Air Condition für Fortgeschrittene

Viel zu schnell ist die laue Sommernacht vorbei, so wie immer wenn man sie mit dem richtigen Menschen verbringt. Spüre seine Arme um mich, wünschte jemand könnte die Zeit anhalten.

Bin spät dran, hektische Suche nach einem Slip verläuft im Sand, Zeit für´n  Frühstücksfick ist Wunschdenken. Ich  muss unbedingt zurück nach Hause, zehntausend unerledigte Dinge lassen mich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Stadt hetzen. Hoffe den Zug noch zu erwischen.

Seelenlose Betonbunker speichern die Hitze und schmeißen sie mit doppelter Intensität zurück, insgeheim bin ich dann doch froh, unter dem Fick-mich-Fummel nicht auch noch Unterwäsche tragen zu müssen.

Allerdings scheint auch der Board-Service Mensch meine zentrierte Air-Condition für ganz Arme zu bemerken, als ich für einen Moment einschlafe und mir das Kleid nach oben rutscht. Seiner Gesichtsentgleisung zufolge, hat er heute noch keine Muschi gesehen; abgesehen von meiner.  Beiße mir auf die Zunge, um nicht laut zu denken, grinse ihn stattdessen dreckig an.

Sein Teint wechselt von Wasserleiche auf Nothammer, gespielt-beschäftigt läuft er an mir vorbei.

Hab beinahe vergessen, wie lustig  Exibitionismus ist.

Schlafe mit einem Lächeln im Gesicht ein, immer wieder rauschen Bildfetzen  vergangener Nacht durch den Kopf. Träume von seinen Händen auf- und seinem Schwanz in mir. Masturbieren wäre schön.  Masturbieren lassen schöner.

Erwache, als der Zug bremst. Desorientiert und fickerig schau ich in tiefschwarze Augen, die mich von der gegenüberliegenden Seite des Abteils mustern.

Wo kommt denn das Schnucki auf einmal her?

Dich schickt der Himmel, Baby.

Sein oranges Shirt spannt an den richtigen Stellen, was man von seiner Jeans leider nicht behaupten kann. Die schulterlangen Haare schauen noch verstörter als meine eigenen aus. Als wäre das Chaos aus dem Gehirn ins Umland geflohen um dort eine Revolution anzuzetteln.

Schnucki sieht verlegen zur Seite, als er meine Blicke bemerkt.

Ich mag es, wenn sie so schüchtern sind. Das sind oft  die irrsten Freaks im Bett.

Gott sei Dank kühlt die Klimaanlage den Wagon auf knapp über dem Gefrierpunkt, ansonsten würd ich mein Gegenüber wohl auf der Stelle bespringen- Kopfkino in HD kickt mich noch einen Tick höher, als ich es ohnehin schon bin.

Wie sein Schwanz wohl aussieht? Wie er sich anfühlt, ob er hart fickt oder doch eher zärtlich?

Als hätte er meine Gedanken gehört, dreht er sich plötzlich in meine Richtung, starrt mir in die Augen,  legt mich mit Blicken flach. Und es sind nicht die von der zärtlichen Sorte. Ganz im Gegenteil.

Kann mal jemand die Klima einen Gang höher schalten?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Leben ist ein Spiel

 

Du denkst du wärst vorbereitet genug, startest voller Euphorie und Tatendrang, immer mittendrin statt nur dabei.  Mehr tanzend, als laufend fokussierst du das Ziel, auch wenn du oft abgelenkt wirkst.

Für den Bruchteil eines Augenblicks den roten Faden verloren und schon stolperst über gestellte Beine einstiger Wegbegleiter. Noch während du auf die Schnauze fällst, vergisst die Moral von der Geschichte. Was wär der Kampf auch ohne Repeat Taste? Programmierte Lernresistenz, oder die ganz große Kunst, gezielten Vergessens?

Applaus. Applaus.

