Ich ficke nicht. Ich recherchiere.

Der Chefredakteurin gefällt´s, allerdings hat sie Bedenken wegen der Zensur. Sie wolle erst noch Rücksprache mit ihrem Anwalt halten und mir dann Bescheid geben.

Vor lauter Freude  vergesse ich  um ein Haar mich darüber aufzuregen, dass Arschlochkatze in meine Schuhe gepinkelt hat.

Allerdings hält die Euphorie nicht lange, eine halbe Stunde später meldet sich die Herausgeberin des Magazins noch mal bei mir. Der Jugendschutzbeauftragte halte die Darstellung sexueller Gewalt für problematisch, ob ich denn vielleicht einen anderen Text hätte. Ich spare mir die Frage, was der Jurist und sie von drogenverherrlichenden Gang Bang Storys halten, da ich  mir die Antwort insgeheim schon denken kann.

Soll ich jetzt etwa über Kuschelsex schreiben? Wie pervers ist das denn bitte? Wer tut so was Abartiges?

Ich durchforste meine Festplatte nach einem passenderen Beitrag, werde natürlich nicht fündig und suche anschließend in meinen Kontakten nach jemand der mich rein zu Recherchezwecken durchvögelt.

Da die meisten die infrage kommen würden, die üble Angewohnheit haben, äußerst anhänglich zu werden, schiebe ich den Gedanken wieder beiseite und beschließe was gegen den bestialischen Gestank meiner Manolo Blahniks  zu unternehmen. In die Waschmaschine kann ich die Dinger wohl nicht werfen.

Schmeiß die Fick-mich-Schuhe stattdessen in die Tonne vor dem Haus, als ein roter Mustang die Einfahrt reingeschossen kommt, vor mir stehen bleibt, die Scheibe hinunterlässt und in meine Richtung quatscht.

„Ey Prinzessin, welche Richtung diese  neue Club?“

Ich glaub mein Schwein pfeift.

Hinter dem Steuer des Wagens sitzt ein junger Kerl, schätze ihn auf Anfang zwanzig. Sein Trainingsanzug, die rumänische Nummerntafel  und die Frage nach dem Puff legen die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Vogel um einen Zuhälter handelt.

„Ey du Hosenscheißer, kein Geld mehr fürs Navi gehabt?“

Genervt  will ich an ihm vorbei, als er den zweiten Anlauf startet.

„Warum du so böse sein mit mir, ich nur gefragt wollen um Weg.“

Verkneife mir den Hinweis, dass es vermutlich besser wäre zum Deutschkurs als in eine Hurenhütte zu fahren. Aber nur weil er so lieb dreinschaut.

„Wie kommst auf die Idee, ich könnte wissen wo dieser Club ist?“

Es ist ja nicht so, dass ich mit tiefem Ausschnitt und Minirock vor die Türe gehe um den Müll rauszubringen; ganz im Gegenteil. Im Moment schaue ich eher aus wie ein Penner. Meine Haare sehen aus, als hätte ich ein Date mit einer nicht isolierten Starkstromleitung gehabt, der Nagellack ist zum Großteil abgebröckelt und meine Augenringe bilden einen super Kontrast zu den blutunterlaufenen Leuchtern  aus denen ich ihn wütend anstarre. Hätte ich noch eine Dose Bier in der Hand, könnte ich mich bei RTL  Familien im Brennpunkt bewerben.; als Hauptdarstellerin für die nächsten zehn Jahre.

„Entschludigung junge Frau, habe gesehen die Schuhe du haben schmeißen in Kibel.  Ich glauben diese schaut aus wie Nuttenschuhe und du vielleicht arbeiten in diese was ist Club.“

Großartig. Dank meinem Highheelinkontinenten Mistviech werde ich für eine Professionelle gehalten.  So nicht. Nicht mit mir. Damit hat das Tier endgültig sein Kastrationsurteil unterschrieben.

„Gut kombiniert Sherlock Holmes. Sonst noch was?“

„Du wieder seien böse mit mir, bitte ich wollen machen keine Ärger. Du nix arbeiten in diese was ist Club?“

Er sieht noch einen Tick niedlicher aus, mein Ärger ist beinahe verflogen und mir fällt die Sache mit der Recherche wieder ein.

„Nein. Ich bin eine ganz seriöse arbeitslose Arbeitslose. Nix ficki ficki in diese was ist Club.“

Das dürfte sogar er verstanden haben. Wahrscheinlich auch die geschätzt hundertdreißig Jahre alte Nachbarin, die uns vom Balkon aus belauscht und dabei so tut als würde sie ihre Blumen gießen, obwohl schon längst kein Wasser mehr aus der Gießkanne läuft.

Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, für einen Puffsuchenden wirkt er relativ entspannt.

„Bitte, du mir sagen wohin? Diese scheiße was ist Handy Akku leer. Ohne Google maps fahren wie Depperter aber nix finden diese was ist Club.“

Sein Dackelblick wirkt.

„Weißt du was? Ich nix ficki ficki in diese was ist Club, aber wenn du willst ich machen ficki ficki mit dir in diese was ist  Auto?“

Meiner Nachbarin fällt vor Entgeisterung fast das Gebiss aus dem offen stehenden Mund, während er mir die Türe öffnet und ich in seinen Wagen steige.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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