#trippin´

Erst als ich im Landeanflug das Meer erblicke, verlangsamt sich mein Herzschlag spürbar. Als könne die benzodiazepam-ähnliche Wirkung des Ozeans sogar durch die Wände der Boeing hindurch strahlen, tiefenentspannt werde ich gelandet, schlurfe durch den engen Gang der Maschine nach draußen, mitten hinein in den stickig- menschenüberfüllten Flughafen.
Folge den Schildern Richtung Ausgang, tippe wie bessesen auf dem Display des Smartphones herum. Wieso hat er sich nicht gemeldet? Hab ich hier überhaupt Netz? Spanien gehört doch zur EU? Kann ich das Datenroaming einschalten, ohne gleich drauf in Konkurs gehen zu müssen?
Renne frontal gegen eine Glastüre, welcher Arsch hat denn die hierher gebaut? Wie zum Henker soll man sich denn da auf die virtuelle Wirklichkeit fokussieren?
Sein eiserner Griff umfasst meine Hüften, lass das Telefon fallen, er zieht mich an sich. Was zum…
„Baby, du hast mir so gefehlt“, seine Stimme reißt mich zurück ins Hier und Jetzt. Sekunden bevor unsere Lippen sich berühren, sauge den Duft seiner Haut ein, lasse mich zurück in die Stratosphäre katapultieren.
„Das sagt mein AMS Berater auch immer zu mir…“, murmle ich, er zieht mich an der Hand nach draußen.
Rieche das Meer; schmecke das Salz seiner Haut, spüre die Hand an meinem Hintern als wir in ein Taxi steigen..
„Buenas Dias Amigo“, das Raunen seiner Stimme so energisch wie ein Defibrilator auf Starkstrom, lege den Kopf an seine Schultern, er schlingt seine Arme um mich, küsst mich zärtlich auf die Stirn.
„Schön, dass du gekommen bist“, flüstert er mir ins Ohr, streicht eine Haarsträhne aus meinem Gesicht, als sich der Wagen in Bewegung setzt….
Was Mister L. wohl grade macht?

