Über den Wechsel der Perspektive

Ihr Lächeln haut mich um ein Haar um, als sie mir die Tür öffnet. Längst schon ist die Sonne hinter den Bergen verschwunden, die einzige Lichtquelle stammt aus dem Flur ihrer Wohnung. Kann mich nicht daran erinnern, wann es zum letzten Mal so stockdunkel gewesen ist; es ist noch nicht mal so spät, doch längst hat die Winterzeit wieder den Steuerknüppel der Herbstdepression übernommen.

Doch die scheint mit einem Schlag wie weggewischt, Lauras Grinsen zaubert auch mir augenblicklich eins ins Gesicht.

„Schön, dass du Zeit hast. Komm rein.“

Küssen uns flüchtig auf die Wangen, unschuldig wie ich es nie gewesen bin.

„Wo hast denn deine schlechtere Hälfte gelassen?“

Lasse mich auf die schwarze Ledercouch fallen, während sie ein Glas aus dem Schrank holt.

„Ach Maja, lass mich bloß mit dem Idioten in Ruhe. Alles Arschlöcher.“

Ziehe die kleine Tüte mit Northern Lights aus der Jean, ohne sie auch nur einen einzigen Moment aus den Augen zu lassen.

„Hab ich dir ja gesagt. Hast du zufällig Papers?“

Dort wo die weiße Spitze ihres Nachthemds aufhört, fängt Lauras Gänsehaut erst an, zieht sich über ihr Dekollete´, ihre Arme. Die langen Haare trägt sie offen, blonde Locken fallen ihr übers Gesicht, zeichnen die Konturen ihres Profils, in dessen Mitte blitzblaue Augen heraus stechen.
Als sie sich umdreht, um mir Wein und OCB zu holen, kann ich nicht anders und muss ihren Hintern anstarren. Wie eine zweite Haut schmiegt sich der Stoff um ihre perfekten Rundungen, wie ein Raubtier das Blut geleckt hat, verwandelt sich mein Unterbewusstsein in ein Instinktgesteurtes Triebtäterdings.
Baby….
Barfuß fegt sie durch die Wohnung, sammelt die essentiellen Bestandteile eines gelungenen Abends ein, pflanzt sich neben mich und dreht Wanda auf Anschlag.

Entspannt, Zentimeter für Zentimeter lässt sie sich tiefer in die Kissen fallen, die systematisch angeordnet in der einzigen Ecke der Couch gestapelt herumliegen, einzig und allein die Augen, die immer noch wach den Überblick behalten.

Lauras Tiefenentspanntheit überträgt sich sekundenschnell auf mich, ich vergesse beinahe sie danach zu fragen, woher die zarte, weiße Staubschicht auf ihrem Glastisch kommt, ehe ich meinen Kopf auf ihren Körper fallen- und von ihr streicheln lasse.

Vorsichtig zeichnen ihre Fingerspitzen die Konturen meines Gesichts nach, streifen lose Haarsträhnen nach hinten, mustert mich ausgiebig, senkt den Kopf, küsst mich.

Erst nur zaghaft, komme ihr entgegen, streichle über ihren Kopf, öffne meinen Mund. Wie Teenager, die´s zum ersten Mal machen, unbeholfen und dennoch geschickt heizen wir uns ein. Als meine Hände auf ihren Brüsten landen, werden ihre Augen mit einem Schlag tiefschwarz, die Pupillen explodieren, genauso wie ihre Nippel, die sich wie Radiergummi unter der Seide abzeichnen. Schieb ihr Nachthemd über die Schultern, ihre Zunge tief in meinem Mund, Fingerspitzen unter meiner Bluse.

Drück ihren perfekten Körper zu Boden, splitterfasernackt liegt sie auf dem Parkett. Kann mich nicht satt sehen an ihr, räkelt sich provokant, fickt mich mit ihrem Blick.

