#Geschlechtsverkehrsminister

Obwohl ich mich warm angezogen habe, fröstelt es mich schon nach den ersten paar hundert Metern. Der Sommer ist eindeutig vorbei, denke ich mir als der erste Windstoß meine frisch gekämmten Haare in ein chaotisch aussehendes Vogelnest verwandelt. Vielleicht sollte ich nochmal umkehren um eine dickere Jacke und eine Mütze zu holen?
Ach was, schließlich wird’s einem beim Spazieren eh warm. Man muss halt nur lang genug gehen.
Kaum dass ich die Betonklötze der Innenstadt hinter mir lasse, versiegt der Asphalt zu einer engen Schotterstraße die mich an einer Lichtung entlang direkt in den Wald führt. Nach einer knackigen Bergauf Etappe mitten durchs Geäst, bin ich so aufgeheizt dass ich mein Sweatshirt ausziehe und es mir über die Hüften binde. Gott sei Dank hab ich nicht noch einen Pulli eingepackt, schießt es mir in den Sinn.
Wobei ein BH vielleicht nicht so blöd gewesen wäre. Unter meinem weißen Trägertop zeichnen sich baumelnde Titten ab, die bei jedem Schritt aus dem Ausschnitt zu hüpfen scheinen.
Scheiß drauf, hier sieht mich eh keiner, und wenn ich wieder aus der Wildnis raus bin zieh ich mir halt was über.
Stapfe gedankenverloren über die Forststraße, bemerke weder die Buntheit die der Oktober ins Blättermeer gezaubert hat – noch den Wagen der hinter mir her rollt. Unfassbar wie unaufmerksam Menschen ohne WLAN heutzutage noch sein können. ADHS sei Dank.
Und noch während ich mich frage, ob Geschlechtsverkehrsministerin ein anerkanntes Berufsziel für Langzeitarbeitslose sei, höre ich plötzlich Bremsgeräusche hinter mir.
Und noch während ich mich frage, ob mein Arbeitsamt Betreuer mich zu Kontrollzwecken stalkt, wird eine Türe laut scheppernd aufgerissen und ich von starken Händen gepackt.
Hätte wohl doch nicht ohne Tittenwärmer rausgehen sollen, schießt es mir durchs Hirn als ein chemisch stinkendes Tuch unter meine Nase gedrückt wird.
Ob Frauen mit eingepackten Hupen tendenziell seltener gechloroformed werden?
Ob das AMS Chloroform zu Resozialisierungszwecken zweckentfremden darf?
Ob Sexualstraftäter neuerdings alte, dicke Frauen entführen?
Fühle wie meine Knie weich werden, nachgeben. Ich sacke wie ein nasser Sack zu Boden und verliere das Bewusstsein. OFFLINE…….

