deschawü 3.0

Nachdem mich Manfred noch am Ort des Geschehens gefeuert- und ich ihn einen frustrierten alten Sack genannt hatte, stieg ich in meinen alten, grünen VW Polo, streckte den Mittelfinger zum Abschied aus der Rückscheibe und fuhr Richtung Stadt.
Ich konnte jetzt wirklich einen Drink vertragen, auch wenn erst früher Nachmittag war. Warum hatten wir auch vergessen, den Zugang zum Hoteldach wieder abzuschließen, bevor wir dort oben gekifft und rumgemacht hatten?
Auf der anderen Seite war ich auch nicht gerade unglücklich darüber, erstens hasste ich diesen Job und zweitens hatte das erwischt werden verhindert, dass Josey meinen verwundeten Hintern sah.
Wo zum Henker steckte der spanische Frühstückskoch eigentlich? Im Gegensatz zu mir, wurde er nicht fristlos entlassen, wahrscheinlich weil er ansonsten einen vernünftigen Job machte und nicht viermal die Woche zu spät kam.
Ich versuchte ihn anzurufen, konnte ihn aber nicht erreichen. Anscheinend kassierte er gerade richtig bösen Anschiss inklusive einer Moralpredigt, warum man im Dienst nicht die Assistentin vom Chef vögeln dürfte. Wie oft saß ich selbst schon im Büro und durfte mir ähnliche Ansagen bezüglich meines Verhaltens anhören, ich würde es sicher nicht vermissen. Die lustigen Ausflüge mit dem Spanier schon.
Ich fuhr die Landstraße entlang und es war wenig Verkehr, vermutlich waren alle die nicht arbeiten mussten am See um der stetig ansteigenden Hitze zu entfliehen.
„Ein Königreich für eine Klimaanlage!“ murmelte ich vor mich hin, während AC/DC´s „Highway to hell“ aus meinen Lautsprechern wummerte und ich beinahe einen Radfahrer umfuhr, da ich am Radio herumfummelte und gleichzeitig in meiner Handtasche nach Marihuana suchte.
„Scheiße, wo kommt der denn her?“ Ich zeigte dem Typen auf dem Mountainbike einen Vogel, er mir seinen Stinkefinger.
„Geiler Tag!“ Ich hatte das Gras gefunden und fingerte nur noch kurz im Handschuhfach um noch nach Zigarettenpapier zu durchstöbern. Während ich mit meinen Knien das Lenkrad bediente hatte ich beide Hände zum drehen eines weiteren Joints frei.
Kaum brannte er, klingelte das Telefon.
„Elena, wo bist du?“
„Also wenn du mich so nennst, muss wirklich ganz böse gewesen sein? Hat er dich auch gekündigt?“
„Schlimmer.“
„Josey du machst mir irgendwie Angst. Raus mit der Sprache, was ist passiert?“
„In einer halben Stunde bei dir?“ Das hielt ich für keine so gute Idee, wusste ich doch worauf dass hinauslaufen würde, er würde das Schäferstündchen von vorhin fortsetzen wollen, woran ich im Moment allerdings kein Interesse hatte. Dies galt in diesem Augenblick einzig und allein dem Vertuschen der vergangenen Nacht.
„Nein, ich will noch nicht nach Hause. Ich wurde soeben rausgeworfen und will mich betrinken gehen. Komm du in einer halben Stunde in die Stadt, ich bin gleich in dem neuen Schuppen beim Kino. Bis dann!“
Ich legte auf, noch bevor er etwas anderes sagen konnte und scheinbar keine Sekunde zu früh, den im gleichen Moment sah ich den Wagen im Rückspiegel, der mich mit Aufblendlicht auf sich aufmerksam machte.
„Was will den der Trottel von mir?“ und kaum hatte ich den Satz fertig gedacht, packte der Fahrer hinter mir ein Blaulicht aufs Autodach und schaltete es ein.
„Verdammte Scheiße!“ Ich warf den brennenden Stick in meine Handtasche, wollte die Fenster zum Lüften aufmachen, bemerkte aber dass sie schon offen waren und fuhr rechts ran, mein Herz konnte ich bis zum Hals schlagen hören. Das andere Auto parkte hinter mir und ich konnte den riesigen Kerl in Uniform aussteigen und in meine Richtung kommen sehen.
„Na, sind wir auf der Flucht?“ Der Typ lehnte sich ans offene Fenster und lächelte mich an. Er war sicher an die zwei Meter groß, hatte kurzes schwarzes Haar, stechend blaue Augen und hätte die perfekten Maße gehabt um Profi- Basketball zu spielen.
„Also ehrlich gesagt, hab ich mich schon etwas verfolgt gefühlt.“ Mit dem unschuldigsten, mir möglichen Augenaufschlag sah ich nach draußen. Wusste nicht wann ich zum letzten Mal einen so scharf aussehenden Uniformierten gesehen hatte.
„Führerschein und Zulassung bitte.“ Er grinst immer noch.
Ich griff nach der Handtasche um meine Papiere zu suchen, und stellte sie auf meine Beine um sie zu öffnen.
Adonis in Gestalt eines Polizisten drehte sich kurz zur Seite um einen vorbeirasenden Wagen nachzusehen.
Nur kurz nachdem ich den Reißverschluss der Tasche öffnete, schoss mir eine Rauchwolke entgegen.
So unauffällig wie möglich zog ich ihn wieder zu und stellte sie zurück auf den Boden, während ich im Stillen ein Stoßgebet ausspreche, er möge es bitte übersehen haben.
„Es tut mir leid, aber ich kann mich jetzt gerade nicht ausweisen.“
Als der Hüne sich wieder mir zuwendet, ist sein Lächeln verschwunden.
„Aha. Und warum zum Teufel raucht es hier plötzlich?“

