeigt mir den Vogel. Bewerfe das Vieh mit Ritalin, gierig stopft es die Pillen in sich rein, dreht sich immer schneller im Kreis.
Meine Arme werden unsanft nach hinten gedreht, es knackt hörbar. Ich solle mich beruhigen, schreit er. Und du sollst dich selbst ficken, du dummes Arschloch.
Seine Hand schießt unter den Bund der Jeans, er zieht die Knarre raus, entsichert sie und hält mir das Teil Zwischen die Augen. Drück doch endlich ab.
Hämisch grinst das blaue Mistvieh.

Menage a troi 2.0

Für Thomas

Seine Gesichtszüge weicher als mein Cashmerefetzen, er wirkt so zerbrechlich und unschuldig, als ob er noch ein Kind wäre. Das schulterlange rote Haar hat er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, die zerschlissene Jeans schmeichelt seinem süßen Hintern. Was für ein Prachtexemplar von einem Mann. Michel ist wunderschön und dennoch ohne Starallüren. Als würde er nicht wissen, dass er in der obersten Liga spielt.
Eduardo zieht den rothaarigen Adonis an sich, packt ihn mit beiden Händen am Hintern und küsst ihn. Lächelnd lasse ich mich auf die Couch fallen, beobachte wie er Michels Hemd aufknöpft. Ob er wohl rote Haare auf der Brust hat?
Zu meiner Enttäuschung leider nicht, unter dem Hemd ist er so glatt wie Spiegeleis. Ich erkenne kein einziges Haar, vielleicht sollten wir ihn nach einem Ausweis fragen. Nicht das wir wegen Verführung Minderjähriger in den Knast wandern.
Michels Hand zwischen Eduardos Beine, grinsend fingert er an dessen Reißverschluss herum. Die von innen gegen den Stoff drückende Ausbeulung verrät, dass es dem Kerl gefällt. Mir auch, ich kann es kaum erwarten Michels Schwanz zu sehen. Ob er wohl einen roten Glückspfad hat?
Eduardos Ding ist schneller ausgepackt, als ich „was für eine geile Scheiße“ denken kann. Ob es unangebracht wäre, wenn ich mir eine Tüte Chips aufmachen würde?
Vorsichtig krault der Rothaarige an den Eiern meines Freundes, Eduardo schnurrt lauter als eine rollige Katze. Seine Hand streichelt über Michels Kopf, krallt sich an dessen Haaren fest. Ruckartig zieht er ihn nach unten, dirigiert ihn auf die Knie. Es kostet mich sämtliche Selbstbeherrschung, ruhig sitzen zu bleiben, als Eduardos Schwanz zwischen die Lippen des Jünglings flutscht. Er schafft es tatsächlich dieses riesige Gerät in seinem Mund verschwinden zu lassen. Wie zum Teufel macht er das, ohne sich dabei zu erbrechen?
Er sollte Blowjob Kurse an der Volkshochschule abhalten – Deepthroat für Anfänger. Wieso hat mir das niemand in der Schule beigebracht? Phytagoras braucht keine Sau, Schwanzlutschen braucht jeder. Verkacktes Bildungssystem. Nehme mir vor, einen Beschwerdebrief an den Bundespräsidenten zu verfassen. Später.
Eduardo drückt das Lutschtalent zu Boden, zieht ihn die Hose nach unten. Gespannt wie ein Gummiringerl, versuche ich die Farbe seiner Sackhaare zu erkennen, während er auf den Bauch gedreht wird. Leider kann ich aus der Entfernung nichts erkennen, ich stehe auf und schleiche mich näher an die beiden ran. Zum Glück ist meine bessere Hälfte damit beschäftigt, seinen Schwanz zwischen Michels Arschbacken auf und ab zu reiben. Lautes Stöhnen übertönt meine Schritte, ich bleibe erst stehen, als ich direkt hinter den Turteltauben ankomme.
Nicht mal aus der Nähe kann ich einen roten Flaum erkennen. Unbehaart wie eine Nacktschnecke , lässt er sich von Eduardo durchficken. Der bemerkt meine Anwesenheit erst, als ich ihn über die Schulter streichle. Welch Wunder dass ich noch nicht zu sabbern begonnen habe.
Zärtlich küsst er meine Hand, versenkt sich immer härter in das Schnucki, das stöhnend auf dem Parkett liegt. Er deutet auf die Aktentasche, die neben der Couch steht. Wortlos hole ich sie. Der Lärm der beiden reicht schließlich. Ich dachte immer, dass nur Frauen so einen Lärm beim Ficken machen. Falsch gedacht. Bin mir nicht ganz sicher, ob er kommt oder abkratzt. Scheinbar teilt Eduardo meine Bedenken, er zieht seinen Schwanz aus dem jodelnden Typ.
Schlagartige Totenstille. Stecker gezogen.
Er fischt die Ledermanschetten aus der Tasche, legt sie um Michels Handgelenke, fesselt ihn damit.
„Steh auf“, seine Stimme ist mindestens genauso hart, wie der unbehaarte Pimmel Michels. Ich ziehe mir das Kleid aus, beobachte wortlos wichsend wie Michel ans Andreaskreuz geschnallt wird. Erst als er völlig wehrlos gemacht ist, bemerkt mich Eduardo. Eine seiner Augenbrauen zieht er nach oben, legt seinen Kopf schief. Sein Zeigefinger sagt, komm hierher. Zögernd komme ich seiner Anweisung nach.
„Hat dir irgendjemand erlaubt dich anzufassen, du Miststück?“
Seine flache Hand klatscht auf meinen Hintern, er lächelt mich an, als er meinen Kopf zwischen seine Beine drückt.
„Dann wollen wir mal versuchen, was du vorhin gelernt hast.“
Lieber Gott, bitte schalt meinen Würgereflex aus.