#Multitasking #overfuckedandunderworked

Im Halbstundentakt checke ich mein Instagram, Facebook, Blog Account und die Blockchain. Muss alles im Auge behalten, google nach rentablen Anlageformen, Herstellung von Crystal Meth für Anfänger, Last Minute Urlauben und Affiliate Marketing für Dummies. Vergleiche die unterschiedlichen Zinssätze aller Banken im näheren Umfeld. Bestelle mir Schuhe bei Zalando, bin zwar pleite aber die schicken eh erst nach sechs Wochen die dritte Mahnung.
Summ. Summ. Summ.
„Sag mal hast du einen neuen Lover, oder wieso tscheppert dein Telefon ununterbrochen?“
Vor lauter digital hab ich doch beinahe auf Mr. L vergessen, der sich neben mir auf der Couch räkelt.
Abgekämpft ringt er mit der einsetzende Müdigkeit die ihm deutlich anzusehen ist, kuschelt sich in die Wolldecke, zeigt mit dem Finger auf seine Mitte. Langsam aber sicher wächst da was nach oben, mit schleichender Konsequenz verwandelt sein reinkarniertes Genital die Decke in ein Zirkuszelt.
Ich sage nur noch fünf Minuten, er lässt das Biest aus dem Versteck, wedelt mir damit entgegen.
„Pack ihn weg, ich muss noch was tun. Wir können nicht dauerfickend vor der Glotze hängen, das zahlt keine Miete und repariert keine kaputten Kühlschränke“, vertröste ich ihn.
No more Zirkuszelt, schmollend bedeckt er seinen nackten Körper inklusive schwindender Errektion wieder.
Er soll nicht beleidigt sein, streichle seinen Arm, während ich mit der anderen Hand das Passwort meines Mailaccounts in die Tasten des Notebooks klopfe und mich insgeheim ärgere nicht noch eine dritte zu haben um gleichzeitig auch noch die Katze zu streicheln.
„Ist schon okay, ich hab doch eh nichts gesagt“, rollende Augen verraten die gespielte Gleichgültigkeit seiner Worte.
Ich verkneife mir die Feststellung bezüglich des Tons und der Musik, genauso wie den Impuls den Computer beim Fenster raus zu werfen, mich nackig zu machen um Mister Eingeschnappt zu besteigen, ihn solange durchzuvögeln bis ihn hören und sehen vergeht.
Als ob er nicht eh schon schwerhörig und kursichtig wäre. Wozu noch nachhelfen?
Ob ich auf Drogen wäre, fragt mich mein Therapeut am nächsten Morgen.
„Nein, heute bin ich völlig nüchtern“, wahrheitsgemäß und mit stolz geschwelgter Brust beteure ich meine Abstinenz. Mit Händen und Füßen, hektisch und völlig überdreht stoße ich gegen den schmalen Glastisch der wie eine Barriere zwischen mir und dem Seelenklemptner steht. Seine Kaffeetasse schießt über die Kante hinaus, zerspringt beim Aufprall in tausend Scherben, während sich der Inhalt langsam über das grau marmorierte Laminat ausbreitet.
Hoffentlich hat der einen Wettex in seiner Praxis, springe aus der Couch hinaus, will das angerichtete Chaos beseitigen, stolpere dabei über meine eigenen Beine, lande unsanft auf dem koffeingetränkten Scherbenmeer unter mir, als ob ich das Topping des Malheurs wäre.
Seelenruhig richtet sich der bullig aussehende Mensch aus seinem Schreibtischsessel auf, verkneift sich das Lachen, reicht mir seine Hand um mir auf die Beine zu helfen.
„Vielleicht sollten wir dich wirklich mal auf ADHS testen lassen?“
Er zieht ein Taschentuch aus einer der Schubladen hinter ihm, wirft es mir zu.
„Kann man damit auch in E-Card Urlaub gehen?“, erkundige ich mich, wische mir das Gesicht ab, verreibe die Kaffeflecken auf meinem weißen Shirt, solange bis ich aussehe wie eine Milchkuh. Weiß mit hellbraunen Flecken. Naja, zumindest hab ich mir keine Scherben eingefangen.
„Wieso willst du in Krankenstand gehen? Bist eh arbeitslos?“
Werfe das verdreckte Tempo durchs geöffnete Fenster nach draußen.
„Stell dir mal vor, ich hätte auch noch einen Job. Als ob ich nicht so schon Stress hoch zehn hätte.“
Er zeigt mit dem Finger auf den Papierkorb unter dem Schreibtisch, nonverbale Zurechtweisung ist mir eh am liebsten.
„Was stresst dich denn so?“
„Abgesehen von deinen Fragen?“
Nickend setzt er sich wieder, blickt verstohlen auf seine Armbanduhr. Zehn Minuten muss er sich das noch antun…
„Meine Oma will ständig mit mir reden, die Katze ständig gefüttert, gestreichelt, entwurmt, bewässert, geimpft, beachtet und vergöttert werden, Mister L will Liebe Sex und Zärtlichkeit und die Illusion dass er der einzige ist, meine Bank will ständig Geld von mir, dieser Buschkawettel im Stiegenhaus will Sonne, Dünger und Wasser, mein Auto will Benzin, Öl und ne neue Zylinderkopfdichtung, Rico will dass ich die zweite Geige spiele und ihm hinterherlauf und mein AMS Berater erwartet tatsächlich dass ich mir eine Arbeit suche. Nicht umsonst hat jeder ein Burnout.“
Irgendwas in seinem Blick und der immer lauter werdenden Kurzatmigkeit lässt auf pure Verzweiflung schließen als ich meinen Impuls-Vortrag beende, und mich entspannt in die weichen Kissen fallen lasse.

