#Müde

Denkst du wirklich dass dein heutiger Lifestyle dich vor zwei Jahrzehnten befriedigt hätte? Oder wärst du der Langeweile erlegen? Willkommen in meiner Welt!
Ich bin DU. Zwanzig Jahre davor. Mit Muschi statt Latte.
Hure statt Heilige, Magdalena fetzt – Maria ist der Inbegriff aller Spaßbremsen. Pacemakerin fürs Saufen, Ficken und Koksen. Mehr kann ich nicht – hab´s Laufen verlernt, Nase zu voll…
Herzschlag am Limit – vernarbtes Gewebe hinter den Rippen. Kämpfe ums Überleben – nicht weniger als das Teil, dass das Blut durch meinen Körper pumpt.
Schleppend bahnt es sich den Weg durch sämtliche Venen, dennoch reicht es nicht um den eiskalten Engel zu beleben. Ich bin so verdammt abgekämpft und müde.

Banane

Ernesto schreit mich an: „Gib Gas, du Irre!“
Seine Stirn ist Schweißbenetzt, er scheint es echt ernst zu meinen. Als ob man mir den Bleifuß diktieren müsste, scheiß verblödeter Beifahrerischer Ausländer. Trete mit voller Kraft aufs Gaspedal, Ernestos Schädel knallt gegen die Kopflehne.
„Bist du deppert, die Kiste jault ja lauter als mein angeficktes Alter Ego beim Porno schauen“, unüberhörbarer Enthusiasmus meinerseits. Gott, ich liebe diese Karre. Mustang rulez.
Ernesto eher nicht. Der kotzt gegen die geschlossene Seitenscheibe.
Ich schreie ihn an, fasle etwas von du dummes Arschloch, schau was du da angerichtet hast. Würgendes Röcheln neben mir: „In meinem Auto kann ich hinspeiben wo ich will du Miststück.“
Achja, genau. Sein PKW.
Als ob ich mir ne gelbe Karre für über 25 Riesen holen würde. Bin schließlich keine übermotivierte Verkaufsnutte von Chiquita, oder der Post.
„Fick dich doch Ernesto.“
Fahre den Mustang rechts ran und steige aus. Theatralisch kann ich.
Zwei Schritte weiter erbarme ich mich – elendiges Würgen hinter mir; verdammt noch mal, wieso muss der jetzt abkratzten? Sicher weil sein Auto so hässlich ist? Da würd ich auch den Freitod wählen….
So friedlich wie er da auf dem Boden liegt, man könnte meinen er hätte das Zeitliche gesegnet. Wäre da nicht die immer größer werdende Ausbeulung knapp unter seinem Bauchnabel. Ich denke nicht, dass Leichen Erektionen bekommen.
„Totstellen geht ohne Latte, du Genie“, fasse ihn mit der einen zwischen die Beine, suche mit der anderen mein Handy in der Tasche. Noch bevor ich Ernestos Penis auf den Weg nach Instagram schicke, reißt er die Augen auf – und mich zu Boden.
Immer lauter werdende Sirenen, seine Knie drücken meine Schultern unnachgiebig zu Boden, er knurrt mich an: „Wenn du schnell bist, hast du vielleicht noch eine Chance. Auf die Plätze, fertig,…. !“

Beim ersten Versuch das grunzende Viech über den Zaun zu heben, wird lötzlich eins der Fenster über unserern Köpfen aufgerissen. Vor Schreck lass ich das Schwein fallen, mit einem Schlag ist es wieder putzmunter. Ich hab befürchtet, dass die Dosis für so´n Vieh zu niedrig ist – aber wer will schon ein Babyschwein überdosieren? Die sind echt niedlich, deswegen versuchen wir die auch zu klauen.“Ihr scheiß behinderten Ausländer, lasst sofort Henry los!“, schallt es aus dem Stock über dem Gehege.
Steffen packt mich am Anorak, wir laufen los. Henry lassen wir zurück, weiß eh nicht, ob er sich mit den Katzen verstanden hätte.

