Kurze Zwischenbilanz

Vermutlich hat sich Chester einen Bandwurm eingefangen. Oder gleich ein ganzes Wurmrudel. Schön, so ist er wenigstens nie alleine – weder der Kater, noch der Parasit.

Das weniger Schöne daran ist, dass mir dieser Streichelzoo langsam aber sicher die Haare vom Kopf frisst. Sashimi-Thunfisch wächst schließlich nicht auf Bäumen. Genauso wenig wie lila Toilettenpapier vom Markenhersteller. Auch wenn ich nicht ganz begreife, wieso das nach Lavendel riecht – wer will schon  nach Mottenkugeln duften, wenn er sich den Hintern abputzt?

 

Wie auch immer – Entweder steig ich wieder auf das zweilagige No-Name Produkt vom Diskonter um, oder der Flohzirkus bekommt in Zukunft Kitekat statt Mister Wu´s Sushi Service zum Abendessen.

Ich hab schließlich keinen Esel der Gold scheißt. Und mein Psychotherapeut verlangt plötzlich auch das Doppelte, weil er ja jetzt ein richtiger Doktor ist.

Aber wenn ich ihn frage, ob es denn normal wäre, wenn ich beim Wichsen an Sebastian Kurz und Donald Trump denke, kann er mir keine plausible Antwort liefern. Ratlosigkeit und Schamesröte kann ich auch ohne hundert Euro die Stunde haben,  vielleicht sollte ich mit meinem Opa über die belastenden Masturbationsphantasien sprechen. Auf der Fahrt nach Hause beschleichen mich dann doch Zweifel, entweder aus einem plötzlichen Anflug von Vernunft oder aufgrund des sinkenden Alkoholpegels.

Ich will den alten Mann ja nicht umbringen.

Nicht ohne zu wissen, was in seinem Testament steht. Weil Sashimi-Thunfisch wächst schließlich nicht auf Bäumen. Genauso wenig wie lila Toilettenpapier vom Markenhersteller.

Opa sagt, der Kurz soll zurück in die Krabbelstube und der Donald wird’s eh nicht lange machen, den werden´s sicher verschwinden lassen. Wir spazieren durch den Garten, ob ich denn ein paar Himbeeren haben möchte, will er wissen.

Aus Angst mir einen Fuchsbandwurm einzufangen, lehne ich dankend ab. Mein Handywecker klingelt zum dritten Mal. Sechzehn Uhr dreißig, Zeit zum Aufstehen. Sehr aussagekräftiger Parameter zur Bestimmung meines labilen Geisteszustandes. Nur Irre schlafen bis halb fünf am Nachmittag.

Opa fragt mich, ob ich denn als Callgirl arbeite, weil es ständig läutet. Ich sage, Opa bitte, ich muss mir billiges Klopapier vom Lidl kaufen, also nein, ich bin immer noch arbeitssuchend, zutiefst hoffend er möge den Mottenkugelgeruch nicht bemerken.

Tut er eh nicht, er ist zu vertieft in seine Geschichte über die Hitlerjugend. Ich denke komisch, er ist doch erst  1948 auf die Welt gekommen.

Verabschiede mich mit einem geschmeidigen „Sieg Heil“, steig ins Auto und fahr zurück nach Kärnten. Kaum alleine mit mir und meinem dreckigen Geist, muss ich wieder an Sebastian und Donald denken. Schalte die Klimaanlage auf Vollgas. Sebastian schiebt meinen Rock nach oben.

Donald leckt sich über die Oberlippe, während sich Monsieur Macron auf der Rückbank von Angie den Schwanz lutschen lässt.

Wo ist Gaddafi eigentlich hin verschwunden?

Vermutlich ist er zurück im Erdbeerland, aber ich muss unbedingt nach Hause um die Erektion auf der Wand zu verhüllen. Alles andere wäre unseriös, oder?

Steffen sagt, so eine verdammte Scheiße, steh doch zu deinen Erektionen auf den Wänden. Ich solle endlich mal meine Gedanken liberalisieren.

Ersticke beinahe an meinem Thunfisch. Ich solle was?

„Weißt du Maja, so normal wie wir ist sonst niemand.“

Verdammtes Crystal Meth, sogar meinen liebsten Polen hast du dir unter den Nagel gerissen.