#trippin´

Erst als ich im Landeanflug das Meer erblicke, verlangsamt sich mein Herzschlag spürbar. Als könne die benzodiazepam-ähnliche Wirkung des Ozeans sogar durch die Wände der Boeing hindurch strahlen, tiefenentspannt werde ich gelandet, schlurfe durch den engen Gang der Maschine nach draußen, mitten hinein in den stickig- menschenüberfüllten Flughafen.
Folge den Schildern Richtung Ausgang, tippe wie bessesen auf dem Display des Smartphones herum. Wieso hat er sich nicht gemeldet? Hab ich hier überhaupt Netz? Spanien gehört doch zur EU? Kann ich das Datenroaming einschalten, ohne gleich drauf in Konkurs gehen zu müssen?
Renne frontal gegen eine Glastüre, welcher Arsch hat denn die hierher gebaut? Wie zum Henker soll man sich denn da auf die virtuelle Wirklichkeit fokussieren?
Sein eiserner Griff umfasst meine Hüften, lass das Telefon fallen, er zieht mich an sich. Was zum…
„Baby, du hast mir so gefehlt“, seine Stimme reißt mich zurück ins Hier und Jetzt. Sekunden bevor unsere Lippen sich berühren, sauge den Duft seiner Haut ein, lasse mich zurück in die Stratosphäre katapultieren.
„Das sagt mein AMS Berater auch immer zu mir…“, murmle ich, er zieht mich an der Hand nach draußen.
Rieche das Meer; schmecke das Salz seiner Haut, spüre die Hand an meinem Hintern als wir in ein Taxi steigen..
„Buenas Dias Amigo“, das Raunen seiner Stimme so energisch wie ein Defibrilator auf Starkstrom, lege den Kopf an seine Schultern, er schlingt seine Arme um mich, küsst mich zärtlich auf die Stirn.
„Schön, dass du gekommen bist“, flüstert er mir ins Ohr, streicht eine Haarsträhne aus meinem Gesicht, als sich der Wagen in Bewegung setzt….
Was Mister L. wohl grade macht?

#Deadlinetarzan

Mia und Ron liegen seit Stunden im Schlafzimmer, er im Tiefschlaf, sie beim Schafe Zählen. Mit jedem seiner Schnarch Tiraden stirbt eins ihrer flauschigen Einschlafhilfen, sie hält seine Nase zu. Drückt ihr Kissen auf sein Gesicht. Nach Luft japsend wacht er endlich auf.

Mia: Schatz, du machst komische Geräusche

Ron: (schnaufend): Ich hab geträumt, dass ich ersticke.

Sie krabbelt aus dem Bett um das Fenster zu öffnen, ein wenig Sauerstoff
sollte den Mann beruhigen, denkt sie sich als sie sich wieder an ihn
kuschelt.

Mia: Ich kann nicht schlafen.

Ron: Was ist denn los Babe? Hattest du auch einen Alptraum?

Verständnisvoll schlingt er seine Arme um sie, zieht sie so nah wie
möglich an seinen nackten Körper.

Mia: Nein, aber ich hab so viele Dinge im Kopf, die mir keine Ruhe lassen.

Ron: Willst du darüber reden?

Mia: Scheiß auf Kommunikation, es lebe die Penetration!

