Banane

Ernesto schreit mich an: „Gib Gas, du Irre!“
Seine Stirn ist Schweißbenetzt, er scheint es echt ernst zu meinen. Als ob man mir den Bleifuß diktieren müsste, scheiß verblödeter Beifahrerischer Ausländer. Trete mit voller Kraft aufs Gaspedal, Ernestos Schädel knallt gegen die Kopflehne.
„Bist du deppert, die Kiste jault ja lauter als mein angeficktes Alter Ego beim Porno schauen“, unüberhörbarer Enthusiasmus meinerseits. Gott, ich liebe diese Karre. Mustang rulez.
Ernesto eher nicht. Der kotzt gegen die geschlossene Seitenscheibe.
Ich schreie ihn an, fasle etwas von du dummes Arschloch, schau was du da angerichtet hast. Würgendes Röcheln neben mir: „In meinem Auto kann ich hinspeiben wo ich will du Miststück.“
Achja, genau. Sein PKW.
Als ob ich mir ne gelbe Karre für über 25 Riesen holen würde. Bin schließlich keine übermotivierte Verkaufsnutte von Chiquita, oder der Post.
„Fick dich doch Ernesto.“
Fahre den Mustang rechts ran und steige aus. Theatralisch kann ich.
Zwei Schritte weiter erbarme ich mich – elendiges Würgen hinter mir; verdammt noch mal, wieso muss der jetzt abkratzten? Sicher weil sein Auto so hässlich ist? Da würd ich auch den Freitod wählen….
So friedlich wie er da auf dem Boden liegt, man könnte meinen er hätte das Zeitliche gesegnet. Wäre da nicht die immer größer werdende Ausbeulung knapp unter seinem Bauchnabel. Ich denke nicht, dass Leichen Erektionen bekommen.
„Totstellen geht ohne Latte, du Genie“, fasse ihn mit der einen zwischen die Beine, suche mit der anderen mein Handy in der Tasche. Noch bevor ich Ernestos Penis auf den Weg nach Instagram schicke, reißt er die Augen auf – und mich zu Boden.
Immer lauter werdende Sirenen, seine Knie drücken meine Schultern unnachgiebig zu Boden, er knurrt mich an: „Wenn du schnell bist, hast du vielleicht noch eine Chance. Auf die Plätze, fertig,…. !“

Beim ersten Versuch das grunzende Viech über den Zaun zu heben, wird lötzlich eins der Fenster über unserern Köpfen aufgerissen. Vor Schreck lass ich das Schwein fallen, mit einem Schlag ist es wieder putzmunter. Ich hab befürchtet, dass die Dosis für so´n Vieh zu niedrig ist – aber wer will schon ein Babyschwein überdosieren? Die sind echt niedlich, deswegen versuchen wir die auch zu klauen.“Ihr scheiß behinderten Ausländer, lasst sofort Henry los!“, schallt es aus dem Stock über dem Gehege.
Steffen packt mich am Anorak, wir laufen los. Henry lassen wir zurück, weiß eh nicht, ob er sich mit den Katzen verstanden hätte.

Es fühlt sich eigenartig an, ihn nach so langer Zeit endlich wiederzusehen, da ist kein Kribbeln mehr im Bauch – auch wenn die Freude über das Wiedersehen wahrhaftig ist, und all den Kleinkram überstrahlt, der mich in letzter Zeit so genervt hat.
Irgendwas ist da immer noch zwischen uns beiden, spürbare Spannung schält sich aus unserer getarnten Gelassenheit, als unsere Blicke sich endlich kreuzen. Ich erkenne ihn unter hunderten Menschen in der Lobby – selbst wenn man mir die Augen verbunden hätte würde ich seine körperliche Präsenz bemerken; seine geistige schien ohnehin ständig anwesend. Gsnz egal wie weit wir voneinander entfernt waren…