Wieso hat mir nie jemand gesagt, wie geil Frauen sind?

Paralysierter Moment

Paralysiert nach innen reißender Blick, in unbekannte Sphären schnalzender Puls, nie zuvor hat sich ein Lächeln so warm angefühlt, wie das des Fremden neben mir.

Der Moment, an dem man sich fragt, wie es sein kann, dass man sich nach einigen Augenblicken so vertraut und alles andere als unbekannt spürt. Haben die Verabredung gefühlte tausend Mal an- und wieder abgesagt, bevor wir es endlich geschafft haben und uns gegenüber stehen.

Müssen beide lachen, als wir den Größenunterschied bemerken.

„Du bist ja echt eine riesige Frau.“

„Ja, schaut aufm Bildschirm gar nicht so schlimm aus.“

Bin nicht weniger angetan von ihm, als umgekehrt. Eine gewaltige positive Ausstrahlung knallt mir direkt entgegen, bin unschlüssig was da eben passiert, entscheide mich dafür, dass es ja eh egal ist, solang es so gut kommt.

Als würde all der Mist vergangener Monate mit einem Mal von mir abfallen, unsicher wann ich mich zum letzten Mal so großartig in der Gegenwart eines Mannes gefühlt habe, genieße den Moment.

Wir feixen ohne Ende, am liebsten würde ich ihn sofort küssen und mit ihm nach Hause, doch eine bis dato unbekannte Stimme hält mich zurück. Wundere mich erst noch über meine Reaktion, doch als ich mich sagen höre, dass es nicht mein Stil sei, beim ersten Date die Nacht miteinander zu verbringen, habe ich absolut keine Ahnung was mit mir los ist. Den Satz hab ich erst ein einziges Mal zu einem Mann gesagt; das ist schon eine Zeit lang her, außerdem war ich da übelst verliebt. Was bitte ist mit mir los? Ansonsten bin ich  der lieber-vorvorgestern- als-Morgen-gefickt-Typ Frau.

Ganz besonders wenn der Mann nicht unwesentlich kleiner ist als ich. Scheiß auf die Oberflächlichen Prinzipien, lass dich darauf ein. Als wir beide auf Barhockern sitzen, fällt mir der Größenunterschied nicht mehr auf; losgelöst erzählen wir beide von unseren bisherigen Online-Dating Erlebnissen

„Kennst das Gefühl, wenn du meinst jemand schon dein ganzes Leben zu kennen, obwohl ihn erst vor einer Minute getroffen hast?“
„Keine schweren Fragen, beim ersten Getränk“

Unlösbar klebt mein Fokus in seinem Blick; der Energiefluss zwischen uns beiden scheint beinahe greifbar, so stark zieht er seine Bahnen durch den Raum.

Leeren unsere Drinks, zögernd fasst er an meine Hand, scheu wie ein Reh traut er sich kein einziges Mal in meine Augen zu sehen, spazieren über den menschenleeren Parkplatz.

Und zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, bin ich tatsächlich zu zweit.

Mister Lover Lover Libanon

2015-03-07 21.31.44

Bin zum Babysitten verdonnert worden, wobei das Baby mittlerweile 17 und mitten in der Pubertät ist. Mein Bruder und sein gleichaltriger, mindestens genauso groß und altersentsprechend genauso bescheuerter Freund Lukas, wollen bei der Affenhitze natürlich zum See.

Großartig.

Und ich will dreißigtausend Euro, einen Ford Mustang Shelby GT und einen dreiundzwanzigjährigen, gut gebauten, äußerst potenten Brasilianer. Aber wer fragt mich schon.

Wunderbar so ein Ufer, vollgestopft mit laut grölenden, vor sich hin schwitzenden,  versifften und angesoffenem Pöbel. Nicht das ich ungern am Wasser  wäre, aber das Publikum auf diesem einem Strand ist die Steigerung vom Kaisermühlenblues. In der Balkan Version. Ich wundere mich, wieso eigentlich noch niemand offenes Feuer gemacht, und ein Spanferkel darüber gehängt hat.