Es fühlt sich eigenartig an, ihn nach so langer Zeit endlich wiederzusehen, da ist kein Kribbeln mehr im Bauch – auch wenn die Freude über das Wiedersehen wahrhaftig ist, und all den Kleinkram überstrahlt, der mich in letzter Zeit so genervt hat.
Irgendwas ist da immer noch zwischen uns beiden, spürbare Spannung schält sich aus unserer getarnten Gelassenheit, als unsere Blicke sich endlich kreuzen. Ich erkenne ihn unter hunderten Menschen in der Lobby – selbst wenn man mir die Augen verbunden hätte würde ich seine körperliche Präsenz bemerken; seine geistige schien ohnehin ständig anwesend. Gsnz egal wie weit wir voneinander entfernt waren…

Seine Augen spiegeln den Glanz der Meinen

Schon komisch, wie sich der eigene Geschmack im Laufe der Zeit verändert, einem ständigen Wandel erliegt. Ist das Entwicklung oder Abbau?
Früher fand ich die Onkelz cool, außerdem Wurstsalat-Majonaise-Semmel.
Heute steh ich auf Paul Kalkbrenner, vegetarische Extrawurst und glutenfreies Brot.
Fortschritt, oder Verblödung?
Die erste langfristige Hauptrolle in meinem autoerotischem Kopfkino, spielte ein kleingewachsener Blondschopf mit Stockerlarsch und Karohemden – mein Mathelehrer – der Traum meiner schlaflosen Nächte – der Inhalt sämtlicher präubertären feuchten Träume. Während andere Mädels von Robbie Williams fantasierten, malte ich mir eine romantische Blowjob-Szene im Kopierraum mit dem Herrn Professor Algebra aus.
Nachdem er keinen meiner Liebesbriefe beantwortete, dachte ich erst an Freitod, änderte nach langem Überlegen aber einfach mein Beuteschema. Ich wollte schließlich nicht sterben bevor mir die ersten Schamhaare das Gefühl von körperlicher Reife geben konnten. Nur die Besten sterben jung, aber nur die Bescheuerten ohne Titten und Landebahn.
Bedingt durch den subtilen Rassismus meiner Erzeuger, beschloss ich von jetzt an nur mehr an afroamerikanische Männer zu denken. Ich wollte keinen Professor, ich wollte Ebola. Rebell ohne Grund?
Egal, hauptsache schwarzer Penis.
Bis zu dem Tag, an dem ich zum zweiten Mal neunundzwanzig wurde, hielt ich meiner Wichsphantasie die Treue. Länger als irgendeinem realen Mann…

Mehr torkelnd, als flatternd suche ich Halt am Aquarium, um nicht schon vor dem Frühstück umzukippen. Haben wir gestern so viel gesoffen, oder hab ich mir die Grippe eingefangen? Leider kann mir der Piranjia auch keine schlüssige Antwort liefern, ich zeige ihm den Stinkefinger und hoffe insgeheim, dass das Mistvieh nicht rausspringt und ihn mir abbeißt.
„Hör auf Bernd zu provozieren“ , der warnende Unterton in seiner Stimme entgeht mir nicht, auch wenn ich keine Ahnung habe, wer Bernd ist.
Als hätte der halbnackte Kerl, der da vor mir im Türrahmen lehnt, meine Gedanken gelesen, antwortet er auf meine unausgesprochene Frage. Bernd sei der Fisch. Und ich würde aussehen, wie ein potentieller Köder.

#Impulskontrolle

Ob sie wohl wieder mit mir reden würde, wenn ich scheiße schwanger wäre? Oder doch lieber unheilbar krank?
„Hallo du. Wie geht´s dir? Leider hab ich Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wünsche dir angenehme drei Monate – wir sehen uns bei meiner Beerdigung.“, ob der Abschiedstext sie aus der Lethargie reißen könnte?
Vermutlich schon – Drama Queens lieben dominante Tumore. Weil ohne Happy End schmeckt Selbstmitleid erst so richtig.
Wobei ich nicht sicher bin, ob die Nachricht vom Angebumstwordenseins die Chance auf ein Quäntchen ihrer ach so spärlichen Zeit erhöht.
Krebs oder Schwangerschaft? Welches Handicap erhöht die Möglichkeit auf ein Gespräch? Eins auf Augenhöhe.
Ach fick dich doch, Frau Misses „ Familie- ist das – allerwichtigste- deshalb –scheiß- ich- auf- meine, weil –du- keine -Matura –hast.“
Ich soll um zwanzig Uhr in dem Schuppen antanzen, aber bitte so unauffällig wie möglich, schließlich ist der ganze Laden voll mit seinen Kollegen. An der Rezeption ist ein Kuvert für mich hinterlegt, in dem der Zimmerschlüssel steckt.
„Sobald du den Schlüssel hast, gehst du an der Rezeption vorbei. Gleich dahinter liegt auf der linken Seite der Aufzug. Fahr in den zweiten Stock, geh ins Zimmer und ziehe dein Nonnenkostüm an. Knie dich auf den Holztisch der neben dem Bett steht, lege eine Augenbinde an und warte bis ich komme. Du redest nur wenn du gefragt wirst.“

