#Komprimiert

Billy Joel sagt, dass er nicht weiß warum er zu Extremen neigt.
Ich sage, ich habe auch keine Ahnung.
Der Gerichtsvollzieher fragt, ob ich vierhundertachzehn Euro und neunzehn Cent für ihn habe.
Amy Winehouse singt – No, no, no.
Der Kuckuck auf meiner Karre kann überhaupt nicht singen.
Der Finanzkiwara genausowenig.
Mister Lover Lover sagt, ich wäre fett geworden.
Ich sage er hätte asymmetrische Kronjuwelen
Google sagt, dass komme vom ständigen rechtswichsen
Frau Doktor Germanistik sagt, dass nur Männer wichsen
Opa sagt, wir sollen endlich aufhören über solchen Schweinekram zu reden
Ich sage er soll sein Hörgerät auf lautlos schalten
Donald schimpft via Twitter über Fake News
Opa sagt, was hat er gesagt?
Der Pinguin schreit laut um Hilfe
Die GIS will wissen ob das Mistvieh seine Rundfunkgebühr bezahlt hat
Käptain Iglo schießt mit Fischstäbchen auf die Beamten
Opa schießt seine Zähne auf Käptain Iglo
Die Gis schleudert den Pinguin auf Mister Lover Lover
Kurt sagt come as you are
Gerti Senger behauptet nicht zuständig zu sein
Ich bitte, jemand bringe mir den Spritzwein

#fünfhundertachtundzwanzig

Erst als ich in einiger Entfernung das Starten seines Motors höre, drehe ich mich um und überlege wie ich am schnellsten aus der Nummer raus komme. Es ist inzwischen stockdunkel, auch der Vollmond reicht nicht aus um die Schwärze der Umgebung aufzuhellen.
Nicht dass es mich schockieren würde, wie ein lästig gewordenes Haustier ausgesetzt zu werden – ehrlich gesagt wundert es mich, wieso das nicht schon viel früher passiert ist. Was mich dennoch überrascht ist das WIE. Ich hätte eher damit gerechnet als Kind ausgewildert zu werden, nicht als tageslichttaugliches Bumshäschen mit äußerst bemerkenswerten Fellatio-Fähigkeiten. Und schon gar nicht mit eingesauten Klamotten. Damit kann ich sicher nicht flüchten, ohne unangenehm aufzufallen.
So eine verfluchte Scheiße, was tu ich denn jetzt?
Erstmal schreie ich den Baum an, trete dagegen und winsle vor Schmerz laut auf, als der Knochen meines Zehs knackend mit dem Stamm kollidiert. Seit wann ist Birke ein Hartholz, verschissene Scheiß Arschficker Natur – zubetoniert gehört sie. Ich beende meine Schimpftirade erst, als mir meine private Unfallversicherung einfällt – die zahlen fünfhundertachtunzwanzig Euro pro gebrochenen Knochen. Es tut zwar immer noch scheiße weh, aber die Aussicht aufs Schmerzensgeld dämpft zumindest meinen Impuls die Botanik weiterhin anzuschreien.
Ich überlege, ob ich nicht nochmal dagegentreten sollte – eintausendsechsundfünfzig Euro sind schließlich besser als fünfhundertachtundzwanzig. Bin mir aber nicht ganz sicher, ob die Generali pro Knochen, oder pro Vorfall bezahlt, Instinktiv suche ich nach meinem Handy, um die Versicherungspolizze zu checken. Doch der Griff auf die Hüfte verläuft im Sande – da ist weder eine Handtasche noch ein Telefon. So ein gottverdammter Mistkerl, brabble ich vor mich hin. Plötzlich lässt mich ein Knacken im Unterholz aufschrecken. Bitte lieber Gott mach dass es kein Wildschwein ist. Ich kauere mich auf den Boden, lausche aufmerksam ins schwarze Nichts hinein.
Es knackt noch mal, bitte lieber Gott mach dass es der Prinz auf dem weißen Pferd ist, der mich sucht und mit in sein Schloss nimmt.
„Wenn der eine ausgesetzte, hinkende,nackte Irre mit vollgepinkelten Klamotten mit zu sich nimmt, hat das sicher seine Gründe. Vermutlich illegaler Organhandel – da hofft man auf Mister Right und erwacht stattdessen in einer Badewanne voller Eiswürfel und einer riesigen Narbe“, redet mir eine der Stimmen im Kopf zu. Wieso kann mich diese Arschlochstimme nicht mal ermutigen?
Das Knacken kommt näher, meine Nerven liegen blank, Adrenalin flutet die Blutbahn. Kämpfen oder Fliehen? Wie von einer Tarantel gestochen springe ich auf die Birke. Versuche an ihr hoch zu klettern. Stattdessen rutsche ich ab, und verletze mein Schmuckkästchen an einem abstehenden Stück Rinde. Ob die Unfallversicherung auch für abgerissene Schamlippen zahlt?
Klatsche unsanft auf den Boden, danke Gott dass mir dabei nicht noch ein Tannenzapfen im Arsch stecken bleibt. Dann Totenstille.
Ich kralle mir einen herumliegenden Stock – wenn ich schon nicht flüchten kann, werd ich halt kämpfen. Denselben Gedanken dürfte der vorbeispringende Hase haben, als er zwei Haken schlägt und wieder verschwindet. Super Heldengeschichte – genitale Verstümmelung wegen Osterhasenphobie. Ich hab mehr Neurosen, als andere Frauen Schuhe im Schrank.
Langsam finde ich mich mit meinem Schicksal ab, da höre ich das vertraute Motorengeräusch und das Quietschen seiner Bremsen in der Ferne. Abrupt unterbrochen durch lautes Pfauchen neben meinem lädierten Fuß – wo zum Teufel kommt der Marder her?
Lieber Gott bitte mach, dass er nicht tollwütig ist.