Fünf Minuten später

Ron: (schnaufend) Boah was für ne Nacht! So was hab ich noch nie erlebt – du
geiles Luder machst mich vollkommen verrückt.

Mia: Warum hat Tarzan eigentlich keinen Vollbart? Ich meine der Kerl ist
ständig im Urwald und dennoch immer glattrasiert. Da stimmt doch
irgendwas nicht.

Ron: Echt jetzt? Es ist drei Uhr morgens, ich bin mitten im post-orgasmic-
chill-modus und du willst über Tarzan reden?

Mia: Wär dir der Kickl als Gesprächsthema lieber?

Ron: Dir sollte mal jemand den Mund stopfen

Mia: Schon wieder?

Ron: Durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Dschungel würden Haare im Gesicht
stören, deswegen wachsen den ganzen Urvölkern auch keine Bartstoppeln.

Mia: Aha.

Ron: Schlaf gut.

Mia: Und was ist mit Affen? Die haben doch überall Haare.

Ron: Schatz, bitte.

Mia: Glaubst du dass Tarzan nur mit Jane gevögelt hat? Vielleicht hat er bei
Chita geübt? Vielleicht ist das HI-Virus so auf den Menschen übertragen
worden? Vielleicht war auch Mogli nichts anderes als ein
Affenvernaschendes Mistviech?

Ron: Halt endlich die Klappe, oder…

Mia: Oder was?

Ron: Oder ich setz dich im Urwald aus.

Mia: Ich dich auch.

Ron: Schlaf gut.

Mia: Hast du einen Bolzenschneider zu Hause?

Entschlossen steht er auf, visiert die Kommode an, krallt sich die Rolle
Paketband aus der Schublade ehe er zurück zu der Irren in seinem Bett
kriecht…..

#Valentina2.0

Nach den seltsamen Ereignissen in der Natur hab ich erstmal die Schnauze voll von Menschen, Mardern und Birken. Hauptsache Ruhe – mein Hirn fühlt sich immer noch an, als wäre es in einen Starkstromkreis geraten, vielleicht wäre es an der Zeit am Testament zu basteln? Damit sie sich nach meinem Abgang nicht noch um meine Schulden streiten – ich möchte keinen Keil in die Familie treiben. Schließlich ist Familie das Allerwichtigste im Leben, abgesehen vom monatlichen Nettoeinkommen.
Komisch. Der zweite September erscheint mir dann doch sehr früh für die alljährlich wiederkehrende Herbstdepressions-Hauptsaison. Aber vielleicht hört sie dann auch eher wieder auf, bis zum Christkindlmarkt wär cool. Glühwein und Selbstmordmord mit Vanillekipferl klingt so sexy wie Kackstelzen mit Sauerkraut.
Halt´s Maul Gehirn.
Ich mobilisiere die letzten Energiereserven, die nicht chemisch basiert sind um meinen Arsch vor die Türe zu schaffen und endlich was gegen die omnipräsent – neurotische Melancholie zu unternehmen.
Mein Unterbewusstsein, die Präfrontale-Kortex-Arschloch-Stimme brüllt „Koks und Nutten“ von innen gegen meine Stirn. Mein frisch ausgedruckter Kontoauszug lacht mich so laut aus, dass ich mir verarscht vorkomme. Außerdem finde ich das Restbudget alles andere als zum Lachen – ein Euro vierzehn Cent. Das reicht gerade mal für eine Dose Schwechater; wie soll ich damit meinen Dachschaden unter Kontrolle halten?
Na gut, also doch mit Sport versuchen, davon soll der Körper selbstgebastelte Drogen ausschütten, außerdem sieht man danach nackt besser aus und das soll wiederrum das Selbstbewusstsein stärken. Also eh fast wie Cola, aber ohne Nasenflügelkaputt und hundert Euro pro Gramm. Chaka – ich geh trainieren!!!
Ich trete zum Abschied gegen das Kontoauszugsarschfickergerät, renne aus der Bank, deren Namen ich aus Datenschutzrechtlichen Gründen nicht nennen darf und bemerke schlagartig das Menschen die aus einem Kreditinstitut hinauslaufen, die sofortige und vollste Aufmerksamkeit aller Passanten auf sich ziehen.
Je schneller ich laufe, desto mehr Glückshormone müsste ich doch produzieren? Viel hilft viel?
Irrtum. Viel kotzt viel.
Auch nach dreihundert Metern schon.
Vielleicht fahr ich doch wieder nach Hause und streiche meine Wände schwarz, Köpfe ein Huhn und suhle mich in dessen Blut. Allerdings langt das Rauschgiftbudget maximal noch für eine Dose Butangas und abgelaufenes Bier. Mister Lover Lover ruft an, ob ich für heut Abend schon was geplant hätte, es wäre jetzt an der Zeit mal wieder unter Menschen zu kommen.
„Aber ich hasse Menschen“, wende ich ein.
Er beruhigt mich: „Sie dich doch auch, Baby. Ich bin um halb acht bei dir.“
Und plötzlich höre ich zufriedenes Lachen im Hintergrund. Wer zum Teufel….?
„Ach ja Kleines, schau bitte das du pünktlich bist. Valentina hat es nicht gern, wenn man sie warten lässt.“