Tauchst durch die Anerkennung, nutzt den Antrieb um voranzukommen. Motivierter Kämpfer, grinst solange, bis ein Querschläger völlig unerwartet auf deine Schläfe trifft. Knallst mit dem Schädel voraus zu Boden,  es kracht ein wenig, bevor sich die dünne Spur aus Blut ihren Weg übers Gesicht bahnt. Rappelst dich zurück nach oben, lässt dich notdürftig wieder zusammenflicken und läufst voller Adrenalin weiter, wegen dem bisschen verletzt sein gibt man doch nicht auf? Lächerlich.

„Ich becher mich weg,

Barkeeper hau raus was in deinen Fässern steckt

Ich saufs aus weil´s mich vergessen lässt

Meine Gedanken sind besessen von Sex“

Nichts wie rein und weitermachen.

Tobende Menge schaukelt sich hoch, verkriechst dich für einige Zeit in dir selbst, gut getarnt hinter dick aufgetragener Fassade. Niemand soll bemerken, wie sehr du wirklich getroffen bist.

Schlägst alle Warnungen in den Wind, aus Trotz schaltest noch einen Gang höher, immer auf der Überholspur. Strampelst dich ab, verlierst zunehmend an Um- und Vorsicht, Tunnelblick einzig und allein aufs vermeintliche Glück gerichtet.

Gerade als es greifbar scheint, versagen deine Beine, die letzten Kraftreserven sind verbraucht, von Krämpfen gebeutelt bleibst du auf der Strecke liegen. Musst es ziehen lassen, solange bis die Akkus wieder geladen sind. Beutelst dir den Staub von den Schultern,  stehst wieder auf und witterst deine Chance. Und die Jagd beginnt von vorne.

„Gehen wir ´nen Schritt zurück

Dann nur um Anlauf zu nehmen und zu springen

Lass uns am Besten in die Höhe fallen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wilkommen zurück

Laufe durch die Finsternis, kann seinen Atem im Nacken fühlen. Versuche schneller zu rennen, trete wie verrückt auf den Asphalt – vergeblich.  Nicht mehr lange, dann wird er mich schnappen und mit sich nach unten ziehen.

Panik kriecht in mir hoch, ich will schreien, doch bleibe stumm. Meine Stimme versagt genauso wie meine Beine, alles was ich noch spüre ist das Herzjagen und seinen eisernen Griff um meinen Hals.

Wortlos drückt er zu, ich schaffe es endlich die Augen zu öffnen und  erwache.

Es ist stockdunkel im Schlafzimmer, meine Hand sucht auf der anderen Seite nach einem Beschützer, bis mir wieder einfällt, alleine ins Bett gegangen zu sein. Ich taste nach dem Gummiband über dem Handgelenk und lasse es immer wieder gegen die Pulsadern schnalzen. Doch der dumpfe Schmerz schafft es nicht, die anrollende Angstattacke zu schmälern. Diesmal trifft sie mich mit voller Wucht, ich bekomme keine Luft mehr, kalter Schweiß läuft über die glühenden Schläfen, außerdem  explodiert mein Brustkorb beinahe.

Jemand ist in der Wohnung.

Das war nur ein Alptraum

Ganz sicher.

So ein Blödsinn.

Doch. Er ist ganz sicher noch hier.

Das macht deine Paranoia mit dir.

Mit zitternden Händen ertaste ich den Lichtschalter, atme auf als es hell wird und ich das Tränengas auf dem Nachtisch erkenne. Die Diskussion in meinem Kopf reißt nicht ab, ich muss nachsehen ob da wirklich niemand ist.

Drücke mein Ohr gegen die Türe, doch alles was ich hören kann, ist mein Herzschlag. Vorsichtshalber kralle ich mir auch noch den Rohrstock neben dem Bett, und suche die Wohnung nach meinem vermeintlichen Verfolger ab.

Hab dir ja gesagt, nur der Verfolgungswahn.

Halt die Schnauze.

Du drehst langsam durch.

Halt die Schnauze.

Die Katze sieht mich an, als würde sie sich von meinem inneren Monolog gestört fühlen.

Versichere mich, dass auch auf dem Balkon niemand ist, bevor ich mich aufs Sofa fallen lasse und ein zweites Mal vom Schlaf übermannt werde.

