#kitkatberlin

Musik, Champagner und mein Begleiter top. Der immer ausufernde Gang Bang auf der Tanzfläche eher nicht.
Ich frage Joel ob wir nicht in den Kitkat wechseln wollen.
Er sagt, nein danke, ihm wäre schon schlecht.
Außerdem müsste er spätestens um drei zurück zuhause sein, ohne Ärger mit seiner Frau zu kriegen.
Er liefert mich im Hotel ab, fährt weiter zu seiner Familie.
Ich bestelle mir ein neues Taxi.
„Junge Frau, wohin soll´s denn gehen?“
Er soll mich bitte in die Köpenickerstraße 76 bringen, antworte ich.
„Was wollen Sie denn dort?“, entgegnet er fassungslos.
„Naja, ficken.“
Mit einem Mal hält er an, dreht sich zu mir um.
„Ach ja?“, flüstert er mir zu, legt den Gang wieder ein und steigt aufs Gaspedal, um kurz darauf in eine dunkle Seitengasse einzubiegen.

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Wir kippen Tequila am Gendarmenmarkt, qualmen Zigarillos unterm Brandenburger Tor. Der Taxifahrer rast am Potsdamer vorbei mitten hinein in die frische Nacht, während Joel und ich auf der Rückbank Champagner trinkend die vorbeiziehende Stadt auf uns wirken lassen.
Wir halten an einer roten Ampel, Massen von Menschen die sich über den Zebrastreifen schieben. Ob hier immer so viel los ist, frag ich, während sich Joel eine Nase Koks genehmigt.
„Ja, viele junge Leute hier. Aber die Alten sagen, dass hier früher alles besser war.“, klärt mich der Fahrer auf.
„Ich glaube das ist nicht nur in Berlin so. Die jammern alle ihrer Glanzzeit hinterher, egal woher sie kommen – spätestens ab 40 trauern alle der guten alten Zeit nach.“
Der Wagen hält vor einem riesigen Hochhaus, das auf den ersten Blick wie ein Bürogebäude wirkt. Joel nimmt mich an der Hand.
Fröstelnd vor Aufregung tapse ich vorsichtig hinter ihm her, halte mich an seinen Schultern fest, als er an der einzigen Türklingel die unbeschriftet ist drückt….

Der Glatzkopf in Latexshorts der uns öffnet. Rotes Licht. Immer lauter werdende Beats. Champagner. Der nackte DJ am Pult. Eine schüchterne Asiatin die sich in die Arme ihres Liebsten flüchtet. Die abgehalfterte Blondine auf allen vieren. Champagner. Joel lacht. Ein fetter kleiner Kerl der sich einen von der Palme wedelt. Rote Ledersofas. Caipirinha. Ein anderer fetter Kerl steckt seinen Pimmel in den Mund vom Blondchen. Neben uns ein hochgewachsener Jüngling dessen Gesichts- und Geschlechtsteilausdruck auf pures Entsetzen schließen lässt.
Abends, halb elf in Deutschland.

#Mantra

Immer noch betäubt erreiche ich als frisch gebackener Single Kärnten, fest entschlossen nicht in Selbstmitleid zu versacken. Trübsal ist schließlich nicht alles was man blasen kann.
Je mehr die Wirkung des Opiats nachlässt, desto mehr meldet sich meine Libido zurück. Zwischen Liebeskummer, Entzug und Bumsbedürfnis taumelnd, krame ich im Kleiderschrank nach was Passendem zum Weggehen, während ich mein Mantra verinnerliche: Nein zu Heroin. Nein zu Beziehungskisten. Ja zu belanglosem Sex mit Unbekannten. Im Namen des Vaters, des Sohnes, des heiligen Geistes. Amen.
Entscheide mich für die einzige Jean, bei der ich den Knopf noch zubekomme plus ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck: „Want to fuck my Boyfriend“, auch wenn mein Gemüt eher nach „Want to kill myself“ verlangt und ich außerdem ja gar keinen Boyfriend mehr habe. Aber man kann schließlich nicht alles im Leben haben.
Die Schlange vor dem Club ist kürzer als angenommen, für gewöhnlich geht hier samstags die Post ab. Monatsende sei immer ruhig, erklärt mir der Türsteher. Kurz vor Ersten ist das Leben am Schwersten, er drückt den Stempel auf meinen Handrücken und wünscht mir viel Spaß.
Eng umschlungen steht ein junges Pärchen zwischen mir und der Theke. Ich frag mich ob die beiden überhaupt schon Schamhaare haben, die sehen aus als wären sie direkt aus der Sandkiste in die Disko gekommen.
„In eurem Alter hab ich noch Kastanientiere gebastelt!“, schreie ich die Turteltauben an, drohe damit ihre Mütter anzurufen wenn sie nicht auf der Stelle aufhören mit dem Heavy-Petting an der Theke. Wie soll man denn da zu einem Bier kommen?
Genervt löst sich der Jüngling von seiner Gespielin, zeigt mir den Vogel. Vorsichtshalber mustert er mich dann doch, bemerkt die Aufschrift auf meinem Shirt. Grinst.
„Ach und wo ist dein Kerl?“, will er von mir wissen. Plötzlich dreht sich auch sein Blondchen in meine Richtung, starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an, fasst nach meiner Hand und zieht mich an sich….

