Rettet uns!

Keinen Plan, wo ich anfangen soll… Geschweige denn, wie ich das mache.

Nein, das ist kein Abschiedsbrief, chill mal…

Ich liebe dich. Euch. Durch die gemeinsame Zeit ist mir bewusst geworden, was Vollkommenheit bedeutet. Wunderschönes Gefühl neben dir aufzuwachen. Die Gewissheit, geliebt zu werden, jemand der meine Nähe einfordert und genießt – unbeschreiblich.

Auch wenn mir die Endlichkeit unserer Verbindung bewusst ist. Ich wünschte, dass es nicht so wäre – wider jeglicher Vernunft, gegen sämtliche Prophezeiungen ankämpfend habe ich dennoch den Glauben an UNS verloren.  Was denkst du jetzt?

Kopf hoch halten – Scheiße steht uns beiden bis zum Hals. Zwei Ertrinkende auf der Suche nach dem rettenden Ufer. Ziehen einander immer weiter nach unten.

Genieße den Untergang, weil ich deine Hand spüre. Paranoia vor dem Morgen – besser wir saufen gleich ab… Zwei Superstars sind einer zu viel – WIR sind undenkbar.

Vermutlich weißt du das längst.

Dein fragiles Ego fordert seinen Tribut – ich kann dich nicht halten.  Nicht mehr. ICH KANN NICHT MEHR.

Haben wir nicht beide ein behandlungswürdiges Defizit?

Borderliner feat. Narzisst. Wo bist du jetzt?

Ich kann dich nicht retten. Wer rettet mich?

Romantik war doch anders, oder?

Sichtschutz in gelb

Mir ist schwindlig im Kopf, außerdem ist es mir rätselhaft seit wann gelbe Vorhänge das Bett umranden.  Drehe mich noch mal zur Seite, weiterschlafen hilft bestimmt.

Drifte gerade zurück in den Tiefschlaf, als mich lautes Schnarchen aufschrecken lässt.  Zögere eine Sekunde, doch schließlich siegt die Neugierde und ich schiebe den Sichtschutz zur Seite.

Bitte, wer ist denn er?

Lebt der noch?

Ein grauhaariger Mann, ich schätze ihn auf einhundertschzig Jahre, liegt regungslos auf der Pritsche nebenan. Bin ich im Leichenschauhaus?

Aber dann würd ich doch in einer Holzkiste liegen?

Wäre ich nicht so routiniert in substanzbedingten Gedächtnisverlust, könnte ich glatt in Panik ausbrechen. Ich gebe mir Mühe mich zu orientieren, als der Scheintote nebenan zu brabbeln beginnt. Gott sei Dank –  der ist gar nicht tot – der riecht nur so.

Warum sollte er sonst auch am Tropf hängen?

Der Gedanke beruhigt mich solange, bis ich registriere, dass er nicht der einzige mit einer Kanüle in der Vene ist. Durch einen durchsichtigen langen Schlauch bin ich mit dem Plastikbeutel über dem Bett verbunden, tröpchenweise läuft die Flüssigkeit nach unten, direkt hinein in die Blutbahn.

Langsam aber sicher erhärtet sich der Verdacht, nicht in meinem Schlafzimmer zu sein.

Müssen meine Partys eigentlich immer so enden?

Auf der gegenüberliegenden Seite des Raums wird plötzlich eine Glastüre aufgerissen, durch die ein Blondchen ganz in weiß durchgeschossen kommt.  Ihre Brillengläser sind so dick wie die Unterseite eines Aschenbechers, in der Brusttasche ihres Kittels stecken bunte Kugelschreiber, die es mir schwer machen ihr Namensschild zu entziffern. Alles was ich erkennen kann, ist ein Doktor Titel.

Mit ernster Miene bleibt sie am Fußende des Betts stehen, zieht eine ihrer Augenbrauen nach oben während ihr Kopf nach links kippt:

„Sie wissen wo sie hier sind, Frau Siffredi?“

Ob sie es selbst auch weiß?

„Naja, wie im Hilton schauts hier nicht gerade aus.“

Der brabbelnde Schnarchkopf lacht.

Frau Doktor wirkt spaßbefreit, ohne mit der Wimper zu zucken wirft sie einen Blick auf das Klemmbrett in ihrer Hand. Unterdessen füllt sich der Raum, ein Weißkittel nach dem anderen versammelt sich um die humorlose Blondine. Das ist ja schlimmer als auf einer Baustelle –  einer arbeitet, zwanzig schauen blöd zu.

„Haben sie Selbstmordgedanken Frau Siffredi?“

Was für eine Überleitung, gratuliere Frau Doktor.