#dolcefarnientepannacottaporno

Es ist momentan alles zu viel – zwischenmenschliche Kontakte, Gespräche, Monologe, Sonnenschein, Texte verfassen oder staubzusaugen…
Mister Lover Lover fährt in Urlaub, scheiß doch auf ihn.
Baghira schmiegt sich behutsam um meine Knöchel, schnurrend schmust sich die Miezekatze an den Saum meiner Socken.
„Hör auf mit meinen Füßen herumzumachen, du perverses Viecherl!“
Ermahne den Kater, schließlich will ich nicht, dass er sich mit meinen Klamotten paart. Auf der Abdeckung des Katzenklos liegt ein zusammengeknüllter Haufen Bargeld, ich kralle ihn mir um ihn unauffällig in meinen Ausschnitt verschwinden lassen zu lasse. Beinahe so, als müsse ich es vor der Katze verstecken – obwohl es umgekehrt sinnvoller wäre. Immerhin denkt das vierbeinige Gerät nicht daran, sämtliche Bargeldreserven in Betäubungsmittel zu investieren.
Auf dem Weg zum Besten aller Drogendealer beschleichen mich dann doch Zweifel, ob Heroin das passende Mittel der Wahl ist, oder es doch einen Tick zu Drama wirken könnte. Ich meine, wer setzt sich schon einen goldenen Schuss, nur weil der Liebste für drei Nächte nicht vor Ort ist. Hochkarätige Dramaqueens mit einem extremen Hang zur Theatralik?
Wem will ich damit eins auswischen? Ihm oder mir selbst
Vor lauter Fragen im Kopf übersehe ich die rote Ampel, touchiere eine vorbeifliegende Taube mit dem Seitenspiegel, schneide eine heranrasende Radfahrerin. Sie zeigt mir den Mittelfinger, brüllt irgendetwas ausländisch Klingendes durchs offene Fenster. Zum Glück ist die Urlaubszeit bald wieder vorbei – dann kann ich das Geschimpfe anderer Verkehrsteilnehmer auch wieder verstehen – diese ostdeutschen Gammeltouristen quaken unverständlicher als ich mit vier Komma acht Promille beim Italienischkurs.
Ich versichere mich, dass ich die Flugratte nicht getötet habe, winke der Radfahrerin und mache mich aus dem Staub.
Immer noch unschlüssig, was zum Teufel ich da eigentlich mache- reißt mich ein Summen der Mittelkonsole aus meinem quälenden Monolog heraus. Er ruft tatsächlich an, wo ich bin und was ich tue will er wissen. Trotzig entgegne ich, dass er sich jemand anderen zum Kontrollieren suchen soll. Ich frage ja auch nicht, welchen südländischen Frosch er grade knallt und lege wieder auf.
Soll er ruhig wissen, dass ich sauer bin.
Was glaubt der überhaupt?
Und plötzlich bin ich wütender auf ihn, als auf mich selbst. Wie durch ein Wunder lenke ich die Karre durch Manhattan, ohne beim Ticker stehen zu bleiben. Wieso sollte ich mich vergiften, wenn ich auf IHN sauer bin? Was ist denn das für eine dämliche Logik?
Nein, danke. Ich ändere mein Leben!
Kein Gift! Wahre Rache baut auf Fremdenverkehr!

