Masturbations Flüchtling vs. Borderliner

Erst als sämtliche Vorräte weggeballert- und alles an Bier weggesoffen ist, wandern wir Richtung Schlafzimmer. Betäubte Körper fallen ins Bett, lauter als der Ford Mustang meines Nachbarn dröhnt mir der Schädel. Heilige Scheiße, jetzt bin ich schon vorm Aufwachen verkatert.
Zumindest bin ich in der glücklichen Lage, nicht in zwei Stunden wieder aufzustehen – im Gegensatz zu ihm. So leise wie möglich schiebe ich meine Hand zwischen die Beine, zutiefst hoffend ein wenig Schlaf-gut-Masturbation hilft gegen die Nebenwirkungen der Multi Intoxikation vergangener Tage. Das tut sie tatsächlich, ganze zwei Minuten lang. Plötzlich schleudert er seine Decke auf den Boden, erschrecke so heftig, dass ich mir beim fluchtartigen Rausziehen aus der Huhu den Finger stauche.
Was zum Teufel ist denn jetzt los?
Hastig packt er seinen Kram zusammen, streift sich ein Shirt über den nackten Oberkörper: „Ich bin ohnehin nur Luft für dich, wieso spielst du heimlich an dir rum? Was glaubst du, wie ich mir da vorkomme? Ich verschwinde. Bin dir sowieso egal“ , schneller als Speedy Gonzales stürmt er aus der Wohnung.
Das ist neu für mich – noch nie zuvor ist ein Mann davongerannt, weil ich mir meinen Finger in die Muschi geschoben hab. Gott, hat der einen Knall. Dachte immer, niemand ist so beknackt wie ich.
Der Mann in den ich mich verschossen hab würde mir meine Hände aus dem Schoß ziehen, mich eine verfickte Schlampe nennen, mich auf den Rücken drehen, gnadenlos durchficken, seine Hand auf meinem Mund drücken um mir die Luft abzuschnüren.
Ich erkenne ihn nicht wieder, als er zickender als ein menstruierendes, unbefriedigtes Frauenrudel die Flucht ergreift. Unfassbar, was übermäßiger Substanzkonsum aus uns macht. Vom dominanten Mann zum von Selbstzweifel zerfressenden Jungen. Unbegreiflich wie weit Selbst- und Fremdeinschätzung voneinander entfernt liegen. Unpackbar mit welcher Geschwindigkeit der Traum meiner schlaflosen Nächte zu einer tickenden Zeitbombe mit Minderwertigkeitskomplex mutiert. Schalter umgelegt, danke du gottverdammtes Teufelszeug. Wurde Zeit, dass mir mal der Spiegel vorgehalten wird.
Geh doch.
Ich will mehr davon.

Human Resource

Sie geht mir nicht aus dem Kopf, erinnere mich an all die getexteten Um-Denk-Anstöße, unvergessliche Erinnerungen und die Leere, die sie hinterlassen hat.

Unsterbliche Seelenverwandtschaft, haben wir geglaubt. Freundschaft ist für immer, haben wir gedacht. Ohne Kompromisse, haben wir uns eingeredet.

Und plötzlich war sie weg. Vorhersehbarer Rückzug, verlorener Kampf gegen einen allmächtig erscheinenden Gegner…. Sämtliche Kraftreserven verbraucht – Sucht wiegt schwerer als Verbundenheit.

Hoffend, dass sie niemals begreift, durch welche Hölle manch Suchender wandelt. Auch wenn ich sie dafür hasse  genauso zu denken wie der Rest dieser scheißverkackten Arschgeigen. Sucht ist selbstverschuldet? FICKT EUCH!

Bleibt in eurer Scheinwelt, fingerzeigend auf die willensschwachen Junkies, die es nicht anders verdient haben.

 

In der Zwischenzeit fliegen wir – höher, schneller und weiter als es Baumgartner jemals wird – egal ob er Matheschitz den Schwanz lutscht, oder nicht. Limit Stratosphäre? Ihr seid doch alle Muschis.

Schub. Schub. Schub….