*

„Mir ist wohl vorhin die Kippe in die Tasche gefallen.“ Versuchte ich mich zu rechtfertigen.
„Und warum riechts dann nach Gras?“ So leicht ließ er sich dann doch nicht hinters Licht führen.
„Tuts doch gar nicht.“ Ich konnte den trotzigen Unterton in meiner Antwort nicht verbergen.
„Steigen Sie bitte aus dem Wagen aus.“
Ich tat was er verlangte, öffnete die Fahrertür und stieg aus dem nach verbranntem Leder und Pot riechendem Auto und strich mir meine Haare aus dem Gesicht.
„Geben Sie mir bitte Ihre Tasche.“
Genau das fehlte mir heute noch.
„Ich denke nicht.“
„Wie bitte?“ verdutzt sah er mich an.
„Sie haben kein Recht dazu meine Tasche zu durchsuchen.“
Selbstsicher gab ich ihm Kontra.
„Und ob. Ich kann Sie aber auch gerne mitnehmen und dem Amtsarzt vorführen lassen.“
„Auch das denke ich eher nicht.“
Völlig gelassen trat ich einen Schritt in seine Richtung und blickte ihn provokant an während ich mir mit einer Hand den obersten Knopf meiner Bluse öffnete.
„Was wird denn das, wenns fertig ist?“ jetzt grinste er wieder.
Ich machte eine weitere Bewegung auf ihn zu und da er keinen Zentimeter wegtrat, nahm ich an, das Dilemma auch anders als mit dem Amtsarzt lösen zu können.
Wir standen immer noch am Straßenrand, neben uns die beiden Wägen die eine allzu genaue Sicht auf unser Treiben gut verbargen, weswegen ich auch keine Hemmung hatte meine Hand in seine Richtung zu strecken, ich wollte prüfen ob alles an ihm so riesig war. Doch noch bevor ich ihn erreichte, packte er meinen Arm und drehte ihn auf meinen Rücken. Er stand jetzt direkt hinter mir und legte mir Handschellen an.
„So einfach kommst Du mir nicht davon.“ Flüsterte er in mein Ohr und drückte mich in Richtung seines weißen Audis.

