Hoch wie nie

Bukowski kann mich am Arsch lecken. Jelinek sowieso. Und vom Rest der Kärntner Möchtegern-Poeten fang ich gar nicht an..

Wirksamer als blutdrucksendende Medikamente ist eh nur der Justin. Ja, genau der. Der Biber. Sorry….

Und auf euch hirngeficktes Pack kann ich genauso gut verzichten wie auf Genitalherpes – scheiß auf euch.  Entschlossener als Merkel in der Flüchtlingskrise, schmeiß ich alles hin. Genug gearbeitet, wird Zeit zum Spielen.

Work hard – Play hard.

Emanuel freut sich mich zu sehen, er strahlt über beide Ohren. So wie der Rest seiner Entourage – Randgestalten so wie du und ich. Die kleine Bude ist gerammelt voll mit Verrückten, es riecht nach Koks und Gras.

Joshua fällt mir um den Hals, als ob ich das Christkind wäre das direkt aus Bogota eingeflogen ist. Wusste gar nicht, dass ich der Stargast der Party bin. Dünne Blutspuren unter seiner Nase singen „wir sind so hoch wie nie“.

Party hard.

Miss Djane knallt sich das weiße Pulver im Minutentakt ins Hirn, Emanuel lässt die Korken knallen.

Stimmung Baby.

Tanzt ihr Stricher, die Königin hat Laune.

Mitten auf dem Glastisch türmt der  Stoff aus dem unser aller Sehnsucht ist.

Herr Doktor bastelt Striche, genug für den ganzen Haufen Chaoten hier drinnen. Misses Djane rotzt grinsend vor sich hin. Spieglein, Spieglein auf dem Tisch, mach mich munter, mach mich frisch. Weil wir ziehen alles – außer Konsequenzen…

Schwärzer als Sebastian Kurz funkeln Joshuas Leuchter, heftig gestikulierend erzählt er von seinem erfolgreichen Drogenentzug. Er will wissen, wann die Putzfrau endlich kommt.

„Alter, sie bringt dir den Staubsauger morgen wieder“, Emanuel faucht ihn an.

Wen interessiert Haushalt um die Zeit?

„Stop. Kurze Zwischenfrage – deine Putze borgt sich den Sauger von deinem Kumpel aus?, irritiert suche ich nach einem Strohhalm in meiner Tasche.

Misses Djane bricht in schallendes Gelächter aus, Emanuel und Joshua nicken mir zu.

Verständnisvoller als das Dr. Sommer Team schaue ich in die Runde: „Klingt eh logisch, ich muss meinem Mechaniker auch immer das Werkzeug mitbringen.“

Plötzlich wird die Türe aufgerissen, der Staubsauger kommt samt Putze hereingeschneit.

„Was du wollen Sauger? Sowieso genug saugen ihr alle – du noch brauchen Cola? Ich nur mehr diese Viagra, aber keine Problem.“

Das nenn ich mal Zusatzverkauf, die Alte sollten sie für Marketingschulungen abwerben – zehn Minuten später hat sie alles verkauft, außer ihre Oma. Blaue Pillen, Ritalin, Koks und eine Baretta wechseln den Besitzer. Hier drinnen geht’s schlimmer zu als aufm Marokkanischem Basar.

Hashtag die falschen Freunde.

Hashtag wir sind die, vor denen uns unsere Eltern gewarnt haben.

Die Knarre fühlt sich geil an, fast so erregend wie Methlphenidat mit Stolichnaya. Knallt.

Ich brauche dringend Frischluft, genug Chemie. Mit weit aufgerissenen Augen folgt mir Emanuel nach unten. Ob ich nicht lieber hier schlafen möchte?

Ich stütze mich an der Brüstung ab, schüttle den Kopf. Gott ist das heiß hier draußen….

Hebe den Kopf, wortlos streicht er mir die Haarsträhne aus dem Gesicht. Ich packe sein Handgelenk, drücke es nach unten, küsse ihn. Er bugsiert mich auf die Motorhaube des Wagens, schiebt meinen Rock nach oben. Provozieren hilft.

Er fickt mir das Hirn raus, unter uns Rush Hour.

Über uns fallende Sterne.

Human Resource

Sie geht mir nicht aus dem Kopf, erinnere mich an all die getexteten Um-Denk-Anstöße, unvergessliche Erinnerungen und die Leere, die sie hinterlassen hat.

Unsterbliche Seelenverwandtschaft, haben wir geglaubt. Freundschaft ist für immer, haben wir gedacht. Ohne Kompromisse, haben wir uns eingeredet.

Und plötzlich war sie weg. Vorhersehbarer Rückzug, verlorener Kampf gegen einen allmächtig erscheinenden Gegner…. Sämtliche Kraftreserven verbraucht – Sucht wiegt schwerer als Verbundenheit.

Hoffend, dass sie niemals begreift, durch welche Hölle manch Suchender wandelt. Auch wenn ich sie dafür hasse  genauso zu denken wie der Rest dieser scheißverkackten Arschgeigen. Sucht ist selbstverschuldet? FICKT EUCH!

Bleibt in eurer Scheinwelt, fingerzeigend auf die willensschwachen Junkies, die es nicht anders verdient haben.

 

In der Zwischenzeit fliegen wir – höher, schneller und weiter als es Baumgartner jemals wird – egal ob er Matheschitz den Schwanz lutscht, oder nicht. Limit Stratosphäre? Ihr seid doch alle Muschis.

Schub. Schub. Schub….

Weiter hinauf. Weit über das große Ganze hinaus geschossen, explodieren vor Glück ehe sich prasselnde Einzelteile zur Sternschnuppe formatieren.  Rasanter als Licht schnalzen wir zurück in Richtung Abgrund – verglühen oder aufprallen?

Schlafhungriger als jemals zuvor, er schiebt meine Schenkel auseinander bevor sein Körper auf meinem landet.  Immer und immer wieder versenkt er sich in mir, bin zu erschöpft um um Gnade zu betteln. Es brennt wie verrückt, wund- und hirngefickt gebe ich mich ihm hin.

Wieso tu ich mir das an?

Ach ja, weil es mich scharf macht.

