#Glaube

Bin ich nichts anderes, als eine egomanische Narzisstin, für die Empathie ein Fremdwort ist? Eine vergnügungssüchtige Lügnerin, die zwischenmenschlichen Tiefgang nur vom Hörensagen kennt? Eiskalter Engel, längst schon dem Untergang geweiht?
Ständig auf der Suche nach dem nächsten Kick, rastlos wie ein ausgehungertes Tier. Getrieben und gehetzt, ohne die Möglichkeit durchzuatmen renne ich unentwegt umher. Doch egal wie schnell mich meine Beine tragen, das rettende Ufer bleibt unerreichbar.
Zerfressen von der Einsamkeit, wie ein schwarzes Loch, das sich selbst auslöscht. Wo bist du jetzt?
Versinkender Glaube an das Gute im Menschen, zieht alle Hoffnung mit in die Tiefe. Wem soll ich noch trauen, wenn niemand mehr an mich glaubt?

Willkommen in meiner Welt, Arschloch.

Zerstückelte Erinnerungsfetzen drängen aus der Versenkung nach oben und innerhalb eines einzigen Herzschlages ist alles anders.

Es ist endgültig vorbei, letzte Funken falscher Hoffnung und kranker Sentimentalität wie weggeblasen; verglüht ohne dabei auf die Knie zu sinken. Ziellose Besessenheit steuert geradezu in die nächste Vollkatastrophe.

Warum bin ich heute nochmal aufgestanden?

Ach ja. Weil ich dachte, der Typ mit dem Sushi und dem Six Pack würd endlich Frühstück bringen. Von wegen. Die Rundfunkgebühr wollt der Spast; aber das ist ein anderes Kapitel.

Der Schlafentzug zeigt erste Spuren, alles auf slowmo. Nachlegen ist umsonst, sämtliche Körpersysteme kurz vorm Abstürzen. Siebzig Stunden wach und ohne feste Nahrung. Da hilft auch Boliviens Exportschlager Nummer eins nichts mehr. Irgendwann ist einfach zu viel des Guten.

Recht herzlichen Dank liebe Obsession.

Geprügelt, gedemütigt und verzweifelt aus dem Ring gestiegen; niemals gekrochen. Ziellos von einer in die nächste Misere getorkelt.

Unzählige Male die Selbstachtung verloren-kein einziges Mal den Stolz.

Mit gehobenem Kopf scheint der Fall ästhetischer, bisschen Contenance und so´n Scheiß. Immer tanzend. Mit Sonnenbrille.

Und noch während man sich den Aufprall als allerletzte Instanz des eigenen Selbstzerstörungswahns vorstellt, kündigt sich unerwartet Hilfe bei dem Vorhaben an.

Sein Gesicht ist eingefallen, die Konturen der Wangenknochen deutlich auszumachen. Mittlerweile hat sich die noble Blässe in fahles Grau gewandelt, die Stirn voller entzündet aussehender Punkte, tiefe schwarze Ränder unter weit aufgerissenen Augen.

Er wollte immer sein wie Onkel Charlie, geworden ist er das uneheliche, in einer Bahnhofstoilette gezeugte Balg, von Jessy Pinkman und Christiane F.

Ihr Kinder vom Bahnhof Zoo.

Aus jeder seiner Poren dringt das Gift nach außen; vor nicht allzu langer Zeit war ich süchtiger nach seinem Geruch, als nach dem Inhalt seiner Taschen.

Da ist kein Glanz mehr in seinem Blick, sämtliche Erinnerungen getötet.

Will mich erinnern.

Schaff es nicht.

Rastloser Geist randaliert im erschöpften Körper, wirre Gedankengänge, leergekokste Müdigkeit eines  kaputten Wahnsinnigen am Rande der Existenzberechtigung.

Willkommen in meiner Welt, Arschloch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Sein ist das Werden des Ganzen. Fotze.

Wenn der Tag gut ist, leb ich als ob es kein Morgen geben würde, ich schaffe es innerhalb kürzester Zeit mein Umfeld mit glänzender Laune anzustecken.

Die Sonne scheint mir aus dem Arsch und ich strahle als ob ich auf direktem Weg von Fukushima kommen würde.

Ich trinke ohne Maß und Ziel. Shot. Shot. Shot.

Ich schmeiß mit Geld um mich, als ob ich Bill Gates ‘Kreditkarte im Sack hätte.

Ich ficke, als ob es um Leben und Tod ginge.

Ich ziehe mir das für mich essentielle, weiße Pulver in den kaputten Kopf, als wäre ich die Geliebte von  Pablo Escobar.

Ich tanze als ob mich niemand dabei sehen würde.