GTI feat. golden shower – danke Daniel

Schneller als ich meinen Schlüssel finde, schießt mein Kerl durch die unverschlossene Wohnungstüre herein. Verdutzt lege ich den Kopf schief:
„Hast du polnische Vorfahren, oder wieso brichst du hier ein?“

Seine Augen funkeln, zwei Schritte später steht er zwei Zentimeter vor mir, streichelt über meine Schläfe.

„Du dummes Stück hast das Teil außen stecken lassen“,er legt den verloren geglaubten Schlüssel auf die Kommode, packt mich mit einer Hand am Arsch, mit der anderen am Schopf. Vergesse die Gehirnerschütterung als er mich küsst. Wäre ich noch glücklicher –  ich schwör ich würd einen Regenbogen scheißen.

Mein Arsch landet rasanter aufm Schuhkastel, als ich vorhin aufm Boden. Frage mich noch, wohin seine Hosen verschwunden sind, bevor mir das Turboteil geradezu in die Huhu hüpft. Von Null auf Hundert in drei hundertstel Sekunden. Und noch während ich überlege, ob der Lamborghini-Schriftzug auf seinen Schwanz passt, werde ich tiefer gelegt als so mancher GTI.

Mit einem Ruck reißt er mir das Shirt über den Kopf, drückt mich auf den kalten Fließen Boden – meine Beine auseinander und seinen steinharten Schwanz erneut in mich. Keuchend schiebe ich ihm das Becken entgegen, bettle nach mehr: „Hör nicht auf, fick mich bitte.“

Er zieht sich langsam zurück, atmet tief durch, presst meine Oberschenkel nach unten, vögelt mich unbeirrt weiter. Winsle um Gnade.

Tatsächlich – er lässt sich erweichen und hält plötzlich inne um mich in den Arm zu nehmen. Zärtlich küsst er mich auf die Stirn, zieht sich zurück.

„Ist dir immer noch kalt, Baby?“, flüstert er mir zu.

Ich nicke.

„Ich will, dass du dich da vorne auf die Matte kniest und deine Augen schließt.“

Ich nicke.

Tue was er fordert. Spüre erst seine Blicke. Dann erst den warmen Strahl der über meinen Rücken läuft…..

