#metoo

Flackernde Augen, die Buchstaben verschwimmen zunehmend, ausgebrannte Akkus zwingen mich zur Pause. Wie lang sitz ich eigentlich schon hier? Ich klappe den Rechner zu, blinzle durch die geöffneten Fenster raus in die analoge Welt, wundere mich darüber dass es langsam hell wird. Wo ist denn die Nacht geblieben?
Noch verwunderlicher als der viel zu rasche Sonnenaufgang ist mein pornoloser Browserverlauf und die Tatsache dass ein nackter Fickgott nebenan schläft und dabei immer noch seinen Pyjama trägt. Hab ich versehentlich geheiratet oder eine spontane Pimmelallergie bekommen? Hallo Libido, wo bist du denn?
Niemand antwortet mir, außer dem Schnarchen das durch die geöffnete Wohnzimmertüre dringt herrscht hier Totenstille.
Schütte den letzten Rest des braunen Pulvers auf „Die gute Küche“. Vor knapp zwei Jahrzehnten hat mich dieses Kochbuch durch die Lehrabschlussprüfung gebracht, heute missbrauche ich es als Unterlage für diverse psychotrope Substanzen. #metoo
Auf dem Einband des Covers ist ein Bild der beiden Autoren – Plachutta und Wagner. Beide absolut unfickbar. Ich befürchte meine nicht mehr existente Libido bei dem Anblick für immer zu verlieren. Bedecke Plachuttas Visage mit Heroin, Wagner verschwindet unter einem Häufchen Koks, ich suche verzweifelt nach Bier im Kühlschrank.
Außer Apfelmus und Weißwein ist das Ding leer – verfluchte Scheiße, was glaubt der Typ eigentlich? Das sein Ständer reicht um mich zufrieden zu stellen? Sogar in Traiskirchen ist mehr Klumpert im Eiskasten als hier. Wenn der kein Heineken hat, bastle ich mir halt einen Speedball – hab ich eh noch nie versucht.
Trotzig lass ich mich aufs Sofa fallen, vermische den braunen Haufen Pulver mit dem weißen, streiche mit der Rasierklinge eine dünne Linie des Cocktails an den Rand des Einbandes. Wo hab ich bloß den Strohhalm gelassen?

Ist koksen eigentlich vegan? Wieso bekommen so viele Durchfall von dem Zeug? Wegen dem Milchzucker, der zum Strecken verwendet wird? Ist man Laktoseintoleranz wenn man nach der ersten Line sofort kacken muss?
Wieso juckt es am ganzen Körper, wenn das andere Zeug in die Blutbahn gelangt? Warum macht das Zeug aus Nymphomaninnen frigide Frostbeulen? Seit wann ist Bier so ekelhaft und Pornos so uninteressant?
Du wolltest es doch wissen.
Richtig.
Strohhalm ins Gesicht. Ziehen.
Augen zu und…. Gott wie geil ist das denn?

