#kitkatberlin

Musik, Champagner und mein Begleiter top. Der immer ausufernde Gang Bang auf der Tanzfläche eher nicht.
Ich frage Joel ob wir nicht in den Kitkat wechseln wollen.
Er sagt, nein danke, ihm wäre schon schlecht.
Außerdem müsste er spätestens um drei zurück zuhause sein, ohne Ärger mit seiner Frau zu kriegen.
Er liefert mich im Hotel ab, fährt weiter zu seiner Familie.
Ich bestelle mir ein neues Taxi.
„Junge Frau, wohin soll´s denn gehen?“
Er soll mich bitte in die Köpenickerstraße 76 bringen, antworte ich.
„Was wollen Sie denn dort?“, entgegnet er fassungslos.
„Naja, ficken.“
Mit einem Mal hält er an, dreht sich zu mir um.
„Ach ja?“, flüstert er mir zu, legt den Gang wieder ein und steigt aufs Gaspedal, um kurz darauf in eine dunkle Seitengasse einzubiegen.

#Mantra

Immer noch betäubt erreiche ich als frisch gebackener Single Kärnten, fest entschlossen nicht in Selbstmitleid zu versacken. Trübsal ist schließlich nicht alles was man blasen kann.
Je mehr die Wirkung des Opiats nachlässt, desto mehr meldet sich meine Libido zurück. Zwischen Liebeskummer, Entzug und Bumsbedürfnis taumelnd, krame ich im Kleiderschrank nach was Passendem zum Weggehen, während ich mein Mantra verinnerliche: Nein zu Heroin. Nein zu Beziehungskisten. Ja zu belanglosem Sex mit Unbekannten. Im Namen des Vaters, des Sohnes, des heiligen Geistes. Amen.
Entscheide mich für die einzige Jean, bei der ich den Knopf noch zubekomme plus ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck: „Want to fuck my Boyfriend“, auch wenn mein Gemüt eher nach „Want to kill myself“ verlangt und ich außerdem ja gar keinen Boyfriend mehr habe. Aber man kann schließlich nicht alles im Leben haben.
Die Schlange vor dem Club ist kürzer als angenommen, für gewöhnlich geht hier samstags die Post ab. Monatsende sei immer ruhig, erklärt mir der Türsteher. Kurz vor Ersten ist das Leben am Schwersten, er drückt den Stempel auf meinen Handrücken und wünscht mir viel Spaß.
Eng umschlungen steht ein junges Pärchen zwischen mir und der Theke. Ich frag mich ob die beiden überhaupt schon Schamhaare haben, die sehen aus als wären sie direkt aus der Sandkiste in die Disko gekommen.
„In eurem Alter hab ich noch Kastanientiere gebastelt!“, schreie ich die Turteltauben an, drohe damit ihre Mütter anzurufen wenn sie nicht auf der Stelle aufhören mit dem Heavy-Petting an der Theke. Wie soll man denn da zu einem Bier kommen?
Genervt löst sich der Jüngling von seiner Gespielin, zeigt mir den Vogel. Vorsichtshalber mustert er mich dann doch, bemerkt die Aufschrift auf meinem Shirt. Grinst.
„Ach und wo ist dein Kerl?“, will er von mir wissen. Plötzlich dreht sich auch sein Blondchen in meine Richtung, starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an, fasst nach meiner Hand und zieht mich an sich….