„Prinzipiell oder momentan?“

Blöde Frage, blöde Antwort.

Einige ihrer Handlanger beißen sich auf die Lippen, doch nicht allen gelingt es, ernst zu bleiben. Unterdrücktes Kichern aus den hinteren Reihen, bestärkt mich in der Annahme, dass die Tante zum Lachen in den Keller geht.

Mein Magen macht mit heftigen Knurren auf sich aufmerksam, überstimmt alle anderen Nebengeräusche und erinnert mich an meine Verfressenheit. Spiegeleier wären jetzt geil. Und Räucherlachs. Und Kaffee. Und Schokolade.

Wann habe ich das letzte Mal was gegessen?

„Denken Sie daran sich selbst zu verletzen?“

Frau Doktor lässt nicht locker.

„Nein, ich denke an Frühstück.“

Sie erklärt mir, dass ich in der Psychiatrie bin. Verstehe nicht, was das mit meiner Bitte nach Essen zu tun hat, Irre brauchen doch auch Kohlenhydrate? Drohe mit der Patientenanwaltschaft, drei Minuten später löst sich die Menschentraube vor mir auf, ein Kerl in grüner Montur stellt ein Tablett neben mein Bett, wünscht mir guten Appetit und zischt wieder ab.

Der Hunger treibts rein, die Gier behälts unten. Will gar nicht wissen, was genau ich da in mich reinstopfe. Hauptsache Futter.

„Lange nichts mehr zu essen bekommen?“

Erschrocken zucke ich zusammen, dem unkontrollierten Muskelkrampf folgt ein Knall gegen die Fensterscheibe, die den Amokflug meiner Gabel beendet. Wer hat da grade mit mir geredet?

Ach ja. Da war ja noch einer.

Der totgeglaubte Greis von nebenan wirkt gar nicht mehr so tot.

„Schmeißt du immer mit Besteck herum, wenn dich ein Mann anspricht?“

Verarscht mich der etwa?

„Ja, deswegen haben sie mich in die Klapsmühle gesperrt.  Und du?“

Standbild auf Wolke 7

Seine Augen mustern mich erwartungsvoll. Vorsichtig streicht er eine Haarsträhne aus meinem Gesicht, für einen kurzen Augenblick scheint die Zeit still zu stehen. Er strahlt heller als alle Sterne zusammen, unsere Blicke kreuzen sich. Ich bin geblendet von ihm, verliere mich in diesem Lächeln.

Verliere mich in ihm.

Fassungslos winke ich dem letzten Rest an Selbstbeherrschung hinterher. Wusste gar nicht wie schnell die verschwinden kann, wenn es darauf ankommt.

Fast so rasant, wie das Shirt, ist auch meine Contenance entwischt. Vorsichtig aber sehr bestimmt zieht er es über meinen Kopf, er wirkt zufrieden, als ich nackt vor ihm knie.

Stolpernder Herzschlag schießt mich immer weiter nach oben, ganz egal wie dünn die Luft dort ist. Je höher der Flug, desto tiefer der Fall?

Vorausgesetzt, man möchte jemals wieder von dort runter kommen….

 

 

 

Mister Casanova

Wie aus dem Nichts taucht das Prunkstück der Evolution vor mir auf,  mustert mich und auf einmal ist da etwas. Unerklärlich. Unsichtbar, für die meisten. Und doch, spürbar.

Weniger intensiv als vergangene Strohfeuer, doch die Spannung, lässt sich nicht leugnen.

Provokante Blicke steigern sich ins Unendliche, keiner will schließlich der Erste sein, der einknickt. Wie hypnotisiert lasse ich mich in seinen Bann ziehen. Seine Augen funkeln so kalt wie Eiskristalle, es fröstelt mich trotz der Hitze. Als hätte man beim Roulette alles auf Zahl gesetzt, weil man fühlt, dass es richtig ist. Herzrasen, kurz bevor die Kugel zum Stillstand kommt, obwohl man genau weiß, wo.

Rien ne va plus.

Einen Atemzug lang steht die Zeit still.

Synapsenfeurwerk unterbricht die friedliche Stille, ich ertrinke in Verlangen, kann seinem Blick nicht länger standhalten.

Wie beiläufig streift er meinen Arm, lächelnd öffnet er die Flasche Wasser und schenkt uns ein.

„Ist es dir nicht zu heiß hier draußen?“

Seine Stimme treibt mir die Gänsehaut über den Rücken; unfähig auch nur eine Silbe zu antworten, lege ich meine Hand auf seinen Oberschenkel und meinen Kopf auf seine Schulter. Langsam, aber sicher entkrampft jeder einzelne Muskel, ich kann sein Herz schlagen hören.