#CFNM

Sie trägt ein schwarzes Korsett aus Leder, zusammengebundene Haare, auf ihrem Nacken strahlt mir ein blaues Auge mit Stecknadelpupille entgegen – was für ein abgefahrenes Tattoo. Sie bemerkt meine Blicke, als sie durch den Rückspiegel nach hinten sieht. Als ob ein kaum wahrnehmbarer Blitz durch sie fährt, um den Schalter umzulegen – ihre dreckigen Gedanken sind beinahe greifbar.
So wie Mr.L´s Erektion, die die aufgeladene Atmosphäre bemerkt hat und ihn zusehends am Lenken des antiquiert aussehenden Wagens hindert. Der riesige Lenkrad scheuert an der Beule seiner Hose, wieso haben diese Jugobenz eigentlich so fette Steuer? Wahrscheinlich weil sich nur ímpotent-kleinschwänzige Uropas mit tief hängenden Sack solche Kisten zulegen. Damit sie sich beim Kurverfahren gut festhalten können, um die Fliehkraft unter der Gürtellinie aus zu gleichen.
Mister L´ biegt auf den schmalen Schotterweg ein, einige hundert Meter hinter den Kastanienbäumen ragt ein rotes Backsteingebäude heraus, umgeben von unzähligen Feuerstellen, die mit dem Sternenhimmel um die Wette leuchten. Valentinas Hand wandert über seinen Schritt, sie streichelt über das halb geöffnete weiße Hemd, ehe sie ihre Finger zwischen seine geöffneten Lippen schiebt.
„Leck daran“, ihr waffenscheinpflichtiger Stimmklang treibt Mister Lover Lover die Schweißperlen auf die Stirn, als wir den gut belegten Parkplatz erreichen. Er braucht drei Versuche um rückwärts ein zu parken, kein Wunder bei der Latte kann der ja gar kein Blut mehr im Hirn haben.
Ich fühle eine gewisse Genugtuung in mir aufkeimen, als mir dämmert, dass er heute die Arschkarte gezogen hat und ich am Beobachtungsposten eingeteilt scheine. Er soll sich gefälligst zusammenreisen, ansonsten mache sie ihn mit ihrem Lieblingsinstrument vertraut. Ich glaube nicht, dass sie Klarinette spielt….
Sowohl die Security Typen vor dem Tor, als auch die etwas zu klein geratene Dicke mit dem low-buget-Haarschnitt im Hartz4-Empfänger Optik, winken uns durch. Ich verkneife mir die Frage, ob sie Stammgast oder Heimleiter in dem Schuppen ist. Am Ende des langgezogenen Gangs führt eine schmale Treppe in ein Kellergewölbe, ich kann ein Saxophon hören. An den Wänden hängen Plakate, auf einem davon wird die heutige Veranstaltung angekündigt – nehme ich mal an. Da ich weder weiß wo wir sind, noch was CFNM bedeutet und Valentina damit beschäftigt ist, Mister Lover Lover einen Gag-Ball anzulegen, bleibt es erstmal eine Vermutung.
„Sorge dafür, dass er sich auszieht, leg ihm das Halsband an und warte hier“ ,sie zieht den Riemen des Knebels fest, vergewissert sich, dass er auch hält bevor sie eilig davonstapft.
