#präventivepsychohygiene

Da die Sache mit meiner geplanten Abstinenz genauso super funktioniert, wie mein verfickter-Drecks-Geschirrspüler beherzige ich den Rat aus dem Internet – erstmal tief durchatmen. Der Gestank aus dem defekten Gerät zwingt mich nach einem Hundertstel Atemzug allerdings zur oralen Luftzufuhr- was mich wiederrum so aufregt, dass ich ein weiteres Mal gegen den Krempel schlage und mir dabei die Faust verrenke.
Anschließend schrei ich auch noch den Rechner an, wieso zum Teufel sagt der, mit bisschen Luft holen ist alles super? Arschlochtechnik, atme doch selbst mal tief durch. Wutentbrannt schleudere ich den Laptop in den versifften No-Name-Tellerwäscher und schlage mit der angeknacksten Hand noch mal dagegen – kaum springt die Türe in die Verankerung beginnt das Teil tatsächlich zu waschen. Hätte ich gewusst, wie einfach das ist, hätt ich schon viel eher einen Computer reingedroschen.
Nach der ganzen Aufregung brauch ich was für die Nerven – die beste aller Verlegerinnen hat mir Gott sei Dank Wodka geschenkt. Ich verspreche mir und meiner Leber, den Ramadan auf 2020 zu verlegen, während ich mir die Kaffeetasse voller Stolichnaja fülle und meine Mails übers Handy checke, da das andere Internetgerät gerade ertränkt wird.
Komischerweise entdecke ich eine Nachricht, die von meinem eigenen Account gesendet wurde. Als ich sie fertig gelesen habe, atme ich so tief durch, wie ich kann. Außerdem zähle ich dabei bis hundert um mich zu beruhigen. Bei hundertundeins knallt das Samsung gegen den Schnaps – Gott hat anscheinend Mitleid und lässt beide überleben.
„Was zum Teufel ist denn bei dir los?“, erkundigt sich Mister L., der so unerwartet wie die soeben erhaltene Erpressermail hereinschneit.
„Was zum Teufel willst du hier? Ich hab so schon genug Ärger, lass mich einfach in Ruhe.“, versuche ich ihn abzuwimmeln.
Er versteht kein Wort von dem was sage, die Bumsgeräusche der zwei Elektrogeräte übertönen sogar mein hysterisches Gekeife. Ratlos mustert er mich, mit schüttelndem Kopf öffnet er den Geschirrspüler.
„Was zum Teufel….?“
Ich kralle nach der Flasche Wodka, er fasst sich an den Kopf.
„Kein Geld mehr fürs Antiviren-Programm, oder wieso wäscht deinen PC zusammen mit dem Spaghetti Sieb? erkundigt er sich.
„Weil du sexuell und emotional untauglich bist.“
Wie kann der Kerl bloß so begriffsstutzig sein? Wie kann man mit so einem Spatzenhirn überhaupt lebensfähig sein?
„Und du Irre schießt dich am Vormittag komplett ab, randalierst deine Bude zu Tode und fickst mein Hirn zu Brei.“
Als ob das Rechtfertigung genug wäre, scrolle ich am Display des Handys nach unten, um ihn die Mail zu zeigen.
„Hallo!
Wie Sie vielleicht bemerkt haben, habe ich Ihnen eine E-Mail von Ihrem Konto aus gesendet.
Dies bedeutet, dass ich vollen Zugriff auf Ihr Konto habe.
Ich habe dich jetzt seit ein paar Monaten beobachtet.
Tatsache ist, dass Sie über eine von Ihnen besuchte Website für Erwachsene mit Malware infiziert wurden.
Wenn Sie damit nicht vertraut sind, erkläre ich es Ihnen.
Der Trojaner-Virus ermöglicht mir den vollständigen Zugriff und die Kontrolle über einen Computer oder ein anderes Gerät.
Das heißt, ich kann alles auf Ihrem Bildschirm sehen, Kamera und Mikrofon einschalten, aber Sie wissen nichts davon.
Ich habe auch Zugriff auf alle Ihre Kontakte und Ihre Korrespondenz.
Warum hat Ihr Antivirus keine Malware entdeckt?
Antwort: Meine Malware verwendet den Treiber.
Ich aktualisiere alle vier Stunden die Signaturen, damit Ihr Antivirus nicht verwendet wird.
Ich habe ein Video gemacht, das zeigt, wie du befriedigst dich… in der linken Hälfte des Bildschirms zufriedenstellen,
und in der rechten Hälfte sehen Sie das Video, das Sie angesehen haben.
Mit einem Mausklick kann ich dieses Video an alle Ihre E-Mails und Kontakte in sozialen Netzwerken senden.
Ich kann auch Zugriff auf alle Ihre E-Mail-Korrespondenz und Messenger, die Sie verwenden, posten.
Wenn Sie dies verhindern möchten, übertragen Sie den Betrag von 337€ an meine Bitcoin-Adresse
(wenn Sie nicht wissen, wie Sie dies tun sollen, schreiben Sie an Google: „Buy Bitcoin“).
Meine Bitcoin-Adresse (BTC Wallet) lautet: 1G1qFoadiDxa7zTvppSMJhJi63tNUL3cy7
Nach Zahlungseingang lösche ich das Video und Sie werden mich nie wieder hören.
Ich gebe dir 48 Stunden, um zu bezahlen.
Ich erhalte eine Benachrichtigung, dass Sie diesen Brief gelesen haben, und der Timer funktioniert, wenn Sie diesen Brief sehen.

