Über arbeitslose Wirtschaftsfüchtlinge

„Sie hat uns wegen einem nicht ausgeleerten Mistkübel gefeuert? Das ist nicht dein Ernst?“

Steffi sieht nicht aus, als ob sie scherzen würde.

„Die Alte ist doch deppert im Schädel. Sie hat uns heute Vormittag über Whatsapp terrorisiert, schau mal“, Steffi fährt den Wagen rechts ran, wischt über ihr Streichelhandy um mir den Chatverlauf zu zeigen. Fünfundzwanzig eingehende Nachrichten, wegen einer beschissenen Kleinigkeit. In der Zeit in der sie den Mist geschrieben hat, hätte sie den Dreck auch selbst rausbringen können.

„Wenn die wüsste was wir im Mitarbeiterraum getrieben haben…“, kichernd steigt sie aufs Gas, schießt aus der Parklücke zurück auf die Straße.

„Aber wieso bin ich gefeuert? Ich war doch gestern Abend nicht arbeiten?“

Steffis Miene verfinstert sich augenblicklich:

„Aber du warst den halben Abend bei uns in der Bar.“

Für einen Kündigungsgrund scheint mir ihre Antwort nicht plausibel genug.

„Ja, und?“

„Du hast völligen Filmriss, oder?“

„Von wegen Filmriss. Bei mir ist die ganze Videothek abgebrannt.“

Ich gebe mir Mühe, aber trotz aller Anstrengung  schaffe ich es nicht, die vergangene Nacht auch nur ansatzweise zu rekonstruieren.   Mehr als unzusammenhängende Standbilder kitzle ich nicht aus dem Unterbewusstsein.

„Will ich wirklich wissen was passiert ist?“

Blackouts passieren nicht umsonst, Unwissenheit ist ein Segen. Wer will sich zeitgleich mit Übelkeit UND schlechtem Gewissen herumschlagen?

„Du wolltest doch wissen, wieso du gefeuert worden bist?“

„Ach ja. Das hatte ich schon wieder vergessen. Schieß los, ich bin gespannt.“

Mit der Ungeduld und Vorfreude eines kleinen Kindes, das auf das Christkind wartet, höre ich Steffi zu. Amnesie kann so spannend sein!

„Du warst schon anständig paniert als du in die Bar gekommen bist. Daran kannst du dich auch nicht mehr erinnern?“

Doch. Jetzt wo sie es sagt, dringt die Szene aus der Versenkung. Begleitet von einem mulmigen Gefühl, dass die nahende Katastrophe ankündigt. Wie die Melodie beim weißen Hai – dingdingding dingding ding -kurz bevor man als Fischfutter endet.

Der selbstverliebte Fitnesstrottel mit seiner blonden Flamme.  Tequila. Die angesoffene Herrenrunde neben uns. Noch mehr Tequila. Die Kellnerin, die mir sagt, dass ich nach Gras rieche. Der Waschbär, der mich am Klo durchgerammelt hat…..

„Ich will es doch nicht wissen. Der Job war eh beschissen.“

„Du hast doch nur einen einzigen Tag in dem Laden geschafft?“

Als wären acht Stunden vergeudete Lebenszeit nicht dramatisch genug, bin ich für den Zirkus auch noch über sechshundert Kilometer angereist.  Ob meine restlichen drei Franken für die Heimreise reichen?

„Ja. Und wenn ihr den Müll entsorgt hättet, wäre ich jetzt kein arbeitsloser Wirtschaftsflüchtling, der nicht mal mehr genug Geld für die Heimreise hat.“

Steffis Blick gleicht einem Warnschuss.

„Du Irre bist arbeitslos, weil du dem Freund der Chefin unter der Theke einen geblasen hast.“

Ach ja. Jetzt fällt es mir wieder ein.

„Der Hawara  war ihr Freund? Kein Wunder dass die so frustriert ist, hast du seinen Schwanz gesehen?“

Die Ampel vor uns schaltet auf rot, wir halten an. Steffi nutzt die Pause um sich die Fingerspitzen an die Schläfen zu drücken.  Ob sie auch verkatert ist?

„Nein, Maja. Ich hab keine Bekanntschaft mit seinen Genitalien gemacht. Aber dank dir weiß der halbe Ort, dass das Teil winzig ist.“

„Ich verstehe nicht was du meinst?“

„Du hast dir den angespritzten Schleier vom Kopf gerissen und zum Abschied Goodbye Mister Minipimmel durchs ganze Lokal gerufen.“

Ich danke Gott, dass ich weit weg von zuhause bin.

„Wo ist der Schleier jetzt?“

Resigniert klatscht sich Steffi mit der flachen Hand auf die Stirn:

„Sie schickt ihn dir sicher mit deiner Kündigung und der Arbeitsbescheinigung nach Österreich.“

Als ob man als Schwarzarbeiter Papiere kriegen würde. Fasching im Kopf?

Jesus liebt mich. Und meinen Vogel.

Vor Kälte zitternd erreiche ich schließlich die beheizte Wartehalle des Bahnhofs. Gott sei Dank bin ich die einzige Person, die um die Zeit hier herumschleicht. Otto Normalverbraucher sitzt Werktags  pflichtbewusst -gefesselt am Schreibtisch, so wie es sich für anständige Bürger gehört. Im Gegensatz zu mir:

Mit der anmutigen Eleganz eines nassen Putzfetzens klatsche ich auf einen Stuhl, lasse meinen Kopf zwischen die Oberschenkel sinken und schließe die Augen. Verdammt. Es dreht sich immer noch.

Kralle meine Finger um die Armlehnen, verkrampft halte ich mich daran fest, bete dass das Kopf- Karussell anhält. Tut es aber nicht.  Plötzlich reißt mich eine Stimme zurück in die Wirklichkeit.