Insgeheim bin ich froh über meinen desolaten Zustand, auch wenn mich die Nebenwirkungen der vergangenen Nacht beinahe in die Knie zwingen. Zumindest ist die Aufregung auf ein erträgliches Mindestmaß reduziert. Ich tue was von mir verlangt wird. Hoch wie nie.
Bis zum Hals und noch ein Stückchen weiter hämmert mein Herz, als ich auf allen Vieren ausharre um auf ihn zu warten. Kann die Fahrstuhltüre hören, jedes Mal wenn sie sich öffnet. Zucke beim leisesten Geräusch zusammen, frage mich ob er es wohl ist, der da gerade aussteigt. Auch nach dem dreiunddreißigsten Fehlalarm..
Meine Knie schmerzen, wo zum Teufel steckt der Idiot? Traue mich nicht, eine angenehmere Haltung anzunehmen, vielleicht beobachtet er mich ja per Kamera?
Und noch ehe ich mich mit dem Gedanken einfach abzuhauen anfreunde, höre ich ein Klicken an der Tür. Anfangs digital klingendes Summen, ehe jemand die Türe aufstemmt…
Immer lauter werdende Schritte, ich bekomme Gänsehaut, fühle Blicke auf meinem Körper, blinzle durch den schmalen Spalt am unterem Ende der Augenbinde.
Bedauerlicherweise kann ihn nicht sehen, auch wenn ich sogar seinen Atem hören kann. Höre Wasser, das aus einem Duschkopf gegen Fliesen sprudelt. Höre eine elektrische Zahnbürste. Höre ein Zischen, wie aus einer Haarspraydose.
Verstehe ich nicht. Auf seinem Profilbild hat der Kertl doch eine Glatze?
Speckschwartenspray zum Schädelpolieren?
Hashtag Marktlücke.
Ich mag wie er riecht, sein Schwanz steht kerzengerade Richtung Himmel, soweit ich das durch mein eingeschränktes Blickfeld beurteilen kann.
Unter größter Anstrengung widerstehe ich Impuls ihn sofort in den Mund zu nehmen, ahne was mir danach blühen würde….
Ob dieser Möchtegern-Nachwuchs-Gangster schon vor meiner Haustür steht? Ob einer von dem Schlag dazu fähig ist, säumige Schuldner umzulegen? Ob mir jemand ins Hirn geschissen hat? Ob Seroquel, Lithium und Cipralex mich aus meiner Misere rausboxen könnten? Ob ich mir eine Knarre organisieren sollte? How many times will you learn the same lesson?
Ob der Kerl nach dem Wichsen kaltes Wasser getrunken hat? Ob die Striemen am Arsch morgen blau sind?
„Neun. Danke, mein Herr.“
Möchte ihm den Rohrstock aus der Hand reißen, ihn damit ins Gesicht schlagen.
„Zehn. Danke, mein Herr.“
Möchte seinen Schwanz solange nach rechts drehen, bis er abfällt. Ihn danach in seine dämlich grinsende Fresse stecken und ihn anschließend mit Benzin übergießen und anzünden.
Er lächelt dreckiger als ein hauptberuflicher Dixie Klo Vertreter, als er mir in den Mund spritzt. Wie gern würde ich ihm jetzt den Schädel mit einer neun Millimeter wegballern…
„Danke, mein Herr.“

Hoch wie nie

Bukowski kann mich am Arsch lecken. Jelinek sowieso. Und vom Rest der Kärntner Möchtegern-Poeten fang ich gar nicht an..

Wirksamer als blutdrucksendende Medikamente ist eh nur der Justin. Ja, genau der. Der Biber. Sorry….

Und auf euch hirngeficktes Pack kann ich genauso gut verzichten wie auf Genitalherpes – scheiß auf euch.  Entschlossener als Merkel in der Flüchtlingskrise, schmeiß ich alles hin. Genug gearbeitet, wird Zeit zum Spielen.