Eine Beschwerde irgendwo einzureichen ist nicht sinnvoll, da diese E-Mail nicht wie meine Bitcoin-Adresse verfolgt werden kann.
Ich mache keine Fehler.
Wenn ich es herausfinde, dass Sie diese Nachricht mit einer anderen Person geteilt haben, wird das Video sofort verteilt.
Schöne Grüße!“

Mister L.´s Tonfall wird um eine Nuance sanfter, als er fertig gelesen hat und seinen Blick wieder mir zuwendet:
„Und warum bin ich an allem schuld?“
Dreimal bis zum Anschlag Luft in die Lungen pumpen, versuchen die Selbstbeherrschung zu finden.
„Hättest du Idiot mich anständig penetriert, müsste ich nicht ständig Online-Pornos schauen. Dann hätt ich mir auch keinen Virus beim Wichsen eingefangen, sondern maximal eine aufgeribbelte Playstation. Wundgescheuerte Schamlippen erpressen niemand. Und wenn du meinen Geschirrspüler repariert hättest, dann würde mein Rechner noch leben. Es ist alles deine Schuld -ist das so schwer zu begreifen?“
Sein verständnisvolles Nicken will nicht so ganz zu dem unterdrücktem Grinsen passen, das einfach nicht aus seinem Gesicht verschwinden will.
„Du bist ein Idiot, ich hasse dich.“
Er lächelt.
„Je öfter ich das von dir höre, desto mehr verliert es an Wirkung, Babe.“
„Ach ja? Dann fick dich doch selbst. Und außerdem hängt dein Penis schief, du unsensibler Mistkerl“, brülle ich ihn an, renne wütend und barfuß aus der Wohnung um ihn zu beweisen dass es mir Ernst ist, knalle ich auch noch die Eingangstür zu.
„Schatz, du musst nicht aus deiner eigenen Wohnung flüchten“, höre ich ihn noch rufen.
Na der wird sich wundern….

#stillalive

Seine Hand touchiert meinen Kehlkopf, mir stockt der Atem. Wie aus dem Nichts baut sich diese unsichtbar-unerklärbare Wand zwischen seiner und meiner nackten Existenz auf. Zitternd drücke ich ihn von mir weg, so vehement, als ob es ums reinrassige Überleben ginge.
Ich kann ihn nicht mehr ansehen, nicht mehr riechen – alles an diesem Mann ist mir so unglaublich fremd geworden. Sein Schweiß tropft mir ins Gesicht, ich kämpfe gegen den Würgereiz. Hab ich dich nicht mal geliebt?
„Tut das gut?“, fragt er, dickköpfig weiterfickend.
Ich frage, ob er mich ignoriert, oder verarscht.
Er versteht die Frage nicht.
Empathie Behinderung hoch Tausend.
Ich dachte ich könne mit Narzissmus umgehen.
Er legt die Finger um meinen Hals, belehrt mich eines Besseren.