Wann hab ich mich zum letzten Mal jemand so nahe gefühlt?

Starren eine Weile wortlos in den Himmel, es kribbelt wie verrückt, gleichgültig wie sehr ich mich auf die Schwalben über uns konzentriere. Egal wie hoch ich die Mauern gezogen habe, diesmal fährt die Welle direkt dorthin wo´s wehtun könnte.

Ganz ohne Tricks und Spielereien.

Mir stockt der Atem, er sieht mich an, als wüsste er Bescheid.

Vorsichtig zieht er mich an sich, küsst mich.

Falle ins Bodenlose, mühelos durchbricht der Fremde alle Schranken, schaltet sämtliche Warnsysteme auf Stand by.

Wundere mich noch, wieso mein Brustkorb nicht explodiert, während er mir das Kleid auszieht.

Küssen uns wie verlegene Teenager, kurz vorm ersten Mal.

Will ihn ficken.

Nein. Will ihn spüren.

Liegen engumschlungen auf der Hängematte, sein Atem an meinem Hals.

Kann irgendjemand bitte die Zeit anhalten?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rene‘

Wir schreiben. Wir ignorieren einander. Stacheln uns gegenseitig an, heizen ein, als ob es kein Morgen geben würde. Immer wieder wummert die Erinnerung an vergangene Tage und Gefühle wie ein Vorschlaghammer in den Kopf, macht die verdrängten Empfindungen wieder bewusst.

Seit knapp zwei Jahren ficke ich alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, immer mit der Hoffnung, ihn endlich gehen zu lassen. Vergessen können.  Ganz egal wie ich es auch anstelle – ich kann nicht aufhören an ihn zu denken.

Es ist nicht schlimm zu wissen, dass er jemand anders hat. Aber mir blutet das Herz, wenn ich spüre, dass er dabei unglücklich ist.

„Interessant ist immer das, was man nicht haben kann.“

Richtig. Nur, dass es nicht um Besitzanspruch geht. Alles was ich will, ist zu wissen, dass er ok ist.

Scheiß aufs Ego.

„Will dich spüren. Schmecken. In deinen Armen einschlafen, nur um zu wissen, dass du wirklich da bist.“

Niemals hab ich mich sosehr nach einen Menschen gesehnt, wie in diesen Tagen nach ihm. Seit Wochen schon ungefickt und trotzdem interessiert mich keiner der üblichen Bums-mich-anständig-durch- Spasten, alles was ich jemals wollte ist………….Er……

Gott und die Welt sagt mir, ich soll die Finger davon lassen; der Turbo unter meinen Rippen sagt was anderes… Sturheit? Engstirnigkeit? Aneckenwollen? Nostalgie? Sucht? Naivität?

Nichts als verzweifelte Versuche, das Unfassbare in die korrekte Schublade zu stecken, wie auch immer. Einen feuchten Scheiß drauf gebend was irgendjemand davon hält…  Ihr habt keine Ahnung wie ich fühle. Und  noch während in meinem Schädel Krieg tobt, summt das verfickte Ericcson wie ein eingekokster Epileptiker auf dem Glastisch herum.

Kurzer Blick aufs Display, bestätigt meine Vorahnung. Er hat geschrieben. Wir sehen uns heute. Zum ersten Mal seit drei Monaten.  Versuche die Vorfreude zu dämpfen, nur nicht durchdrehen… Sag der besten aller Vertrauten Bescheid, schmeiß mich in mein weißes „Fick-mich-Kleid“, das sie mir vor Wochen geschenkt hat und mach mich auf den Weg nach St. Eiermark.

Scheiße, bin ich aufgeregt.

Ob ich kurz anhalten und einen Ofen rauchen sollte?

Nein, ich will vollkommen bei Sinnen sein, keinen einzigen Nervenstrang betäubt, alles spüren. Unterwegs meldet sich auch der Mann mit dem Koks. Nein danke, ich will mich nicht schon wieder selbst sabotieren…. Keine Sehnsucht nach Placebos; alles was ich brauche kann man nicht kaufen..

Klopfe mir selbst auf die Schultern, ehe ich bemerke, dass ich angekommen bin; wie der erste Kick auf MDMA erwischt es mich, als ich seinen Wagen sehe. R. sieht genauso aus, wie ich ihn in Erinnerung habe; süß- und unendlich müde. Doch das sonstige Herzrasen ist einer tiefen Vertrautheit gewichen; unsicher wann ich mich zum letzten Mal jemand so nah gefühlt hab, als ich in seine Karre steige und mich neben ihm in den Sitz fallen lasse.

