Rene‘

Wir schreiben. Wir ignorieren einander. Stacheln uns gegenseitig an, heizen ein, als ob es kein Morgen geben würde. Immer wieder wummert die Erinnerung an vergangene Tage und Gefühle wie ein Vorschlaghammer in den Kopf, macht die verdrängten Empfindungen wieder bewusst.

Seit knapp zwei Jahren ficke ich alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, immer mit der Hoffnung, ihn endlich gehen zu lassen. Vergessen können.  Ganz egal wie ich es auch anstelle – ich kann nicht aufhören an ihn zu denken.

Es ist nicht schlimm zu wissen, dass er jemand anders hat. Aber mir blutet das Herz, wenn ich spüre, dass er dabei unglücklich ist.

„Interessant ist immer das, was man nicht haben kann.“

Richtig. Nur, dass es nicht um Besitzanspruch geht. Alles was ich will, ist zu wissen, dass er ok ist.

Scheiß aufs Ego.

„Will dich spüren. Schmecken. In deinen Armen einschlafen, nur um zu wissen, dass du wirklich da bist.“

Niemals hab ich mich sosehr nach einen Menschen gesehnt, wie in diesen Tagen nach ihm. Seit Wochen schon ungefickt und trotzdem interessiert mich keiner der üblichen Bums-mich-anständig-durch- Spasten, alles was ich jemals wollte ist………….Er……

Gott und die Welt sagt mir, ich soll die Finger davon lassen; der Turbo unter meinen Rippen sagt was anderes… Sturheit? Engstirnigkeit? Aneckenwollen? Nostalgie? Sucht? Naivität?

Nichts als verzweifelte Versuche, das Unfassbare in die korrekte Schublade zu stecken, wie auch immer. Einen feuchten Scheiß drauf gebend was irgendjemand davon hält…  Ihr habt keine Ahnung wie ich fühle. Und  noch während in meinem Schädel Krieg tobt, summt das verfickte Ericcson wie ein eingekokster Epileptiker auf dem Glastisch herum.

Kurzer Blick aufs Display, bestätigt meine Vorahnung. Er hat geschrieben. Wir sehen uns heute. Zum ersten Mal seit drei Monaten.  Versuche die Vorfreude zu dämpfen, nur nicht durchdrehen… Sag der besten aller Vertrauten Bescheid, schmeiß mich in mein weißes „Fick-mich-Kleid“, das sie mir vor Wochen geschenkt hat und mach mich auf den Weg nach St. Eiermark.

Scheiße, bin ich aufgeregt.

Ob ich kurz anhalten und einen Ofen rauchen sollte?

Nein, ich will vollkommen bei Sinnen sein, keinen einzigen Nervenstrang betäubt, alles spüren. Unterwegs meldet sich auch der Mann mit dem Koks. Nein danke, ich will mich nicht schon wieder selbst sabotieren…. Keine Sehnsucht nach Placebos; alles was ich brauche kann man nicht kaufen..

Klopfe mir selbst auf die Schultern, ehe ich bemerke, dass ich angekommen bin; wie der erste Kick auf MDMA erwischt es mich, als ich seinen Wagen sehe. R. sieht genauso aus, wie ich ihn in Erinnerung habe; süß- und unendlich müde. Doch das sonstige Herzrasen ist einer tiefen Vertrautheit gewichen; unsicher wann ich mich zum letzten Mal jemand so nah gefühlt hab, als ich in seine Karre steige und mich neben ihm in den Sitz fallen lasse.

Und plötzlich fühlt es sich an, als wäre der ganze Scheiß nie passiert; neurotische Verliebtheit ist einem undefinierbarem Akzent der Ruhe erlegen.  Keine Ahnung, aber es ist richtig. Richtig gut.

Wir reden. Zum ersten Mal seit geraumer Zeit. Nicht nur über belanglosen Mist. Über Dinge, die bewegen. Steigen aus dem Auto, er nimmt mich an der Hand. Sauge den Augenblick ein, als wüsste ich ganz tief drinnen, dass es sich nie mehr so intensiv anfühlen würde.  Liegen nebeneinander in einer der Pritschen, bekomme nicht genug von seinem Geruch, verliere mich beinahe, ich kann nicht glauben, dass das wirklich passiert. Hätte ich einen Wunsch frei,  wäre es, ihn nie mehr loszulassen.

