#winterschlaf

Anstatt reumütig Rückschau aufs fast verstrichene Jahrzehnt zu halten, übe ich mich in unspektakulärer Gleichgültigkeit diesem ganzen Zirkus gegenüber. Statt Party Party Party, Schlafi Schlafi Schlafi?

Mein Psychiater meint, dass liege an der endlich wirkenden Medikation. Vielleicht.
Statt Feuerwerk und Champagner brodelts Ohropax, Strattera und Kukident?
Was für eine Scheiße.
Ich meine das liegt am zu niedrigen Vitamin D Spiegel.
Ohne D kein Dopamin. Ohne Dopamin kein Kokain. Vielleicht.

Doktor Google meint ich hätte entweder Narkolepsie oder einen Gehirntumor.
Vielleicht aber auch beides. Jackpot. Vielleicht.

Mein Hausverstand weißt mich auf die minimale Möglichkeit hin, dass die Ursache meiner Antriebsschwäche durch einen Mangel an Aufputschmitteln verursacht worden sein könnte.
Nie wieder Billa.
Der Schnuckiputz von nebenan schickt mir Dicpics zum Jahreswechsel – formvollendet schmiegt sich zweitausendzwanzig in die Rundungen seiner Genitalien. Contenance war gestern – mein Mund steht genauso offen, wie der meiner Putzfrau hinter mir.
„Haben Sie nichts zu tun, oder wieso starren sie auf mein Handy?“, fauche ich nachdem ich mich wieder gefasst habe.
„Tschuldigung Chefin, aber ich leider kein WLAN auf meine Gerät. Deswegen bissel mitschauen bei dir.“
Bitte Google schick einen Tumor.

Bye bye

Präfrontaler Kortex weniger als einen Millimeter vorm Zerspringen
Zu komplex – in sich greifende Gedankenstränge redimensionieren mein Sein
Ersticken dieses fragile Wesen – alles Greifbare zerbombt
Pures, unverfälschtes Nichts am Ende des Synapsentornados.
Bitte lass mich endlich gehen-
Verlieren wir uns doch beim nächsten Mal?

#Geschlechtsverkehrsminister

Obwohl ich mich warm angezogen habe, fröstelt es mich schon nach den ersten paar hundert Metern. Der Sommer ist eindeutig vorbei, denke ich mir als der erste Windstoß meine frisch gekämmten Haare in ein chaotisch aussehendes Vogelnest verwandelt. Vielleicht sollte ich nochmal umkehren um eine dickere Jacke und eine Mütze zu holen?
Ach was, schließlich wird’s einem beim Spazieren eh warm. Man muss halt nur lang genug gehen.
Kaum dass ich die Betonklötze der Innenstadt hinter mir lasse, versiegt der Asphalt zu einer engen Schotterstraße die mich an einer Lichtung entlang direkt in den Wald führt. Nach einer knackigen Bergauf Etappe mitten durchs Geäst, bin ich so aufgeheizt dass ich mein Sweatshirt ausziehe und es mir über die Hüften binde. Gott sei Dank hab ich nicht noch einen Pulli eingepackt, schießt es mir in den Sinn.
Wobei ein BH vielleicht nicht so blöd gewesen wäre. Unter meinem weißen Trägertop zeichnen sich baumelnde Titten ab, die bei jedem Schritt aus dem Ausschnitt zu hüpfen scheinen.
Scheiß drauf, hier sieht mich eh keiner, und wenn ich wieder aus der Wildnis raus bin zieh ich mir halt was über.
Stapfe gedankenverloren über die Forststraße, bemerke weder die Buntheit die der Oktober ins Blättermeer gezaubert hat – noch den Wagen der hinter mir her rollt. Unfassbar wie unaufmerksam Menschen ohne WLAN heutzutage noch sein können. ADHS sei Dank.
Und noch während ich mich frage, ob Geschlechtsverkehrsministerin ein anerkanntes Berufsziel für Langzeitarbeitslose sei, höre ich plötzlich Bremsgeräusche hinter mir.
Und noch während ich mich frage, ob mein Arbeitsamt Betreuer mich zu Kontrollzwecken stalkt, wird eine Türe laut scheppernd aufgerissen und ich von starken Händen gepackt.
Hätte wohl doch nicht ohne Tittenwärmer rausgehen sollen, schießt es mir durchs Hirn als ein chemisch stinkendes Tuch unter meine Nase gedrückt wird.
Ob Frauen mit eingepackten Hupen tendenziell seltener gechloroformed werden?
Ob das AMS Chloroform zu Resozialisierungszwecken zweckentfremden darf?
Ob Sexualstraftäter neuerdings alte, dicke Frauen entführen?
Fühle wie meine Knie weich werden, nachgeben. Ich sacke wie ein nasser Sack zu Boden und verliere das Bewusstsein. OFFLINE…….