Work hard – Play hard.

Emanuel freut sich mich zu sehen, er strahlt über beide Ohren. So wie der Rest seiner Entourage – Randgestalten so wie du und ich. Die kleine Bude ist gerammelt voll mit Verrückten, es riecht nach Koks und Gras.

Joshua fällt mir um den Hals, als ob ich das Christkind wäre das direkt aus Bogota eingeflogen ist. Wusste gar nicht, dass ich der Stargast der Party bin. Dünne Blutspuren unter seiner Nase singen „wir sind so hoch wie nie“.

Party hard.

Miss Djane knallt sich das weiße Pulver im Minutentakt ins Hirn, Emanuel lässt die Korken knallen.

Stimmung Baby.

Tanzt ihr Stricher, die Königin hat Laune.

Mitten auf dem Glastisch türmt der  Stoff aus dem unser aller Sehnsucht ist.

Herr Doktor bastelt Striche, genug für den ganzen Haufen Chaoten hier drinnen. Misses Djane rotzt grinsend vor sich hin. Spieglein, Spieglein auf dem Tisch, mach mich munter, mach mich frisch. Weil wir ziehen alles – außer Konsequenzen…

Schwärzer als Sebastian Kurz funkeln Joshuas Leuchter, heftig gestikulierend erzählt er von seinem erfolgreichen Drogenentzug. Er will wissen, wann die Putzfrau endlich kommt.

„Alter, sie bringt dir den Staubsauger morgen wieder“, Emanuel faucht ihn an.

Wen interessiert Haushalt um die Zeit?

„Stop. Kurze Zwischenfrage – deine Putze borgt sich den Sauger von deinem Kumpel aus?, irritiert suche ich nach einem Strohhalm in meiner Tasche.

Misses Djane bricht in schallendes Gelächter aus, Emanuel und Joshua nicken mir zu.

Verständnisvoller als das Dr. Sommer Team schaue ich in die Runde: „Klingt eh logisch, ich muss meinem Mechaniker auch immer das Werkzeug mitbringen.“

Plötzlich wird die Türe aufgerissen, der Staubsauger kommt samt Putze hereingeschneit.

„Was du wollen Sauger? Sowieso genug saugen ihr alle – du noch brauchen Cola? Ich nur mehr diese Viagra, aber keine Problem.“

Das nenn ich mal Zusatzverkauf, die Alte sollten sie für Marketingschulungen abwerben – zehn Minuten später hat sie alles verkauft, außer ihre Oma. Blaue Pillen, Ritalin, Koks und eine Baretta wechseln den Besitzer. Hier drinnen geht’s schlimmer zu als aufm Marokkanischem Basar.

Hashtag die falschen Freunde.

Hashtag wir sind die, vor denen uns unsere Eltern gewarnt haben.

Die Knarre fühlt sich geil an, fast so erregend wie Methlphenidat mit Stolichnaya. Knallt.

Ich brauche dringend Frischluft, genug Chemie. Mit weit aufgerissenen Augen folgt mir Emanuel nach unten. Ob ich nicht lieber hier schlafen möchte?

Ich stütze mich an der Brüstung ab, schüttle den Kopf. Gott ist das heiß hier draußen….

Hebe den Kopf, wortlos streicht er mir die Haarsträhne aus dem Gesicht. Ich packe sein Handgelenk, drücke es nach unten, küsse ihn. Er bugsiert mich auf die Motorhaube des Wagens, schiebt meinen Rock nach oben. Provozieren hilft.

Er fickt mir das Hirn raus, unter uns Rush Hour.

Über uns fallende Sterne.

The Nightmare before Kirchtag

Was ich denn so wichtiges zu tun hätte an einem Montagabend, quengelt er. Das tut er immer, wenn er ohne Frühstücksfick aufstehen muss.

„Dasselbe was ich jeden Abend mache“, antworte ich genervt.

„Weltherrschaft oder Vollrausch?“

Dafür, dass er seit vierundzwanzig Stunden ungevögelt ist, macht er einen recht ausgeglichenen Eindruck. Im Gegensatz zu mir – meine Contenance´ ist wie weggeblasen. Was denkt er sich denn, mich hinzustellen als ob ich Harald Junkes´Klon mit Titten wäre?