„Du hast gehört was sie gesagt hat, los mach dich nackig“ ,amüsiert über die neue Hackordnung kneife ich seine Brustwarzen. Sein Protest scheitert an dem schwarzen Gummidings in seinem Mund, klingt wie wirres Geblabbel eines Vollzeitalkoholikers mit dem Gesicht am Bordstein. Widerwillig blickend schält er sich aus seinen Klamotten, mit jeder seiner Bewegungen verspricht er mir Vergeltung.
„Schau doch nicht so rachsüchtig, dein Schwanz tut es ja auch nicht Schatz“ ,deute auf den Grund seiner verminderten Gehirndurchblutung, verschränke meine Arme vor der Brust , lehne mich gegen einen der grauen Spinde um das Gefühl der Überlegenheit auszukosten. Ob es wohl der richtige Zeitpunkt wäre, um ihn den Seitensprung zu beichten? Oder das wahre Ausmaß meines Heroinkonsums? Oder das ich immer wenn ich sauer auf ihn bin, mit seiner Zahnbürste die Toilette schrubbe, bevor ich sie wieder ins Badezimmer räume?
Valentina kommt mit einem Haufen Latexfummel, Highheels, einer Hundeleine und Armmanschetten aus schwarzem Leder zurück gestakst. Sie entschuldigt sich für die kurze Verzögerung und bittet mich die Sachen an zu probieren und eins davon an zu behalten, der Dresscode sei sehr streng.
Selbst meine Titten japsen unter dem glänzenden Material nach Luft, einzig mein Hintern kann sich über aircondition-optimierung freuen, er ist das einzige Körperteil das nicht in schwarzes Latex gepackt wird. Mister Lover Lover fallen fast die Augen aus dem Kopf, das Pochen in seinem Schwanz übertönt die Musik, als ich ihn die Leine anlege, seine Hände auf den Rücken fixiere und Valentina Richtung lauter werdendem Saxophon folge.
Und gerade als ich mich frage, wieso ich Latex-fick-mich-Klamotten trage und der Kerl an meiner Leine außer seiner Erektion nichts, kapiere ich was CFNM bedeutet…. Die letzten Meter des Gewölbes sind rechts und links mit knienden, nackten Kerlen gesäumt. Keiner wagt es den Blick zu heben, als wir an ihnen vorbeikommen und das Tor in eine andere Welt betreten.
„Clothed Female Naked Men“, knallt die Leuchtschrift über der Bühne, wie zum Beweis spielt der riesige Schönling im Adamskostüm auf seinem Instrument, während sich eine der unzähligen Damen vor der Tanzfläche das Kleid hochschiebt und ihren Tanzpartner zu Boden drückt. Sie dirigiert seinen Kopf in ihren Schoss – fasst einem vorbeihuschenden Nackten mit Tableau an den Hintern.
Valentina sagt, ich soll den Mund wieder zu machen.
Mister Lover Lover sagt Ghrrkkttddie.
Seine Erektion schreit yippyeiyeah.
Ich sage gar nichts mehr.