„Verzeihen Sie, junge Frau. Aber man kann ihren Hintern sehen.“

Wo zum Teufel kommt denn die grauhaarige  Schnalle auf einmal her?

Zutiefst erschrocken  verliere ich die Contenance und kotze der Anstandstante vor die Füße. Immer noch würgend wische ich mit dem Handrücken über die Mundwinkel und glotze sie verstört an:

„Mein Arsch ist momentan das kleinste Problem. Hätten sie vielleicht einen Kaugummi für mich?“

Völlig unaufgeregt macht die alte Frau einen Schritt zur Seite, um nicht in die Schweinerei zu treten. Verständnisvoll lächelnd nimmt sie neben mir Platz, zieht eine Packung Fishermens Friend aus ihrer Tasche:

„Sie kommen aus Kärnten?“

Verschlucke mich an einem der Zuckerl, ringe nach  Luft. Sind sie zu stark, bist du zu dicht.

„Was hat mich verraten? Die vollgereiherten Schuhe, oder die Spermaflecken im Haar?“

Vergrabe den wummernden Schädel unter meinen Händen, wenn ich sie nicht sehe, bin ich auch unsichtbar für sie, oder?

Auf einmal spüre ich eine Hand an meinem Rücken, flüchtiges Kribbeln über der Wirbelsäule, das Geräusch erinnert an ein ruckhaft abgezogenes Pflaster.

„Eigentlich das  Haider Bild auf ihrer Kutte“, mit einem breiten Grinsen streckt sie mir das Portrait in die zitternden Hände und verabschiedet sich als der Lautsprecher den einfahrenden Zug ankündigt.

Echt jetzt?

Welcher Komiker hat mir Jörg aufs Kreuz gepickt?

Schockiert über das Ausmaß an Pietätlosigkeit wanke ich in die Toilette. Nur um sicherzugehen, dass mir niemand ein Hakenkreuz auf die Stirn-  oder einen Hitlerbart über die Oberlippe gemalt hat, checke ich mein Spiegelbild.  Keine Nazisymbole zu erkennen – allerdings sehe ich aus, als würde ich direkt aus dem zweiten Weltkrieg kommen. Frisch und vital wie eine aufgequollene Wasserleiche.

Versuche mir das zerknitterte Bild des verstorbenen Kärnten Königs nochmal anzukleben, in der Hoffnung  dadurch von meinem elendigen Anblick abzulenken.

Allerdings werde ich abrupt von meinem Vorhaben abgelenkt, als mein Telefon klingelt.

Steffi klingt unentspannt:

„Sag mal wo steckst du denn? “

Ich erzähle ihr von meiner misslichen Lage und bitte sie, mich abzuholen.

„Maja, du hast so einen Vogel! Bleib wo du bist und lass dich nicht von fremden Kerlen anquatschen. Ich bin in einer Stunde bei dir. Übrigens sind  wir fristlos gekündigt. “

Erleichtert  schmeiße ich Jörg in den Mistkübel.

„Ich freu mich. Bis später.“

Schubladen-Switcher oder Borderliner?

Weitermachen oder hinschmeißen

Rasante Talfahrt oder hart erkämpfter Gipfelsturm

Chaotisches Umherschwirren oder fokussierte Zielstrebigkeit

Konsequnte Selbszerstörung oder freies Handeln

Kurzsichtig erscheinende Jagd nach geliehenem Glück oder unverfälschte Zufriedenheit

Stillstand oder Entwicklung

Bleiben oder Gehen

Intensiv oder Gelangweilt

Romantische Komödie oder knallharter Gangbang Porno

Wahrhaftigkeit oder doch gefaked

Unberechenbare Impulsivität oder vorhersehbare Konstanz

Fels in der Brandung oder sprunghafter Exzentriker

Abenteuerliche Achterbahnfahrt oder sicherer Hafen

Geborgenheit oder Nervenkitzel

Selbstbetrug oder Einsicht

Authentischer Lebenswandel oder Imagedenken

Engstirnig oder Tolerant

Riskantes Spiel mit dem Feuer oder zur Ruhe kommen

Schwarz oder Weiß

Ehrgeizige Disziplin oder hemmungsloser Kontrollverlust

Egoistische Gier oder großzügige Hilfsbereitschaft

Menschenfreund oder Soziopath

Perfekt in die Schublade passend oder durchgeknallt auf der Grenze herumtänzelnd

Neurotisch im Kreis denken oder losgelöst Handeln

Leben oder Über-leben

Identitätskrise oder Gehirnschaden

Alles nur geklaut

Wenn du lachst

Strahlt Sonnenlicht in die Nacht

Für die Dinge die wir lieben

Sind wir gemacht

Erschöpfter Geist drückt mich zu Boden. Mobilisiere allerletzte Reserven, um den Schein der Unkaputtbarkeit zu wahren.

Lieber stehend sterben

Als kniend leben

Tanze auf Messers Schneide, jede Unbedachtheit könnte das Ende bedeuten. Himmelhoher Höhenflug ohne Happy End Garantie. Hollywood ist weit weg.

Und ich ringe zum Himmel

Dass die Stimmung hier um schwingt

Heb die Hände zu Gott

Oder wer immer hier rumhängt

Wie aus dem Nichts überwältigt von einem zündenden Funken Hoffnung

Aufstehen und weitermachen

Lass uns tanzen im Regen

Lass uns tanzen bei Nacht

Kannst du mir vergeben?

Für den Scheiß den ich mach

Fremdgesteuerte Sehnsucht degradiert mich zur gefühllosen Marionette der eigenen Obsession. Längst schon ist der Wille gebrochen.

Leere Worte

An einem toten Tag

Mein Hirn liegt im Nebel

Zuviel Koks

Zuwenig Schlaf

Zuviel von allem

Ein kleiner Tod

Ich hab mich abgeschossen

Ausgeknipst,

mich selbst überholt

Geduld!