Das lass ich mir sicher nicht gefallen, wutentbrannt beende ich das Telefonat. Allerdings bin ich viel zu wütend um ihn zu ignorieren – beim dritten Rückruf gehe ich ran:

„Nein, Mister Obergescheit, ich bin nicht betrunken. Das bin ich montags nie, weil ich da immer ein neues Leben beginne. Wenn du mir auch nur ein einziges Mal zuhören würdest, wüsstest du das längst. Und nur zu deiner Info – ich kratze halbverdaute, ausgekotzte Nagetierrestel vom Fußboden. Die kleben nur deshalb so fest, weil mich deine Erektion über zwei Tage ans Bett gefesselt hat. Du bist also hier nicht der Einzige, der Probleme hat.“

 

Von genervt auf hysterisch in weniger als zehn Sekunden, wehe er lacht jetzt.

Vorsichtshalber beende ich das Gespräch zum zweiten Mal, lege auf und schalte in den Flugmodus. Er soll ruhig wissen, dass es mir ernst ist – theatralisch kann ich.

Schneller als das Bedürfnis zu trinken kehrt meine Verwirrtheit zurück, wo kommen die wandelnden weißen Punkte auf dem Ceranfeld auf einmal her?

Wie Slowmow-Sternschnuppen in orientierungslos; freilaufende Kokainvorräte oder Basmatireis auf Einzelkämpfer-Entdeckungsreise durch meine Küche?

Schneller als das schlechte Gewissen, weil ich seinen Schwanz heut Morgen nicht gelutscht hab, erwischt mich die Gewissheit, dass das keine krabbelnden Schneeflocken sind. Nein, das sind Maden.

Angewidert würge ich knapp am Waschbecken vorbei, Gismo starrt mich entsetzt an, wie eine frisch gebackene Pornoprinzessin beim ersten Deepthroat.  Synchronkotzen für Katzenbesitzer. Beziehungsstatus – es ist kompliziert – aber scheißegeil.

Flugmodus wieder ausgeschaltet, ich lass dreimal bei ihm klingeln. Vergeblich.

Als ob ich mich selbst retten könnte, was ist bloß los mit dem Mann? Woher kommt all das Ungeziefer? Warum riecht es hier nach fermentierter und niedrigtemperaturgegarter Wasserleiche? Woher kommt das Flimmern in der Mikrowelle?

Er ruft zurück.

Mit zitternden Fingern drücke ich ihn weg und öffne den Ofen…..

 

 

Kurze Zwischenbilanz

Vermutlich hat sich Chester einen Bandwurm eingefangen. Oder gleich ein ganzes Wurmrudel. Schön, so ist er wenigstens nie alleine – weder der Kater, noch der Parasit.

Das weniger Schöne daran ist, dass mir dieser Streichelzoo langsam aber sicher die Haare vom Kopf frisst. Sashimi-Thunfisch wächst schließlich nicht auf Bäumen. Genauso wenig wie lila Toilettenpapier vom Markenhersteller. Auch wenn ich nicht ganz begreife, wieso das nach Lavendel riecht – wer will schon  nach Mottenkugeln duften, wenn er sich den Hintern abputzt?

 

Wie auch immer – Entweder steig ich wieder auf das zweilagige No-Name Produkt vom Diskonter um, oder der Flohzirkus bekommt in Zukunft Kitekat statt Mister Wu´s Sushi Service zum Abendessen.

Ich hab schließlich keinen Esel der Gold scheißt. Und mein Psychotherapeut verlangt plötzlich auch das Doppelte, weil er ja jetzt ein richtiger Doktor ist.

Aber wenn ich ihn frage, ob es denn normal wäre, wenn ich beim Wichsen an Sebastian Kurz und Donald Trump denke, kann er mir keine plausible Antwort liefern. Ratlosigkeit und Schamesröte kann ich auch ohne hundert Euro die Stunde haben,  vielleicht sollte ich mit meinem Opa über die belastenden Masturbationsphantasien sprechen. Auf der Fahrt nach Hause beschleichen mich dann doch Zweifel, entweder aus einem plötzlichen Anflug von Vernunft oder aufgrund des sinkenden Alkoholpegels.

Ich will den alten Mann ja nicht umbringen.

Nicht ohne zu wissen, was in seinem Testament steht. Weil Sashimi-Thunfisch wächst schließlich nicht auf Bäumen. Genauso wenig wie lila Toilettenpapier vom Markenhersteller.