Weiter hinauf. Weit über das große Ganze hinaus geschossen, explodieren vor Glück ehe sich prasselnde Einzelteile zur Sternschnuppe formatieren.  Rasanter als Licht schnalzen wir zurück in Richtung Abgrund – verglühen oder aufprallen?

Schlafhungriger als jemals zuvor, er schiebt meine Schenkel auseinander bevor sein Körper auf meinem landet.  Immer und immer wieder versenkt er sich in mir, bin zu erschöpft um um Gnade zu betteln. Es brennt wie verrückt, wund- und hirngefickt gebe ich mich ihm hin.

Wieso tu ich mir das an?

Ach ja, weil es mich scharf macht.

Ambitionierter als ein Newcomer beim Pornocasting rammt er sein Ding in mich, vögelt als ob es das letzte Mal wäre.

„Du Fickstück bist doch für nichts anderes zu gebrauchen – deine Fotze gehört mir“, flüstert er mir ins Ohr. Sekundenbruchteile später trifft mich die Ohrfeige. Mein Schreien erstickt unter der flachen Hand, die er mir auf den Mund drückt.

„Genug Luft, du Miststück!“

Zapple unter ihm, der Sauerstoffmangel lähmt mich zunehmend. Sterbende Seele in einem erregten Körper.

Wer hat hier wen gebrochen?

 

 

 

 

 

 

 

Wir schaffen das!

Meine Mutter sagt, ich würde einen Mann brauchen.

Mein Psychiater sagt, ich würde Lithium und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer brauchen

Mein Bankberater sagt, dass er mich zum Teufel wünscht.

Das Arbeitsamt sagt, ich bräuchte einen Psychiater.

Ellena sagt, dass sie nichts mehr sagt.

Tatjana sagt, in Bratislava wären neue Titten unter fünftausend Euro zu haben

Mein Psychotherapeut ist eine geile Sau.

Der hochgewachsene Kerl von nebenan sagt, ich wäre eine Granate im Bett.

Mein Drogendealer sagt, sein neuer Porsche wäre nur geleast.

Mein Vater sagt, ich sollte mit dem Trinken aufhören.

Hansi Hölzel singt, ich bin so schön wie nie

Der Idiot  in den ich mich verliebt habe, liebt mich nicht

Mein Ego sagt, ist mir doch scheißegal

Ich sage, der Penis meines Friseurs ist vollkommene Perfektion

Meine Katze sagt, ich solle endlich ans Meer fahren

Der Bankomat sagt, Limit überschritten; Arrivederci, Auf Wiedersehen, Good Bye

Angela Merkel sagt, wir schaffen das

 

 

 

 

Komm mit mir ins Erdbeerland

Und während Emma mit ihrer Familie den sechsten Geburtstag des mittleren Sohns feiert, martert mich die Frage, was zur Hölle ich hier eigentlich mache.

Andere Leute sind in dem Alter verheiratet, haben ein Haus gebaut, Bäume gepflanzt und mindestens ein Stück Nachwuchs produziert. Und ich?

Hab mehr Kilometer auf dem „Walk of Shame“ zurückgelegt, als  Haile Gebraisselasse jemals gelaufen ist.

Emma zündet die Kerzen auf der Torte an und singt mit dem Kinderrudel „Happy Birthday“, ich stehe vor dem Badezimmerspiegel und stemme mich mit aller Kraft gegen die sichtbaren Spuren, die die vergangene Nacht in meinem Gesicht hinterlassen hat. Tiefe, schwarzgraue Ränder zeichnen das Bild einer intensiven Phase unter meine Augen.

Hab doch irgendwo mal gelesen, dass Gurkenscheiben dagegen helfen sollten. Zwei Stück auf die müden Leuchter geklatscht und fünf Minuten später wird aus Christiane F. plötzlich Willi Dungl.

Oder?

Einen Versuch wär’s wert.

Doch weder im Kühl- noch im Schuhschrank lässt sich eine Gurke finden. Nur um absolut auf Nummer Sicher zu gehen, schaue ich auch noch im Putzmittelkastel. Doch darin herrscht gähnende Leere.

Weder Seife, noch Gemüse.

Hmmm.

Ob der Pizzaservice auch Gurken liefert?