Ambitionierter als ein Newcomer beim Pornocasting rammt er sein Ding in mich, vögelt als ob es das letzte Mal wäre.

„Du Fickstück bist doch für nichts anderes zu gebrauchen – deine Fotze gehört mir“, flüstert er mir ins Ohr. Sekundenbruchteile später trifft mich die Ohrfeige. Mein Schreien erstickt unter der flachen Hand, die er mir auf den Mund drückt.

„Genug Luft, du Miststück!“

Zapple unter ihm, der Sauerstoffmangel lähmt mich zunehmend. Sterbende Seele in einem erregten Körper.

Wer hat hier wen gebrochen?

 

 

 

 

 

 

 

Kurze Zwischenbilanz

Vermutlich hat sich Chester einen Bandwurm eingefangen. Oder gleich ein ganzes Wurmrudel. Schön, so ist er wenigstens nie alleine – weder der Kater, noch der Parasit.

Das weniger Schöne daran ist, dass mir dieser Streichelzoo langsam aber sicher die Haare vom Kopf frisst. Sashimi-Thunfisch wächst schließlich nicht auf Bäumen. Genauso wenig wie lila Toilettenpapier vom Markenhersteller. Auch wenn ich nicht ganz begreife, wieso das nach Lavendel riecht – wer will schon  nach Mottenkugeln duften, wenn er sich den Hintern abputzt?

 

Wie auch immer – Entweder steig ich wieder auf das zweilagige No-Name Produkt vom Diskonter um, oder der Flohzirkus bekommt in Zukunft Kitekat statt Mister Wu´s Sushi Service zum Abendessen.

Ich hab schließlich keinen Esel der Gold scheißt. Und mein Psychotherapeut verlangt plötzlich auch das Doppelte, weil er ja jetzt ein richtiger Doktor ist.

Aber wenn ich ihn frage, ob es denn normal wäre, wenn ich beim Wichsen an Sebastian Kurz und Donald Trump denke, kann er mir keine plausible Antwort liefern. Ratlosigkeit und Schamesröte kann ich auch ohne hundert Euro die Stunde haben,  vielleicht sollte ich mit meinem Opa über die belastenden Masturbationsphantasien sprechen. Auf der Fahrt nach Hause beschleichen mich dann doch Zweifel, entweder aus einem plötzlichen Anflug von Vernunft oder aufgrund des sinkenden Alkoholpegels.

Ich will den alten Mann ja nicht umbringen.

Nicht ohne zu wissen, was in seinem Testament steht. Weil Sashimi-Thunfisch wächst schließlich nicht auf Bäumen. Genauso wenig wie lila Toilettenpapier vom Markenhersteller.

Opa sagt, der Kurz soll zurück in die Krabbelstube und der Donald wird’s eh nicht lange machen, den werden´s sicher verschwinden lassen. Wir spazieren durch den Garten, ob ich denn ein paar Himbeeren haben möchte, will er wissen.

Aus Angst mir einen Fuchsbandwurm einzufangen, lehne ich dankend ab. Mein Handywecker klingelt zum dritten Mal. Sechzehn Uhr dreißig, Zeit zum Aufstehen. Sehr aussagekräftiger Parameter zur Bestimmung meines labilen Geisteszustandes. Nur Irre schlafen bis halb fünf am Nachmittag.

Opa fragt mich, ob ich denn als Callgirl arbeite, weil es ständig läutet. Ich sage, Opa bitte, ich muss mir billiges Klopapier vom Lidl kaufen, also nein, ich bin immer noch arbeitssuchend, zutiefst hoffend er möge den Mottenkugelgeruch nicht bemerken.

Tut er eh nicht, er ist zu vertieft in seine Geschichte über die Hitlerjugend. Ich denke komisch, er ist doch erst  1948 auf die Welt gekommen.

Verabschiede mich mit einem geschmeidigen „Sieg Heil“, steig ins Auto und fahr zurück nach Kärnten. Kaum alleine mit mir und meinem dreckigen Geist, muss ich wieder an Sebastian und Donald denken. Schalte die Klimaanlage auf Vollgas. Sebastian schiebt meinen Rock nach oben.

Donald leckt sich über die Oberlippe, während sich Monsieur Macron auf der Rückbank von Angie den Schwanz lutschen lässt.

Wo ist Gaddafi eigentlich hin verschwunden?

Vermutlich ist er zurück im Erdbeerland, aber ich muss unbedingt nach Hause um die Erektion auf der Wand zu verhüllen. Alles andere wäre unseriös, oder?

Steffen sagt, so eine verdammte Scheiße, steh doch zu deinen Erektionen auf den Wänden. Ich solle endlich mal meine Gedanken liberalisieren.

Ersticke beinahe an meinem Thunfisch. Ich solle was?

„Weißt du Maja, so normal wie wir ist sonst niemand.“

Verdammtes Crystal Meth, sogar meinen liebsten Polen hast du dir unter den Nagel gerissen.

Ich nicke Steffen kurz zu, steige in meinen Wagen und verschwinde.

Fünfzehn Minuten später liege ich auf einer Low-Budget Massageliege für ganz Arme und schiebe meinen Kittel Richtung Bauchnabel.

Der Ostdeutsche Kerl begutachtet mein Geschlechtsorgan sehr sorgfältig und pflichtbewusst. Hatte beinahe schon vergessen, wie sehr ich deutsche Gründlichkeit schätze, als er mir mit schwarzen Edding eine Linie auf mein Allerheiligstes zeichnet.

„Keine Sorge Maja, ich muss nur den Stichkanal vorzeichnen, damit ich das Ding anständig reinmache.“

Als ob mich das beruhigen würde. Und nein, ich bin nicht nervös, aber wie sicher ist er sich, dass er nicht aus Versehen meinen Kitzler durchsticht?

„Keine Sorge, das ist so gut wie ausgeschlossen, entspann dich einfach.“

Er hat leicht reden; immerhin zielt niemand mit einer Nadel auf sein Halleluja.