#Wald

Die untergehende Sonne taucht den Wald in ein warmes Licht, Mister Lover Lovers Gesichtszüge wirken noch weicher als sonst. Wir schlendern denselben Weg entlang, den ich am Vortag mit Mister Cornichon gegangen bin. Ob sich Ehebrecher genauso fühlen, wenn sie es im eigenen Bett treiben? Ich finde das doch nicht mehr cool und abgebrüht. Ganz leise macht sich mein Gewissen bemerkbar, als ob mir ein Stein im Magen liegen würde.
„Schämen sollst du dich, wie kannst du bloß durch die Gegend vögeln und den armen Kerl auf der Nase herumtanzen?“, schnauzt die Stimme im Kopf mit erhobenem Zeigefinger. Für einen Augenblick fürchte ich, dass meine Fassade zu bröckeln beginnt, zum Glück höre ich auf einmal die andere Stimme schreien: „Scheiß dich nicht an, du hast nicht mal den Schniedel von dem Kerl gesehen. Fremdgehen ist nur MIT Genitalien. Ohne die bösen Körperteile ist es wie Händeschütteln. Ein Kindergeburtstag quasi.“
Für mich klingt das logisch.
Mister L. fragt wo ich gerade bin.
„Sag mal sind deine Brüder auch alle so gut bestückt wie du?“
Er versichert mir, den Größten zu haben.
„Wieso versuchst du vom Thema ab zu lenken?“
Verdammt er hat mich durchschaut, gar nicht so einfach ihn hinters Licht zu führen. Dafür führt er mich an die Lichtung, steuert genau an die Stelle an der ich mich vor vierundzwanzig Stunden mit der Kleinschwänzig-schnellspritzenden Dumpfbacke paaren wollte. Unsicher, ob ich beichten oder laut lachen sollte ziehe ich ihn an mich um ihn zu küssen.
„Was hast du angestellt?“
Wie er das jetzt meint, ich hätte keine Ahnung wovon er da spricht.
„Und wieso schaust dann so drein?“
Ich checke meinen Gesichtsausdruck per Handycam, aber abgesehen davon, dass ich versehentlich nur ein Auge geschminkt habe, fällt mir nichts auf.
„Was meinst du?“
Nicht mal sein Dackel könne so reumütig gucken, wenn er etwas ausgefressen hat.
„Was willst du mir unterstellen?“, fauche ich ihn wütend an. Er solle doch zurück nach Italien fahren, wenn ich ihm nicht entspreche. Oder mir einfach sagen, wie ich blicken darf und wie nicht. Je wütender ich werde, desto mehr krieg ich Lust auf ihn.
„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich gearbeitet habe. Außerdem bist du diejenige, die nicht mitkommen wollte. Und du verheimlichst mir etwas, ich kenne dich doch.“
Mir gehen die Argumente aus, ich klatsche ihm eine. Er braucht eine Sekunde, um sich wieder zu fangen, krallt seine Finger um meine Haare um meinen Kopf nach hinten zu ziehen.
„Ach ja? Du hast Lust auf Spielchen?“
Zumindest will er nicht mehr wissen, was ich angestellt habe. Hätte ich gewusst wie einfach das geht, hätte ich ihn schon viel früher und öfter geohrfeigt. Ist schließlich entspannter als sich all die Lügengeschichten zu merken um all die Exzesse vor ihm zu verheimlichen. Gewalt ist immer eine Lösung!
„Zieh dich aus“, befiehlt er mir.
Die Sonne versinkt hinter den Baumkronen, ich blicke mich verstohlen nach ungebetenen Zaungästen um, ehe er mir die Bluse mitsamt den Knöpfen mit einem Ruck aufreißt.
„Wird’s bald?“
Lasse auch noch die Hosen runter, ziehe die Flipflops aus und knie mich vor ihn hin um um Vergebung zu lutschen. Ich solle sofort wieder aufstehen, und meine Finger von ihm lassen. Wortlos sammelt er die Klamotten ein, lässt mich dabei keine Sekunde aus den Augen. Erst als sein Telefon läutet, senkt er den Blick zum Display. Lächelnd tippt er auf dem Gerät, packt es wieder weg um sich wieder mir zu widmen.
„Du wirst dich da hinten an den Baum stellen, mit dem Gesicht zum Stamm. Ich will dass du solange dort bleibst, bis ich wieder zurück bin. Und nur um sicher zu gehen, dass du auch nicht wegläufst und verloren gehst, bleibst du nackt hier.“
Der blufft doch, der kann mich doch nicht einfach im Wald aussetzten. Nackt. Bei Nacht. Ohne Klamotten und Handy. Ungebumst und unrasiert.
„Das kannst du nicht machen! Was ist wenn es hier Wildschweine gibt?“
Er bemerkt beiläufig, dass ich wohl das einzige hier wäre. Ich sage hahaha der was ja wohl aufgelegt, frage ihn ob er einen italienischen Kasperl gefickt hat.
„Was ist, wenn ´s brennt? Wie soll ich dann weglaufen? Nackt und ohne Schuhe?“
Ich will schließlich nicht von einem Hirsch oder einem Forstarbeiter vergewaltigt werden. Oder von der bösen Hexe in ein Lebkuchenhaus gesperrt werden.
„Okay Kleines. Du glaubst mich in den Wahnsinn treiben zu können?“
Er wirft meine gefakeden Designerfetzen auf den moosbewachsenen Waldboden, zieht mich an den Ohren zu einer der riesigen Birken am Wegesrand, drückt mein Gesicht an den Baum.
„Genauso bleiben, du Miststück.“
Bis zum Hals kann ich mein Herz schlagen hören, als er sich entfernt. Aus einiger Entfernung höre ich erst einen Reißverschluss, dann leises Plätschern.
„So Baby, für den Notfall lass ich dir deine Klamotten da – zur Sicherheit habe ich alles markiert.“
Wieder der Reißverschluss, wieder Schritte, seine Hand an meinem Hintern, sein Atem an meinem Ohr: „Bis gleich Baby, amüsiere dich.“