Opa sagt, der Kurz soll zurück in die Krabbelstube und der Donald wird’s eh nicht lange machen, den werden´s sicher verschwinden lassen. Wir spazieren durch den Garten, ob ich denn ein paar Himbeeren haben möchte, will er wissen.

Aus Angst mir einen Fuchsbandwurm einzufangen, lehne ich dankend ab. Mein Handywecker klingelt zum dritten Mal. Sechzehn Uhr dreißig, Zeit zum Aufstehen. Sehr aussagekräftiger Parameter zur Bestimmung meines labilen Geisteszustandes. Nur Irre schlafen bis halb fünf am Nachmittag.

Opa fragt mich, ob ich denn als Callgirl arbeite, weil es ständig läutet. Ich sage, Opa bitte, ich muss mir billiges Klopapier vom Lidl kaufen, also nein, ich bin immer noch arbeitssuchend, zutiefst hoffend er möge den Mottenkugelgeruch nicht bemerken.

Tut er eh nicht, er ist zu vertieft in seine Geschichte über die Hitlerjugend. Ich denke komisch, er ist doch erst  1948 auf die Welt gekommen.

Verabschiede mich mit einem geschmeidigen „Sieg Heil“, steig ins Auto und fahr zurück nach Kärnten. Kaum alleine mit mir und meinem dreckigen Geist, muss ich wieder an Sebastian und Donald denken. Schalte die Klimaanlage auf Vollgas. Sebastian schiebt meinen Rock nach oben.

Donald leckt sich über die Oberlippe, während sich Monsieur Macron auf der Rückbank von Angie den Schwanz lutschen lässt.

Wo ist Gaddafi eigentlich hin verschwunden?

Vermutlich ist er zurück im Erdbeerland, aber ich muss unbedingt nach Hause um die Erektion auf der Wand zu verhüllen. Alles andere wäre unseriös, oder?

Steffen sagt, so eine verdammte Scheiße, steh doch zu deinen Erektionen auf den Wänden. Ich solle endlich mal meine Gedanken liberalisieren.

Ersticke beinahe an meinem Thunfisch. Ich solle was?

„Weißt du Maja, so normal wie wir ist sonst niemand.“

Verdammtes Crystal Meth, sogar meinen liebsten Polen hast du dir unter den Nagel gerissen.

Ich nicke Steffen kurz zu, steige in meinen Wagen und verschwinde.

Fünfzehn Minuten später liege ich auf einer Low-Budget Massageliege für ganz Arme und schiebe meinen Kittel Richtung Bauchnabel.

Der Ostdeutsche Kerl begutachtet mein Geschlechtsorgan sehr sorgfältig und pflichtbewusst. Hatte beinahe schon vergessen, wie sehr ich deutsche Gründlichkeit schätze, als er mir mit schwarzen Edding eine Linie auf mein Allerheiligstes zeichnet.

„Keine Sorge Maja, ich muss nur den Stichkanal vorzeichnen, damit ich das Ding anständig reinmache.“

Als ob mich das beruhigen würde. Und nein, ich bin nicht nervös, aber wie sicher ist er sich, dass er nicht aus Versehen meinen Kitzler durchsticht?

„Keine Sorge, das ist so gut wie ausgeschlossen, entspann dich einfach.“

Er hat leicht reden; immerhin zielt niemand mit einer Nadel auf sein Halleluja.

Kalter Schweiß kühlt meine Schläfe, als er zum dritten Versuch ansetzt. Ich kralle meine Finger in die schwarze Liege, beiße auf die Unterlippe bis es blutet. Mit einem kurzen Stoß sticht die Kanüle durch das dünne Stück Haut, ich jaule wie eine läufige Hündin. Für einen kurzen Moment bäumt sich mein Oberkörper auf, verkrampft, ehe er wieder zurück sinkt.

„Alles okay bei dir? Wir haben´s fast geschafft.“

So ein Idiot.  Dasselbe hat Hitler damals über Polen gesagt, aber bitte.

Breitbeiniger als eine frisch gegangbangte Jungfrau wanke ich zurück zum Parkplatz, unsicher ob ich heulen, onanieren oder koksen sollte. Entscheide mich für die einzige Variante, die Sinn macht.

Michi fragt, wo ich so lange gesteckt habe.