Luigi klingt angepisst, als ich ihn nach der Mindestbestellmenge frage. Er sei schließlich kein Gemüse- sondern ein Pizzalieferant. Ich solle mir die fünfzehn Kilogramm Gurken sonst wohin stecken. Warum diese Südländer auch immer so aggressiv sein müssen, das liegt sicher am Gluten. Von mir aus soll er sich doch zum Teufel scheren, scheiß verkackter Pizza Wichser.

Gibt schließlich noch andere Wege, um gesellschaftstauglich auszusehen. Scheiß auf Salat, ein Hoch auf psychoaktive Substanzen.

Nein, Gaddafi ist immer noch hier.

Wir trinken Tee und unterhalten uns.

Ja, wir müssen hier weg. Andernfalls werden die uns eines Tages finden.

Muammar lacht sich ins Fäustchen:

„Sie werden dich nicht finden. Niemand wird dich finden. Du bist bei mir.“

Hansi Hölzel zeigt uns im Vorbeigehen den Stinkefinger, Gaddafi singt das Lied vom Kommissar, ich ringe nach Luft, um nicht umzukippen.

Der Schnee auf dem wir alle talwärts fahren, kennt heute jedes Kind.

Gaddafi tanzt.

Losgelöst, als ob es kein Morgen gäbe.

Mein Mund steht weit offen; staunender Versuch, treffende Worte für die Szene zu finden scheitert.  Wie aus dem Nichts, taucht der Unbekannte im Kapuzenpulli neben mir auf, wortlos reicht er mir seine Hand, aus der ein kleines Päckchen in meine fällt.

Er sagt ich solle einfach den Mund aufmachen. Ich tue, was er verlangt, widerstandslos lasse ich mir die bunten Pillen in den Rachen kippen.

Falco bleibt plötzlich stehen.

„Gut gehen muss es dir, Baby.“

Ich will tanzen.

Wer ist der Typ im Strache Shirt?

Ist es…?

Nein….?

Doch.

Jörg hat Sinn für Ironie. Das würde zumindest den blauen String erklären.

Aus sicherer Entfernung beobachte ich den abgedankten Landeshauptmann,  Falco und Gaddafi beim Crack rauchen. Ob ich auch mal probieren sollte?

Haider schüttelt den Kopf, Muammar kniet vor ihm.

Einen Block weiter bringt Emma ihre Kinder ins Bett.

Und während Gaddafi den Bärentaler unter dem Mistelzweig hochbläst, flüstert mir Falco ins Ohr:

„Komm mit mir ins Erdbeerland“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fick dich.

Bin mir nicht sicher ob mir die Unendlichkeit dieser beinahe-Romanze oder das eigene Lamentieren mehr auf die Nerven geht.

Warum lasse ich mich so behandeln?

Hatten wir nicht schon zig-tausend Mal einen Schlussstrich gezogen?

Wieso kommen wir nicht voneinander los?

Ich wünschte ich könnte dich vergessen. Warum ist es so schwer, sich zu entlieben?

Als würde ein nasses Handtuch auf der Brust kleben, Luft holen für Fortgeschrittene..

Ersticke an Sehnsucht, Gott wie ich dich vermisse. Neurotische Jagd nach dem felhlendem Teil; vergessenes Detail im großen Ganzen… Wo bist du jetzt?

Renne orientierungslos durch das Chaos, das du angerichtet hast. Lachend schickst mich mitten ins Nirgendwo, ein Hoch auf euch Sadisten.

Auf das ihr an eurem Zynismus erstickt.

 

 

Polytoxikomanie

Es kribbelt wie Millionen laufender Ameisen unter der Haut, Tims Augen werden schwarz. Seine Pupillen funkeln so groß wie der Vollmond über unsren Köpfen.

Ich muss an Schuhu denken. Dem Polarvogel würde es bei den Temperaturen sicher gefallen.

„Alles in Ordnung bei dir?“

Tim bemerkt den grübelnden Ausdruck in meinem Gesicht.