Kalter Schweiß kühlt meine Schläfe, als er zum dritten Versuch ansetzt. Ich kralle meine Finger in die schwarze Liege, beiße auf die Unterlippe bis es blutet. Mit einem kurzen Stoß sticht die Kanüle durch das dünne Stück Haut, ich jaule wie eine läufige Hündin. Für einen kurzen Moment bäumt sich mein Oberkörper auf, verkrampft, ehe er wieder zurück sinkt.

„Alles okay bei dir? Wir haben´s fast geschafft.“

So ein Idiot.  Dasselbe hat Hitler damals über Polen gesagt, aber bitte.

Breitbeiniger als eine frisch gegangbangte Jungfrau wanke ich zurück zum Parkplatz, unsicher ob ich heulen, onanieren oder koksen sollte. Entscheide mich für die einzige Variante, die Sinn macht.

Michi fragt, wo ich so lange gesteckt habe.

Ich frage, ob er Tiefkühlgemüse hat.

Jasmin legt den Kopf schief.

„Muss ich mir Sorgen um dich machen?“

Mit einem fetten Grinsen im Gesicht drücke ich mir den Sack Erbsen zwischen die Beine, schüttle den Kopf und seufze erleichtert auf, als sich die betäubende Erlösung wie ein weißer Schleier über den Glastisch zieht…

„Röhrl bitte…..“

 

 

 

 

 

 

 

 

Miss Unentschlossen grübelt

Ja, weil ich endlich wieder schlafen kann.

Nein, weil du mich nicht liebst.

Ja, weil du mich an die Notwendigkeit der Bodenhaftung erinnert hast.

Nein, weil ich zu gerne fliege.

Ja, weil du auch gern abhebst.

Nein, weil ich Angst vorm gemeinsamen  Absturz bekomme.

Ja, weil du mich nicht aufgegeben hast, als alle anderen weg waren

Nein, weil ich dich nicht brauche

Ja, weil ich dich doch brauche

Nein, weil ich mir das nicht eingestehen will.

Ja, weil ich es endlich sollte.

Nein, weil du mich verändern und hinbiegen möchtest.

Ja, weil Gestörte sich das Hirn wieder einrenken lassen müssen.

Nein, weil so gestört bin ich doch gar nicht?

Ja, weil du mich zum Lachen bringst.

Nein, weil ich wegen dir heule.

Ja, weil du durchgeknallt bist.

Nein, weil ich ein Miststück bin.

Ja, weil du mir nichts vormachst.

Nein, weil mir das nicht ins Konzept passt.

Ja, weil ich unendlich viel lerne.

Nein, weil ich es ohnehin besser weiß.

Ja, weil du unendlich viel lernst.

Nein, weil du es ohnehin besser weißt.

Ja, weil du so gut fickst.

Nein, weil ich noch einen  Gutschein vom Orion gefunden habe.

Ja, weil du mich in den Arm nimmst.

Nein, weil Nähe zuzulassen, verletzlich macht.

Ja, weil du mir gut tust.

Nein, weil ich das nicht will.

Jesus liebt mich. Und meinen Vogel.

Vor Kälte zitternd erreiche ich schließlich die beheizte Wartehalle des Bahnhofs. Gott sei Dank bin ich die einzige Person, die um die Zeit hier herumschleicht. Otto Normalverbraucher sitzt Werktags  pflichtbewusst -gefesselt am Schreibtisch, so wie es sich für anständige Bürger gehört. Im Gegensatz zu mir:

Mit der anmutigen Eleganz eines nassen Putzfetzens klatsche ich auf einen Stuhl, lasse meinen Kopf zwischen die Oberschenkel sinken und schließe die Augen. Verdammt. Es dreht sich immer noch.

Kralle meine Finger um die Armlehnen, verkrampft halte ich mich daran fest, bete dass das Kopf- Karussell anhält. Tut es aber nicht.  Plötzlich reißt mich eine Stimme zurück in die Wirklichkeit.

„Verzeihen Sie, junge Frau. Aber man kann ihren Hintern sehen.“

Wo zum Teufel kommt denn die grauhaarige  Schnalle auf einmal her?

Zutiefst erschrocken  verliere ich die Contenance und kotze der Anstandstante vor die Füße. Immer noch würgend wische ich mit dem Handrücken über die Mundwinkel und glotze sie verstört an:

„Mein Arsch ist momentan das kleinste Problem. Hätten sie vielleicht einen Kaugummi für mich?“

Völlig unaufgeregt macht die alte Frau einen Schritt zur Seite, um nicht in die Schweinerei zu treten. Verständnisvoll lächelnd nimmt sie neben mir Platz, zieht eine Packung Fishermens Friend aus ihrer Tasche:

„Sie kommen aus Kärnten?“

Verschlucke mich an einem der Zuckerl, ringe nach  Luft. Sind sie zu stark, bist du zu dicht.

„Was hat mich verraten? Die vollgereiherten Schuhe, oder die Spermaflecken im Haar?“

Vergrabe den wummernden Schädel unter meinen Händen, wenn ich sie nicht sehe, bin ich auch unsichtbar für sie, oder?

Auf einmal spüre ich eine Hand an meinem Rücken, flüchtiges Kribbeln über der Wirbelsäule, das Geräusch erinnert an ein ruckhaft abgezogenes Pflaster.

„Eigentlich das  Haider Bild auf ihrer Kutte“, mit einem breiten Grinsen streckt sie mir das Portrait in die zitternden Hände und verabschiedet sich als der Lautsprecher den einfahrenden Zug ankündigt.

Echt jetzt?

Welcher Komiker hat mir Jörg aufs Kreuz gepickt?

Schockiert über das Ausmaß an Pietätlosigkeit wanke ich in die Toilette. Nur um sicherzugehen, dass mir niemand ein Hakenkreuz auf die Stirn-  oder einen Hitlerbart über die Oberlippe gemalt hat, checke ich mein Spiegelbild.  Keine Nazisymbole zu erkennen – allerdings sehe ich aus, als würde ich direkt aus dem zweiten Weltkrieg kommen. Frisch und vital wie eine aufgequollene Wasserleiche.

Versuche mir das zerknitterte Bild des verstorbenen Kärnten Königs nochmal anzukleben, in der Hoffnung  dadurch von meinem elendigen Anblick abzulenken.

Allerdings werde ich abrupt von meinem Vorhaben abgelenkt, als mein Telefon klingelt.