#Deadlinetarzan

Mia und Ron liegen seit Stunden im Schlafzimmer, er im Tiefschlaf, sie beim Schafe Zählen. Mit jedem seiner Schnarch Tiraden stirbt eins ihrer flauschigen Einschlafhilfen, sie hält seine Nase zu. Drückt ihr Kissen auf sein Gesicht. Nach Luft japsend wacht er endlich auf.

Mia: Schatz, du machst komische Geräusche

Ron: (schnaufend): Ich hab geträumt, dass ich ersticke.

Sie krabbelt aus dem Bett um das Fenster zu öffnen, ein wenig Sauerstoff
sollte den Mann beruhigen, denkt sie sich als sie sich wieder an ihn
kuschelt.

Mia: Ich kann nicht schlafen.

Ron: Was ist denn los Babe? Hattest du auch einen Alptraum?

Verständnisvoll schlingt er seine Arme um sie, zieht sie so nah wie
möglich an seinen nackten Körper.

Mia: Nein, aber ich hab so viele Dinge im Kopf, die mir keine Ruhe lassen.

Ron: Willst du darüber reden?

Mia: Scheiß auf Kommunikation, es lebe die Penetration!

Fünf Minuten später

Ron: (schnaufend) Boah was für ne Nacht! So was hab ich noch nie erlebt – du
geiles Luder machst mich vollkommen verrückt.

Mia: Warum hat Tarzan eigentlich keinen Vollbart? Ich meine der Kerl ist
ständig im Urwald und dennoch immer glattrasiert. Da stimmt doch
irgendwas nicht.

Ron: Echt jetzt? Es ist drei Uhr morgens, ich bin mitten im post-orgasmic-
chill-modus und du willst über Tarzan reden?

Mia: Wär dir der Kickl als Gesprächsthema lieber?

Ron: Dir sollte mal jemand den Mund stopfen

Mia: Schon wieder?

Ron: Durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Dschungel würden Haare im Gesicht
stören, deswegen wachsen den ganzen Urvölkern auch keine Bartstoppeln.

Mia: Aha.

Ron: Schlaf gut.

Mia: Und was ist mit Affen? Die haben doch überall Haare.

Ron: Schatz, bitte.

Mia: Glaubst du dass Tarzan nur mit Jane gevögelt hat? Vielleicht hat er bei
Chita geübt? Vielleicht ist das HI-Virus so auf den Menschen übertragen
worden? Vielleicht war auch Mogli nichts anderes als ein
Affenvernaschendes Mistviech?

Ron: Halt endlich die Klappe, oder…

Mia: Oder was?

Ron: Oder ich setz dich im Urwald aus.

Mia: Ich dich auch.

Ron: Schlaf gut.

Mia: Hast du einen Bolzenschneider zu Hause?

Entschlossen steht er auf, visiert die Kommode an, krallt sich die Rolle
Paketband aus der Schublade ehe er zurück zu der Irren in seinem Bett
kriecht…..