Streichle über seine Brust, tänzelnde Fingerspitzen ebnen sich den Weg, jagen die Innenseite seiner Oberschekel hinab, halten an den Knien inne, fegen wie ein Orkan zurück zwischen seine Beine, zeichnen die Konturen des hart gewordenen Körperteils nach, während er meine unverpackten Titten durch den Stoff hindurch inspiziert, gekonnt an den Nippeln zieht, loslässt um sie anschließend durchzukneten. Gott, er riecht so gut.

Kurz vorm verrückt werden stehend,  als hätte er Lunte gerochen, lässt er plötzlich von mir ab, steht auf und beginnt damit, sich auszuziehen. Challenge accepted – mit einer flüssigen Aufwärtsbewegung streife ich den Fickmichfetzten ab, stehe nur noch in Halterlosen vor ihm, rufe enthusiastisch „Erster!“,  bevor er mich umdreht und meinen Oberkörper aufs Bett drückt.

Schließe die Augen, fest zupackende Hände dirigieren meinen zuckenden Arsch nach hinten, und während ich mich noch wundere wie geil sich das anfühlt, rammt er mir den steinharten Schwanz hinein, ohne die Möglichkeit mich zu wehren lasse ich mich fallen. Verliere völlig die Kontrolle, alles was ich will ist mehr davon.

Immer lauter werdende Schreie, er krallt sich tief in meine Hüften, mit einem Ruck dreht er den winselnden Körper auf den Rücken, nicht ohne mir vorher kräftig auf den Arsch zu klatschen. Millimeter vor dem Höhepunkt herumschleichend, reißt er unerwartet sein Teil wieder aus mir raus.

Gierig, beinahe automatisiert drücke ich meinen Körper in seine Richtung, zärtlich packt er mich am Hinterkopf, steuert ihn eine Etage weiter nach unten, solange bis sich Schwanzspitze und Lippen berühren.

Ausgehungert wie eine Königscobra, die wochenlang nichts mehr zu fressen bekommen hat, schnappe ich vorsichtig nach dem Lieblings-Schwanz, ziehe mit der Zunge Kreise über die Spitze, um ihn schließlich bis zum Anschlag im Gesicht verschwinden zu lassen.

Langsam wandernde Hände, innehaltend, weiter suchend, findend, staunend, gleichzeitig mit seinen, die mich auf einmal an den Beinen erwischen. Vorsichtig und doch bestimmt drückt er sie nach hinten, solange, bis ich vollkommen frei und zugänglich vor ihm liege.

Sekunden später seine Zunge, die sich ihren Weg durch mein Allerheiligstes bahnt, Contenance war gestern. Geschickt provoziert er das mittlerweile hypersensible Präzisionsgerät an den Rand des Wahnsinns, zitternd und windend erreiche ich  zum ersten Mal den Höhepunkt.

Versuche mich loszulösen, dann wie Brandbeschleuniger, ein gehauchtes „Du sollst stillhalten“, kickt mich wie Lionel  Messi das runde Leder, eine Sphäre höher. Verliere noch mal die Kontrolle, bevor die erste Welle abebbt, explodiert mein unterhaltsamster Körperteil zum zweiten Mal  an diesem Abend.

Mit der Präzision einer Armbanduhr der Eidgenossen leckt er mich zum nächsten Gipfel, instinktgesteuert und tiefenentspannt sinke ich in seine Arme. Ich wusste gar nicht mehr wie vollkommen sich das anfühlt.

Als wäre mit einem Schlag alles anders; der Zustand den ich am Meisten fürchte, gleichzeitig das Intensivste, dass ich jemals gespürt habe… Nähe.

Es ist einfach perfekt. Wunderschön.

liebes.tagebuch.lieber.herr.psychiater.

Schau benommen auf den Bildschirm. Nicht etwa weil ich einen kreativen Schub erwarte, der durch mulitoxische Lebensführung  bedingt ist; nein, mein Psychiater hat mir dazu geraten.

Ich frag mich, ob der kifft. Oder säuft. Oder einfach nach dem Wichsen kaltes Wasser getrunken hat. Und eventuell danach auch noch mit dem Kopf irgendwo aufgeschlagen ist.

Was soll denn das für eine Hilfe sein?

Haben die früher nicht mal lustige Pillen verschrieben? Nix da, heut sollst Tagebuch schreiben.  Schau ma mal, ob das so knallt wie die Diazepam-gefärbte Alternative.