deschawü 2.0

Er hatte sich den Tag über freigehalten und anscheinend den richtigen dazu ausgesucht. Im Fernsehen sagten sie, es würde einer der heißesten des bisherigen Jahres werden und ein kurzer Blick nach draußen bestätigte die Prophezeiung der, wie er, fand billig aussehenden Wettermoderatorin. Es war schon früh am Morgen, als er aus dem Studio zurück in seine kleine Zweizimmerwohnung mitten in der Innenstadt kam.
„Diese kleine durchgeknallte Schlampe.“ Er murmelte völlig in Gedanken versunken, während er die Speicherkarte aus seiner Kamera holte, seinen Rechner hochfuhr und sich zurücklehnte.
Die Bilder der vergangenen Nacht rauschten im Eiltempo über den Bildschirm und er musste schmunzeln als er sie so hilflos, mit roten Striemen am Arsch sah, hilflos, mit verbundenem Mund ihm völlig ausgeliefert. Spontan beschloss er ihr das Bild zu senden, sie sollte sehen was er gestern sehen durfte.
Was hatte sie sich eigentlich dabei gedacht, als sie in dem Aufzug bei ihm auftauchte. Sie musste damit rechnen dass es nicht nur bei den Aufnahmen blieb, sondern er auch noch so einige andere Dinge von Ihr verlangte, über die man im Vorfeld nicht geredet hatte.
Verrücktes Ding. Aber irgendjemand musste ihr noch beibringen, wie man sich zu benehmen hatte.
Wie es sich wohl anfühlen würde, von ihr den Schwanz gelutscht zu bekommen, während ein anderer Kerl ihr seinen ganz beiläufig von hinten reinschiebt, wenn sie auf allen vieren auf dem Fußboden vor und zurück rutscht…
Ob sie es genießen würde?
Oh ja sie war es wert von ihm diszipliniert zu werden.
Sie musste erfahren was es heißt, zu dienen. Er freute sich auf das, was noch kommen würde, auf all die Dinge, die er ihr beibringen würde.
Abrupt riss es ihn aus seinem Tagtraum als sein Telefon klingelte, er blickte kurz aufs Display, kannte allerdings die Nummer nicht, die ihn gerade zu erreichen versuchte.
Vielleicht war es ein neuer Kunde, der einen Fotografen brauchte?
„Hallo Andreas. Alles klar?“
Es dauerte nicht einmal den Bruchteil einer Sekunde bevor er begriff, wen er da gerade an der Leitung hatte, diese Stimme würde er wohl nie vergessen.
„Was willst du? Wir hatten doch ausgemacht, keine Anrufe!“ sein Tonfall klang sehr aufgewühlt und erzürnt.
„Aber, wer wird denn gleich so böse sein?“ Die Person am anderen Ende der Leitung lachte laut auf.
Wie zum Teufel hatte sie seine Nummer herausbekommen? Irgendjemand musste wieder zu viel geredet haben, wie sonst war das möglich? Er versuchte die Fassung zu bewahren und sein Handy nicht gegen die Wand zu werfen.
„Woher hast du meine Nummer?“, wollte er wissen.
„Ach du zorniger Kerl müsstest eigentlich wissen, dass ich immer alles kriege was ich will, oder?“
„Und was genau ist es diesmal? Du weißt doch, dass ich mit der Sache nichts mehr zu tun habe?“
Der Zorn aus seiner Stimme war gewichen, er klang jetzt sehr gefasst und ruhig.
„Sag bloß du verdienst mit deinem Fotostudio mehr als bei mir?“
Er schwieg.
„Na also, wir verstehen uns. Ich brauch jemand auf den ich mich verlassen kann und da bist mir spontan du eingefallen.“
„Aber ich sagte doch, ich will nicht mehr.“
„Und ich kann mich nicht daran erinnern dich gefragt zu haben was du willst. Muss ich dich daran erinnern was mit Carlos geschehen ist?“
Nein, dass musste sie ganz und gar nicht tun. Er würde den Augenblick niemals vergessen, als er den alten Spanier zusammengeschlagen am Steg unter dem Ferienclub gefunden hatte nachdem sie die halbe Nacht gefeiert hatten. Sie hatten ihn übel zugerichtet, etliche Knochen waren gebrochen, seine Augen blutunterlaufen und einige schlimme Platzwunden zeichneten seinen Kopf. Im ersten Moment hatte er gedacht, sie hätten ihn umgebracht.
„Wo sollen wir uns treffen?“ wissend, dass eine weitere Diskussion keinen Sinn hatte gab er nach.
„Ich komme dich heute Abend um halb acht abholen. Deine Adresse stimmt noch, nehme ich an?“
„Als ob du das nicht schon längst wüsstest.“
„Gut. Bis später dann. Und versetz mich bloß nicht, das mag ich nämlich gar nicht. Ciao“
In Gedanken versunken trat er vors Schlafzimmerfenster und sah auf das hektische Treiben auf der Straße unter ihm.

Liebes Doktor Sommer Team, ich habe ein Problem….