#Toxoplasmose

Vielleicht war es der bevorstehende Vollmond. Oder zyklusbedingte Unzurechnungsfähigkeit. Es ist gar nicht so einfach einen Schuldigen für Unentschuldbares zu finden. Vor allem, wenn man felsenfest von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt ist. Lieber noch bisschen Drama produzieren um dadurch eine plausible Erklärung für meine eigene Leichtsinnigkeit zu haben.
Schließlich kann man in meinem Alter nicht mehr alles auf die schlimme Kindheit schieben. Toxoplasmose als Auslöser wäre für mich und eine Handvoll anderer Menschen auch nachvollziehbar – allerdings vor Gericht kein Milderungsgrund. Entschuldigung euer Ehren, aber ich habe nur deswegen Raketen aus einem fahrenden Auto abgefeuert weil ich vollgepumpt mit Drogen war und ich mich mit der Katzenkloseuche angesteckt habe. Deswegen bin ich Risikobereitschaftsbehindert. Das kommt nur vom Katztenpipi, können sie ruhig googeln.
Bens Schulterklopfer unterbricht meinen Tagtraum, dabei hätte ich so gerne die Antwort des imaginären Richters gehört.
„Das ist der letzte Rest vom Wochenende. Pass bloß auf, das Zeug ist wirklich stark“, raunt er mir zu.
Mit einer Mischung aus Euphorie, Neugier, schlechtem Gewissen und Selbsthass stecke ich das Briefchen mit dem braunen Pulver ins Portemonnaie, frage mich, ob und wann sie mir ins Gehirn geschissen haben. Der kleine Teufel auf der linken Schulter beruhigt mich, es sei doch alles in Ordnung. Schließlich kommt das Zeug aus der Natur und nicht aus dem Labor. Lieber Heroin als Crystal Meth flüstert die kleine gehörnte Arschgeige, während ich Ben meine letzten Euros in die Hand drücke. Der Eintritt für die Talfahrt kostet n Fuffie, ich bin ja schon so aufgeregt….
Zuhause angekommen sehe ich mich im Netz erstmal nach einem passablen Rachefick um, Auge um Auge, Zahn um Zahn – Mister Lover Lover soll ja nicht glauben, dass ich mir alles gefallen lasse. Abgesehen davon müsste er mittlerweile wissen, wie scharf ich werde, wenn ich wütend bin. Und da er bedauerlicherweise nicht vor Ort ist, muss ich mich wohl mit irgendeinem Toyboy aus dem Internet zufrieden geben.
Misterjoy1999 macht auf dem Profilbild einen äußerst fickbaren Eindruck – zumindest vom Kinn bis zum Bauchnabel. Ich bin immer noch so wütend, dass mir die Aussicht völlig reicht – wenn er wirklich hässlich ist, soll er mich eben von hinten bumsen und ich stelle mir vor er wäre Prinz Harry.
Passenderweise stellt sich dieses charmante Online – Wesen eine knappe Stunde später als Harald vor, als wir uns auf einem Autobahnparkplatz treffen. Sein Gesicht ist genauso schön anzusehen, wie der Rest von ihm – das eng anliegende weise Shirt schmeichelt seinen Konturen, genauso wie seine Jeans. Wäre ich nicht so angepisst, könnte ich ihn direkt auf seinen Knackarsch klatschen.