Ich fahre Auto, als wäre ich eine unzerstörbare, weibliche Ausgabe von Sebastian Vettel, für die absolute Strafverfolgungsfreiheit gilt.

Der Endorphin Tsunami der durch mein Hirn rauscht macht mich unsterblich und  unbesiegbar. Da ist nichts das mich aufhalten könnte, alles ist packbar.

Grenzenlose Sehnsucht, unbändige Lebensfreude, pure  Abenteuerlust und die Sucht nach Liebe lassen mich fliegen. 

Unendlich hoch.

PANTHA REI. Alles fließt, und ich bin unkaputtbar.

Und dann gibt es Tage wie diesen..

Am liebsten würde ich nicht mal aus dem Bett aufstehen, weil es davor schon klar ist – es wird nicht mein Bester werden.

Als hätte sich sämtliches Elend dieser Welt in der Nacht über meinem Kopf gestaut um nur darauf zu warten, mich wie ein Vorschlaghammer zu erwischen und niederzustrecken.

Sowie ich die Augen öffne um aus dem Koma zu erwachen, trifft es mich eiskalt und lässt mich an der Sinnhaftigkeit überhaupt aufzustehen zweifeln.

Es ist so sicher wie das Amen im Gebet, dass mich dieses verfickte Gesetz von dem Typ namens Murphy den ganzen Tag in den Arsch vögeln wird. Ohne Vaseline, dafür mit Anlauf. 

Alles was schiefgehen kann, wird schiefgehen. Und wann? Im ungünstigsten Moment.

Das gottverdammte Sonnenlicht brennt in den Augen und ich bin unschlüssig ob der Tinnitus oder der latente Brechreiz an meinen ernsthaften Selbstmordgedanken Schuld ist.

Allerdings fühl ich mich viel zu müde und unmotiviert um mich umzubringen, denn dazu müsste ich erst mal aufstehen. 

Fick dich Welt. Decke übern Kopf ziehen und auf die Nacht warten. In der Dunkelheit ist alles einfacher;  stressfreier, ungehemmter,  ungenormter, belangloser.  Und vor allem – unnüchterner.

Gibt es was Schlimmeres als nicht betrunken zu sein? Furchtbarer Zustand. Die ganze Farce bei vollem Bewusstsein zu erleben, all das Theater dieser Systemerhalter.

Diese Arschlöcher, die von 8 bis 17 Uhr arbeiten, am Wochenende frei haben, im Sommer in den Urlaub nach Bibione oder Medulin fahren, Strache wählen, Familie haben, brav die Kreditraten fürs Eigenheim zurückzahlen, sind garantiert schon zuhause.

Sie sehen sich die Nachrichten kurz vorm Hauptabendprogramm an, ziehen sich Mikrowellenfraß rein, schimpfen über den Krieg in Syrien und die Inflation, trinken verdünnten Himbeersaft , führen flachen Smalltalk mit der zuhause wartenden Ehefrau und simulieren drei Minuten lang ernsthafte pädagogische Fähigkeiten zu besitzen um bei den Kindern nicht in Vergessenheit u geraten. Diese Kerle sitzen mit der Unterhose vorm Fernseher und sobald Frau und Kinder eingeschlafen sind, holen sie sich zur Feier des Tages einen runter,  versehentlich auf die Couch wichsend, einzig und allein weil sie sich keine Hure leisten können.

Völlig unaufgeregt und nicht der Rede wert. Bock darauf die eigene Frau zu ficken haben sie nicht mehr. Seit über zehn Jahren zusammen, einige tausend Mal den mickrigen Schwanz in sie gesteckt, bevor die Angetraute fett geworden ist und aufgehört hat, sich die Beine zu rasieren.

Sie hat es nicht mehr nötig gefunden, nachdem sie wusste, dass er sich von seiner Sekretärin regelmäßig die Latte lutschen lässt.

Seitdem lässt sie sich völlig gehen und überlegt sich wie sie ihn unauffällig umbringen könnte. Durch die jahrelang geschluckten Downer ist sie leicht paranoid geworden, deshalb traut sie sich nicht nach geeigneten Gift zu googeln um den verhassten Gatten ins Jenseits zu befördern ohne dabei des Mordes verdächtigt zu werden.

Hätte sie sein Einkommen nicht so nötig, weil sie sich an den Lebensstandard gewöhnt hat, den ein Gehalt in seiner Position bietet, wäre er schon längst tot.

Der einzige Grund, wieso er noch nicht in ein Flugzeug gestiegen und abgehauen ist, ist die Abfertigung seiner Firma. Er weiß, dass er noch drei Jahre bleiben muss, um den fetten Scheck zu kassieren. Dieser Gedanke hält ihn am Leben. Sobald er die Kohle hat, verschwindet er. Weit weg von der alten, dicken Frau die jede Nacht neben ihm liegt.

