vivalosfrühlingsgefühle

Jean Francoise zweifelt an meiner Wortwahl, außerdem an der Selektion der passenden Beratungsstelle. Ich zweifle an seiner Kompetenz – er hat wohl kaum Erfahrung als Inhaberin einer Vagina mit „Restless-Pussy-Syndrom“. Da könnte ich genauso gut mit einem abstinenten Moralapostel über meine Defizite sprechen, oder?
Nach so einem langen Tag ist er bestimmt hungrig. Ob ich mich dazu herablassen sollte, für ihn zu kochen?
Die schwule Katze frisst das BIO- Hackfleisch nicht – nicht mal ansehen tut sie es, ich nehme die faschierte Kuh wieder zurück.
„Schatz, es gibt heut Fleisch zum Essen.“
Schatz scheißt aufs Katzenfutter.
Die Katze auch.
Den Nachbarn freut´s, seine Frau könne auch nicht mehr, als Dosenfleisch aufzureisen – aufwärmen ja – kochen nein.
Er mag mein Second Hand Kitekat.
Ich mag sein Lächeln.
Er mag wie sich mein Hintern anfühlt.
Ich mag wie sich sein Genital darin bewegt.
Er sagt Mahlzeit.
Ich sage VIVA LOS FRÜHLINGSGEFÜHLE

Rettet uns!

Keinen Plan, wo ich anfangen soll… Geschweige denn, wie ich das mache.

Nein, das ist kein Abschiedsbrief, chill mal…

Ich liebe dich. Euch. Durch die gemeinsame Zeit ist mir bewusst geworden, was Vollkommenheit bedeutet. Wunderschönes Gefühl neben dir aufzuwachen. Die Gewissheit, geliebt zu werden, jemand der meine Nähe einfordert und genießt – unbeschreiblich.

Auch wenn mir die Endlichkeit unserer Verbindung bewusst ist. Ich wünschte, dass es nicht so wäre – wider jeglicher Vernunft, gegen sämtliche Prophezeiungen ankämpfend habe ich dennoch den Glauben an UNS verloren.  Was denkst du jetzt?

Kopf hoch halten – Scheiße steht uns beiden bis zum Hals. Zwei Ertrinkende auf der Suche nach dem rettenden Ufer. Ziehen einander immer weiter nach unten.

Genieße den Untergang, weil ich deine Hand spüre. Paranoia vor dem Morgen – besser wir saufen gleich ab… Zwei Superstars sind einer zu viel – WIR sind undenkbar.

Vermutlich weißt du das längst.

Dein fragiles Ego fordert seinen Tribut – ich kann dich nicht halten.  Nicht mehr. ICH KANN NICHT MEHR.

Haben wir nicht beide ein behandlungswürdiges Defizit?

Borderliner feat. Narzisst. Wo bist du jetzt?

Ich kann dich nicht retten. Wer rettet mich?

Romantik war doch anders, oder?

Komm mit mir ins Erdbeerland

Und während Emma mit ihrer Familie den sechsten Geburtstag des mittleren Sohns feiert, martert mich die Frage, was zur Hölle ich hier eigentlich mache.

Andere Leute sind in dem Alter verheiratet, haben ein Haus gebaut, Bäume gepflanzt und mindestens ein Stück Nachwuchs produziert. Und ich?

Hab mehr Kilometer auf dem „Walk of Shame“ zurückgelegt, als  Haile Gebraisselasse jemals gelaufen ist.

Emma zündet die Kerzen auf der Torte an und singt mit dem Kinderrudel „Happy Birthday“, ich stehe vor dem Badezimmerspiegel und stemme mich mit aller Kraft gegen die sichtbaren Spuren, die die vergangene Nacht in meinem Gesicht hinterlassen hat. Tiefe, schwarzgraue Ränder zeichnen das Bild einer intensiven Phase unter meine Augen.