Er sagt, er mache sowas zum ersten Mal, ob ich schon viel Erfahrung hätte, will er wissen. Nein, nein ich bin noch Jungfrau. Seine Gesichtsentgleisung lässt auf pures Entsetzen schließen, er kauft mir den Mist tatsächlich ab, scheint als wäre er naturblond.
„Mach dir nicht ins Hemd, zwei Minuten von hier entfernt ist ein Waldweg. Lass uns dorthin da ist es ein wenig ruhiger“, versuche ich seine Aufregung zu zügeln. Die legt sich tatsächlich, als wir Händchenhaltend den schmalen Schotterweg entlangspazieren und ich ihm versichere, wirklich keine Jungfrau mehr zu sein. Wenn dumm wirklich gut fickt, ist der Kleine sicher Weltklasse. Mein Handy klingelt, Mister Lover Lover ist am Apparat will wissen was ich tue, ich sage KKKrrrzchchckkerasschaarrkkksch kkrzzzzzkkkuiuiu schlechter Empfang und lege wieder auf.
Blondie fragt, ob ich ein Problem hätte. Wie er darauf kommt, hacke ich nach. Lasse ihn nicht antworten, fasse ihn ungeniert in den Schritt um abzuchecken ob es sich lohnt, noch tiefer in den Wald hinein zu laufen. Doch so sehr ich mich auch bemühe, ich kann keine Genitalien durch den Stoff seiner Hose ertasten. Lieber Gott bitte mach, dass er welche hat.
Haralds Schockstarre hält mich nicht davon ab, ihn auf den moosgrünen Waldboden zu drücken und ihn den Reißverschluss zu öffnen um nach den Kronjuwelen zu suchen. Tatsächlich bemerke ich was Halbhartes hinter der rosafarbenen Unterwäsche. Mein Versuch, seine Hosen komplett hinunterzuziehen wird durch seine immer lauter werdende Schnappatmung erschwert.
„Ganz ruhig, Kleiner. Ich tue dir nicht weh, versprochen. Es sei denn, du willst es?“
Gefühlvoll streiche ich ihm eine Haarsträhne aus seinem kreidebleich gewordenem Gesicht, ehe ich seine Hände auf meine Brüste lege. Plötzlich beginnt er am ganzen Körper unkontrolliert zu zittern, verdreht die Augen nach oben und grölt wie ein wildgewordener Hirsch in der Brunftzeit. Lieber Gott bitte mach, dass es kein epileptischer Anfall ist.
Von einer auf die andere Sekunde entspannt sich der vermeintliche Krampfsüchtige unter mir und lächelt mich verliebt an. Seine Haare stehen in alle Richtungen ab, eine Hand hält immer noch meine Brust. Durch den geöffneten Hosenschlitz drückt ein winziges Etwas gegen die feucht gewordene Short. Hat er sich etwa angepinkelt? Wieso grinst er so dämlich?
„Danke, das war voll geil mit dir“, flüstert er verlegen und mit glasigem Blick, verstaut seinen Penis und schließt den Knopf der Levis. Halleluja, der hat nicht eingenässt sondern abgespritzt. Danke lieber Gott – ich mag deine Art von Humor.