SSV

Auf der Suche nach Flip Flops stolpere ich über die ersten Wildlederstiefel des heurigen Sommers; haben die tatsächlich schon die Winterkollektion aufgebaut?
Gottverdammte Konsumjunkies, wieso steht noch nirgends ein Glühweinstand? Immerhin haben wir bereits August?!
Kralle mir ein Paar Sandalen im SSV, grinse selbstgefällig auf dem Weg zur Kassa… Diesmal lasse ich mir sicher keinen Imprägnierspray andrehen, die sollen doch alle scheißen gehen mit ihrem Zusatzverkauf Dreck.
Misses Schuhverkäuferin verpackt die braunen Ledersandaletten in eine überdimensionale Plastiktüte, wünscht mir viel Freude damit, ehe sie mir tittenwackelnd das Restgeld aus der Kassa zählt.
„Vielleicht noch Söckchen zum Aufsprayen?“
Ich denke, what the fuck. Blondchen sagt Sprühsocken sind das neue Schwarz.
Bezahle 5,90 € für denBarfuß Imprägnierspray, denke verdammt schon wieder in die Falle getappt.
Ihre Titten lachen mich aus.
Ich sage wer zuletzt lacht, lacht am besten, ehe ich den Laden verlasse.
Geblendet von der Sonne schirme ich meine Augen mit der Handfläche ab, die Hitze der Straße trifft mich wie ein Vorschlaghammer. Kaum hab ich mich gefangen, spüre ich etwas in meiner Handtasche vibrieren. Klimawandel trifft Digitalisierung. Potenzielle Burnoutquellen pushen.
3 neue Nachrichten.
Alex erwartet mich in einer Stunde am Parkplatz vom Strandbad.
Schreibt er.
Außerdem soll ich das Halsband tragen, die Haare nach hinten gebunden und Manschetten an Hand- und Fußgelenken befestigen.
Ob ich meine Füße imprägnieren soll, antworte ich.
Packe das Telefon zurück in die Tasche, trotte langsam weiter über den menschenleeren Hauptplatz als es erneut summt:
„Nein, aber wenn du weiterhin so blöd bist, kannst deine Huhu schon mal mit Teflon beschichten lassen, du Miststück.“
Wieso diese Südländer immer so aggresiv sein müssen ist mir ein Rätsel.

