Kalte Welt

Nachtrag

Die Lage ist ernst. Knapp tausend Tote die letzten 24 Stunden. Im Fernsehen Bilder von LKW´s voller Särge – Italien hält die Luft an.
Sie bitten die Bevölkerung um ausrangierte Tablets, hauptsache sie funktionieren soweit um den Sterbenden einen virtuellen Abschied von der Familie zu ermöglichen. Ein allerletztes Mal in die Augen der engsten Vertrauten zu blicken, ehe der endgültige Abgang ansteht.
Kranke, kalte Welt.
Keine Kapazitäten für ein würdevolles „Auf Wiedersehen“; schneller als Gevatter Tod dich holt verbrennen deine Überreste im Krematorium. Akkordarbeit in ihrer wohl zynischsten Form.
Zu gelähmt um Trauer zu zulassen, jemand redet von Verschwörung. Kralle meine Finger so fest um die Hülle des Tablets, bis der Kunststoff unter meinen blutenden Fingern zerspringt. Schlage gegen die Heckscheibe des Leichenwagens, sehe keinen Sinn mehr darin meine Wut noch länger beherrschen zu wollen.
Dachte eine globale Bedrohung würde Zusammenhalt und Frieden unter meinesgleichen bewirken…. Stattdessen vertiefen sich die Gräben immer weiter…
Uns ist nicht mehr zu helfen.

2 Antworten auf „Kalte Welt

  1. Wer soll das sein, der uns helfen könnte? Da wir die sind, die auch „uns“ sind, sind wir es, die uns helfen. Und das tun wir, jede Minute, Stunde und Tage. Gräben gibt es, klar, aber auch das was sie überwindet. So funktioniert die Dialektik der Welt.

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