Weit weg von der völlig versnobten Brut, die er damals gezeugt hat.  So hatte er sich das alles nicht vorgestellt als er sich vor langer Zeit in diese Frau verliebt hat. Alles wollten sie besser machen als die Generation vor ihnen. Ewige Treue haben sie sich geschworen, als sie vor dem Traualtar standen, im Grunde selbst noch Kinder.

Im Rausch der grenzenlosen Naivität treibend, völlig unwissend wohin die gemeinsame Reise wohl gehen würde teilten sie die Überzeugung – bis das der Tod euch scheidet.
Und  etwas mehr als ein Jahrzehnt später ist die Todessehnsucht nur eine Nuance geringer als meine eigene im Moment…

Der Vibrationsalarm neben meinem rechten Ohr reißt mich unsanft aus dem Dämmerzustand. 

Ein kurzer Blick aufs Display, meine Intuition bestätigt sich. Murphys Gesetz. 

„Hey… Sorry, ich bin schon unterwegs“

Beim Klang meiner Stimme erschrecke ich selbst. Gott ich sollte wirklich mit dem Trinken aufhören.  Wenigstens für vierundzwanzig Stunden.

Die utopischen Gedanken beiseite schiebend, kämpfe ich mich in die Senkrechte. Scheiße, ich hab verschlafen.

Keine zwei Schritte später trete ich barfuß auf eine herumliegende Glühbirne, die Glassplitter bohren sich tief in die Ferse und lassen das Blut unkontrolliert auf den Boden spritzen.

„Fuck…….Warum… “ Wenige Millimeter trennen mich noch von einem Tobsuchtsanfall, ich boxe aus Zorn gegen die Tür, die daraufhin in tausende Scherben zerbricht und  mir eine tiefe Schnittwunde an sämtlichen rechten  Fingern hinterlässt.

„Alter, wie behindert musst den sein?“ ich schreie den übrig gebliebenen Türrahmen an, als hätte er Schuld an dem Malheur.

Der Köter vom Nachbarn fängt wie besessen zu keifen an, als er mein  hysterisches Geschrei hört. Anscheinend fürchtet er sich.

Überall ist Blut. Wie kann man so blöd sein, und gegen eine Glastüre schlagen?

Das ganze Gehirn weggeballert..  Fuck. Ich muss mich fertig machen. Bin ohnehin schon eine Stunde zu spät. Gottseidank hab ich mich gestern  vom Chef knallen lassen. Sonst könnt ich wirklich mal Ärger bekommen.

Ich schnappe mir den Teddybären der auf dem Bett liegt und drücke ihn auf die klaffende Wunde. Mit der heilen Hand suche ich im Nachtisch nach etwas Motivation. Verflucht nochmal wo hab ich sie bloß hin gepackt?

Ich sollte wirklich mit dem Trinken aufhören.

Zwischen Pornos, Batterien, Bananen, Knoppers, alten Fotos, einem Vibrator  und unbezahlten Erlagscheinen krame ich verzweifelt nach dem einzigen Grund der gegen sofortigen Suizid spricht.

Wo zum Teufel hab ich das Koks hingesteckt?

Schon wieder alle?

Nein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es noch was hat. Ja. Ziemlich viel sogar. Langsam, aber sicher kehrt die Erinnerung an die vergangenen Stunden zurück.

Verdammte Scheiße. Wie eine Geisteskranke reiße ich die Lade aus dem Schrank und knall sie mitsamt des Inhalts gegen die Wand.

Mein Schlafzimmer hat sich binnen zwei Minuten zu einem Schlachtfeld verwandelt, zwischen Glasscherben und Chipskrümeln liegen leere Bierflaschen, Kleingeld, benutze Kondome, einige rote Pillen mit dem Mitsubishi Logo, angefressene Kekse und der eigenartig aussehende Brei  direkt neben der Türe dürfte wohl Katzenkotze sein.

Darüber verteilt ein ganz dezenter Hauch von Rot… Es sieht aus als hätte ein verwirrter Vampir während dem Frühstück einen epileptischen Anfall gehabt.

Wie Columbine kurz nach dem Amoklauf, überall ist Blut…

Aber wo zum Teufel hab ich das Koks hingesteckt?

Fotze.

Mit einer einzigen Handbewegung fahre ich über den vermüllten Schreibtisch, das ganze angesammelte Zeug fliegt durchs Zimmer.

Kacke.