Doch noch bevor ich die Frage laut stelle, denke ich mir es wäre besser die Klappe zu halten, ehe noch einer den Gedanken in die Tat umsetzt.

Keine drei Sekunden nachdem wir uns mittendrin statt nur dabei die Handtücher aufgebreitet haben, dringt die spannende Geräuschkulisse die uns umgibt bis in mein Bewusstsein

„Ey, isch figg deine Mudda du Hurensohn“ die Meldung aus dem Mund einer von mir auf zwölf Jahren geschätzten kleinen Dunkelhaarigen zaubert mir ein entspanntes Grinsen auf die Lippen.

Lautes Gelächter auch von Seiten meiner zwei Riesenbabys, die mich mit ihrem Gelaber über Bushido und  die Titten einer gewissen Jaqueline  beinahe in den Wahnsinn treiben. Ich  frage mich ob ich in dem Alter genauso viel Mist verzapft habe, stehe auf und streife mir das Strandkleid über den Kopf.

Plötzlich ist es still.

„Maja, die schauen dich alle an…“

Ich habe die ungeteilte Aufmerksamkeit meines Bruders und scheinbar auch die von circa hundertfünfzig anderen Badegästen als ich mit meinen 182 cm nackt mitten auf der Liegewiese stehe.

„Scheiß dich nicht an Michi“

Gott, wie schön ist diese herrliche Ruhe.

Genieße die Blicke noch einen Moment bevor ich mir zumindest ein Bikiunterteil  anziehe, mich wieder in die Waagrechte begebe und meine Brüste in die Sonne lege.

Lukas schaut mich verstohlen an.

„Hattest du nicht mal ein Bauchnabelpiercing?“

Bemerkenswerte Beobachtungsgabe der Junge.

„Ja das hab ich nur tiefergelegt.“

Die Farbe seines Kopfs lässt auf einen Sonnenstich schließen, als ich den Satz zu Ende gesprochen habe.

Es hat funktioniert und die Beiden verschwinden Richtung Strandbar. Gut so. Endlich Ruhe. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Döse vor mich hin, werfe ab und zu einen Blick rund um mich herum, versichere mich, dass die Dumpfbacken okay sind und checke die Umgebung nach etwas Abendunterhaltung ab.

Tatsächlich kreuzt  ein junger Mann meinen Fokus, Prädikat „äußerst fickbar“.

Das schwarzäugige Muskelpaket mit  kurzen Haaren und sonnengebräunter Haut lässt mich und meinen Instinkt aus der Siesta erwachen.Für den Bruchteil einer Sekunde kreuzen sich unsere Blicke, starten den Turbo und ich weiß nicht mehr ob ich so heiß wegen des Wetters oder des Kerls bin.

Ebenso schnell wie mein Kopf Kino angeht ist er leider schon wieder aus der Bildfläche verschwunden. Mist.

Stunden später hab ich die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihm bereits aufgegeben und wir beschließen den Heimweg anzutreten.

Wie aus dem Nichts steht er plötzlich vor mir:

„Gehst etwa schon?“

Völlig perplex kann ich nicht aufhören ihn anzustarren.

„Ja, ich muss mal die zwei Jungs nach Hause bringen.“

„Aha. Und was machen wir zwei dann später noch?“

Da wird mir bestimmt noch was einfallen, denke ich mir, drücke ihm einen Zettel in die Hand, auf dem meine Nummer gekritzelt ist und liefere Michael und Lukas wieder bei deren Erzeugern ab. Wie schön sind Kinder, wenn man sie wieder zurück an den Absender schicken kann. Herrlich.

Stehe am Balkon meiner Wohnung, blase süßen Rauch in den sternenklaren Himmel und im gleichen Augenblick in dem ich mich frage wie libanesisch geht, piepst mein Handy.