#15

#15
Fünfzehn Menschenleben hat der Drogenkrieg in diesem Jahr bereits gefordert – in einem der schönsten und reichsten Länder der Welt. Ein neuer Highscore in der Geschichte Kärntens, nichts womit man sich rühmen kann. Fassungslosigkeit und gegenseitige Schuldzuweisungen bringen keins der Opfer wieder zurück. Genauso wenig wie der Ruf nach härteren Strafen und eine Aufstockung der Exekutive, wenn zeitgleich die Drogenberatungsstellen aus allen Nähten platzen oder eine Fortführung von Therapieeinrichtungen aus finanziellen oder parteipolitischen Gründen scheitert.
Ebenso subintelligent erscheint mir die Forderung Cannabis zu kriminalisieren, wer immer noch daran glaubt, man könne durch Verbote etwas bewirken, dem sei die Alkoholprohbition der USA in den 30er Jahren ins Gedächtnis gerufen – nie zuvor wurde so hemmungslos gesoffen wie in der Zeit des Verbotes.
Vor allem auch, weil der Stoff so hart wie möglich sein musste, um ihn unauffällig zu schmuggeln. Schließlich braucht eine Kiste Bier viel mehr Platz als eine Flasche Hochprozentiges. Je illegaler die Substanz, desto konzentrierter der Wirkstoffgehalt um sie lukrativ und effektiv von A nach B zu schaffen. Je härter das Material desto höher das Abhängigkeitspotential.
Damals wie heute.
Wie die Geschichte damals ausging, dürfte hinreichend bekannt sein – die Prohibition scheiterte kläglich. Viele der einstigen Befürworter mussten sich geschlagen geben und gelangten zu der Einsicht, dass Illegalität kein Garant für die Beseitigung eines Problems ist – allenfalls zu dessen Verlagerung in einen rechtsfreien Raum ist.
Allerdings wussten die Amerikaner nicht, wohin mit all den Beamten, die bis zur neuerlichen Legalisierung nur für die Überwachung des Verbotes zuständig waren. Dank eines gewissen Harry Anslinger´s , der zu der Zeit die Leitung des Federal Bureau of Narcotics überhatte, schuf man sich mit dessen Hilfe rasch ein neues Feindbild – und somit eine Aufgabe für die überflüssig gewordenen Alkohol-Jäger – der „War on drugs“ war geboren. Anslinger begann nun Öffentlichkeitskampagnen gegen die von ihm abgelehnten Drogen zu führen. Er argumentierte hier jedoch nicht nur mit gesundheitlichen Aspekten, sondern band auch Vorurteile ein. So wurde Schwarzen, Mexikanern und andere Minderheiten, denen der Großteil des Konsums zugeschrieben wurde, unterstellt im Rausch weiße Frauen zu vergewaltigen.
Anslinger schaffte es tatsächlich einen bis heute andauernden Drogenkrieg anzuzetteln, der sich nicht nur auf die Staaten beschränkte. Als sich Mexiko weigerte, Cannabis zu kriminalisieren, drohten die Staaten damit, keine Medikamente mehr ins Land liefern zu lassen Wie so vieler anderer Schwachsinn schwappte die Welle auch nach Europa über – wenn auch nicht Widerstandslos..
Durch Harry Anslingers Beorderung in die UN-Drogenkommission 1947 wurde das weltweite Verbot des Cannabisanbaus forciert, welches schließlich in Form des Einheitsabkommens über die Betäubungsmittel 1961 festgeschrieben wurde. Dieser völkerrechtliche Vertrag ist weiterhin gültig und verbietet diverse Drogen. 1970 zog sich Anslinger aus der Öffentlichkeit zurück.

Dreißig Jahre später. Irgendwo in Kärnten.
Sie steht mit beiden Beinen fest im Leben, eigentlich mag sie es nicht in solchen Kreisen zu verkehren, aber die einzige Möglichkeit um an Gras zu kommen, ist diese desolate Wohnung mit dem zwielichtigen Gestalten, von denen sie keinen alleine in der Nacht begegnen möchte. Aber noch weniger will sie sich das Kiffen verbieten lassen, es ist das einzige was ihr gegen die Hyperaktivität hilft.
Heute habe er leider nichts mehr zu rauchen, aber es gäbe da noch was anderes um sie zu entspannen. Und tatsächlich – sie ist plötzlich gechilled.
Genauso wie der suchtkranke Dealer, der das zeitliche noch vor ihr segnen soll. Weil er es nicht mehr aushält, die Stigmatisierung, die ständige Geldbeschaffung, all der krank machende Dreck im Gift, das permanente Katz und Maus Spiel mit der Polizei, all die Vorwürfe an allem selbst Schuld zu sein, die soziale Ausgrenzung. Er träumt von der Schweiz, da würden sie den Menschen helfen. Dort bekäme er seine Medizin, er müsste nicht mehr dealen und hätte keine Angst mehr vor Streckmitteln. Einem Suchtkranken Menschen mit der kontrollierten Abgabe der Droge zu helfen, müsste so selbverständlich sein, wie einem Diabetiker Insulin zu spritzen.
Unterm Strich ist der eine nicht schwächer als der andere.
Auch wenn die Überlebensrate eines Junkies hinterher hinkt.
An einem verregneten Herbstmorgen träumt er ein letztes Mal von einem normalen Leben bei den Eidgenossen, bevor er auf die Brüstung des Balkons klettert und die Augen schließt.
#Nr.16