Richtung Badezimmer wankend ziehe ich eine Blutspur durch den Vorraum. Hoffentlich ist noch niemand zuhause. Hab keine Lust mir von einem Kind Löcher in den Bauch fragen zu lassen.

Schaffs gerade noch rechtzeitig bis zum Waschbecken, als sich der restliche Mageninhalt lautstark von mir verabschiedet. Während ich mir die Seele aus dem Leib reihere, frage ich mich was das für eine Plastiktüte ist, auf der sich der letzte Rest von Heineken, Jägermeister und Wodka aus meinem tiefsten Inneren sammelt.

Alles dreht sich,  ich gehe wie ein nasser Sack zu Boden und bleib völlig nackt neben dem Klo liegen, unsicher ob ich gleich das zeitliche segne. Praktisch, dass ich ein Kissen in der Hand halte, zwar vollgeblutet aber immerhin.

Halte den Kopf fest, als ob es etwas gegen das Gefühl er würde jeden Moment explodieren, ausrichten könnte.

Fuck.

Ist das ein Herzinfarkt?

Ich beschließe dass es nur ein Kater der ganz bösen Sorte ist und versuche aufzustehen, als mir die Plastiktüte wieder einfällt.

Scheiße. Jetzt weiß ich auch wieder wo die Motivation geblieben ist. Die ist irgendwo in dem vollkgekotzten Teil knapp über mir.

Mobilisiere die allerletzten Reserven um an den wertvollen Inhalt der eingesauten Verpackung zu kommen. Als ich es unter einer dicken Schicht Erbrochenem weiß durchschimmern sehe, fühle ich wie sowas wie Hoffnung auftaucht.

Nix wie her damit.

„Scheiße… Ich hab zweitausend Stutz vollgereihert…“

Werfe den Beutel vor mich auf den Fußboden und gebe mein Bestes um nicht sofort wieder draufzukotzen. Gott wie tief bin ich eigentlich gesunken, und wie ekelhaft ist das?

Schmeiß den Dreck in die Dusche, richte mich mit der Geschwindigkeit einer hundertfünfzigjährigen Osteoporosekranken Alzheimerpatientin auf und drehe das Wasser auf.

Gefühlte drei Tage später schaff ich es endlich, das erstaunlicherweise trocken und sauber gebliebene Kokain auf die Waschmaschine zu leeren. Ich mach mir nicht mal der Mühe, eine Line zu ziehen..

Neben der Zahnpasta liegt ein Strohhalm, warum auch immer..

Nichts wie rein und ab geht’s.. Der beißende Geschmack der an Benzin erinnert brennt sich tief in den letzten Rest meines Gehirns. Schmeiß den Kopf in den Nacken, innerhalb von Sekunden werden die Augen völlig schwarz und der Beat des roten Muskels steigt weit über die 130 bpm, endlich fühl ich mich wie ein MENSCH…. Etwas überdreht, die Gedanken besessen von Sex; aber alles besser als der Zustand kurz vor der ersten Line.

Boah……

Einmal geht noch…. Whoop.. Whoop….

Unendliche Arroganz mischt sich mit unberechenbarer Aggressivität und macht mich zu einer tickenden Zeitbombe.

Das Bedürfnis mich auf der Stelle durchficken zu lassen ist genauso präsent wie die Lust große Mengen Alkohol zu trinken, einzig kontrolliert durch einen letzten Rest Arbeitsmoral.

Fünf Lines, einen Joint, zwei Bier und eine Stunde später steige ich ins Auto und mach mich endlich aufm Weg in die abgefuckte Bar in der ich seit kurzem arbeite.

Dürfte reichen um nix mehr an mich ranzulassen. Hoffentlich. Ich will nix mehr fühlen, will nicht mehr spüren was nicht zu leugnen ist. Eiskalter Engel. Fickt euch alle. Fotzen.

Oberflächliche Smalltalkkacke. Ohne Herz und Verstand.

Die Kneipe ist voller Menschen als ich endlich ankomme und die Türe aufmache.  Er Schwall an verbrauchter Luft, gemischt mit dem süßlichen Geruch von verbranntem Marihuana schlägt mir entgegen, der gerade erst verdrängte Drang mich nochmals zu übergeben ist plötzlich wieder präsent wie nie zuvor.

Ich husche an der ersten Bar vorbei, sehe ihn im Augenwinkel am DJ Pult; tanzend, trinkend und völlig gleichgültig mir gegenüber.

„Hoi Puppe! Bist fit?“

Meine Kollegin fällt mir um den Hals, küsst mich dreimal auf die Wange, ehe sie uns beiden Tequila einschenkt.