#2.0

Die Finanzpolizei?
Was sollten die von mir wollen? Kontrollieren die für gewöhnlich nicht Steuerzahler die im Plus sind?
Die Drogenfahndung?
Unwahrscheinlich – es sei denn die suchen nach Willi Dungl Schlaf gut Tee. Apropos Willi Dungl – wie hoch ist die Suizidanfälligkeit bei Menschen die diesen Namen tragen?
Gedankenverloren bleibe ich auf dem schmalen Streifen Asphalt stehen, blicke in den sternenübersähten Himmel, vergesse alles um mich herum.
Zu gewaltig der Anblick über mir, als hätte Gott damit ein Zeichen der Grenze seines Reichs gesetzt.
Romantisiert senke ich meinen Blick, trotte langsam weiter über den aufgeheizten Asphalt. Wo zum Teufel ist der Bimbo geblieben?
Was eine hübsche Frau wie ich um diese Zeit hier suche.
Ich sage Rauschgift.
Er lacht.
Ich fasse zwischen seine Beine.
Er lacht nicht mehr.
Ich bemerke dass sein Genital bessere Laune als er hat.
Er zieht meine Hand aus seiner Hose.
Die Bullen ziehen seine Hände nach hinten, legen ihn Handschellen an. Ob er mich geschändet hat?
Ich sage nein, leider nicht.
„Sie versucht mich zu missbrauchen“, stammelt das schwarze Prachtexemplar, als ihm die metallenen Fesseln angelegt werden.
„Und Sie sind sich wirklich sicher, junge Frau?“, hakt einer der Bullen nach
Ich nicke.
Sie lassen ihn frei.
„Bis bald Mon Amour, je´t aime.“ , flüstert er mir zu, bevor er mitten in der Dunkelheit verschwindet um Eins mit ihr zu werden….

#comeback

Die sengende Hitze der Stadt gleicht der eines Backofens. Obwohl die Sonne bereits seit Stunden untergegangen ist, zeigt der Thermometer am Handydisplay 38 Grad Celsius.
#bigcitylife #ersatzreligionklimawandel
Benommen schlendere ich die Ahornalle hinauf, fühle mich besoffen – ganz ohne Alkohol und Co.
Hitze macht geil hat mal einer im Radio gesungen. Der hatte bestimmt Recht, wieso sonst sollte ich mich wie eine rollige Katze fühlen, die es nur mit Müh und Not schafft, sich nicht auf den Asphalt zu werfen um dort ihre paarungswilligkeit zu demonstrieren?
ICH BEHERRSCHE MICH: DIE DISTANZ ZWISCHEN MEINEN TRÄUMEN UND DER REALITÄT NENNT SICH DISZIPLIN
Summt mein Gewissen in Dauerschleife.
Meine Träume?
Gangbangende Black Boys am See.
Die Realität?
Schwarzhaarige Gammel Touristen aus Ostdeutschland ohne erkennbare Genitalien unter der Low-Budget Badehose.
Ob sich die Piefke in afroamerikanische Vorzeigefickmaschinen verwandeln, wenn ich meine Disziplin-Skills auf Maximum schraube?
Hamm.
Aber diszipliniert in was?
Geld ausgeben?
Bier saufen?
Rumhuren?
Gehirnzellen massakrieren?
Online shoppen
Online Pornos gucken?
Offline ins Radar fahren?

Gottverfickte Facebook Lebensweisheiten die sind genauso VWG wie die eben eingezogene neue Nachbarin-
Von Weitem Gut – Aus der Nähe betrachtet Scheiße.
Olga hat den Arsch einer J Lo in unfett – ich wette sie könnte damit Kokosnüsse knacken…
Endlos lange Beine unter dem perfekt geformten Arsch – hätte ich einen Penis würde ich sie auf der Stelle bespringen.
Hormonbedingt unterlasse ich den Versuch sie zu vergewaltigen, zweifle ohnehin an der Authenzität eines sexuellen Attentats ohne einen Pimmel zu besitzen. Und noch während ich überlege was ich jetzt wohl mit ihr anstelle, dreht sich der Prachthintern um 180 Grad.
Leider spielt ihre Front nicht mal annähernd in derselben Liga wie ihr Popo – hinten hui, vorne pfui.
Ich beschließe die Wohnung zu kündigen, wer will schon so hässliche Nachbarn haben?
Nein Danke, da kann ich genauso gut nach Dschihad ziehen.
Da ich aber weder an Suizid noch an unansehnlichen Menschen interessiert bin, flüchte ich nach draußen. Frischluft als Gehirndoping?!
Doch noch bevor der Sauerstoff meine Synapsen befeuert, tut es der Anblick eines Unbekannten mitten auf der Bushaltestelle. Lässig lehnt der schwarze Kerl an der Liftfasssäule, fixiert mich mit seinem Blick.
Für den Bruchteil einer Sekunde setzt mein Herzschlag aus.
So unauffällig wie möglich japse ich nach Luft, der Bus fährt ein. Hektisches Gewusel, die Haltestelle leert sich. Ohrenbetäubende Stille – bin ich die Einzige die nicht eingestiegen ist?
Laut piepsend schließt der Autobus seine Türen, blinkt nach rechts ehe er sich langsam aber sicher in den stockenden Verkehr der Rushhour einfädelt.
Wo ist seine Silhouette hin verschwunden?
Keine Spur von ihm..
Enttäuscht sinkt mein Kinn zur Brust, längst schon ist der überfüllte Bus aus meinem Blickfeld entflohen. Laufe die Straße entlang, der Strand hinter- die Stadt vor mit.
Keine zehn Schritte entfernt raschelt etwas im Gebüsch.
Vielleicht eine Ratte?
Vielleicht ein Sexualstraftäter?
Mach dich nicht lächerlich – die sind doch nur auf junge Frauen aus…