#Toxoplasmose

Vielleicht war es der bevorstehende Vollmond. Oder zyklusbedingte Unzurechnungsfähigkeit. Es ist gar nicht so einfach einen Schuldigen für Unentschuldbares zu finden. Vor allem, wenn man felsenfest von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt ist. Lieber noch bisschen Drama produzieren um dadurch eine plausible Erklärung für meine eigene Leichtsinnigkeit zu haben.
Schließlich kann man in meinem Alter nicht mehr alles auf die schlimme Kindheit schieben. Toxoplasmose als Auslöser wäre für mich und eine Handvoll anderer Menschen auch nachvollziehbar – allerdings vor Gericht kein Milderungsgrund. Entschuldigung euer Ehren, aber ich habe nur deswegen Raketen aus einem fahrenden Auto abgefeuert weil ich vollgepumpt mit Drogen war und ich mich mit der Katzenkloseuche angesteckt habe. Deswegen bin ich Risikobereitschaftsbehindert. Das kommt nur vom Katztenpipi, können sie ruhig googeln.
Bens Schulterklopfer unterbricht meinen Tagtraum, dabei hätte ich so gerne die Antwort des imaginären Richters gehört.
„Das ist der letzte Rest vom Wochenende. Pass bloß auf, das Zeug ist wirklich stark“, raunt er mir zu.
Mit einer Mischung aus Euphorie, Neugier, schlechtem Gewissen und Selbsthass stecke ich das Briefchen mit dem braunen Pulver ins Portemonnaie, frage mich, ob und wann sie mir ins Gehirn geschissen haben. Der kleine Teufel auf der linken Schulter beruhigt mich, es sei doch alles in Ordnung. Schließlich kommt das Zeug aus der Natur und nicht aus dem Labor. Lieber Heroin als Crystal Meth flüstert die kleine gehörnte Arschgeige, während ich Ben meine letzten Euros in die Hand drücke. Der Eintritt für die Talfahrt kostet n Fuffie, ich bin ja schon so aufgeregt….
Zuhause angekommen sehe ich mich im Netz erstmal nach einem passablen Rachefick um, Auge um Auge, Zahn um Zahn – Mister Lover Lover soll ja nicht glauben, dass ich mir alles gefallen lasse. Abgesehen davon müsste er mittlerweile wissen, wie scharf ich werde, wenn ich wütend bin. Und da er bedauerlicherweise nicht vor Ort ist, muss ich mich wohl mit irgendeinem Toyboy aus dem Internet zufrieden geben.
Misterjoy1999 macht auf dem Profilbild einen äußerst fickbaren Eindruck – zumindest vom Kinn bis zum Bauchnabel. Ich bin immer noch so wütend, dass mir die Aussicht völlig reicht – wenn er wirklich hässlich ist, soll er mich eben von hinten bumsen und ich stelle mir vor er wäre Prinz Harry.
Passenderweise stellt sich dieses charmante Online – Wesen eine knappe Stunde später als Harald vor, als wir uns auf einem Autobahnparkplatz treffen. Sein Gesicht ist genauso schön anzusehen, wie der Rest von ihm – das eng anliegende weise Shirt schmeichelt seinen Konturen, genauso wie seine Jeans. Wäre ich nicht so angepisst, könnte ich ihn direkt auf seinen Knackarsch klatschen.
Er sagt, er mache sowas zum ersten Mal, ob ich schon viel Erfahrung hätte, will er wissen. Nein, nein ich bin noch Jungfrau. Seine Gesichtsentgleisung lässt auf pures Entsetzen schließen, er kauft mir den Mist tatsächlich ab, scheint als wäre er naturblond.
„Mach dir nicht ins Hemd, zwei Minuten von hier entfernt ist ein Waldweg. Lass uns dorthin da ist es ein wenig ruhiger“, versuche ich seine Aufregung zu zügeln. Die legt sich tatsächlich, als wir Händchenhaltend den schmalen Schotterweg entlangspazieren und ich ihm versichere, wirklich keine Jungfrau mehr zu sein. Wenn dumm wirklich gut fickt, ist der Kleine sicher Weltklasse. Mein Handy klingelt, Mister Lover Lover ist am Apparat will wissen was ich tue, ich sage KKKrrrzchchckkerasschaarrkkksch kkrzzzzzkkkuiuiu schlechter Empfang und lege wieder auf.
Blondie fragt, ob ich ein Problem hätte. Wie er darauf kommt, hacke ich nach. Lasse ihn nicht antworten, fasse ihn ungeniert in den Schritt um abzuchecken ob es sich lohnt, noch tiefer in den Wald hinein zu laufen. Doch so sehr ich mich auch bemühe, ich kann keine Genitalien durch den Stoff seiner Hose ertasten. Lieber Gott bitte mach, dass er welche hat.
Haralds Schockstarre hält mich nicht davon ab, ihn auf den moosgrünen Waldboden zu drücken und ihn den Reißverschluss zu öffnen um nach den Kronjuwelen zu suchen. Tatsächlich bemerke ich was Halbhartes hinter der rosafarbenen Unterwäsche. Mein Versuch, seine Hosen komplett hinunterzuziehen wird durch seine immer lauter werdende Schnappatmung erschwert.
„Ganz ruhig, Kleiner. Ich tue dir nicht weh, versprochen. Es sei denn, du willst es?“
Gefühlvoll streiche ich ihm eine Haarsträhne aus seinem kreidebleich gewordenem Gesicht, ehe ich seine Hände auf meine Brüste lege. Plötzlich beginnt er am ganzen Körper unkontrolliert zu zittern, verdreht die Augen nach oben und grölt wie ein wildgewordener Hirsch in der Brunftzeit. Lieber Gott bitte mach, dass es kein epileptischer Anfall ist.
Von einer auf die andere Sekunde entspannt sich der vermeintliche Krampfsüchtige unter mir und lächelt mich verliebt an. Seine Haare stehen in alle Richtungen ab, eine Hand hält immer noch meine Brust. Durch den geöffneten Hosenschlitz drückt ein winziges Etwas gegen die feucht gewordene Short. Hat er sich etwa angepinkelt? Wieso grinst er so dämlich?
„Danke, das war voll geil mit dir“, flüstert er verlegen und mit glasigem Blick, verstaut seinen Penis und schließt den Knopf der Levis. Halleluja, der hat nicht eingenässt sondern abgespritzt. Danke lieber Gott – ich mag deine Art von Humor.