„Passt schon. Musste nur grade an eine Eule denken.“

Unter uns tausende Feiernde, die der Kälte trotzen und genauso vom unerwartet einsetzenden Bass überrascht werden wie wir hier oben.  Mit der Schlagkraft einer Abrissbirne beschleunigt der DJ den Beat, die Menge tobt im Stroboskopgewitter. Über uns die Sterne, darunter der Flow – Euphorie macht sich breit und wie zum Beweis tanzt Jan durch die offene Balkontüre zu uns nach draußen:

„Leute, ich liebe euch.“

Jetzt wo er´s sagt, spür ich´s auch plötzlich. Außerdem krampft mein Kiefer mit seinem um die Wette.

Ob sich Vögel  verlieben können?

Haben Eulen Kiefer?

Diese ganze Fragerei bringt mich aus dem Takt. Ich kann nicht tanzen und denken gleichzeitig. Für Multitasking ist es zu kalt. Und zu spät. Und zu dicht.

Über uns schießt ein rosa Lichtblitz in den schwarzen Himmel, knapp gefolgt von neongrünem Blinken das die rotierende Menschenmenge wie ein großes Ganzes erscheinen lässt. Hektisch drehe ich mich um die eigene Achse und laufe durch das Zimmer nach draußen. Ich muss da runter. Mittendrin statt nur dabei…

Schiebe mich durch den Einlass  nach vorne, das Wummern in der Magengegend wird umso heftiger, je näher ich den Boxen neben dem DJ Pult komme. Wie ein zusätzlicher Stromschlag der das Nervensystem auf Vollgas dreht, gepusht und losgelöst. Mit dem Hauch einer Ahnung, wie sich Vollkommenheit anfühlt.

Zack. Bumm. Tauch.

Filmriss.

Starke Arme, die sich unter meine hacken. Als würde mich jemand wegziehen. Wohin ist der Bass verschwunden? Blinzle verstohlen durch ein halb geöffnetes Augenlid in die Dunkelheit.

Bin ich etwa gestorben ?  

Kann nur verschwommene Silhouetten erkennen, es ist so gespenstisch ruhig um mich herum. Außer dem Wummern im Kopf und einem lauter werdendem Atemgeräusch knapp hinter mir scheint es still geworden zu sein.

WO bin ich hier?

Versuche mich aus dem klammernden Griff zu befreien, kapituliere aber, als meine Oberschenkel ihren Dienst versagen und das schwache Licht zum zweiten Mal ausgeht.

Ob Eulen Winterschlaf halten?

Wie schmeckt so ein Vogel?

Stehen Schuhus unter Naturschutz?

Ich glaube er schmeckt nach Strauß.

Wieso riecht es hier nach Marihuana?

Wessen Atem spüre ich im Nacken ? 

Panisch  reiße ich die Augen auf. Der Teddybär neben dem Kopfkissen ist mir völlig unbekannt. Vielleicht sieht er deswegen so apathisch in meine Richtung? Wer zum Teufel kifft hier? Hatte ich letzte Nacht Sex? Und wo bin ich eigentlich?

Und welcher Vollspast kauft sich Bettwäsche mit Hirschköpfen drauf?

Verstohlen werfe ich einen Blick unter die Decke, die höchstwahrscheinlich von Jägermeister gesponsert wurde –  und siehe da, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Ich bin tatsächlich noch angezogen. Inklusive Stiefel.

Die Frage nach dem Koitus wäre somit vom Tisch.

Noch ehe ich eine Antwort auf eine der anderen existentiellen Ungewissheiten finden kann, schreckt mich das dreckige Lachen hinter mir auf. Kreische wie ein kleines Mädchen und springe mit der Dynamik einer Heuschrecke auf Amphetamin aus der Pritsche hoch.

An deren Fußende sitzt unterdessen ein amüsiert aussehender Tim, der vor Lachen beinahe auf den Parkettboden kracht. Wäre mir nicht so schwindelig, würde ich ihn eine reinhauen. Doch noch bevor ich das Gleichgewicht wieder finde, gebe ich dem Zittern meiner Beine nach und lasse mich zurück aufs  Bett fallen.

„Bist du bescheuert?“

Tims Blick verfinstert sich:

„Zumindest weiß ich, wann genug ist, du Irre.“

Wovon redet der denn?

Irgendetwas summt. Außerdem glaube ich, dass mein Kopf explodiert. Ein schmaler Lichtstrahl fällt durch die Vorhänge auf das Fußende des Betts. Genau dorthin wo das nervige Geräusch herkommt.