#dolcefarnientepannacottaporno

Es ist momentan alles zu viel – zwischenmenschliche Kontakte, Gespräche, Monologe, Sonnenschein, Texte verfassen oder staubzusaugen…
Mister Lover Lover fährt in Urlaub, scheiß doch auf ihn.
Baghira schmiegt sich behutsam um meine Knöchel, schnurrend schmust sich die Miezekatze an den Saum meiner Socken.
„Hör auf mit meinen Füßen herumzumachen, du perverses Viecherl!“
Ermahne den Kater, schließlich will ich nicht, dass er sich mit meinen Klamotten paart. Auf der Abdeckung des Katzenklos liegt ein zusammengeknüllter Haufen Bargeld, ich kralle ihn mir um ihn unauffällig in meinen Ausschnitt verschwinden lassen zu lasse. Beinahe so, als müsse ich es vor der Katze verstecken – obwohl es umgekehrt sinnvoller wäre. Immerhin denkt das vierbeinige Gerät nicht daran, sämtliche Bargeldreserven in Betäubungsmittel zu investieren.
Auf dem Weg zum Besten aller Drogendealer beschleichen mich dann doch Zweifel, ob Heroin das passende Mittel der Wahl ist, oder es doch einen Tick zu Drama wirken könnte. Ich meine, wer setzt sich schon einen goldenen Schuss, nur weil der Liebste für drei Nächte nicht vor Ort ist. Hochkarätige Dramaqueens mit einem extremen Hang zur Theatralik?
Wem will ich damit eins auswischen? Ihm oder mir selbst
Vor lauter Fragen im Kopf übersehe ich die rote Ampel, touchiere eine vorbeifliegende Taube mit dem Seitenspiegel, schneide eine heranrasende Radfahrerin. Sie zeigt mir den Mittelfinger, brüllt irgendetwas ausländisch Klingendes durchs offene Fenster. Zum Glück ist die Urlaubszeit bald wieder vorbei – dann kann ich das Geschimpfe anderer Verkehrsteilnehmer auch wieder verstehen – diese ostdeutschen Gammeltouristen quaken unverständlicher als ich mit vier Komma acht Promille beim Italienischkurs.
Ich versichere mich, dass ich die Flugratte nicht getötet habe, winke der Radfahrerin und mache mich aus dem Staub.
Immer noch unschlüssig, was zum Teufel ich da eigentlich mache- reißt mich ein Summen der Mittelkonsole aus meinem quälenden Monolog heraus. Er ruft tatsächlich an, wo ich bin und was ich tue will er wissen. Trotzig entgegne ich, dass er sich jemand anderen zum Kontrollieren suchen soll. Ich frage ja auch nicht, welchen südländischen Frosch er grade knallt und lege wieder auf.
Soll er ruhig wissen, dass ich sauer bin.
Was glaubt der überhaupt?
Und plötzlich bin ich wütender auf ihn, als auf mich selbst. Wie durch ein Wunder lenke ich die Karre durch Manhattan, ohne beim Ticker stehen zu bleiben. Wieso sollte ich mich vergiften, wenn ich auf IHN sauer bin? Was ist denn das für eine dämliche Logik?
Nein, danke. Ich ändere mein Leben!
Kein Gift! Wahre Rache baut auf Fremdenverkehr!