 

 

 

Postkoitale Dysphorie

Wir liegen eng umschlungen auf dem Laken, lauschen langsamer werdenden Atemgeräuschen des Anderen, während sich ein wohliger Schauer über uns legt.

Fabian ist der Erste, der seine Stimme wieder findet. Vorsichtig streichelt er über mein Gesicht, leckt mit der Zungenspitze über seine Lippen. Ob mein Mund auch so trocken ist, fragt er mich. Als hätte ich einen toten Hamster verschluckt, antworte ich.

Wann das Buch endlich fertig ist, will er wissen. Wann der Gin-Tonic endlich fertig ist, will ich wissen.

Trinkend starren wir in den Himmel, warum er nicht mehr aufhören kann, will ich wissen. Außerdem soll er sich den theatralischen Stoßseufzer für seinen Therapeuten aufheben, oder meinetwegen für seine Friseurin.

Wir lachen.

Sabine war ihr Name. Als er von ihr zu erzählen beginnt, fangen seine Augen Feuer, sein Tonfall wird weicher. Sie war die Liebe seines Lebens, der Mittelpunkt seiner Welt.

Vorsichtig taste ich nach seiner Hand, suche Halt, ehe er weiterredet.

Keine drei Wochen nach dem Kennenlernen zieht er zu ihr, hält um ihre Hand an. Ja, sie will. Freudentränen. Zukunftspläne.

Eine Woche später ist sie tot. Verunglückt in dem Wagen, den er ihr zum Geburtstag geschenkt hat.

Fabians Finger wandern Richtung Gift, kann ihn nicht halten. Kann mich nicht mehr halten.

Wir liegen eng umschlungen auf dem Laken, lauschen dem langsamer werdenden Atemgeräuschen des Anderen, während sich ein wohliger Schauer über uns legt.

Leider hält die postkoitale Schockstarre nicht lange an, Thorsten sagt, dass er verliebt in mich ist. Ich erinnere ihn an seine Ehefrau und die drei Kinder.

Wann das Buch endlich fertig ist, will er wissen. Und ob ich viel über ihn geschrieben hab. Weil eigentlich sollte ich über ihn schreiben. Weil eigentlich ist er spannender als die Frage nach Gott. Weil eigentlich ist er schneller, höher, besser und weiter.

„Und härter!“, deute auf seine Erektion, ziehe mich an und verschwinde.

Wir liegen eng umschlungen auf dem Laken, lauschen dem langsamer werdenden Atemgeräuschen des Anderen, während sich ein wohliger Schauer über uns legt.

So sehr ich mich auch konzentriere –  ich komm nicht auf seinen Namen.

Wann das Buch endlich fertig ist, will der Unbekannte wissen. Woher er von dem Buch weiß, frag ich ihn. Seine rechte Hand packt mich am Hinterkopf, zieht mich an seine Brust.

„Du willst spielen Maja?“, süffisant grinsend dirigiert er meinen Kopf nach unten…

Wir schaffen das!

Meine Mutter sagt, ich würde einen Mann brauchen.

Mein Psychiater sagt, ich würde Lithium und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer brauchen

Mein Bankberater sagt, dass er mich zum Teufel wünscht.

Das Arbeitsamt sagt, ich bräuchte einen Psychiater.

Ellena sagt, dass sie nichts mehr sagt.

Tatjana sagt, in Bratislava wären neue Titten unter fünftausend Euro zu haben

Mein Psychotherapeut ist eine geile Sau.

Der hochgewachsene Kerl von nebenan sagt, ich wäre eine Granate im Bett.

Mein Drogendealer sagt, sein neuer Porsche wäre nur geleast.

Mein Vater sagt, ich sollte mit dem Trinken aufhören.

Hansi Hölzel singt, ich bin so schön wie nie

Der Idiot  in den ich mich verliebt habe, liebt mich nicht

Mein Ego sagt, ist mir doch scheißegal

Ich sage, der Penis meines Friseurs ist vollkommene Perfektion

Meine Katze sagt, ich solle endlich ans Meer fahren

Der Bankomat sagt, Limit überschritten; Arrivederci, Auf Wiedersehen, Good Bye

Angela Merkel sagt, wir schaffen das

 

 

 

 

Fick dich.