Seine Augen spiegeln den Glanz der Meinen

Schon komisch, wie sich der eigene Geschmack im Laufe der Zeit verändert, einem ständigen Wandel erliegt. Ist das Entwicklung oder Abbau?
Früher fand ich die Onkelz cool, außerdem Wurstsalat-Majonaise-Semmel.
Heute steh ich auf Paul Kalkbrenner, vegetarische Extrawurst und glutenfreies Brot.
Fortschritt, oder Verblödung?
Die erste langfristige Hauptrolle in meinem autoerotischem Kopfkino, spielte ein kleingewachsener Blondschopf mit Stockerlarsch und Karohemden – mein Mathelehrer – der Traum meiner schlaflosen Nächte – der Inhalt sämtlicher präubertären feuchten Träume. Während andere Mädels von Robbie Williams fantasierten, malte ich mir eine romantische Blowjob-Szene im Kopierraum mit dem Herrn Professor Algebra aus.
Nachdem er keinen meiner Liebesbriefe beantwortete, dachte ich erst an Freitod, änderte nach langem Überlegen aber einfach mein Beuteschema. Ich wollte schließlich nicht sterben bevor mir die ersten Schamhaare das Gefühl von körperlicher Reife geben konnten. Nur die Besten sterben jung, aber nur die Bescheuerten ohne Titten und Landebahn.
Bedingt durch den subtilen Rassismus meiner Erzeuger, beschloss ich von jetzt an nur mehr an afroamerikanische Männer zu denken. Ich wollte keinen Professor, ich wollte Ebola. Rebell ohne Grund?
Egal, hauptsache schwarzer Penis.
Bis zu dem Tag, an dem ich zum zweiten Mal neunundzwanzig wurde, hielt ich meiner Wichsphantasie die Treue. Länger als irgendeinem realen Mann…

Mehr torkelnd, als flatternd suche ich Halt am Aquarium, um nicht schon vor dem Frühstück umzukippen. Haben wir gestern so viel gesoffen, oder hab ich mir die Grippe eingefangen? Leider kann mir der Piranjia auch keine schlüssige Antwort liefern, ich zeige ihm den Stinkefinger und hoffe insgeheim, dass das Mistvieh nicht rausspringt und ihn mir abbeißt.
„Hör auf Bernd zu provozieren“ , der warnende Unterton in seiner Stimme entgeht mir nicht, auch wenn ich keine Ahnung habe, wer Bernd ist.
Als hätte der halbnackte Kerl, der da vor mir im Türrahmen lehnt, meine Gedanken gelesen, antwortet er auf meine unausgesprochene Frage. Bernd sei der Fisch. Und ich würde aussehen, wie ein potentieller Köder.

Ich kapituliere. Endgültig.

Vor Erschöpfung gelähmt fällt der Körper ins Koma, lange nachdem sich mein Geist Richtung Nirwana verabschiedet hat. Auch wenn ich lieber alleine eingeschlafen wäre, da ist keine Kraft mehr um vor ihm davon zu laufen. Kein Kampf, keine Flucht – flehe um Ruhe…

Er wird mich doch in Frieden lassen, schließlich wirkt der Kerl genauso durch wie ich?

Theoretisch.

Praktisch ist es ihm scheißegal, wie ich mich fühle. Warum sonst drückt das Stück Schwanz gegen meinen Arsch, stoßen seine Finger mitten in die Fotze um mich aufzuwecken?

Ich krümme mich vor Schmerz, löse mich windend aus seinem Griff um der erzwungenen Nähe zu entfliehen. Hätte ich doch nur mehr Kraft übrig, würd ich ihm ins Gesicht schlagen…. Immer und immer wieder

Beim zweiten Klingeln des Weckers lässt er endlich von mir ab

„Keine Sorge, du kannst jetzt weiterschlafen. Zum Ficken bist eh nicht zu gebrauchen“, er küsst mich.

Drei Sekunden nach seinem Verschwinden knicke ich erneut ein – Widerstand zwecklos, Akkus so leer wie mein Herz.  Viel zu kurz die Ladephase, verstörte blinzle ich in die Sonne, er kommt zurück. Nicht weniger entschlossen als Kim Jong beim Atombombentest, schießt er durch die angelehnte Türe, fokussiert mich mit der Präzision eines Scharfschützen.

Wie lange habe ich gepennt? Wieso ist es plötzlich so hell hier drinnen?  Was zum Teufel macht er mit mir?

Mister Einfühlsam kniet über mir, packt seinen Schwanz aus der Hose und wichst mir auf die Brüste.  Ein Wunder, dass er mich danach nicht fragt, wie er war.

Ohne ein Wort zu sagen wische ich mir das Sperma vom Körper, drücke den fremd gewordenen Torso von mir weg und verlasse ihn.

Alles was ich noch fühle ist Leere.

Alles was ich will ist Schlafen.

Für Immer.

 

 

 

Schriftverkehr ohne Ingwer

Mister DJ schreibt, dass er mich ficken will. Mister VAWK schreibt, dass er mir gern ins Gesicht wichsen würde. Der abgefuckte Borderliner mit den riesigen Augen schreibt, dass er ein Bild meiner Brüste haben will. Der kleine Afghane schickt mir ein Wichs-Video. Natalia schreibt, sie weiß wer ich bin – der Vater ihres ungeborenen Balgs. Außerdem hat sie die Zeugung heimlich gefilmt, um mich damit zu erpressen.