Hab doch irgendwo mal gelesen, dass Gurkenscheiben dagegen helfen sollten. Zwei Stück auf die müden Leuchter geklatscht und fünf Minuten später wird aus Christiane F. plötzlich Willi Dungl.

Oder?

Einen Versuch wär’s wert.

Doch weder im Kühl- noch im Schuhschrank lässt sich eine Gurke finden. Nur um absolut auf Nummer Sicher zu gehen, schaue ich auch noch im Putzmittelkastel. Doch darin herrscht gähnende Leere.

Weder Seife, noch Gemüse.

Hmmm.

Ob der Pizzaservice auch Gurken liefert?

Luigi klingt angepisst, als ich ihn nach der Mindestbestellmenge frage. Er sei schließlich kein Gemüse- sondern ein Pizzalieferant. Ich solle mir die fünfzehn Kilogramm Gurken sonst wohin stecken. Warum diese Südländer auch immer so aggressiv sein müssen, das liegt sicher am Gluten. Von mir aus soll er sich doch zum Teufel scheren, scheiß verkackter Pizza Wichser.

Gibt schließlich noch andere Wege, um gesellschaftstauglich auszusehen. Scheiß auf Salat, ein Hoch auf psychoaktive Substanzen.

Nein, Gaddafi ist immer noch hier.

Wir trinken Tee und unterhalten uns.

Ja, wir müssen hier weg. Andernfalls werden die uns eines Tages finden.

Muammar lacht sich ins Fäustchen:

„Sie werden dich nicht finden. Niemand wird dich finden. Du bist bei mir.“

Hansi Hölzel zeigt uns im Vorbeigehen den Stinkefinger, Gaddafi singt das Lied vom Kommissar, ich ringe nach Luft, um nicht umzukippen.

Der Schnee auf dem wir alle talwärts fahren, kennt heute jedes Kind.

Gaddafi tanzt.

Losgelöst, als ob es kein Morgen gäbe.

Mein Mund steht weit offen; staunender Versuch, treffende Worte für die Szene zu finden scheitert.  Wie aus dem Nichts, taucht der Unbekannte im Kapuzenpulli neben mir auf, wortlos reicht er mir seine Hand, aus der ein kleines Päckchen in meine fällt.

Er sagt ich solle einfach den Mund aufmachen. Ich tue, was er verlangt, widerstandslos lasse ich mir die bunten Pillen in den Rachen kippen.

Falco bleibt plötzlich stehen.

„Gut gehen muss es dir, Baby.“

Ich will tanzen.

Wer ist der Typ im Strache Shirt?

Ist es…?

Nein….?

Doch.

Jörg hat Sinn für Ironie. Das würde zumindest den blauen String erklären.

Aus sicherer Entfernung beobachte ich den abgedankten Landeshauptmann,  Falco und Gaddafi beim Crack rauchen. Ob ich auch mal probieren sollte?

Haider schüttelt den Kopf, Muammar kniet vor ihm.

Einen Block weiter bringt Emma ihre Kinder ins Bett.

Und während Gaddafi den Bärentaler unter dem Mistelzweig hochbläst, flüstert mir Falco ins Ohr:

„Komm mit mir ins Erdbeerland“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Standbild auf Wolke 7

Seine Augen mustern mich erwartungsvoll. Vorsichtig streicht er eine Haarsträhne aus meinem Gesicht, für einen kurzen Augenblick scheint die Zeit still zu stehen. Er strahlt heller als alle Sterne zusammen, unsere Blicke kreuzen sich. Ich bin geblendet von ihm, verliere mich in diesem Lächeln.

Verliere mich in ihm.

Fassungslos winke ich dem letzten Rest an Selbstbeherrschung hinterher. Wusste gar nicht wie schnell die verschwinden kann, wenn es darauf ankommt.

Fast so rasant, wie das Shirt, ist auch meine Contenance entwischt. Vorsichtig aber sehr bestimmt zieht er es über meinen Kopf, er wirkt zufrieden, als ich nackt vor ihm knie.