Steffi klingt unentspannt:

„Sag mal wo steckst du denn? “

Ich erzähle ihr von meiner misslichen Lage und bitte sie, mich abzuholen.

„Maja, du hast so einen Vogel! Bleib wo du bist und lass dich nicht von fremden Kerlen anquatschen. Ich bin in einer Stunde bei dir. Übrigens sind  wir fristlos gekündigt. “

Erleichtert  schmeiße ich Jörg in den Mistkübel.

„Ich freu mich. Bis später.“

Nicht-Liebesbrief ohne Schmetterlinge bei Kerzenschein

Es ist inzwischen drei Uhr morgens, dennoch kein Schlaf in Sicht. Meine Gedanken laufen Amok während ich unserem bevorstehendem Treffen mit  gemischten Gefühlen entgegen sehe; Vorfreude relativiert die Ratlosigkeit ein wenig.

Ich bin dir unendlich dankbar für alles, was du für mich tust. Für die liebevolle Art und Weise, mit der du mir entgegenkommst. Durch dich durfte ich erfahren, was Wertschätzung bedeutet.

Je länger ich über die ganze Geschichte nachdenke, desto mehr gelange ich zu der Überzeugung, dass jede zwischenmenschliche Begegnung einen Teil zur eigenen Entwicklung beiträgt.

Wir sind uns nicht grundlos über den Weg gelaufen. Die Gewissheit, einen Seelenverwandten getroffen zu haben, erdet und beruhigt.

Diese bedingungslose Vertrautheit ist keine Selbstverständlichkeit – sie ist ein Geschenk.

Und doch dürfen wir trotz all der Euphorie eins nicht vergessen:

-Das ist alles nicht real-

Mögen wir auch noch so sehr harmonieren und den harten Fakten keine Bedeutung beimessen:

-Das ist alles nicht real-

Erschreckst mich mit deiner Obsession und dem L-Wort zu Tode. Was erwartest du von mir?

-Ich bin eine Illusion-

Und ich liebe dich nicht. Keine Schmetterlinge im Bauch, kein Michael Bolton bei Kerzenschein. Dafür Freundschaft, Respekt, Achtung und grenzenloses Vertrauen.

Das Letzte was ich möchte, ist dir weh zu tun, dafür schätze ich dich zu sehr. Aber eins will ich noch weniger – dich belügen.

Pest oder Cholera?

Besser verletzende Ehrlichkeit für sich arbeiten lassen, als mit deinen Gefühlen zu spielen. Du hast längst schon einen Platz in meinem Leben – leider nicht in meinem Herz.

„Es sind nicht die Glücklichen, die dankbar-

sondern die Dankbaren, die glücklich sind.“

Danke, dass es dich gibt.

Auf die Freundschaft, lieber Olaf.

Alles beim Alten

Ich wünsche mir Frieden

Danke für die Achterbahnfahrt, die niemand bestellt hat

Ich hoffe auf Gelassenheit

während wir russisches Roulette spielen

Knapp daneben, ist immer noch nicht gestorben

Knallt nur wenn die Kugel rausschießt

Ich bete dafür, dich zu vergessen

Du gottverdammter Wichser

Danke dem da oben

Dafür, dass wir niemals einen Weg zueinander gefunden haben

Es hatte wohl seinen Grund

Sedierter Untergang mitten hinein in die allertiefste Gleichgültigkeit

Erinnerung wie weggespült

Wer bist du?

Polytoxikomanie

Es kribbelt wie Millionen laufender Ameisen unter der Haut, Tims Augen werden schwarz. Seine Pupillen funkeln so groß wie der Vollmond über unsren Köpfen.

Ich muss an Schuhu denken. Dem Polarvogel würde es bei den Temperaturen sicher gefallen.

„Alles in Ordnung bei dir?“

Tim bemerkt den grübelnden Ausdruck in meinem Gesicht.

„Passt schon. Musste nur grade an eine Eule denken.“

Unter uns tausende Feiernde, die der Kälte trotzen und genauso vom unerwartet einsetzenden Bass überrascht werden wie wir hier oben.  Mit der Schlagkraft einer Abrissbirne beschleunigt der DJ den Beat, die Menge tobt im Stroboskopgewitter. Über uns die Sterne, darunter der Flow – Euphorie macht sich breit und wie zum Beweis tanzt Jan durch die offene Balkontüre zu uns nach draußen:

„Leute, ich liebe euch.“

Jetzt wo er´s sagt, spür ich´s auch plötzlich. Außerdem krampft mein Kiefer mit seinem um die Wette.

Ob sich Vögel  verlieben können?

Haben Eulen Kiefer?

Diese ganze Fragerei bringt mich aus dem Takt. Ich kann nicht tanzen und denken gleichzeitig. Für Multitasking ist es zu kalt. Und zu spät. Und zu dicht.

Über uns schießt ein rosa Lichtblitz in den schwarzen Himmel, knapp gefolgt von neongrünem Blinken das die rotierende Menschenmenge wie ein großes Ganzes erscheinen lässt. Hektisch drehe ich mich um die eigene Achse und laufe durch das Zimmer nach draußen. Ich muss da runter. Mittendrin statt nur dabei…

Schiebe mich durch den Einlass  nach vorne, das Wummern in der Magengegend wird umso heftiger, je näher ich den Boxen neben dem DJ Pult komme. Wie ein zusätzlicher Stromschlag der das Nervensystem auf Vollgas dreht, gepusht und losgelöst. Mit dem Hauch einer Ahnung, wie sich Vollkommenheit anfühlt.

Zack. Bumm. Tauch.

Filmriss.

Starke Arme, die sich unter meine hacken. Als würde mich jemand wegziehen. Wohin ist der Bass verschwunden? Blinzle verstohlen durch ein halb geöffnetes Augenlid in die Dunkelheit.

Bin ich etwa gestorben ?  

Kann nur verschwommene Silhouetten erkennen, es ist so gespenstisch ruhig um mich herum. Außer dem Wummern im Kopf und einem lauter werdendem Atemgeräusch knapp hinter mir scheint es still geworden zu sein.

WO bin ich hier?

