Blind Date für Fortgeschrittene

Jeder Schritt schmerzt, aber ich würde mir eher die Schneidezähne schwarz anmalen, als mit  Krücken bei ihm aufzutauchen. Raubtiere lassen sich Wunden niemals anmerken, lieber nicht-schwarz- angemalte Zähne zusammen beißen als verletzlich erscheinen. Das könnte Kopf und Kragen kosten.

Vom Gin betäubt  gelingt es, unhumpelnd über die Treppe nach oben zu gelangen. Elegant geht trotzdem anders.

Alex grinst belustigt.

„Lachst wohl gerne über Behinderte?“

Gespielt entrüstet angle ich mir seinem Drink.

„Eigentlich lache ich wegen deiner Eitelkeit.“

„Sagt der Kerl im rosaroten String Tanga. Wieso steht auf deiner Unterhose eigentlich Olaf? Klaust du die Dinger?“

„Sicher sind die gestohlen. Irgendwo muss man schließlich sparen.“

Mister Minislip holt eine Flasche Champagner aus der Küche während ich mich ausziehe und in die Sonne lege, die für diese Jahreszeit ganz schön heftig vom Himmel knallt.

Er fragt, ob ich hungrig sei. Ich schiebe seinen rosa String zur Seite- und den dahinter versteckten Schwanz in meinen Mund.

Aber eigentlich ist das nichts zum Essen.

Öffne die Augen und bemerke beim Blick nach oben die Überraschung in seinem Gesicht.

Sekunden später kippt mir die Kinnlade nach unten, der kleine Prinz namens Olaf rutscht mir durch die Lippen nach draußen:

„Sag mal Olaf, ist das ein Schneeadler hinter dir“

Mit der Coolness eines James Dean zündet Alex sich eine Zigarre an, dreht sich um und lässt dicke Rauchschwaden in den dämmernden Himmel steigen, während seine Erektion punktgenau auf den Grund meiner Verwirrung zeigt.

„Guten Morgen Schuhu!“

Unbeeindruckt  springt der Riesenvogel hinter eine Mauer, verschwindet genauso schnell aus meinem Blickfeld, wie er gekommen war. Ist das ein Flashback oder hab ich heute versehentlich halluzinogene Substanzen konsumiert?

Vermutlich ist es die Höhenluft im Burgenland, die meinem Verstand einen Streich spielt.

„Ich sollte wirklich aufhören zu trinken.“

Starre regungslos über die Hecke, als plötzlich was Rosafarbenes an mir vorbeifliegt und in meinem Glas landet.

Jetzt schießt der Verrückte auch noch Tangas durch die Gegend. Alex lehnt sich paffend an die Mauer, ich fische das Wurfgeschoss aus meinem Champagner und ziele damit auf ihn.

„Du wirfst wie ein Mädchen“ , tiefenentspannt weicht der nackte Kerl seiner vorbeifliegenden Unterwäsche aus, die Sekunden später gegen die vergitterte Wand des Nachbargebäudes knallt, hinter der auf einmal wieder der weiße Vogel auftaucht.

Ich hätte die Psychopharmaka wohl doch nicht so abrupt absetzen dürfen.

„Sieht man für normal bei einem Delirium nicht weiße Mäuse?“

Alex spielt mit seinem Schwanz:

„Nagetiere sind was für Amateure, Schätzchen. Schneeeulen sind der Rolls Royce unter den entzugsbedingten Albino Halluzinationen“

„Du musst es ja wissen. Immerhin hast du bereits maturiert, als Hitler einmarschiert ist.“

Keine drei Sekunden später werde ich recht unsanft auf den Holztisch gedrückt.

„Du bist ziemlich frech für eine behinderte Irre“

Sein wachgerubbelter Ständer steckt schneller in mir, als ich „scheiße-ist-das-geil“ sagen kann, taktgenau fickt er mich in die Sprachlosigkeit.  Ächze benommen in seine Hand, die er mir auf den Mund drückt. Um seinem Griff zu entwischen, drehe ich den Kopf zur Seite, als ich schlagartig bemerke, dass wir beobachtet werden.

Meine Erregungskurve sackt entschlossener in den Keller als Josef Fritzl vor seiner Inhaftierung. Es fühlt sich pervers an von einem voyeuristischen Uhu beim Ficken beobachtet zu werden. Sogar in meiner Welt.

Alex entgeht mein Unbehagen keineswegs, er nimmt mich an der Hand und zieht mich nach drinnen. Falle vor ihm auf die Knie, lecke über die Innenseiten seiner Oberschenkel. Langsam arbeite ich mich nach oben, lasse meine Zungenspitze über sein Allerheiligstes tanzen. Ich spüre das Zucken in seinen Oberschenkeln, unkontrolliert und in immer kürzer werdenden Abständen verrät es das nahende Zielfeuerwerk.

Die weiße Fontäne streift meine Wange, seinem erlöst klingendem Stoßseufzer folgt ein wütender Aufschrei von draußen. Im nächsten Moment klatscht etwas gegen eines der Fenster. Klingt nach nassem Fetzen. Ich tippe mal auf Olafs Tanga.

Verängstigt und vollgewichst klammere ich mich an ein Bein, immer lauter wird das Gebrüll jenseits der Terrassen Tür.

„Mach dir keine Sorgen, der Nachbar hat grad seine fünf Minuten.“

Alex löst sich aus meiner Umarmung  um die Türe einen Spalt weiter zu öffnen.

„Was will denn die Arschgeige jetzt schon wieder?“, genervt schiebt er sich nach draußen um die Lage zu sondieren. Sein Schwanz steht nach wie vor kerzengerade in die Höhe als er dem Schreihals über den Gartenzaun zuwinkt.

„Meine Verehrung Herr Nachbar. Warum so unentspannt?“

Versteckt hinter einem der Vorhänge belausche ich das Gespräch.

„Geh scheißen du Koffer.“

Der klingt ja wirklich nicht sehr ausgeglichen, wie der wohl aussieht. Versuche einen Blick auf den Schreihals zu werfen, ziehe den Vorhang zur Seite, doch alles was ich erkennen kann ist Alex ‘nackter Arsch, den er wackelnd über die Grenzmauer streckt.

„In deinen oder in meinen Garten?“

„Du tickst ja nicht ganz richtig, perverser Volltrottel du.“

Alex dreht dem Kerl wieder seine Vorderseite zu:

„Dafür pudert deine Alte so gern mit mir. Die mag das.“

„Ich bring dich um du Arschloch.“

Wütendes Geplärre wandelt sich in hysterisches Kreischen.

„Wünsche dir auch noch ein schönes Wochenende. Grüß die Frau Gattin schön von mir. Falls du sie mal treffen solltest.“

Als wäre nichts gewesen stolziert Alex zurück ins Haus, köpft die nächste Flasche Dom Perignon und nimmt neben mir am Fußboden Platz.

„Was zum Teufel war denn das?“

Fassungslos schüttle ich den Kopf.

„Der zuckt immer aus, wenn er meine Unterhosen auf seinem Grundstück findet.  Ich mach doch auch kein Theater wenn seine Frau ihre BHs hier liegen lässt.“´

„Kann ich was Stärkeres zu trinken haben Alex?“

„Aber sicher doch, Schätzchen. Hat dich der Trottel so erschreckt?“

„Nein, aber ich finde die Art von Blind Dates gehört anständig gefeiert.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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