Bin mir nicht sicher ob mir die Unendlichkeit dieser beinahe-Romanze oder das eigene Lamentieren mehr auf die Nerven geht.

Warum lasse ich mich so behandeln?

Hatten wir nicht schon zig-tausend Mal einen Schlussstrich gezogen?

Wieso kommen wir nicht voneinander los?

Ich wünschte ich könnte dich vergessen. Warum ist es so schwer, sich zu entlieben?

Als würde ein nasses Handtuch auf der Brust kleben, Luft holen für Fortgeschrittene..

Ersticke an Sehnsucht, Gott wie ich dich vermisse. Neurotische Jagd nach dem felhlendem Teil; vergessenes Detail im großen Ganzen… Wo bist du jetzt?

Renne orientierungslos durch das Chaos, das du angerichtet hast. Lachend schickst mich mitten ins Nirgendwo, ein Hoch auf euch Sadisten.

Auf das ihr an eurem Zynismus erstickt.

 

 

Splitter im Herz

Ich freue mich auf das Date.

Hab seit Tagen nicht gevögelt, außerdem Liebeskummer vom Feinsten. Die beste Möglichkeit einen Typen zu vergessen, soll ja bekanntlich darin liegen, sich unter einen anderen zu legen.

Es fruchtet tatsächlich; auch wenn der Unbekannte sogar ausgezogen wie ein Schlipsträger wirkt. Scheiß drauf. Sein Schwanz ist ganz anständig proportioniert, im Gegensatz zu seiner Frisur. Wer auch immer das verbrochen hat, muss wirklich pervers im Kopf sein.

Mister Chaosfrisur verbindet mir die Augen und  fesselt meine Arme aneinander;  soll er ruhig machen, drei vorangegangene Dates rechtfertigen mein Vertrauen-  immerhin hat er mich bis jetzt noch nicht umgebracht. Warum sollte er es dann ausgerechnet heute machen?

Der Fick ist nett, ja genau; die kleine Schwester von Scheiße.

Als mir die Augenbinde runter rutscht, riskiere ich einen Blick nach hinten, um unmittelbar darauf, einen Tobsuchtsanfall zu bekommen; der Scheißarschkopfhurensohnwichser hat keinen Gummi drauf;  trete mich von ihm los und sage einige nicht nette Dinge zu ihm.

Er wirkt verstört, es sei doch meine Schuld, wenn ich keine Kondome raus lege. Wieso sollte er dann welche benutzen?

Von wegen, dumm fickt gut. Verfluchte Arschgeige.

Feierabend. Packe meinen Kram und verschwinde. Nichts wie weg hier.

Zwei Uhr morgens in Wien.

Blind vor Wut rase ich durch die Stadt, zwei Minuten später holen sie mich mit Blaulicht von der Straße. Frau Inspektor ist ein geiles Gerät, konzentriere mich darauf, nicht allzu Porno dreinzuschauen und beschränke die Konversation auf: „Wie viel?“

Achtzig Euro später bete ich zu Gott, mit dem restlichen Benzin bis nach Hause zu kommen.

Tränen schießen mir übers Gesicht, wie dumm kann ein Mensch eigentlich sein?

Ich vermisse ihn so schrecklich, was zum Teufel treibe ich hier?

Wische mir mit dem Handrücken über die verheulten Augen, versuche an etwas anderes als ihn zu denken. Funktioniert leider nicht. Es kracht.

Filmriss.

Rase über die Autobahn. Es ist gut, aber das blinkende rote Licht geht mir auf die Nerven. Was will denn das Dings?

Neben dem Symbol für eine Tankstelle steht null Kilometer, das Ganze tanzt in puffrot…

Stehe voll am Gas und werde trotzdem immer langsamer, steuere mit dem letzten Schub einen Parkplatz an, rufe den Pannendienst.

Die finden das aber nicht lustig, nur wegen leerem Tank um vier Uhr Morgens mitten in die Pamba zu fahren.  Bin ich froh, dass  ich auch noch einen Totalschaden hab.