#Luxusprobleme

Als ob ich ein Gutachten nötig hätte, dass mir meine Verhaltenskreativität bescheinigt. Jeder der mich kennt, weiß dass ich nicht ganz knusprig bin, auch ohne ärztliches Attest.
Mr. L fragt ob wir ans Meer fahren. Rico fragt wann ich zurück ans Meer komme. Mister Psychotherapeut sagt, dass er dringend einen Therapeuten bräuchte. Mister Arbeitslosencoach sagt, dass ich nicht ins Ausland darf, es sei denn ich hätte ein Vorstellungsgespräch. Nur zum Bumsen allein kann ich nicht einfach weg.
Auch nicht als ADHS-Beeinträchtigte. Auch nicht als Sexsüchtige. Auch nicht als Schlafwandlerin. Auch nicht im Schengen Raum. Auch nicht alkoholisiert und verwirrt.
Rico fragt ob ich heute Nacht fliegen kann, es gäbe noch eine Maschine. Mister L will wissen ob ich lieber nach Grado oder Triest möchte. Ich frage einen glatzköpfigen Penner ob er mir eine Zigarette schnorrt.
Rauchend spaziere ich weiter, grüble über meine Luxusprobleme, widerstehe dem Drang mich anzutrinken, auch wenn mir der Zigaretten-Sandler ein Gambrinus angeboten hat.
Rico ruft an, ich drücke ihn weg, sauge gierig an der Marlboro. Am Filter angekommen, erlischt die Glut stinkend, es läutet erneut. Mister L. lässt nicht locker, auch nach dem dritten Mal abwürgen ruft er weiterhin an.
Schalt auf Lautlos. Flugmodus. Schieb das nervige Teil in die Arschtasche meiner Jeans, als die Straßen zunehmend von der einsetzenden Rushhour verstopfen und der Abgasgestank sich wie ein unsichtbarer Schleier über die Köpfe der wandelnden Menschenmassen legt. Irgendwo in der Ferne Sirenengeheul, ich trete in Hundescheiße, der Himmel verdunkelt sich zunehmend.
Von der Gewitterwolke verfolgt, erreiche ich den Bahnhof, grölender Donner es schüttet wie aus Kübeln, ich flüchte nach drinnen.
Und jetzt?
Nach Spanien zu dem treulosen Ehebrecher? Nach Italien mit dem rachsüchtigen Superstar?
Fahre die Rolltreppe hinab, die Katakomben des Hauptbahnhofs sind menschenleer, planlos schlendere ich die Unterführung entlang, finde einen herrenlosen Hundert Euro Schein am Boden, hebe ihn auf, schreie laut Juhu. Über mir knirschende Ansage im Lautsprecher, neben mir die Rolltreppe zur Nummer vier.
„Achtung Bahnsteig 4. Intercity nach Zagreb fährt ein.“
Ob ich an Zeichen glaube?
Achtung Zagreb, ADHS Gestörte fährt ein. Dacht´s und huschte über die Stufen nach oben…