Verdammt. Mein Telefon.

„Hör auf mich irre zu nennen. Du weißt, dass mir das nicht gerecht wird.“

Lachend öffnet er eine Cola und streckt sie in meine Richtung.

„Stimmt. Du bist geistesgestört hoch tausend. Dafür gibt’s noch gar kein Wort“

Die Kohlensäure brennt furchtbar im Hals, doch der Zuckergehalt der Limo holt mich für eine Weile wieder runter von meiner Welle. Und noch während ich mich frage, welcher Tag heute ist, summt es erneut. Ach ja, das Telefon!

Beim Checken der ungelesenen dreihundert Nachrichten stockt mir der Atem, als ich seine entdecke:

Er würde mich immer noch lieben. Und wollen sowieso.

Mein Herz tanzt.

Ob er auch manchmal an große, weiße Vögel denkt?

Ob der große, weiße Vogel manchmal auch an uns denkt, wenn er sich das Herz bricht?

Geht das ohne Kiefer überhaupt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wo bist du jetzt?

Auch wenn sich die Besetzung geändert hat – das Spiel ist dasselbe. Die Regeln sind die gleichen geblieben –  verschärfte Konsequenzen, dieselbe  Struktur.

Wieder mal eskaliert es, ich weiß nicht warum. Vielleicht bin ich schwierig, vielleicht ist er aber einfach nur ein Idiot. SO wie sein Vorgänger. Und der davor.

Vielleicht seid ihr Kerle aber auch alle Vollidioten?

Oder hab ich für den Affenzirkus keine Nerven mehr übrig?

„Probiers mal mit Vitamin B und Tryptophan. Das wird deinem Gemüt gut tun.“

Ganz leise flüstert mir die Vernunft ins Ohr, ich schüttle wortlos den Kopf. Einen kurzen Augenblick innehaltend, unterdrücke den nahenden Nervenzusammenbruch und schreie mitten in die leere Wohnung hinein:

„Fick dich doch“

Feuere den Schlüsselbund wutentbrannt gegen den Spiegelschrank, der in zigtausend Scherben zerspringt und es Splitter regnen lässt. Hatte beinahe vergessen, wie schön es sein kann, Aggressionen rauszulassen.

Wieso tu ich mir das immer wieder an?

„You´ve crossed the finish line

Won the race, but lost your mind

Was it worth it

After all?“

Wieso steht auf meinem T-Shirt nicht „Arschlochmagnet“ ?

Gott sei Dank habe ich in den letzten Jahren genug Praxis mit solchen Exemplaren sammeln können, ansonsten würde ich mir spätestens jetzt den Lauf einer Waffe in den Mund stecken und abdrücken.  Drauf geschissen, wer den letzen Rest meines Schädels von der Wand kratzen wird; Hauptsache endlich Ruhe.

Doch irgendwas in mir sträubt sich seit immer, gegen den Kauf einer Faustfeuerwaffe; Menschen die eine Schwäche für psychoaktive Substanzen haben, sollten keine Knarre im Haus horten. Schlimm genug, dass sie mich Autofahren lassen…

Tränen laufen über mein Gesicht, langsam aber sicher versagen die Knie ihren Dienst, sinke zu Boden. Vergrabe das Gesicht in meinen Händen; schluchze jämmerlicher als ein kleines Kind am ersten Schultag.

Wo bist du jetzt?

Unbezwingbare Enttäuschung sticht mitten ins Herz – ich vermisse dich so sehr.

Wo bist du jetzt?

Ich bin verloren ohne Dich.

Wo bist du jetzt?

Orientierungslose Suche nach einem Wunder.

Rette mich.

Wo bist du jetzt.

Scheiß auf dich.

Ich brauch dich nicht.

Ich brauch mich nicht.

Ich geb auf.

Hab ich tatsächlich geglaubt, du könntest  der Eine sein – der fehlende Teil in dem Puzzle? Der verloren gegangene Rest in einem außer Kontrolle geratenem Schlachtfeld einer Verrückten; auf der verzweifelten Suche nach Frieden?

Hab ich mich verirrt?

Wieder mal?

Wo bist du jetzt?