Und plötzlich fühlt es sich an, als wäre der ganze Scheiß nie passiert; neurotische Verliebtheit ist einem undefinierbarem Akzent der Ruhe erlegen.  Keine Ahnung, aber es ist richtig. Richtig gut.

Wir reden. Zum ersten Mal seit geraumer Zeit. Nicht nur über belanglosen Mist. Über Dinge, die bewegen. Steigen aus dem Auto, er nimmt mich an der Hand. Sauge den Augenblick ein, als wüsste ich ganz tief drinnen, dass es sich nie mehr so intensiv anfühlen würde.  Liegen nebeneinander in einer der Pritschen, bekomme nicht genug von seinem Geruch, verliere mich beinahe, ich kann nicht glauben, dass das wirklich passiert. Hätte ich einen Wunsch frei,  wäre es, ihn nie mehr loszulassen.

Streichle über seine Brust, tänzelnde Fingerspitzen ebnen sich den Weg, jagen die Innenseite seiner Oberschekel hinab, halten an den Knien inne, fegen wie ein Orkan zurück zwischen seine Beine, zeichnen die Konturen des hart gewordenen Körperteils nach, während er meine unverpackten Titten durch den Stoff hindurch inspiziert, gekonnt an den Nippeln zieht, loslässt um sie anschließend durchzukneten. Gott, er riecht so gut.

Kurz vorm verrückt werden stehend,  als hätte er Lunte gerochen, lässt er plötzlich von mir ab, steht auf und beginnt damit, sich auszuziehen. Challenge accepted – mit einer flüssigen Aufwärtsbewegung streife ich den Fickmichfetzten ab, stehe nur noch in Halterlosen vor ihm, rufe enthusiastisch „Erster!“,  bevor er mich umdreht und meinen Oberkörper aufs Bett drückt.

Schließe die Augen, fest zupackende Hände dirigieren meinen zuckenden Arsch nach hinten, und während ich mich noch wundere wie geil sich das anfühlt, rammt er mir den steinharten Schwanz hinein, ohne die Möglichkeit mich zu wehren lasse ich mich fallen. Verliere völlig die Kontrolle, alles was ich will ist mehr davon.

Immer lauter werdende Schreie, er krallt sich tief in meine Hüften, mit einem Ruck dreht er den winselnden Körper auf den Rücken, nicht ohne mir vorher kräftig auf den Arsch zu klatschen. Millimeter vor dem Höhepunkt herumschleichend, reißt er unerwartet sein Teil wieder aus mir raus.

Gierig, beinahe automatisiert drücke ich meinen Körper in seine Richtung, zärtlich packt er mich am Hinterkopf, steuert ihn eine Etage weiter nach unten, solange bis sich Schwanzspitze und Lippen berühren.

Ausgehungert wie eine Königscobra, die wochenlang nichts mehr zu fressen bekommen hat, schnappe ich vorsichtig nach dem Lieblings-Schwanz, ziehe mit der Zunge Kreise über die Spitze, um ihn schließlich bis zum Anschlag im Gesicht verschwinden zu lassen.

Langsam wandernde Hände, innehaltend, weiter suchend, findend, staunend, gleichzeitig mit seinen, die mich auf einmal an den Beinen erwischen. Vorsichtig und doch bestimmt drückt er sie nach hinten, solange, bis ich vollkommen frei und zugänglich vor ihm liege.

Sekunden später seine Zunge, die sich ihren Weg durch mein Allerheiligstes bahnt, Contenance war gestern. Geschickt provoziert er das mittlerweile hypersensible Präzisionsgerät an den Rand des Wahnsinns, zitternd und windend erreiche ich  zum ersten Mal den Höhepunkt.

Versuche mich loszulösen, dann wie Brandbeschleuniger, ein gehauchtes „Du sollst stillhalten“, kickt mich wie Lionel  Messi das runde Leder, eine Sphäre höher. Verliere noch mal die Kontrolle, bevor die erste Welle abebbt, explodiert mein unterhaltsamster Körperteil zum zweiten Mal  an diesem Abend.

Mit der Präzision einer Armbanduhr der Eidgenossen leckt er mich zum nächsten Gipfel, instinktgesteuert und tiefenentspannt sinke ich in seine Arme. Ich wusste gar nicht mehr wie vollkommen sich das anfühlt.

Als wäre mit einem Schlag alles anders; der Zustand den ich am Meisten fürchte, gleichzeitig das Intensivste, dass ich jemals gespürt habe… Nähe.

Es ist einfach perfekt. Wunderschön.