Ganz schwierig oder Schwanz gierig?

 

 

 

 

Er wollte den Kontakt zu mir eigentlich abbrechen; zu schmerzhaft sei es dabei zusehen zu müssen, wie sich ein lieb gewonnener Mensch selbst zerstört.

Seine Augen werden dabei glanzlos, als starre er durch mich hindurch. Trotze dem Impuls zu widersprechen, was für ein heftiges Deja-vu.

Der traurig aussehenden Mann, der ratlos vor mir sitzt und den Tränen nahe scheint, ist einer von vielen, der sich früher oder später von mir abwenden wird.

Engste Vertraute, die den gemeinsamen Weg längst verlassen- und mir den Rücken gekehrt haben, niemand könne tatenlos der destruktiven Macht zusehen, die von mir Besitz genommen hätte. Ist es tatsächlich die Talfahrt in Richtung Untergang, oder nichts anderes als der übermächtige Wunsch, mich nicht in alltäglicher Monotonie zu Tode zu langweilen?

„Du musst doch an Später denken“

Wozu? Gestern ist tot und morgen kann alles zu Ende sein. Leben passiert hier und jetzt – wenn der Weg schön ist, ist es doch belanglos wohin er führt. Niemand weiß, was die Zukunft bringt, es kommt mir vor, als würden alle auf gute Zeiten warten. Sie werden aber nie besser, wenn man ständig in Sorge ist, was wohl die Nachbarn über einen denken. Scheiß drauf.

„Du bist doch bloß beziehungsunfähig weil du Angst davor hast, verletzt zu werden.“

Ich bin nicht unfähig. Nur unwillig. Wer will schon ständig denselben Schwanz lutschen?

Steck dir deine Diskont-Hausfrauenpsychologie-Ratgeber Tipps sonst wohin. Bist nicht weniger von Sehnsucht getrieben als ich, suhlst dich in scheinheilig-moralischer Pseudo Überlegenheit, die nicht mehr wert ist, als deine hohlen Phrasen.

Wer gibt dir das Recht dazu?

„Du verschwendest deine Zeit“

Wirklich? Vielleicht ist es aber genau umgekehrt? Worin liegt der Unterschied zwischen deiner und meiner Jagd nach Erfüllung?

Du hast vergessen wie sich Fallenlassen anfühlt, das Kribbeln im Bauch gegen Routine und Sicherheit eingetauscht.

Wie lange ist es her, dass dein Herz vor Aufregung getanzt und dir einen Schauer über den Rücken gejagt hat? Kannst du dich noch an das Gefühl von Unsterblichkeit erinnern? Hast du dich jemals von einem wildfremden Menschen in der Öffentlichkeit ins Koma vögeln lassen? Kennst du den Rausch danach? Endorphin geflutetes Gehirn – und plötzlich knallst du lebendiger als ein verliebter Duracell Hase durch die Straßen.

Kompromisslose Intensität anstelle vorhersehbarer Eintönigkeit. Lachende Gesichter unter endlos erscheinenden Sternenhimmel feiern sich selbst. So unberechenbar und losgelöst als ob es kein Morgen gäbe. Würde es jetzt enden, dann mit einem fetten Grinsen im Gesicht und funkelnder Aura die heller strahlt als der Vollmond.

Frustriert verbringst du Nacht für Nacht neben einer Person, der du einst Treue bis in den Tod versprochen hast. Mittlerweile wäre es dir egal ob dieser jemand noch existiert, da ist kein Gefühl mehr.  Schämst dich für den Gedanken; immerhin sind da ja noch die Kinder. Und die Hypothek.

Ansonsten wärst du doch schon längst verschwunden aus dieser luftleeren Verbindung mit jemand, der dir fremd geworden ist. Stattdessen flüchtest du dich in immer mehr Arbeit, versteckst dich dahinter. Das Wahren des Scheins als oberstes Ziel deiner Existenz?

Wer verschwendet hier seine Zeit?

 

 

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