In ein paar Tagen wird der Optimismus wiederkommen…Sobald das Gift den Körper verlassen hat, wird auch die Verzweiflung verschwinden…

Junger Tod

Schnelles Leben

Für den Thron in Stellung gehen

Die Welle sehen

Und die Welle nehmen

Ich geh meinen Weg bis ans Ende

Sehnsucht nach der Zukunft

Heimweh nach der Fremde

Fehlender Glaube an das Gute potenziert grenzenloses Selbstmitleid. Sämtliche Versuche mich darin zu suhlen scheitern – ich fühle nichts mehr. Betäubte Sinne als Schutzschirm.

So still

Obwohl ich dich mit jedem Tag vermiss

Und wo immer du auch gerade bist

Du zeigst mir

Dass Stille jetzt ein Freund geworden ist

Herzamputierte Gradwanderung  zwischen Genie und Wahnsinn. Alles besser als die Gewissheit, dich für immer verloren zu haben.

Waren wir auf der Flucht

Sollte es so sein

War es zu intensiv

Oder waren wir nicht soweit

War es die Erlösung

Der Weg ins Freie

Der Wink des Schicksals

Oder nur das Nicht-Verzeihen

Ich wünschte, ich könnte dich jetzt spüren. Sehnsucht schlägt Betäubung.

Wovon sollen wir träumen

So wie wir sind

Woran können wir glauben

Wo führt das hin?

Was kommt und bleibt

So wie wir sind

Seelenlos Suchende auf der Jagd nach dem fehlenden Teil?  Wo bist du?

Das Glück ist ein Flittchen

Doch niemand küsst so gut

Ich weiß erst dann meinen Namen

Wenn du ihn rufst

Wie Schlafmohn

Verführerisch

Und so natürlich

Wie eine andere Dimension

Nicht greifbar

Doch ich spür dich

Ich bin süchtig nach dir

Ich bin dir hoffnungslos verfallen

Jesus ist tot

Es regiert Lady Guetta

Kauft Sprengstoff

Kauft Zünder

Macht die Welt ein Stückchen gesünder

Hört auf zu suchen

Werdet Finder

Bumst euer Weib

Und macht ein paar Kinder

Hier ist der Ort an dem es endet

Und wohl kaum jemand dagegen hält

Wo keiner rennt wenn im November saurer Regen fällt

Von uns träumt keiner mehr von Buis oder Kiffen am Abend

Wir tragen Spritzen in den Adern

Anstatt Kinder in den Armen

Mutter

Der Mann mit dem Koks ist da

Ja mein Junge das weiß ich ja

Ich hab kein Geld

Und du hast kein Geld

Wer hat den Mann mit dem Koks bestellt

Wir trinken auf Verlierer

lassen Pappbecher vergolden

feiern hart, fallen weich

auf die lila Wolken

I ‚ve learned to fly

But i ain’t got wings

Coming down

Is the hardest thing 

Du fehlst mir so schrecklich . ..

Jesus liebt Faschingsflüchtlinge. Faschierte Pinguine. Und mich. Mich sowieso.

Steffi´s süffisantes Grinsen spricht Bände, als sie mich im Nonnenfummel über die Treppe kommen sieht, Charly braucht eine Sekunde länger um denselben Gesichtsausdruck wie seine bessere Hälfte anzunehmen.

„Du als Nonne? Genauso gut  könnten sie Mahatma Ghandi in einem Hitler Kostüm zur Fastnacht schicken.“

„Seit wann weißt du, wer Ghandi ist, Mister Oberschlau? Hast letzte Nacht auf einem Geschichtsbuch geschlafen?“

„Nein. Aber auf ner Frau mit Matura.“

Steffi verdreht ihre Augen und seufzt genervt:

„Vergiss ihn. Männer eben. Bitte pass auf dich auf, da draußen sind genug Verrückte.“

„Aber was? Die wirklichen Irren sind alle noch hier drinnen. Lei-Lei ihr Narren.“, gespielt entsetzt kralle ich mir Charlys  Bier, wünsche den Beiden noch einen entspannten Gümpeli Mittwoch und verschwinde Richtung  Dorfdisko. Na dann wollen wir den Eidgenossen mal zeigen, wie wir die fünfte Jahreszeit in Villach feiern.

Wodka. Joint. Wodka. Joint. Noch mehr Wodka. Ein kleiner geht noch?

Filmriss…

Die ersten Sonnenstrahlen touchieren meine Augenlider, brennen wie Salz in einer frischen Wunde. Ich versuche mein Gesicht mit dem Handrücken vor dem Licht abzuschirmen, als wäre ich ein Vampir der jeden Moment zu Staub zerfallen könnte. Mein Kopf droht zu explodieren, außerdem ist es viel zu heiß hier. Apropos hier  – Wo bin ich eigentlich?

Weder die Bettwäsche, noch die Aussicht aus dem Fenster  kommen mir bekannt vor. Auch wenn ich mich noch so sehr bemühe- ich habe absolut keine Ahnung in wessen Schlafzimmer ich bin und was gestern passiert ist.  Da ich immer noch in der schwarzen Kutte stecke und nicht mal meine Schuhe ausgezogen habe, tippe ich auf ein recht katholisches Abendprogramm; auch wenn mir nicht ganz klar ist, wohin meine Unterwäsche verschwunden ist.

„Gott, ich werde nie wieder trinken.“

„Hoffentlich, Prinzessin.“

Erschrocken zucke ich zusammen, als plötzlich ein Kerl im Bademantel durch die offenstehende Tür geschossen kommt und sich neben mich aufs Bett fallen lässt. Wer ist denn er, bitte? Ave Maria.

Insgeheim bin ich froh darüber, dass mich das alles nicht mehr schocken kann.  Jesus liebt mich.