#Billa

Ich hätte längst die Kontrolle verloren, außerdem würde ich ohnehin machen was ich will.
Schön! Du Depp! Du willst doch nur, dass ich tue was du willst! Kontrolle? Wozu???
Am Ende bereut niemand fehlende Tugenden! Leben heißt Kontrollverlust du Idiot, ich bin nicht auf der Welt um dir Rechenschaft schuldig zu sein. Ich will L E B E N ! Niemand lamentiert am Sterbebett über mangelnde Normen! Bereuen tut man nur was man nicht gewagt hat…
Den flüchtigen Fick am Bahnhofsklo, die Nase mit dem illegalen Pulver, die kleine Kellnerin mit den riesigen Titten, der Gang Bang in der Tiefgarage, das eigenartig aussehende Sushi ausm Supermarkt, der unbekannte Kerl neben dem Sushi, pures gegrilltes Gluten plus einem Hektoliter Bier zum Frühstück, die unnötige Schlägerei im Autobus, den geliehenen Wagen auf über zweihundert Sachen treten während die fünfte Dose Gin Tonic zerknüllt aus dem Fenster fliegt. Cést la vie.
„Du bist vollkommen durchgeknallt!“
So deppert ist er nur wenn er untervögelt ist, aber ich bin zu sauer um ihn zu stabilisieren.
„Fick dich doch du engstirniger Spießer! Lieber gestört als langweilig, such dir doch eine Billakassiererin.“
Der hat gesessen, die Ader an seiner Schläfe scheint kurz vorm explodieren. Memo an mich selbst – Billa scheint sein wunder Punkt und damit mein zukünftiges Ass im Ärmel zu sein.
Bitte lieber Gott mach dass er keine Wurstblattelverkäuferin bumst. Scheiß aufs Ass, da ist mir sogar die vom Bosporus lieber. Oder von mir aus die Hornhauthobelverkäuferin. Aber bitte nicht die Feinkostfuffie.
Er reißt seinen Schlüsselbund an sich, sucht konzentriert nach einem Gegenargument.
„Du kannst mir meinen Haustürschlüssel nicht zurückgeben, den hab ich schon. Falls du dich erinnerst, haben wir vorgestern zum letzten Mal Schluss gemacht.“
Siegessicher verschränke ich meine Arme vor dem Oberkörper, will den Moment des Triumphs für eine Sekunde auskosten.
„Ich such nicht nach deinem Haustürschlüssel, sondern nach dem für die Gummizelle in die ich dich einsperren werde.“
Hat er doch tatsächlich ein Quäntchen Schlagfertigkeit in seiner Hosentasche gefunden? Oder liegt´s an der Billatante?
Vorsichtshalber fasse ich in seinen Schritt; danke Herr im Himmel! Keine Erektion ist gleich keine Wurstblattlfiffie Fickgeschichte.
Sein Penis wirkt nicht weniger irritiert als er selbst, ich nutze die kurze Auszeit um zu flüchten und mich endlich der teuer erkauften Scheinharmonie hinzugeben. Ohne alles geht nur allein….

#gaslightning

Ich stampfe als wäre ich wütend auf den Boden, trample die Treppe hinauf und reiße die Tür zu seinem Büro auf. Als er mich sieht, strahlt er übers ganze Gesicht, was für eine angenehme Überraschung versucht er mich ein zu lullen. Sein Lachen erfriert erst, als ich das Handy auf den Tisch knalle und ihm sage er solle doch die kleine Whatsapp Fotze verarschen, es wäre aus zwischen uns.
Er versucht mich zu halten, ich reise mich von ihm los, höre ihn noch sagen, dass ich völlig durchgeknallt wäre und spring wieder ins Auto. Um der Theatralik noch ein wenig mehr Strahlkraft zu verleihen dampfe ich mit quietschenden Reifen vom Parkplatz.
Nichts wie weg hier, ich will ihn nicht mehr sehen. Und spüren will ich auch nichts mehr. Vollgepackt mit tollen Sachen die das Leben toller machen – hinein ins Weekend-Feeling. Trennungsarbeit mit chemischer Unterstützung, beinahe schon zu einfach. Mit einem Mal ist es mir egal, auch wenn acht Uhr Morgens ein wenig Früh für das starke Zeug ist. Zumindest lindert es alles was es sollte. Tiefenentspannt lasse ich mich aufs Sofa fallen, merke dass meine Beine ihren Dienst versagen.
Ich will seine Nachrichten nicht lesen, reagiere auf nichts mehr, dämmere langsam weg als ich höre, wie jemand den Schlüssel ins Schloss steckt. Hoffentlich ist es nicht der Vermieter, hier sieht´s aus wie einer Crystal-Meth-Küche. Mister L schießt auf mich zu, reißt mich am Shirt hoch zerrt mich vor den Spiegel im Vorraum und schreit mich an: „Schau dir mal deine Augen an, glaubst du ich bin blind? Ich weiß genau dass du es schon wieder genommen hast!“
Er knallt mir eine, ich stoß ihn von mir weg.
„DU bist derjenige der Mist gebaut hat, nicht ich“, schnauze ich ihn an.
Wieder fange ich mir eine ein, er zieht mich an sich, drückt seinen Körper gegen meinen. Ich küsse ihn, er zieht seinen Gürtel aus der Hose, reißt meine Short nach unten. Trotz aller Gegenwehr schafft er es mich zu bändigen um mir das Hinterteil zu Striemen. Ich schreie ihn an, er soll aufhören. Mit einem Ruck dreht er mich um, schiebt sich auf mich und drückt meine Beine auseinander.
„Soll ich mal in deinem Handy herumschnüffeln?“
Sprachst und versenkte sich in mir.