Wenn er meint, irgendwelchen dolce-far-niente-panna-cotta-porno-italia-prinzessinen die Haare zu machen, während sein Schniedelwutz dabei die ganze Zeit unbeaufsichtigt herumschwingt, dann hat er sich geschnitten….

Comptoir Suisse oder Hashtaglausanne

Durch einen mehr als kritischen Engpass meiner Finanzen, bin ich genötigt meine Zelte vorübergehend in der Schweiz aufzuschlagen.
Leider verstehe ich kein Wort von dem Arbeitsvertrag, den mir Miggi organisiert – abgesehen von meinem Namen und den des Betriebs. Aber no risk – no fun. Ich unterschreibe das Ding und hör mir Miggi´s Warnung noch an: „Der Alte ist ein Pünktlichkeitsfetischist! Pass auf, dass du nicht unpünktlich bist – das ist bei denen ein Kündigungsgrund.“
Verständnisvoll nickend bedanke ich mich bei ihm und mach mich auf den Weg zu dem restlichen Haufen österreichischer Wirtschaftsflüchtlinge. Steffi und Charly haben den Wagen schon vollgepackt und warten bereits auf mich.
„Wozu braucht ihr für zwei Wochen so viel Zeug?“, frage ich entgeistert, als ich den bis zum Anschlag befüllten Suzuki sehe.
„Frag am besten meine Frau“, erwidert Charly leicht angetrunken.
„Ja genau. Das meiste von dem Zeug ist wahrscheinlich dein Rauschgift, du Idiot“, faucht Steffi ihn an. Gott muss Liebe schön sein.
Ich schaffe es tatsächlich auch meinen Kram noch unterzubringen und dabei einen Sitzplatz frei zu halten. Wir beschließen den angebrochenen Abend am See ausklingen zu lassen, bevor es am nächsten Tag runter nach Lausanne gehen soll.
Alte Bekannte und solche die es noch werden sollten hocken rund ums Lagerfeuer, die Sonne geht gerade hinter dem Weinberg unter, zaubert den kleinen Ort in ein malerisches Licht. Es könnte so romantisch sein, wäre da nicht diese Möwe, die plötzlich herabstürzt und mir mein Pizzastück aus der Hand reißt.
„Polnischer Kackvogel, verrecken sollst du dran“, ich bin nicht ich, wenn ich hungrig bin. Unterzuckerte Contenance ist wie ein nationalsozialistisches Einhorn – undenkbar.
JE mehr ich mich aufrege, desto mehr amüsiert sich der Rest der Anwesenden. Charly wirft mir ein Bier zu, ich solle mich beruhigen er wüsste eine Alternative zur Pizza. Gefühlte drei Minuten später sitzen wir zu viert in einem Tretboot, das heftiger schaukelt als eine Wiege voller amphetamingetränkter Frettchen. Insgeheim bin ich froh, dass ich die Pizza nicht selbst gefressen habe – zumindest weiß ich jetzt was mir der Arschlochvogel über uns vor die Füße kotzt – es ist garantiert Bio – und Fairtrade sowieso…
Würde das MDMA nicht grade zu wirken beginnen, wäre ich sicher voll angefressen auf die Arschlöcher. Ich mein was denken sie sich eigentlich?
Das ich behindert bin?
<Ficker!
Nach dem Tretboot kam die Ernüchterung. Blackout. Außerdem der Zug,in dem ich sitze. Ich bin desorientierer als ein syrischer Flüchtling ohne google maps. Was zum Teufel tu ich hier eigentlich?