Wertes Tagebuch, Lieber Herr Doktor  Freud,

Vielen Dank für ihre Anteilnahme,

Wer zum Teufel hat das mit Ihren Haaren verbrochen Herr Doktor? Das Mistvieh sollte man wirklich einsperren. Wie fühlt sich eigentlich ihre Frau dabei, wenn sie Nacht für Nacht unter einem alten Mann mit asymmetrischem Pagenschnitt einschläft, und morgens darauf neben einem Hippie erwacht, der aussieht als hätte er ein explodiertes Vogelnest aufm Hirnkastel?

Aber gut, sie haben Recht-Ihre Federpracht, geht mich eigentlich nix an und hat nichts mit mir zu tun, auch wenn ihre Gattin höchstwahrscheinlich durch die Hölle geht.

Ich will ja nicht ihr Nacht- sondern mein Tagesleben festhalten.

Also dann… Den ersten Schock (nachdem ich an ihren Anblick dachte) bekam ich dreißig hundertstel nachdem ich früh morgens die Augen aufgemacht habe.

Das ganze Bett mit roten Flecken übersäht, als hätten Satanisten in der Nacht ein Huhn geschlachtet. Direkt über meiner komatös träumenden Wenigkeit. So sehr ich mich auch anstrenge, ich entdecke auf den ersten Blick mal nix, dass wie ein toter Vogel aussieht, den man den Kopf abgebissen hat. Welcher scheiß verfickte Idiot hat mein Bett vollgeblutet?

Richte mich mit der Dynamik einer querschnittsgelähmten Gehirntoten auf,  um die Lage zu sondieren, und den Bluter zu erwischen.

Jippieeyyeah, der Kreislauf ist mitten im Reinkarnationsvorgang, strauchelt, steckt fest und noch ehe ich „verdammte Kacke woher kommst du denn?“ denken kann, tanzt der Magen Cha cha cha und ich kotze auf den Flokati.

Schön, dass ich nicht die Katze erwischt habe. Immer positiv denken. Laut „Miau“ schreien und das Viech auslachen, weil es  sich erschreckt. Mich kurz überlegen fühlen. Solange, bis ich sie dabei beobachte wie sich selbst lecken. Gott, wieviel Probleme weniger hätten wir, wenn die menschliche Rasse mit dem  Selben Potenzial gesegnet wäre???

Gibt’s dazu Versuche, wissenschaftliche Untersuchungen?

Sollte jemand dazu noch Probanden suchen –  ich stelle mich sofort in den Dienst der Wissenschaft!

Nachdem mein innerer Monolog zu dem Thema weitgehendst verstummt war, bemerkte ich wie sich langsam aber sicher der Wunsch nach körperlicher Vereinigung aufbaute. Kurz: ich war geil. Masturbieren war allerdings keine Option, da ich mich immer noch im selben Raum befand, wie mein Haustier. Und mich dabei von einem Artfremden Wesen beobachten zu lassen, überschreitet auch in meiner Welt die Grenze zur Perversion.

Jetzt habens aber zu schlucken, Herr Psychiater, was?

Wie heißt das denn, wenn man sich dabei von einem Vierbeiner zusehen lässt? Zoophile Masturbation?

Wie auch immer. Ich habe dann eh nicht gewichst, sondern mich gefragt woher jetzt die Sauerei in meinem Bett kommt. Die Frage hab ich mir bis dato immer in einen ganz anderen Kontext gestellt, zumeist hab ich mich gefragt, woher das Schwein in meinem Bett stamme.

Wobei die Antwort auf die zweite Frage immer ich war.

Lege meinen Kopf tiefer um unter das Bett zu sehen, doch auch dort finde ich nichts, dass blutet. Keine Tiere, keine Kerle, keine Außerirdischen. Keine Kirschen. Keine Ob’s.

„Wollt ihr mich verarschen, oder was zur Hölle ist hier los?“

Kurz brüllen, Druck  abbauen,  Kater läuft um sein Leben, ich fühl mich klasse.

Pieep….Pieeeeep….Pieeeeeeeeeeeeeeeeppppppppppppppp…

Ruckartig erinnere ich mich an den Grund, weshalb ich den Wecker gestellt habe, kämpfe mich tapfer in die Senkrechte, stoße mit dem Ellenbogen an einer leeren Flasche, die laut scheppernd der Gravitation nachgibt und eine neue Farbnuance auf dem Bodenfell hinterlässt.

Fuck. Die roten Flecken. Merlot du beknackte   Dreckshure.

Zwei leere Gläser auf der Kommode, setzten die Erinnerung in Gange. Ach ja, jetzt wird mir auch wieder klar, wieso mein tiefstes Innerstes wie Feuer brennt…  Mister Mombasa war auf Kurzurlaub in mir….