Als die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster dringen, liege ich längst wieder wach. Das Chaos im Kopf wird schlimmer, je länger ich an die Decke starre.

Wie es ihm wohl grade geht.

Vergiss ihn.

Aber ich liebe ihn.

Er benutzt dich.

Aber ich liebe ihn.

Glaubst wirklich, dass er auf dein Begräbnis geht, wenn dich wegen ihm ruinierst?

Aber ich liebe ihn.

Er ist gefährlicher als alles andere für dich.

Ich beschließe zum dreihundertfünfundzwanigtausensten Mal, ihn endgültig zu vergessen, binde mir ein zweites Gummiband ums Handgelenk,  packe meine Sachen und mache mich auf den Weg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Splitter im Herz

Ich freue mich auf das Date.

Hab seit Tagen nicht gevögelt, außerdem Liebeskummer vom Feinsten. Die beste Möglichkeit einen Typen zu vergessen, soll ja bekanntlich darin liegen, sich unter einen anderen zu legen.

Es fruchtet tatsächlich; auch wenn der Unbekannte sogar ausgezogen wie ein Schlipsträger wirkt. Scheiß drauf. Sein Schwanz ist ganz anständig proportioniert, im Gegensatz zu seiner Frisur. Wer auch immer das verbrochen hat, muss wirklich pervers im Kopf sein.

Mister Chaosfrisur verbindet mir die Augen und  fesselt meine Arme aneinander;  soll er ruhig machen, drei vorangegangene Dates rechtfertigen mein Vertrauen-  immerhin hat er mich bis jetzt noch nicht umgebracht. Warum sollte er es dann ausgerechnet heute machen?

Der Fick ist nett, ja genau; die kleine Schwester von Scheiße.

Als mir die Augenbinde runter rutscht, riskiere ich einen Blick nach hinten, um unmittelbar darauf, einen Tobsuchtsanfall zu bekommen; der Scheißarschkopfhurensohnwichser hat keinen Gummi drauf;  trete mich von ihm los und sage einige nicht nette Dinge zu ihm.

Er wirkt verstört, es sei doch meine Schuld, wenn ich keine Kondome raus lege. Wieso sollte er dann welche benutzen?

Von wegen, dumm fickt gut. Verfluchte Arschgeige.

Feierabend. Packe meinen Kram und verschwinde. Nichts wie weg hier.

Zwei Uhr morgens in Wien.

Blind vor Wut rase ich durch die Stadt, zwei Minuten später holen sie mich mit Blaulicht von der Straße. Frau Inspektor ist ein geiles Gerät, konzentriere mich darauf, nicht allzu Porno dreinzuschauen und beschränke die Konversation auf: „Wie viel?“

Achtzig Euro später bete ich zu Gott, mit dem restlichen Benzin bis nach Hause zu kommen.

Tränen schießen mir übers Gesicht, wie dumm kann ein Mensch eigentlich sein?

Ich vermisse ihn so schrecklich, was zum Teufel treibe ich hier?

Wische mir mit dem Handrücken über die verheulten Augen, versuche an etwas anderes als ihn zu denken. Funktioniert leider nicht. Es kracht.

Filmriss.

Rase über die Autobahn. Es ist gut, aber das blinkende rote Licht geht mir auf die Nerven. Was will denn das Dings?

Neben dem Symbol für eine Tankstelle steht null Kilometer, das Ganze tanzt in puffrot…

Stehe voll am Gas und werde trotzdem immer langsamer, steuere mit dem letzten Schub einen Parkplatz an, rufe den Pannendienst.

Die finden das aber nicht lustig, nur wegen leerem Tank um vier Uhr Morgens mitten in die Pamba zu fahren.  Bin ich froh, dass  ich auch noch einen Totalschaden hab.

Trotzdem warte ich geschlagene zwei Stunden auf den Abschleppmenschen. Bin so sauer, dass ich ihm nicht mal einen blase. Soll er sich doch selbst eins lutschen der blöde Wichser.

Aber davor  tankt er mir noch zwanzig Liter Sprit in die Kiste.

Koma.