Stolpernder Herzschlag schießt mich immer weiter nach oben, ganz egal wie dünn die Luft dort ist. Je höher der Flug, desto tiefer der Fall?

Vorausgesetzt, man möchte jemals wieder von dort runter kommen….

 

 

 

Blind Date für Fortgeschrittene

Jeder Schritt schmerzt, aber ich würde mir eher die Schneidezähne schwarz anmalen, als mit  Krücken bei ihm aufzutauchen. Raubtiere lassen sich Wunden niemals anmerken, lieber nicht-schwarz- angemalte Zähne zusammen beißen als verletzlich erscheinen. Das könnte Kopf und Kragen kosten.

Vom Gin betäubt  gelingt es, unhumpelnd über die Treppe nach oben zu gelangen. Elegant geht trotzdem anders.

Alex grinst belustigt.

„Lachst wohl gerne über Behinderte?“

Gespielt entrüstet angle ich mir seinem Drink.

„Eigentlich lache ich wegen deiner Eitelkeit.“

„Sagt der Kerl im rosaroten String Tanga. Wieso steht auf deiner Unterhose eigentlich Olaf? Klaust du die Dinger?“

„Sicher sind die gestohlen. Irgendwo muss man schließlich sparen.“

Mister Minislip holt eine Flasche Champagner aus der Küche während ich mich ausziehe und in die Sonne lege, die für diese Jahreszeit ganz schön heftig vom Himmel knallt.

Er fragt, ob ich hungrig sei. Ich schiebe seinen rosa String zur Seite- und den dahinter versteckten Schwanz in meinen Mund.

Aber eigentlich ist das nichts zum Essen.

Öffne die Augen und bemerke beim Blick nach oben die Überraschung in seinem Gesicht.

Sekunden später kippt mir die Kinnlade nach unten, der kleine Prinz namens Olaf rutscht mir durch die Lippen nach draußen:

„Sag mal Olaf, ist das ein Schneeadler hinter dir“

Mit der Coolness eines James Dean zündet Alex sich eine Zigarre an, dreht sich um und lässt dicke Rauchschwaden in den dämmernden Himmel steigen, während seine Erektion punktgenau auf den Grund meiner Verwirrung zeigt.

„Guten Morgen Schuhu!“

Unbeeindruckt  springt der Riesenvogel hinter eine Mauer, verschwindet genauso schnell aus meinem Blickfeld, wie er gekommen war. Ist das ein Flashback oder hab ich heute versehentlich halluzinogene Substanzen konsumiert?

Vermutlich ist es die Höhenluft im Burgenland, die meinem Verstand einen Streich spielt.

„Ich sollte wirklich aufhören zu trinken.“

Starre regungslos über die Hecke, als plötzlich was Rosafarbenes an mir vorbeifliegt und in meinem Glas landet.

Jetzt schießt der Verrückte auch noch Tangas durch die Gegend. Alex lehnt sich paffend an die Mauer, ich fische das Wurfgeschoss aus meinem Champagner und ziele damit auf ihn.

„Du wirfst wie ein Mädchen“ , tiefenentspannt weicht der nackte Kerl seiner vorbeifliegenden Unterwäsche aus, die Sekunden später gegen die vergitterte Wand des Nachbargebäudes knallt, hinter der auf einmal wieder der weiße Vogel auftaucht.

Ich hätte die Psychopharmaka wohl doch nicht so abrupt absetzen dürfen.

„Sieht man für normal bei einem Delirium nicht weiße Mäuse?“

Alex spielt mit seinem Schwanz:

„Nagetiere sind was für Amateure, Schätzchen. Schneeeulen sind der Rolls Royce unter den entzugsbedingten Albino Halluzinationen“

„Du musst es ja wissen. Immerhin hast du bereits maturiert, als Hitler einmarschiert ist.“

Keine drei Sekunden später werde ich recht unsanft auf den Holztisch gedrückt.