#Multitasking #overfuckedandunderworked

Im Halbstundentakt checke ich mein Instagram, Facebook, Blog Account und die Blockchain. Muss alles im Auge behalten, google nach rentablen Anlageformen, Herstellung von Crystal Meth für Anfänger, Last Minute Urlauben und Affiliate Marketing für Dummies. Vergleiche die unterschiedlichen Zinssätze aller Banken im näheren Umfeld. Bestelle mir Schuhe bei Zalando, bin zwar pleite aber die schicken eh erst nach sechs Wochen die dritte Mahnung.
Summ. Summ. Summ.
„Sag mal hast du einen neuen Lover, oder wieso tscheppert dein Telefon ununterbrochen?“
Vor lauter digital hab ich doch beinahe auf Mr. L vergessen, der sich neben mir auf der Couch räkelt.
Abgekämpft ringt er mit der einsetzende Müdigkeit die ihm deutlich anzusehen ist, kuschelt sich in die Wolldecke, zeigt mit dem Finger auf seine Mitte. Langsam aber sicher wächst da was nach oben, mit schleichender Konsequenz verwandelt sein reinkarniertes Genital die Decke in ein Zirkuszelt.
Ich sage nur noch fünf Minuten, er lässt das Biest aus dem Versteck, wedelt mir damit entgegen.
„Pack ihn weg, ich muss noch was tun. Wir können nicht dauerfickend vor der Glotze hängen, das zahlt keine Miete und repariert keine kaputten Kühlschränke“, vertröste ich ihn.
No more Zirkuszelt, schmollend bedeckt er seinen nackten Körper inklusive schwindender Errektion wieder.
Er soll nicht beleidigt sein, streichle seinen Arm, während ich mit der anderen Hand das Passwort meines Mailaccounts in die Tasten des Notebooks klopfe und mich insgeheim ärgere nicht noch eine dritte zu haben um gleichzeitig auch noch die Katze zu streicheln.
„Ist schon okay, ich hab doch eh nichts gesagt“, rollende Augen verraten die gespielte Gleichgültigkeit seiner Worte.
Ich verkneife mir die Feststellung bezüglich des Tons und der Musik, genauso wie den Impuls den Computer beim Fenster raus zu werfen, mich nackig zu machen um Mister Eingeschnappt zu besteigen, ihn solange durchzuvögeln bis ihn hören und sehen vergeht.
Als ob er nicht eh schon schwerhörig und kursichtig wäre. Wozu noch nachhelfen?
Ob ich auf Drogen wäre, fragt mich mein Therapeut am nächsten Morgen.
„Nein, heute bin ich völlig nüchtern“, wahrheitsgemäß und mit stolz geschwelgter Brust beteure ich meine Abstinenz. Mit Händen und Füßen, hektisch und völlig überdreht stoße ich gegen den schmalen Glastisch der wie eine Barriere zwischen mir und dem Seelenklemptner steht. Seine Kaffeetasse schießt über die Kante hinaus, zerspringt beim Aufprall in tausend Scherben, während sich der Inhalt langsam über das grau marmorierte Laminat ausbreitet.
Hoffentlich hat der einen Wettex in seiner Praxis, springe aus der Couch hinaus, will das angerichtete Chaos beseitigen, stolpere dabei über meine eigenen Beine, lande unsanft auf dem koffeingetränkten Scherbenmeer unter mir, als ob ich das Topping des Malheurs wäre.
Seelenruhig richtet sich der bullig aussehende Mensch aus seinem Schreibtischsessel auf, verkneift sich das Lachen, reicht mir seine Hand um mir auf die Beine zu helfen.
„Vielleicht sollten wir dich wirklich mal auf ADHS testen lassen?“
Er zieht ein Taschentuch aus einer der Schubladen hinter ihm, wirft es mir zu.
„Kann man damit auch in E-Card Urlaub gehen?“, erkundige ich mich, wische mir das Gesicht ab, verreibe die Kaffeflecken auf meinem weißen Shirt, solange bis ich aussehe wie eine Milchkuh. Weiß mit hellbraunen Flecken. Naja, zumindest hab ich mir keine Scherben eingefangen.
„Wieso willst du in Krankenstand gehen? Bist eh arbeitslos?“
Werfe das verdreckte Tempo durchs geöffnete Fenster nach draußen.
„Stell dir mal vor, ich hätte auch noch einen Job. Als ob ich nicht so schon Stress hoch zehn hätte.“
Er zeigt mit dem Finger auf den Papierkorb unter dem Schreibtisch, nonverbale Zurechtweisung ist mir eh am liebsten.
„Was stresst dich denn so?“
„Abgesehen von deinen Fragen?“
Nickend setzt er sich wieder, blickt verstohlen auf seine Armbanduhr. Zehn Minuten muss er sich das noch antun…
„Meine Oma will ständig mit mir reden, die Katze ständig gefüttert, gestreichelt, entwurmt, bewässert, geimpft, beachtet und vergöttert werden, Mister L will Liebe Sex und Zärtlichkeit und die Illusion dass er der einzige ist, meine Bank will ständig Geld von mir, dieser Buschkawettel im Stiegenhaus will Sonne, Dünger und Wasser, mein Auto will Benzin, Öl und ne neue Zylinderkopfdichtung, Rico will dass ich die zweite Geige spiele und ihm hinterherlauf und mein AMS Berater erwartet tatsächlich dass ich mir eine Arbeit suche. Nicht umsonst hat jeder ein Burnout.“
Irgendwas in seinem Blick und der immer lauter werdenden Kurzatmigkeit lässt auf pure Verzweiflung schließen als ich meinen Impuls-Vortrag beende, und mich entspannt in die weichen Kissen fallen lasse.