Sonnenstrahlen im Gesicht, so schön zuhause.

Fuck.

Wie zum verfickten Teufel noch mal, bin ich bis ins eigene Bett gekommen?

Übergeben oder Selbstmord?

Kein Kübel in Reichweite. Wohnung im Erdgeschoss; also keins von Beiden…

Klingelt an der Tür.  Ich tippe auf den Mann mit dem Kukuck….

Ihre Augen sind noch trauriger als meine; verzweifelt und ratlos schaut sie mich an:

„Er sagt, du kannst von Glück reden, noch am Leben zu sein.“

Bröckelnde Fassade treibt  die Splitter tief ins Herz.

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Haare ohne Selbstbeherrschung

Wir amüsieren uns, auch wenn das Bier der Franzosen zum Kotzen ist; wahrscheinlich sind sie deshalb alle so scharf auf Champagner. Mister Marley Junior heißt in Wirklichkeit Jean; er hat den Körper eines Usain Bolts´ – definierte, starke Arme und einen ebensolchen Torso. Seine Dreads reichen bis unter die dunkelbraunen Nippel.  Außerdem ist er riesig, ich mag es, zu jemand aufsehen zu müssen.

Ich versuche unauffällig herauszubekommen, ob alles an ihm so groß ist, aber seine nicht allzu enge Boxershorts lässt leider keine Schätzung zu.

Yves bemerkt meinen fragenden Blick:

„Du bist unmöglich! Wie viel Selbstbeherrschung hast du schon verbraucht, um ihn nicht gleich an der Theke zu vernaschen?“

„Was ist Selbstbeherrschung?“

Minuten später finde ich mich selbst auf allen vieren in einem der Animationsräume wieder. Bedauerlicherweise, ist nicht alles so mächtig an Jean, wie sein Körperbau. Er scheint meine Enttäuschung zu bemerken:

„Don´t worry Babe. Will get bigger in a while.“

Na dann bin ich ja beruhigt. Wobei mir kleine Schwänze beim Lutschen eh lieber sind; da droht zumindest keine Erstickungsgefahr.

Yves umklammert mich an den Hüften, dringt mit einem einzigen Stoß ganz in mich ein, meine Erregungskurve schnellt genauso steil nach oben, wie der schwarze Kolben vor meinem Gesicht. Jean sollte Recht behalten, als ich daran zu saugen beginne, legt er noch mal einiges an Umfang zu.

Wär mein Mund nicht voll Schwanz, würde ich ihn fragen wollen, wo er den denn plötzlich her hat.

Die Beiden ficken mich an den Rand der Besinnungslosigkeit, innerhalb weniger Augenblicke, sind wir umringt von Zusehern. Neben uns taucht das attraktive Pärchen von vorhin auf, das das Schauspiel anscheinend auch sehr inspirierend findet.

Im Handumdrehen ist die Kleine ihr Höschen los und lässt sich unweit von uns flachgelegen. Ihren Lauten zufolge ist das Moritz Bleibtreu-Double, das sie in der Missionarsstellung durchrammelt, gut in dem, was er macht.

So romantisch. Könnt vielleicht irgendwer eine Kerze anzünden?

Ich hab leider keine Hand mehr frei. Mit einer stütze ich mich ab, während ich mit der freien einen der Zuseher bediene. Jeans Finger graben sich in meinen Hinterkopf, sachte packt er zu, schaltet einen Gang rauf. Wie einen Ping-Pong Ball spielen mich die drei hin und her, rhythmischer Höhenflug mit völligem Kontrollverlust.

Mein Kopf singt  „Jihaa!“, alles was ich noch sehen kann, ist Jeans Bauchnabel, alles was ich noch fühle ist ekstatisches Zittern.

Sacke benommen in starke Arme und frage mich welcher Trottel schon wieder in meine Haare gewichst hat.

 

 

 

 

 

Warm up

„All my life

I´ve been searching for some

Trouble shooting with love loaded guns“

 

Nach dem doch recht fordernden Warm up brauch ich dringend was zu trinken. Da Yves dreimal so lange zum Duschen, wie ein vollbesetzter Autobus mit „GermanysnextTopmodels“ braucht, mache ich mich alleine auf dem Weg zur Theke.

