#Datenschutz

Kaum das ich das Ruder wieder rumgerissen habe, um mich aus dem gröbsten Schlamassel hinaus zu hieven bemerke ich eine immer energischere Unruhe in mir aufkeimen. Man müsste meinen, der Mensch wird ruhig wenn er wieder Strom, fließend Wasser, eine funktionierende Heizung und ein futzikleines Plus am Konto hat. Falsch geglaubt, mich nervt diese Idylle schon nach zwei Atemzügen wieder. Mir ist nicht nach Harmonie, erstens sitzen meine Haare nicht so wie sie sollen und zweitens riechen meine Schuhe nach Pisse und drittens regt mich der Kickl so auf, dass ich Angst habe mir etwas anzutun wenn ich meine Wut nicht loswerde.
Mein Kater läuft mit einem schwarzen Schal zwischen den Zähnen an mir vorbei, ich sage pfui gib das wieder her, oder willst den auch noch vollpissen? Da er ihn nicht allzu sehr angesabbert hat, wickle ich mein Gesicht damit ein, alles außer den Augen. Plötzlich steht Mister L. im Flur, starrt mich verdutzt an.
„Was zum Teufel treibst du da? Wieso trägst du ne Burka?“ ,lächelnd kommt er näher, legt seine Hände auf meine Hüften und sagt dass ich ihm gefehlt hätte.
„Weil ich gegen das Vermummungsverbot demonstrieren werde. Das lass ich mir aus Datenschutzgründen nicht mehr gefallen, die können mich alle mal!“, nuschle ich in den selbstgebastelten Vollschleier, der mir immer über die Augen rutscht. Seine Hände fassen unter mein Shirt, ich sag hör auf abzulenken. Das wäre ein wichtiges politisches Thema, dass uns schließlich alle was angeht. Wo wären wir schließlich heute, wenn Adolf statt nach Polen zu spazieren immer nur geschnackselt hätte? Ja, genau – am Rande der Bedeutungslosigkeit. Will aus seiner Umarmung fliehen, wieder verdeckt mir der Stoff die Sicht, damit mich das heimtückische Katzenvieh auch noch zum Stolpern bringt, indem es einfach vor meine Beine hüpft.
Statt Mister L´s Arm erwische ich den Kleiderständer um mich festzuhalten, knalle ich mitsamt der Garderobe vor seine Füße. Ich kann immer noch nichts sehen, als er mich hoch zieht und fest am Krawattel packt.
„Es ist an der Zeit was gegen deine Unruhe zu unternehmen, bevor du noch einen Krieg anzettelst“ ,meint er als er mich vor sich herschiebt, meine Arme auf den Rücken dreht, meine Hose nach unten zieht. Ich widerspreche kleinlaut, er blättert auch noch mein Oberteil über den vermummten Kopf, drückt meinen nackten Körper gegen die Glasfront vom Balkon und öffnet den Reissverschluss seiner Jeans.
„Keine Sorge wegen der Spanner. Die können dich aus datenschutzrechtlicher Verschleierung nicht erkennen“, flüstert er mir zu um sich endlich meiner Nervosität anzunehmen.
Halleluja.

2 Antworten auf „#Datenschutz

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