„Was heißt hier Prinzessin?  Faschierter Pinguin triffts wohl eher.“

Der erste Versuch aufzustehen scheitert. Mir ist schwindelig.  Ich setze mich wieder hin, und versuche mich auf einen Punkt zu konzentrieren, alles dreht sich.

Doch je länger ich auf das  Zeigerblatt der Uhr starre, desto mehr breitet sich Unruhe in mir aus.

Ich muss hier raus. Jetzt sofort.

„Nein Schätzchen. Du schaust wie Prinzessin Methamphetamin  aus. Teufel noch mal, du warst letzte Nacht so bedient, als hätten sie dir K.O Tropfen ins Getränk gemischt.“

Seufzend drücke ich die Spitzen der Zeigefinger gegen meine wummernden Schläfen, zeichne kleine Kreise um den Kater zu besänftigen.

„Mir muss man nichts ins Getränk schmeißen. Einfach nur abwarten bis ich vom Barhocker falle. Dazu brauch ich ganz sicher keine Hilfe. Außerdem schmeißt man das Zeug nur jungen Frauen in den Drink.“

Der Unbekannte hat scheinbar Sinn für Humor, er bepisst sich beinahe vor Lachen.

Mir ist aber nicht nach Small Talk, ich muss unbedingt zurück zu Steffi und Chary, schließlich sollten wir um vier zu arbeiten beginnen. Auch wenn sich meine Motivation in Grenzen hält, ich will hier weg.

Tapfer unterdrücke ich den Brechreiz, kämpfe mich in die Senkrechte und greife nach meinem Mantel, der auf dem Schreibtisch gelandet ist.

„Wo willst du denn hin?“

„Ich muss arbeiten.“

„Warte doch noch einen Moment, dann bring ich dich zurück?“

Ich schüttle den Kopf:

„Nein, ist schon ok. Ich denke ein wenig frische Luft, könnte mir nicht schaden.“

Mister Bademantel erklärt mir noch den Weg, doch ich kann mich nicht gleichzeitig aufs nicht-übergeben und seine Worte konzentrieren. Winke ihm zum Abschied noch mal und verschwinde nach draußen.

Die Kälte brennt unbarmherzig in den Lungen, zumindest lenkt das von der Übelkeit ab. Ich bin mir nicht ganz sicher, wo genau ich hier gelandet bin, aber so groß ist die Stadt ja nicht. Entscheide mich nach rechts zu laufen, als ich plötzlich jemand durch ein  Fenster rufen höre:

„Du bist falsch, du musst in die andere Richtung laufen!“

Sehr fürsorglich der Kerl, auch wenn mir schleierhaft ist, woher er weiß, wo ich hin will.

Bedanke mich, und folge seinem Ratschlag. Doch auch diese Seite der Straße kommt mir nicht mal annähernd bekannt vor. Außerdem nervt es mich, von Passanten angestarrt zu werden.  Als ob die noch nie eine angesoffene Nonne bei Tageslicht gesichtet hätten.

Als ich am Ende der Straße ein Taxi stehen sehe, brülle ich vor Freude „Halleluja“ und bete ein stilles „Vater unser“.

„Wo soll’s denn hin gehen?“

Der arabisch aussehende Fahrer, stört sich kein bisschen an meiner desolaten Verfassung.

„In die alte Steigstraße, Ortsteil Bronschhofen, bitte.“

Er überlegt kurz, schaltet sein Navi ein und dreht sich auf meine Seite:

„Das wird aber an die 200 Stutz kosten.“

Ich frage mich, ob ich grade richtig gehört habe.

„Was? Wo zum Teufel bin ich hier?“

Der Fahrer tippt kurz auf dem Bildschirm des Navigationsgerätes und deutet darauf.

„Du bist am Bodensee, Schätzchen. Bronschhofen ist eine Stunde von hier entfernt“

Verwirrt schüttle ich den Kopf.

„Aber wie bin ich hier her gekommen?“

„Das kann ich dir leider auch nicht verraten.“

Das Brummen hinter der Schläfe wird wieder lauter, ich habe weder 200 Franken für die Taxifahrt noch einen Rest an Guthaben auf dem Telefon um jemand anzurufen. Als hätte er meine Misere bemerkt, huscht Mister Albanien ein dreckiges Lächeln übers Gesicht:

„Vielleicht fällt uns ja eine andere Lösung ein, um die Fahrt zu bezahlen.“

Echt jetzt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bitte geh nicht.

Ignoriere das erste Klingeln des Weckers, ziehe seine Arme um eine Spur näher an meinen nackten Körper um sie festzuhalten. Sekunden später falle ich wieder in den Tiefschlaf.

Leider funktioniert die Taktik nur beim ersten Mal.

Beim zweiten Alarm löst er sich aus meiner Umklammerung und steht auf.

Ich hasse Wecker.

Wieso ist die Nacht schon wieder vorbei? Ich bin doch eben erst in Wien angekommen…

Noch wiegt die Müdigkeit mehr, als die Enttäuschung. Ich wünschte, er könnte bleiben.

Gespieltes Lächeln, als er mich zum Abschied küsst. Er soll nicht merken, dass ich mich Hals über Kopf in ihn verliebt habe. Bloß keine Emotionen zeigen, keinen Funken von Verwundbarkeit eingestehen. Reiß dich gefälligst zusammen.

Bitte geh nicht.

Drücke mein Gesicht ins Kissen, es riecht so gut. Nach ihm.  Er kommt noch mal zu mir, setzt sich aufs Bett und streichelt über meinen Kopf.

Bitte geh jetzt nicht weg.

„Es war schön mit dir.“

Schaffe es die Tränen solange zurück zu halten, bis er verschwindet und die Türe ins Schloss fällt.

 

 

 

 

Lola rennt feat. Snoopahontas.

