Splitter im Herz

Ich freue mich auf das Date.

Hab seit Tagen nicht gevögelt, außerdem Liebeskummer vom Feinsten. Die beste Möglichkeit einen Typen zu vergessen, soll ja bekanntlich darin liegen, sich unter einen anderen zu legen.

Es fruchtet tatsächlich; auch wenn der Unbekannte sogar ausgezogen wie ein Schlipsträger wirkt. Scheiß drauf. Sein Schwanz ist ganz anständig proportioniert, im Gegensatz zu seiner Frisur. Wer auch immer das verbrochen hat, muss wirklich pervers im Kopf sein.

Mister Chaosfrisur verbindet mir die Augen und  fesselt meine Arme aneinander;  soll er ruhig machen, drei vorangegangene Dates rechtfertigen mein Vertrauen-  immerhin hat er mich bis jetzt noch nicht umgebracht. Warum sollte er es dann ausgerechnet heute machen?

Der Fick ist nett, ja genau; die kleine Schwester von Scheiße.

Als mir die Augenbinde runter rutscht, riskiere ich einen Blick nach hinten, um unmittelbar darauf, einen Tobsuchtsanfall zu bekommen; der Scheißarschkopfhurensohnwichser hat keinen Gummi drauf;  trete mich von ihm los und sage einige nicht nette Dinge zu ihm.

Er wirkt verstört, es sei doch meine Schuld, wenn ich keine Kondome raus lege. Wieso sollte er dann welche benutzen?

Von wegen, dumm fickt gut. Verfluchte Arschgeige.

Feierabend. Packe meinen Kram und verschwinde. Nichts wie weg hier.

Zwei Uhr morgens in Wien.

Blind vor Wut rase ich durch die Stadt, zwei Minuten später holen sie mich mit Blaulicht von der Straße. Frau Inspektor ist ein geiles Gerät, konzentriere mich darauf, nicht allzu Porno dreinzuschauen und beschränke die Konversation auf: „Wie viel?“

Achtzig Euro später bete ich zu Gott, mit dem restlichen Benzin bis nach Hause zu kommen.

Tränen schießen mir übers Gesicht, wie dumm kann ein Mensch eigentlich sein?

Ich vermisse ihn so schrecklich, was zum Teufel treibe ich hier?

Wische mir mit dem Handrücken über die verheulten Augen, versuche an etwas anderes als ihn zu denken. Funktioniert leider nicht. Es kracht.

Filmriss.

Rase über die Autobahn. Es ist gut, aber das blinkende rote Licht geht mir auf die Nerven. Was will denn das Dings?

Neben dem Symbol für eine Tankstelle steht null Kilometer, das Ganze tanzt in puffrot…

Stehe voll am Gas und werde trotzdem immer langsamer, steuere mit dem letzten Schub einen Parkplatz an, rufe den Pannendienst.

Die finden das aber nicht lustig, nur wegen leerem Tank um vier Uhr Morgens mitten in die Pamba zu fahren.  Bin ich froh, dass  ich auch noch einen Totalschaden hab.

Trotzdem warte ich geschlagene zwei Stunden auf den Abschleppmenschen. Bin so sauer, dass ich ihm nicht mal einen blase. Soll er sich doch selbst eins lutschen der blöde Wichser.

Aber davor  tankt er mir noch zwanzig Liter Sprit in die Kiste.

Koma.

Sonnenstrahlen im Gesicht, so schön zuhause.

Fuck.

Wie zum verfickten Teufel noch mal, bin ich bis ins eigene Bett gekommen?

Übergeben oder Selbstmord?

Kein Kübel in Reichweite. Wohnung im Erdgeschoss; also keins von Beiden…

Klingelt an der Tür.  Ich tippe auf den Mann mit dem Kukuck….

Ihre Augen sind noch trauriger als meine; verzweifelt und ratlos schaut sie mich an:

„Er sagt, du kannst von Glück reden, noch am Leben zu sein.“

Bröckelnde Fassade treibt  die Splitter tief ins Herz.

 

 

 

 

 

 

 

 

7 Antworten auf „Splitter im Herz

  1. Scheiße – „gefällt mir“ zu drücken ist wohl nur ne Idee für Idioten, die einfach ohne Gummi oder so ähnlich.
    Pfff macht es, Glücklicherweise bist Du noch am Leben. Erhol Dich, fühl Dich gedrückt und lass nicht zu, dass die Arschlöcher dieser Welt auf Dir rumtanzen – fick Sie!

    Gefällt 1 Person

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