„Tanja, ich hab noch nicht mal gefrühstückt“

Mit großen Augen blicke ich sie an und hoffe auf Gnade. Falsch gedacht.  Schneller als ich „Vitamin C“ sagen kann, fliegt eine Orange an mir vorbei, landet neben dem immer noch unangetasteten mexikanischen Schnaps, keine drei Sekunden bevor der  Zimtstreuer  mit einem lauten Knall an der Kante der Theke zerspringt.

Alter. Wenn zerstörtes Glas wirklich Glück verspricht, muss ich ins Casino…

„Obst ist wichtig. Juhuuuu… Sauf!“

Tanjas Euphorie wirkt so ansteckend wie Herpes.

„Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken“  rufe ich zurück und kippe den Fusel runter.

Brennende Hitze breitet sich wie ein Lauffeuer in mir aus, besoffene Kerle applaudieren und klatschen als ich das leere Glas gekonnt durch die Bar werfe, laut knallend die Spüle erwische und eine Fontäne von versifften Abwaschwasser in die Luft steigt.

Eine Pirouette drehend fische ich ein Heineken aus der Kühlung,  stelle es vor mich, fasse mir an die Titten und frage mich welcher Idiot den Flaschenöffner versteckt hat.

An die zwanzig Kerle die an der Bar sitzen, fixieren mich mit ihren Blicken. Ich genieße die Aufmerksamkeit und stecke mir den Flaschenhals der Bierflasche in den Mund, beginne daran zu saugen als ob es die Latte von George Clooney wäre.

Porno pur, morgens halb zehn im Land von Raclette und Nidelkuchen. Ja, ich weiß dass es dreiundzwanzig Uhr ist, aber wen kümmert es?

Geprägt von über fünfzehn Mal dreihundertfünfundsechzig Tagen Gastronomie, kann mich sowas nicht mehr schockieren.

Gierig kippe ich das erste Bier des Tages in mich hinein und suche den Augenkontakt mit Tanja.

„Baby, ich bin gleich soweit“, zwinkere ich ihr zu, um so schnell wie möglich in den Keller zu verschwinden.

Sie grinst wie ein Waschbär auf LSD und kippt sich einen weiteren Tequila hinter die Binde. Einer der feiernden Typen schreit hinter die Theke:

„Hey! Da ist alles verdreckt und klebrig! Kann das mal wer saubermachen?“

Unbeeindruckt  fasst meine Kollegin in das bakterienverseuchte Waschbecken, fischt einen ebensolchen Lappen daraus und knallt ihn vor den keifenden Besoffenen.

„Was? Schmutzig? Dann putz doch!“

Das Geräusch, das der auf den Tresen klatschende Wettex verursacht, lässt mein Kopfkino in eine pervers anmutende Einbahnstraße einbiegen..

Die Erinnerung an den Unbekannten Jüngling der mir zwei Nächte zuvor seinen riesigen Prügel bis zum Anschlag in die vor lauter kolumbianischen Schnupfen taub gewordene Fotze gerammt hat, ist plötzlich so lebendig wie nie zuvor.

Dank Helene Fischer und  200 Dezibel kann es niemand tropfen hören… Oh Gott ich bin so fickerig.

Ich kann an nichts anderes als einen steinharten Schwanz in mir denken…  Scheinbar strahle ich das auch aus.. Die Blicke der sturzbesoffen und anscheinend auch vollgekoksten, ständig rotzenden Druffies, die mich immer noch mustern, lassen keinen Zweifel an den äußerst unchristlichen Absichten, die dahinter stecken.

„Fickt euch ihr Spastis“ denkend verpiss ich mich in die Küche. Schmeiß mein ganzes Zeug in die Ecke, atme tief durch und schleiche die völlig versiffte Treppe hinunter in den Keller.

Die Decke da unten  ist nicht höher als einen Meter sechzig, ich gehe ständig gebückt um mir zu dem drogeninduziertem Dachschaden nicht noch eine zusätzliche Gehirnerschütterung zu holen. Einen letzten Rest an Verstand werde ich brauchen um den Weg zurück nachhause zu finden. Irgendwie. Irgendwann.

Bestimmt und äußerst fokussiert bahne ich mir den Weg durch unzählige Getränkeflaschen, Bierfässer, vollgestopften Müllsäcken, Bergen von Altpapier und zerlegten Kartons des unterirdischen und komplett  vermüllten Alkohollagers.

Die Holzregale sind voller Gläser und tonnenweiße Papier, über dem gesamten Zügs zieht sich ein dezenter weißer Staubfilm. Selbst durch dreiundzwanzig Promille beeinträchtigt, frag ich mich, was hier abgeht. Meine Fingerspitze wandert wie ferngesteuert über eins der herumliegenden Teller direkt auf die gierig zuckende Zunge die sich sofort taub anfühlt.