#dolcefarnientepannacottaporno

Es ist momentan alles zu viel – zwischenmenschliche Kontakte, Gespräche, Monologe, Sonnenschein, Texte verfassen oder staubzusaugen…
Mister Lover Lover fährt in Urlaub, scheiß doch auf ihn.
Baghira schmiegt sich behutsam um meine Knöchel, schnurrend schmust sich die Miezekatze an den Saum meiner Socken.
„Hör auf mit meinen Füßen herumzumachen, du perverses Viecherl!“
Ermahne den Kater, schließlich will ich nicht, dass er sich mit meinen Klamotten paart. Auf der Abdeckung des Katzenklos liegt ein zusammengeknüllter Haufen Bargeld, ich kralle ihn mir um ihn unauffällig in meinen Ausschnitt verschwinden lassen zu lasse. Beinahe so, als müsse ich es vor der Katze verstecken – obwohl es umgekehrt sinnvoller wäre. Immerhin denkt das vierbeinige Gerät nicht daran, sämtliche Bargeldreserven in Betäubungsmittel zu investieren.
Auf dem Weg zum Besten aller Drogendealer beschleichen mich dann doch Zweifel, ob Heroin das passende Mittel der Wahl ist, oder es doch einen Tick zu Drama wirken könnte. Ich meine, wer setzt sich schon einen goldenen Schuss, nur weil der Liebste für drei Nächte nicht vor Ort ist. Hochkarätige Dramaqueens mit einem extremen Hang zur Theatralik?
Wem will ich damit eins auswischen? Ihm oder mir selbst
Vor lauter Fragen im Kopf übersehe ich die rote Ampel, touchiere eine vorbeifliegende Taube mit dem Seitenspiegel, schneide eine heranrasende Radfahrerin. Sie zeigt mir den Mittelfinger, brüllt irgendetwas ausländisch Klingendes durchs offene Fenster. Zum Glück ist die Urlaubszeit bald wieder vorbei – dann kann ich das Geschimpfe anderer Verkehrsteilnehmer auch wieder verstehen – diese ostdeutschen Gammeltouristen quaken unverständlicher als ich mit vier Komma acht Promille beim Italienischkurs.
Ich versichere mich, dass ich die Flugratte nicht getötet habe, winke der Radfahrerin und mache mich aus dem Staub.
Immer noch unschlüssig, was zum Teufel ich da eigentlich mache- reißt mich ein Summen der Mittelkonsole aus meinem quälenden Monolog heraus. Er ruft tatsächlich an, wo ich bin und was ich tue will er wissen. Trotzig entgegne ich, dass er sich jemand anderen zum Kontrollieren suchen soll. Ich frage ja auch nicht, welchen südländischen Frosch er grade knallt und lege wieder auf.
Soll er ruhig wissen, dass ich sauer bin.
Was glaubt der überhaupt?
Und plötzlich bin ich wütender auf ihn, als auf mich selbst. Wie durch ein Wunder lenke ich die Karre durch Manhattan, ohne beim Ticker stehen zu bleiben. Wieso sollte ich mich vergiften, wenn ich auf IHN sauer bin? Was ist denn das für eine dämliche Logik?
Nein, danke. Ich ändere mein Leben!
Kein Gift! Wahre Rache baut auf Fremdenverkehr!