#Wald

Die untergehende Sonne taucht den Wald in ein warmes Licht, Mister Lover Lovers Gesichtszüge wirken noch weicher als sonst. Wir schlendern denselben Weg entlang, den ich am Vortag mit Mister Cornichon gegangen bin. Ob sich Ehebrecher genauso fühlen, wenn sie es im eigenen Bett treiben? Ich finde das doch nicht mehr cool und abgebrüht. Ganz leise macht sich mein Gewissen bemerkbar, als ob mir ein Stein im Magen liegen würde.
„Schämen sollst du dich, wie kannst du bloß durch die Gegend vögeln und den armen Kerl auf der Nase herumtanzen?“, schnauzt die Stimme im Kopf mit erhobenem Zeigefinger. Für einen Augenblick fürchte ich, dass meine Fassade zu bröckeln beginnt, zum Glück höre ich auf einmal die andere Stimme schreien: „Scheiß dich nicht an, du hast nicht mal den Schniedel von dem Kerl gesehen. Fremdgehen ist nur MIT Genitalien. Ohne die bösen Körperteile ist es wie Händeschütteln. Ein Kindergeburtstag quasi.“
Für mich klingt das logisch.
Mister L. fragt wo ich gerade bin.
„Sag mal sind deine Brüder auch alle so gut bestückt wie du?“
Er versichert mir, den Größten zu haben.
„Wieso versuchst du vom Thema ab zu lenken?“
Verdammt er hat mich durchschaut, gar nicht so einfach ihn hinters Licht zu führen. Dafür führt er mich an die Lichtung, steuert genau an die Stelle an der ich mich vor vierundzwanzig Stunden mit der Kleinschwänzig-schnellspritzenden Dumpfbacke paaren wollte. Unsicher, ob ich beichten oder laut lachen sollte ziehe ich ihn an mich um ihn zu küssen.
„Was hast du angestellt?“
Wie er das jetzt meint, ich hätte keine Ahnung wovon er da spricht.
„Und wieso schaust dann so drein?“
Ich checke meinen Gesichtsausdruck per Handycam, aber abgesehen davon, dass ich versehentlich nur ein Auge geschminkt habe, fällt mir nichts auf.
„Was meinst du?“
Nicht mal sein Dackel könne so reumütig gucken, wenn er etwas ausgefressen hat.
„Was willst du mir unterstellen?“, fauche ich ihn wütend an. Er solle doch zurück nach Italien fahren, wenn ich ihm nicht entspreche. Oder mir einfach sagen, wie ich blicken darf und wie nicht. Je wütender ich werde, desto mehr krieg ich Lust auf ihn.
„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich gearbeitet habe. Außerdem bist du diejenige, die nicht mitkommen wollte. Und du verheimlichst mir etwas, ich kenne dich doch.“
Mir gehen die Argumente aus, ich klatsche ihm eine. Er braucht eine Sekunde, um sich wieder zu fangen, krallt seine Finger um meine Haare um meinen Kopf nach hinten zu ziehen.
„Ach ja? Du hast Lust auf Spielchen?“
Zumindest will er nicht mehr wissen, was ich angestellt habe. Hätte ich gewusst wie einfach das geht, hätte ich ihn schon viel früher und öfter geohrfeigt. Ist schließlich entspannter als sich all die Lügengeschichten zu merken um all die Exzesse vor ihm zu verheimlichen. Gewalt ist immer eine Lösung!
„Zieh dich aus“, befiehlt er mir.
Die Sonne versinkt hinter den Baumkronen, ich blicke mich verstohlen nach ungebetenen Zaungästen um, ehe er mir die Bluse mitsamt den Knöpfen mit einem Ruck aufreißt.
„Wird’s bald?“
Lasse auch noch die Hosen runter, ziehe die Flipflops aus und knie mich vor ihn hin um um Vergebung zu lutschen. Ich solle sofort wieder aufstehen, und meine Finger von ihm lassen. Wortlos sammelt er die Klamotten ein, lässt mich dabei keine Sekunde aus den Augen. Erst als sein Telefon läutet, senkt er den Blick zum Display. Lächelnd tippt er auf dem Gerät, packt es wieder weg um sich wieder mir zu widmen.
„Du wirst dich da hinten an den Baum stellen, mit dem Gesicht zum Stamm. Ich will dass du solange dort bleibst, bis ich wieder zurück bin. Und nur um sicher zu gehen, dass du auch nicht wegläufst und verloren gehst, bleibst du nackt hier.“
Der blufft doch, der kann mich doch nicht einfach im Wald aussetzten. Nackt. Bei Nacht. Ohne Klamotten und Handy. Ungebumst und unrasiert.
„Das kannst du nicht machen! Was ist wenn es hier Wildschweine gibt?“
Er bemerkt beiläufig, dass ich wohl das einzige hier wäre. Ich sage hahaha der was ja wohl aufgelegt, frage ihn ob er einen italienischen Kasperl gefickt hat.
„Was ist, wenn ´s brennt? Wie soll ich dann weglaufen? Nackt und ohne Schuhe?“
Ich will schließlich nicht von einem Hirsch oder einem Forstarbeiter vergewaltigt werden. Oder von der bösen Hexe in ein Lebkuchenhaus gesperrt werden.
„Okay Kleines. Du glaubst mich in den Wahnsinn treiben zu können?“
Er wirft meine gefakeden Designerfetzen auf den moosbewachsenen Waldboden, zieht mich an den Ohren zu einer der riesigen Birken am Wegesrand, drückt mein Gesicht an den Baum.
„Genauso bleiben, du Miststück.“
Bis zum Hals kann ich mein Herz schlagen hören, als er sich entfernt. Aus einiger Entfernung höre ich erst einen Reißverschluss, dann leises Plätschern.
„So Baby, für den Notfall lass ich dir deine Klamotten da – zur Sicherheit habe ich alles markiert.“
Wieder der Reißverschluss, wieder Schritte, seine Hand an meinem Hintern, sein Atem an meinem Ohr: „Bis gleich Baby, amüsiere dich.“