Versuche mich aus dem klammernden Griff zu befreien, kapituliere aber, als meine Oberschenkel ihren Dienst versagen und das schwache Licht zum zweiten Mal ausgeht.

Ob Eulen Winterschlaf halten?

Wie schmeckt so ein Vogel?

Stehen Schuhus unter Naturschutz?

Ich glaube er schmeckt nach Strauß.

Wieso riecht es hier nach Marihuana?

Wessen Atem spüre ich im Nacken ? 

Panisch  reiße ich die Augen auf. Der Teddybär neben dem Kopfkissen ist mir völlig unbekannt. Vielleicht sieht er deswegen so apathisch in meine Richtung? Wer zum Teufel kifft hier? Hatte ich letzte Nacht Sex? Und wo bin ich eigentlich?

Und welcher Vollspast kauft sich Bettwäsche mit Hirschköpfen drauf?

Verstohlen werfe ich einen Blick unter die Decke, die höchstwahrscheinlich von Jägermeister gesponsert wurde –  und siehe da, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Ich bin tatsächlich noch angezogen. Inklusive Stiefel.

Die Frage nach dem Koitus wäre somit vom Tisch.

Noch ehe ich eine Antwort auf eine der anderen existentiellen Ungewissheiten finden kann, schreckt mich das dreckige Lachen hinter mir auf. Kreische wie ein kleines Mädchen und springe mit der Dynamik einer Heuschrecke auf Amphetamin aus der Pritsche hoch.

An deren Fußende sitzt unterdessen ein amüsiert aussehender Tim, der vor Lachen beinahe auf den Parkettboden kracht. Wäre mir nicht so schwindelig, würde ich ihn eine reinhauen. Doch noch bevor ich das Gleichgewicht wieder finde, gebe ich dem Zittern meiner Beine nach und lasse mich zurück aufs  Bett fallen.

„Bist du bescheuert?“

Tims Blick verfinstert sich:

„Zumindest weiß ich, wann genug ist, du Irre.“

Wovon redet der denn?

Irgendetwas summt. Außerdem glaube ich, dass mein Kopf explodiert. Ein schmaler Lichtstrahl fällt durch die Vorhänge auf das Fußende des Betts. Genau dorthin wo das nervige Geräusch herkommt.

Verdammt. Mein Telefon.

„Hör auf mich irre zu nennen. Du weißt, dass mir das nicht gerecht wird.“

Lachend öffnet er eine Cola und streckt sie in meine Richtung.

„Stimmt. Du bist geistesgestört hoch tausend. Dafür gibt’s noch gar kein Wort“

Die Kohlensäure brennt furchtbar im Hals, doch der Zuckergehalt der Limo holt mich für eine Weile wieder runter von meiner Welle. Und noch während ich mich frage, welcher Tag heute ist, summt es erneut. Ach ja, das Telefon!

Beim Checken der ungelesenen dreihundert Nachrichten stockt mir der Atem, als ich seine entdecke:

Er würde mich immer noch lieben. Und wollen sowieso.

Mein Herz tanzt.

Ob er auch manchmal an große, weiße Vögel denkt?

Ob der große, weiße Vogel manchmal auch an uns denkt, wenn er sich das Herz bricht?

Geht das ohne Kiefer überhaupt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Calamari in Aktentaschen und kiffende Zwerge

Die Autofahrt ist so zäh, wie die Calamari ,die meine Schwester heut Mittag weniger gegrillt als viel mehr vergewaltigt  hat. Vielleicht ist mir deswegen schlecht? Oder ist es mein Fahrstil der den latenten Brechreiz auslöst? Am gestrigen Alkoholkonsum kann es nicht liegen, immerhin hatte ich nur sechs Bier. Eh schon fast abstinent. Grauslich.

Da fällt mir ein, dass ich in meinem Buko noch ein Heineken haben müsste. Vielleicht hilft das ja gegen das flaue Gefühl, dass sich eine Handbreit über meinem Lieblingskörperteil langsam ausbreitet.

„Elena, kannst mir mal bitte die Tasche von der Rückbank geben?“

Der liebste aller Gartenzwerge schaut erschrocken vom Handy auf. Ihr Gesichtsausdruck ändert sich auch nicht, als sie sieht wie ich mir mein Reperaturbier aufmache:

„Maja! Echt jetzt? “

„Was ist denn? Scheiß dich nicht an, erstens  ist  eh schon nach Mittag. Und drittens tue ich nichts Verbotenes. Fast nichts. “

„Ja, du Vollprofi. Und zweitens ist es ganze zwei Minuten nach zwölf. Wenn du trinken willst, sollte vielleicht lieber ich fahren?“

„Spinnst jetzt? Ich mach das nur aus Sicherheitsgründen. Außerdem fahr ich nicht mal mit fünf Promille nicht so einen Scheiß zusammen wie du nüchtern.“

„Logisch, die fünf hast ja auch jeden Morgen nach dem Aufstehen.  Übung macht den Meister. Wieso aus Sicherheitsgründen? Weil dir dann kein Heroin beim Fahren spritzt?“, Elena wirkt plötzlich gelassener.

„Naja, falls mich die Polizei aufhält und fragt wieso ich so rote Augen habe, kann ich sagen dass ich getrunken habe.“

Jetzt schaut sie verwirrt aus.

„Und wieso solltest du ihnen freiwillig sagen, dass du während dem Fahren säufst?“

„Weil ich davor gekifft habe. Und das werd ich ihnen ja wohl nicht verraten.“

Elena starrt resigniert auf ihr IPhone.

„Musst ihnen nicht sagen. Das können die sich sicher denken, wenn mit siebzig Sachen über die Autobahn fetzt.“

Deswegen hat mir der Typ im Smart vorhin den Vogel gezeigt. Ich hab mich noch gefragt seit wann diese überdachten Zündkerzen so schnell sind.

„Sag mal Elena, mit wem schreibst du da eigentlich?“

Wäre sie nicht so vertieft, hätte sie mir sicher schon vorhin gesagt, dass ich die Kiste mit der Dynamik eines achtundachtzig jährigem,  stark sedierten und dementem  Pensionisten  über die Autobahn steuere.