Mittlerweile ist der Laden gut gefüllt, zwar geistern nach wie vor mehr Kerle als Frauen herum, aber  das zum Großteil junge Publikum macht ziemlich was her. Das Pärchen neben mir am Tresen sieht zum Anbeißen aus; er hat einen Hauch von Moritz Bleibtreu in den Neunzigern. Sie ist keine fünfundzwanzig, erinnert mich an Kat Dennings.

Dunkelbraune Haare bis zu den Hüften, Augen so schwarz wie die Abgründe, die sich in mir bei dem Anblick auftun.

Apropos schwarz? Wo ist  denn der Rasta-Mensch  hin verschwunden?

Suchend lasse ich meinen Blick durch die Bar wandern, als ich plötzlich hinter mir was spüre, bevor  ich es einordnen kann, raunt mir ein „Bon Jour“ über die Schulter.

Volltreffer. Der Nachtisch. Schokolade.

„Hi“.

Er fragt mich, wo mein Freund sei. Ich antworte, ich hätte viele Freunde. Wir lachen. Ob ich mit ihm wohl Champagner trinken möchte. Wenn ich ehrlich bin, wär mir Bier lieber. Wir lachen.

Plötzlich lacht auch Yves.

 

 

 

 

 

Männerüberschuss mit Schokolade

Der ältere Herr am Empfang wirkt  genauso unscheinbar, wie der Club von außen. Seine null-acht-fünfzehn Senioren-Frisur ist so schneeweiß wie die Pulverschicht auf dem Tresen. Und auch der Eingangsbereich haut mich jetzt nicht vom Hocker. Rot-gedämpftes Licht fällt aus unzähligen Spots auf ein schwarzes Stoffsofa, es riecht nach billigem Parfüm. Ich lege meinen Trenchcoat ab, unter dem ich außer einer transparenten schwarzen Bluse, Strapsen und High Heels nichts mehr anhabe. Auch Yves hat sich bis auf die Boxershort ausgezogen und gibt unsere Sachen dem Kerl, der sie mit einem fetten Grinsen in der Garderobe deponiert, ohne seinen Blick ein einziges Mal von meinen Brüsten abzuwenden.

Yves packt meine Hand und zieht mich die Treppe nach unten; ich dachte eigentlich, dass nur österreichische Männer ihre wesentlich jüngeren Frauen in einen Keller locken. Wieder was gelernt. Auch Franzosen bekommen dabei Ständer.

Und was für welche!

Kann meine Finger nicht von dem Kerl lassen, am Ende der Treppe angekommen, drücke ich mich gegen seinen Körper . Meine Hände streichen über die Beule seiner Short, wir küssen uns.   Yves flüstert mir ins Ohr: „Du wirst heut noch genug Schwänze zu spüren bekommen.“

Dass sich seine Prophezeiung bewahrheiten wird, wird mir beim anschließenden Rundgang durch den Club bewusst. Abgesehen von einer kleinen Blondine, die sich auf einer der Spielwiesen von zwei Kerlen die Seele aus dem  Leib ficken lässt, während an die zehn weiteren dabei wichsend zuschauen, bin ich wohl die einzige Frau hier.

„Na, du kleines Miststück? Hab ich zu viel versprochen?“

Diesmal sind es seine Hände, die tiefer wandern.

„Challenge accepted.“

„Ach ja? Dann solltest da drüben helfen.“

Yves deutet in Richtung der offensichtlich unterbeschäftigten Herren, denen meine Anwesenheit nicht entgangen ist und klatscht mir auf den Hintern.

„Was meinst du mit helfen? Soll ich denen eine gute Nacht Geschichte vorlesen, wenn sie fertig sind?“

Ohne seine Antwort abzuwarten, stakse ich zu dem Haufen Schwanzträgern, knie mich auf den Fußboden und nehme dem ersten die Arbeit ab. Kaum habe ich sein Ding in der Hand, rückt der Mann neben ihm ein Stück weiter zu mir und hält mir seine Latte vors Gesicht. Ich habe den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und blase mich gerade warm, als er sich mit einem geniert-gehauchten „Pardon Madame“, gerade noch rechtzeitig aus mir zurückzieht. Trotzdem erwischt mich die erste Ladung halb im Gesicht, halb auf den Haaren. Wozu hab ich mich heute noch mal geföhnt?