Wenn er meint, irgendwelchen dolce-far-niente-panna-cotta-porno-italia-prinzessinen die Haare zu machen, während sein Schniedelwutz dabei die ganze Zeit unbeaufsichtigt herumschwingt, dann hat er sich geschnitten….

#Metamorphose

Die Metamorphose von der hochsensiblen Prinzessin zum eiskalten Gefühlskrüppel passiert so schleichend wie das Volksbegehren zur Rundfunkgebühr. Jeder hat davon gehört, aber niemand was gesehen.
Alles was sie will ist nichts mehr spüren.
#Herztaub
#behindertesynapsen
Schlechtes Gewissen nährt den Selbstoptimierungswahn, je intensiver der Substanzmissbrauch desto länger die darauffolgende Sporteinheit
Je chemischer die Substanz, desto zweistelliger die gelaufenen Kilometer. Als ob ein Halbmarathon sämtliche Kokainexzesse wettmachen könnte.
Sie fragen sich warum ich das tue?
Ich mich auch!
Ja, ich bin gerne high. Nicht weil ich aus einem sozialen Brennpunkt stamme – ganz und gar nicht. Es macht einfach Spaß!
Der Lieferservice gibt die Daten seiner Kunden an diverse Finanzdienstleister weiter. Vermutlich weil Menschen die um 10 Uhr Vormittag Schnaps, Bier und Filtertipps bestellen nicht allzu kreditwürdig erscheinen.
Dabei schmeckt so ein kühles Blondes nach dem Aufstehen gar nicht so übel.
#Alkoholiker
Sind Rudeltiere.

Über spanische Waschbärenphobie in blau

Meine Mutter behält tatsächlich Recht – ich ruiniere mir die Schuhe, als ich aus dem Bagger springe. Die Frage, wovor ich eigentlich davonlaufen will, stelle ich mir selbst um eine Millisekunde zu spät- mein Absatz bricht beim Aufprall. Was ich hier tue, will der Uniformierte wissen, der sich das Spektakel direkt neben meiner Mutter stehend ansieht. Resigniert antwortet sie mit „Das Kind war immer schon schwierig.“ Der Bulle nickt verständnisvoll.
Davonlaufen brauch ich jetzt auch nicht mehr. Nicht das die noch auf mich schießen.
Steffen und Ellena stehen engumschlungen hinter dem Polizeiwagen, ich glaube die beißen sich gegenseitig ins Gesicht. Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Mama drückt ihre Fingerspitzen auf die Schläfen, mit geschlossenen Augen schüttelt sie ununterbrochen mit dem Kopf.
Ich ziehe mir beide Schuhe aus, wünsche allen eine angenehme Nachtruhe und mache einen Abgang.
Weshalb sollten die mich auch verhaften? Was kann ich barfuß mit vier Komma fünf Promille noch anstellen?
Carlos wartet schon auf mich, als ich endlich um die Ecke geschlendert komme. Vorsichtig küsst er mich, er schmeckt fantastisch, auch wenn der blaue Waschbär neben uns meine Hingabe zügelt.
Fasse dem Spanier mit einer Hand zwischen die Beine, die andere zeigt dem Waschbären den Stinkefinger, er zeigt seinen zurück. Carlos will wissen, mit wem ich da spreche.
Erwidere schnippisch: „Mit meinem unsichtbaren blauen Freund. Er lässt fragen, ob du ihn in den Arsch ficken könntest“, drei Sekunden später ist Spanien auf Nimmerwiedersehen verschwunden, an dessen Stelle kugelt ein blaues Fellknäuel hysterisch lachend über den Asphalt, zeigt mir den Vogel. Bewerfe das Vieh mit Ritalin, gierig stopft es die Pillen in sich rein, dreht sich immer schneller im Kreis.
Meine Arme werden unsanft nach hinten gedreht, es knackt hörbar. Ich solle mich beruhigen, schreit er. Und du sollst dich selbst ficken, du dummes Arschloch.
Seine Hand schießt unter den Bund der Jeans, er zieht die Knarre raus, entsichert sie und hält mir das Teil Zwischen die Augen. Drück doch endlich ab.
Hämisch grinst das blaue Mistvieh.