Der Typ an der Theke sieht aus wie ein Mix aus Snoop Dog und Pocahontas. Was ihn sofort in mein Beuteschema passen lässt – lange Haare, dunkle Haut, Bilderbuch- Version eines Gangsters. Gott ist der geil.

Obwohl es keine zwei Stunden her, seit ich einen Schwanz in mir hatte, werde ich immer wuschiger, erstaunlich dass ich noch nicht sabbere.  Nicht dass meine Nachmittagsbeschäftigung in Form von Mr. Vollarschwichskopf schlecht ficken würde; nein-aber es war gerade mal so lang um mich anständig aufzuheizen. Anstatt mich Gentleman-like zuerst kommen zu lassen, hat er mir nach geschätzt drei Minuten ins Gesicht gewichst. Er müsse los, hätte noch Arbeit. Und bitte ja nicht kuscheln.

Naja, dann darf er sich nicht drüber beschweren, dass ich es mir woanders hole.

Der kleine Club mitten in Wien ist verraucht, eng und laut. Süßlicher Qualm vermengt sich mit dem Geruch von billigem Parfum, wie in einer Hurenhütte, lullt den Haufen feiernder Druffies in eine Nebelwolke. Wäre ein Drogenhund hier, würde er vermutlich einen epileptischen Anfall bekommen.

Musikalisch unterstrichen von „Smoke Weed everyday“ bahne ich mir den Weg durch die tanzende Menge, konzentriert-fokussiert auf Snoopahontas.

Lasse den Kerl keine Sekunde aus den Augen, einen ungeschickten Fummel Versuch eines Milchgesichts quittiere ich mit dem Fass-mich-nicht-an-sonst-muss-ich-dich-umbringen-Blick. Auch wenn Sex mit einem Minderjährigen ganz oben auf der muss-ich-unbedingt-machen-Agenda steht, heut habe ich was anderes vor.

Gelangweilt nippt das Objekt meiner Begierde an seinem Getränk, lässt seinen Blick suchend durch den Club wandern, touchiert mich dabei und auf einmal weicht seine Rastlosigkeit tiefer Ruhe, entspannt zieht er seine Mundwinkel nach oben und grinst.

„Hi, ich bin Rahim.“

„Und ich bin betrunken. Willst du mal ziehen?“

Ich halte ihm einen brennenden Joint vor die Nase, er quittiert das Angebot mit einem dankbaren Nicken, als hinter ihm plötzlich eine Frau auftaucht und ihn erwartungsvoll anglotzt. Ihre halblangen Haare haben dieselbe Farbe wie die Bloody Mary, die Snoopahontas in seiner Hand hält, Lola hat sich verrannt und sieht ziemlich durch aus. Ihr Tank Top klebt an ihren riesigen Brüsten, als wäre sie eben durch einen Regenschauer gelaufen, die rote Mähne steht verwuschelt in alle Himmelsrichtungen ab und ihre Augen bestehen nur noch aus Pupillen. Ich kann nicht aufhören, ihr ins Dekollte´zu starren, zu beeindruckend sind die Dinger und passen in der Relation so überhaupt nicht zu dieser zierlichen Gestalt.

„Rahim, ich will nach Hause“, raunzt sie genervt.

Erschrocken zuckt er zusammen, dreht sich in ihre Richtung und legt ihr seinen Arm um die Schultern. Verdammt, hätte ich mir denken können, dass der nicht alleine hier ist. Hätte ich mich mal lieber von dem Teenager abschleppen lassen sollen?

Zu meiner Überraschung, guckt Mrs. Snoopahontas ein wenig entspannter, als er uns einander vorstellen will.

„Claudia das ist… Wie heißt du eigentlich?“

„Maja, sehr erfreut.“

Claudia verraucht den Rest des Ofens, während  Mister Lover Lover eine Flasche Puffbrause ordert und uns beide an zwei Security Typen vorbei in einen abgesperrten Teil der Spelunke führt.

Hier ist die Musik nicht so laut wie vorne, man kann sich tatsächlich unterhalten, ohne dabei zu schreien, ein schwarzer Theatervorhang trennt den Raum vom Rest des Lokals. Gedimmtes Licht fällt auf die herumstehenden Ledersofas, die der Farbe von Claudias Haarpracht ähneln, außer drei Kerlen im Anzug, die sich auf Kroatisch miteinander unterhalten,  sind wir die einzigen Gäste in der Chillout Zone.

Rahim lässt sich zwischen seiner Freundin und mir auf die Couch fallen, während eine Kellnerin den Moet öffnet und uns einschenkt.

„Wie lange seid ihr zwei schon zusammen?“

Kichernd nippt das Busenwunder am Champagner, ehe sie mir auf die Frage antwortet:

„Überhaupt nicht.“

„Aber ich dachte…“

Rahims Hand wandert auf meinen Oberschenkel, er dreht den Kopf in meine Richtung.

„Falsch gedacht Maja.“

Die beiden werfen sich verstohlene Blicke zu, als sie wieder das Wort übernimmt:

„Wir sind nur Freunde.“

Na, dann bin ich ja beruhigt. Ich hatte schon Angst, die beiden wären verheiratet.

Wie auch immer, ich bin nicht wirklich interessiert an ihrer Lebensgeschichte, allerdings an ihren Brüsten. Und selbstverständlich an dem Ding, dass mittlerweile immer heftiger von innen gegen seine Jeans drückt und dessen Kontur sich deutlich auf dem Stoff der Hose abzeichnet. Vorsichtig taste ich mich in dessen Richtung, beobachte dabei viel mehr ihre als Snoopahontas´ Reaktion auf den Annäherungsversuch.

Doch da scheint kein Anflug von Eifersucht in Claudias Augen, sie tut es mir augenblicklich gleich und packt Rahim energisch am Schwanz, noch bevor ich dort angekommen wäre öffnet sie den Reißverschluss und holt das Prunkstück aus seiner viel zu eng gewordenen Verpackung.