#Datenschutz

Kaum das ich das Ruder wieder rumgerissen habe, um mich aus dem gröbsten Schlamassel hinaus zu hieven bemerke ich eine immer energischere Unruhe in mir aufkeimen. Man müsste meinen, der Mensch wird ruhig wenn er wieder Strom, fließend Wasser, eine funktionierende Heizung und ein futzikleines Plus am Konto hat. Falsch geglaubt, mich nervt diese Idylle schon nach zwei Atemzügen wieder. Mir ist nicht nach Harmonie, erstens sitzen meine Haare nicht so wie sie sollen und zweitens riechen meine Schuhe nach Pisse und drittens regt mich der Kickl so auf, dass ich Angst habe mir etwas anzutun wenn ich meine Wut nicht loswerde.
Mein Kater läuft mit einem schwarzen Schal zwischen den Zähnen an mir vorbei, ich sage pfui gib das wieder her, oder willst den auch noch vollpissen? Da er ihn nicht allzu sehr angesabbert hat, wickle ich mein Gesicht damit ein, alles außer den Augen. Plötzlich steht Mister L. im Flur, starrt mich verdutzt an.
„Was zum Teufel treibst du da? Wieso trägst du ne Burka?“ ,lächelnd kommt er näher, legt seine Hände auf meine Hüften und sagt dass ich ihm gefehlt hätte.
„Weil ich gegen das Vermummungsverbot demonstrieren werde. Das lass ich mir aus Datenschutzgründen nicht mehr gefallen, die können mich alle mal!“, nuschle ich in den selbstgebastelten Vollschleier, der mir immer über die Augen rutscht. Seine Hände fassen unter mein Shirt, ich sag hör auf abzulenken. Das wäre ein wichtiges politisches Thema, dass uns schließlich alle was angeht. Wo wären wir schließlich heute, wenn Adolf statt nach Polen zu spazieren immer nur geschnackselt hätte? Ja, genau – am Rande der Bedeutungslosigkeit. Will aus seiner Umarmung fliehen, wieder verdeckt mir der Stoff die Sicht, damit mich das heimtückische Katzenvieh auch noch zum Stolpern bringt, indem es einfach vor meine Beine hüpft.
Statt Mister L´s Arm erwische ich den Kleiderständer um mich festzuhalten, knalle ich mitsamt der Garderobe vor seine Füße. Ich kann immer noch nichts sehen, als er mich hoch zieht und fest am Krawattel packt.
„Es ist an der Zeit was gegen deine Unruhe zu unternehmen, bevor du noch einen Krieg anzettelst“ ,meint er als er mich vor sich herschiebt, meine Arme auf den Rücken dreht, meine Hose nach unten zieht. Ich widerspreche kleinlaut, er blättert auch noch mein Oberteil über den vermummten Kopf, drückt meinen nackten Körper gegen die Glasfront vom Balkon und öffnet den Reissverschluss seiner Jeans.
„Keine Sorge wegen der Spanner. Die können dich aus datenschutzrechtlicher Verschleierung nicht erkennen“, flüstert er mir zu um sich endlich meiner Nervosität anzunehmen.
Halleluja.