Schlag. Fertig.

Ron:

„Ja, wir sollten unser Leben ändern. Sowas darf nie wieder passieren.“

 Theatralische Pause

Mia: 

(schnauft)

„Ja, aber nicht vor nächster Woche.“

Ron:  

„Es ist Sonntag, du Irre.“

Mia: 

(schnauft noch lauter)

„Ach ja, deswegen schauen wir Tatort.“

Ron:

(schnauft resigniert) „Schatz…“

Mia:  

„Der da ist der Mörder, ich hab die Folge schon mal gesehen, entspann dich          einfach.“

Ron klatscht sich die flache Hand auf die Stirn, schüttelt den Kopf und schließt die Augen für einen kurzen Moment

Ron:

„Kannst du ein einziges Mal ernst bleiben?“

Mia:  

„Kann meine Katze Veganer sein?“

Ron:  

„Du bist ziemlich frech für dein Alter.“

Mia: 

„Du bist ziemlich alt für deine Frechheit.“

Schallendes Gelächter

Ron: 

„Bist wohl schon lang nicht mehr übers Knie gelegt worden?“

Mia: 

„Nicht seit der Gerichtsvollzieher  letztes Mal zu Besuch war.“

Grinsend fischt er nach ihrem Oberarm, zieht sie daran über den Holztisch… Mit einem Ruck wird sie auf den Bauch gedreht, Gnade war gestern.

Hoch wie nie

Bukowski kann mich am Arsch lecken. Jelinek sowieso. Und vom Rest der Kärntner Möchtegern-Poeten fang ich gar nicht an..

Wirksamer als blutdrucksendende Medikamente ist eh nur der Justin. Ja, genau der. Der Biber. Sorry….

Und auf euch hirngeficktes Pack kann ich genauso gut verzichten wie auf Genitalherpes – scheiß auf euch.  Entschlossener als Merkel in der Flüchtlingskrise, schmeiß ich alles hin. Genug gearbeitet, wird Zeit zum Spielen.

Work hard – Play hard.

Emanuel freut sich mich zu sehen, er strahlt über beide Ohren. So wie der Rest seiner Entourage – Randgestalten so wie du und ich. Die kleine Bude ist gerammelt voll mit Verrückten, es riecht nach Koks und Gras.

Joshua fällt mir um den Hals, als ob ich das Christkind wäre das direkt aus Bogota eingeflogen ist. Wusste gar nicht, dass ich der Stargast der Party bin. Dünne Blutspuren unter seiner Nase singen „wir sind so hoch wie nie“.

Party hard.

Miss Djane knallt sich das weiße Pulver im Minutentakt ins Hirn, Emanuel lässt die Korken knallen.

Stimmung Baby.

Tanzt ihr Stricher, die Königin hat Laune.

Mitten auf dem Glastisch türmt der  Stoff aus dem unser aller Sehnsucht ist.

Herr Doktor bastelt Striche, genug für den ganzen Haufen Chaoten hier drinnen. Misses Djane rotzt grinsend vor sich hin. Spieglein, Spieglein auf dem Tisch, mach mich munter, mach mich frisch. Weil wir ziehen alles – außer Konsequenzen…

Schwärzer als Sebastian Kurz funkeln Joshuas Leuchter, heftig gestikulierend erzählt er von seinem erfolgreichen Drogenentzug. Er will wissen, wann die Putzfrau endlich kommt.

„Alter, sie bringt dir den Staubsauger morgen wieder“, Emanuel faucht ihn an.

Wen interessiert Haushalt um die Zeit?

„Stop. Kurze Zwischenfrage – deine Putze borgt sich den Sauger von deinem Kumpel aus?, irritiert suche ich nach einem Strohhalm in meiner Tasche.

Misses Djane bricht in schallendes Gelächter aus, Emanuel und Joshua nicken mir zu.

Verständnisvoller als das Dr. Sommer Team schaue ich in die Runde: „Klingt eh logisch, ich muss meinem Mechaniker auch immer das Werkzeug mitbringen.“

Plötzlich wird die Türe aufgerissen, der Staubsauger kommt samt Putze hereingeschneit.