„Sehen wir uns noch?“

Gutes Timing, Baby.

„Ja klar. Magst zu mir kommen?“
Zehn Minuten darauf öffne ich ihm splitterfasernackt die Türe, und Mister Libanon scheint sichtlich verwirrt.

„Willst vorher nicht bissl reden?“

Irritiert kann er dennoch seine Augen nicht von mir lassen.

„Nein, ich will ficken. Nicht reden.“

Als ob sämtliche seiner Synapsen auf Standbild eingestellt wäre, bewegt er sich keinen Millimeter. Für eine gefühlte Ewigkeit scheint die Szene eingefroren.

Wie aus dem Nichts schüttelt  er seinen Kopf, fasst mir an die Brüste und küsst mich.

„Wo ist denn hier das Schlafzimmer?“

Juhu, Schockstarre überwunden.

Küsse ihn zurück, seine Zunge ist richtig talentiert und ich frag mich ob er wohl überall so heiß schmeckt.

Meine Hände wandern tiefer, genauso wie auch mein Kopf, vorsichtig streife ich seine Short nach unten, und sauge den irrsinnig machenden Geruch seines großartigen Körpers ein.

Den und seinen Ständer, so tief wie möglich.

Unerwartet heftig hält er auf einmal meine Arme fest, zieht seinen zugegebenermaßen winzigen Schwanz aus meinem Mund, schreit einmal laut auf und spritzt mir mitten ins Gesicht.

Nach nicht mal dreißig Sekunden.

Ich bin scheinbar im falschen Film. Mister Lover Lover Libanon du kleiner Schnellspritzer.

Benommen sinkt er aufs Bett und flüstert irgendwas wie:

„Du bist so geil“

Das ist echt sein Ernst. Der ist fix und fertig.
Wische mir mit seiner Boxershort das klebrige Zeug von dem Augen.

Kurzer Griff in die Schublade des Nachtkästchens und mein bester Freund aus Plastik eilt mir zur Hilfe. Während mein Date immer noch nach Luft röchelt, stelle ich mich neben ihn ans Bett, einen Fuß auf den schwarzen Metallrahmen der Pritsche gelehnt.

Stecke mir den roten Vibrator erst in den Mund, dann ganz langsam in meine längst überfällige Fotze, die ihr Abendessen mit schmatzenden Geräuschen verschlingt. Und wieder ausspuckt. Und wieder verschlingt.

Die Augen meines immer noch leicht lädierten Fickers werden immer größer, seine Hände wandern zum Kunststoffkonkurenten, er nimmt ihn mir weg und macht mit Händen und Zunge dort weiter wo Mister Fridolin aufgehört hat.

Steckt mir zwei Finger in den Arsch während seine  Zungenspitze Tango am Gipfel meiner geilsten Stelle tanzt. Leckt mich bis zur Besinnungslosigkeit, zucke, schreie, zittere und schreie nochmal.

Vollkommen tiefenentspannt kuschle ich mich in seine Arme, wir rauchen den Ofen fertig, der im Aschebecher gelegen hat.

„Babe, es ist voll scheiße.“

Sein Gesichtsausdruck lässt eine ernste Ansprache erwarten, gespannt warte ich auf seine Fortsetzung

„Warum? Was meinst denn?“
„Weist meine Eltern sind strenge Moslems, wenn die wissen dass ich mich mit dir treffe, bringe ich Schande über meine Familie.“

Sein Dackelblick könnte glatt jemand umhauen. Jemand anderen.

Pruste laut los und kann mich vor Lachen kaum halten.

„Schnucki, ich wollt dich nur ficken. Und jetzt schmeiß ich dich raus. Muss morgen früh aufstehen.“

Humor ist nicht so das Ding vom Libanon.

Sieht mich etwas angepisst an, als er sich anzieht und wieder verschwindet.