Unterdessen ist seine Hand unter meinem Rock angekommen,  kommentiert das Fehlen meines Höschens mit einem sofortigen Schnurren.

Amüsiert blicken die drei Balkan- Schlipsträger in unsere Richtung, als ich mich über Rahim beuge und mit der Zunge über die befreite Schwanzspitze lecke. Sein Keuchen verrät, dass es ihm gefällt, von zwei Frauen gleichzeitig bedient zu werden. Claudias Hand greift fest um den Schaft, während ich meine  Lippen um die Eichel schließe und daran sauge, fickende Finger unter dem Ledermini heizen mir ordentlich ein.

„Langsam, langsam…“

Scheinbar ist Snoopahontas schon jetzt kurz vorm explodieren, ich nehme seinen Schwanz aus dem Mund und bemerke einen der Kerle vom Nebentisch in unsere Richtung kommen. Irritiert starre ich den riesigen Mann an, gespannt was wohl als nächstes passieren wird. Die beiden anderen bemerken ihn erst nicht, da Rahim damit beschäftigt ist, ihre Mordstitten unter dem Top hervorzuholen und daran zu saugen. Erst als der Unbekannte im Anzug zu reden beginnt, lässt er von ihr ab, und schaut  so verwirrt, wie ich.

„Brauchst du Hilfe mit den Beiden?“

Ich glaub mein Schwein pfeift und noch ehe ich Rahim  „Ja bitte“ sagen höre, habe ich das nächste Turbogerät vor meinem Gesicht. Der Schwanz ist so riesig wie sein Eigentümer, der sich als Senad vorgestellt hat. Claudia lässt sich ihre Brüste vom bearbeiten,  ich lutsche unterdessen den kroatischen  Prügel,  die  beiden Kollegen stehen daneben,  lassen ebenfalls die Hosen runter und legen  Hand an.

Senad raunt irgendwas ausländisch klingendes in ihre Richtung, sie kommen einen Schritt weiter zu uns als plötzlich mit einem lautem Klirren ganz in der Nähe Glas zersplittert, halten alle inne und blicken in das perplex aussehende Gesicht der Kellnerin.

Anscheinend war die kleine Alkoholtransportschlampe nicht auf den Anblick eines kopulierenden Menschenhaufens vorbereitet, weswegen ihr wohl das Missgeschick mit dem  Tablett passiert sein dürfte, das ihr mitsamt einiger Gläser und einer neuen Flasche Moet zu Boden gekracht ist.

Sie wirkt bleich, stammelt eine Entschuldigung  und verschwindet so schnell wie sie gekommen war.  Völlig unwissend, welche Hände mich da eben an der Hüfte packen und den Rock nach oben schieben, mache ich mich ans weiter blasen, lechze nach Luft als ich endlich einen Schwanz in meiner Mitte spüre. Nicht mal einen Meter daneben stöhnt Claudia so laut, dass man sie bis auf die Tanzfläche hören müsste. Ihre Brunftschreie bringen mich weiter in Fahrt, versuche ihn so tief wie möglich in den Rachen gleiten zu lassen. Senad krallt seine Finger in meine Haare, zieht meinen Kopf fest an sich, zuckt kurz auf und spritzt mir mit einem lauten „Arrrrgghh“  in den Mund. Ich hab noch nicht mal runtergeschluckt, steht schon der nächste vor mir, wartet dass sich Senad aus mir zurückzieht, damit er zum Zug kommt. Der andere Balkanmensch  vögelt mir inzwischen keuchend, doch munter das Hirn raus, seine Stöße werden zunehmend härter und bringen mich beinahe zum Verzweifeln.

Mit einem ohrenbetäubenden Brüller macht uns Rahim auf seinen Höhepunkt aufmerksam, auch wenn es sich eher so anhört, als hätte er sich wehgetan. Doch ein kurzer, prüfender Blick in seine Richtung  bestätigt, dass er sich keine Verletzung zugefügt hat. Relaxed mit einem Lächeln im Gesicht und einer Kippe im Mundwinkel  schmiegt er sich an seine Gespielin, die aussieht, als hätte sie mit dem Finger in die Steckdose gegriffen plus ein bisschen Sperma im Gesicht. Elektrisches Gefühl.

Spuckgeräusche hinter mir erhärten den Verdacht, dass ein Kurswechsel  ansteht. Wie befürchtet findet der Unbekannte Gefallen an meinem Arsch, und in meinen Arsch. Zentimeterweise drückt er sich in mich, bis er vollkommen verschwindet,Gott bin ich froh, dass er Weißer ist.

Und gerade als er sich in Fahrt hämmert, feuert uns ein Security Typ aus dem kollektivem Bumskoma. Laut schreiend und heftig gestikulierend stolpert die Spaßbremse in Uniform herein:

„Chef, Polizei vor diese was ist Türe. Nix gut ausschauen, haben viele was ist wie große Katze.“

Senad ist der einzige der seinen Schwanz schon wieder verstaut hat, praktisch das er derjenige ist, der mit „Chef“ gemeint war.

„Das sind Hunde, du Vollidiot. Wie oft soll ich dich noch zum Deutschkurs schicken? H-U-N-D-E, und  nix was ist wie große Katze.“

Demütig  schaut Mister-sollte-mal-wieder-deutsch-üben zu Boden, streift mit seinem Blick dabei meinen nackten Arsch, und wirkt plötzlich recht indisponiert.

„Ja Chef. Nix mehr was ist wie Katze groß, Unde, ja?“

„HHHHHunde! Du Trottel bist so sinnvoll wie Hundescheiße, geh mir aus den Augen!“

Bingo, jetzt passt seine Gesichtsfarbe zu der Claudias´ Chaosfrisur und der Einrichtung dieses illegalem Untergrund- Swinger -Clubs.  Wütend feuert der Chef sein Feuerzeug gegen die Wand, Millimeter vom Gesicht des unglückseligen Überbringers der schlechten Nachricht entfernt. Der zuckt genauso heftig wie der, der mir den Hintern vögelt,  läuft wie ein Frettchen auf Speed wieder hinaus.