#dreieck

Schneller als ich mir einen Überblick über die unter uns liegende Stadt machen kann, reißt mir Rico das Shirt über den Kopf, schiebt den Jeansrock hinterher, drückt mich nackt und orientierungslos gegen die riesige Glasfront der Suite.
Im ersten Moment erschrecke ich, wie ein Blitz durchfährt mich die Kälte der Scheiben, meine Brustwarzen stellen sich augenblicklich auf. Fröstelndes Stöhnen, seine Hand packt mich am Schopf. Warmes Etwas drückt zwischen meine Beine, hektisches Gezerre, Reißverschluss, weg mit dem Stoff zwischen uns. Fühle seinen Atem im Nacken, verbeißt sich darin, leckt über die Rückseite meiner Ohren. Zerfließe wie Wachs unter seiner Flamme, mit geschlossenen Augen wandert meine Hand nach hinten. Will ihn spüren, ganz oder gar nicht.
Ob Mister L okay ist? Was er jetzt grade wohl treibt?
„Alles okay, Baby?“
Rico zieht mich weg vom Fenster, dreht meinen Blick in seinen hinein. Senke den Kopf um ihn nicht weiter ansehen zu müssen.
„Sag du es mir. Mister Verheiratet…“
Für einen Moment lang steht die Zeit still, wie eingefroren wirkt die Szene. Bis der Gedanke an L. mich wieder auftaut, Rico zieht sich an, packt seinen Kram zusammen. Wortlos verschwindet er durch die dunkelbraune Holztür nach draußen, Tränen laufen über mein Gesicht. Ich wünschte ER wäre jetzt hier bei mir… Ohne Sehnen keine Sucht, Ohne Hochempathie kein Narzissmus. Ohne Negativ-Fokus keine Entwicklung. Ohne Ehe keine Brecher. Ohne Arsch keine Löcher.

Willkommen im Urlaub.

Buenas Noche…….