#Mantra

Immer noch betäubt erreiche ich als frisch gebackener Single Kärnten, fest entschlossen nicht in Selbstmitleid zu versacken. Trübsal ist schließlich nicht alles was man blasen kann.
Je mehr die Wirkung des Opiats nachlässt, desto mehr meldet sich meine Libido zurück. Zwischen Liebeskummer, Entzug und Bumsbedürfnis taumelnd, krame ich im Kleiderschrank nach was Passendem zum Weggehen, während ich mein Mantra verinnerliche: Nein zu Heroin. Nein zu Beziehungskisten. Ja zu belanglosem Sex mit Unbekannten. Im Namen des Vaters, des Sohnes, des heiligen Geistes. Amen.
Entscheide mich für die einzige Jean, bei der ich den Knopf noch zubekomme plus ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck: „Want to fuck my Boyfriend“, auch wenn mein Gemüt eher nach „Want to kill myself“ verlangt und ich außerdem ja gar keinen Boyfriend mehr habe. Aber man kann schließlich nicht alles im Leben haben.
Die Schlange vor dem Club ist kürzer als angenommen, für gewöhnlich geht hier samstags die Post ab. Monatsende sei immer ruhig, erklärt mir der Türsteher. Kurz vor Ersten ist das Leben am Schwersten, er drückt den Stempel auf meinen Handrücken und wünscht mir viel Spaß.
Eng umschlungen steht ein junges Pärchen zwischen mir und der Theke. Ich frag mich ob die beiden überhaupt schon Schamhaare haben, die sehen aus als wären sie direkt aus der Sandkiste in die Disko gekommen.
„In eurem Alter hab ich noch Kastanientiere gebastelt!“, schreie ich die Turteltauben an, drohe damit ihre Mütter anzurufen wenn sie nicht auf der Stelle aufhören mit dem Heavy-Petting an der Theke. Wie soll man denn da zu einem Bier kommen?
Genervt löst sich der Jüngling von seiner Gespielin, zeigt mir den Vogel. Vorsichtshalber mustert er mich dann doch, bemerkt die Aufschrift auf meinem Shirt. Grinst.
„Ach und wo ist dein Kerl?“, will er von mir wissen. Plötzlich dreht sich auch sein Blondchen in meine Richtung, starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an, fasst nach meiner Hand und zieht mich an sich….

Meer sehen

Kopf verklebt. Digitale Überdosis. Muss hier raus. Dringend. Festplatte formatieren. Maschine runterfahren. Lass uns bitte ans Meer fahren.
Weg mit dem Gift, schmeiß es einfach ins Klo. Oder doch nicht? Den letzten Rest kann ich ebensogut wegballern, oder?
Vielleicht ist das Meer dann noch schöner? Ob sich die beiden Tranquilizer in ihrer Wirkung verstärken?
Vorsichtig falte ich das kleine Briefchen mit dem braunen Pulver wieder zusammen.
Er verspätet sich, vielleicht sollte ich jetzt schon was nehmen? Nur eine ganz Kleine. Aber was, wenn er es bemerkt? Scheiß drauf, nur ein klein Wenig.
Ich verstecke meine Stecknadelkopf-Kleinen Pupillen hinter einer verspiegelten Sonnenbrille, als ich zu ihm in den Wagen steige. Küsse ihn flüchtig auf die Wange, konzentriere mich darauf den Juckreiz zu ignorieren. Seine Hand streichelt über meinen Oberschenkel, ich hab keine Lust auf Autofahrfummeln, stoße ihn weg. Kratze mich, sag er soll sich bitte auf den Verkehr konzentrieren. Er beschwert sich, dass wir keinen Verkehr hätten. Ich kratze meinen Knöchel blutig. Er sagt, waschen nicht kratzen.
„Das sind sicher die Filzläuse die du dir bei deiner Putzfrau geholt hast“, fauche ich zurück.
Er lacht nicht.
Hinter dem Parkplatz erreichen wir die Treppe, fünf Stufen höher stehen wir über der Brandung, rauschende Wassermassen an den Felsen unter uns. Er nimmt meine Hand, zieht mich Richtung Meer. Vorsichtig klettern wir nach unten bleiben auf einem der Steine sitzen. Wie hypnotisiert starren wir aufs Wasser, mit jeder einzelnen Welle die unter unseren Füßen aufs schwarze Gestein brescht wird’s ein bisschen ruhiger im Kopf. Solange bis ich mir die zweite Wade aufkratze und er mich mit traurigen Blick anstarrt. Ohne ein Wort zu sagen, steht er auf.
„Wo willst du hin?“
Erst als er zurück auf den Weg geklettert ist, dreht er sich nochmal zu mir um:
„Ich kann dich nicht vor dir selbst retten.“
Frag mich noch was er wohl damit meint, als er weggeht. Krame das übriggebliebene H raus, soll er sich doch verpissen dann muss ich wenigstens nicht mehr heimlich gifteln. Und ich Idiot dachte, man könne Meer sehen.