Alter, wo bin ich hier gelandet?

Die rauschgeilen Kollegen machen sich noch nicht mal mehr die Mühe um es zu vertuschen.  ALTER. Fotze.

Ich will gerade abhauen als mein paranoid umherschweifender Blick an einer gelben Karte direkt vor meiner Nase hängen bleibt. Dejans vor? Zu vertraut scheint mir das Plastikteil. Woher?

Hab die Kundenkarte eines sehr bekannten österreichischen Textilladens noch nicht mal in der Hand, als mich die Erinnerung an die vergangene Nacht wie ein Blitzlichtgewitter niederstreckt.

Unter dem fett aufgedruckten „Betten und Vorhänge Reiter“ prangt mein Name, inklusive Adresse. Ach du Scheiße, ich glaub ich bin in der ganzen verfickt und verkoksten Hütte die Schlimmste. Der Verdacht erhärtet sich, als ich mir die Kundenkarte genauer ansehe.

Denn darunter kommen zwei prall gefüllte Tütchen zum Vorschein, bis zum Bersten mit klitzekleinen, schimmerten Kristallen vollgestopft. Es ist nicht mal nötig, den Geschmack der Edelsteine zu testen; ich weiß ganz genau was da drinnen steckt…

„Majaaaaaaaaaa………!!!!!!!!!!!! Bier ist leeerrrrr….Bittteee umsteckennnnn!“

„Schrei mich nicht so an… Ich bin sensibel“ brülle ich bestens gelaunt  zurück. Wusste ich doch, dass ich meine Motivation im Keller finden würde. Da ist sie am liebsten…

Klemm das leere Fass zwischen die Beine und dreh den Verschluss runter, der sofort laut zu zischen beginnt. Den Gedanken dass hier was schief läuft schieb ich beiseite und knall das Teil hektisch auf ein neues Fass. ZZZZZZZZZzssssssssssccccccccccccchhhhhhhhhhhh..

Ehe ich zum tausendsten Mal am heutigen Tag „Scheiße“ rufen kann, explodiert die Öffnung, eine zischende Bierfontäne wichst mich von oben bis unten voll.

Alles Fotzen.

Trete gegen den Müllsack der vor dem Schnapsregal liegt, zünde mir einen Joint an und ziehe mir noch mal was von dem weißen Turbo Zügs rein.

„Maja, geht’s dir gut?“

Als ich die Stimme von ihm höre, lieg ich längst auf dem eiskalten Fußboden, aus meiner Nase tropft Blut und ich hechle um Luft wie ein rennender Husky im süditalienischem Hochsommer.

„Mir geht’s blendend!“

Der Euphorische Ton meiner Stimme passt nicht wirklich zum besorgten Gesichtsausruck von meinem Chef der neben mir kniet und mich hochzuziehen versucht.

„Scheiße wieviel hast du dir denn reingeknallt? Du siehst furchtbar aus.“

Ich lehne mich an die Wand und putze mir mit einem herumliegenden  T-Shirt die Nase, während mir Mike eine Flasche mit Wasser aus dem Kühlschrank holt.

„Danke. Welche Frau hört das nicht gerne?“

Er setzt sich neben mich auf den Bode, öffnet das Wasser und drückt es mir in die Hand.

„Bist bescheuert? Ich schmeiß doch mein Leben nicht weg!“

Als ich aufstehe um mir ein Heineken zu holen, fällt mir auf dass meine Strümpfe komplett zerrissen und meine schwarzen Lederstiefel  mit Konfetti übersäht sind, vermutlich sehen so Menschen nach einer Kneipenschlägerei aus.

„Du bist wirklich völlig durchgeknallt“ er lacht laut auf als ich die Flasche mit einem Feuerzeug aufmache und mich wieder neben ihm setze.

„Ich würd eher verhaltenskreativ dazu sagen. Cheers.“

FICK DICH.

Habe so gut wie keine Hoffnungen mehr, als ich dir die Nachricht schicke. Ehrlich gesagt rechne ich noch nicht mal mit einer Antwort.

„Was machst du morgen Abend?“

Hast mich die vergangenen  Monate immer wieder im Letzen Moment versetzt. Kein einziger Tag, an dem ich nicht an dich gedacht- dich hier neben mich gesehnt- und mir nichts mehr als deine Arme um meinen Körper gewünscht habe. Jeden verdammten Tag lang.

Ein Königreich für ein wenig Nähe.

Mehr wollte ich nie von Dir haben. Jemand der da ist, mich festhält und mir sagt, dass alles wieder wird.