Gaddafis Schwester schreibt, sie würde finanzielle Hilfe brauchen um in Europa Fuß zu fassen. Monsieur Michel schreibt, dass sein Schwanz ganz hart ist. Der Womanizer fragt, ob ich wieder mal in der Stadt wäre. Die Stadt Lausanne schreibt irgendwas französisches, wahrscheinlich wollen die Geld von mir. Die Stadt Klagenfurt schreibt, dass sie Geld von mir will. Die GIS schreibt, dass sie Geld von mir will. Zalando schickt die dritte Mahnung, während ich den Exekutionsbescheid öffne. Das Gericht schreibt, dass mein Dienstgeber die offenen Strafzettel bezahlen wird. Mein Dienstgeber schreibt, dass ich gekündigt bin.

Mein Neffe schreibt, ich soll ja nicht ans Telefon gehen. Sein Bruder schreibt, er hätte letzte Nacht ins Aquarium gewichst. Anja postet Fischpenisse. Ich frage Nordsee oder Beate Ushe? Steffen schreibt, mit Ingwer schmecken die Dinger weltklasse.

Che schreibt, hasta la victoria siempre. Ich verstehe leider kein italienisch. Aber ich glaube Viktoria war eine Hure.

Elena schreibt, ob es mir gut geht. Ich schiebe mir ein Stück Ingwer in den Arsch um nicht wahnsinnig zu werden und schreibe tutto bene.

 

 

 

The Nightmare before Kirchtag

Was ich denn so wichtiges zu tun hätte an einem Montagabend, quengelt er. Das tut er immer, wenn er ohne Frühstücksfick aufstehen muss.

„Dasselbe was ich jeden Abend mache“, antworte ich genervt.

„Weltherrschaft oder Vollrausch?“

Dafür, dass er seit vierundzwanzig Stunden ungevögelt ist, macht er einen recht ausgeglichenen Eindruck. Im Gegensatz zu mir – meine Contenance´ ist wie weggeblasen. Was denkt er sich denn, mich hinzustellen als ob ich Harald Junkes´Klon mit Titten wäre?

Das lass ich mir sicher nicht gefallen, wutentbrannt beende ich das Telefonat. Allerdings bin ich viel zu wütend um ihn zu ignorieren – beim dritten Rückruf gehe ich ran:

„Nein, Mister Obergescheit, ich bin nicht betrunken. Das bin ich montags nie, weil ich da immer ein neues Leben beginne. Wenn du mir auch nur ein einziges Mal zuhören würdest, wüsstest du das längst. Und nur zu deiner Info – ich kratze halbverdaute, ausgekotzte Nagetierrestel vom Fußboden. Die kleben nur deshalb so fest, weil mich deine Erektion über zwei Tage ans Bett gefesselt hat. Du bist also hier nicht der Einzige, der Probleme hat.“

 

Von genervt auf hysterisch in weniger als zehn Sekunden, wehe er lacht jetzt.

Vorsichtshalber beende ich das Gespräch zum zweiten Mal, lege auf und schalte in den Flugmodus. Er soll ruhig wissen, dass es mir ernst ist – theatralisch kann ich.

Schneller als das Bedürfnis zu trinken kehrt meine Verwirrtheit zurück, wo kommen die wandelnden weißen Punkte auf dem Ceranfeld auf einmal her?

Wie Slowmow-Sternschnuppen in orientierungslos; freilaufende Kokainvorräte oder Basmatireis auf Einzelkämpfer-Entdeckungsreise durch meine Küche?

Schneller als das schlechte Gewissen, weil ich seinen Schwanz heut Morgen nicht gelutscht hab, erwischt mich die Gewissheit, dass das keine krabbelnden Schneeflocken sind. Nein, das sind Maden.

Angewidert würge ich knapp am Waschbecken vorbei, Gismo starrt mich entsetzt an, wie eine frisch gebackene Pornoprinzessin beim ersten Deepthroat.  Synchronkotzen für Katzenbesitzer. Beziehungsstatus – es ist kompliziert – aber scheißegeil.

Flugmodus wieder ausgeschaltet, ich lass dreimal bei ihm klingeln. Vergeblich.