#Ruhe

„Welcher normale Mensch tut das?“
Ui, er klingt sauer. Ich sollte mich schnell ausziehen.
Gewöhnlich beruhigen sich Männer beim Anblick von Brüsten.
Weg mit dem Oberteil.
Mister L´s Kopf wird rot, es verschlägt ihn für einen Augenblick die Stimme, die kleine Ader über seiner Augenbraue scheint als stünde sie kurz vorm explodieren. Komisch. So hat er noch nie auf meine Titten reagiert. Ob ich mich ganz ausziehen sollte um ihn zu beruhigen?
Schlechte Idee – als ich den Knopf der Jean öffnen will beginnt die Brüllerei von vorne.
„Das ist alles was dir dazu einfällt? Weißt du eigentlich was du mir damit antust? Du hast versprochen es nicht mehr zu tun!“
Was zu tun? Mich auszuziehen?
Dann zieh ich halt ihn aus.
Er schreit mich immer noch an, als ich einen beherzten Schritt in seine Richtung mache, um den Bund seiner Hose zu erwischen. Erst als ich sie ihn bis zu den Knöcheln runter reisse, verstummt er. Ich stoß mir beim Aufstehen den Kopf an seinem Penis.
„Boah geil, heute keine Unterwäsche Baby?“
Plötzlich packt er mich an den Schultern, drückt mein Gesicht zurück auf Schanzhöhe.
„Halt endlich die Klappe, oder du landest wirklich in China“, kaum hat er mir den Mund gestopft, hält er selbst auch mal die Schnauze.
Endlich Ruhe.
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