„Ich hab mir Tinder geholt.“

„Und als nächstes dann Genitalherpes? Schön. Das tut deiner Ehe sicher gut.“

Hatte schon beinahe vergessen, wie sich moralische Überlegenheit anfühlt-wie ein flüchtiger Fick mit einem Unbekannten in einer Toilette – sehr kurz spannend, aber die Erregungskurve fällt noch schneller ins Bodenlose,  als sie gestiegen ist. Spätestens wenn ein Kopf gegen die Spülung knallt und sie auslöst, ist das Ding gelaufen. Und so stirbt mein Anstandsbewusstsein genauso rasant wie die Erektion eines 15jährigen Debütfickers, der sich beim zweiten Stoß ins nasse Ziel entlädt.

„Genau Frau Misses Pornoprinzessin. Wenn wir diesen Sommer alle deine  aktuellen Verehrer zum Grillen einladen, ist unser Garten voll.“

Elena klingt gereizt. Vielleicht sollte ich ihr Batterien schenken.

„Kann sein. Vielleicht sollten wir alle einladen, mit denen ich jemals geschlafen habe? Ob die Miete für die Stadthalle wohl sehr teuer ist?“

„Du bist so blöd, Maja.“

Schneller als erwartet ist das Bier leer, es schmeckt schon wieder, aber ich bezweifle dass meine Co-Pilotin auch eins eingesteckt hat.

„ Ich darf das. Immerhin bin ich nicht verheiratet.“

„Und deswegen machst jetzt einen auf Anstandspolizei? Hast du zufällig noch was zu rauchen dabei?“

Zutiefst schockiert über ihre Frage nach Rauschgift, klappe ich die Sonnenblende nach unten und ziehe einen Joint dahinter vor.

„Hast du zufällig noch Alkohol dabei?“

Wortlos fischt sie eine Flasche Prosecco aus einer Plastiktüte. Ihr Blick wandert  suchend im Wagen umher, bleibt schließlich an einem MC Donalds Becher voller Cola hängen. Sie öffnet die Scheibe und kippt die Limo beim Fenster hinaus, mit der kurzen Bemerkung dass Zucker süchtig mache und das Zeug pures Gift für den Körper sei.

Nachdem sie den halb Liter Becher bis zum Rand mit der Puffbrause aufgefüllt hat, zündet sie sich den Ofen an.

„Seit wann kiffst du denn? Muss man dazu nicht mindestens eins dreißig groß sein?“

„Seit mich Thorsten nicht mehr fickt. Alles halb so schlimm, zumindest ist die Scheiße Gluten frei“

Elena klingt sehr gelassen, ihr Körper sinkt zurück, sie zieht die Pumps aus, streckt ihre Beine beim Fenster hinaus  und dreht die Musik lauter. Mittlerweile haben ihre Augen dieselbe Farbe wie meine eigenen. Fast so rot wie Faymann in besseren Zeiten.

Nachdenklich nippe ich an meinem Drink. Das Zeug schmeckt widerlich, viel zu sauer, die Kohlensäure brennt erst im Hals und anschließend rumort es wie verrückt im Bauch.

„Deswegen die Sache mit Tinder, verstehe. Und wieso redest nicht mit Thorsten darüber, bevor dir so einen Dilettanten ins Bett holst?“

„Wieso redest du nicht mit einem Therapeuten darüber, dass du während dem Autofahren becherst, onanierst und herumvögelst als ob es kein Morgen gäbe?“

„Touche´“

Der weiße Skoda hinter mir, blendet ständig auf, meine Augen brennen  auch ohne den Lichtamoklauf  von dem Deppen.  Auch wenn es schön ist, dass mir mal nicht der Mittelfinger von anderen Verkehrsteilnehmern gezeigt wird. Ich fahre von der Autobahn ab, vielleicht ist dann Ruhe. Aber leider Fehlanzeige.

„Was will denn der Idiot von dir? Der soll doch einfach überholen wenn es ihm zu langsam geht.“

Obwohl Elena im Tinderwahn wie abgekapselt von der Realität wirkt, bemerkt sie den Lichthupenjunkie hinter uns.

„Das ist sicher einer meiner Stalker“

Fahre noch ein bisschen langsamer, konzentriert versuche ich im Rückspiegel zu erkennen, ob es jemand ist, den ich kenne. Plötzlich prustet Elena los:

„Das ist ein Bulle, du verrücktes Huhn. Schau mal genau, der hat eine Uniform an.“

Fuck. Fuck. Fuck. Scheiße. Fuck. Scheiße. SO eine gottverdammte Oberscheiße.

Lieber Gott mach dass er ein Stripper ist.

Klammere mich an den letzten Funken Hoffnung, doch als ich den Wagen rechts ranfahre und mir den Kerl der da aussteigt im Rückspiegel ansehe, revidiere ich das Stoßgebet und hoffe er möge sich nicht ausziehen.

Nicht, dass mich sein Körperbau an Ottfried Fischer erinnern würde, nein; aber sein Gesichtsausdruck ist der eines Arschlochs.  Sogar aus zwanzig Metern Entfernung durch einen Spiegel in einem verrauchten Wagen erkennbar.  Nackte Arschlöcher sind noch schlimmer als angezogene, da hab ich keinen Bock drauf.

Nervös nippe ich an dem XXL Becher Prosecco, Elena starrt auf das glühende Teil zwischen ihren Fingern, als würde es ihr jeden Moment die Lottozahlen für die nächste Ziehung verraten.

„Wenn  du ihn beim Fenster rausschmeißt, sind wir gearscht.“

In aller Ruhe, wischt sie über das Display des Telefons, ihre Beine hängen immer noch nach draußen, genauso erlahmt wie ihr Kurzzeitgedächtnis.

„Ich steck mir den nicht in den Arsch! Bist du bescheuert?“

„Da versteckt man auch keine verbrannten Joints,  sondern weißes Pulver, du Genie.“

Keine fünf Schritte trennen den Bullen von meiner Karre, Elena schmeißt die brennende Tüte in ihre Aktentasche.

Lieber Gott mach dass der Kiwara geruchsblind ist.