Ich frage, ob er Tiefkühlgemüse hat.

Jasmin legt den Kopf schief.

„Muss ich mir Sorgen um dich machen?“

Mit einem fetten Grinsen im Gesicht drücke ich mir den Sack Erbsen zwischen die Beine, schüttle den Kopf und seufze erleichtert auf, als sich die betäubende Erlösung wie ein weißer Schleier über den Glastisch zieht…

„Röhrl bitte…..“

 

 

 

 

 

 

 

 

Über grüne Grabsteine

Herr Doktor ist zu früh dran, ich fische einige Teile aus dem Kleiderschrank und stopfe sie in den Koffer. Hätte er mir von Anfang an gesagt, dass wir die Nacht in Graz verbringen, hätte ich nicht zugesagt, wie soll man in einer Stunde packen und sich fertig machen und einen Ofen rauchen und die Katze füttern und sich die Huhu rasieren und vergammeltes Essen aus dem Kühlschrank schmeißen?

Ich stehe am Rande einer posttraumatischen Belastungsstörung, als ich endlich im Wagen sitze. Herr Doktor stellt mir seinen Chauffeur vor, der riesige Mann hinter dem Lenkrad und ich lächeln uns an, ein high five später schaut Herr Doktor irritiert zu uns.

Woher wir uns kennen, will der Boss wissen. Thorsten weiß nicht recht, was er antworten soll. Wir seien alte Bekannte, die sich schon seit Jahren kennen. Herr Doktor hakt weiter nach, Thorsten lenkt den riesigen Wagen auf die Autobahn.  Ich raune von der Rückbank über die Schulter vom Boss, wir hätten vor einiger Zeit mal im selben Club gearbeitet. Ich an der Theke, er vor der Tür.

„An der Gabelung rechts halten“

Viel angenehmer als die monotone Navischnallen Stimme ist die darauffolgende Musik leider auch nicht. Deutscher Schlager und Kärntner Heimatlieder mit der damals noch nicht vom Himmel gefallenen Sonne Kärntens. Herr Doktor scheint in Partystimmung zu sein. Oder ein schwerst gestörter Mensch, mit einer Playlist aus Guantanamo. Waterboarding für die Ohren.

Herr Doktor sagt, er wäre in zwei Stunden fertig mit dem Geschäft. Thorsten solle mich hier wegbringen und wir sollen was essen gehen und ihn anschließend wieder abholen.

Ich erinnere mich vage, dass mich der Boss vor drei Stunden zum Abendessen eingeladen hat. Und jetzt schickt er mich mit seinem Fahrer los.

Muss man nicht verstehen.

Thorsten kennt die Stadt nicht, ich finde Google Maps nicht mehr, Herr Doktor geht ins Puff.

Ich beschimpfe das Handy, Thorsten parkt vor Hooters und fragt mich beim Aussteigen ob er hier überhaupt parken darf.  Nein, darf er nicht. Aber Handbremse anziehen hätte er schon dürfen.

Kralle mich an der Beifahrertüre fest um den Wagen zurückzuhalten. Er rollt trotzdem weiter. Mit mir an eben jener Türe hängend.

Ich schreie Handbremse, Thorsten dreht sich um und rennt, sämtliche Gäste des Restaurants starren gebannt durch die überdimensionale Glasfront zu uns. Stuntman mäßig hechtet mein Retter in den Fond, findet die Handbremse. Nur Parkplatz finden wir keinen.

Ich sage, scheiß auf den Laden hier, wir cruisen weiter.

Thorsten fragt wo er hinfahren soll, ich hab keine Ahnung und sage er soll nach links. Und da vorne nach rechts. Thorsten sagt, boah du kennst dich hier aber aus.

Ich sage da hinten leuchtet es grün, fahr dahin. Thorsten weiß nicht ob er dort parken darf, ich denke ist mir doch scheißegal und sage ja sicher, stell dich hier hin.  Thorsten steigt aus, die Handbremse vergisst er. Ich sage Thorsten, er sagt ist egal, geht ja nicht bergab.

Wir spazieren ins grün beleuchtete Viertel, freuen uns beide auf was Essbares.

Leider gibt’s bei der Bestattung nichts zu essen, außerdem haben die Freitaggnacht geschlossen.

„Du dachtest, das hier wäre ein Restaurant?“

Nein, ich wollte spontan einen Grabstein kaufen.