Trotzdem warte ich geschlagene zwei Stunden auf den Abschleppmenschen. Bin so sauer, dass ich ihm nicht mal einen blase. Soll er sich doch selbst eins lutschen der blöde Wichser.

Aber davor  tankt er mir noch zwanzig Liter Sprit in die Kiste.

Koma.

Sonnenstrahlen im Gesicht, so schön zuhause.

Fuck.

Wie zum verfickten Teufel noch mal, bin ich bis ins eigene Bett gekommen?

Übergeben oder Selbstmord?

Kein Kübel in Reichweite. Wohnung im Erdgeschoss; also keins von Beiden…

Klingelt an der Tür.  Ich tippe auf den Mann mit dem Kukuck….

Ihre Augen sind noch trauriger als meine; verzweifelt und ratlos schaut sie mich an:

„Er sagt, du kannst von Glück reden, noch am Leben zu sein.“

Bröckelnde Fassade treibt  die Splitter tief ins Herz.

 

 

 

 

 

 

 

 

Männerüberschuss mit Schokolade

Der ältere Herr am Empfang wirkt  genauso unscheinbar, wie der Club von außen. Seine null-acht-fünfzehn Senioren-Frisur ist so schneeweiß wie die Pulverschicht auf dem Tresen. Und auch der Eingangsbereich haut mich jetzt nicht vom Hocker. Rot-gedämpftes Licht fällt aus unzähligen Spots auf ein schwarzes Stoffsofa, es riecht nach billigem Parfüm. Ich lege meinen Trenchcoat ab, unter dem ich außer einer transparenten schwarzen Bluse, Strapsen und High Heels nichts mehr anhabe. Auch Yves hat sich bis auf die Boxershort ausgezogen und gibt unsere Sachen dem Kerl, der sie mit einem fetten Grinsen in der Garderobe deponiert, ohne seinen Blick ein einziges Mal von meinen Brüsten abzuwenden.

Yves packt meine Hand und zieht mich die Treppe nach unten; ich dachte eigentlich, dass nur österreichische Männer ihre wesentlich jüngeren Frauen in einen Keller locken. Wieder was gelernt. Auch Franzosen bekommen dabei Ständer.

Und was für welche!

Kann meine Finger nicht von dem Kerl lassen, am Ende der Treppe angekommen, drücke ich mich gegen seinen Körper . Meine Hände streichen über die Beule seiner Short, wir küssen uns.   Yves flüstert mir ins Ohr: „Du wirst heut noch genug Schwänze zu spüren bekommen.“

Dass sich seine Prophezeiung bewahrheiten wird, wird mir beim anschließenden Rundgang durch den Club bewusst. Abgesehen von einer kleinen Blondine, die sich auf einer der Spielwiesen von zwei Kerlen die Seele aus dem  Leib ficken lässt, während an die zehn weiteren dabei wichsend zuschauen, bin ich wohl die einzige Frau hier.

„Na, du kleines Miststück? Hab ich zu viel versprochen?“

Diesmal sind es seine Hände, die tiefer wandern.

„Challenge accepted.“

„Ach ja? Dann solltest da drüben helfen.“

Yves deutet in Richtung der offensichtlich unterbeschäftigten Herren, denen meine Anwesenheit nicht entgangen ist und klatscht mir auf den Hintern.

„Was meinst du mit helfen? Soll ich denen eine gute Nacht Geschichte vorlesen, wenn sie fertig sind?“

Ohne seine Antwort abzuwarten, stakse ich zu dem Haufen Schwanzträgern, knie mich auf den Fußboden und nehme dem ersten die Arbeit ab. Kaum habe ich sein Ding in der Hand, rückt der Mann neben ihm ein Stück weiter zu mir und hält mir seine Latte vors Gesicht. Ich habe den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und blase mich gerade warm, als er sich mit einem geniert-gehauchten „Pardon Madame“, gerade noch rechtzeitig aus mir zurückzieht. Trotzdem erwischt mich die erste Ladung halb im Gesicht, halb auf den Haaren. Wozu hab ich mich heute noch mal geföhnt?