„Führerschein und Zulassung bitte“ ,diese unverblümt-direkte Art seiner Begrüßung macht mich beinahe heiß, wäre da nicht seine ich-bin-ein-Arschloch-und-find-es-gut Ausstrahlung, könnt ich glatt schwach werden. Wortlos reiche ich ihm den Kram, versuche krampfhaft seriös zu wirken und nehme deshalb nicht mal den Gurt ab. Safety first.

„Frau Siffredi, sie wissen wieso ich sie anhalte?“

Naja, rein theoretisch gäbe es viele Gründe. Mir scheint, als stelle er eine Fangfrage.

„Hab ich einen Telefonjoker?“

Seine linke Augenbraue zieht sich nach oben, für den Bruchteil eines Moments auch seine Mundwinkel. Und doch lässt er sich nicht aus der Fassung bringen.

„Nein. Aber wir können das Publikum befragen“, während ich nachdenke, was er damit gemeint hat, stolziert er zur Beifahrerseite und mustert Elena mit der Präzision eines Dschihadisten beim Anflug auf das World Trade Center.

„Es geht nicht um sie, Frau Siffredi, sondern um die Dame neben ihnen.“

Elenas Entspanntheit ist verflogen, ihre Füße stecken inzwischen wieder in Schuhen und auf dem Boden, ratlos schaut sie den Kerl an.

„Krieg ich jetzt einen Strafzettel weil ich zu wenig oft mit meinem Mann schlafe?  Das soll wohl ein Witz sein. Es liegt nicht an mir, sondern an ihm.“

Lieber Gott im Himmel, mach dass der Stripper in Wahrheit ein Psychotherapeut ist.

„Sie haben während der Fahrt ihre Beine durchs Fenster gestreckt. Ist ihnen eigentlich bewusst, was dabei alles passieren kann?“

Gut. Kein Seelenklemptner und nicht aus der Ruhe zu bringen.

„Ja und? Sind eh meine Haxen, was kümmert das die Polizei? Haben sie nichts anderes zu tun?“

Seine Augenbraue wandert tatsächlich noch ein wenig weiter nach oben.

„Können sie sich bitte ausweisen?“

Elena greift nach ihrer Aktentasche, ihre Finger wandern zu dem silbernen Verschluss.

Lieber Gott bitte schick Gehirnzellen. Jetzt. Sofort.

Zeitgleich trifft uns beide die Erkenntnis, dass der Inhalt der Ledertasche  vor sich hin brennt, weil sich Misses ach so niveauvoll den Rest der illegalen Spaß Tüte nicht zwischen die Arschbacken-sondern mitten in die Vorverträge für Finanzierungsanfragen gesteckt hat, die sich langsam aber sicher in Rauch auflösen.

Ärsche gehen nicht in Flammen auf. Im Gegensatz zu Kreditverträgen.

Wichtige Lektion auf dem Weg vom Kleinkriminellen zur Syndikatsspitze. Oder für einen oberintelligent wirkenden Post auf Facebook.

Elenas Hirn läuft langsam wieder; ich sehe ihr die Anspannung an,.nervös als hätte sie einen abgetrennten menschlichen Kopf in der qualmenden Tasche versteckt; und tatsächlich- Prinzessin oberstoned und underfucked checkt auf einmal den Ernst der Lage.

Ungeöffnet stellt sie das Corpus delicti zurück auf den Boden: „Tut mir leid, aber ich kann mich leider nicht ausweisen.“

Ich atme tief durch.

Mister Arschloch tötet Elena mit seinem Blick, hält ihr einen Vortrag über die Gefahren abstehender Extremitäten aus fahrenden Fahrzeugen und verdonnert sie zu einer Geldstrafe.

„Wie bitte? Sie wollen dafür auch noch Kohle haben? So langsam wie meine Freundin fährt, hätte ich maximal einen blauen Fleck abbekommen, wenn ich irgendwo angeeckt wäre. Von wegen Freund und Helfer. Stasi Methoden sind das.“

Lieber Gott bitte mach dass sie sich beruhigt.

Mit einem Schlag ist das mulmige Gefühl im Bauch  zurück, es brodelt als ob ich Mentos mit Cola light  eingeschmissen hätte.

„Fünfunddreißig Euro um genau zu sein.“

Wenn Blicke töten könnten, würde der uniformierte I-Tüpfelchen  Reiter  in Flammen aufgehen. Wütend greift sie wieder an die Schnalle des Aktenkoffers und öffnet ihn. Panik kriecht in mir hoch, erreicht mein Hirn noch vor der Rauchwolke die mir entgegenkommt.

Reiße Elena das Teil aus den Händen, Sekunden später lösche ich die darin wuchernde Glut indem ich mitten rein reihere – verfluchter Sprudelwein, es würgt mich ununterbrochen,  obwohl sich mein  gesamter Mageninhalt bereits auf Elenas Papierkram, Schminkzeug und ihr Portemonnaie  verteilt hat.

Bekomme keine Luft mehr, kämpfe mit den Tränen, als sich der letzte Tintenfisch aus mir evakuiert. Die vollgereiherte Tasche stelle ich zurück zu ihrer Besitzerin, die mich zwei Sekunden besorgt mustert, um kurz darauf mit dem Bullen weiter zu verhandeln:

„Mein Bargeld ist jetzt leider gerade gestorben. Gibt´s vielleicht eine andere Möglichkeit um das Problem aus der Welt zu schaffen?“

„Ist mit ihnen alles in Ordnung?“, für jemand der wie ein VAWK (=Vollarschwichskopf)  aussieht, klingt er durchaus menschlich.

„Alles bestens. Das ist nur die Aufregung, weil ich zwei Kilo Marihuana im Kofferraum liegen habe und mir das Bier ausgegangen ist.“
Grinsend streckt mir VAWK meine Papiere durch die Fensterscheibe.

Fallende Sterne

Mit weit aufgerissenen Augen starren wir in die Finsternis, verzweifelt auf der Suche nach einer einzigen Sternschnuppe. Haben nicht viele Wünsche, eigentlich nicht mehr als einen einzigen, doch anscheinend pflanzt uns sogar der Nachthimmel.