Haben wir uns verloren?

Wo sind wir jetzt?

 

 

 

 

 

 

 

 

Hirnwichserei

Ich sehne mich süchtig nach Dir. Viel zu viel Zeit ist seit der Begegnung  bereits vergangen; keine einzige Sekunde in der ich mich nicht in Deine Arme wünsche. Sämtliche Versuche, dich aus meinem Kopf zu bekommen scheitern. Kläglich. Bedauernswert. Erbarmungswürdig. Entwürdigend. Zwecklos.

Könntest du nicht einfach J E T Z T vor meiner Türe stehen?

Gott, wie überwältigend die Erkenntnis, um meiner selbst willen gewollt zu werden.

Doch statt Deiner  Präsenz in der Wirklichkeit, bleibt nichts anderes als die idealisierte Illusion eines viel zu weit Entfernten. Nähe schafft Geborgenheit, aber erst die andauernde Sehnsucht nach einem distanzierten Gegenstück macht eben  jenes perfekt. So vollkommen, dass ihm niemand  jemals das Wasser reichen könnte.

Dem Trugschluss erliegend, ein einziger Mensch könnte alles wieder gut machen. Du könntest doch alles wieder gut machen? Bitte mach es wieder gut.

Weil DU unfehlbar bist – keine Nähe, keine Fehler. Weil DU mein Wunschbild, mein Beispiel für Perfektion in Männergestalt, meine unerreichbare Skizze einer einzig wahren, großen und völlig durchgeknallten Liebe bist. Wahrhaftig erstrebenswert.

Wie es sich wohl anfühlen würde, dich jetzt zu spüren…..

 

 

 

 

Willkommen in meiner Welt, Arschloch.

Zerstückelte Erinnerungsfetzen drängen aus der Versenkung nach oben und innerhalb eines einzigen Herzschlages ist alles anders.

Es ist endgültig vorbei, letzte Funken falscher Hoffnung und kranker Sentimentalität wie weggeblasen; verglüht ohne dabei auf die Knie zu sinken. Ziellose Besessenheit steuert geradezu in die nächste Vollkatastrophe.

Warum bin ich heute nochmal aufgestanden?

Ach ja. Weil ich dachte, der Typ mit dem Sushi und dem Six Pack würd endlich Frühstück bringen. Von wegen. Die Rundfunkgebühr wollt der Spast; aber das ist ein anderes Kapitel.

Der Schlafentzug zeigt erste Spuren, alles auf slowmo. Nachlegen ist umsonst, sämtliche Körpersysteme kurz vorm Abstürzen. Siebzig Stunden wach und ohne feste Nahrung. Da hilft auch Boliviens Exportschlager Nummer eins nichts mehr. Irgendwann ist einfach zu viel des Guten.

Recht herzlichen Dank liebe Obsession.

Geprügelt, gedemütigt und verzweifelt aus dem Ring gestiegen; niemals gekrochen. Ziellos von einer in die nächste Misere getorkelt.

Unzählige Male die Selbstachtung verloren-kein einziges Mal den Stolz.

Mit gehobenem Kopf scheint der Fall ästhetischer, bisschen Contenance und so´n Scheiß. Immer tanzend. Mit Sonnenbrille.

Und noch während man sich den Aufprall als allerletzte Instanz des eigenen Selbstzerstörungswahns vorstellt, kündigt sich unerwartet Hilfe bei dem Vorhaben an.

Sein Gesicht ist eingefallen, die Konturen der Wangenknochen deutlich auszumachen. Mittlerweile hat sich die noble Blässe in fahles Grau gewandelt, die Stirn voller entzündet aussehender Punkte, tiefe schwarze Ränder unter weit aufgerissenen Augen.

Er wollte immer sein wie Onkel Charlie, geworden ist er das uneheliche, in einer Bahnhofstoilette gezeugte Balg, von Jessy Pinkman und Christiane F.

Ihr Kinder vom Bahnhof Zoo.

Aus jeder seiner Poren dringt das Gift nach außen; vor nicht allzu langer Zeit war ich süchtiger nach seinem Geruch, als nach dem Inhalt seiner Taschen.