„Was du wollen Sauger? Sowieso genug saugen ihr alle – du noch brauchen Cola? Ich nur mehr diese Viagra, aber keine Problem.“

Das nenn ich mal Zusatzverkauf, die Alte sollten sie für Marketingschulungen abwerben – zehn Minuten später hat sie alles verkauft, außer ihre Oma. Blaue Pillen, Ritalin, Koks und eine Baretta wechseln den Besitzer. Hier drinnen geht’s schlimmer zu als aufm Marokkanischem Basar.

Hashtag die falschen Freunde.

Hashtag wir sind die, vor denen uns unsere Eltern gewarnt haben.

Die Knarre fühlt sich geil an, fast so erregend wie Methlphenidat mit Stolichnaya. Knallt.

Ich brauche dringend Frischluft, genug Chemie. Mit weit aufgerissenen Augen folgt mir Emanuel nach unten. Ob ich nicht lieber hier schlafen möchte?

Ich stütze mich an der Brüstung ab, schüttle den Kopf. Gott ist das heiß hier draußen….

Hebe den Kopf, wortlos streicht er mir die Haarsträhne aus dem Gesicht. Ich packe sein Handgelenk, drücke es nach unten, küsse ihn. Er bugsiert mich auf die Motorhaube des Wagens, schiebt meinen Rock nach oben. Provozieren hilft.

Er fickt mir das Hirn raus, unter uns Rush Hour.

Über uns fallende Sterne.

The Nightmare before Kirchtag

Was ich denn so wichtiges zu tun hätte an einem Montagabend, quengelt er. Das tut er immer, wenn er ohne Frühstücksfick aufstehen muss.

„Dasselbe was ich jeden Abend mache“, antworte ich genervt.

„Weltherrschaft oder Vollrausch?“

Dafür, dass er seit vierundzwanzig Stunden ungevögelt ist, macht er einen recht ausgeglichenen Eindruck. Im Gegensatz zu mir – meine Contenance´ ist wie weggeblasen. Was denkt er sich denn, mich hinzustellen als ob ich Harald Junkes´Klon mit Titten wäre?

Das lass ich mir sicher nicht gefallen, wutentbrannt beende ich das Telefonat. Allerdings bin ich viel zu wütend um ihn zu ignorieren – beim dritten Rückruf gehe ich ran:

„Nein, Mister Obergescheit, ich bin nicht betrunken. Das bin ich montags nie, weil ich da immer ein neues Leben beginne. Wenn du mir auch nur ein einziges Mal zuhören würdest, wüsstest du das längst. Und nur zu deiner Info – ich kratze halbverdaute, ausgekotzte Nagetierrestel vom Fußboden. Die kleben nur deshalb so fest, weil mich deine Erektion über zwei Tage ans Bett gefesselt hat. Du bist also hier nicht der Einzige, der Probleme hat.“

 

Von genervt auf hysterisch in weniger als zehn Sekunden, wehe er lacht jetzt.

Vorsichtshalber beende ich das Gespräch zum zweiten Mal, lege auf und schalte in den Flugmodus. Er soll ruhig wissen, dass es mir ernst ist – theatralisch kann ich.

Schneller als das Bedürfnis zu trinken kehrt meine Verwirrtheit zurück, wo kommen die wandelnden weißen Punkte auf dem Ceranfeld auf einmal her?

Wie Slowmow-Sternschnuppen in orientierungslos; freilaufende Kokainvorräte oder Basmatireis auf Einzelkämpfer-Entdeckungsreise durch meine Küche?

Schneller als das schlechte Gewissen, weil ich seinen Schwanz heut Morgen nicht gelutscht hab, erwischt mich die Gewissheit, dass das keine krabbelnden Schneeflocken sind. Nein, das sind Maden.

Angewidert würge ich knapp am Waschbecken vorbei, Gismo starrt mich entsetzt an, wie eine frisch gebackene Pornoprinzessin beim ersten Deepthroat.  Synchronkotzen für Katzenbesitzer. Beziehungsstatus – es ist kompliziert – aber scheißegeil.

Flugmodus wieder ausgeschaltet, ich lass dreimal bei ihm klingeln. Vergeblich.

Als ob ich mich selbst retten könnte, was ist bloß los mit dem Mann? Woher kommt all das Ungeziefer? Warum riecht es hier nach fermentierter und niedrigtemperaturgegarter Wasserleiche? Woher kommt das Flimmern in der Mikrowelle?

Er ruft zurück.

Mit zitternden Fingern drücke ich ihn weg und öffne den Ofen…..