„Ist alles okay Maja?“

Yves steht hinter mir, streichelt über meine Schultern.

„Mein Auge brennt ein wenig. Sonst ist super.“

Lachend stellt er eine Packung Kleenex neben mich, er hat das wohl kommen gesehen. Gerade als ich mir das Gröbste weggewischt habe, wedeln auch schon die nächsten mit ihren Schwänzen vor mir herum. Zum Glück haben die anderen mehr Talent beim Zielen als der Erste, zumindest sollte an dem Abend nichts mehr ins Auge gehen.

Bei Nummer sieben höre ich auf zu zählen, habe aber langsam Angst eine Kiefersperre zu bekommen. Ich höre wie sich Yves mit einem der Männer unterhält, bevor er mich hochzieht, umarmt und küsst.

„Fick mich bitte Yves.“

Unweit des quiekenden Blondchens, gehe ich auf der Gang-Bang-Matratze auf alle viere, er kommt meiner Bitte nach und vögelt mich solange, bis ich dieselben Laute wie sie von mir gebe. Porno pur.

Ich bin kurz vorm Kommen, als er plötzlich innehält und dem jungen Kerl, mit dem er davor geredet hat, etwas zuraunt.

Noch ehe ich weiß, worum es grade geht, streift sich der Unbekannte ein Kondom über. Yves schnappt mich, spuckt auf meinen Arsch, schiebt mir erst seine Finger- und anschließend seinen Schwanz in den Hintereingang.

Kaum hat er sich ganz in mir versenkt, werde ich von ihm auf den Rücken gedreht. Er liegt nun unter mir und drückt meine Oberschenkel ein wenig auseinander. Gerade soweit um seinen neuen Kumpel, der vor mir steht und meine Brüste knetet, auch noch Platz zu machen.  Vorsichtig schiebt er sich zwischen meine Beine, quälend langsam setzt er die Spitze seines Riesendings an.  Zentimeter um Zentimeter taucht er weiter in mich.

Boom.

Jetzt bin eindeutig ich diejenige, die am lautesten winselt.

Die Geräuschkulisse kickt zusätzlich zu den zwei Männern in mir, die mich in den Wahnsinn vögeln und mir erst eine Verschnaufpause gönnen, als ich kurz vorm Kapitulieren bin. Allerdings sehen die Beiden auch sehr mitgenommen aus, dafür dass sie im Gegensatz zu mir, nur einmal abgespritzt haben.

Mit zitternden Beinen wackeln wir zu den Duschen, ein schwarzer Gott mit langen Rastas kommt die Treppe nach unten geschlendert und unterhält sich dabei angeregt mit dem Typen vom Empfang.

Gott ist der geil.

Mir bleibt bei dem Anblick der Mund offen stehen, als die Reinkarnation von Bob Marley auch noch in meine Richtung lächelt, haut es mich um ein Haar um.

Yves schlingt seinen Arm um meine Taille: „Maja, du kleine Schlampe, wen von den Beiden willst zum Nachtisch?“

„Schokolade, bitte.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich ficke nicht. Ich recherchiere.

Der Chefredakteurin gefällt´s, allerdings hat sie Bedenken wegen der Zensur. Sie wolle erst noch Rücksprache mit ihrem Anwalt halten und mir dann Bescheid geben.

Vor lauter Freude  vergesse ich  um ein Haar mich darüber aufzuregen, dass Arschlochkatze in meine Schuhe gepinkelt hat.

Allerdings hält die Euphorie nicht lange, eine halbe Stunde später meldet sich die Herausgeberin des Magazins noch mal bei mir. Der Jugendschutzbeauftragte halte die Darstellung sexueller Gewalt für problematisch, ob ich denn vielleicht einen anderen Text hätte. Ich spare mir die Frage, was der Jurist und sie von drogenverherrlichenden Gang Bang Storys halten, da ich  mir die Antwort insgeheim schon denken kann.

Soll ich jetzt etwa über Kuschelsex schreiben? Wie pervers ist das denn bitte? Wer tut so was Abartiges?