„Ja, ich hab geglaubt, das hier wäre das Gösserbräu, die leuchten doch auch grün?“

Der muskelbepackte Hühne in Bomberjacke starrt auf das Schild am Eingangstor, ich starre auf ihn, dann auch aufs Schild: „Bestattung Graz“. Wir lachen das Schild aus.  Besoffene Passanten lachen uns aus.

Ich schreie, was es da bitteschön so deppert zu Lachen gäbe. Wegen eurer scheiß farbenblinden arschficker Bestattung würde ich noch verhungern. Stellt´s doch gleich ein Stroboskop ins Schaufenster ihr behinderten steirischen Vollpfosten.

Thorsten lacht noch lauter. Die Angesoffenen sind längst verschwunden, ganz anders als meine Unterzuckerung.

Die verschwindet erst nach dem zweiten Gin Tonic, in der zweit tiefsten Spelunke der Stadt, zwei Straßen weiter.

Thorsten findet das Essen zum kotzen, ich sage dann sauf doch, er sagt er sei der Fahrer. Wieso er nicht im Navi ein Restaurant in der Nähe gesucht hätte. Thorsten sagt, weil er nicht wisse, wie das funktioniert mit dem Navi. Ob ich eh wisse, wo er geparkt hat.

Ich frage ihn, wie lange er schon der Chauffeur vom Doc ist. Thorsten sagt, schon seit Jahren. Ich bestelle den dritten Gin.

Wo er davor gearbeitet hat, frag ich ihn.

Thorsten sagt, bei der Bestattung.

Ich sage, halts Maul. Wir kichern wie psychisch beeinträchtigt. Die Kerle am Nebentisch starren uns an.

Sein letzter Boss habe ihn gefeuert, weil Thorsten verhaftet wurde. Die Kerle am Nebentisch starren einen Tick bohrender.

„Was ist damals passiert“, will ich von ihm wissen.

„Ich hätte sein Auto um parken sollen“, Thorstens Miene wird ernst

„Und dann hast den Parkplatz nicht mehr gefunden, stimmt’s?“

Thorsten sagt, halts Maul.

Merci Jean Francois

Blinzle in die Sonne, bevor ich die Augen schließe und mich ganz auf seine Berührungen konzentriere. Kreisende Fingerspitzen, weniger als einen Millimeter von meiner Haut entfernt, bahnen sich ihren Weg. Vorsichtig kratzt er über meine Knie, weiter zu den Innenseiten der Oberschenkel. Hält inne, lauscht meinem lauter werdenden Atem.

Wie auf Knopfdruck schiebt sich mein Becken nach oben, instinktives Betteln um einen Fick, übermächtiges Verlangen übernimmt die Schirmherrschaft der Kommandozentrale.

Dirigiere seine Hand mit meiner dorthin wo´s dringend ist. Zeig ihn wie.

Zittere am ganzen Körper, unkontrollierbares Zucken lässt die nahende Explosion erahnen. Wie die Vorstufe eines epileptischen Anfalls.

Völlig unerwartet wandern seine Finger zurück nach oben, streicheln mir Haarsträhnen aus dem Gesicht. Mister Casanova scheint Lust auf Spielchen zu haben.

Alles in mir schreit nach Vereinigung, immer schneller drücke ich mich gegen seine ausgebeulte Jeans, fummle hektisch an dem verfluchten Reisverschluss herum, schaffe es nicht das harte Teil raus zu holen.

„Scheiß Kindersicherung.“

„Wer wird denn gleich Fluchen, Schätzchen?“

Tiefenentspannt schwingt er sich von der Hängematte, lässt die Hosen runter, gönnt seiner Errektion Frischluft und grinst mich dreckig an.

So nicht. Nicht mit mir.

Versuche genauso elegant aus dem schaukelndem Ding zu kommen wie Mister Lover Lover, verliere allerdings das Gleichgewicht und falle dabei beinahe auf die Fresse.

Als hätte er es kommen sehen, fängt mich Mister Oberständer auf.

„Vielleicht solltest du besser liegen bleiben und dich einfach entspannen“, amüsiert und doch bestimmt flüstert er mir zu.

„Fick mich, bitte.“

Sinke auf die Knie, zeichne über die Konturen seiner Leisten, packe ihn am Arsch, ziehe ihn an mich und öffne den Mund.