#untenohne

Nachdem ich seine Unterhosen die er bei mir liegen gelassen hat,im Netz an irgendwelche Perversen aus China verkauft habe, fühl ich mich besser. Soll er halt den ganzen Tag eierschaukelnd herumlaufen, wenn er glaubt mir nicht zu zu hören. Das lass ich mir sicher nicht gefallen. Was kann ich dafür, dass er ein Unterhosenproblem hat? Unsensibler Idiot.
Wenn er schon eine Staatsaffäre daraus macht, dann sorge ich dafür, dass es eine wird. Drama kann ich auch. Mit dem flüchtigen Hinweis dass ich seine depperten Popowärmer nach Asien vertschechert hab beende ich das Telefonat, ohne ihn ein einziges Mal zu Wort kommen zu lassen.
Rache kann so wunderbar befreiend sein, wenn auch moralisch nicht ganz okay – aber sein wir uns mal ehrlich – es ist wie mit Fremdficken oder Steuerhinterziehung – jeder schimpft darüber – aber jeder macht es.
So, jetzt ignoriere ich den Mistkerl erstmal, damit er weiß wie ernst mir das ist. Meine Probleme sind schließlich viel wichtiger, so ein Egoist aber auch. Ich überlege ob ich nicht Schluss machen sollte, tippe ich die Unhappy-End-Message ins Handy: „Das war’s du ichfixierter, egomanischer Unterhosennazi. Ich hab auch Gefühle du Arschloch. Ich will dich nie wieder sehen. Habe meinen Job gekündigt, die Wohnung auch und verschwinde ins Ausland. Nach CHINA!!!! Für immer. Du eiskalter Gefühlskrüppel. Fick dich.“
Damit er weiß, dass ich es Ernst meine schicke ich noch ein Foto der Chinesischen Mauer hinterher, und eins eines Werbeprospektes vom KIK – kauf 3 zahl 2 – Herrenslips für 5,99. Anschließend sperre ich ihn auf WhatsApp. Diesmal ist es mir ernst – zumindest das mit mit meinen Gefühlen und KIK.
„Aber er hat doch auch Gefühle? Vielleicht wird Penissen beim rumschaukeln schwindelig?“
Der Stimme im Kopf zufolge, wirken die Tabletten langsam. Ich entsperre ihn wieder und schreib Entschuldigung, das müssen die Nebenwirkungen vom den Pillen sein.
Er: Welche Tabletten hast du geschluckt?
Ich: „Vitamin B für die Nerven. Nachtkerzen öl wegen PMS. Magnesium gegen Wadenkrämpfe, Johanniskraut wegen der Herbstdepression, Schwarzkümmelöl wegen der Zecken, Birkenblättertee wegen dem Entgiften und zwei Valium. Sonst nichts! Ich versteh das nicht? Vielleicht ist das eine psychische Überreaktion?
Er: Du bist eine wandelnde Überreaktion mit einem Nahrungsergänzungsmittel Problem!
Ich :Und du hast schaukelnde Genitalien.
Er: Alles gute für deine Zukunft. Ich bring dir deinen Wohnungsschlüssel und deinen restlichen Kram Abend vorbei, das wars endgültig. Es ist aus zwischen uns.
Mir scheint, dass auch er unter PMS leidet. Der Arme braucht Hilfe. Ich löse fünf der Beruhigungspillen in Wodka auf, vorsichtshalber schütte ich auch noch flüssiges Viagra hinein – das kann bei den Downern mit Hochprozentigen sicher nicht schaden? Bisschen ein Ausgleich für den Fall dass es ihn umhaut, seinen kleinen Prinzen sicher nicht! Unterhaltungstechnische Planung ist das A und O um jemand ohne Zustimmung zu sedieren. Aber ich mach das nur zu seinem Besten. Als Zeichen meiner Kompetenz stopf ich noch Vitaminbrause in den Inkognito-Friedensangebotcocktail – wenn er das trinkt geht’s ihm sicher bald besser. Ich bin ja plötzlich auch wieder okay!

Soweit die Theorie.

Als ich mit dem getunten Versöhnungsschnaps vor seiner Türe stehe, wirkt er irgendwie nicht in Partystimmung. Vielleicht weil ich die Hälfte schon auf der Fahrt getrunken habe? Ist irgendwie unhöflich mit ner halb vollen auf Versöhnungssex vorbeizuschauen. Vielleicht liegts aber auch an der Uhrzeit. Ich glaube er trinkt für gewöhnlich nicht am Vormittag.
Was da in der Flasche ist, fährt er mich an.
Wodka, erklär ich. Der wäre schließlich kalorienarm.
Ob ich mir selbst Drogen in den Schnaps geschmissen habe, fragt er als er mir die Flasche aus der Hand reissst, und auf die nicht aufgelösten Pillenkrümel deutet und mich darauf aufmerkam macht das original Absolut nicht grün schimmert.
„Vielleicht ist er schlecht? Probier ihn du mal?“
Er schlingt seine Arme um meine Taille als ich das Gleichgewicht verliere und wie ein nasser Sack über die Treppe stolpere, hält mich im letzten Moment fest und zieht mcih an sich:
„Soso Schätzchen. Nach China? Mit drei Euro fünfzehn wird’s schwierig werden eine passende Verbindung zu finden? Und mit einer Überdosis sowieso.“ , höre ich ihn noch sagen
Verdammt er hat das Spiel durchschaut.