Selbstverständlich lieb ich dich.
Fest umklammern seine Finger meinen Hals, drücken mir die Luft ab
Du kleines, geiles Dummerchen
Punktgenau erwischt der Rohrstock die Innenseite meiner Oberschenkel
Weißt du nicht, dass du mir gehörst?
Antwort unmöglich – Mund voll mit Schwanz
Schluck ihn ganz tief, du Miststück
Erbreche in seinen Schritt
Ich sagte tiefer, na los
Winsle um Gnade
Wer nicht hören kann, muss fühlen
Ohrgefeigtes Häufchen Fickfleisch kapituliert
Sein Grunzen schreit Genugtuung
Gebrochen hat er mich am liebsten

#mentalepräsenz

Zurück zu dir.. Rase über die Südautobahn, mit jedem Kilometer den ich dir näher komme, steigt der Herzschlag ein bisschen mehr. Pro überwundenem Bundesland gefühlte dreitausend Schläge in der Minute.
Sehnsüchtig hechelnd nach deiner mentalen Präsenz – ich liebe dich, bin süchtig nach dir.
Sonne knallt. Erkenne deine Silhouette. Hechle dir nach. Du fühlst mich nicht.
Zehn Schritte hinter dir, du drehst dich kein einziges Mal um.
Zehn Minuten später rammst mir deinen Schwanz mitten ins Gesicht. Dekorierte Mundwinkel. Überall Sperma. Benutztes Stück Mensch zieht Leine, das soll Liebe sein? Frühlingsgefühle? Oder ein Vorgeschmack auf Guantanamo?
Devote Hingabe?
Selbstzerstörerische Verschwendung?
Perlen für die Säue?

PGänsehaut ohne Gift

Ich glaube wir sind ganz

Vorausgesetzt wir ertragen einander

Ergänzung als isolierte Reinsubstanz?

Zu ungestreckt, um unvergiftet zu bestehen?

 

Vollkommenheit zum Preis der Einzigartigkeit?

Muss ich mich aufgeben?

Um dir zu entsprechen?

 

Verliere mich in dir

Erliege dem Versprechen nach Frieden

Flüsternde Gänsehautgarantie

Wo bist du jetzt?

Queen of wishful drinking

Schlauer als der Rest – dachtest du?

Unbekannter Fokus stemmt Selbstsucht hoch zehn

Wer fickt hier wen?

Atemlose Jagd nach Vollendung

Blinde Schafe erliegen einer Illusion

Mittendrin statt nur dabei

Lieber lächelnd untergehen

Als einsam abzuheben

 

ICH LIEBE DICH

Human Resource

Sie geht mir nicht aus dem Kopf, erinnere mich an all die getexteten Um-Denk-Anstöße, unvergessliche Erinnerungen und die Leere, die sie hinterlassen hat.

Unsterbliche Seelenverwandtschaft, haben wir geglaubt. Freundschaft ist für immer, haben wir gedacht. Ohne Kompromisse, haben wir uns eingeredet.

Und plötzlich war sie weg. Vorhersehbarer Rückzug, verlorener Kampf gegen einen allmächtig erscheinenden Gegner…. Sämtliche Kraftreserven verbraucht – Sucht wiegt schwerer als Verbundenheit.

Hoffend, dass sie niemals begreift, durch welche Hölle manch Suchender wandelt. Auch wenn ich sie dafür hasse  genauso zu denken wie der Rest dieser scheißverkackten Arschgeigen. Sucht ist selbstverschuldet? FICKT EUCH!

Bleibt in eurer Scheinwelt, fingerzeigend auf die willensschwachen Junkies, die es nicht anders verdient haben.

 

In der Zwischenzeit fliegen wir – höher, schneller und weiter als es Baumgartner jemals wird – egal ob er Matheschitz den Schwanz lutscht, oder nicht. Limit Stratosphäre? Ihr seid doch alle Muschis.

Schub. Schub. Schub….

Weiter hinauf. Weit über das große Ganze hinaus geschossen, explodieren vor Glück ehe sich prasselnde Einzelteile zur Sternschnuppe formatieren.  Rasanter als Licht schnalzen wir zurück in Richtung Abgrund – verglühen oder aufprallen?

Schlafhungriger als jemals zuvor, er schiebt meine Schenkel auseinander bevor sein Körper auf meinem landet.  Immer und immer wieder versenkt er sich in mir, bin zu erschöpft um um Gnade zu betteln. Es brennt wie verrückt, wund- und hirngefickt gebe ich mich ihm hin.

Wieso tu ich mir das an?

Ach ja, weil es mich scharf macht.

Ambitionierter als ein Newcomer beim Pornocasting rammt er sein Ding in mich, vögelt als ob es das letzte Mal wäre.