Comptoir Suisse oder Hashtaglausanne

Durch einen mehr als kritischen Engpass meiner Finanzen, bin ich genötigt meine Zelte vorübergehend in der Schweiz aufzuschlagen.
Leider verstehe ich kein Wort von dem Arbeitsvertrag, den mir Miggi organisiert – abgesehen von meinem Namen und den des Betriebs. Aber no risk – no fun. Ich unterschreibe das Ding und hör mir Miggi´s Warnung noch an: „Der Alte ist ein Pünktlichkeitsfetischist! Pass auf, dass du nicht unpünktlich bist – das ist bei denen ein Kündigungsgrund.“
Verständnisvoll nickend bedanke ich mich bei ihm und mach mich auf den Weg zu dem restlichen Haufen österreichischer Wirtschaftsflüchtlinge. Steffi und Charly haben den Wagen schon vollgepackt und warten bereits auf mich.
„Wozu braucht ihr für zwei Wochen so viel Zeug?“, frage ich entgeistert, als ich den bis zum Anschlag befüllten Suzuki sehe.
„Frag am besten meine Frau“, erwidert Charly leicht angetrunken.
„Ja genau. Das meiste von dem Zeug ist wahrscheinlich dein Rauschgift, du Idiot“, faucht Steffi ihn an. Gott muss Liebe schön sein.
Ich schaffe es tatsächlich auch meinen Kram noch unterzubringen und dabei einen Sitzplatz frei zu halten. Wir beschließen den angebrochenen Abend am See ausklingen zu lassen, bevor es am nächsten Tag runter nach Lausanne gehen soll.
Alte Bekannte und solche die es noch werden sollten hocken rund ums Lagerfeuer, die Sonne geht gerade hinter dem Weinberg unter, zaubert den kleinen Ort in ein malerisches Licht. Es könnte so romantisch sein, wäre da nicht diese Möwe, die plötzlich herabstürzt und mir mein Pizzastück aus der Hand reißt.
„Polnischer Kackvogel, verrecken sollst du dran“, ich bin nicht ich, wenn ich hungrig bin. Unterzuckerte Contenance ist wie ein nationalsozialistisches Einhorn – undenkbar.
JE mehr ich mich aufrege, desto mehr amüsiert sich der Rest der Anwesenden. Charly wirft mir ein Bier zu, ich solle mich beruhigen er wüsste eine Alternative zur Pizza. Gefühlte drei Minuten später sitzen wir zu viert in einem Tretboot, das heftiger schaukelt als eine Wiege voller amphetamingetränkter Frettchen. Insgeheim bin ich froh, dass ich die Pizza nicht selbst gefressen habe – zumindest weiß ich jetzt was mir der Arschlochvogel über uns vor die Füße kotzt – es ist garantiert Bio – und Fairtrade sowieso…
Würde das MDMA nicht grade zu wirken beginnen, wäre ich sicher voll angefressen auf die Arschlöcher. Ich mein was denken sie sich eigentlich?
Das ich behindert bin?
<Ficker!
Nach dem Tretboot kam die Ernüchterung. Blackout. Außerdem der Zug,in dem ich sitze. Ich bin desorientierer als ein syrischer Flüchtling ohne google maps. Was zum Teufel tu ich hier eigentlich?

Wieso krieg ich keinen Euro, bei jedem einzigen verdammten Mal nbei dem ich mir diese Frage stelle?

Banane

Ernesto schreit mich an: „Gib Gas, du Irre!“
Seine Stirn ist Schweißbenetzt, er scheint es echt ernst zu meinen. Als ob man mir den Bleifuß diktieren müsste, scheiß verblödeter Beifahrerischer Ausländer. Trete mit voller Kraft aufs Gaspedal, Ernestos Schädel knallt gegen die Kopflehne.
„Bist du deppert, die Kiste jault ja lauter als mein angeficktes Alter Ego beim Porno schauen“, unüberhörbarer Enthusiasmus meinerseits. Gott, ich liebe diese Karre. Mustang rulez.
Ernesto eher nicht. Der kotzt gegen die geschlossene Seitenscheibe.
Ich schreie ihn an, fasle etwas von du dummes Arschloch, schau was du da angerichtet hast. Würgendes Röcheln neben mir: „In meinem Auto kann ich hinspeiben wo ich will du Miststück.“
Achja, genau. Sein PKW.
Als ob ich mir ne gelbe Karre für über 25 Riesen holen würde. Bin schließlich keine übermotivierte Verkaufsnutte von Chiquita, oder der Post.
„Fick dich doch Ernesto.“
Fahre den Mustang rechts ran und steige aus. Theatralisch kann ich.
Zwei Schritte weiter erbarme ich mich – elendiges Würgen hinter mir; verdammt noch mal, wieso muss der jetzt abkratzten? Sicher weil sein Auto so hässlich ist? Da würd ich auch den Freitod wählen….
So friedlich wie er da auf dem Boden liegt, man könnte meinen er hätte das Zeitliche gesegnet. Wäre da nicht die immer größer werdende Ausbeulung knapp unter seinem Bauchnabel. Ich denke nicht, dass Leichen Erektionen bekommen.
„Totstellen geht ohne Latte, du Genie“, fasse ihn mit der einen zwischen die Beine, suche mit der anderen mein Handy in der Tasche. Noch bevor ich Ernestos Penis auf den Weg nach Instagram schicke, reißt er die Augen auf – und mich zu Boden.
Immer lauter werdende Sirenen, seine Knie drücken meine Schultern unnachgiebig zu Boden, er knurrt mich an: „Wenn du schnell bist, hast du vielleicht noch eine Chance. Auf die Plätze, fertig,…. !“