Da ist kein Glanz mehr in seinem Blick, sämtliche Erinnerungen getötet.

Will mich erinnern.

Schaff es nicht.

Rastloser Geist randaliert im erschöpften Körper, wirre Gedankengänge, leergekokste Müdigkeit eines  kaputten Wahnsinnigen am Rande der Existenzberechtigung.

Willkommen in meiner Welt, Arschloch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rene‘

Wir schreiben. Wir ignorieren einander. Stacheln uns gegenseitig an, heizen ein, als ob es kein Morgen geben würde. Immer wieder wummert die Erinnerung an vergangene Tage und Gefühle wie ein Vorschlaghammer in den Kopf, macht die verdrängten Empfindungen wieder bewusst.

Seit knapp zwei Jahren ficke ich alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, immer mit der Hoffnung, ihn endlich gehen zu lassen. Vergessen können.  Ganz egal wie ich es auch anstelle – ich kann nicht aufhören an ihn zu denken.

Es ist nicht schlimm zu wissen, dass er jemand anders hat. Aber mir blutet das Herz, wenn ich spüre, dass er dabei unglücklich ist.

„Interessant ist immer das, was man nicht haben kann.“

Richtig. Nur, dass es nicht um Besitzanspruch geht. Alles was ich will, ist zu wissen, dass er ok ist.

Scheiß aufs Ego.

„Will dich spüren. Schmecken. In deinen Armen einschlafen, nur um zu wissen, dass du wirklich da bist.“

Niemals hab ich mich sosehr nach einen Menschen gesehnt, wie in diesen Tagen nach ihm. Seit Wochen schon ungefickt und trotzdem interessiert mich keiner der üblichen Bums-mich-anständig-durch- Spasten, alles was ich jemals wollte ist………….Er……

Gott und die Welt sagt mir, ich soll die Finger davon lassen; der Turbo unter meinen Rippen sagt was anderes… Sturheit? Engstirnigkeit? Aneckenwollen? Nostalgie? Sucht? Naivität?

Nichts als verzweifelte Versuche, das Unfassbare in die korrekte Schublade zu stecken, wie auch immer. Einen feuchten Scheiß drauf gebend was irgendjemand davon hält…  Ihr habt keine Ahnung wie ich fühle. Und  noch während in meinem Schädel Krieg tobt, summt das verfickte Ericcson wie ein eingekokster Epileptiker auf dem Glastisch herum.

Kurzer Blick aufs Display, bestätigt meine Vorahnung. Er hat geschrieben. Wir sehen uns heute. Zum ersten Mal seit drei Monaten.  Versuche die Vorfreude zu dämpfen, nur nicht durchdrehen… Sag der besten aller Vertrauten Bescheid, schmeiß mich in mein weißes „Fick-mich-Kleid“, das sie mir vor Wochen geschenkt hat und mach mich auf den Weg nach St. Eiermark.

Scheiße, bin ich aufgeregt.

Ob ich kurz anhalten und einen Ofen rauchen sollte?

Nein, ich will vollkommen bei Sinnen sein, keinen einzigen Nervenstrang betäubt, alles spüren. Unterwegs meldet sich auch der Mann mit dem Koks. Nein danke, ich will mich nicht schon wieder selbst sabotieren…. Keine Sehnsucht nach Placebos; alles was ich brauche kann man nicht kaufen..

Klopfe mir selbst auf die Schultern, ehe ich bemerke, dass ich angekommen bin; wie der erste Kick auf MDMA erwischt es mich, als ich seinen Wagen sehe. R. sieht genauso aus, wie ich ihn in Erinnerung habe; süß- und unendlich müde. Doch das sonstige Herzrasen ist einer tiefen Vertrautheit gewichen; unsicher wann ich mich zum letzten Mal jemand so nah gefühlt hab, als ich in seine Karre steige und mich neben ihm in den Sitz fallen lasse.

Und plötzlich fühlt es sich an, als wäre der ganze Scheiß nie passiert; neurotische Verliebtheit ist einem undefinierbarem Akzent der Ruhe erlegen.  Keine Ahnung, aber es ist richtig. Richtig gut.