„Du Fickstück bist doch für nichts anderes zu gebrauchen – deine Fotze gehört mir“, flüstert er mir ins Ohr. Sekundenbruchteile später trifft mich die Ohrfeige. Mein Schreien erstickt unter der flachen Hand, die er mir auf den Mund drückt.

„Genug Luft, du Miststück!“

Zapple unter ihm, der Sauerstoffmangel lähmt mich zunehmend. Sterbende Seele in einem erregten Körper.

Wer hat hier wen gebrochen?

 

 

 

 

 

 

 

Polytoxikomanie

Es kribbelt wie Millionen laufender Ameisen unter der Haut, Tims Augen werden schwarz. Seine Pupillen funkeln so groß wie der Vollmond über unsren Köpfen.

Ich muss an Schuhu denken. Dem Polarvogel würde es bei den Temperaturen sicher gefallen.

„Alles in Ordnung bei dir?“

Tim bemerkt den grübelnden Ausdruck in meinem Gesicht.

„Passt schon. Musste nur grade an eine Eule denken.“

Unter uns tausende Feiernde, die der Kälte trotzen und genauso vom unerwartet einsetzenden Bass überrascht werden wie wir hier oben.  Mit der Schlagkraft einer Abrissbirne beschleunigt der DJ den Beat, die Menge tobt im Stroboskopgewitter. Über uns die Sterne, darunter der Flow – Euphorie macht sich breit und wie zum Beweis tanzt Jan durch die offene Balkontüre zu uns nach draußen:

„Leute, ich liebe euch.“

Jetzt wo er´s sagt, spür ich´s auch plötzlich. Außerdem krampft mein Kiefer mit seinem um die Wette.

Ob sich Vögel  verlieben können?

Haben Eulen Kiefer?

Diese ganze Fragerei bringt mich aus dem Takt. Ich kann nicht tanzen und denken gleichzeitig. Für Multitasking ist es zu kalt. Und zu spät. Und zu dicht.

Über uns schießt ein rosa Lichtblitz in den schwarzen Himmel, knapp gefolgt von neongrünem Blinken das die rotierende Menschenmenge wie ein großes Ganzes erscheinen lässt. Hektisch drehe ich mich um die eigene Achse und laufe durch das Zimmer nach draußen. Ich muss da runter. Mittendrin statt nur dabei…

Schiebe mich durch den Einlass  nach vorne, das Wummern in der Magengegend wird umso heftiger, je näher ich den Boxen neben dem DJ Pult komme. Wie ein zusätzlicher Stromschlag der das Nervensystem auf Vollgas dreht, gepusht und losgelöst. Mit dem Hauch einer Ahnung, wie sich Vollkommenheit anfühlt.

Zack. Bumm. Tauch.

Filmriss.

Starke Arme, die sich unter meine hacken. Als würde mich jemand wegziehen. Wohin ist der Bass verschwunden? Blinzle verstohlen durch ein halb geöffnetes Augenlid in die Dunkelheit.

Bin ich etwa gestorben ?  

Kann nur verschwommene Silhouetten erkennen, es ist so gespenstisch ruhig um mich herum. Außer dem Wummern im Kopf und einem lauter werdendem Atemgeräusch knapp hinter mir scheint es still geworden zu sein.

WO bin ich hier?

Versuche mich aus dem klammernden Griff zu befreien, kapituliere aber, als meine Oberschenkel ihren Dienst versagen und das schwache Licht zum zweiten Mal ausgeht.

Ob Eulen Winterschlaf halten?

Wie schmeckt so ein Vogel?

Stehen Schuhus unter Naturschutz?

Ich glaube er schmeckt nach Strauß.

Wieso riecht es hier nach Marihuana?

Wessen Atem spüre ich im Nacken ? 

Panisch  reiße ich die Augen auf. Der Teddybär neben dem Kopfkissen ist mir völlig unbekannt. Vielleicht sieht er deswegen so apathisch in meine Richtung? Wer zum Teufel kifft hier? Hatte ich letzte Nacht Sex? Und wo bin ich eigentlich?

Und welcher Vollspast kauft sich Bettwäsche mit Hirschköpfen drauf?

Verstohlen werfe ich einen Blick unter die Decke, die höchstwahrscheinlich von Jägermeister gesponsert wurde –  und siehe da, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Ich bin tatsächlich noch angezogen. Inklusive Stiefel.

Die Frage nach dem Koitus wäre somit vom Tisch.

Noch ehe ich eine Antwort auf eine der anderen existentiellen Ungewissheiten finden kann, schreckt mich das dreckige Lachen hinter mir auf. Kreische wie ein kleines Mädchen und springe mit der Dynamik einer Heuschrecke auf Amphetamin aus der Pritsche hoch.