 

 

Gesundheitsfanatiker ohne Schiebetüre

Werner wird  vom Tropf befreit und fragt ob ich mit ihm nach draußen komme um eine zu rauchen, er brauche das nach der Infusion.  Die besten Zigaretten wären die nach dem Essen. Oder nach dem Sex.

Aber ich rauche doch gar nicht.  Bin eher so die gesundheitsbewusste Drogenkonsumentin.

Schallendes Gelächter als der nächste Weißkittel durch die Türe schießt. Hier geht´s ja zu wie im Taubenschlag, sollten Durchgeknallte nicht zur Ruhe kommen?

„Guten Morgen Frau Siffredi. Ihr Gesundheitsbewusstsein lob ich mir. Vor allem in Anbetracht ihres multiplen Substanzgebrauchs.“

Herr Doktor  schüttelt mir die Hand, verrät mir dass er der Chef auf der Stadion sei. Ich frage ihn ob ich nach Hause gehen kann. Seine Miene wird ernst:

„Die gerichtliche Unterbringung ist mittlerweile aufgehoben, aber es wäre unverantwortlich Sie in dieser Verfassung zu entlassen.“

Ich verstehe nur Bahnhof. Wovon redet der denn?

„Sie sind immer noch sehr dehydriert, eine einzige Infusion ist nicht genug um das auszugleichen. Haben Sie ein wenig Geduld.“

Kann der mir nicht einfach ein Sixpack bringen? Zwecks der Flüssigkeit?

„Was heißt gerichtliche Unter-irgendwas?“

Überrascht über die endlose Steigerungsfähigkeit meiner Verwirrtheit, habe ich Schwierigkeiten dem Gespräch zu folgen.

„Wenn Patienten selbst- oder fremdgefährdend agieren, sind wir gezwungen sie hier festzuhalten.“

Agieren, hydrieren, intoxikablabladingsbums. Er hätte ebenso auf Russisch antworten können. Wovon redet denn der?

Die einzige Fremdgefährdung in dem Laden geht vom Koch aus, die Chance dieses kulinarische Attentat zu überstehen ist nicht viel höher als ein Aufenthalt an der syrischen Front.

„Nur weil ich den Krankenhausfraß gegessen habe, bin ich wohl nicht selbstgefährdend? Und andere Menschen gefährde ich auch nicht, ich glaub an Karma.“

Doktor Freud entgeht meine Anspannung nicht.

„Keine Sorge, der Koch liegt im Nebenzimmer. Ich komme am Nachmittag noch mal zu Ihnen, wenn Sie möchten kann ich Ihnen was gegen die Unruhe geben.“

Zumindest ist er schlagfertig.

„Aber für Bier ist es zu früh?“

Werner schlurft zurück ins Zimmer, lässt sich aufs frisch bezogene Laken fallen:

„Wenn sie Bier bekommt, will ich auch eins haben!“

Herr Doktor fasst ihn seine Hosentasche.

„Leider hab ich keins mehr eingesteckt.“

Ist der wirklich Arzt, oder ein Irrer der sich verkleidet hat?

Zum fünftausendsten Mal an diesem Morgen wird die Türe aufgerissen, zwei Damen in grün wuseln wie hyperaktive Frettchen herein, räumen das dreckige Geschirr weg und säuseln dem vermeintlich Durchgeknallten mit Stethoskop was zu. Er nickt, verabschiedet sich und folgt den Saubermachmuschis nach draußen.

Bestimmt vögelt er den beiden gleich das Hirn raus.

Mit einem lauten Knall fällt die verfickte Zimmertüre zurück ins Schloss, nur um eine Sekunde später wieder aufgerissen zu werden. Nicht mal bei meinem Dealer herrscht ein derartiges Kommen und Gehen.  Eine hochgewachsene Blondine bringt Pillen für Werner und mich.Zum Glück, ansonsten wäre der passende Zeitpunkt um fremdgefährdend zu werden.

„Gegen die Nervosität, Fräulein Siffredi.“

Miss Verständnis drückt mir einen winzigen Plastikbecher in die Hand, wartet bis ich mir den Inhalt in den Rachen gekippt habe.

„Entweder hängen sie die Türe aus, oder sie bringen mir die doppelte Dosis“ schnauze ich sie an.

„Ich muss Sie leider enttäuschen – Schiebetüren und ausreichende Medikation ist den Privatpatienten vorbehalten.“

Touche´.