Beim ersten Versuch das grunzende Viech über den Zaun zu heben, wird lötzlich eins der Fenster über unserern Köpfen aufgerissen. Vor Schreck lass ich das Schwein fallen, mit einem Schlag ist es wieder putzmunter. Ich hab befürchtet, dass die Dosis für so´n Vieh zu niedrig ist – aber wer will schon ein Babyschwein überdosieren? Die sind echt niedlich, deswegen versuchen wir die auch zu klauen.“Ihr scheiß behinderten Ausländer, lasst sofort Henry los!“, schallt es aus dem Stock über dem Gehege.
Steffen packt mich am Anorak, wir laufen los. Henry lassen wir zurück, weiß eh nicht, ob er sich mit den Katzen verstanden hätte.

Es fühlt sich eigenartig an, ihn nach so langer Zeit endlich wiederzusehen, da ist kein Kribbeln mehr im Bauch – auch wenn die Freude über das Wiedersehen wahrhaftig ist, und all den Kleinkram überstrahlt, der mich in letzter Zeit so genervt hat.
Irgendwas ist da immer noch zwischen uns beiden, spürbare Spannung schält sich aus unserer getarnten Gelassenheit, als unsere Blicke sich endlich kreuzen. Ich erkenne ihn unter hunderten Menschen in der Lobby – selbst wenn man mir die Augen verbunden hätte würde ich seine körperliche Präsenz bemerken; seine geistige schien ohnehin ständig anwesend. Gsnz egal wie weit wir voneinander entfernt waren…

Seine Augen spiegeln den Glanz der Meinen

Schon komisch, wie sich der eigene Geschmack im Laufe der Zeit verändert, einem ständigen Wandel erliegt. Ist das Entwicklung oder Abbau?
Früher fand ich die Onkelz cool, außerdem Wurstsalat-Majonaise-Semmel.
Heute steh ich auf Paul Kalkbrenner, vegetarische Extrawurst und glutenfreies Brot.
Fortschritt, oder Verblödung?
Die erste langfristige Hauptrolle in meinem autoerotischem Kopfkino, spielte ein kleingewachsener Blondschopf mit Stockerlarsch und Karohemden – mein Mathelehrer – der Traum meiner schlaflosen Nächte – der Inhalt sämtlicher präubertären feuchten Träume. Während andere Mädels von Robbie Williams fantasierten, malte ich mir eine romantische Blowjob-Szene im Kopierraum mit dem Herrn Professor Algebra aus.
Nachdem er keinen meiner Liebesbriefe beantwortete, dachte ich erst an Freitod, änderte nach langem Überlegen aber einfach mein Beuteschema. Ich wollte schließlich nicht sterben bevor mir die ersten Schamhaare das Gefühl von körperlicher Reife geben konnten. Nur die Besten sterben jung, aber nur die Bescheuerten ohne Titten und Landebahn.
Bedingt durch den subtilen Rassismus meiner Erzeuger, beschloss ich von jetzt an nur mehr an afroamerikanische Männer zu denken. Ich wollte keinen Professor, ich wollte Ebola. Rebell ohne Grund?
Egal, hauptsache schwarzer Penis.
Bis zu dem Tag, an dem ich zum zweiten Mal neunundzwanzig wurde, hielt ich meiner Wichsphantasie die Treue. Länger als irgendeinem realen Mann…

Mehr torkelnd, als flatternd suche ich Halt am Aquarium, um nicht schon vor dem Frühstück umzukippen. Haben wir gestern so viel gesoffen, oder hab ich mir die Grippe eingefangen? Leider kann mir der Piranjia auch keine schlüssige Antwort liefern, ich zeige ihm den Stinkefinger und hoffe insgeheim, dass das Mistvieh nicht rausspringt und ihn mir abbeißt.
„Hör auf Bernd zu provozieren“ , der warnende Unterton in seiner Stimme entgeht mir nicht, auch wenn ich keine Ahnung habe, wer Bernd ist.
Als hätte der halbnackte Kerl, der da vor mir im Türrahmen lehnt, meine Gedanken gelesen, antwortet er auf meine unausgesprochene Frage. Bernd sei der Fisch. Und ich würde aussehen, wie ein potentieller Köder.