Ich frag mich mittlerweile ob der Kerl Viagra genommen hat, unablässig und mit der Präzision eines polnischen Strauchdiebs rammelt er meinen Hintereingang.

Der Unglücksrabe der nach wie vor mit halbsteif angewichstem Schwanz vor mir steht, wird genauso heftig von seinem Boss angebrüllt, wie der Security vorhin.  Da ich kein Kroatisch verstehe kann ich  nur ahnen, dass es was mit der Polizei vor der Türe zu tun hat. Als würde man während man dem Vögeln einen Krimi anschauen, sich auf beides zu konzentrieren ist was für Fortgeschrittene.

Mich macht die Situation so an, dass ich die Fassung verliere, erst nur leise wimmernd, doch immer heftiger knallt die Hitzewelle durch mich durch, ich schließe die Augen, die Oberarme versagen ihren Dienst, langsam sinkt mein Körper nach unten. Seine Hände an meinen Hüften,er stößt noch einige Male tief in mich, krallt sich fest und nach drei Sekunden warm anfühlen ist auch er am höchsten Punkt des Abends angekommen.

Irritierend fühlt sich die Totenstille an, die allzu rasch über uns hereingebrochen ist, weswegen ich die Augen wieder öffne, obwohl ich immer noch im Fickkoma herumschwirre und folglich auch keine wirkliche Lust habe, dort wieder zu verschwinden. Es ist so schön dort.

Im Gegensatz zu hier:

Familie Snoopahontas, Senad und die ungebumste Halberrektion starren uns beide schockiert an.

„Was schaut ihr denn alle so bescheuert drein?“, frage ich in die Runde.

„Maja, das hat ausgesehen, als würde er dich dabei umbringen“, entgegnet die mit den dicken Dingern.

Prüfend mustere ich alle meine Körperteile, ich kann keine Schrammen erkennen und ich fühle mich auch nicht so, als hätte mich jemand versucht zu töten.

„Wo denn?“

„Haben geschrien wie eine läufige was ist wie große Katze.“

Wo zum Henker kommt der denn schon wieder her?

Ist auch egal, zumindest sind alle Augen jetzt auf den Security gerichtet und ich kann den Schwanz unbemerkt aus meinem Arsch ziehen, nachdem dessen Besitzer hinter mir eingeschlafen ist.

„Chef Polizei suchen nach du. Alle schon hier bei diese was ist Uftata-Mensch.“

Ein Irrenhaus ist ein Kindergeburtstag gegen diese Aufführung hier.

„Was? Sie sind beim DJ-Pult?“

Mittlerweile haben Senads Pupillen die gleiche Größe wie die von Claudia, wobei ich nicht denke, dass auch er auf Trip ist, eher unter Strom, wegen der Inkompetenz seiner Mitarbeiter. Hastig stürmt er zwischen den Vorhängen hindurch, zumindest schien es sein Plan zu sein, bevor der blonde Junge durch die Gegenseite genau in ihn kracht, beide mit den Köpfen zusammenstoßen und augenblicklich zu Boden gehen.

Ich zähle laut bis zehn, klatsche dabei mit der flachen Hand auf den geschmacklosen Teppichboden, um das Ganze mit einem „Aus“ zu beenden. Unentschieden durch K.O. in der ersten Runde.

Zentriere meinen String, ziehe den Rock Richtung Knie, schüttle mir den Staub vom Kopf.

„Na klasse. Jetzt liegen die zwei größten Verbrecher in dem Club bewusstlos zwischen uns“, Rahim wirkt nervös, als er sich das Malheur aus der Nähe ansieht.

„Wer ist der Kerl?“, fragt Claudia

„Das gewesen diese was ist Ufftata Mensch“, antwortet der resigniert aussehende Security, der immer noch wie angewurzelt am gleichen Fleck steht.

„Du meinst DJ?“

„Ja, diese was ist DJ.“

Rahim fasst Claudia an der Hand.

Da ich aufgrund der spannenden Allgemeinsituation auf alles was davor passiert ist, vergessen habe, falle ich vor Schreck fast genauso um, wie Chef und Mister Ufftata, als hinter mir jemand von den Scheintoten aufersteht.

Ah ja, der der mir den Arsch gefickt hat.

Mit hinuntergelassener Hose kämpft er sich zurück in die Vertikale, spaziert an uns vorbei nach draußen. Na gut, bei dem winzigen Ding könnte er Glück haben und unbemerkt damit davon kommen. Da mich sein Schwanz nicht länger fesselt, springt die Aufmerksamkeit wieder auf essentiellere Dinge. Wie die Frage, wo mein Gras eigentlich geblieben ist. Praktischerweise, stolpere ich um ein Haar über meine Handtasche und mir fällt die Antwort auf die Frage ein, die ich schon wieder längst vergessen habe.

„Jungs und Mädels hauen wir ab!“

Entschlossen winke ich Rahim und Claudia in meine Richtung, als ich ein Fenster entdecke, dass groß genug war um uns ohne Umwege aus dem Laden rausbringen konnte, ohne mit den Bullen zusammenzukrachen.

„Baby, wie hast du es bloß geschafft so viel Marihuana in diese winzige Handtasche zu stopfen?“

Boxe gegen die Absperrung, und tatsächlich-das Schloss springt knatternd auf, mit ein bisschen Nachdruck stehen wir auf der ebenerdigen Terrasse. Auf Augenhöhe stehender Vollmond treibt den Kitsch Faktor des Moments unaufhaltsam nach oben.