Wenn er meint, irgendwelchen dolce-far-niente-panna-cotta-porno-italia-prinzessinen die Haare zu machen, während sein Schniedelwutz dabei die ganze Zeit unbeaufsichtigt herumschwingt, dann hat er sich geschnitten….

#Roastbeef

Pflichtbewusst schmiert Mister Loverlover Senf auf das Stück Kuhleiche, das wie aufgebahrt auf dem Bräter vor ihm thront. Meinen Einwand man sollte das Roastbeef im Garten begraben um ihn die letzte Ehre zu erweisen, ignoriert er. Stattdessen zickt er rum, weil ich den Verschluss der Senftube verloren habe.
„Na und, du hast mir die Unschuld geraubt.“
Sein Lachkrampf lässt erst nach, als er mir an den Hintern fasst – es riecht nach Genrewechsel. Seine Belustigung weicht sexueller Erregung – Ich kann es ganz genau spüren, als er mir die Short nach unten zieht. Dynamischer als ein Eichhörnchen auf Ephedrin drückt er meinen Kopf auf die Tischplatte – und sich in mich.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mich das Stück Rind direkt neben meinem Gesicht eher anmacht oder ich mich davor ekeln sollte. Ethisch korrekt fühlt es sich nicht an. Aber geil. Man kann halt nicht immer alles auf einmal haben – Moral und Geilheit passen scheinbar nicht zusammen.
Da könnte man Weihnachten genauso gut im Swinger Club feiern.
Ich sage er soll aufhören, Kartoffelschälen und Analverkehr zur selben Zeit irritiert mich, genauso wie Fleisch vor meinem Gesicht. Schließlich bin ich Mitgleid beim VGT. Trotzig rammelt er mich weiter: „Multitasking, Baby.“
Es dauert nicht lange, bis sowohl die tote Kuh als auch die Kartoffeln auf den Boden fallen, genauso wie die Senftube und die angebrochene Flasche Bier. Scheinbar versteht er das Scheppern als Anfeuerung – oder er will mich zu Tode ficken weil ich den Schraubverschluss verloren habe? Sein immer lauter werdendes Hecheln lässt auf Erlösung hoffen – oder eine Herzattacke befürchten. Sein Fuß tritt auf den Senf, springflutartig schießt das braune Zeug über den Fußboden und den Kopf der Katze. Unbeirrt hämmert er weiter, während die Mietzekatze panikartig davonläuft.
Plötzlich hört er auf, steht erst mucksmäuschenstill ehe er meinen Kopf an den Haaren nach oben zieht:
„Schau mal da raus, da zwischen den Bäumen“, sein Finger deutet durch die Fensterscheibe auf den Wald. Die Theatralik in seinem Unterton klingt, als ob er Bigfoot da draußen gesehen hätte.
Doch so sehr ich mich auch konzentriere, ich kann nichts sehen. Vielleicht liegt’s aber auch an der stillstehenden Penetration. Davon kann man blind werden, hab ich mal auf Google gelesen.
„Was zum Teufel soll da draußen sein?“
Stillstand beendet, die Maschine läuft wieder:
„Schau genau Babe, es ist deine Unschuld, die eben in den Wald gelaufen ist.“