Frau mit Bagger sucht Mann mit Schotter

Ein allerletztes Mal fliege ich über die Texte um ganz sicher zu gehen keine F – Wörter darin übersehen zu haben. Es gehört sich einfach nicht über Ficken und Fotzen zu reden, wenn die Eltern im Publikum sitzen. Da ziehe sogar ich eine klare Grenze, gewissenhaft entschärfe ich die kritischen Passagen während mich der Moderator ankündigt.
Ich atme noch einmal tief durch, schicke ein stilles Stoßgebet nach oben. Bitte lieber Gott mach, dass ich mich nicht vor Aufregung übergeben muss. Meine Gebete werden erhört – vorerst.
Als ich zu Lesen beginne kann ich spüren, wie die Farbe aus meinem Gesicht weicht. An die fünfzig Augenpaare kleben an meinen Lippen, lauschen den allmählich ruhiger werdenden Worten. Nach der dritten Zeile durchbricht schallendes Gelächter die Stille – Volltreffer, die verstehen meine Art von Humor. Entspannt schaukle ich die halbe Stunde, zum Ende rutscht mir sogar eins der bösen Wörter raus das ich versehentlich nicht weichgespült habe.
Meine Schwester zeigt mit den Daumen nach oben, ihr Blick sagt gut gemacht. Ich wechsle einige Wörter mit dem Moderator, beantworte Fragen meiner Literaturgroupies und signiere Bücher. Verwundert über das fortgeschrittene Alter der meisten meiner Leser, vielleicht bin ich zu pervers für Teenies? Oder zu langweilig, schließlich weiß jede Sau wie das mit Youporn funktioniert…
Sein Akzent macht mich fickerig, seine Augen sowieso. Ganz zu schweigen von den pechschwarzen Haarsträhnen, die er sich aus dem Gesicht streicht, als er mich um eine Widmung bittet.
„Für Carlos, bitte“, schüchtern reicht er mir das Buch. Unterschreibe mit „für das geilste Stück im Publikum“, vervollständige mit meiner Telefonnummer und gebe es ihm zurück. Muss unbedingt zu meinen Leuten zurück, ansonsten würde ich ihn an Ort und Stelle vernaschen.
Der harte Kern der Truppe folgt mir durch die Nacht, auch die dritte Sperrstunde kann uns nicht aufhalten. Wir ziehen immer weiter um mich zu feiern, torkelnd halten wir nach einer Spelunke Ausschau in der wir noch was zu Trinken bekommen. Steffen lallt was von an der Gabelung rechts halten, wir folgen dem angesoffenen Polen. Doch statt einer Bar, ist hinter der Ecke Baustelle.
„Willst du trinken oder was klauen du osteuropäischer Vollpfosten?“, Ellena faucht den Typ genervt an.
„Immer wenn du unteralkoholisiert bist, wirst du zur Diva. Entspann dich mal“, unbeeindruckt holt Steffen seinen Schwanz aus der Hose um einen der Hydranten anzupinkeln. Das anschließende Gekeife meiner unteralkoholisierten Freundin kann ich nicht mehr hören, ich bin damit beschäftigt, über die Absperrung der Baustelle zu klettern. Angesichts meiner Highheels und dem nuttigem Fummel, dessen Saum nicht länger als der blaue Faden meines Tampons reicht, erfordert das Unterfangen sämtliche Konzentration. Klopfe mir selbst auf die Schulter, als ich den Bagger erreicht hab und mich an ihm hochangle, bis ich auf dem schwarzen Ledersitz Platz nehme.
Ellena zeigt mir den Vogel, meine Mutter schüttelt resigniert den Kopf, bevor sie mich mit dem Handy fotografiert. Eines Tages werde sie das Bild meinen Kindern zeigen.
Ich frage den Polen, wie man so ein Gerät kurzschließt. Mama sagt, bitte komm vom Bagger runter. Du ruinierst dir doch die guten Schuhe, Kind.
Mein Handy klingelt. Es ist Carlos, er fragt ob ich für ihn Zeit hab.
Ich frage, ob er es schon mal in einem Bagger getrieben hat.
Steffen schreit, weg hier, Bullen im Anmarsch.
Versichere Carlos sofort zurück zu rufen, reihere auf die aufgerissenen Pflastersteine, als der Polizeiwagen neben meiner Mum zu stehen kommt.