Ich nicke Steffen kurz zu, steige in meinen Wagen und verschwinde.

Fünfzehn Minuten später liege ich auf einer Low-Budget Massageliege für ganz Arme und schiebe meinen Kittel Richtung Bauchnabel.

Der Ostdeutsche Kerl begutachtet mein Geschlechtsorgan sehr sorgfältig und pflichtbewusst. Hatte beinahe schon vergessen, wie sehr ich deutsche Gründlichkeit schätze, als er mir mit schwarzen Edding eine Linie auf mein Allerheiligstes zeichnet.

„Keine Sorge Maja, ich muss nur den Stichkanal vorzeichnen, damit ich das Ding anständig reinmache.“

Als ob mich das beruhigen würde. Und nein, ich bin nicht nervös, aber wie sicher ist er sich, dass er nicht aus Versehen meinen Kitzler durchsticht?

„Keine Sorge, das ist so gut wie ausgeschlossen, entspann dich einfach.“

Er hat leicht reden; immerhin zielt niemand mit einer Nadel auf sein Halleluja.

Kalter Schweiß kühlt meine Schläfe, als er zum dritten Versuch ansetzt. Ich kralle meine Finger in die schwarze Liege, beiße auf die Unterlippe bis es blutet. Mit einem kurzen Stoß sticht die Kanüle durch das dünne Stück Haut, ich jaule wie eine läufige Hündin. Für einen kurzen Moment bäumt sich mein Oberkörper auf, verkrampft, ehe er wieder zurück sinkt.

„Alles okay bei dir? Wir haben´s fast geschafft.“

So ein Idiot.  Dasselbe hat Hitler damals über Polen gesagt, aber bitte.

Breitbeiniger als eine frisch gegangbangte Jungfrau wanke ich zurück zum Parkplatz, unsicher ob ich heulen, onanieren oder koksen sollte. Entscheide mich für die einzige Variante, die Sinn macht.

Michi fragt, wo ich so lange gesteckt habe.

Ich frage, ob er Tiefkühlgemüse hat.

Jasmin legt den Kopf schief.

„Muss ich mir Sorgen um dich machen?“

Mit einem fetten Grinsen im Gesicht drücke ich mir den Sack Erbsen zwischen die Beine, schüttle den Kopf und seufze erleichtert auf, als sich die betäubende Erlösung wie ein weißer Schleier über den Glastisch zieht…

„Röhrl bitte…..“

 

 

 

 

 

 

 

 

Männerüberschuss mit Schokolade

Der ältere Herr am Empfang wirkt  genauso unscheinbar, wie der Club von außen. Seine null-acht-fünfzehn Senioren-Frisur ist so schneeweiß wie die Pulverschicht auf dem Tresen. Und auch der Eingangsbereich haut mich jetzt nicht vom Hocker. Rot-gedämpftes Licht fällt aus unzähligen Spots auf ein schwarzes Stoffsofa, es riecht nach billigem Parfüm. Ich lege meinen Trenchcoat ab, unter dem ich außer einer transparenten schwarzen Bluse, Strapsen und High Heels nichts mehr anhabe. Auch Yves hat sich bis auf die Boxershort ausgezogen und gibt unsere Sachen dem Kerl, der sie mit einem fetten Grinsen in der Garderobe deponiert, ohne seinen Blick ein einziges Mal von meinen Brüsten abzuwenden.

Yves packt meine Hand und zieht mich die Treppe nach unten; ich dachte eigentlich, dass nur österreichische Männer ihre wesentlich jüngeren Frauen in einen Keller locken. Wieder was gelernt. Auch Franzosen bekommen dabei Ständer.

Und was für welche!

Kann meine Finger nicht von dem Kerl lassen, am Ende der Treppe angekommen, drücke ich mich gegen seinen Körper . Meine Hände streichen über die Beule seiner Short, wir küssen uns.   Yves flüstert mir ins Ohr: „Du wirst heut noch genug Schwänze zu spüren bekommen.“

Dass sich seine Prophezeiung bewahrheiten wird, wird mir beim anschließenden Rundgang durch den Club bewusst. Abgesehen von einer kleinen Blondine, die sich auf einer der Spielwiesen von zwei Kerlen die Seele aus dem  Leib ficken lässt, während an die zehn weiteren dabei wichsend zuschauen, bin ich wohl die einzige Frau hier.