Wir reden. Zum ersten Mal seit geraumer Zeit. Nicht nur über belanglosen Mist. Über Dinge, die bewegen. Steigen aus dem Auto, er nimmt mich an der Hand. Sauge den Augenblick ein, als wüsste ich ganz tief drinnen, dass es sich nie mehr so intensiv anfühlen würde.  Liegen nebeneinander in einer der Pritschen, bekomme nicht genug von seinem Geruch, verliere mich beinahe, ich kann nicht glauben, dass das wirklich passiert. Hätte ich einen Wunsch frei,  wäre es, ihn nie mehr loszulassen.

Streichle über seine Brust, tänzelnde Fingerspitzen ebnen sich den Weg, jagen die Innenseite seiner Oberschekel hinab, halten an den Knien inne, fegen wie ein Orkan zurück zwischen seine Beine, zeichnen die Konturen des hart gewordenen Körperteils nach, während er meine unverpackten Titten durch den Stoff hindurch inspiziert, gekonnt an den Nippeln zieht, loslässt um sie anschließend durchzukneten. Gott, er riecht so gut.

Kurz vorm verrückt werden stehend,  als hätte er Lunte gerochen, lässt er plötzlich von mir ab, steht auf und beginnt damit, sich auszuziehen. Challenge accepted – mit einer flüssigen Aufwärtsbewegung streife ich den Fickmichfetzten ab, stehe nur noch in Halterlosen vor ihm, rufe enthusiastisch „Erster!“,  bevor er mich umdreht und meinen Oberkörper aufs Bett drückt.

Schließe die Augen, fest zupackende Hände dirigieren meinen zuckenden Arsch nach hinten, und während ich mich noch wundere wie geil sich das anfühlt, rammt er mir den steinharten Schwanz hinein, ohne die Möglichkeit mich zu wehren lasse ich mich fallen. Verliere völlig die Kontrolle, alles was ich will ist mehr davon.

Immer lauter werdende Schreie, er krallt sich tief in meine Hüften, mit einem Ruck dreht er den winselnden Körper auf den Rücken, nicht ohne mir vorher kräftig auf den Arsch zu klatschen. Millimeter vor dem Höhepunkt herumschleichend, reißt er unerwartet sein Teil wieder aus mir raus.

Gierig, beinahe automatisiert drücke ich meinen Körper in seine Richtung, zärtlich packt er mich am Hinterkopf, steuert ihn eine Etage weiter nach unten, solange bis sich Schwanzspitze und Lippen berühren.

Ausgehungert wie eine Königscobra, die wochenlang nichts mehr zu fressen bekommen hat, schnappe ich vorsichtig nach dem Lieblings-Schwanz, ziehe mit der Zunge Kreise über die Spitze, um ihn schließlich bis zum Anschlag im Gesicht verschwinden zu lassen.

Langsam wandernde Hände, innehaltend, weiter suchend, findend, staunend, gleichzeitig mit seinen, die mich auf einmal an den Beinen erwischen. Vorsichtig und doch bestimmt drückt er sie nach hinten, solange, bis ich vollkommen frei und zugänglich vor ihm liege.

Sekunden später seine Zunge, die sich ihren Weg durch mein Allerheiligstes bahnt, Contenance war gestern. Geschickt provoziert er das mittlerweile hypersensible Präzisionsgerät an den Rand des Wahnsinns, zitternd und windend erreiche ich  zum ersten Mal den Höhepunkt.

Versuche mich loszulösen, dann wie Brandbeschleuniger, ein gehauchtes „Du sollst stillhalten“, kickt mich wie Lionel  Messi das runde Leder, eine Sphäre höher. Verliere noch mal die Kontrolle, bevor die erste Welle abebbt, explodiert mein unterhaltsamster Körperteil zum zweiten Mal  an diesem Abend.

Mit der Präzision einer Armbanduhr der Eidgenossen leckt er mich zum nächsten Gipfel, instinktgesteuert und tiefenentspannt sinke ich in seine Arme. Ich wusste gar nicht mehr wie vollkommen sich das anfühlt.

Als wäre mit einem Schlag alles anders; der Zustand den ich am Meisten fürchte, gleichzeitig das Intensivste, dass ich jemals gespürt habe… Nähe.

Es ist einfach perfekt. Wunderschön.