An deren Fußende sitzt unterdessen ein amüsiert aussehender Tim, der vor Lachen beinahe auf den Parkettboden kracht. Wäre mir nicht so schwindelig, würde ich ihn eine reinhauen. Doch noch bevor ich das Gleichgewicht wieder finde, gebe ich dem Zittern meiner Beine nach und lasse mich zurück aufs  Bett fallen.

„Bist du bescheuert?“

Tims Blick verfinstert sich:

„Zumindest weiß ich, wann genug ist, du Irre.“

Wovon redet der denn?

Irgendetwas summt. Außerdem glaube ich, dass mein Kopf explodiert. Ein schmaler Lichtstrahl fällt durch die Vorhänge auf das Fußende des Betts. Genau dorthin wo das nervige Geräusch herkommt.

Verdammt. Mein Telefon.

„Hör auf mich irre zu nennen. Du weißt, dass mir das nicht gerecht wird.“

Lachend öffnet er eine Cola und streckt sie in meine Richtung.

„Stimmt. Du bist geistesgestört hoch tausend. Dafür gibt’s noch gar kein Wort“

Die Kohlensäure brennt furchtbar im Hals, doch der Zuckergehalt der Limo holt mich für eine Weile wieder runter von meiner Welle. Und noch während ich mich frage, welcher Tag heute ist, summt es erneut. Ach ja, das Telefon!

Beim Checken der ungelesenen dreihundert Nachrichten stockt mir der Atem, als ich seine entdecke:

Er würde mich immer noch lieben. Und wollen sowieso.

Mein Herz tanzt.

Ob er auch manchmal an große, weiße Vögel denkt?

Ob der große, weiße Vogel manchmal auch an uns denkt, wenn er sich das Herz bricht?

Geht das ohne Kiefer überhaupt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bitte geh nicht weg

Ich bin süchtig nach DIR, weil DU alles spannender machst. Weil ich mitten in der Nacht auf einen Berg fahre, um den Sternen näher zu sein.

Ich bin süchtig nach dir, weil ich ohne dich nicht sein kann. Nicht die, die ich gerne wäre.

Ich will immer mehr von dir, als würde das gegen die Angst helfen. Die Angst dich zu verlieren. Die Angst mich in dir zu verlieren. Die Angst nicht zu genügen. Die Angst, dass niemand für mich da ist.

Ich bin süchtig nach dir, weil du Regie bei all den unvergesslichen Erinnerungen geführt hast.

DU steuerst nicht nur mein Fühlen – nein auch meinen Verstand. Wie eine Zecke setzt DU DICH in mir fest. Sämtliche Kontrollinstanzen außer Betrieb – ICH BRAUCH DICH WIE DIE LUFT ZUM ATMEN.

Ich würde alles dafür tun, dich ständig in meiner Nähe zu wissen. Unendlicher Vorrat Unantastbarkeit. Als hätte man den Knopf zum Herz- Abschalten gefunden. Maß- und skrupellos verliere ich den letzten Rest Menschlichkeit; ständig suchend nach dem, der mir Vollkommenheit lehrt.

Und plötzlich ist da etwas. Auf einmal bist DU da.

Wie eine undurchdringbare Barriere, die meinen Körper benetzt, nichts kommt mir zu nahe.

Alles was ich will bist DU. Die höchste aller Instanzen, der Ursprung aller Extreme, Treibstoff fürs Ego und die Motivation.

Gib mir mehr davon.

Nur ein bisschen mehr.

Ich schwöre dir die ewige Treue – nichts und niemand wird mir jemals wieder so viel bedeuten wie DU.

Du bist das Zentrum meines Handelns, die Grundlage meiner Existenz – auch wenn DU mich langsam aber sicher zerstörst und in den Wahnsinn treibst.

Zerfressen von der unstillbaren Gier nach immer mehr – ich werde alles für DICH sein.

Solange DU mich nicht alleine lässt. Ich flehe DICH an – bitte geh nicht weg.

Eiskalter Schweiß benetzt meinen zitternden Körper. Immer flacher die Atmung, ich frage mich, ob mein Brustkorb explodiert. Gefühlte 220 beats per Minute feuert der darunter liegende Muskel, nur um zu zeigen, was noch geht.

Challenge accepted.

Aber ohne DICH werd ich nicht gehen. Niemals.

Ich bin süchtig nach dir.