Als ob ich mich selbst retten könnte, was ist bloß los mit dem Mann? Woher kommt all das Ungeziefer? Warum riecht es hier nach fermentierter und niedrigtemperaturgegarter Wasserleiche? Woher kommt das Flimmern in der Mikrowelle?

Er ruft zurück.

Mit zitternden Fingern drücke ich ihn weg und öffne den Ofen…..

 

 

Wir schaffen das!

Meine Mutter sagt, ich würde einen Mann brauchen.

Mein Psychiater sagt, ich würde Lithium und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer brauchen

Mein Bankberater sagt, dass er mich zum Teufel wünscht.

Das Arbeitsamt sagt, ich bräuchte einen Psychiater.

Ellena sagt, dass sie nichts mehr sagt.

Tatjana sagt, in Bratislava wären neue Titten unter fünftausend Euro zu haben

Mein Psychotherapeut ist eine geile Sau.

Der hochgewachsene Kerl von nebenan sagt, ich wäre eine Granate im Bett.

Mein Drogendealer sagt, sein neuer Porsche wäre nur geleast.

Mein Vater sagt, ich sollte mit dem Trinken aufhören.

Hansi Hölzel singt, ich bin so schön wie nie

Der Idiot  in den ich mich verliebt habe, liebt mich nicht

Mein Ego sagt, ist mir doch scheißegal

Ich sage, der Penis meines Friseurs ist vollkommene Perfektion

Meine Katze sagt, ich solle endlich ans Meer fahren

Der Bankomat sagt, Limit überschritten; Arrivederci, Auf Wiedersehen, Good Bye

Angela Merkel sagt, wir schaffen das

 

 

 

 

Alles beim Alten

Ich wünsche mir Frieden

Danke für die Achterbahnfahrt, die niemand bestellt hat

Ich hoffe auf Gelassenheit

während wir russisches Roulette spielen

Knapp daneben, ist immer noch nicht gestorben

Knallt nur wenn die Kugel rausschießt

Ich bete dafür, dich zu vergessen

Du gottverdammter Wichser

Danke dem da oben

Dafür, dass wir niemals einen Weg zueinander gefunden haben

Es hatte wohl seinen Grund

Sedierter Untergang mitten hinein in die allertiefste Gleichgültigkeit

Erinnerung wie weggespült

Wer bist du?

Wo bist du jetzt?

Auch wenn sich die Besetzung geändert hat – das Spiel ist dasselbe. Die Regeln sind die gleichen geblieben –  verschärfte Konsequenzen, dieselbe  Struktur.

Wieder mal eskaliert es, ich weiß nicht warum. Vielleicht bin ich schwierig, vielleicht ist er aber einfach nur ein Idiot. SO wie sein Vorgänger. Und der davor.

Vielleicht seid ihr Kerle aber auch alle Vollidioten?

Oder hab ich für den Affenzirkus keine Nerven mehr übrig?

„Probiers mal mit Vitamin B und Tryptophan. Das wird deinem Gemüt gut tun.“

Ganz leise flüstert mir die Vernunft ins Ohr, ich schüttle wortlos den Kopf. Einen kurzen Augenblick innehaltend, unterdrücke den nahenden Nervenzusammenbruch und schreie mitten in die leere Wohnung hinein:

„Fick dich doch“

Feuere den Schlüsselbund wutentbrannt gegen den Spiegelschrank, der in zigtausend Scherben zerspringt und es Splitter regnen lässt. Hatte beinahe vergessen, wie schön es sein kann, Aggressionen rauszulassen.

Wieso tu ich mir das immer wieder an?

„You´ve crossed the finish line

Won the race, but lost your mind

Was it worth it

After all?“

Wieso steht auf meinem T-Shirt nicht „Arschlochmagnet“ ?

Gott sei Dank habe ich in den letzten Jahren genug Praxis mit solchen Exemplaren sammeln können, ansonsten würde ich mir spätestens jetzt den Lauf einer Waffe in den Mund stecken und abdrücken.  Drauf geschissen, wer den letzen Rest meines Schädels von der Wand kratzen wird; Hauptsache endlich Ruhe.

Doch irgendwas in mir sträubt sich seit immer, gegen den Kauf einer Faustfeuerwaffe; Menschen die eine Schwäche für psychoaktive Substanzen haben, sollten keine Knarre im Haus horten. Schlimm genug, dass sie mich Autofahren lassen…

Tränen laufen über mein Gesicht, langsam aber sicher versagen die Knie ihren Dienst, sinke zu Boden. Vergrabe das Gesicht in meinen Händen; schluchze jämmerlicher als ein kleines Kind am ersten Schultag.