Hashtag die Faschingsprinzessinnen

Direkt neben uns tanzt Miss Mietzekatze, als ob es um Leben und Tod gehen würde, die Kleine scheint drauf wie Hupe zu sein. Gegen sie wirke selbst ich wie ein Schulmädchen auf Bachblüten.
Ihre riesengroßen Augen wandern unruhig umher, ob sie wohl ein Katzenklo sucht?
„Ey du Muschi, zur Drogenberatung geht´s hier lang!“, Gerfried verschreckt das Raubtier mit seinem Geschrei beinahe zu Tode. Von der Paranoia überwältigt ergreift das Fellknäuel die Flucht.
Ich sage Gerfried bitte hör auf damit. Wer bitteschön will schon mit einer eins fünfundachtzig großen Banane über seine offensichtlichen Suchtprobleme sprechen:
Gerfried meint, vielleicht eine vegane Mutzi?
Ich sage, geh doch selbst zum Psychiater du durchgeknalltes Früchtchen. Verständnisvoll nickt mir eine Nonne zu, ehe sie versucht so unauffällig wie möglich hinter einen Barhocker zu reihern. Den, auf dem ich gerade sitze.
Lautlos geht irgendwie anders. Sie grölt wie ein Hooligan bei Stadionverbot, als sich ihr Mageninhalt unweit meiner Stiefel evakuiert.
„Blöde Fotze, ich rufe das Veterinäramt an, wenn du weiterhin auf unschuldige Waschbären kotzt! Das ist blasphemische Tierquälerei, du Gotteshure!“, kreische ich sie an. Ein zufällig vorbeirauschendes Schneewittchen schnauzt mich an, ich solle gefälligst meine dämliche Fresse halten, ansonsten werde sie mich windelweich prügeln.
Ich sage, Gerfried wir gehen, bevor sie ihre Zwerge ausm Arsch zieht.
Mit einem lauten Knall geht Frau Misses Klosterschwester zu Boden, mitten rein in ihr Erbrochenes. Wenn das der liebe Gott sehen würde…
Halleluja und fick dich Schneewittchen.
Ab morgen ist Ramadan, schrei ich die Banane an. Gerfried nimmt mich an der Hand und zieht mich aus dem Lokal hinaus.
„So Kleines, jetzt zeig ich dir den Weg zur Drogenberatung…“

Lei lei, ihr Narren – und willkommen in VILLACH!

Hoch wie nie

Bukowski kann mich am Arsch lecken. Jelinek sowieso. Und vom Rest der Kärntner Möchtegern-Poeten fang ich gar nicht an..

Wirksamer als blutdrucksendende Medikamente ist eh nur der Justin. Ja, genau der. Der Biber. Sorry….

Und auf euch hirngeficktes Pack kann ich genauso gut verzichten wie auf Genitalherpes – scheiß auf euch.  Entschlossener als Merkel in der Flüchtlingskrise, schmeiß ich alles hin. Genug gearbeitet, wird Zeit zum Spielen.

Work hard – Play hard.

Emanuel freut sich mich zu sehen, er strahlt über beide Ohren. So wie der Rest seiner Entourage – Randgestalten so wie du und ich. Die kleine Bude ist gerammelt voll mit Verrückten, es riecht nach Koks und Gras.

Joshua fällt mir um den Hals, als ob ich das Christkind wäre das direkt aus Bogota eingeflogen ist. Wusste gar nicht, dass ich der Stargast der Party bin. Dünne Blutspuren unter seiner Nase singen „wir sind so hoch wie nie“.

Party hard.

Miss Djane knallt sich das weiße Pulver im Minutentakt ins Hirn, Emanuel lässt die Korken knallen.

Stimmung Baby.

Tanzt ihr Stricher, die Königin hat Laune.

Mitten auf dem Glastisch türmt der  Stoff aus dem unser aller Sehnsucht ist.

