Postkoitale Dysphorie

Wir liegen eng umschlungen auf dem Laken, lauschen langsamer werdenden Atemgeräuschen des Anderen, während sich ein wohliger Schauer über uns legt.

Fabian ist der Erste, der seine Stimme wieder findet. Vorsichtig streichelt er über mein Gesicht, leckt mit der Zungenspitze über seine Lippen. Ob mein Mund auch so trocken ist, fragt er mich. Als hätte ich einen toten Hamster verschluckt, antworte ich.

Wann das Buch endlich fertig ist, will er wissen. Wann der Gin-Tonic endlich fertig ist, will ich wissen.

Trinkend starren wir in den Himmel, warum er nicht mehr aufhören kann, will ich wissen. Außerdem soll er sich den theatralischen Stoßseufzer für seinen Therapeuten aufheben, oder meinetwegen für seine Friseurin.

Wir lachen.

Sabine war ihr Name. Als er von ihr zu erzählen beginnt, fangen seine Augen Feuer, sein Tonfall wird weicher. Sie war die Liebe seines Lebens, der Mittelpunkt seiner Welt.

Vorsichtig taste ich nach seiner Hand, suche Halt, ehe er weiterredet.

Keine drei Wochen nach dem Kennenlernen zieht er zu ihr, hält um ihre Hand an. Ja, sie will. Freudentränen. Zukunftspläne.

Eine Woche später ist sie tot. Verunglückt in dem Wagen, den er ihr zum Geburtstag geschenkt hat.

Fabians Finger wandern Richtung Gift, kann ihn nicht halten. Kann mich nicht mehr halten.

Wir liegen eng umschlungen auf dem Laken, lauschen dem langsamer werdenden Atemgeräuschen des Anderen, während sich ein wohliger Schauer über uns legt.

Leider hält die postkoitale Schockstarre nicht lange an, Thorsten sagt, dass er verliebt in mich ist. Ich erinnere ihn an seine Ehefrau und die drei Kinder.

Wann das Buch endlich fertig ist, will er wissen. Und ob ich viel über ihn geschrieben hab. Weil eigentlich sollte ich über ihn schreiben. Weil eigentlich ist er spannender als die Frage nach Gott. Weil eigentlich ist er schneller, höher, besser und weiter.

„Und härter!“, deute auf seine Erektion, ziehe mich an und verschwinde.

Wir liegen eng umschlungen auf dem Laken, lauschen dem langsamer werdenden Atemgeräuschen des Anderen, während sich ein wohliger Schauer über uns legt.

So sehr ich mich auch konzentriere –  ich komm nicht auf seinen Namen.

Wann das Buch endlich fertig ist, will der Unbekannte wissen. Woher er von dem Buch weiß, frag ich ihn. Seine rechte Hand packt mich am Hinterkopf, zieht mich an seine Brust.

„Du willst spielen Maja?“, süffisant grinsend dirigiert er meinen Kopf nach unten…

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