Ich durchforste meine Festplatte nach einem passenderen Beitrag, werde natürlich nicht fündig und suche anschließend in meinen Kontakten nach jemand der mich rein zu Recherchezwecken durchvögelt.

Da die meisten die infrage kommen würden, die üble Angewohnheit haben, äußerst anhänglich zu werden, schiebe ich den Gedanken wieder beiseite und beschließe was gegen den bestialischen Gestank meiner Manolo Blahniks  zu unternehmen. In die Waschmaschine kann ich die Dinger wohl nicht werfen.

Schmeiß die Fick-mich-Schuhe stattdessen in die Tonne vor dem Haus, als ein roter Mustang die Einfahrt reingeschossen kommt, vor mir stehen bleibt, die Scheibe hinunterlässt und in meine Richtung quatscht.

„Ey Prinzessin, welche Richtung diese  neue Club?“

Ich glaub mein Schwein pfeift.

Hinter dem Steuer des Wagens sitzt ein junger Kerl, schätze ihn auf Anfang zwanzig. Sein Trainingsanzug, die rumänische Nummerntafel  und die Frage nach dem Puff legen die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Vogel um einen Zuhälter handelt.

„Ey du Hosenscheißer, kein Geld mehr fürs Navi gehabt?“

Genervt  will ich an ihm vorbei, als er den zweiten Anlauf startet.

„Warum du so böse sein mit mir, ich nur gefragt wollen um Weg.“

Verkneife mir den Hinweis, dass es vermutlich besser wäre zum Deutschkurs als in eine Hurenhütte zu fahren. Aber nur weil er so lieb dreinschaut.

„Wie kommst auf die Idee, ich könnte wissen wo dieser Club ist?“

Es ist ja nicht so, dass ich mit tiefem Ausschnitt und Minirock vor die Türe gehe um den Müll rauszubringen; ganz im Gegenteil. Im Moment schaue ich eher aus wie ein Penner. Meine Haare sehen aus, als hätte ich ein Date mit einer nicht isolierten Starkstromleitung gehabt, der Nagellack ist zum Großteil abgebröckelt und meine Augenringe bilden einen super Kontrast zu den blutunterlaufenen Leuchtern  aus denen ich ihn wütend anstarre. Hätte ich noch eine Dose Bier in der Hand, könnte ich mich bei RTL  Familien im Brennpunkt bewerben.; als Hauptdarstellerin für die nächsten zehn Jahre.

„Entschludigung junge Frau, habe gesehen die Schuhe du haben schmeißen in Kibel.  Ich glauben diese schaut aus wie Nuttenschuhe und du vielleicht arbeiten in diese was ist Club.“

Großartig. Dank meinem Highheelinkontinenten Mistviech werde ich für eine Professionelle gehalten.  So nicht. Nicht mit mir. Damit hat das Tier endgültig sein Kastrationsurteil unterschrieben.

„Gut kombiniert Sherlock Holmes. Sonst noch was?“

„Du wieder seien böse mit mir, bitte ich wollen machen keine Ärger. Du nix arbeiten in diese was ist Club?“

Er sieht noch einen Tick niedlicher aus, mein Ärger ist beinahe verflogen und mir fällt die Sache mit der Recherche wieder ein.

„Nein. Ich bin eine ganz seriöse arbeitslose Arbeitslose. Nix ficki ficki in diese was ist Club.“

Das dürfte sogar er verstanden haben. Wahrscheinlich auch die geschätzt hundertdreißig Jahre alte Nachbarin, die uns vom Balkon aus belauscht und dabei so tut als würde sie ihre Blumen gießen, obwohl schon längst kein Wasser mehr aus der Gießkanne läuft.

Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, für einen Puffsuchenden wirkt er relativ entspannt.

„Bitte, du mir sagen wohin? Diese scheiße was ist Handy Akku leer. Ohne Google maps fahren wie Depperter aber nix finden diese was ist Club.“

Sein Dackelblick wirkt.