„Was ist denn das für eine Verarsche? Zwei Stunden Kometenschwarm und ich seh nix außer blinkende Ufos.“

Scheiß auf das Wunschkonzert, es hat schließlich noch Alkohol im Kühlschrank.
Manövrierunfähige Gedanken kämpfen gegen wuchernden Wahnsinn, lass es Sterne regnen, alles zerfrisst sich selbst in immer wieder kehrenden Fragen. Ich will Antworten. Am besten gestern.

„Welche Ufo´s? Bist rauschig?“

Mit gespielter Fassungslosigkeit schenkt Ellena die nächste Runde Pinot Grigio ein, stellt zwei Stühle für die Zwillinge in die Wiese, damit die beiden auch nach Lichtblitzen am Himmel suchen können.

„Das liegt sicher an dem Wein. Bin ich Psychologiestudentin, oder wieso sauf ich diese Blörre?“

Kollektives Grinsen läuft wie Usain Bolt durch die nächtliche Möchtegern-Wunsch-erfüllt-haben-wollen- Runde, ehe das einzige Testosteron-gesteuerte Wesen des Hauses mit anständigem Stoff kommt.
Bier und Jause.

Ellena erlaubt den sprechenden Gartenzwergen, die wie eine Miniaturausgabe der Seniorfraktion wirken, solange aufzubleiben, bis sie beide vier fallende Sterne aufleuchten gesehen haben.

Gebannt fixieren die immer schwerer werdenden, kleinen Augen das Trallala über ihren Köpfen, der mutigerere Liliputaner zeigt mir das aufgeschundene Knie. Heldengeschichten über alte Kriegsverletzungen quasi. Ein alter, müde gewordener Hypochonderkater blickt wie die Katzenausgabe eines Charles Manson auf meine sonnenverbrannten Knie.
Ich liebe diese familiäre Atmosphäre, weil sie nicht gespielt ist, sich selbst Zeit und Raum für Ecken und Kanten einräumt, Authenzität hoch zehn; ganz ohne Optimalbilderbuchfamilienidylle simuliern müssen. Cheers.

Unbarmherzig überfällt bleierne Müdigkeit erst die Kinder, und dann auch uns, während wir noch über die vorangegangene Generation reden. Kaltherzige und ignorante Mütter, alzheimergeplagte Väter, eigenartig und seltsam gewordene Geschwister, nervige Kunden, drückende Ängste, latente und impulsive Aggressionen-irgendwas ist immer; bei jedem einzelnen von uns. Ponyhof, und so weiter.

Ganz egal wie dramatisch der eigene Mist erscheint, nach zwei Stunden mit Euch, relativiert sich beinahe alles. Wir sind nicht auf derselben Wellenlänge; wir SIND diese Frequenz, ohne Zweifel.
Entstanden aus dem Ergebnis mehrerer fragwürdigen Entscheidungen einiger neurotischer Menschen, zumeist mit einem sehr sexuell gefärbtem kleinsten gemeinsamen Nenner (=Tinder ). Verstehst? Nein? Macht nichts, weil wir checken´s auch nicht so ganz.
Langsam entkrampft jede meiner Fasern, senke den Blick, hätte ich keine Ohren würde ich im Kreis grinsen.
Zögernd schiebe ich die Papiere über den Tisch, ich habe Angst, dass ich verurteilt werde, sie danach nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Mit so einer, will doch niemand was zu tun haben, oder?

Obwohl ich diesen verrfluchten Zettel schon vor über 48 Stunden im Paket mit einer professionellen Befundbesprechung durch einen Psychiater ins Hirn gestopft gekriegt hab, schreit jede Zelle meiner Selbst nach Widerstand gegen das Resultat des Idiotentestes.

„Erzähl endlich wie das war.“

Und plötzlich scheint es, als würde ein Bann in mir brechen und ich rede; ich erzähle den beiden (wachen) Sternschnuppen-Suchend und Wein-trinkendem Vertrauten von den denkwürdigen Stunden
Ich erzähle ihnen von den abstrakten Tintenfleck-sieht-aus-wie–ein-gepresster-Scheißhaufen-Bildern, von immer wiederkehrenden Wortreihen, die das Wort Priester enthalten (wenn man sich dieses Wort merkt, schließt der Psychologe auf eine verdrängte sexuell erlebte Abnormität mit einem geistlichen Ficker-dagegen gibt’s aber ganz sicher die richtige Pille).
Erzähle von einem schwarzen Bildschirm auf dem Punkte, Töne, Kreuze und Plus –Zeichen auftauchen, und die über normal oder ADHS entscheiden. Über mangelnde Impulskontrolle. Über bipolare Störung. Über Borderliner. Über Koks. Über Lebenskünstler und Künstlerleben, über inexistente Stabilität und unvermeidbar dramatische Instabilität.
Mo Trip. Lass die andern sich verändern, doch bleib so wie du bist.

Höre Geschichten über gefühlstote Menschen, böse Zeitgenossen, keine Gesellschaft zum Kirschen essen. Kirschen wären jetzt echt geil. Scheiße, ich will Kirschen. Und Schokolade, J E T z T…………………

Steig ins Auto, weg von hier.

Wie beiläufig streift ein warmer Windhauch über den Kopf hinweg, kurzer Bodenkontakt mit der Hure namens Realität, mit voller Kraft stemme ich dagegen; kämpfe, taumle, fliege; Sekunden bevor ich mit der Breitseite auf dem heißen Asphalt aufkrache und mir Blut übers Gesicht läuft.

Wachsam rasende Pupillen, fickender Herzschlag, angenehm entspannter Kopf, lass mich fallen, doch bevor die Augen dichtmachen suche ich das letzte Mal nach einem Wunsch-Erfüll-Wunder-Von-Oben-Herunterfall_Stern-Wunder-Scheiß.

Pechschwarz funkelnde Augen fesseln mich, fester Griff an meine Handgelenke, behutsam und dennoch bestimmt drückt er sie nach hinten, presst seine Mitte fordernd gegen meine, während er ununterbrochen meinen Hals küsst; immer tiefer spielt er alle denkbaren Stückchen auf mir, zärtlich streift er mir das Kleid über den Kopf. Stehe nackt vor ihm, Ya Man-richtiger Knopf.