„Du bist ziemlich frech für eine behinderte Irre“

Sein wachgerubbelter Ständer steckt schneller in mir, als ich „scheiße-ist-das-geil“ sagen kann, taktgenau fickt er mich in die Sprachlosigkeit.  Ächze benommen in seine Hand, die er mir auf den Mund drückt. Um seinem Griff zu entwischen, drehe ich den Kopf zur Seite, als ich schlagartig bemerke, dass wir beobachtet werden.

Meine Erregungskurve sackt entschlossener in den Keller als Josef Fritzl vor seiner Inhaftierung. Es fühlt sich pervers an von einem voyeuristischen Uhu beim Ficken beobachtet zu werden. Sogar in meiner Welt.

Alex entgeht mein Unbehagen keineswegs, er nimmt mich an der Hand und zieht mich nach drinnen. Falle vor ihm auf die Knie, lecke über die Innenseiten seiner Oberschenkel. Langsam arbeite ich mich nach oben, lasse meine Zungenspitze über sein Allerheiligstes tanzen. Ich spüre das Zucken in seinen Oberschenkeln, unkontrolliert und in immer kürzer werdenden Abständen verrät es das nahende Zielfeuerwerk.

Die weiße Fontäne streift meine Wange, seinem erlöst klingendem Stoßseufzer folgt ein wütender Aufschrei von draußen. Im nächsten Moment klatscht etwas gegen eines der Fenster. Klingt nach nassem Fetzen. Ich tippe mal auf Olafs Tanga.

Verängstigt und vollgewichst klammere ich mich an ein Bein, immer lauter wird das Gebrüll jenseits der Terrassen Tür.

„Mach dir keine Sorgen, der Nachbar hat grad seine fünf Minuten.“

Alex löst sich aus meiner Umarmung  um die Türe einen Spalt weiter zu öffnen.

„Was will denn die Arschgeige jetzt schon wieder?“, genervt schiebt er sich nach draußen um die Lage zu sondieren. Sein Schwanz steht nach wie vor kerzengerade in die Höhe als er dem Schreihals über den Gartenzaun zuwinkt.

„Meine Verehrung Herr Nachbar. Warum so unentspannt?“

Versteckt hinter einem der Vorhänge belausche ich das Gespräch.

„Geh scheißen du Koffer.“

Der klingt ja wirklich nicht sehr ausgeglichen, wie der wohl aussieht. Versuche einen Blick auf den Schreihals zu werfen, ziehe den Vorhang zur Seite, doch alles was ich erkennen kann ist Alex ‘nackter Arsch, den er wackelnd über die Grenzmauer streckt.

„In deinen oder in meinen Garten?“

„Du tickst ja nicht ganz richtig, perverser Volltrottel du.“

Alex dreht dem Kerl wieder seine Vorderseite zu:

„Dafür pudert deine Alte so gern mit mir. Die mag das.“

„Ich bring dich um du Arschloch.“

Wütendes Geplärre wandelt sich in hysterisches Kreischen.

„Wünsche dir auch noch ein schönes Wochenende. Grüß die Frau Gattin schön von mir. Falls du sie mal treffen solltest.“

Als wäre nichts gewesen stolziert Alex zurück ins Haus, köpft die nächste Flasche Dom Perignon und nimmt neben mir am Fußboden Platz.

„Was zum Teufel war denn das?“

Fassungslos schüttle ich den Kopf.

„Der zuckt immer aus, wenn er meine Unterhosen auf seinem Grundstück findet.  Ich mach doch auch kein Theater wenn seine Frau ihre BHs hier liegen lässt.“´

„Kann ich was Stärkeres zu trinken haben Alex?“

„Aber sicher doch, Schätzchen. Hat dich der Trottel so erschreckt?“

„Nein, aber ich finde die Art von Blind Dates gehört anständig gefeiert.“