„Ist alles okay Maja?“

Yves steht hinter mir, streichelt über meine Schultern.

„Mein Auge brennt ein wenig. Sonst ist super.“

Lachend stellt er eine Packung Kleenex neben mich, er hat das wohl kommen gesehen. Gerade als ich mir das Gröbste weggewischt habe, wedeln auch schon die nächsten mit ihren Schwänzen vor mir herum. Zum Glück haben die anderen mehr Talent beim Zielen als der Erste, zumindest sollte an dem Abend nichts mehr ins Auge gehen.

Bei Nummer sieben höre ich auf zu zählen, habe aber langsam Angst eine Kiefersperre zu bekommen. Ich höre wie sich Yves mit einem der Männer unterhält, bevor er mich hochzieht, umarmt und küsst.

„Fick mich bitte Yves.“

Unweit des quiekenden Blondchens, gehe ich auf der Gang-Bang-Matratze auf alle viere, er kommt meiner Bitte nach und vögelt mich solange, bis ich dieselben Laute wie sie von mir gebe. Porno pur.

Ich bin kurz vorm Kommen, als er plötzlich innehält und dem jungen Kerl, mit dem er davor geredet hat, etwas zuraunt.

Noch ehe ich weiß, worum es grade geht, streift sich der Unbekannte ein Kondom über. Yves schnappt mich, spuckt auf meinen Arsch, schiebt mir erst seine Finger- und anschließend seinen Schwanz in den Hintereingang.

Kaum hat er sich ganz in mir versenkt, werde ich von ihm auf den Rücken gedreht. Er liegt nun unter mir und drückt meine Oberschenkel ein wenig auseinander. Gerade soweit um seinen neuen Kumpel, der vor mir steht und meine Brüste knetet, auch noch Platz zu machen.  Vorsichtig schiebt er sich zwischen meine Beine, quälend langsam setzt er die Spitze seines Riesendings an.  Zentimeter um Zentimeter taucht er weiter in mich.

Boom.

Jetzt bin eindeutig ich diejenige, die am lautesten winselt.

Die Geräuschkulisse kickt zusätzlich zu den zwei Männern in mir, die mich in den Wahnsinn vögeln und mir erst eine Verschnaufpause gönnen, als ich kurz vorm Kapitulieren bin. Allerdings sehen die Beiden auch sehr mitgenommen aus, dafür dass sie im Gegensatz zu mir, nur einmal abgespritzt haben.

Mit zitternden Beinen wackeln wir zu den Duschen, ein schwarzer Gott mit langen Rastas kommt die Treppe nach unten geschlendert und unterhält sich dabei angeregt mit dem Typen vom Empfang.

Gott ist der geil.

Mir bleibt bei dem Anblick der Mund offen stehen, als die Reinkarnation von Bob Marley auch noch in meine Richtung lächelt, haut es mich um ein Haar um.

Yves schlingt seinen Arm um meine Taille: „Maja, du kleine Schlampe, wen von den Beiden willst zum Nachtisch?“

„Schokolade, bitte.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf Nimmerwiedersehen Mister VAWK

Schlicht und ergreifend.

Nichts.

So sehr ich mich auch konzentriere- da ist nichts mehr;  als hätte sich die Leere zwischen uns kannibalisiert.

Schmerzverhütung zwecklos – nichts mehr übrig was noch wehtun könnte.

Hat sich das Nicht-Vorhanden -Sein von Liebe jemals befreiender angefühlt?

Endlich losgelassen – rapide an Höhe gewonnen.

Schieße im Kunstflug über sämtliche Dächer dieser gottverdammten Stadt hinaus, drehe lächelnd Pirouetten, während ich zum Abschied leise „Fick dich“ singe…