Jemand der mich mitten in der Nacht vor den Alpträumen beschützt. Jemand der mir einen Grund gibt, nach Hause zu kommen. Jemand der mich Vollkommenheit erahnen lässt. Jemand der mir die unendliche Angst vor dem ganzen Mist nimmt.

Ich dacht e du wärst der Mensch, an dessen Seite die Sehnsucht nach Liebe endet,  der Mensch der es schafft das Raubtier in mir zu bändigen, ohne ihm die Ästhetik der Unbezähmbarkeit zu stehlen.

Kein Gefühl war je stärker, kein Verlangen intensiver als der Wunsch dich zu spüren, Zeit mit dir zu verbringen und hinter deine scheinbar  unerschütterliche Fassade zu blicken.

Unstillbarer Hunger nach dir lässt den Herzschlag in die Höhe schnalzen, lähmt den Geist, der Wahnsinn lässt recht herzlich grüßen, ehe er die Schirmherrschaft inmitten dieses chaotisch anmutenden Schlachtfeldes in mir drinnen übernimmt.

Wie kann ich was vermissen, dass eigentlich niemals da war?

Zunehmend verschwommen scheint die Grenze zwischen Liebe und Besessenheit, klare Linien sind längst schon nicht mehr auszumachen, wahrscheinlich waren sie es auch nie.- vermutlich sind sie genauso unreal wie der Gedanke an ein WIR.

Dieser verfluchte  Cocktail aus Endorphinen, Oxytocin und Dopamin treibt mich noch in den Wahnsinn. Raus aus meinem Kopf. Raus aus meinem Hirn. Verschwinde.

Bist du jemals mehr als eine Illusion gewesen?

Das Gefühl, du seist ein Teil meiner Realität, war anscheinend nichts anderes als ein Hirngespinst, auch wenn es immer noch weh tut an dich zu denken. Daran dich für immer verloren zu haben, ohne zu wissen wie sich ein Leben mit dir anfühlt.

Doch weder verletzter Stolz, noch Eitelkeit reißen  solch ein Loch in mein Herz, wie die Gewissheit dich nie wieder zu sehen. Hab ich mich so getäuscht?

Oder ist es nichts anderes als purer Masochismus, der mich immer noch an  dem Gedanken festhalten lässt, dass du der bist, der mich ganz macht.

Inzwischen sind beinahe sieben Monate vergangen, seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben,  die Nervosität vor dem Treffen mit dir ist schwer auszuhalten. Sehe deinen Wagen im Rückspiegel, nehme all meinen Mut zusammen um auszusteigen, dir in die Augen zu sehen.

Durchs Fenster hindurch streift mich dein eiskalter Blick,  lässt auch den letzten Funken an Euphorie und Hoffnung  in mir zugrunde gehen.

Ich steige zu dir ins Auto, setze mich neben dich und doch bist du so unendlich weit weg von mir, die Mauern um dich herum hüllen dich in eine Bastion, die nicht zu bezwingen ist.

Leiste vehement Widerstand, gegen den aufkeimenden Impuls dich anzufassen, deinen Hinterkopf zu streicheln und dich zu küssen. Nie zuvor hab ich dich so traurig gesehen, eiskalt deine Aura, ohne den Funken eines liebevollen Gefühls mir gegenüber. Da ist nur noch Leere und Hass, keine Spur von Zuneigung.

Parkst das Auto zwischen Bäumen versteckt, unsicher ob uns jemand sehen kann, als wir uns verstohlen auf die Rückbank verziehen.  Küssen uns zum ersten Mal seit zehn Monaten, ich krieg nicht genug davon und würd am liebsten nie wieder damit aufhören,  dabei in deine Arme sinken. Gott, du riechst du gut, ich wünschte dieser Moment würde niemals enden.

Und doch spüre ich…. Nichts… vollkommene Gleichgültigkeit, keine Gefühlsregung… nehme deinen Schwanz in den Mund… drückst meinen Kopf tiefer. ohne Gefühl und lieblos rammt mir das Teil in den Rachen.

Lässt dich danach von mir ficken, spritzt ab, drehst dich sofort weg und meinst ganz beiläufig dass es Zeit zum Zurückfahren wird.

Komme mir so benutzt vor, zugleich schockiert über deine Gefühlskälte lasse ich mir doch nichts anmerken. Du sollst nicht wissen, wie sehr  mich deine  Ignoranz und Unfähigkeit Empathie zu empfinden verletzt. So müssen sich Straßenhuren fühlen; mit dem einzigen Unterschied, dass sie fürs bloße gebraucht werden  Geld bekommen.

Keine Stunde später stehen wir wieder am Parkplatz, ich lächle dich an, streichle deinen Arm. Doch anstatt mich zu küssen schiebst mich weg, wie ein lästig gewordenes Anhängsel.