#Sommer

Sommer liegt in der Luft, die Atmosphäre in diesen Tagen kribbelt vor Aufregung. So viele glitzernde Augen sieht man nicht mal beim Sommerschlussverkauf im Einkaufszentrum.
Abgesehen vom Alkoholverkauf lässt die Vorfreude auf das kollektive Dauerbesäufniss auch die Temperatur in den schmalen Gassen der Innenstadt ansteigen. Kirchtag ist! Villach säuft. Italien eskaliert. Und ich versuche die Contenance in Person zu verkörpern- ich bestelle tatsächlich Wasser. Nein, ich will mich nicht waschen sondern das Zeug trinken.
Meine Gang fragt ob ich sehr krank bin. Ich sage nein. Der Besoffene Sack am Nebentisch fragt, ob ich schwanger bin. Ich sage nein, nur fett.
Mama schenkt mir Wein ein, bemerkt beiläufig dass auch Schwangere hin und wieder ein Glas heben dürfen, schließlich hätte sie das auch getan als sie zu mir trächtig war. Kralle mir die Flasche Welschriesling aus dem Kühler, setzte sie an um sie aus zu trinken.
„Ja Mama, hast Recht. Immerhin ist ja aus mir was geworden. Kannst ruhig mal meinen AMS Berater fragen.“
Gekonnt ignoriert sie meinen Provokationsversuch, dreht sich auf die andere Seite um eine Diskussion zum Thema Dammschnitt und Wehen Einleitung mit dem unbekannten drei-Prommiler anzufangen.
Trotzig schütte ich das Wasser in den Blumentopf vor uns, ehe ich ihn unbemerkt in die Handtasche meiner Mutter stopfe. Schließlich lasse ich mich nicht ignorieren. Als der Kellner vorbeikommt, flüstere ich ihn ins Ohr: „Hören Sie mal, die alte Frau neben mir klaut eure Tischdeko.“
Vermutlich ist er der deutschen Muttersprache nicht mächtig, denn anstatt die Polizei zu rufen zuckt er mit den Schultern: „Meine Kollege kommen gleich. Ich nichts zuständig für scheiße Buschkawettel. Ich nur Klo kassieren, da keine Blumen nur Papier auffüllen.“
Olga fragt wieso ich mit dem Scheißhauschef anbandle, ich könnt mindestens einen von den Türstehern abkriegen. Meine bedauernswert immer noch unverhaftete Mutter bemerkt die untergejubelte Beute erst im nächsten Bierzelt. Ihrem resigniertem Kopfschütteln folgt ein: „Das Kind war immer schon schwierig.“
Vermutlich weil sie in der Schwangerschaft gesoffen hat. Irgendwer muss doch Schuld an meinen offensichtlichen Defiziten tragen.
Olga will wissen ob wir die Blumen nicht rauchen können. Mama sagt, Olga soll schlafen gehen so angesoffen wie sie ist. Olga sagt, ey ey Kapitansky, lässt sich unter den Tisch fallen um auf den versifften Pflastersteinen ein Nickerchen zu halten.
Höchstwahrscheinlich hat auch ihre Erzeugerin gesoffen, als Olga noch ein Embryo war.
Lachende Feierwütige zucken sofort ihr Handy um das Rauschgerät unter uns zu fotografieren. #Kirchtagsopfer.
Nach dem gefühlt dreitausendsten Schnappschuss schreckt Olga plötzlich auf, stoßt sich den Kopf an der Tischplatte, brüllt lei lei und fragt nach einem Krapfen. Tante Uschi zieht an ihrem Ohr, behersch dich bitte, Fasching war schon.
Rappeln uns auf, ziehen weiter. Flanieren raus aus dem Trubel, runter zur Drau. Vorbei an Horden wildpinkelnder Freizeitsäufer, fummelnder Volksschüler und tiefenentspannter Kiffer, während über uns die Post abgeht. Wärmen längst vergessene Saufgeschichten auf, als es aufeinmal hinter uns knallt.
Wie aus dem Nichts klatscht der Körper auf den Asphalt, aus der Nase und dem Mund des jungen Mannes läuft Blut, außer seinem röchelnden Atmen ist nichts zu hören. Ich rufe den Notarzt, während das Blitzlichtgewitter über unseren Köpfen einsetzt. Erstmal ein Foto für Facebook, social media für ganz asoziale. Ich zweifle an der Menschlichkeit der Gaffer, schicke ein stilles Stoßgebet nach oben: Herr lass es Empathie regnen.
Schöne neue Welt.
#Fuckdigitalism
#Fucksocialmedia