Herr Doktor bastelt Striche, genug für den ganzen Haufen Chaoten hier drinnen. Misses Djane rotzt grinsend vor sich hin. Spieglein, Spieglein auf dem Tisch, mach mich munter, mach mich frisch. Weil wir ziehen alles – außer Konsequenzen…

Schwärzer als Sebastian Kurz funkeln Joshuas Leuchter, heftig gestikulierend erzählt er von seinem erfolgreichen Drogenentzug. Er will wissen, wann die Putzfrau endlich kommt.

„Alter, sie bringt dir den Staubsauger morgen wieder“, Emanuel faucht ihn an.

Wen interessiert Haushalt um die Zeit?

„Stop. Kurze Zwischenfrage – deine Putze borgt sich den Sauger von deinem Kumpel aus?, irritiert suche ich nach einem Strohhalm in meiner Tasche.

Misses Djane bricht in schallendes Gelächter aus, Emanuel und Joshua nicken mir zu.

Verständnisvoller als das Dr. Sommer Team schaue ich in die Runde: „Klingt eh logisch, ich muss meinem Mechaniker auch immer das Werkzeug mitbringen.“

Plötzlich wird die Türe aufgerissen, der Staubsauger kommt samt Putze hereingeschneit.

„Was du wollen Sauger? Sowieso genug saugen ihr alle – du noch brauchen Cola? Ich nur mehr diese Viagra, aber keine Problem.“

Das nenn ich mal Zusatzverkauf, die Alte sollten sie für Marketingschulungen abwerben – zehn Minuten später hat sie alles verkauft, außer ihre Oma. Blaue Pillen, Ritalin, Koks und eine Baretta wechseln den Besitzer. Hier drinnen geht’s schlimmer zu als aufm Marokkanischem Basar.

Hashtag die falschen Freunde.

Hashtag wir sind die, vor denen uns unsere Eltern gewarnt haben.

Die Knarre fühlt sich geil an, fast so erregend wie Methlphenidat mit Stolichnaya. Knallt.

Ich brauche dringend Frischluft, genug Chemie. Mit weit aufgerissenen Augen folgt mir Emanuel nach unten. Ob ich nicht lieber hier schlafen möchte?

Ich stütze mich an der Brüstung ab, schüttle den Kopf. Gott ist das heiß hier draußen….

Hebe den Kopf, wortlos streicht er mir die Haarsträhne aus dem Gesicht. Ich packe sein Handgelenk, drücke es nach unten, küsse ihn. Er bugsiert mich auf die Motorhaube des Wagens, schiebt meinen Rock nach oben. Provozieren hilft.

Er fickt mir das Hirn raus, unter uns Rush Hour.

Über uns fallende Sterne.

Rettet uns!

Keinen Plan, wo ich anfangen soll… Geschweige denn, wie ich das mache.

Nein, das ist kein Abschiedsbrief, chill mal…

Ich liebe dich. Euch. Durch die gemeinsame Zeit ist mir bewusst geworden, was Vollkommenheit bedeutet. Wunderschönes Gefühl neben dir aufzuwachen. Die Gewissheit, geliebt zu werden, jemand der meine Nähe einfordert und genießt – unbeschreiblich.

Auch wenn mir die Endlichkeit unserer Verbindung bewusst ist. Ich wünschte, dass es nicht so wäre – wider jeglicher Vernunft, gegen sämtliche Prophezeiungen ankämpfend habe ich dennoch den Glauben an UNS verloren.  Was denkst du jetzt?

Kopf hoch halten – Scheiße steht uns beiden bis zum Hals. Zwei Ertrinkende auf der Suche nach dem rettenden Ufer. Ziehen einander immer weiter nach unten.

Genieße den Untergang, weil ich deine Hand spüre. Paranoia vor dem Morgen – besser wir saufen gleich ab… Zwei Superstars sind einer zu viel – WIR sind undenkbar.

Vermutlich weißt du das längst.

Dein fragiles Ego fordert seinen Tribut – ich kann dich nicht halten.  Nicht mehr. ICH KANN NICHT MEHR.

Haben wir nicht beide ein behandlungswürdiges Defizit?

Borderliner feat. Narzisst. Wo bist du jetzt?

Ich kann dich nicht retten. Wer rettet mich?

Romantik war doch anders, oder?