Wieso krieg ich keinen Euro, bei jedem einzigen verdammten Mal nbei dem ich mir diese Frage stelle?

#ohneporno

Verfickte scheiß Deadline. Von wegen Motivation durch Abgabetermin. Da scheiß ich doch drauf. Schon aus Prinzip lass ich mir sicher nicht vorschreiben bis wann ich fertig geschrieben habe. Wo kommen wir denn da hin?
Einmal pünktlich und schon glauben alle das wäre immer so.. Fickt euch.
„Unter Druck werden Diamanten gemacht“, säuselt eine der Moralfuffies.
Leere die Dose Schwechater in einem Zug, kämpfe ganz kurz gegen den aufkommenden Brechreiz ehe ich laut rülpsend die nächste Hülse aufreiße.
„Sehe ich aus wie ein Edelstein?“
Da muss sogar Frau Misses Kokaindealerin schlucken. Hashtag Ohneporno.
„Eher wie jemand der Hilfe braucht“, flüstert Daniela so unauffällig wie möglich.
„Deswegen hab ich dich angerufen du Blitzgescheites Tuttu du.“
Routinierter als Fritzel beim Tiefbau schüttet sie das weiße Zeug auf die Waage. Aber eigentlich sei sie nur Hobby-Checker-Tante. Nix Professionelles. Ob ich denn einen Beleg brauche, will sie wissen, als sie ihre Registrierkasse aus der Tasche holt.
Ob sie denn einen Psychiater benötigt, erwidere ich.
Zweihundert Euro für Personal Training, sagt der Kassenbon; ich google „Gruppentarif für Seelenklemptner“. Daniela sagt, es sei schon mühsam genug mit dem Steuerberater zu schlafen, ich soll mir den Psychoheini sonst wohin stecken.
Herr Doktor fragt wann ich das letzte Mal gevögelt hab. Ich frage mich, inwieweit das relevant ist. Schließlich komme ich nicht wegen Syphilis.
Ob ich denn möglicherweise schwanger sein könnte.
Ich denke lieber Gott bitte nein.
Kann man vom Arschficken Kinder kriegen, Herr Doktor?

#Glaube

Bin ich nichts anderes, als eine egomanische Narzisstin, für die Empathie ein Fremdwort ist? Eine vergnügungssüchtige Lügnerin, die zwischenmenschlichen Tiefgang nur vom Hörensagen kennt? Eiskalter Engel, längst schon dem Untergang geweiht?
Ständig auf der Suche nach dem nächsten Kick, rastlos wie ein ausgehungertes Tier. Getrieben und gehetzt, ohne die Möglichkeit durchzuatmen renne ich unentwegt umher. Doch egal wie schnell mich meine Beine tragen, das rettende Ufer bleibt unerreichbar.
Zerfressen von der Einsamkeit, wie ein schwarzes Loch, das sich selbst auslöscht. Wo bist du jetzt?
Versinkender Glaube an das Gute im Menschen, zieht alle Hoffnung mit in die Tiefe. Wem soll ich noch trauen, wenn niemand mehr an mich glaubt?