„Na, du kleines Miststück? Hab ich zu viel versprochen?“

Diesmal sind es seine Hände, die tiefer wandern.

„Challenge accepted.“

„Ach ja? Dann solltest da drüben helfen.“

Yves deutet in Richtung der offensichtlich unterbeschäftigten Herren, denen meine Anwesenheit nicht entgangen ist und klatscht mir auf den Hintern.

„Was meinst du mit helfen? Soll ich denen eine gute Nacht Geschichte vorlesen, wenn sie fertig sind?“

Ohne seine Antwort abzuwarten, stakse ich zu dem Haufen Schwanzträgern, knie mich auf den Fußboden und nehme dem ersten die Arbeit ab. Kaum habe ich sein Ding in der Hand, rückt der Mann neben ihm ein Stück weiter zu mir und hält mir seine Latte vors Gesicht. Ich habe den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und blase mich gerade warm, als er sich mit einem geniert-gehauchten „Pardon Madame“, gerade noch rechtzeitig aus mir zurückzieht. Trotzdem erwischt mich die erste Ladung halb im Gesicht, halb auf den Haaren. Wozu hab ich mich heute noch mal geföhnt?

„Ist alles okay Maja?“

Yves steht hinter mir, streichelt über meine Schultern.

„Mein Auge brennt ein wenig. Sonst ist super.“

Lachend stellt er eine Packung Kleenex neben mich, er hat das wohl kommen gesehen. Gerade als ich mir das Gröbste weggewischt habe, wedeln auch schon die nächsten mit ihren Schwänzen vor mir herum. Zum Glück haben die anderen mehr Talent beim Zielen als der Erste, zumindest sollte an dem Abend nichts mehr ins Auge gehen.

Bei Nummer sieben höre ich auf zu zählen, habe aber langsam Angst eine Kiefersperre zu bekommen. Ich höre wie sich Yves mit einem der Männer unterhält, bevor er mich hochzieht, umarmt und küsst.

„Fick mich bitte Yves.“

Unweit des quiekenden Blondchens, gehe ich auf der Gang-Bang-Matratze auf alle viere, er kommt meiner Bitte nach und vögelt mich solange, bis ich dieselben Laute wie sie von mir gebe. Porno pur.

Ich bin kurz vorm Kommen, als er plötzlich innehält und dem jungen Kerl, mit dem er davor geredet hat, etwas zuraunt.

Noch ehe ich weiß, worum es grade geht, streift sich der Unbekannte ein Kondom über. Yves schnappt mich, spuckt auf meinen Arsch, schiebt mir erst seine Finger- und anschließend seinen Schwanz in den Hintereingang.

Kaum hat er sich ganz in mir versenkt, werde ich von ihm auf den Rücken gedreht. Er liegt nun unter mir und drückt meine Oberschenkel ein wenig auseinander. Gerade soweit um seinen neuen Kumpel, der vor mir steht und meine Brüste knetet, auch noch Platz zu machen.  Vorsichtig schiebt er sich zwischen meine Beine, quälend langsam setzt er die Spitze seines Riesendings an.  Zentimeter um Zentimeter taucht er weiter in mich.

Boom.

Jetzt bin eindeutig ich diejenige, die am lautesten winselt.

Die Geräuschkulisse kickt zusätzlich zu den zwei Männern in mir, die mich in den Wahnsinn vögeln und mir erst eine Verschnaufpause gönnen, als ich kurz vorm Kapitulieren bin. Allerdings sehen die Beiden auch sehr mitgenommen aus, dafür dass sie im Gegensatz zu mir, nur einmal abgespritzt haben.

Mit zitternden Beinen wackeln wir zu den Duschen, ein schwarzer Gott mit langen Rastas kommt die Treppe nach unten geschlendert und unterhält sich dabei angeregt mit dem Typen vom Empfang.

Gott ist der geil.

Mir bleibt bei dem Anblick der Mund offen stehen, als die Reinkarnation von Bob Marley auch noch in meine Richtung lächelt, haut es mich um ein Haar um.

Yves schlingt seinen Arm um meine Taille: „Maja, du kleine Schlampe, wen von den Beiden willst zum Nachtisch?“

„Schokolade, bitte.“