„Weißt du was? Ich nix ficki ficki in diese was ist Club, aber wenn du willst ich machen ficki ficki mit dir in diese was ist  Auto?“

Meiner Nachbarin fällt vor Entgeisterung fast das Gebiss aus dem offen stehenden Mund, während er mir die Türe öffnet und ich in seinen Wagen steige.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Wechsel der Perspektive

Ihr Lächeln haut mich um ein Haar um, als sie mir die Tür öffnet. Längst schon ist die Sonne hinter den Bergen verschwunden, die einzige Lichtquelle stammt aus dem Flur ihrer Wohnung. Kann mich nicht daran erinnern, wann es zum letzten Mal so stockdunkel gewesen ist; es ist noch nicht mal so spät, doch längst hat die Winterzeit wieder den Steuerknüppel der Herbstdepression übernommen.

Doch die scheint mit einem Schlag wie weggewischt, Lauras Grinsen zaubert auch mir augenblicklich eins ins Gesicht.

„Schön, dass du Zeit hast. Komm rein.“

Küssen uns flüchtig auf die Wangen, unschuldig wie ich es nie gewesen bin.

„Wo hast denn deine schlechtere Hälfte gelassen?“

Lasse mich auf die schwarze Ledercouch fallen, während sie ein Glas aus dem Schrank holt.

„Ach Maja, lass mich bloß mit dem Idioten in Ruhe. Alles Arschlöcher.“

Ziehe die kleine Tüte mit Northern Lights aus der Jean, ohne sie auch nur einen einzigen Moment aus den Augen zu lassen.

„Hab ich dir ja gesagt. Hast du zufällig Papers?“

Dort wo die weiße Spitze ihres Nachthemds aufhört, fängt Lauras Gänsehaut erst an, zieht sich über ihr Dekollete´, ihre Arme. Die langen Haare trägt sie offen, blonde Locken fallen ihr übers Gesicht, zeichnen die Konturen ihres Profils, in dessen Mitte blitzblaue Augen heraus stechen.
Als sie sich umdreht, um mir Wein und OCB zu holen, kann ich nicht anders und muss ihren Hintern anstarren. Wie eine zweite Haut schmiegt sich der Stoff um ihre perfekten Rundungen, wie ein Raubtier das Blut geleckt hat, verwandelt sich mein Unterbewusstsein in ein Instinktgesteurtes Triebtäterdings.
Baby….
Barfuß fegt sie durch die Wohnung, sammelt die essentiellen Bestandteile eines gelungenen Abends ein, pflanzt sich neben mich und dreht Wanda auf Anschlag.

Entspannt, Zentimeter für Zentimeter lässt sie sich tiefer in die Kissen fallen, die systematisch angeordnet in der einzigen Ecke der Couch gestapelt herumliegen, einzig und allein die Augen, die immer noch wach den Überblick behalten.

Lauras Tiefenentspanntheit überträgt sich sekundenschnell auf mich, ich vergesse beinahe sie danach zu fragen, woher die zarte, weiße Staubschicht auf ihrem Glastisch kommt, ehe ich meinen Kopf auf ihren Körper fallen- und von ihr streicheln lasse.

Vorsichtig zeichnen ihre Fingerspitzen die Konturen meines Gesichts nach, streifen lose Haarsträhnen nach hinten, mustert mich ausgiebig, senkt den Kopf, küsst mich.

Erst nur zaghaft, komme ihr entgegen, streichle über ihren Kopf, öffne meinen Mund. Wie Teenager, die´s zum ersten Mal machen, unbeholfen und dennoch geschickt heizen wir uns ein. Als meine Hände auf ihren Brüsten landen, werden ihre Augen mit einem Schlag tiefschwarz, die Pupillen explodieren, genauso wie ihre Nippel, die sich wie Radiergummi unter der Seide abzeichnen. Schieb ihr Nachthemd über die Schultern, ihre Zunge tief in meinem Mund, Fingerspitzen unter meiner Bluse.

Drück ihren perfekten Körper zu Boden, splitterfasernackt liegt sie auf dem Parkett. Kann mich nicht satt sehen an ihr, räkelt sich provokant, fickt mich mit ihrem Blick.

Wieso hat mir nie jemand gesagt, wie geil Frauen sind?