Erbsen

Nach dem ganzen Chaos der vergangenen Wochen – erst mal zuhause einschließen und tot stellen. Parke den Wagen zwei Straßen weiter mitten im völligen Nichts, schalte das Telefon in den Leckt mich alle am Arsch Modus, lasse den Pizza Menschen mit einem Sixpack kommen, ziehe die Vorhänge zu und packe einen Sack Tiefkühlerbsen auf mein ramponiertes Geschlechtsteil.
Völlig abgeschirmt von der Außenwelt, bin ich fest entschlossen solange in der Isolationshaft auszuhalten, bis genügend Gras über den Schlamassel gewachsen ist und mein lustigster Körperteil soweit gekühlt ist, bis er wieder funktioniert.
Allerdings ist das Sixpack schneller leer, als die Erbsen aufgetaut sind. Und da ich mir eine Woche Pause von allen anderen psychoaktiven Substanzen verordnet habe, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als den Sushi Typen anzurufen und Bier zu bestellen.
Kann ja unmöglich zweimal pro Stunde Mister Giovanni ohne Pizza kommen lassen. Der muss sich ja denken, ich hätte ein ernsthaftes Problem mit Alkohol.
Doch noch ehe ich die Nummer von Monsieur Sashimi gefunden habe, läutet es an der Türe.
Ich überlege für einen Augenblick, ob ich womöglich schon etwas bestellt habe, ohne mich daran zu erinnern.
Lieber Gott- bitte nicht noch einen Kratzbaum.
Zeitgleich mit dem zweiten Klingeln, checke ich meinen Browserverlauf – kein Lieferservice, keine Pornos, keine Versuche ins Dark Web einzusteigen, also wer zum Teufel klingelt da draußen Amok?
Lieber Gott- bitte mach, dass es nicht meine Mutter ist.
Gerade als ich mich innerlich auf eine Diskussion zum Thema warum ich keine Enkelkinder produziere, einstelle, höre ich wie jemand den Schlüssel ansteckt und aufschließt.
Der beste aller Exfreunde schaut mindestens genauso fragend, wie ich, als er mich sieht.
„Hi Maja, was machst du denn hier?“
„Ich wohne hier. Und was verschafft mir die Ehre deines Besuchs?“
„Sehr witzig. Wollte die Katzen füttern, weil ich dachte du wärst noch in Wien.“
„Und warum klingelst du dann, bevor du reinkommst?“
Setzen uns in die Küche, ich setze Kaffee auf und suche nach was Essbarem in Kuchenform.
„Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, weil ich dich nicht erreicht habe und deine Karre oben beim Waldweg stehen gesehen habe.“
Bin beinahe schon gerührt, wegen seiner Fürsorge. Sein Beschützerinstinkt ist nach wie vor ungebrochen; hauptberuflich Deutscher Schäferhund. Inklusive Hüftdysplasie.
Er habe ohnehin nicht viel Zeit, heute Abend ist Yoga angesagt. Na dann, Namaste, ihr Huren.
Kaum hab ich mich überwunden einen Wettex in die Hand zu nehmen, überkommt mich das Putz-Tourette: „Verfickte Scheiß Arschlochwaschmaschine“, brülle ich den Staubsauger an.
„Geh sterben du hyperaktives Miststück“, raunzt Mister Vorwerk zurück.
Kaum haben sie sich von No-Name zu High-End gemausert, schon werden sie vorlaut. Gottverdammte Staubsauger. Gibt es ein narzisstischeres Haushaltsgerät?
Abgesehen von Vibratoren?

Sie würde den Anblick ihrer Erstgeborenen wohl kaum ohne Herzattacke überstehen – Außer einer mir völlig unbekannten Boxer Short übern Arsch-, und siebenhundertfünfzig Gramm Erbsen in der Hand, bin ich splitterfasernackt. Bei dem Anblick müsste ich einen Krankenwagen für die alte Frau anrufen, die würden dann da auftauchen und mich nebenbei ins Zentrum für seelische Gesundheit verfrachten – Jahreskarte inklusive.
Paranoia macht sich in mir breit, wie ein Virus breitet sich der Verfolger in mir aus. Ich hasse das Gefühl, nur noch einen Schritt weiter und ich verliere mich in der Angst.
Atemfrequenz hetzt mit dem Herzschlag um die Wette, kickt auf den höchsten aller Gipfel. Doch mir bleibt nicht eine einzige Sekunde um es auszukosten. Kaum erahnt, wie der Himmel schmeckt, und schon geht es wieder bergab.