„Ich muss los, wir hören uns.“

Vollkommen emotions- und bedeutungslos, ohne auch nur ein Minimum an Wärme mir gegenüber fährst du davon, hinterlässt mich wie ein gebrauchtes Fickstück das bereit zum Ausmustern und wegwerfen ist.

Steige in mein Auto und kann nicht aufhören zu weinen.

Bin mir nur nicht sicher ob die Tränen der  gescheiterten Hoffnung auf Liebe oder meiner eigenen Blindheit gelten. Ich bin der Superlativ von naiv, hoch zehn.

Tröstet mich zwar kein wenig, zumindest kann ich jetzt damit aufhören mein Herz an dich zu verschwenden.

Ich wollte immer jemand für dich sein

Der ich ganz bestimmt nie war

Auch wenn Ichs noch so Doll versucht hab

Ich hab es leider nie geschafft

Ich war nie die, die du suchtest

Auch wenn ich „hier“ geschrien hab

Das ständige in die Augen schauen

Hat uns blind gemacht

Trotzdem würd ich denselben Weg

Noch einmal mit dir gehen

Auch mit all den Fehlern

Denn ich bereue nichts

(Froschkönig – Die Toten Hosen)

zum dreizehnten Mal

Versuch mich zusammenzureißen und endlich mal was zu Ende zu bringen. Geschätzte zwölf Mal hab ich angefangen das hier zu schreiben.

Weniger um jemand damit zu beeindrucken, als vielmehr diesen Sauhaufen im Schädel endlich wieder ein wenig zu sortieren; selbst der hartgesottenste Chaot würde in dem Schlachtfeld namens Hashtag mein Gehirn das Handtuch schmeißen.

So wie es beinahe jeder in meinem näherem Umfeld bereits gemacht hat. Sie sagen ich sei nicht mehr ich selbst, völlig verändert. Denk mir dass die alle beklopft sind und mach einfach weiter. Die gekaufte Arroganz, in Form des weißen Pulvers lässt mich so verdammt eiskalt werden.

Alles nur weil ich dich vergessen wollte, leider hab ich auch alle anderen verloren  und die Liebe dadurch  getötet; das schönste Gefühl der Welt, das Ziel jedes Strebens nach Glück, der biologische Sinn des Lebens , der Stoff aus dem die Sehnsucht ist.

Kein Funken an Emotion scheint mehr übrig, nicht mal für die Menschen die für mich durchs Feuer gehen würden. Meine ungeteilte Leidenschaft gilt dem Gefühl dass mir die Droge gibt, sei der Preis auch noch so hoch. Die Sicherheit diese Passion mit dem Leben zu bezahlen schreckt mich kein bisschen.  Ganz im Gegenteil. Ich habe eine panische Angst davor, alt zu werden.

Man sollte immer dann aufhören wenn´s am schönsten ist, oder?

Wobei…Mittlerweile bin ich derartig abgestumpft, dass ich mir nicht sicher bin ob das wirklich der Höhepunkt ist…

Ich vermisse dich so unglaublich. Kein Tag an dem ich mich nicht frage wo du bist und ob du ok bist. Mein Verstand sagt mir vergiss es. Meine Familie sagt, vergiss es. Meine Freunde sagen, vergiss es. Meine Fickkollegen sagen, vergiss es.

Mein Herz sagt er ist es, auch wenn es nach anderthalb Jahren ziemlich müde und kaputt geworden ist. Der ständige Versuch die Leere und Trauer zu betäuben hat irreparable Spuren hinterlassen. Am Ende werden nur Narben bleiben, doch kein Zustand dauert ewig.

Gefühl sticht Verstand.

Ich liebe Dich.

Aber ich hab so viel Angst davor wieder verletzt zu werden. Wahrscheinlich hab ich mir deshalb jemand gesucht der unerreichbar ist.

In einer Traumwelt kann dir niemand weh tun, mehr als eine Illusion bist du niemals gewesen, eine einzige Nacht in der ganzen Zeit. Wer bist du wirklich? Ich weiß es nicht und ich will es wahrscheinlich auch gar nicht wissen.

Drei Millimeter mehr an Nähe und ich würde dich längst ignorieren, genauso wie du es mit mir gemacht hast und doch bringt mich die Realität und dein nicht greifbar sein im gleichen Maße zur Verzweiflung, wie es mich dennoch beruhigt. Ein Hoch auf die Ambivalenz.

Ist es schlimmer dass ich mich derartig an dich verschwendet habe, oder dass ich unfähig bin mir diesen Irrtum einzugestehen?