Wo bist du jetzt?

Unbezwingbare Enttäuschung sticht mitten ins Herz – ich vermisse dich so sehr.

Wo bist du jetzt?

Ich bin verloren ohne Dich.

Wo bist du jetzt?

Orientierungslose Suche nach einem Wunder.

Rette mich.

Wo bist du jetzt.

Scheiß auf dich.

Ich brauch dich nicht.

Ich brauch mich nicht.

Ich geb auf.

Hab ich tatsächlich geglaubt, du könntest  der Eine sein – der fehlende Teil in dem Puzzle? Der verloren gegangene Rest in einem außer Kontrolle geratenem Schlachtfeld einer Verrückten; auf der verzweifelten Suche nach Frieden?

Hab ich mich verirrt?

Wieder mal?

Wo bist du jetzt?

Haben wir uns verloren?

Wo sind wir jetzt?

 

 

 

 

 

 

 

 

Willkommen in meiner Welt, Arschloch.

Zerstückelte Erinnerungsfetzen drängen aus der Versenkung nach oben und innerhalb eines einzigen Herzschlages ist alles anders.

Es ist endgültig vorbei, letzte Funken falscher Hoffnung und kranker Sentimentalität wie weggeblasen; verglüht ohne dabei auf die Knie zu sinken. Ziellose Besessenheit steuert geradezu in die nächste Vollkatastrophe.

Warum bin ich heute nochmal aufgestanden?

Ach ja. Weil ich dachte, der Typ mit dem Sushi und dem Six Pack würd endlich Frühstück bringen. Von wegen. Die Rundfunkgebühr wollt der Spast; aber das ist ein anderes Kapitel.

Der Schlafentzug zeigt erste Spuren, alles auf slowmo. Nachlegen ist umsonst, sämtliche Körpersysteme kurz vorm Abstürzen. Siebzig Stunden wach und ohne feste Nahrung. Da hilft auch Boliviens Exportschlager Nummer eins nichts mehr. Irgendwann ist einfach zu viel des Guten.

Recht herzlichen Dank liebe Obsession.

Geprügelt, gedemütigt und verzweifelt aus dem Ring gestiegen; niemals gekrochen. Ziellos von einer in die nächste Misere getorkelt.

Unzählige Male die Selbstachtung verloren-kein einziges Mal den Stolz.

Mit gehobenem Kopf scheint der Fall ästhetischer, bisschen Contenance und so´n Scheiß. Immer tanzend. Mit Sonnenbrille.

Und noch während man sich den Aufprall als allerletzte Instanz des eigenen Selbstzerstörungswahns vorstellt, kündigt sich unerwartet Hilfe bei dem Vorhaben an.

Sein Gesicht ist eingefallen, die Konturen der Wangenknochen deutlich auszumachen. Mittlerweile hat sich die noble Blässe in fahles Grau gewandelt, die Stirn voller entzündet aussehender Punkte, tiefe schwarze Ränder unter weit aufgerissenen Augen.

Er wollte immer sein wie Onkel Charlie, geworden ist er das uneheliche, in einer Bahnhofstoilette gezeugte Balg, von Jessy Pinkman und Christiane F.

Ihr Kinder vom Bahnhof Zoo.

Aus jeder seiner Poren dringt das Gift nach außen; vor nicht allzu langer Zeit war ich süchtiger nach seinem Geruch, als nach dem Inhalt seiner Taschen.

Da ist kein Glanz mehr in seinem Blick, sämtliche Erinnerungen getötet.

Will mich erinnern.

Schaff es nicht.

Rastloser Geist randaliert im erschöpften Körper, wirre Gedankengänge, leergekokste Müdigkeit eines  kaputten Wahnsinnigen am Rande der Existenzberechtigung.

Willkommen in meiner Welt, Arschloch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lass los!

Lass los

Lern endlich frei zu fallen

Lass los

Es muss nicht immer nach Plan laufen

Lass los

Alles was bis jetzt war, war nur eine von tausenden Varianten

Lass los

Bevor du innerlich stirbst

Lass los

Du bist doch längst schon kalt

Lass los

Er ist es nicht wert um daran zugrunde zu gehen

Lass los

Weil du einzigartig bist

Lass los

Schieb dir dein Ego in den Arsch

Lass los

Weil Liebe völlig anders geht

Lass los

Er empfindet nicht mal annähernd gleich für dich

Lass los

Er war nur eine Lektion

Lass los

Heb den Kopf und geh einfach weiter nach vorne