Raus, nichts wie weg von hier. Nehmen die Beine in die Hand, stolpern, laufen, rennen.

Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?

Nicht-Liebesbrief ohne Schmetterlinge bei Kerzenschein

Es ist inzwischen drei Uhr morgens, dennoch kein Schlaf in Sicht. Meine Gedanken laufen Amok während ich unserem bevorstehendem Treffen mit  gemischten Gefühlen entgegen sehe; Vorfreude relativiert die Ratlosigkeit ein wenig.

Ich bin dir unendlich dankbar für alles, was du für mich tust. Für die liebevolle Art und Weise, mit der du mir entgegenkommst. Durch dich durfte ich erfahren, was Wertschätzung bedeutet.

Je länger ich über die ganze Geschichte nachdenke, desto mehr gelange ich zu der Überzeugung, dass jede zwischenmenschliche Begegnung einen Teil zur eigenen Entwicklung beiträgt.

Wir sind uns nicht grundlos über den Weg gelaufen. Die Gewissheit, einen Seelenverwandten getroffen zu haben, erdet und beruhigt.

Diese bedingungslose Vertrautheit ist keine Selbstverständlichkeit – sie ist ein Geschenk.

Und doch dürfen wir trotz all der Euphorie eins nicht vergessen:

-Das ist alles nicht real-

Mögen wir auch noch so sehr harmonieren und den harten Fakten keine Bedeutung beimessen:

-Das ist alles nicht real-

Erschreckst mich mit deiner Obsession und dem L-Wort zu Tode. Was erwartest du von mir?

-Ich bin eine Illusion-

Und ich liebe dich nicht. Keine Schmetterlinge im Bauch, kein Michael Bolton bei Kerzenschein. Dafür Freundschaft, Respekt, Achtung und grenzenloses Vertrauen.

Das Letzte was ich möchte, ist dir weh zu tun, dafür schätze ich dich zu sehr. Aber eins will ich noch weniger – dich belügen.

Pest oder Cholera?

Besser verletzende Ehrlichkeit für sich arbeiten lassen, als mit deinen Gefühlen zu spielen. Du hast längst schon einen Platz in meinem Leben – leider nicht in meinem Herz.

„Es sind nicht die Glücklichen, die dankbar-

sondern die Dankbaren, die glücklich sind.“

Danke, dass es dich gibt.

Auf die Freundschaft, lieber Olaf.

Alles beim Alten

Ich wünsche mir Frieden

Danke für die Achterbahnfahrt, die niemand bestellt hat

Ich hoffe auf Gelassenheit

während wir russisches Roulette spielen

Knapp daneben, ist immer noch nicht gestorben

Knallt nur wenn die Kugel rausschießt

Ich bete dafür, dich zu vergessen

Du gottverdammter Wichser

Danke dem da oben

Dafür, dass wir niemals einen Weg zueinander gefunden haben

Es hatte wohl seinen Grund

Sedierter Untergang mitten hinein in die allertiefste Gleichgültigkeit

Erinnerung wie weggespült

Wer bist du?

Prosit Neujahr

Ganz oben auf der Liste der Vorsätze fürs neue Jahr schreib ich „Kein Drama mehr“. Fest entschlossen, dass ich es dieses Mal auf die Reihe kriege und mich aus dieser unglücklich machenden Verbindung endgültig befreie.

Gleich darunter kritzle ich  „Maßvoller Umgang mit Alkohol & Co“, lache mich dabei kaputt und zweifle an der Sinnhaftigkeit solcher Selbstoptimierungs-Pläne. Vielleicht bleib ich einfach so scheiße, wie ich bin?

 

Erwache am nächsten Morgen nicht nur mit einem – sondern mit drei Katern, die in Form eines Dreiecks um mich herum liegen. Hashtag Pythagoras.

Die Anordnung der Tiere lässt einen Funken Optimismus aufkeimen – wäre mein Zustand kritisch, lägen die drei in einer Linie, parallel zu der Couch.

Wollte ich nicht zum Neujahrslauf?

Ja, genau. Um mit einem Haufen Spinner um die Wette zu rennen. Am 1.1.

Was haben die den für ein Leben?

Haben die gestern Abend vor dem Laptop onaniert, kaltes Wasser getrunken und sind danach ins Bett?

Spasten.

Gaddafi zeigt mir den Vogel. Als ob ich was dafür könnte.

Zerschneide die Todesanzeige meiner Großmutter, um mir daraus einen Filter für den Frühstücksjoint zu basteln. Die Frau hat drei Kinder großgezogen, ein Haus gebaut und mehr als einen Baum gepflanzt. Und alles was von ihr übrig bleibt, ist Filterpapier.

Hashtag Pietät-los.

Er fehlt mir.

Denke die ganze Zeit an ihn, wo er jetzt wohl gerade ist?

Ob er auch manchmal an mich denkt?

Er ruft tatsächlich an – mein Herz tanzt….

Erste Sonnenstrahlen fluten das Wohnzimmer, das Dreieck schnurrt, Oma filtert und Muammar onaniert vor dem Christbaum.

Ob „Wichser“ wohl eine anerkannte Berufsbezeichnung ist?

Ein Anruf beim Arbeitsmarktservice, bringt leider auch kein Licht ins Dunkel, da die Dame am anderen Ende der Leitung einfach auflegt. Als ob der abrupte Abbruch des Telefonats ihre Inkompetenz verschleiern könnte.

Gaddafi entsichert seine Knarre.

Aber er wollte doch aufhören damit. Keine AMS Betreuer mehr umbringen im neuen Jahr.

„Und du wolltest mit den Drogen aufhören!“

„Ja. Und Chlorophyll wollte dieses Jahr rot sein, du Idiot.“

Wutentbrannt stürzt er nach draußen, steigt in den Wagen und fährt davon. Hoffentlich auf Nimmerwiedersehen.